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Standhaftigkeit Teil 1

Standhaftigkeit oder die Kraft haben, das Richtige zu wählen, wenn es schwierig ist.

Vorvergangenen Sonntag habe ich für die Jugendlichen unserer Gemeinde eine Online-Klasse über die erste Hälfte des Buches 3. Nephi im Buch Mormon gegeben. Ich finde diesen Teil der Heiligen Schriften überaus wichtig, um unsere Zeit besser zu verstehen. Es gibt so viele Analogien zu den Zuständen in der Welt, die wir gegenwärtig erleben bzw. in den kommenden Jahren noch erleben werden. Um diese Zusammenhänge zu erkennen, braucht es Demut in Herz und Sinn und die Bereitschaft, die Schriften auf sich selbst zu beziehen. Es braucht außerdem den bestätigenden Einfluss des Heiligen Geistes.

Vor einigen Monaten postete einer meiner Kontakte in LinkedIn diese Karikatur.

Über das Bild wurde in den Kommentaren lebhaft und kontrovers diskutiert. Mich hat es zu intensivem Nachdenken angeregt. Es mag sein und ist sehr verständlich, dass wir uns diesen Tsunamis, die stellvertretend für viele mächtige Einflüsse und Entwicklungen stehen, etwas hilflos ausgesetzt fühlen. Manche Menschen spielen die Gefahren herunter oder glauben, dass man ohne große Veränderungen irgendwie davonkommen wird. Andere behaupten, dass es gar keine ernstzunehmenden Gefahren gibt und machen deshalb weiter wie immer.

Der größte Teil der Menschheit beginnt aber zu begreifen, dass es dringend notwendig ist, in vielerlei Hinsicht, drastische Kursänderungen vorzunehmen, denn es wird nicht möglich sein, die Gesetze von Ursache und Wirkung außer Kraft zu setzen. Allerdings greift die Karikatur etwas zu kurz und berücksichtigt entscheidende Einflussfaktoren nicht. Über die möchte ich etwas mehr schreiben.

Irgendwer hat mir die nächste Karikatur geschickt, die symptomatisch für unsere Zeit ist. Ändern sollen sich vorzugsweise immer die Anderen.

Diese Einstellung ist logischerweise nicht nachhaltig und beim Umgang mit den Tsunamis nicht hilfreich.

Was lernen wir nun aus 3. Nephi?

In diesem Beitrag habe ich schon mal darüber geschrieben:

https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/

Im 2. Kapitel, Vers 1 und 3 lesen wir (heute ebenfalls innerhalb und außerhalb der Kirche zu erleben): „Und es begab sich: … und das Volk fing an, jene Zeichen und Wunder zu vergessen, die es gehört hatte, und staunte allmählich immer weniger über ein Zeichen oder ein Wunder vom Himmel, so sehr, dass es anfing, in seinem Herzen hart und in seinem Sinn verblendet zu werden, und allmählich alles nicht mehr glaubte, was es gehört und gesehen hatte … Und es begab sich: Das Volk wurde allmählich in Schlechtigkeit und Gräueltaten stark, und es glaubte nicht, dass noch weitere Zeichen oder Wunder gegeben werden würden; und der Satan ging umher und verleitete dem Volk das Herz und versuchte es und veranlasste es, große Schlechtigkeit im Land zu begehen.

Die Folge war eine große Spaltung und das Heranwachsen einer massiven Bedrohung der staatlichen Ordnung und Existenz durch das organisierte Verbrechen, so brachial wie ein Tsunami.

Warum verloren so viele Menschen den ehrlichen, praktizierten Glauben an Gott (keinen lippenbekennerischen „Pseudoglauben“), gaben wichtige Werte auf, fingen an, mit unsinnigen und unakzeptablen Haltungen zu sympathisieren, sie aktiv oder passiv zu unterstützen und stumpften in ihren Empfindungen so ab, dass viele schlussendlich zu entsetzlichen Gräueltaten fähig wurden?

Welche Brüche in einer ausgewogenen Beziehung zu Gott gab es und weshalb? Warum wurde diesen Leuten ein bewährtes Wertesystem lästig? Mit welchen Argumenten ließen sie sich polarisieren oder sind gegenüber gesellschaftlichem Druck eingeknickt.

Einen der möglichen Gründe hat es schon immer gegeben. Es hat mit der Perspektive und der Vorstellung vom Wesen Gottes zu tun. Wenn ich Gott als ein Wesen betrachte, dass entweder überflüssig oder möglichst kompatibel mit meinem Willen sein sollte, wird es über kurz oder lang zu Konflikten oder einem Bruch mit dem offenbarten Wort Gottes kommen bzw. mit denen, die es verkünden. Wenn die Perspektive nur bis zum Ende des Lebens reicht, braucht es eigentlich keinen Gott, Christus oder Propheten. Man muss ja nicht an Gott glauben oder kann sich einen bequemeren definieren, der immer mit variablem Zeitgeist und wechselnden Moralvorstellungen kompatibel ist.

Im Gegensatz dazu, und das ist meine Überzeugung, sprechen die Heiligen Schriften sehr klar von einem Gott, dessen buchstäbliche Geistkinder wir sind und dessen Streben darin besteht, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ (siehe Köstliche Perle, Moses 1:39), weil er uns auf eine Art und Weise liebt, die wir oft nur zum Teil erfassen und vor allem weil er eine vollständige Erkenntnis davon hat, was dazu notwendig ist. Als unser Vater und Schöpfer hat er mit Jesus Christus einen Erretter gesandt, durch dessen Sühnopfer einschließlich seiner Auferstehung der physische Tod aller Menschen überwunden wird und jedem von uns, die Möglichkeit offensteht, zum Vater zurückzukehren und an allen Segnungen und an dem Glück teilzuhaben, die Er bereit ist, mit uns zu teilen, wenn wir bereit sind, Ihm zu folgen. Er hat uns dazu Entscheidungsfreiheit gewährt, wodurch wir den Gesetzen von Ursache und Wirkung unterworfen sind. Dies ist essentiell für unsere Entwicklung über unser irdisches Leben hinaus.

Das ist eine völlig andere Perspektive und jeder wird verstehen, dass, je nachdem welche Perspektive man einnimmt, viele wichtige Lebensfragen anders beantwortet werden. Zum Beispiel: ob Werte, Moral und Wahrheit ewig sind oder jeweils nach den Bedürfnissen der Menschen geändert werden sollten. Oder: wer ist schuld am Ungemach, das in der Welt geschieht? Ist es ein nachlässiger oder grausamer Gott, der doch eingreifen müsste, wenn irgendwo etwas Schlimmes geschieht. Oder liegt es vielmehr an den Menschen selbst, denen Entscheidungsfreiheit und Verantwortung übertragen wurde, damit es überhaupt einmal Rechenschaftspflicht vor Gott und vollkommene Gerechtigkeit durch Ihn geben kann.

