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Gedanken zu Weihnachten

In der Adventszeit waren wir aufgefordert der Welt ein Licht zu sein, siehe https://www.mormon.org/christmas/deu.
Manche haben gefragt: Wie kann man der Welt ein Licht sein? Ist das nicht etwas vermessen? Ist es nicht, wenn man die Bedeutung des Anliegens versteht. Wir haben es versucht und die Erfahrung gemacht, dass sich im Alltag viele, viele Gelegenheiten ergeben, mehr Licht und Freude in das Leben anderer Menschen zu bringen. Wir haben dabei ein größeres Maß an Zufriedenheit und Glück verspürt.

Kann man es sich heute, in einer wettbewerbsorientierten Welt, überhaupt noch leisten, anderen selbstlos beizustehen, die Ellenbogen einzufahren und zu dienen? Ja, man kann und man sollte.
Ich-Bezogenheit oder drastischer ausgedrückt, Egoismus, gehören zu den Hauptkrankheiten unserer Epoche, die zu vielen weiteren Auswüchsen und Krankheiten in der Gesellschaft und damit zu Streit, Leid, Vereinsamung und Gleichgültigkeit führen. Exzessive Ich-Bezogenheit und die überwiegende Fokusierung auf eigene Bedürfnisse bewirken Konsensunfähigkeit und machen den Einzelnen und die Gesellschaft nicht glücklicher. Viele Menschen wollen oft nur noch Beiträge zu ihren eigenen Bedingungen leisten.  Diese Haltung ist ein gesellschaftlicher Trend geworden und hält leider auch Einzug in unsere Gemeinden. Es ist aber dem, was wir glauben und was wir in der Kirche erreichen wollen, diametral entgegengesetzt.

Elder Uchtdorf vom Rat der Zwölf Apostel hat zur letzten Generalkonferenz folgendes gesagt:

„Kommen Sie, helfen Sie uns, eine Kultur aufzubauen und zu stärken, in der alle Kinder Gottes Heilung, Güte und Barmherzigkeit erfahren. Denn wir alle sind bestrebt, „eine neue Schöpfung“ zu werden, in der „das Alte“ vergangen und „Neues“ geworden ist.  Der Erretter zeigt uns, in welche Richtung wir uns bewegen sollen: vorwärts und aufwärts. Er sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Arbeiten wir doch alle gemeinsam daran, die Art Mensch zu werden, die wir nach Gottes Absicht werden sollen!

Das ist die Art Evangeliumskultur, die wir in der gesamten Kirche Jesu Christi pflegen möchten. Wir wollen die Kirche als einen Ort stärken, wo wir einander vergeben. Wo wir der Versuchung widerstehen, Fehler zu finden, zu tratschen und andere herabzusetzen. Wo wir aufrichten, anstatt Schwachstellen aufzuzeigen, und einander helfen, das Beste zu werden, was aus uns werden kann.

Ich lade Sie nochmals ein: Kommen Sie und sehen Sie. Schließen Sie sich uns an. Wir brauchen Sie.“

Esther und ich haben vor kurzem auf unserer Reise durch das Buch Mormon die Stellen im Buch Mormon gelesen, die in diesem kleinen Video beschrieben werden.

Diese Begebenheit und die nachfolgende Geschichte (siehe Helaman Kapitel 13 bis 3. Nephi Kapitel 9) berichten von einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, die ihre Probleme nicht mehr dauerhaft und nachhaltig lösen wollte und am Ende auch nicht mehr konnte. Aus der Lektüre können wir sehr viel lernen.

Zu Weihnachten wünsche ich uns allen, dass wir Jesus Christus als Geschenk annehmen und eine besonders große Portion der Bergpredigt (siehe Neues Testament, Matthäus Kapitel 5-7 oder im Buch Mormon, 3. Nephi Kapitel 12 bis 14) auf unserem Gabentisch zulassen.

Sind diese Werte heute noch haltbar? Selbstverständlich. Sie sind elementar wichtig und sollten ständig wiederholt werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie von vielen als unpopulär oder zu anstrengend empfunden werden. Nachhaltigkeit ist immer anstrengender als der Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegensatz zum Minderwertigen, das sich mit großem Erfolg laut plärrend im 24/7 Modus anbiedert, setzt sich Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens nicht von selbst durch. Man muss sie suchen, sich kümmern, seinen Geist und die Sinne arbeiten lassen und sich verändern. Das ist das große Anliegen der Lehren von Jesus Christus.

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Unsere kleine Lichterwelt zu Hause 🙂

Esther und ich hatten dieses Jahr den Auftrag, die Weihnachtsfeier in unserer Gemeinde zu gestalten. Wir waren uns einig, dass wir den Besuchern etwas geben wollen, dass viele in der Weihnachtszeit paradoxerweise vermissen – Ruhe, Besinnlichkeit, Gemütlichkeit, Freude an einfachen, unspektakulären Dingen, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt, Geschichtenerzählen, Weihnachtsliedersingen und Dankbarkeit für die Geburt des Sohnes Gottes, Jesus Christus.
Esther hat es wunderbar vorbereitet und mich mächtig mit eingespannt. Es hat Freude gemacht.
Nach 15 Jahren, habe ich die Wasserfarben wieder herausgeholt und in der Kürze der Zeit einige Abende damit verbracht, ein paar großformatige Dekorationen zu klecksen. Esther wollte, dass es heimelig wirkt und so habe ich mir ein paar Vorlagen gesucht, die rein künstlerisch nicht meine Sache wären, aber den Zweck voll erfüllt haben. Das Malen empfand ich als sehr entspannend. Es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, als ich noch Pfahlpräsident war. 🙂

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Der Bischof unserer Gemeinde hatte mich vor ein paar Wochen gebeten, für den gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst am 23.12. einen gemeinsamen Chor der Gemeinden Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz zu bilden – etwas, das ich noch nie in meinem ganzen Leben gemacht habe. Ich hatte damit gerechnet, dass wir 10-12 Sängerinnen und Sänger mobilisieren könnten, da in der Vorweihnachtszeit jeder sehr beschäftigt ist. Zu meiner großen Freude waren wir mehr als 25 und, was ich besonders gut fand – im Prinzip alle haben den Wunsch geäußert, wieder regelmäßig zu singen. Das Weihnachtslied klang sehr schön und mir taten die Arme weh. 🙂
Geistliche Musik ist eine großartige Medizin zur Heilung der Seele.

Am vierten Adventssamstag haben wir unseren traditionellen Trip ins Weihnachtsdorf Seiffen gemacht. Das Wetter war wirklich nicht schön – die meiste Zeit kalter Regen. Dennoch hatten wir eine sehr schöne Zeit, die uns auf die Weihnachtstage eingestimmt hat.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest.

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Besuch in Seiffen

Interessant (noch mehr, wenn man das Buch Mormon kennt)

Seit einigen Tagen geht diese Meldung durch die News:

https://www.welt.de/wissenschaft/article173185908/Mysterioese-Stadt-Tikal-Warum-der-Fund-einer-Maya-Staette-eine-Sensation-ist.html

Faszinierende Technologie. Man darf gespannt sein, was damit in Zukunft noch gefunden wird. Ich lese dabei im Buch Mormon und mache mir so meine Gedanken. Ist schon spannend das mitzuerleben.

Also, ich denke, es lohnt sich (nicht nur aus diesem Grund) das Buch aufzuschlagen und sich hinein zu vertiefen – zu den letzten Entdeckungen besonders ins letzte Drittel.
(https://www.lds.org/scriptures/bofm?lang=deu)

Weder die Nephiten, noch die Lamaniten oder Jarediten haben uns Landkarten hinterlassen. Dafür aber jede Menge äußerst relevanter Dinge.

