Dienstreise-Erlebnisse

Ich war diese Woche auf Dienstreise in der Türkei. Als ich Montag spät am Abend im Hotel in Istanbul ankam, stellte ich mit Schrecken fest, dass ich mein Smartphone im Taxi liegen lassen hatte. Der Rezeptionist war sehr hilfreich und machte den Fahrer ausfindig. Es gibt noch ehrliche Menschen auf der Welt. Nachts kurz vor ein Uhr stand der Taxifahrer wieder in der Lobby und überreichte mir mein Handy. Er hatte sogar einen Anruf von einem meiner Kunden aus den USA angenommen. Die Erleichterung war groß, denn es ist mein wichtigstes Arbeitsmittel. Immerhin habe ich gelernt, auf Türkisch Danke zu sagen  – Tesekkürler.
Istanbul Atatürk Airport
Istanbul Atatürk Airport
Um vier Uhr morgens musste ich aufstehen, um den sechs Uhr Flug nach Denizli, eine Provinzstadt irgendwo zwischen Istanbul und Antalya, Izmir und Ankara zu erreichen. Mein Kollege hatte ebenfalls kaum Schlaf gehabt, so dass wir beide schon k.o. waren, bevor die Arbeit überhaupt los ging.
Das Meeting beim Kunde lief erst wenige Minuten, als der Strom ausfiel. Wie wir bald erfuhren, war das fast in der gesamten Türkei der Fall. Man vermutete einen Sabotageakt oder eine Cyberattacke.
Für das Meeting war das egal, da ich fast nie PowerPoint Präsentationen benutze und somit kein Bedarf für technische Geräte bestand. Wir hatten intensive und erfolgreiche Diskussionen.
Denizli
Denizli
Nach dem Meeting wollte uns der Kunde noch seine Produktionslinien zeigen. Die Halle hatte keine Fenster, also fuhr ein Gabelstapler hinter uns her, um die Maschinen zu beleuchten.
Zum Glück fiel der Rückflug nach Istanbul am Abend nicht aus, aber wir erfuhren kurz vorm Abflug, dass es dort eine Geiselnahme mit Todesopfern gegeben hatte, was nicht sehr beruhigend war.
Irgendwann war ich aber wieder im Hotel und es gab auch wieder Strom. Ich fand die Entscheidung von voriger Woche gut, für zu Hause einen Notstromgenerator anzuschaffen.

Wenn ich in die Türkei muss, passiert ständig etwas. Das Ganze erinnerte mich an einen Business Trip nach Istanbul vor eineinhalb Jahren. Ich hatte mit einem Kollegen ein Meeting in einem Institut auf der asiatischen Seite von Istanbul. Wir hatten danach einen Rückflug nach Berlin, aber das Meeting dauerte viel länger als geplant. Unsere Gastgeber machten uns wenig Hoffnung, dass wir den Flug noch erreichen, zumal die Bosporus-Brücken verstopft waren. Irgendjemand hatte die Idee, zum nächsten Fährhafen zu fahren, die Fähre zum europäischen Teil zu nehmen und von dort nochmal 20 Minuten mit dem Taxi zum Airport. Theoretisch war das machbar. Allerdings fuhr unser Chauffeur so langsam und setzte uns auch noch an der falschen Stelle ab, dass wir die Fähre verpassten. Uns fehlten 10 Meter. Das nächste Boot ging eine halbe Stunde später und damit sahen wir keine Chance mehr, den Flug zu erreichen. Ich nutzte also die Wartezeit, um mit unserem Travel Office nach Alternativen zu schauen. Es sah nicht gut aus. Alles ausgebucht. Einzigste Option war am Folgetag von Istanbul nach Helsinki und von dort nach Berlin zu fliegen. Damit hätte ich aber am Freitagabend das Pfahl-PFK, das ich zu leiten habe, verpasst.