Das fatale an der Begebenheit ist, dass es die Menschen damals nicht geschafft haben, trotz ihrer unterschiedlichen Positionen vernünftig miteinander umzugehen, ohne dass es zu extremistischen Auswüchsen kommt. Die Konsequenzen waren, wie auch oft vorher und nachher in der Geschichte, furchtbar.

Als ihnen das Wasser schließlich bis zum Hals stand, mussten die Nephiten und Lamaniten, die ihre gesellschaftliche Ordnung nicht preisgeben wollten, ein Zweckbündnis eingehen. Wie wir später sehen werden, geschah das bei vielen offensichtlich nicht aus Überzeugung, sondern mehr aus einer Einsicht in die Notwendigkeit.

Dieses Bündnis erfüllte aber letztendlich seinen Zweck. Durch eine Besinnung auf gemeinsame Werte, Umkehr zu Gott und zumindest temporären Zusammenhalt wurden den organisierten Verbrechern die Existenzgrundlagen entzogen und der Tsunami trocken gelegt. Sie wurden militärisch vollständig besiegt.

Nach diesem Sieg gab es eine kurze Periode geistiger und materieller Prosperität im Einklang mit den Geboten Gottes – gewissermaßen ein positives Ursache-Wirkung-Beispiel.

3. Nephi 6:4 und 5:

Und abermals fingen sie an, zu gedeihen und groß zu werden; und das sechs- und das siebenundzwanzigste Jahr vergingen, und es gab große Ordnung im Land; und sie hatten ihre Gesetze mit Unparteilichkeit und Gerechtigkeit gestaltet.
Und nun gab es im ganzen Land nichts, was das Volk daran hinderte, sich beständigen Wohlergehens zu erfreuen, außer wenn es in Übertretung fallen würde.

Genau das geschah aber – in einem historisch extrem kurzem Zeitraum von einigen wenigen Jahren.

3. Nephi 6: 10-14:

Aber es begab sich: Im neunundzwanzigsten Jahr, da fingen einige Auseinandersetzungen unter dem Volk an; und einige wurden wegen ihres überaus großen Reichtums im Stolz und im Prahlen überheblich, ja, sogar bis zu großen Verfolgungen;
denn es gab viele Kaufleute im Land und auch viele Gesetzeskundige und viele Beamte.
Und das Volk fing an, sich nach Klassen zu unterscheiden, gemäß seinen Reichtümern und seinen Bildungsmöglichkeiten, ja, einige waren wegen ihrer Armut unwissend, und andere erhielten wegen ihres Reichtums viel Bildung.
Einige waren im Stolz überheblich, und andere waren überaus demütig; einige vergalten Schimpf mit Schimpf, während andere Schimpf und Verfolgung und allerart Bedrängnisse über sich ergehen ließen und sich nicht umwandten und ihrerseits schmähten, sondern demütig und reumütig vor Gott waren.
Und so entstand im ganzen Land eine große Ungleichheit, sodass die Kirche anfing auseinanderzubrechen, ja, sodass die Kirche im dreißigsten Jahr im ganzen Land auseinandergebrochen war, außer unter einigen der Lamaniten, die sich zum wahren Glauben bekehrten; und sie wollten nicht davon ablassen, denn sie waren fest und standhaft und unverrückbar und mit allem Eifer bereit, die Gebote des Herrn zu halten.

Einige Jahre vorher gab es einen Propheten mit Namen Samuel, der genau diese Zustände angeprangert und ernsthafte Warnungen über die Folgen ausgesprochen hatte. Er schilderte im Detail, was sich als Zeichen der Geburt und Kreuzigung Christi begeben würde. Seine Prophezeiungen wurden äußerst negativ aufgenommen, denn sie forderten zu Veränderungen eines sündhaften Lebenswandels auf. Es waren unliebsame Nachrichten, speziell die Ankündigung großer Katastrophen, die diejenigen treffen würde, die die Gebote Gottes missachten.

In Helaman 14:30 und 31 wird er wie folgt zitiert:

Und nun denkt daran, denkt daran, meine Brüder: Wer zugrunde geht, fügt sich das Zugrundegehen selbst zu, und wer Übles tut, der tut es sich selbst an; denn siehe, ihr seid frei; es ist euch gewährt, für euch selbst zu handeln; denn siehe, Gott hat euch die Erkenntnis gegeben, und er hat euch frei gemacht.
Er hat euch gegeben, Gut von Böse zu unterscheiden, und er hat euch gegeben, das Leben zu wählen oder den Tod; und ihr könnt Gutes tun und zu dem wiederhergestellt werden, was gut ist, oder dass euch das, was gut ist, wiederhergestellt wird; oder ihr könnt Böses tun und euch das, was böse ist, wiederherstellen lassen.

Zurück ins Jahr 30 – 33 n. Chr.: In 3. Nephi Kapitel 6 und 7 werden die Zustände beschrieben, nachdem die Kirche auseinandergebrochen war. Es gab nur wenige, die an das Kommen von Jesus Christus glaubten. Sie standen unter enormen Verfolgungsdruck. Propheten, die Samuels Prophezeiungen wiederholten, wurden umgebracht. Die Regierung war unfähig.

3. Nephi 7:6-8:

Und die Anordnungen der Regierung wurden zunichtegemacht wegen der geheimen Verbindung der Freunde und Verwandten derer, die die Propheten ermordeten.
Und sie verursachten einen großen Streit im Land, sodass beinah der ganze rechtschaffenere Teil des Volkes schlecht geworden war; ja, es gab unter ihm nur noch wenige rechtschaffene Männer.
Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.

In 3. Nephi 8:4 wird die Geisteshaltung der Mehrheit des Volkes zusammengefasst.

Und im Volk fingen große Zweifel und Auseinandersetzungen an, ungeachtet dessen, dass so viele Zeichen gegeben worden waren.

Diese Haltung sollte sich als großer Irrtum erweisen. Die Doktrin klassischer Antichristen im Buch Mormon wie Korihor (siehe Alma 30) und Scherem (siehe Jakob 7), wurde vollständig widerlegt. Beide waren zu ihrer jeweiligen Zeit anfangs sehr erfolgreich, denn es ist leicht, etwas zu attackieren oder zu relativieren, das Glaube, Disziplin und persönliche Rechtschaffenheit erfordert.