Siehe auch hier:

https://thomashengst.com/2017/07/15/etwas-zum-buch-mormon/

Zwei Bücher – two books

Heute möchte ich zwei besonderer Menschen gedenken und ihnen postum danken. Sie haben mein Leben durch ein Geschenk mehr beeinflusst, als sie vielleicht jemals gedacht haben. Ich habe zu Hause zwei Bücher, die mir besonders wertvoll sind. Es sind englischsprachige Ausgaben der Dreifachkombination bestehend aus Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Köstliche Perle aus dem Jahr 1958 sowie der Bibel.

Today, I´m thinking of and would like to express gratitude to two special people who have passed away years ago but have influenced my life more than they probably ever thought. I have two books at home that are very precious to me. It’s an English issue of the triple combination consisting of the Book of Mormon, Doctrine and Covenants and the Pearl of Great Price from 1958 and the Holy Bible.

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Ich verehre das Ehepaar, das sie mir geschenkt hat, sehr. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann es war. Ich war ein Teenager, Anfang der 1980er Jahre. Georg Goeckeritz und seine Ehefrau Hildegard besuchten uns auf einer ihrer Reisen von Salt Lake City zurück in ihre sächsische Heimat. Die Bücher waren Georg´s eigene Heilige Schriften.

I honor this couple who gave them to me very much. I don’t remember exactly when it was. I was a teenager beginning of the 1980ies. Georg Goeckeritz and his wife Hildegard were visiting us on one of their trips from Salt Lake City to their former home in Saxony, Germany. The books were Georg´s own Holy Scriptures.

Die beiden waren liebe Freunde meiner Eltern und unserer gesamten Familie. Eigentlich waren sie viel mehr als Freunde. Sie haben einen besonderen Platz in unserer Familie. Wenn meine 92-jährige Mutter heute von ihnen spricht, glänzen ihre Augen.

They were beloved friends of my parents and the whole family. In fact, they were much more than just friends. They’ll always have a special place in our family. My 92 year old mother’s eyes get wet for joy every time she speaks of them.

Ich habe es sehr gemocht, wenn sie kamen und ich kann mich an viele Begegnungen noch gut erinnern. Es mag kurz nach dem Tod meines Vaters im Jahr 1983 gewesen sein, als Georg mir die Bücher in die Hand drückte. Er hatte bemerkt, dass ich großes Interesse an Fremdsprachen hatte (zu der Zeit bemühte ich mich, die spärlichen Kenntnisse aus dem Englischunterricht in der DDR weiter zu entwickeln) und sagte in etwa folgendes zu mir: „Wenn du die Heiligen Schriften in der Fremdsprache studierst, die du lernen möchtest, wirst du schneller ans Ziel kommen und ein besseres Verständnis der Sprache erhalten.“

I liked it a lot when they came. I can still remember it very well. It might have been shortly after my fathers death in 1983 when Georg put the books into my hands. He had realized my interest in foreign languages (at the time, I tried to improve my poor knowledge of English by myself as East German schools didn’t focus much on it) and said something like this to me: „You will master and understand the language you strive to learn better and faster if you study the Holy Scriptures in this language.“

Ich habe diesen Rat befolgt, die Bücher intensiv genutzt und die Sprache erfolgreich gelernt. Es hat sich als ein großer Segen in meinem Leben erwiesen. Ich habe außerdem ein viel tieferes Verständnis von den Heiligen Schriften erworben – besonders vom Buch Mormon. Das war ein noch viel größerer Segen.

I followed this advice, used the books intensively and successfully learned the language. It’s been a great blessing in my life. Furthermore, I acquired a much deeper understanding of the Holy Scriptures in particular the Book of Mormon. This has been an even greater blessing.

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Wenn ich heute mit unseren jungen Leuten in unserem Pfahl spreche, die sich vorbereiten auf Mission zu gehen, gebe ich ihnen denselben Rat.

When I speak with our young people in our stake who are preparing to go on a mission I give them the same advice. 

Georg Goeckeritz war ein großer Mann. Ich bin sehr froh ihn und viele seine Lieben zu kennen.

Georg Goeckeritz was a great man. I’m very happy that I know him and many of his loved ones.

Etwas zum Buch Mormon

Von Zeit zu Zeit stöbere ich auf speeches.byu.edu in den BYU Devotionals, um mir interessante Vorträge als MP3 herunterzuladen und bei langen Autofahrten oder im Flieger anzuhören.
Vor einigen Wochen habe ich einen Vortrag von Tad Callister gefunden, den er am 1. November 2016 an der BYU gegeben hat. Es geht darin um die Kontroverse, ob das Buch Mormon eine Erfindung von Joseph Smith oder von Gott gegeben ist. Der Vortrag ist brillant und eigentlich müsste man ihn ins Deutsche übersetzen, damit er allen zugänglich wird, die nicht so fit in Englisch sind.

Jeder kann über die Kirche, Joseph Smith oder auch das Buch Mormon denken was sie oder er will. Man kann an verschiedenen Dingen Anstoß nehmen und zu kontroversen Antworten kommen, je nachdem für welche Perspektive man sich entscheidet. Man kann versuchen, eigene Diskrepanzen zur Lehre oder Anwendung der Lehre, mit Verweis auf die Fehler von Kirchenführern, zu rechtfertigen. Man kann entscheiden, welchen Quellen man mehr vertraut oder in welchen historischen Kontext man sich zur Beurteilung begeben möchte (manchen Menschen, die sich damit ganz offensichtlich schwer tun, wünsche ich sehr, dass in 100 Jahren ihr eigenes Leben im heutigen Kontext betrachtet wird und nicht mit dem, den wir in 100 Jahren haben werden, was deutlich mehr Mühe macht). Man kann frühen Kirchenführern (insbesondere und sehr beliebt bei Joseph Smith) das Recht, Fehler zu machen, absprechen (was für mich unvernünftig ist, wenn man die Umstände, die Aufgabe, die Gesetzmäßigkeit, dass Erfahrung auf Erfahrung aufbaut und die zu lösenden Probleme betrachtet).
Aber eines kann man meiner Meinung nach nicht. Man kann sich nicht einfach so am Buch Mormon, seiner Entstehungsgeschichte, der Lehre und seiner Bedeutung für die Existenz der Kirche und die Menschheit als Ganzes vorbeimogeln.

Tad Callister erklärt sehr einleuchtend, warum das nicht geht. Man kann die Auseinandersetzung mit dem Buch natürlich sehr leicht vermeiden, indem man es ignoriert. Es ändert aber nichts an seiner Entstehung und universellen Bedeutung.

Es ist klar, dass es nicht einfach ist, an den göttlichen Ursprung eines Buches zu glauben. Ich kenne viele, die gern glauben würden, aber sie schaffen es nicht – häufig wegen der damit einhergehenden Konsequenzen. Dafür muss man Verständnis aufbringen.

Im Vortrag wird beschrieben, dass man sich auf wenig stichhaltige, abenteuerliche und teilweise haarsträubende Hypothesen einlassen muss, wenn man nach Alternativen zur Aussage sucht, dass Joseph Smith das Buch Mormon durch die Macht Gottes übersetzt hat und die Entstehung dieses Buches auch gar nicht anders möglich war.

https://www.youtube.com/watch?v=InVmvWA12qU

https://speeches.byu.edu/talks/tad-r-callister_book-mormon-man-made-god-given/

Die entscheidenden Fragen haben sehr wenig mit Archäologie oder Geographie zu tun. Es geht um die Botschaft des Buches Mormon, die klaren und nachhaltigen Lehren, die darin enthalten sind und die viele Irrtümer korrigieren.

Elder Callister nennt dafür einige prägnante Beispiele:

2. Nephi Kapitel 2 – klärt eindeutig, dass der Fall von Adam und Eva kein Schritt zurück, sondern ein wichtiger Schritt vorwärts im Plan der Erlösung war;

Alma 13 – wo wir über die Präexistenz lernen, ohne die alles andere total unvollständig wäre;

Alma 40 – erklärt, was es mit der postmortalen Geisterwelt auf sich hat;

Alma 32 – aus meiner Sicht die beste Erläuterung in den Schriften, wie man Glauben entwickeln kann;

Mosiah 2-5 – eine der beeindruckendsten Predigten über das Sühnopfer von Jesus Christus;

Der Zweck und die korrekte Durchführung der Taufe wird in mehreren Schriftstellen erklärt. Genauso alle Bestandteile des Sühnopfers und ihre Bedeutung.