Istanbul vom Mündung Bosporus ins Marmarameer
Istanbul vom Mündung Bosporus ins Marmarameer
Wir beschlossen, doch noch zu versuchen, unseren Flug zu erreichen. Als wir mit der nächsten Fähre im Fährhafen ankamen, hatten wir noch 30 Minuten bis zum Abflug (also lief schon das Boarding) und mindestens 20 Minuten Taxifahrt bis zum Airport. Ich habe dem Taxifahrer den doppelten Preis versprochen, wenn er es in 10 Minuten schafft. Es war ein junger Kerl, und er schaffte es. Ähnlich irre Fahrten habe ich bisher nicht mal in Indien oder China erlebt, nur noch in Moskau.
Zum Glück hatten wir schon Boardingpässe und nur Handgepäck. Dafür gibt es in Istanbul aber zwei Sicherheitskontrollen und das Gate war ganz hinten. Wir sind gerannt wie die Irren und als wir saßen, rollte der Flieger sofort los.
Fazit: Die Aussicht auf Istanbul von der Fähre war grandios, auch mit knapp 50 kann man noch sprinten, wenn es sein muss. Und es ist sehr unangenehm, völlig durchgeschwitzt im Flieger zu sitzen.
Istanbul ist eine der interessantesten  Städte der Welt.
Istanbul vom der Bosporusmündung gesehen
Istanbul vom der Bosporusmündung gesehen

Weil Er lebt – Osterwoche 2015

WEIL ER LEBT

Jesus Christus hat wirklich gelebt. Er zog durchs Heilige Land, vollbrachte Wunder und verkündete die Wahrheit. Dann wurde er gekreuzigt. Aber sein Tod war nicht das Ende. Dank seiner Auferstehung werden wir wieder leben. Dank seines Opfers können wir Sünde überwinden und wahre Freude erfahren. Weil er lebt, können wir jeden Tag unseres Lebens Hilfe und Heilung bei ihm finden.
Osterwoche
          
Alle Beiträge zur Osterwoche ansehen:

http://www.mormon.org/deu/ostern

Es gibt einen unbegrenzten Bedarf, das Sühnopfer Jesu Christi zu verstehen und die Rolle, die Vergebung dabei spielt. Vergebung fällt den meisten von uns schwer, wenn sie am dringendsten notwendig ist. Vielleicht kann die Osterwoche jedem von uns helfen, im eigenen Leben das Prinzip der Vergebung anzuwenden.

Frühjahres-Pfahlkonferenz 2015

Die diesjährige Frühjahres-Pfahlkonferenz findet am 25. und 26.4. im Pfahlzentrum in Leipzig bzw. im Kulturhaus Böhlen statt. Der Distrikt Erfurt ist ebenfalls zu dieser Konferenz eingeladen. Elder Detlef Adler, unser Gebietssiebziger, wird über die Konferenz präsidieren.

Jedermann ist herzlich willkommen.

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Das detaillierte Programm wird in Kürze veröffentlicht.

Sisters und Elders – Part 10

Gestern hatte ich das Vorrecht, Helga und Manfred Schütze aus dem Zweig Bernburg auf eine Mission in den Helsinki Finnland Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage berufen zu dürfen. Es war für mich aus mehreren Gründen ein emotionaler Moment.

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Die beiden wurden vor ca. 3 Wochen vom Tempel Department gefragt, ob sie bereit wären, diese Mission zu erfüllen, da im Helsinki Tempel Missionare mit russischen Sprachkenntnissen benötigt werden. Innerhalb von wenigen Tagen fassten sie den Entschluss und in knapp einer Woche waren die erforderlichen Papiere ausgefüllt und alle Arzttermine erledigt. Ich konnte bei diesem Tempo kaum mit mit dem Teil, den ich beizutragen hatte, Schritt halten 🙂
Diese Herangehensweise an Herausforderungen macht sie für mich zu großen Vorbildern. Sie sind einfach immer da, wenn sie gebraucht werden –  keine Befindlichkeiten, sondern den Blick immer nach vorn gerichtet.
Diese Form der Hingabe macht diese Kirche aus. Man muss deshalb nicht immer gleich auf Mission gehen, obwohl das vielen älteren Ehepaaren sehr gut tun würde und es viele Wege gibt, es finanziell zu ermöglichen. Es geht um die Entschlossenheit, etwas bewirken zu wollen und zu können. Es gehört auch eine große Portion Glaube und Vertrauen dazu, aber darin liegt der Schlüssel, geistig zu wachsen und bemerkenswerte Erfahrungen zu machen, wodurch sich ein Zeugnis entwickelt, dass nicht einfach oder sogar gar nicht erschüttert werden kann.

Manfred Schütze war der Mann, der mich gefordert hat, als ich ein junger Mann war (siehe „Wie ich ein CES Lehrer wurde“ und „Über mich„). Er war und ist ein Mentor für mich seit meiner Jugend. Seine Meinung ist mir wichtig und seine Bereitschaft zu Dienen ein Role Model für mich.
Helga Schütze sagte gestern in ihrer kurzen Ansprache sinngemäß folgendes: Ich wende mich jeden Tag mehrere Male mit meinen Wünschen an den Vater im Himmel. Wie könnte ich es ihm abschlagen, wenn er einen Wunsch an mich hat.