Zitat von Korihor aus Alma 30, Verse 13 – 18:

O ihr, die ihr durch eine törichte und vergebliche Hoffnung niedergebunden seid, warum unterjocht ihr euch solchen Torheiten? Warum schaut ihr nach einem Christus aus? Denn kein Mensch kann von irgendetwas wissen, was kommen soll.
Siehe, das, was ihr Prophezeiungen nennt, wovon ihr sagt, es sei von heiligen Propheten überliefert worden, siehe, das sind törichte Überlieferungen eurer Väter.
Wie wisst ihr, dass sie gewiss und wahr sind? Siehe, ihr könnt nicht von etwas wissen, was ihr nicht sehr; darum könnt ihr nicht wissen, dass es einen Christus geben wird.
Ihr schaut voraus und sagt, ihr seht eine Vergebung eurer Sünden. Aber siehe, das ist die Auswirkung eines wirren Sinnes; und diese Verwirrung eures Sinnes kommt von den Überlieferungen eurer Väter, die euch verführen, an etwas zu glauben, was nicht so ist.
Und noch viel Derartiges mehr sprach er zu ihnen; er sagte ihnen, dass kein Sühnopfer für die Sünden der Menschen vollbracht werden könne, sondern dass es jedermann in diesem Leben so ergehe, wie es dem Verhalten des Geschöpfes entspreche; darum gedeihe jeder Mensch, wie es seiner Begabung entspreche, und jeder Mensch gewinne, wie es seiner Kraft entspreche; und was auch immer jemand tue, sei kein Verbrechen.
Und so predigte er ihnen und verführte vielen das Herz; er veranlasste sie, in ihrer Schlechtigkeit das Haupt emporzuheben, ja, er verführte viele Frauen und auch Männer, Hurerei zu begehen – denn er sagte ihnen, wenn der Mensch tot sei, dann sei dies das Ende.

Auch heute sind diese Ansichten sehr populär und werden bereitwillig übernommen. Sie sind aber weder wahr noch nachhaltig, wie u.a. die Biografien von Scherem und Korihor beweisen. Lassen wir die Geschichte weiter für sich selbst sprechen. Sie zeigt, wie irrelevant diese Philosophien waren.

3. Nephi 8:5:

Und es begab sich: Im vierunddreißigsten Jahr, im ersten Monat, am vierten Tag des Monats, da erhob sich ein großer Sturm, wie man ihn im ganzen Land noch nie erlebt hatte.

In den folgenden Versen wird geschildert, wie sich die Prophezeiungen Samuels in allen Einzelheiten erfüllten – mit enormen Konsequenzen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung traf das unvorbereitete Land mit voller Wucht und enormer Zerstörungskraft.

Als die Natur nach drei Tagen wieder zur Ruhe gekommen war, hörte man die Überlebenden klagen (siehe 3. Nephi 8:23 – 25):

Und es begab sich: Es dauerte den Zeitraum von drei Tagen, dass kein Licht zu sehen war; und es gab unter dem ganzen Volk beständig großes Trauern und Heulen und Weinen; ja, groß war das Stöhnen der Menschen wegen der Finsternis und der großen Zerstörung, die über sie hereingebrochen war.
Und an einer Stelle hörte man sie schreien, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären, denn dann wären unsere Brüder verschont worden …
Und an anderer Stelle hörte man sie schreien und klagen, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären und nicht die Propheten umgebracht und gesteinigt und ausgestoßen hätten; dann wären unsere Mütter und unsere anmutigen Töchter und unsere Kinder verschont worden … Und so war das Heulen des Volkes groß und schrecklich.

Viele fragen: Wie konnte Gott das zulassen? Das bringt uns wieder zu der eingangs gestellten Frage zum Wesen und den Absichten Gottes. Ohne Zweifel könnte Gott, der allmächtig ist, jederzeit eingreifen. Es gibt aber einen Plan, der vor Grundlegung der Welt beschlossen wurde. Neben seinen einzigartigen Perspektiven für unsere Zukunft, gehören Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für unser Handeln zu seinen größten Errungenschaften. Das impliziert, dass wir nicht nur universell gültigen physikalischen sondern auch geistigen und moralischen Prinzipien und Gesetzen unterworfen sind, deren Befolgung oder Nichtbefolgung unweigerlich Auswirkungen auf uns haben werden – früher oder später – und die wir nicht nach Gutdünken außer Kraft setzen können. In diesem Licht sollten wir lesen, was Jesus Christus selbst erklärt hat. Siehe 3. Nephi 9:13 – 17:

O ihr alle, die ihr verschont seid, weil ihr rechtschaffener wart als sie, wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?
Ja, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr zu mir kommt, werdet ihr ewiges Leben haben. Siehe, mein Arm der Barmherzigkeit ist euch entgegengestreckt, und wer auch immer kommt, den werde ich empfangen; und gesegnet sind jene, die zu mir kommen.
Siehe, ich bin Jesus Christus, der Sohn Gottes. Ich habe die Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, erschaffen. Ich war von Anfang an beim Vater. Ich bin im Vater und der Vater in mir, und in mir hat der Vater seinen Namen verherrlicht.
Ich bin zu den Meinen gekommen, und die Meinen haben mich nicht empfangen. Und die Schriften über mein Kommen sind erfüllt.
Und all jenen, die mich empfangen haben, denen habe ich es gegeben, Söhne [und Töchter, Anm. vom Verfasser] Gottes zu werden; und so werde ich es auch all jenen, die an meinen Namen glauben werden, denn siehe, durch mich kommt die Erlösung, und in mir ist das Gesetz des Mose erfüllt.

Jesus spricht im Moment des größten Unglücks, das diesen Menschen zugestoßen ist, von Heilung und den Voraussetzungen dafür. Er spricht auch von Barmherzigkeit und wie sie mit der Gerechtigkeit zusammenwirkt. Wenig später erschien Jesus der Menge und gab Zeugnis von Seinem Sühnopfer (siehe 3. Nephi 11:10 – 11):

Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen.
Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten.

In der Folge wiederholte Jesus Christus die Lehren, die er bereits während seines irdischen Wirkens verkündet hatte. Auch darüber habe ich bereits gebloggt (siehe https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/).

Am Ende Seiner Bergpredigt weist Jesus darauf hin, wie wichtig es ist, Seine Worte ernst zu nehmen und zu befolgen, in dem er ganz klar auf das Prinzip von Ursache und Wirkung hinweist. Siehe 3. Nephi 14:24 – 27:

Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.