3. Nephi 11 – der auferstandene Christus erscheint den Bewohnern des Landes, wodurch wir ein weiteres Zeugnis von Ihm erhalten.

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Ich habe mir mal die Zeit genommen und für mich eine Zusammenfassung von wichtigen Kapiteln des Buches erstellt. Die Liste ist nicht vollständig, aber sie hat ein enormes Gewicht. Jedesmal, wenn ich das alles lese, beeindrucken mich die Klarheit und die Weitsicht des Buches, die Dimension der Perspektiven, die es eröffnet. Ich schätze die Herausforderungen für Herz und Verstand und die Möglichkeit, eine Bestätigung für die Wahrheit des Buches zu erhalten (siehe Link zu Moroni 10 unten).
Selbst wenn jemand sich nicht in der Lage sieht, eine solche Bestätigung zu erhalten oder glaubt, keine zu benötigen, gibt es trotzdem so viel aus dem Buch zu lernen und reichlich Stoff zum nachdenken.
Ich erhalte diese Bestätigung ständig wieder – ganz besonders dann, wenn ich das Gelesene auf mich und heute beziehe.

1. Nephi 8: Die Vision vom Baum des Lebens.
1. Nephi 11: Nephi’s Bestätigung der Vision vom Baum des Lebens und Erläuterungen speziell zur Rolle des Messias.
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1. Nephi 14: Das Wirken der Bewegungen, die Gott und verbindliche moralische Werte ablehnen.
1 . Nephi 19: Über das Sühnopfer Christi sowie die Zerstreuung und Sammlung Israels.
1 . Nephi 22: Die Zeit vor dem zweiten Kommen von Jesus Christus.
2. Nephi 2: Die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit.
2. Nephi 4: Der Psalm Nephis, Vertrauen in Gott.
2. Nephi 9: Das Sühnopfer Christi und seine Konsequenzen.
2. Nephi 27: Das Hervorkommen des Buches Mormon.
2. Nephi 28: Die Auswirkungen von Relativismus.
2. Nephi 29: Wie die Bibel und das Buch Mormon zusammen wirken.
2. Nephi 31: Klarstellungen zur Taufe.
Jakob 5: Das Gleichnis vom Ölbaum, Zerstreuung und Sammlung Israels.
Mosia 2-5: Die Rede König Benjamins, eine der besten und umfassendsten Erläuterungen des Sühnopfers Christi.
Mosia 15-16: Über die Auferstehung.
Mosia 18: Worauf es in der Kirche ankommt.
Mosia 29: Die Verantwortung von Regierenden und vor allem derer, die sie wählen.
Alma 1: Das Übel von Priestermacht, wodurch Wahrheit verdreht wird, um materiellen Gewinn zu erlangen.
Alma 5:  Erklärung was wahre Umkehr ist.
Alma 12: Die Bedeutung des Lebens als Bewährungszeit und Vorbereitung, vor Gott Rechenschaft abzulegen.
Alma 30: Wirken und Ende eines Antichrist.
Alma 32: Eine der besten Erklärungen wie man Glauben entwickeln kann.
Alma 34: Das Sühnopfer und der Plan der Erlösung.
Alma 39-42: Moralische Werte und eine der umfassendsten Erläuterungen des gesamten Planes der Erlösung: Glaube, Umkehr, Bündnisse, Tod, Auferstehung, Zustand nach dem Tod.
Helaman 2: Der Fluch des organisierten Verbrechens und seiner Unterstützer.
Helaman 6: Wie es geschehen kann, dass organisiertes Verbrechen eine Gesellschaft dominiert.
Helaman 10: Vollmacht von Gott.
3. Nephi 1-6: Enthält viele Schlüssel, um die heutige Zeit zu verstehen; Verheißungen Gottes erfüllen sich unabhängig vom Willen der Menschen; Werteverfall und weitverbreitete Akzeptanz krimineller Strukturen spalten die Gesellschaft; das organisierte Verbrechen kann nur durch Zusammenhalt und außerordentliche Anstrengungen besiegt werden; durch den Kreislauf des Stolzes verfällt die Gesellschaft schnell wieder in alte Fehler.
3. Nephi 11-26: Das Erscheinen des auferstandenen Jesus Christus und Sein nachhaltiges Wirken unter den Nephiten; die Bergpredigt wiederholt; grundlegende Verordnungen wie Taufe und Abendmahl umfassend erklärt.
4. Nephi 1: Wie eine gerechte Gesellschaft gebildet werden kann; 200 Jahre Frieden und Gedeihen; die Ursachen für den Zerfall und die tragischen Auswirkungen.
Mormon 1-6: Der vollständige Verfall moralischer Werte und die Entwicklung zu einer Kultur des ungebändigten Hasses, die in Vernichtungskriegen endet.
Mormon 9: Parallelen zu unserer Zeit; warum Glaube an Jesus Christus und das Erwerben von Kenntnissen von den Absichten Gottes wichtig sind.
Ether 3-4: Glauben entwickelt sich zu Wissen durch Anwendung; fortlaufende Offenbarung ist eine Funktion der Anwendung von bereits gegebener Offenbarung.
Ether 8: Warnung vor geheimen Verbindungen und die Bedrohung der Freiheit von Völkern.
Ether 12: Über Glauben und Wunder; ein Schlüssel wie Schwächen in Stärken verwandelt werden können.
Moroni 7: Das Gebet und die Unterscheidung von Gut und Böse; das Licht Christi steht jedem Menschen zur Verfügung; der Zusammenhang von Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe.
Moroni 8: Warum kleine Kinder keine Taufe benötigen.
Moroni 10; Jeder kann durch die Macht des Heiligen Geistes ein Zeugnis vom Buch Mormon erhalten; Aufforderung zu Christus zu kommen.

Präsident Thomas S. Monson hat zur letzten Generalkonferenz ein kurze Ansprache gegeben und dort unter anderem gesagt:
Heute Morgen spreche ich über die Macht des Buches Mormon und darüber, wie dringend nötig wir als Mitglieder dieser Kirche es haben, uns mit seinen Lehren zu befassen, über sie nachzudenken und sie in unserem Leben anzuwenden. Wie wichtig es ist, ein festes und sicheres Zeugnis vom Buch Mormon zu haben, kann nicht genug betont werden.
(siehe https://www.lds.org/general-conference/2017/04/the-power-of-the-book-of-mormon?lang=deu)

Einem lieben Freund: Gott sei mit dir, bis wir uns wieder sehen

Letzten Samstag haben wir Abschied genommen von einem besonderen Mann, einem Freund und Vorbild – Sanitätsrat Dr. Heinz-Jürgen Sickel aus Wulfen in Anhalt, ein Mitglied der Gemeinde Köthen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Patriarch des Pfahles Leipzig.

Er war am Ostersonntag, den 16. April 2017, völlig unerwartet im Alter von 76 Jahren verstorben. Ein großer Mann, einer zu dem wir immer aufschauen werden – in allen Bereichen des Lebens – in seiner Familie, als Arzt, Sportsmann und in seinen vielen kirchlichen Berufungen, die er im Laufe seines Lebens erfüllt hat.

Wir trauern um ihn und fühlen uns mit der gesamten Familie eng verbunden.

Jürgen´s Familie hatte mich gebeten, auf seiner Trauerfeier zu sprechen. Ich bin der Bitte sehr gern nachgekommen. Es war eine schwere Aufgabe, da mich sein Tod sehr stark berührt hat. Es war aber auch eine schöne Aufgabe, über und für einen Mann zu sprechen, für den ich Achtung, Bewunderung und Liebe verspüre. Es war mir eine große Ehre, dass zu tun.