Alles Gute in den nächsten Monaten in Finnland. Unsere russischsprachigen Geschwister werden euren Dienst besonders schätzen.

 

Gemeinden in Leipzig

Gestern habe ich in der Gemeinde Leipzig 1 einen neuen Bischof berufen. Der Prozess, einen neuen Bischof zu berufen, ist immer eine besondere Erfahrung und der Tag gestern war auch ein schönes Erlebnis. Irgendwann schreibe ich dazu mal etwas. Dem neuen Bischof Attila Heller und seinen beiden Ratgebern Steffen Schmidt und Michael Tilgner wünsche ich ein erfolgreiches Wirken als Bischofschaft und bin mir sicher, dass wir sehr gut zusammen arbeiten werden.
Der alten Bischofschaft unter Bischof Walter Müller und seinen beiden Ratgebern Gero Seidl und Sebastian Müller danke ich von Herzen für die hervorragende Arbeit in den letzten Jahren. Es ist mir schwer gefallen, euch zu abzulösen, aber da wir alle ehrenamtlich arbeiten und diese Berufungen große persönliche Opfer erfordern, ist es wichtig, dass wir von Zeit zu Zeit die Lasten auf andere Schultern legen.

Vor kurzem hat das Leipziger Lokalradio mephisto 97.6 einen Beitrag über unsere beiden Leipziger Gemeinden gesendet. Vielen Dank, Andreas für deine Hilfe dabei. Hier ist für Interessierte der Link:
http://mephisto976.de/news/begegnungen-schleussig-48148

Das Pfahl- und Gemeindezentrum in der Oeserstraße 39 in Leipzig ist in den letzten 6 Jahren eine zweite Heimat für mich geworden, wo ich viel Zeit verbringe, mit Hunderten Menschen gesprochen habe und hoffentlich dem einen oder anderen Hilfe, Motivation oder auch Trost geben konnte.

Am besten man kommt selbst und erlebt. Der Gottesdienst der Gemeinde Leipzig 2 beginnt sonntags um 9:30, die Gemeinde Leipzig 1 hat ihren Gottesdienst sonntags um 14:00.

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Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 02

“ Siehe, ich spreche zu euch, als seiet ihr gegenwärtig, und doch seid ihr es nicht. Aber siehe, Jesus Christus hat euch mir gezeigt, und ich weiß, was ihr tut“ (Buch Mormon, Mormon 8:35)

Es ist ratsam, diese Schriftstelle bei der Lektüre dieses Posts im Sinn zu behalten. Die Sätze wurden von Moroni geschrieben, dem Mann, der den Untergang seines Volk mit ansehen musste und danach das Buch Mormon vollendete und für die Nachwelt für mehr als 1400 Jahre verbarg. Moroni warnt mit seinen Worten alle zukünftigen Leser vor den gleichen Fehlern, die zum Niedergang einer Hochkultur innerhalb einer historisch relativ kurzen Zeit führten. Die nephitische Hochkultur war nach heutigen Maßstäben regional eng begrenzt. Allerdings wusste Moroni, dass Geschichte sich immer wieder wiederholt und offensichtlich hat Gott ihm gezeigt, welche Auswirkungen diese Fehler in einer Gesellschaft wie der unseren haben würden.
Wenn man das Buch Mormon zu Ende liest, findet man noch einmal eine hervorragende Zusammenfassung von Ratschlägen, wie man den Willen Gottes erkennen und verheerenden  Entwicklungen, die Familien und Gesellschaften nachhaltig schaden, entgegenwirken kann.

Teil 1 lesen:

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 01

Teil 3 lesen:

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 03

 

Pfahl-Fussball- und Volleyballturnier

Am 24. Januar fand in Langenhessen bei Werdau unser alljährliches Hallen-Fussball- und -Volleyballturnier statt. Das Turnier erfreut sich großer Beliebtheit und hat mittlerweile eine beachtliche Tradition.
Die Organisation war wieder hervorragend und es wurde sehr fair gespielt.

Vormittags kämpften 6 Mannschaften um den Sieg im Fussball, dieses Jahr erstmals mit einer Ü40 Mannschaft (die eigentlich im Schnitt Ü50 war 🙂 ) und der die jungen Kerle den Namen All-Star-Team verpassten. Gewinner war dieses Jahr die Mannschaft aus Köthen, vor Hohenstein-Ernstthal und Leipzig 2. Die alten Herren konnten die jungen zwar nicht besiegen, waren aber in einigen Spielen nah dran und hatten einen grandiosen Torhüter. Wir hatten großen Spaß.