Wenden wir uns der Gegenwart zu. Wir erleben, dass das oben beschriebene Prinzip in allen Lebensbereichen weithin verletzt wird. Aus der IT kennen wir Hotfixes – schnelle Problembehebungen, die meist nicht gründlich getestet werden können oder durch fehlende Informationen, Analysen oder Erkenntnisse unvollständig bzw. fehlerhaft sind und daher sehr oft neue Probleme verursachen. Je besser ein Problem und seine Auswirkungen verstanden werden, umso größer ist die Chance, dass es nachhaltig gelöst werden kann.

Wir könnten Bände füllen mit den Problemen, die uns als Menschheit umgeben und die mehr als einen Hotfix benötigen. Dazu gehören unzählige politische, gesundheitliche und wirtschaftliche Themen, Umweltprobleme u.v.m. Viele erfahren signifikante mediale Aufmerksamkeit. Dem aufmerksamen Beobachter wird schnell klar, wie viel Unklarheit und Uneinigkeit in vielen Bereichen herrscht, wie denn nun nachhaltige Lösungen aussehen sollten und vor allem, wie sie implementiert werden könnten. Dies trifft insbesondere auch für gesellschaftliche und zwischenmenschliche Probleme zu. Sie erhalten vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit, besonders diejenigen, die sich nicht so gut für Schlagzeilen eignen, aber im Stillen viel größere Wirkungen entfalten, als z.B. manche Themen deren Vertreter besonders laut sind. Es wird heutzutage heftig mit Hotfixes mit globalen Dimensionen experimentiert, häufig ohne Kenntnis oder fundiertes Wissen, wie sie sich in 5, 10, 20, 50 oder 100 Jahren auswirken werden.

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben wir daran, dass Gott, im Unterschied zu uns Menschen, ganz genau weiß, wie sich menschliches Verhalten im kleinen, ja sogar persönlichen, als auch im großen Maßstab auswirkt. Sein Wille und Wort sind ausführlich und im Zusammenhang mit fortlaufender Offenbarung durch Propheten auch hinreichend klar dokumentiert. Er hat uns außerdem mit dem Heiligen Geist eine Person der Gottheit als Helfer zur Seite gestellt, die uns mit ihrem tröstenden und bestätigendem Einfluss Zeugnis von der Wahrheit geben kann, wenn wir uns um diesen Einfluss bemühen.

Wir glauben außerdem daran, dass durch die Missachtung der Gebote Gottes, egal in welchem Lebensbereich und in welchem Maßstab, Probleme geschaffen werden, deren Auswirkungen sich unweigerlich anhäufen werden und im schlimmsten Fall nicht mehr beherrscht werden können. Ich habe deshalb die Darstellung am Anfang dieses Beitrags um ein paar Punkte ergänzt.

Ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens sind die im Evangelium Jesu Christi enthaltenen Werkzeuge, mit denen Probleme zum positiven beeinflusst, gelöst und manchmal auch einfach nur ertragen werden können. So bedrohlich die dargestellten Tsunamis auch sein mögen – Gottes Plan der Erlösung gibt uns in seiner Vollständigkeit die Zuversicht, die erforderlich ist, um sich standhaft für das Gute und Richtige zu entscheiden – auch wenn es schwierig sein mag.

In Teil 2 werde ich näher auf meine Zeichnung eingehen und wie mir mein Glaube und das, was ich in vielen Jahren Engagement in meiner Kirche gelernt habe, helfen, den Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen. Ich werde auch darauf eingehen, weshalb ich ein Nachlassen im Glauben und in der Arbeit für die Kirche in diesen turbulenten Zeiten für genau den falschen Weg halte.

In Teil 3 werde ich darüber schreiben, wie ich mit konstruktiver und destruktiver Kritik am Glauben und an der Kirche, die mir wichtig und wertvoll ist, umgehe und wie man mit Gelassenheit, Güte und Stärke auf Spott, Missachtung von Dingen, die uns heilig sind, und andere Attacken reagieren kann.

Diesen Teil möchte ich mit einem Zitat von Russell M. Nelson, Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, schließen:

Heutzutage hört man oft von einem „neuen Normalzustand“. Wenn Sie einen neuen Normalzustand wirklich annehmen wollen, bitte ich Sie, Ihr Herz, Ihren Sinn und Ihre Seele zunehmend dem Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus zuzuwenden. Lassen Sie dies zu Ihrem neuen Normalzustand werden.
Nehmen Sie Ihren neuen Normalzustand an, indem Sie jeden Tag umkehren. Bemühen Sie sich darum, in Gedanken, Wort und Tat immer reiner zu werden. Dienen Sie anderen geistlich. Richten Sie Ihren Blick stets auf die Ewigkeit. Machen Sie Ihre Berufungen groß. Und leben Sie trotz aller Herausforderungen, meine lieben Brüder und Schwestern, jeden Tag so, dass Sie besser vorbereitet sind, vor Ihren Schöpfer zu treten.
“ (Präsident Russell M. Nelson, Generalkonferenz Oktober 2020)

Es ist nicht unnütz

Diese Schriftstelle aus dem Buch Mormon Curriculum für vergangene Woche, in der Jesus Christus selbst spricht, beschäftigt mich.

Ihr habt gesprochen: Es ist unnütz, Gott zu dienen, und was ist es für Gewinn, dass wir seine Verordnungen eingehalten haben und dass wir in Trauer gewandelt sind vor dem Herrn der Heerscharen?
Und nun nennen wir die Stolzen glücklich; ja, mit denen, die Übles tun, steht es wohl; ja, die Gott versuchen, sind sogar befreit.
Aber die den Herrn fürchteten, redeten oft miteinander, und der Herr hörte zu und vernahm; und vor ihm wurde ein Buch der Erinnerung geschrieben für die, die den Herrn fürchteten und die an seinen Namen dachten.
Und sie werden mein sein, spricht der Herr der Heerscharen, an dem Tag, da ich meine Juwelen herrichten werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen eigenen Sohn verschont, der ihm dient.
Dann werdet ihr zurückkehren und den Unterschied sehen zwischen dem Rechtschaffenen und dem Schlechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.
“ (3. Nephi 24:14-18)

Manchmal drängen uns gesellschaftliche Zwänge, unzählige andere Gründe oder einfach nur Gedankenlosigkeit förmlich in die Halbherzigkeit, wie das im Zitat des vor Jahren an Leukämie verstorbenen Apostels Neal A. Maxwell treffend ausgedrückt wird:

Wenn wir darüber nachdenken, dass uns von Jesus geboten wurde, wie er zu werden, erkennen wir, dass es gegenwärtig so um uns bestellt ist, dass wir nicht unbedingt schlecht, sondern eher halbherzig sind und Begeisterung für Seine Sache, die auch unsere Sache ist, sehr vermissen lassen. Wir preisen Ihn, aber nur selten eifern wir Ihm nach.
(Neal A. Maxwell, zitiert von Elder Scott D. Whiting zur Herbst-Generalkonferenz 2020)

Die Worte in 3. Nephi 24 geben uns gute Gründe, am Glauben festzuhalten und unsere Bemühungen, Gutes zu tun, eher noch zu verstärken.