Einige Tage vor seinem Tod hatte ich ein interessantes Erlebnis. Meine beruflichen Reisepläne sahen vor, dass ich in der Woche nach Ostern an einer Messe in China teilnehme, dann das Wochenende in China bleibe und anschließend nach Japan weiterreise, um an Kundenmeetings teilzunehmen. Der Plan sah vor, dass ich vom 17.4. bis 27.4. nicht in Deutschland sein würde.

Am Mittwoch vor Ostern hatte ich das Gefühl, dass ich meine Flüge umbuchen sollte. Ich rief das Reisebüro an und buchte einen Rückflug von Shanghai nach Hause für den 20.4./21.4. und einen neuen Flug von Deutschland nach Japan für den 23.4. bis 27.4.

Es machte zu diesem Zeitpunkt gar keinen Sinn, bedeutete lediglich zusätzlichen Aufwand und Stress. Ich sagte meinen chinesischen Freunden ab, die mich für das Wochenende nach Wuyishan, einer tollen Sehenswürdigkeit in der Provinz Fujian, eingeladen hatten. Sie waren etwas enttäuscht aber sehr verständnisvoll.

Am Ostersonntag, nachmittags, erreichte mich die traurige Nachricht und die Information, dass die Beerdigung am 22.4. stattfinden wird. Ich wusste jetzt, warum ich alles geändert hatte.

Der Trauergottesdienst am Samstag war eines der bewegendsten Ereignisse, die ich miterlebt habe. Ich war stark beeindruckt, von den Botschaften seiner Kinder und unseres gemeinsamen Freundes Manfred Schütze, ebenso von der schönen Musik und den inspirierten Gebeten. Wir haben alle die Macht des Evangeliums Jesu Christi gespürt und den Einfluss des Heiligen Geistes.
Ich hatte die ganze Woche nachgedacht, was ich der Familie und den Hunderten von Trauergästen sagen könnte. Der Schlüssel kam, als ich ein Lied anhörte, dass in der Schwesternversammlung der Generalkonferenz im Oktober 2015 von einem Chor aller Altersgruppen gesungen wurde. Ich fand die Texte der in diesem Medley verwendeten Lieder so treffend und das Arrangement hat mich sehr berührt. Von da an wusste ich, was sagen werde.

Ich habe mir einige Schwerpunkte ausgesucht:

Was habe ich von Jürgen gelernt? Was nehme ich mit? Was wird sich durch sein Vermächtnis in meinem Leben ändern? Er ist den Dingen auf den Grund gegangen, hat mit Entschlossenheit  und Kompetenz Konsequenzen gezogen und eingefordert. Das hat er mit einer bestimmten, natürlichen und liebevollen Autorität getan. Als ich mich auf seinen Rat hin vor zwei Jahren in die Herzklinik nach Leipzig begeben habe, musste ich eine Entscheidung treffen, einem Eingriff an meinem Herzen zuzustimmen oder nicht. Als ich Jürgen anrief, um mir einen finalen Rat zu holen, war es für mich ausreichend, seine Stimme am Telefon zu hören. Er musste nichts erklären. Ich ließ den Eingriff vornehmen und verspürte während der Zeit in der Klinik einen großen Frieden.

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Jürgen wird weiterhin für seine Familie und alle, deren Leben er berührt hat, ein Segen sein – wie ein alter, mächtiger Baum, der stirbt, aber trotzdem seine Nachkommen und seine Umgebung mit seinen Nährstoffen versorgt. Er macht den Boden fruchtbar, in dem jüngere Bäume und Samen heranwachsen. Mir gefällt dieser Vergleich sehr. Er gibt uns Trost, besonders seiner Familie.

Jürgen hat viele Jahre als Patriarch gedient, eine wichtige Berufung, die vom Rat der Zwölf Apostel erteilt wird. Für diese Berufung benötigt man eine große Nähe zu Gott und starken Glauben. Jeder, der von einem Patriarchen seinen persönlichen Segen erhält, wird für ein tieferes Verständnis von diesem großartigen Plan der Erlösung befähigt. Unser Prozess des Verstehens hat im Vorherdasein begonnen und wird in diesem Leben nicht enden. Er geht über dieses Leben hinaus. Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen, können wir große Schritte vorwärts in diesem Prozess machen.

Jürgen ist am Ostersonntag gestorben. Natürlich erinnern wir uns an die besonderen Ereignisse im Zusammenhang mit der buchstäblichen Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach Seiner Kreuzigung. Ich musste an den Bericht von Maria im Neuen Testament, in Johannes, Kapitel 20 denken. Im Tempel in Freiberg hängt ein Gemälde, das Jesus und Maria in diesem Moment, wo sie Ihn erkennt und begreift, dass die Auferstehung wirklich ist, zeigt.
Ich möchte ab Vers 16 zitieren:
„Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni (das heißt Meister)!
Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria Magdalena kommt und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt.
Am Abend desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.“ (Johannes 20:16-20, Hervorhebungen vom Verfasser)

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Hier werden große Fragen der Menschheit beantwortet. Jürgen hatte nicht die Spur eines Zweifels an diesen Wahrheiten. Es gibt mir Frieden und macht mich froh.

Nach einem solchen Erlebnis kann man nicht einfach so wieder zur Tagesordnung übergeben. Da bleiben wichtige Dinge haften, über die man Nachdenken muss und nicht einfach beiseite wischen kann. Die Botschaft der Auferstehung ist viel zu wichtig. Es ist traurig, wie wenig Raum sie in der öffentlichen Wahrnehmung und den Medien einnimmt – und wenn, dann oft mit völlig unklaren Deutungen. Dabei gibt es gar keinen Grund zur Unklarheit. Da jeder Mensch diesen Weg gehen muss, wäre es doch viel vernünftiger, sich angemessen damit zu beschäftigen, den Dingen auf den Grund zu gehen und zu verstehen. Moroni, der letzte Schreiber des Buches Mormon, schließt das Buch mit folgendem Vers:

„Und nun sage ich allen Lebewohl. Ich gehe bald hin, im Paradies Gottes zu ruhen, bis sich mein Geist und Leib wieder vereinigen werden und ich im Triumph durch die Luft hingeführt werde, um euch vor dem angenehmen Gericht des großen Jehova zu treffen, des ewigen Richters der Lebenden und der Toten. Amen.“ (Buch Mormon, Moroni 10:34)

Jürgen hatte nicht die Gelegenheit, Lebewohl zu sagen. Aber er war in diesem Prozess des Verstehens sehr, sehr weit vorangekommen und vorbereitet, auf die andere Seite des Schleiers zu gehen, wo er mit Sicherheit auf die für ihn typische Art weiter wirkt. Wir werden ihn immer in unseren Herzen behalten und freuen uns auf das Wiedersehen.

 

Pfahlkonferenzen

Die Multi-Pfahlkonferenz für das gesamte Gebiet Westeuropa war heute ein schönes Erlebnis. Ich habe viel gelernt. Wir haben im Pfahl Leipzig die Übertragung in 5 Gemeindehäusern gezeigt – Leipzig, Köthen, Erfurt, Werdau und Zwickau. Ich habe mich sehr über das große Interesse gefreut.

Inzwischen haben wir auch die Zusammenfassung unserer Frühjahrs-Pfahlkonferenz am 23. und 24. April 2016 in Leipzig und Böhlen fertiggestellt. Herzlichen Dank auch dieses Jahr wieder an Bruder Wolfgang Geiler aus der Gemeinde Köthen für die Mühe, seine Arbeit allen zugänglich zu machen.
Download: Pfahl Leipzig Frühjahrspfahlkonferenz 2016

Pfahlorchester Leipzig
Pfahlorchester Leipzig

Die heutige Übertragung der Multi-Pfahlkonferenz aus dem Conference Center in Salt Lake City (Broadcast in 72 Pfähle in ganz Westeuropa und Übersetzung in 18 Sprachen) wird generell nicht zum Download bereitgestellt. Es ist also gut, wenn wir unsere Aufzeichnungen verwenden, um die vielen wichtigen Gedanken in die Gemeinden zu tragen und anzuwenden.
Die erste halbe Stunde der Konferenz wurde durch die Pfahlpräsidentschaft gestaltet. Ich wurde heute von vielen gebeten, meine Ansprache zu teilen. Das möchte ich hier gern zusammenfassend tun.