Nachmittags trafen sich die Volleyballer. Ich hatte leider keine Zeit, auch daran teilzunehmen, aber auch hier gab es gute Spiele und mit Bernburg einen überraschenden Sieger.

Hier noch einige Bilder, die ich während des Turniers gemacht habe.

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Leipzig 2 gegen Hohenstein-Ernstthal 2

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Köthen gegen Leipzig 1

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Hohenstein-Ernstthal 1 gegen All-Star-Team

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Die alten Herren 🙂

Vorbereitungen fürs Volleyballturnier:
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Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 01

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Der Höhepunkt des Buches Mormon ist der Besuch des auferstandenen Jesus Christus bei den Bewohnern des Landes Überfluss. Dabei gab er ihnen die Gelegenheit, ihn zu sehen und zu berühren.  Das Buch Mormon bestätigt den Bericht des Neuen Testaments von Seinem Wirken in Palästina und ist damit neben der Bibel ein weiterer Zeuge für Jesus Christus.

Ähnlich wie seinen Freunden in Jerusalem, gab Jesus auch dem Volk Nephi nicht nur einen Beweis seiner Auferstehung und physischen Existenz, sondern während der Dauer seines Aufenthaltes diente er ihnen geistlich auf einzigartige Weise.

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Unter anderem tat er das wie folgt, nachzulesen im Buch 3. Nephi ab Kapitel 11:

 – Er gab ihnen ein vollständiges Verständnis seines Sühnopfers und der Lehre Christi.

– Er berief zwölf Apostel und etablierte seine Kirche.
– Er wiederholte die Bergpredigt sowie weitere Evangeliumsgrundsätze wie die christliche Moral- und Glaubenslehre sowie die Notwendigkeit und Art und Weise der Taufe.
– Er erklärte inwieweit er das Gesetz Mose erfüllt hat und seine Lehren deshalb darüber hinausgehen und wie die zukünftige Sammlung Israels vor sich gehen wird.
– Er heilte ihre Kranken, segnete die Kinder und betete für die Menschen auf eine Weise, die nicht mit Worten wiedergegeben werden kann.
– Er zeigte ihnen Nächstenliebe und forderte sie auf, diesem Grundsatz zu folgen und einander zu dienen.
– Außerdem führte er das Abendmahl ein, erklärte seine Bedeutung und bevollmächtigte die Zwölf, die Gabe des Heiligen Geistes zu übertragen. Damit wurden grundlegende Pflichten des Priestertums definiert.
– Er bestätigte die Schriften Jesajas über die Zeit vor Seinem Zweiten Kommen und schilderte Ereignisse und Zustände, die diesem Kommen vorausgehen werden. Er legte alles aus, vom Anfang bis zum Ende.
– Jesus erneuerte auch das Gesetz des Zehnten und forderte die Menschen auf, es zu befolgen und dadurch gesegnet zu werden.
– Bevor er das Volk Nephi verließ, stellte er sicher, dass sie das Evangelium Jesu Christi und die damit verbundenen ewigen Perspektiven verstanden hatten.

Der Bericht im 3. Nephi endet mit folgendem Vers, der eine Aufforderung an die Menschen in unserer Zeit enthält und worauf ich später noch zurückkommen werde:

„Wendet euch, all ihr Andern, von euren schlechten Wegen ab, und kehrt von euren Übeltaten um, von eurem Lügen und Täuschen und von eurer Hurerei und von euren geheimen Greueln und eurem Götzendienst und von euren Morden und eurer Priesterlist und eurem Neid und eurem Hader und von all eurer Schlechtigkeit und euren Greueltaten, und kommt zu mir und laßt euch in meinem Namen taufen, damit ihr Vergebung für eure Sünden empfangen und vom Heiligen Geist erfüllt werden könnt, damit ihr meinem Volk zugezählt werden könnt, das vom Haus Israel ist.“ (3. Nephi 30:2)

Danach verließ er die Nephiten.
Und was geschah dann?