Gutes Ergreifen

Als Esther und ich letzten Sonntag zur Kirche fuhren, hörten wir Mack Wilberg’s großartige Version des alten Kirchenliedes „Preist Gott von dem all Segen fließt“, das wir aus unserem Gesangbuch kennen.

Der Tabernacle Choir singt in dieser Aufnahme den schönen Text:

„All people that on earth do dwell,
Sing to the Lord with cheerful voice:
Him serve with mirth, His praise
Forth tell;
Come ye before Him and rejoice.

The Lord, ye know, is God indeed;
Without our aid He did us make
We are His folk, He doth us feed;
And for His sheep He doth us take.

O enter then His gates with praise;
Approach with joy His courts unto;
Praise, laud, and bless His name
Always,
For it is seemly so to do.

For why? The Lord our God is good;
His mercy is for ever sure;
His truth at all times firmly stood,
And shall from age to age endure.

To Father, Son and Holy Ghost, A-a-a-men“

Wir hatten beide Gänsehautmomente, immer wieder. Ein großartiger Ausdruck unserer Beziehung zu Gott. Man muss eine ordentliche Lautstärke wählen, damit das Majestätische des Arrangements richtig zur Geltung kommt. Das Lied hat mich die ganze Woche begleitet und mein Gefühlsleben zum Guten beeinflusst.

Ich musste wieder an dieses Zitat von Präsident Nelson denken, das mich schon länger beschäftigt: „„Es wird in künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.

Es gibt Bedingungen, damit dieser Einfluss zu spüren ist. Eine davon ist im Buch Mormon in Moroni, Kapitel 7 in den Versen 19 und 20 zu finden:

„Darum flehe ich euch an, Brüder, im Licht Christi eifrig zu forschen, damit ihr Gut von Böse unterscheiden könnt; und wenn ihr alles Gute ergreift und es nicht verwerft, dann seid ihr gewiss ein Kind Christi.  
Und nun, meine Brüder, wie ist es möglich, dass ihr alles Gute ergreifen könnt?“

In Rest dieses Kapitels wird diese Frage sehr gut beantwortet.

Manchmal vermissen wir die erwartete Freude, wenn wir Gutes tun oder versuchen, „alles Gute zu ergreifen“. Ich habe darüber nachgedacht, unter welchen Voraussetzungen ich diese Freude am häufigsten verspüre. Es passiert dann intensiver, wenn es mir gelingt, meinen Dienst mit Leidenschaft, Liebe, tief empfundenen Gefühlen, Tatkraft, Hingabe und bewusster Konsistenz zu tun. Im Gegensatz dazu kann oberflächlicher oder routinemäßiger Dienst dazu führen, dass man das Gefühl dafür verliert, Dinge als Lasten empfindet, die keine sein müssen und in der Folge vielleicht auch der Einfluss des Heiligen Geistes und damit Überzeugungen verloren gehen.

Diejenigen, deren Überzeugungen wanken oder erschüttert worden sind, lade ich ein, sich wieder um das Wirken und das Zeugnis des Heiligen Geistes zu bemühen. Dazu mag es erforderlich sein, sich mehr und bewusster mit Dingen und Einflüssen umgeben, die dieses Wirken möglich machen und den Heiligen Geist in unser Leben einladen.

Für mich ist erhebende Musik, die den Heiligen Geist einlädt, ein wichtiger Bestandteil meiner geistigen Nahrung. Es hilft mir, das Gute zu ergreifen und ein ausgeglicheneres Leben inmitten aller Turbulenzen zu führen.

Am Wochenende findet die Herbst-Generalkonferenz statt – eine gute Gelegenheiten, wichtige persönliche Fragen mit in die einzelnen Konferenzversammlungen zu nehmen und an Antworten mit einer guten Portion Selbstreflexion zu arbeiten.

Etwas mehr Tiefe

Letztes Wochenende habe ich mich gründlich mit dem ersten Teil von Mosia 2 im Buch Mormon beschäftigt. Esther und ich haben uns während unserer kleinen Heim-Abendmahlsversammlung darüber unterhalten. Im Leitfaden gab es ja gute Anregungen dazu. Sie meinte dann, dass ich wieder ein Video für meine Klasse machen sollte. Man sollte auf den Rat seiner Ehefrau hören. 🙂

Wir nehmen uns manchmal in der Kirche zu wenig Zeit, in die Tiefe von Schriftstellen zu schauen und wollen zu viel in einer Stunde besprechen. Oberflächlichkeit macht es aber schwerer, persönliche Bezüge zu finden, Zusammenhänge herzustellen und wichtige Wahrheiten auch zu fühlen.

Hier ist der Youtube Link:

 

Essay für eine bemerkenswerte Frau

Diesen Beitrag schreibe ich für meine Schwiegermutter Ruth Richter. An ihrem 90. Geburtstag im Sommer letzten Jahres habe ich über dieses Thema in ihrer Heimatgemeinde in Bernburg gesprochen. Sie hat mich gebeten, meine Gedanken aufzuschreiben und mit anderen zu teilen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Zeit dazu gefunden habe, aber auch aus ständig wiederkehrenden aktuellen Anlässen geht mir das Thema nicht aus dem Kopf.

Da meine Schwiegermutter in der Nähe des Harzes wohnt und die Landschaften dort liebt, habe ich einige Fotos eingefügt, die ich letztes Jahr bei einer Wanderung durch das Bodetal gemacht habe.

Im Buch Mormon, im Buch 4. Nephi gibt es eine Textpassage (in den Versen 20-25), die ich für besonders tragisch halte.

„… und es war noch immer Friede im Land, außer dass es einige wenige im Volk gab, die sich gegen die Kirche aufgelehnt und den Namen Lamaniten auf sich genommen hatten; darum gab es allmählich wieder Lamaniten im Land. …
Und es begab sich: Zweihundert Jahre waren vergangen; und die ganze zweite Generation war vergangen außer einigen wenigen. …
Und nun, in diesem zweihundertersten Jahr [A.D.] fing es an, dass es unter ihm [dem Volk] welche gab, die im Stolz überheblich wurden, sodass sie kostbare Gewänder und allerart feine Perlen und feine Dinge der Welt trugen.
Und von der Zeit an hatten sie ihre Güter und ihre Habe untereinander nicht mehr gemeinsam.“

Um zu verstehen, was hier wirklich passiert ist und warum es so tragisch ist, müssen wir uns die Geschichte vorher und nachher etwas genauer ansehen und darüber nachdenken, wie wir das, was wir in den Heiligen Schriften lesen, auf uns und unsere Zeit beziehen können.