„… Die meisten von Ihnen sind sicher mit Situationen vertraut, in denen man sehr stark gefordert wird und an die Grenzen der eigenen körperlichen oder auch geistigen Kräfte gelangt. Jeder empfindet solche Belastungen zwar anders und wird sie auf andere Weise verarbeiten, aber wir sind uns sicher einig, dass es enorm hilfreich ist, wenn es dann Menschen gibt, auf die man zählen kann und die einem den Rücken stärken.

Ich habe in den letzten Wochen sehr große berufliche Belastungen erlebt, die weit über das gewohnte Maß hinausgegangen sind, zeitgleich mit vielen Aufgaben und einigen wichtigen Entscheidungen in meiner Berufung. Etliches musste unerledigt bleiben oder muss warten. Wie dankbar bin ich für meine Ratgeber und andere Mitarbeiter, die Aufgaben übernehmen, ohne dass ich sie erst darum bitten muss. Es hilft nicht nur, dass wichtige Dinge erledigt werden, sondern es schafft ein Gefühl von Dankbarkeit, Solidarität, Zusammenhalt, Motivation und gegenseitiger Liebe.

Ebenso bin ich meiner lieben Ehefrau dankbar, die mir vorbehaltlos den Rücken stärkt und  ein viel besseres Gefühl für meine Bedürfnisse hat, als ich manchmal für ihre.

Gegenseitige Hilfe und gegenseitiges Verstehen entlasten uns auch oft von seelischen Belastungen, Schmerzen und reduzieren Stress. Vor einigen Tagen erhielten wir zu Hause eine Lieferung mit einem LKW. Das ist immer eine Herausforderung für die Fahrer, da die Zugangsstraße zu unserem Haus sehr eng ist. Der Fahrer begann also mit seinem Manöver, rückwärts in unsere Zufahrt zu steuern. Dabei musste er die Hauptstraße für einige Minuten blockieren, was ihm den lautstarken Zorn einer Busfahrerin einbrachte, die mit ihrem Bus stoppen musste. Der Fahrer geriet dabei so in Stress, dass er nicht darauf wartete, dass ihn jemand einweist, was dazu führte, dass er Zaun und Hecke unserer Nachbarn beschädigte. Wie wenig Geduld mit und Verständnis für die Situation des anderen erleben wir heute so oft. Und wie oft führt das zu vermeidbaren Fehlern und Konflikten. (Übrigens haben unsere Nachbarn mit großer Gelassenheit auf das Problem reagiert – es gibt also auch positive Beispiele.)

Vor drei Wochen habe ich wieder von vorn mit dem Lesen des Buches Mormon begonnen. Diesmal fühlte ich mich stärker als zuvor mit Nephi verbunden, der von dem Moment an, da Lehi die Offenbarung von Gott erhielt, Jerusalem zu verlassen, mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert wurde. Es hat mir gut getan, darüber zu lesen, wie Nephi mit diesem zum Teil extremen Stress umgegangen ist. Sicher, wir könnten sagen, dass Nephi mit einem großen Glauben gesegnet war und es ihm deshalb leichter fiel, die Veränderungen zu akzeptieren, die über die Familie hereinbrachen. Das spielt zweifellos eine große Rolle. Wir lesen nichts davon, dass Nephi gegenüber dem Willen des Herrn seine eigene Agenda aufbaute. Wir lesen jedoch sehr viel davon, was Nephi tat, um den Willen des Herrn und das große Ganze zu verstehen.

Folgender Vers verdeutlicht Nephis Einstellung sehr gut:

1 Nephi 2:16: “ Und es begab sich: Ich, Nephi, war noch sehr jung, wenn auch groß von Gestalt, und ich hatte auch großes Verlangen, von den Geheimnissen Gottes zu wissen; darum rief ich den Herrn an; und siehe, er besuchte mich und erweichte mir das Herz, so daß ich alle die Worte glaubte, die mein Vater gesprochen hatte; darum lehnte ich mich nicht wie meine Brüder gegen ihn auf.“

Lehi gibt seinem Sohn in 1 Nephi 3:6 die Verheißung: „… und der Herr wird dich begünstigen, weil du nicht gemurrt hast.“

Ich glaube nicht, dass es unter den Tatbestand des Murrens fällt, wenn man sich mal beklagt, weil es einen hart trifft oder alles schwerer geht, als man es sich vorgestellt hat. Konstruktive Kritik, die nicht erniedrigt, sondern Verbesserungen im Sinn hat, ist kein Murren. Genauso wenig machen wir uns wahrscheinlich des Murrens schuldig, wenn wir etwas noch nicht verstehen und das vielleicht auch zum Ausdruck bringen, aber dennoch den Wunsch und die Demut haben, zu lernen und zu verstehen. Manches braucht eben seine Zeit und Anstrengung.

1 Nephi 11 beschreibt eindrucksvoll, wie Nephi mit mehr Licht und Erkenntnis ausgestattet wurde, weil es sein sehnlicher Wunsch war, eine Bestätigung seines Glaubens zu erhalten und zu lernen.

Vers 1: „Denn es begab sich: Nachdem ich gewünscht hatte, das zu wissen, was mein Vater geschaut hatte, und weil ich glaubte, daß der Herr imstande sei, es mir kundzutun, wurde ich, als ich dasaß und in meinem Herzen nachsann, im Geist des Herrn hinweggeführt, ja, auf einen überaus hohen Berg, den ich nie zuvor gesehen und auf den ich nie zuvor meinen Fuß gesetzt hatte.“

In den darauffolgenden Versen und Kapiteln wird beschrieben, dass Nephi nicht nur eine Begründung erhielt, weshalb sie ihre Heimat verlassen haben, sondern er erhielt ein umfassendes Verständnis für den gesamten Plan der Erlösung, das Sühnopfer von Jesus Christus und seine Auswirkungen auf alle Menschen und vieles mehr. Das war wichtig, damit Nephi alle Zusammenhänge verstehen und keine von diesen Zusammenhängen isolierten Entscheidungen treffen würde.

In dieser Einstellung Nephis liegt ein großer Teil des Geheimnisses, wie Nephi an alle Aufgaben herangegangen ist und sie erfüllen konnte, trotz massiven Widerstandes durch einen Teil der Familie. Ich bin davon absolut beeindruckt. Nephi ist für mich darin ein großartiges Beispiel. Manchmal blieb ihm wirklich nur der Herr als Rückhalt, aber darauf konnte er sich verlassen.

Zurück zum Murren in dem Sinne, wie es in den Schriften zu verstehen ist. Murren ist schlimm und eine Sünde, wenn weder Wunsch noch Demut vorhanden sind, den Willen des Herrn zu verstehen und Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um zu lernen und zu verstehen. Dieses Murren ist nur auf sich selbst bezogen und ein gewichtiger Teil der Agenda ist, die Absicht, prinzipiell dagegen zu sein und destruktiv zu handeln.

Aus dem Verhalten von Laman und Lemuel können wir viele Rückschlüsse ziehen, wo vor wir uns in unseren Familien und Gemeinden schützen sollten. In 1 Nephi 17 kommt das Fass zum Überlaufen, als Nephi den Auftrag erhält, ein Schiff zu bauen, etwas, dass für Laman und Lemuel völlig außerhalb der Vorstellungskraft und daher auch der Akzeptanz war.