Diejenigen, die Zeugen des Besuches von Jesus Christus waren, fingen an, ihre Erlebnisse mit anderen zu teilen. Das Teilen des Evangeliums und das damit verbundene Streben nach Übereinstimmung mit dessen Grundsätzen, müssen eine riesige Dynamik entwickelt haben, die die Menschen mitgerissen hat. Warum sonst hätten sie glauben, umkehren, sich taufen lassen und den Heiligen Geist erhalten sollen. Warum hätten sie sich jemals ändern und rechtschaffen werden sollen, wenn es nicht etwas gegeben hätte, das ihr Verständnis und ihre Gefühle so erweitert hat, dass sie sich bekehren wollten.

Die Wirkung seines Besuches, der Belehrungen und seines Dienstes war also in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Im Laufe einer historisch kurzen Zeit entwickelte sich eine Gesellschaft, die uns eine konkrete Vorstellung davon gibt, was geschehen kann, wenn das Evangelium Jesu Christi von großen Teilen eines Volkes verstanden und seine Grundsätze konsequent angewandt werden. Im ersten Teil des Buches 4. Nephi im Buch Mormon wird beschrieben, wie sich diese Entwicklung vollzog.

„… und siehe, die Jünger Jesu hatten in allen Ländern ringsum eine Kirche Christi gebildet. Und alle, die zu ihnen kamen und von ihren Sünden wahrhaftig umkehrten, wurden im Namen Jesu getauft, und sie empfingen auch den Heiligen Geist.“ (4. Nephi 1:1)

Das sind die ersten Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi: Glaube, Umkehr, Taufe und die Gabe des Heiligen Geistes als Basis für alles weitere. Bekehrung ist ein persönlicher und vor allem freiwilliger Prozess. Erzwungene Bekehrung ist keine Bekehrung und wird auch nie dauerhafte Früchte hervorbringen.

„Und es begab sich: Im sechsunddreißigsten Jahr wurde alles Volk zum Herrn bekehrt, auf dem ganzen Antlitz des Landes, sowohl die Nephiten als auch die Lamaniten, und es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter ihnen, und jedermann handelte gerecht, einer mit dem anderen.“ (4. Nephi 1:2)

Was lernen wir hier? Bei echter Bekehrung zum Evangelium hören Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit der Zeit auf, weil der Glaube dazu motiviert und sich positive Erfahrungen einstellen, die wiederum die Kraft zu Selbstdisziplin und Selbstlosigkeit geben. Wenn das nicht geschieht und Ungerechtigkeit ebenfalls nicht abgeschafft wird, hat es demzufolge keine echte Bekehrung zum Evangelium Jesu Christi gegeben.

„Und sie hatten alles unter sich gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe.“ (4. Nephi 1:3)

Die Überwindung von Egoismus, Macht- und Habgier, Neid und Missgunst, aber auch Faulheit und Müßiggang ermöglicht es den Menschen, Unterschiede in Gemeinsamkeiten zu verwandeln und den Fluch, Besitzstände zu vergleichen zu beseitigen. Es bedeutet nicht Uniformismus oder gleichgeschaltete Gehirne, wie manche Zeitgenossen vermuten.
Voraussetzungen für den Erfolg sind echte Nächstenliebe und Menschlichkeit, wie von Jesus propagiert, Rechtschaffenheit, Selbstlosigkeit, Disziplin, Fleiß, Solidarität und Toleranz, die Anerkennung von objektiv gültigen moralischen Gesetzen und deren Befolgung sowie weitere edle Eigenschaften.

Und es wurden große und wunderbare Werke von den Jüngern Jesu vollbracht; ja, sie heilten die Kranken und erweckten die Toten auf und machten, daß die Lahmen gingen und die Blinden ihr Augenlicht empfingen und die Tauben hörten; und allerart Wundertaten vollbrachten sie unter den Menschenkindern; und in nichts bewirkten sie Wundertaten, außer allein im Namen Jesu. (4. Nephi 1:5)

Und nun, siehe, es begab sich: Das Volk Nephi wurde stark und mehrte sich überaus schnell und wurde ein überaus anmutiges und angenehmes Volk. (4. Nephi 1:10)

Einigkeit und Rechtschaffenheit machten dieses Volk nicht nur wirtschaftlich erfolgreich (was nachzulesen ist, aber hier nicht zitiert), sondern auch gesellschaftlich.
Was kennzeichnet ein starkes, anmutiges und angenehmes Volk? Die folgenden Verse fassen es eigentlich recht gut zusammen.