Vom Zeitpunkt dieser Schriftstelle gehen wir mal etwas weniger als 200 Jahre zurück in eine Zeit, in der das organisierte Verbrechen so mächtig geworden war, dass daraus eine akute Existenzbedrohung entstand (siehe 3. Nephi ab Kapitel 2). Das Bemerkenswerte war, dass diese Bedrohung das Volk veranlasste, so eng zusammenzurücken, dass es gelang, den Armeen des organisierten Verbrechens die Lebensgrundlagen zu entziehen, sie entscheidend zu schwächen und schließlich zu besiegen. Um das zu erreichen, war es notwendig, den verhängnisvollen Trend, dass Menschen zum organisierten Verbrechen überliefen und aktive oder passive Unterstützung gewährten, zu stoppen. Eine Situation, die uns heute nicht unvertraut ist und in der wir leider nicht diese Entschlossenheit sehen, die in der Breite erforderlich wäre, um die Untaten, die von solchen Bewegungen verübt werden, zu verhindern.

Leider müssen wir im Buch Mormon lesen, dass der erzielte Erfolg nicht nachhaltig war. Sobald es den Menschen wieder besser ging, kehrten viele von ihnen zu den alten, destruktiven Verhaltensweisen zurück mit sehr negativen Folgen für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Der Geschichtsschreiber Nephi schildert es unter anderem so:

Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.“ (siehe 3. Nephi 7:8)

Das Land war praktisch unregierbar geworden und die Gesellschaft spaltete sich in viele Gruppen, die von den jeweiligen Partikularinteressen getrieben wurden. Einig waren sie sich nur darin, alle Kräfte, die ihre gottlose Lebensweise nicht gut hießen, auf ihre Seite zu ziehen oder zu eliminieren.

Doch dann gab es einen großen Schnitt, denn es trat etwas ein, wovon Propheten jahrhundertelang gesprochen hatten und wovon ein großer Teil der Gesellschaft nichts hören wollte: Die Zeichen, die im Zusammenhang mit der Kreuzigung von Jesus Christus prophezeit worden waren, erfüllten sich auf drastische Weise in Form von Naturkatastrophen, die viele Opfer forderten. Das war das eine. Das andere war, dass unmittelbar danach der auferstandene Christus einer großen Menschenmenge erschien, denen damit endgültig klar wurde, dass die Auferstehung kein Hirngespinst oder eine mystische Symbolik sondern eine buchstäbliche Tatsache ist. Für die Gläubigen erfüllte sich DIE grundlegende Hoffnung und Basis ihres Glaubens.

Was hatte Jesus Christus den Menschen zu sagen? Was waren die ersten Dinge, die er unten ihnen tat? Das Buch 3. Nephi gibt darüber ab Kapitel 11 ausführlich Auskunft. Ich möchte einige Punkte anführen:

  • Der Vater gab Zeugnis von Seinem eingeborenen Sohn.
  • Jesus Christus bestätigte, dass er der ist, von dem die Propheten gesprochen haben.
  • Er bestätigte weiterhin, dass er das Sühnopfer vollendet hat und ließ die Menschen seine Nägelmale fühlen – ein beeindruckender Vorgang, der viele Stunden gedauert haben muss.
  • Er betonte die Notwendigkeit von Umkehr und Taufe und forderte die Menschen zu Einigkeit und Beilegung von Konflikten auf.
  • Er verhieß ihnen, dass der Heilige Geist ihnen Zeugnis von diesen Dingen geben wird und erklärte die Bedingungen, um in das Reich Gottes zu gelangen.
  • Er berief zwölf Jünger, denen er Vollmacht gab, in Seinem Namen zu amtieren.
  • Daraufhin gab er ihnen die Bergpredigt (3. Nephi Kapitel 12-14), deren Lehren nicht nur eine Aufzählung von möglichen Handlungsoptionen sind, sondern die einen konkreten Lebensstil und Haltungen zu den meisten relevanten Fragen des erfolgreichen Zusammenlebens einer Gesellschaft vermitteln. Dazu später noch mehr.
  • Er heilte die Kranken, segnete die Kinder und führte das Abendmahl zum Gedächtnis an Sein Sühnopfer ein.
  • Er erklärte viele Dinge in Bezug auf das Haus Israel und organisierte die Kirche Christi.

Jesus tat und lehrte noch vieles mehr, aber das kann jeder selbst nachlesen. Fakt ist, dass Sein relativ kurzes Wirken unter dem Volk Nephi eine enorme und nachhaltige Wirkung hatte. Im 4. Nephi 1:2-3 heißt es:

Und es begab sich: Im sechsunddreißigsten Jahr wurde alles Volk zum Herrn bekehrt, im ganzen Land, sowohl die Nephiten als auch die Lamaniten, und es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter ihnen, und ein jeder ging gerecht mit dem anderen um.
Und sie hatten alles unter sich gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe.

Was waren das für Lehren, zu denen sich die Menschen bekehrten und die übrigens unabhängig von konfessioneller Bindung sind? Viele gelten heute als überholt, nicht anwendbar, stock-konservativ, etwas für Naivlinge oder Gutmenschen, nicht geeignet für Individualismus, zu schwierig zu befolgen in einem Umfeld, dass sich nicht darum schert. Das einzige, was von diesen Argumenten stimmt, ist, dass die Lehren der Bergpredigt nicht einfach umzusetzen sind. Aber sie sind zeitlos. Zur Anwendung bedarf es Mühe, Motivation, Lernen, Disziplin, Haltung und Entschlossenheit, sich persönlich zu ändern (wie übrigens immer, wenn es darum geht, wenn man etwas zum Guten ändern möchte). Und es braucht eine ausreichende Portion Glauben.