Was hilft uns also in unseren Aufgaben nicht weiter?

a) Zynismus und/oder Sarkasmus:

Vers 17:  „Und als meine Brüder sahen, daß ich ein Schiff bauen wollte, fingen sie gegen mich zu murren an, nämlich: Unser Bruder ist ein Narr, denn er meint, er könne ein Schiff bauen; ja, und er meint auch, er könne diese großen Wasser überqueren.“

b) Verweigerung von Zusammenarbeit und Solidarität:

Vers 18:  „Und so beklagten sich meine Brüder über mich und begehrten, nicht arbeiten zu müssen; denn sie glaubten nicht, daß ich ein Schiff bauen könne; sie wollten auch nicht glauben, daß ich vom Herrn unterwiesen wurde.“

c) Schadenfreude, auf Fehler warten und die Vorliebe, sie aus der Sicht der Unbeteiligten zu kommentieren:

Vers 19:  „Und nun begab es sich: Ich, Nephi, war überaus bekümmert wegen ihrer Herzenshärte; und als sie nun sahen, daß ich anfing, bekümmert zu sein, waren sie im Herzen froh, so sehr, daß sie sich über mich freuten, nämlich: Wir haben gewußt, daß du kein Schiff bauen kannst; denn wir haben gewußt, daß es dir an Verständnis fehlt; darum kannst du ein so großes Werk nicht vollbringen.“

d) Selbstmitleid und Schuldzuweisungen:

Vers 20, 21:  „Und du bist wie unser Vater, verführt von den törichten Einbildungen seines Herzens; ja, er hat uns aus dem Land Jerusalem geführt, und wir sind all die vielen Jahre lang in der Wildnis gewandert; und unsere Frauen haben sich abgeplagt, während sie schwanger und schweren Leibes waren; und sie haben Kinder in der Wildnis geboren und alles erlitten außer den Tod; und es wäre besser für sie gewesen, vor dem Auszug aus Jerusalem zu sterben, als diese Bedrängnisse zu erleiden.
Siehe, diese vielen Jahre haben wir in der Wildnis gelitten, und wir hätten uns unterdessen unserer Besitztümer und des Landes unseres Erbteils erfreuen können; ja, und wir hätten glücklich sein können.“

e) Verkehrung von Tatsachen und sich eine eigene „Wahrheit“ schaffen:

Vers 22:  „Und wir wissen, daß das Volk im Land Jerusalem ein rechtschaffenes Volk gewesen ist; denn sie haben die Satzungen und Richtersprüche des Herrn und alle seine Gebote befolgt, gemäß dem Gesetz des Mose; darum wissen wir, daß sie ein rechtschaffenes Volk sind; und unser Vater hat sie verurteilt und hat uns weggeführt, weil wir auf seine Worte gehört haben; ja, und unser Bruder ist wie er. Und mit solchen Worten murrten und klagten meine Brüder gegen uns.“

Alle diese destruktiven Verhaltensweisen machen unserer Gesellschaft enorm zu schaffen und spalten sie, genauso wie es im Buch Mormon geschehen ist und für die letzte Zeit, in der wir leben, vorhergesagt wird und immer deutlicher zu beobachten ist.

Jeder einzelne kann dazu beitragen, dass diese Dinge in Familien und Gemeinden keinen Einzug halten und nicht überhand nehmen.

So stark Nephi auch war, der fehlende Rückhalt eines großen Teiles seiner Familie, hat ihm schwer zu schaffen gemacht, wie wir im Psalm Nephis in 2 Nephi 4 nachlesen können.

2 Nephi 4:17-19:

„Und doch, trotz der großen Güte des Herrn, da er mir seine großen und wunderbaren Werke gezeigt hat, ruft mein Herz aus: O was bin ich doch für ein unglückseliger Mensch! Ja, mein Herz grämt sich meines Fleisches wegen; meine Seele ist bekümmert meiner Übeltaten wegen.
Ich bin ringsum umschlossen, wegen der Versuchungen und der Sünden, die mich so leichtbedrängen.
Und wenn ich mich freuen möchte, stöhnt mein Herz meiner Sünden wegen; …“

Wie viel leichter hätte alles gehen können, wenn die Familie einig gewesen wäre, alle das große Ganze verstanden und deshalb kooperiert hätten oder es zumindest versucht hätten.

Nephi´s Verzweiflung führt aber nicht dazu, dass Hoffnungslosigkeit am Ende seiner inneren Kämpfe steht. Stattdessen sind es Zuversicht, Hoffnung und ein starkes Vertrauen in Gott.

2 Nephi 4:19-28:

„… doch ich weiß, in wen ich mein Vertrauen gesetzt habe.
Mein Gott ist mein Beistand gewesen; er hat mich durch meine Bedrängnisse in der Wildnis geführt; und er hat mich auf den Wassern der großen Tiefe bewahrt.
Er hat mich mit seiner Liebe erfüllt, selbst bis es mir mein Fleisch verzehrt.
Er hat meine Feinde zuschanden gemacht und bewirkt, daß sie vor mir beben.
Siehe, er hat mein Rufen gehört am Tage, und er hat mir Erkenntnis gegeben durch Visionen in den Stunden der Nacht.
Und bei Tage habe ich mich vor ihm zu machtvollem Gebet erkühnt; ja, meine Stimme habe ich emporsteigen lassen in die Höhe, und Engel sind herabgekommen und haben mir gedient.
Und auf den Schwingen seines Geistes ist mein Leib auf überaus hohe Berge hinweggeführt worden. Und meine Augen haben Großes geschaut, ja, allzu groß für den Menschen; darum ist mir geboten worden, es nicht niederzuschreiben.
Nun denn, wenn ich so Großes gesehen habe, wenn der Herr in seiner Herablassung gegenüber den Menschenkindern mit so viel Barmherzigkeit Menschen besucht hat, warum soll mein Herz weinen und meine Seele im Tal der Trauer verweilen und mein Fleisch dahinschwinden und meine Kraft ermatten, meiner Bedrängnisse wegen?
Und warum soll ich mich, meines Fleisches wegen, der Sünde hingeben? Ja, warum soll ich Versuchungen nachgeben, so daß der Böse in meinem Herzen Raum finde, um meinen Frieden zu zerstören und meine Seele zu bedrängen? Warum bin ich zornig meines Feindes wegen?
Erwache, meine Seele! Welke nicht länger in Sünde dahin. Freue dich, o mein Herz, und gib dem Feind meiner Seele nicht länger Raum.“

Ich möchte Zeugnis davon geben, dass wir aus den ersten Kapiteln im Buch Mormon lernen können, wie wir mit Misserfolg, Härten im Leben, Widerständen und Konflikten umgehen und welche Verhaltensweisen wir meiden sollten.

Ich weiß, dass wir in unseren Gemeinden und Familien von diesen Erkenntnissen profitieren werden. Ich weiß, dass sich aus dem Vorbild Nephis Leidenschaft und Hingabe zum Werk des Herrn als logische Folge entwickeln und dass daraus eine Dynamik entstehen kann, die uns vorwärts trägt, weil sie viele gute Früchte hervorbringt.

Ich weiß auch, dass jeder von uns dadurch mehr Rückhalt und Hilfe in Problemen erfahren kann, weil es mehr Verständnis und Solidarität auf dem Fundament von Glauben und wahrer Erkenntnis gibt.

Ich bitte den Vater im Himmel, dass er uns hilft, dass wir unsere Herzen von diesen Lehren berühren und beeinflussen lassen. Möge der Herr Sie alle reich segnen.

Im Namen Jesu Christi, Amen.“

Kołobrzeg und Gedanken beim Wandern am Strand

Meine Frau und ich verbringen diese Wochen einen Kururlaub in Kołobrzeg an der polnischen Ostseeküste. Kur klingt für mich besorgniserregend. Es war für mich immer etwas für ältere Herrschaften, aber plötzlich sind wir in einem Alter, wo sich körperliche Baustellen auftun und man den Aufenthalt hier über alle Maßen genießt. 🙂
Allerdings sind wir bei weitem nicht die jüngsten Gäste.

Kołobrzeg hieß früher Kolberg und wurde 1945 im Wahnsinn des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zerstört. Im Zentrum stehen daher nur noch wenige historische Gebäude. Aber der Strand und die angrenzenden Parks sind wirklich sehr schön. Ich liebe die Ostsee zu allen Jahreszeiten. Sie hat einen besonderen Reiz.