„Und es begab sich: Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im Herzen wohnte, gab es im Land keinen Streit.
Und es gab weder Neid noch Hader, noch Aufruhr, noch Hurerei, noch Lüge, noch Mord, noch irgendeine Art von Sittenverderbnis; und gewiß konnte es kein glücklicheres Volk unter allem Volk geben, das von der Hand Gottes erschaffen worden war.
Es gab weder Räuber noch Mörder, noch gab es Lamaniten, noch sonst irgendwelche -iten; sondern sie waren eins, die Kinder Christi und Erben des Reiches Gottes.
Und wie gesegnet waren sie! Denn der Herr segnete sie in allem, was sie taten; ja, sie wurden gesegnet, und es erging ihnen wohl …“ (4. Nephi 1:15-18)

Das alles kann durch die Anwendung des Evangeliums Jesu Christi bewirkt werden. Das ist das ihm innewohnende Potential, das nicht nur Glückseligkeit für ein Leben nach dem Tod verheißt, sondern die Werkzeuge und Anleitungen bereithält, wie Zustände in Familien, Gemeinden, Kommunen oder einer ganzen Gesellschaft erarbeitet werden können, die denen gleichen, die hier geschildert werden. Jede Weltanschauung, egal ob sie einen Gott verehrt oder nicht, muss sich an dem ihr innewohnenden Potential und den Perspektiven, die sie bieten kann, messen lassen. Hier ist der Maßstab dafür und dabei haben wir noch nicht einmal die ewigen Perspektiven des Evangeliums Jesu Christi erwähnt.

Der Prozess, um diesen Zustand zu erreichen, war ganz sicher noch wesentlich komplexer als in 18 kurzen Versen geschildert werden kann. Aber der Bericht enthält die entscheidenden Punkte.  Ich stelle mir oft vor, wie diese Menschen an anstehende Aufgaben und Herausforderungen, egal ob sie zeitlicher oder geistiger Natur waren, herangegangen sind und um wie vieles besser sie ihre Zeit und Mittel zur Verbesserung ihrer Gesellschaft nutzen konnten.

Das alles hätte niemals ohne verbindliche Regeln funktionieren können und die Verpflichtung, sich daran zu halten. Vers 12 gibt eine einfache Erklärung, wie sie die geistige Stabilität erhielten, um auf „die Weise des Glücklichseins“ zu leben.

„… sie wandelten nach den Geboten, die sie von ihrem Herrn und ihrem Gott empfangen hatten, und sie fuhren fort, zu fasten und zu beten und sich oft zu versammeln, um zu beten und auch, um das Wort des Herrn zu hören.“ (4. Nephi 1:12)

Die Geschichte mag ideal klingen. Man mag es glauben oder nicht. So ist das mit Glaubensfragen. Ich für meinen Teil glaube daran, dass es so gewesen ist und vor allem, dass es möglich war. Die Denkaufgabe hat aber mit Glauben gar nicht so viel zu tun. Sie besteht darin, das Evangelium Jesu Christi in der Gesamtheit seiner Lehren und Grundsätze zu analysieren, die richtigen Applikationen daraus abzuleiten und darüber nachzudenken, wie sich Zusammenleben und -arbeiten ändern, wenn diese Grundsätze im persönlichen Leben, in der Familie, im Umfeld oder, wie im diesem Beispiel geschehen, in einer Gesellschaft angewendet werden.

Die Nephiten haben es geschafft, diese nahezu idealen gesellschaftlichen Umstände fast 200 Jahre aufrecht zu erhalten. Am Ende dieser Periode, begann eine Erosion, eindeutig verursacht durch das Verlassen der Grundsätze des Evangeliums – zuerst durch einige wenige Menschen, die sich der breiten Masse überlegen fühlten und diese Überlegenheit für sich nutzen wollten. Damit wurde die Einigkeit unter dem Volk zerstört – mit fatalen Folgen wie in Part 2 dieses Posts untersucht werden wird. Nicht umsonst hat Mormon, wie in der Schriftstelle oben zitiert, die Nachwelt vor den Missständen gewarnt, die schließlich zum Niedergang der nephitischen Zivilisation führten.

Teil 2 lesen:

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 02

Teil 3 lesen:

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 03

Alpen

Gestern war ich auf Dienstreise und bin am frühen Morgen von Zürich nach Budapest geflogen. Irgendwo über Österreich (vielleicht war es auch noch Schweiz – keine Ahnung), war gerade beim Lesen von Alma 24, habe ich diese Fotos gemacht. War ein toller Anblick. Leider kriegt es die Handykamera nicht besser hin 🙂

Vielleicht erkennt es jemand – inkl. dem letzten Bild 😉

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