Vor einigen Wochen habe ich für meine Frau einen Extrakt der wichtigsten Punkte erstellt (siehe 3. Nephi Kapitel 12 ab Vers 3):

„Ja, gesegnet sind die im Geist Armen, die zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Und weiter, gesegnet sind alle, die da trauern, denn sie werden getröstet werden.
Und gesegnet sind die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde ererben.
Und gesegnet sind alle, die hungern und dürsten nach Rechtschaffenheit, denn sie werden vom Heiligen Geist erfüllt werden.
Und gesegnet sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Und gesegnet sind alle, die im Herzen rein sind, denn sie werden Gott sehen.
Und gesegnet sind alle Friedensstifter, denn sie werden die Kinder Gottes heißen.
Und gesegnet sind alle, die um meines Namens willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Und gesegnet seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und fälschlich gegen euch allerart Böses reden;
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich gebe es euch, das Licht dieses Volkes zu sein. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. Siehe, zündet man eine Kerze an und stellt sie unter einen Scheffel? Nein, sondern auf einen Leuchter, dann gibt sie allen Licht, die im Hause sind;
darum lasst euer Licht vor diesem Volk so leuchten, dass es eure guten Werke sieht und euren Vater, der im Himmel ist, verherrlicht.
Ihr habt gehört, dass von denen in alter Zeit gesagt worden ist, und es steht auch vor euch geschrieben: Du sollst nicht töten, und wer auch immer tötet, dem droht das Strafgericht Gottes;
aber ich sage euch: Wer auch immer seinem Bruder zürnt, dem droht sein Strafgericht. Und wer auch immer Hohlkopf zu seinem Bruder sagt, dem droht der Rat; und wer auch immer sagt: Du Narr, dem droht das höllische Feuer.
Darum, wenn ihr zu mir kommt oder den Wunsch habt, zu mir zu kommen, und es fällt dir dabei ein, dass dein Bruder etwas gegen dich hat –
so gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komme mit voller Herzensabsicht zu mir, und ich werde dich empfangen.
Siehe, von denen in alter Zeit ist geschrieben worden: Du sollst nicht Ehebruch begehen;
ich aber sage euch: Wer auch immer eine Frau ansieht, dass es ihn nach ihr gelüstet, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen.
Siehe, ich gebe euch das Gebot, nichts davon in euer Herz eindringen zu lassen;
denn es ist besser, dass ihr euch dies versagt, wodurch ihr euer Kreuz auf euch nehmt, als dass ihr in die Hölle geworfen werdet.
Und siehe, es steht geschrieben: Auge um Auge und Zahn um Zahn;
aber ich sage euch, dass ihr euch Bösem nicht widersetzen sollt; sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm die andere auch hin;
und wenn dich einer vor Gericht verklagen und dir den Rock nehmen will, so lass ihm auch deinen Mantel;
und wenn dich jemand nötigt, eine Meile zu gehen, so gehe mit ihm zwei.
Gib dem, der dich bittet, und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab.
Und siehe, es steht auch geschrieben: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen;
aber siehe, ich sage euch: Liebt eure Feinde, segnet die, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch böswillig schlecht behandeln und euch verfolgen,
Darum möchte ich, dass ihr vollkommen seiet, so wie ich oder euer Vater, der im Himmel ist, vollkommen ist.Wahrlich, wahrlich, ich sage, ich möchte, dass ihr den Armen Almosen gebt; aber achtet darauf, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater, der im Himmel ist.
Darum, wenn ihr eure Almosen gebt, so posaunt nicht vor euch her, wie Heuchler das in den Synagogen und auf den Straßen tun, um sich von den Leuten preisen zu lassen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn.
Wenn aber du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut, damit deine Almosen verborgen bleiben; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird selbst es dir offen lohnen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben;
wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie zerfressen und Diebe einbrechen und stehlen;
sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie zerfressen und wo Diebe nicht einbrechen noch stehlen.
Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Das Licht des Leibes ist das Auge; wenn also dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib voll Licht sein.
Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist dann die Finsternis!
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder aber er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Sondern trachtet ihr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Rechtschaffenheit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Darum sorgt nicht für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seinem eigenen Übel.
Und nun begab es sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, wandte er sich wieder an die Menge und öffnete den Mund wieder zu ihr, nämlich: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
Denn mit welchem Richterspruch ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch wieder zugemessen werden.
Und wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, gewahrst aber nicht den Balken, der in deinem eigenen Auge ist?
Oder wie kannst du zu deinem Bruder sprechen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen – und siehe, ein Balken ist in deinem eigenen Auge?
Du Heuchler, entferne zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu entfernen.
Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.
Denn ein jeder, der bittet, empfängt; und wer da sucht, der findet; und dem, der anklopft, wird aufgetan werden.
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch, denn darin bestehen das Gesetz und die Propheten.
Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann
vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.“
Während sich der Zeitgeist, besonders in den westlichen Gesellschaften, weitgehend vom Inhalt der Bergpredigt verabschiedet hat und versucht, auf andere Weise eine glücklichere Gesellschaft zu schaffen, lesen wir im Buch Mormon, was entstanden ist, nachdem ein ganzes Volk seinen Lebensstil an dem ausgerichtet hat, was ihnen Jesus Christus live gelehrt hat. Der Schreiber hat im 4. Nephi mehr als 160 Jahre außerordentlich erfolgreicher Geschichte in nur wenigen Versen zusammengefasst:
Vers 2: Das Wirken und die Botschaften von Jesus Christus führten innerhalb kurzer Zeit zu Einigkeit im Glauben und im Umgang der Menschen miteinander.
Vers 4: Stabiler Frieden im Land. Frieden als Ergebnis von Geisteshaltungen.
Vers 5: Glaube und gesellschaftliche Verhältnisse ermöglichten es, dass viel Leid geheilt werden konnte. Dafür gibt es heute einen riesigen Bedarf.
Vers 7: Die Produktivität und Zusammenarbeit verbesserten sich exponentiell. Daraus folgte wirtschaftlicher Erfolg.
Vers 10: „Und nun, siehe, es begab sich: Das Volk Nephi wurde stark und mehrte sich überaus schnell und wurde ein überaus anmutiges und angenehmes Volk.
Vers 11: Sie bildeten Familien und empfingen reiche Segnungen – als Ergebnis ihres Lebenswandels.
Vers 12: Sie kümmerten sich aktiv um ihre Beziehung zu Gott und ihre geistige Wohlfahrt.
Verse 15-17: „Und es begab sich: Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im Herzen wohnte, gab es im Land keinen Streit.
Und es gab weder Neid noch Streit noch Aufruhr noch Hurerei noch Lüge noch Mord noch irgendeine Art von Ausschweifungen; und gewiss konnte es kein glücklicheres Volk unter allem Volk geben, was von der Hand Gottes erschaffen worden war.
Es gab weder Räuber noch Mörder noch gab es Lamaniten noch sonst irgendwelche -iten; sondern alle waren eins, die Kinder Christi und Erben des Reiches Gottes.
Vers 18: „Und wie gesegnet waren sie! Denn der Herr segnete sie in allem, was sie taten; ja, sie wurden gesegnet, und es erging ihnen wohl …
Das waren sehr erstrebenswerte Zustände. Wie viel wären wir bereit dafür zu geben? Der Preis wird oben genannt, aber auch die Resultate. Nochmal, es handelt sich um Haltungen, um einen Lebensstil, der nicht notwendigerweise eine religiöse Bindung, wohl aber starke Überzeugungen voraussetzt. Selbst bei nur teilweiser Umsetzung in der Breite würden wir spürbare Verbesserungen unserer gesellschaftlichen Probleme erzielen – sowohl im Kleinen als auch im Großen. Wie viel Leid auf allen gesellschaftlichen Ebenen könnte gelindert und geheilt werden.
Man könnte einwenden, dass man in einer Ellenbogengesellschaft viel zu oft das Nachsehen hätte, wenn man sich sanftmütig, gütig, selbstlos, rücksichtsvoll, respektvoll, friedlich und anständig verhält, eingegangene familiäre, soziale und gesellschaftliche Verpflichtungen einhält und der gesamten Schöpfung Gottes uneingeschränkte Achtung entgegenbringt. Es gibt jedoch viel mehr Gründe, die gegen eine solche Haltung sprechen als dafür.
Zurück zur Tragik der eingangs zitierten Schriftstelle. Nach über 160 Jahren war eine Generation herangewachsen, die begann, den Lebenstil der vorangegangenen Generationen für sich abzuwählen und andere moralische Werte offensiv und sehr erfolgreich zu verbreiten. Weshalb war das nun so tragisch? Diese Leute haben vielleicht gute Gründe gehabt und wollten sich von den Traditionen ihrer Eltern und Großeltern lösen, sich selbst verwirklichen, ohne Rücksicht auf eine Gemeinschaft oder einen bestimmten Glauben nehmen zu müssen. Nun, die Geschichte zeichnet ein anderes Bild, aus dem wir lernen sollten.
  • Der gesellschaftliche Zusammenhalt begann zu erodieren und sich nach und nach aufzulösen, anfangs nicht aus theologischen sondern materiellen Gründen. Die Verhaltensänderungen gingen den Veränderungen in Glaubensbekenntnissen voraus. Das ist auch heute häufig so.
  • Diese Generation hatte Jesus Christus nicht selbst erlebt und wuchs in einer Zeit auf, in der Wohlstand und Wohlergehen zur Selbstverständlichkeit geworden war, ohne dass sie sich viele Gedanken darüber machen mussten.
  • Sie hatten offensichtlich auch ein Stück weit den Bezug zu ihrer jüngeren Geschichte verloren. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass die Interpretation von Geschichte mit wachsendem zeitlichen Abstand schwieriger wird, vor allem wenn die Lehren daraus unbequem und nicht kompatibel mit dem Zeitgeist sind.
  • Bis zur Spaltung oder besser Zersplitterung der Gesellschaft dauerte es kaum 10 Jahre.
  • Egoismus und moralische Beliebigkeit traten ihren Siegeszug an, Religion wurde eine äußerliche Angelegenheit ohne wirklichen Glauben, ohne heilende Kraft, ohne Achtung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Diejenigen, die sich diesen Entwicklungen entgegenstemmten, wurden nach und nach zum Schweigen gebracht.
  • Nachdem sich der größte Teil des Volkes innerhalb einiger Jahrzehnte schließlich fast komplett von den Lehren Jesu Christi abgewandt und sich von moralischen Werten und Geboten „befreit“ hatte, müsste man annehmen, dass daraus eine neue, erhoffte Phase der Prosperität eintrat, in der die Leute Zufriedenheit und Glück verspürten, denn sie hatten ja das durchgesetzt, was sie wollten. Diese Hoffnung erfüllte sich aber nicht, konnte es auch nicht, denn das Gesetz von Ursache und Wirkung lässt sich nicht außer Kraft setzen. Das organisierte Verbrechen wurde mächtig, wie nie zuvor. Die Menschen stumpften ab und es entwickelte sich Schritt für Schritt eine Spirale von Hass und Gewalt, die bis zum Ende des Berichts unvorstellbare Ausmaße und Formen von Grausamkeit annahm, die nur dann möglich sind, wenn sich vorher ein weit gehender moralischer und kultureller Verfall durchgesetzt hat. Dadurch wurde schließlich innerhalb von weniger als 200 Jahren eine gesamte Kultur ausgelöscht.