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Ich habe also diese Woche nur wenige Emails geschrieben und nur ab und zu mit Kunden kommuniziert. Stattdessen gibt es jeden Tag Joggen am Strand oder ausgedehnte Wanderungen.

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Esther hatte heute einen vollen Kur-Terminplan, also bin ich nachmittags alleine los und habe die Umgebung erkundet. Dabei gab es viel Zeit zum Nachdenken.

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Obwohl ich mich selten zu Politik äußere, musste ich an verschiedene Ereignisse denken, die uns im Moment beschäftigen – die Vorwahlen in den USA (irgendwie tun mir die Wähler dort leid), die Flüchtlingswelle oder die Zerreißprobe, in der sich die Europäische Union befindet, Radikalisierungen in vielen Ländern der Welt, das Erstarken von politischen Bewegungen, deren Programme in großen Teilen völlig unakzeptabel sind und die Tatsache, dass schrecklich viele Länder der Welt im Prinzip von unfähigen, korrupten oder machtgierigen Menschen regiert werden, die sich keinen Deut um das Wohlergehen der Bürger ihrer Länder scheren und die nach zivilisierten Wertmaßstäben eigentlich sofort entlassen, oder (anders würde es gar nicht gehen) entmachtet werden müssten.
Ich habe beruflich mit Menschen aus vielen Nationen in allen Teilen der Welt zu tun. Es ist großartig, mit ihnen zusammen zu arbeiten, aber es gibt fast niemanden, der mit Optimismus auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse des eigenen Landes oder der Welt blickt. Das ist besorgniserregend. Man könnte viele Dinge aufzählen, die gründlich schief laufen. Irgendwie sieht es symbolisch ein bisschen so aus, wie auf den Bildern, die ich heute aufgenommen habe. Hier nur ein paar wenige Beispiele:

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  • Politikverdrossenheit – aus meiner Sicht eine große Gefahr für jede Demokratie, weil ernsthafte Bemühungen, den Ursachen zu begegnen, unter denen, die diese Verdrossenheit verursachen, nicht deutlich erkennbar sind. Glaubwürdigkeit zählt offensichtlich weniger als Einfluss und Macht. Desinteresse und Selbstbezogenheit sind trotzdem nicht zu rechtfertigen.
  • Populismus – macht mir große Sorgen, a) weil die Menschen aus der Geschichte nichts lernen, b) weil es das Mittel äußerst mittelmäßiger Menschen ist, die nach Macht streben und c) weil es die Gehirne vieler Menschen einfach abschaltet.
  • Viele fähige und integere Menschen entscheiden sich gegen eine politische Karriere – die Eigenschaften, die für Machtgewinn und Machterhalt erforderlich sind, sind leider zu großen Teilen mit den Eigenschaften, die für ein gutes Regieren gebraucht werden, nicht kompatibel. Man muss sich nur ansehen, wie absurd Wahlkampagnen selbst in hochentwickelten Staaten geworden sind.
  • Tendenzen zum Separatismus – es scheint als ob die Fähigkeiten zum Konsens, aber auch die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, weltweit abnehmen, auch innerhalb der hochentwickelten Demokratien. Das trifft nicht nur auf die politische Klasse zu, sondern ist ein generelles Thema.
  • Radikalisierung – egal, ob nun aus politischen oder religiösen Gründen. Sie führt zu Menschenverachtung und Hass, ist vollkommen unakzeptabel, in welcher Form auch immer.
  • Globale Probleme, die sich exponentiell entwickeln, können nicht grundhaft gelöst werden und führen zu noch nicht absehbaren Konflikten – wenn nicht Gier, Machtstreben, Ignoranz, Hass und vielen weiteren, (für das Zusammenleben von Menschen in einer globalisierten Welt) schädlichen Eigenschaften, Einhalt geboten wird. Wer soll dafür sorgen? Diese Dinge können nicht mehr nur lokal gelöst werden.
  • Zukunftsangst – sie treibt viele Menschen in die Arme von Meinungsmachern, die ungenügende Lösungen zu bieten haben.
  • Falsch verstandene political correctness – ein mittlerweile entsetzliches Phänomen, welches verhindert, dass Probleme beim richtigen Namen genannt werden, auch wenn sie äußerst unangenehm sind und dadurch werden sie auch nicht nachhaltig adressiert. Einige Gründe für falsche political correctness sind allerdings oben beschrieben.
  • Die Prinzipien der Rechtschaffenheit vor Gott spielen nur noch eine untergeordnete Rolle.

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Vor ca. 2100 Jahren hat ein Mann mit Regierungsverantwortung, der Mosia hieß, eine denkwürdige Rede zum Thema Politik und die damit verbundene Verantwortung in allen Teilen der Gesellschaft gehalten. Ich finde es äußerst spannend, sich diese Rede ganz genau anzuschauen und einige der Kernpunkte in die heutige Zeit zu übertragen.

Buch Mormon, Mosia, Kapitel 29:

Ausgangssituation: Mosia war König der Nephiten oder in heutigen Terms Regierungschef. Er war alt und nun ging es um seine Nachfolge. Dazu wurde das Volk befragt.

Als nun Mosia dies getan hatte, sandte er hinaus in das ganze Land, zu allem Volk, denn er wollte wissen, wen sie zum König haben wollten.
Und es begab sich: Die Stimme des Volkes kam, nämlich: Wir wünschen, daß dein Sohn Aaron unser König und unser Herrscher sei.
Nun war Aaron in das Land Nephi hinaufgegangen, darum konnte der König ihm das Königtum nicht übertragen; auch wollte Aaron das Königtum nicht auf sich nehmen, und auch kein anderer von den Söhnen Mosias war willens, das Königtum auf sich zu nehmen.

Mosia war ein weiser Mann mit einer beachtlichen Weitsicht.

Darum sandte König Mosia abermals zum Volk; ja, nämlich ein geschriebenes Wort sandte er zum Volk. Und dies waren die Worte, die geschrieben waren, nämlich:
Siehe, o ihr, mein Volk, oder meine Brüder, denn dafür halte ich euch, ich wünsche, ihr würdet euch die Sache überlegen, die zu überlegen ihr aufgerufen seid—denn ihr habt den Wunsch, einen König zu haben.
Nun verkünde ich euch, daß der, dem das Königtum zu Recht gehört, abgelehnt hat und das Königtum nicht auf sich nehmen will.
Und nun, wenn an seiner Statt ein anderer bestimmt würde, siehe, so fürchte ich, es würden Streitigkeiten unter euch entstehen. Und wer weiß, vielleicht würde mein Sohn, dem das Königtum gehört, sich dem Zorn zuwenden und einen Teil dieses Volkes mit sich fortziehen, und das würde zu Kriegen und Streitigkeiten unter euch führen, was die Ursache für großes Blutvergießen wäre und den Weg des Herrn verkehren, ja, und die Seele vieler Menschen vernichten würde. …
10  Und nun laßt uns weise sein und vorausschauend und das tun, was dem Frieden dieses Volkes dienlich ist.

Mosia schlägt nun vor, einige Dinge grundlegend zu ändern, um das Volk vor ungerechter Herrschaft zu schützen. Er definierte Kriterien, die Personen für ein Regierungsamt qualifizieren oder disqualifizieren.

11  Darum will ich für meine übrigen Tage euer König sein; doch laßt uns Richter bestimmen, die dieses Volk gemäß unserem Gesetz richten sollen; und wir wollen die Angelegenheiten dieses Volkes neu ordnen, denn wir werden weise Männer als Richter bestimmen, die dieses Volk gemäß den Geboten Gottes richten werden.
12  Nun wäre es besser, der Mensch würde von Gott gerichtet als von Menschen, denn die Richtersprüche Gottes sind immer gerecht, aber die Richtersprüche der Menschen sind nicht immer gerecht.
13  Darum, wenn es möglich wäre, daß ihr gerechte Männer zu Königen hättet, die die Gesetze Gottes einsetzen und dieses Volk gemäß seinen Geboten richten würden, ja, wenn ihr Männer zu Königen haben könntet, die ebenso handeln würden, wie es mein Vater Benjamin für dieses Volk getan hat—ich sage euch, wenn dies immer der Fall sein könnte, dann wäre es ratsam, daß ihr immer Könige hättet, die über euch herrschen.
14  Und auch ich selbst habe mich mit aller Macht und allen Fähigkeiten, die ich besitze, bemüht, euch die Gebote Gottes zu lehren und im ganzen Land Frieden aufzurichten, damit es keine Kriege noch Streitigkeiten, kein Stehlen noch Plündern, kein Morden noch sonst eine Art von Übeltun gebe;

In den folgenden Versen warnt Mosia deutlich vor den Folgen ungerechter Herrschaft. Wie aktuell dies doch alles ist.

16  Nun sage ich euch, weil aber nicht alle Menschen gerecht sind, ist es nicht ratsam, daß ihr einen König oder Könige haben sollt, die über euch herrschen.
17  Denn siehe, wieviel Übeltun wird doch durch einen schlechten König verursacht, ja, und welch große Zerstörung! …
21  Und siehe, nun sage ich euch: Ihr könnt einen Übeltäter von König nicht entthronen, außer durch viel Streit und großes Blutvergießen.
22  Denn siehe, er hat im Übeltun seine Freunde, und er hält seine Wachen um sich; und er zerreißt die Gesetze derer, die vor ihm in Rechtschaffenheit regiert haben; und er tritt die Gebote Gottes mit Füßen;
23  und er führt Gesetze ein und macht sie unter seinem Volke kund, ja, Gesetze nach der Art seiner eigenen Schlechtigkeit; und wer auch immer seine Gesetze nicht befolgt, den läßt er vernichten; und wer auch immer sich gegen ihn auflehnt, gegen den sendet er seine Heere zum Kampf, und wenn er es vermag, so vernichtet er sie; und so verkehrt ein ungerechter König die Wege aller Rechtschaffenheit.
24  Und nun siehe, ich sage euch: Es ist nicht ratsam, daß solche Greuel über euch kommen.

Nun verweist Mosia auf die Verantwortung derer, die eine Regierung wählen und warnt nachdrücklich in Vers 27 vor den Folgen, wenn die Mehrheit des Volkes sich falsch entscheidet – aus welchen Gründen auch immer – Populismus, Verdrossenheit, Wertewandel, Glaubensverlust, sich verschiebende Interessen etc.

25  Darum erwählt euch mit der Stimme dieses Volkes Richter, damit ihr gemäß den Gesetzen gerichtet werdet, die euch von unseren Vätern gegeben worden sind und die richtig sind und die sie aus der Hand des Herrn erhalten haben.
26  Nun ist es nicht üblich, daß die Stimme des Volkes etwas begehrt, was im Gegensatz zu dem steht, was recht ist; sondern es ist üblich, daß der geringere Teil des Volkes das begehrt, was nicht recht ist; darum sollt ihr dies beachten und es zu eurem Gesetz machen—eure Angelegenheiten durch die Stimme des Volkes zu erledigen.
27  Und wenn die Zeit kommt, da die Stimme des Volkes das Übeltun erwählt, dann ist es Zeit, daß die Strafgerichte Gottes über euch kommen; ja, dann ist es Zeit, daß er euch mit großer Zerschlagung heimsucht, ja, wie er dieses Land bisher heimgesucht hat.

Das folgende System ist uns vertraut, und es ist gut. Es funktioniert aber nur so lange, wie die Werte auf denen es basiert, respektiert und beachtet werden, d.h. dass Übeltun nicht durch die Mehrheit des Volkes legitimiert werden und dass die Definition von Recht und Unrecht nicht der Beliebigkeit unterliegen darf. Das ist ein großes Problem unserer Zeit. Mosia äußert sich auch zur Gewohnheit, Verantwortung für eigene Fehler auf andere abzuwälzen.

28  Und nun, wenn ihr Richter habt und sie euch nicht gemäß dem Gesetz richten, das gegeben worden ist, dann könnt ihr veranlassen, daß sie von einem höheren Richter gerichtet werden.
29  Wenn eure höheren Richter nicht mit rechtschaffenem Gericht richten, dann sollt ihr veranlassen, daß eine kleine Anzahl eurer niederen Richter sich versammelt, und sie sollen eure höheren Richter richten gemäß der Stimme des Volkes.
30  Und ich gebiete euch, dies in der Furcht des Herrn zu tun; und ich gebiete euch, dieses zu tun und keinen König zu haben; damit, wenn diese Menschen Sünden und Übeltaten begehen, sie diese auf ihrem eigenen Haupt zu verantworten haben.
31  Denn siehe, ich sage euch: Die Sünden vieler Menschen sind durch die Übeltaten ihrer Könige verursacht worden; darum sind ihre Übeltaten auf dem Haupt ihrer Könige zu verantworten. …

In diesem Vorläufer einer Demokratie mahnte Mosia die Beteiligung des Volkes an und unter welchen Prinzipien diese erfolgen sollte.

33  Und vieles mehr schrieb König Mosia ihnen und legte ihnen alle die Prüfungen und Mühen eines rechtschaffenen Königs dar, ja, alle die seelischen Beschwernisse um ihres Volkes willen und auch all das Gemurre des Volkes an ihren König; und er erklärte ihnen das alles.
34  Und er sagte ihnen, daß dies nicht so sein solle, sondern die Last solle auf das ganze Volk kommen, so daß jedermann sein Teil trage.
35  Und er legte ihnen alle die Nachteile dar, denen sie ausgesetzt wären, wenn ein ungerechter König über sie herrschte;
36  ja, alle seine Übeltaten und Greuel und alle die Kriege und Streitigkeiten und das Blutvergießen und das Stehlen und das Plündern und das Begehen von Hurerei und allerart Übeltaten, die man nicht aufzählen kann—er sagte ihnen, daß dies nicht so sein solle, daß dies den Geboten Gottes ausdrücklich zuwiderlaufe.

Die Reaktion des Volkes ist interessant und die Glaubwürdigkeit Mosias imponierend. Wir würden es eine Art Basisdemokratie nennen und eine Wertschätzung der damit verbundenen Freiheiten. Dieses Bewusstsein sehen wir leider schwinden.

37  Und nun begab es sich: Nachdem König Mosia dies unter seinem Volke kundgemacht hatte, waren sie von der Wahrheit seiner Worte überzeugt.
38  Darum ließen sie ihren Wunsch nach einem König fallen und setzten sich über die Maßen dafür ein, daß jedermann im ganzen Land die gleichen Möglichkeiten habe; ja, und jedermann brachte seine Bereitschaft zum Ausdruck, sich für seine Sünden selbst zu verantworten.
39  Darum begab es sich: Sie versammelten sich in Gruppen im ganzen Land, um mit ihrer Stimme zu entscheiden, wer ihre Richter sein sollten, die sie gemäß dem Gesetz, das ihnen gegeben worden war, richten sollten; und sie hatten überaus große Freude über die Freiheit, die ihnen gewährt worden war. …

Die Folge war eine Phase großer politischer und gesellschaftlicher Stabilität, selbst im Angesicht ständiger äußerer Bedrohungen durch die Lamaniten. Dieses Kapitel ist eine geistige und politische Pflichtlektüre.

Der verstorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt hat in seiner denkwürdigen Abschiedsrede Herbert Wehner´s vom Deutschen Bundestag in den achtziger Jahren einige der Ursachen des Glaubwürdigkeitsverlustes in der deutschen Politik kabarettistisch unvergleichlich aufgearbeitet, auch wenn hier nur eine Seite der Medaille betrachtet wird.

https://youtu.be/dxN8nmHcVwY

Das Nachdenken lohnt sich ganz sicher.

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