Das ist der Grund, weshalb die Anfänge des Verfalls so tragisch waren. Alle Ereignisse, die darauf folgten und vor allem die Ursachen, die dazu führten, wurden lange vorher von Propheten angekündigt. Sie waren nicht unvermeidlich. Sie hätten verhindert werden können, wenn es bei genügend Menschen den Willen dazu gegeben hätte. Sie traten aber unweigerlich ein, als große Menschengruppen sich für Lebensweisen entschieden, deren Auswirkungen mit der Zeit immer schwerer und schlussendlich überhaupt nicht mehr beherrschbar waren.

Mormon, der wichtigste Zeitzeuge der Vernichtung und Mann nach dem das Buch Mormon benannt wurde, klagte voller Trauer (siehe Buch Mormon, Mormon 6:16-20):

„Und wegen der Getöteten meines Volkes wurde meine Seele von Pein zerrissen, und ich schrie:
O ihr Anmutigen, wie konntet ihr von den Wegen des Herrn abweichen! O ihr Anmutigen, wie konntet ihr diesen Jesus verwerfen, der mit offenen Armen dastand, euch zu empfangen!
Siehe, wenn ihr dies nicht getan hättet, wäret ihr nicht gefallen. Aber siehe, ihr seid gefallen, und ich betrauere euren Verlust.
O ihr anmutigen Söhne und Töchter, ihr Väter und Mütter, ihr Ehemänner und Ehefrauen, ihr Anmutigen, wie kommt es, dass ihr fallen konntet!
Aber siehe, ihr seid dahin, und mein Grämen kann euch nicht zurückbringen.“

Aus dieser Geschichte können wir viel lernen – vor allem, dass es nichts Nachhaltigeres gibt, als das Evangelium Jesu Christi. Zur Zeit hören wir oft die Frage, welche Lehren wir aus dem Jahr 2020 ziehen werden. Wird wieder mehr Demut in die Gesellschaft einziehen? Wird man sich auch auf unbequeme Lehren aus der Geschichte besinnen und die heranwachsenden Generationen sorgfältiger und ganzheitlicher bilden?
Werden die oben aufgeführten elementar wichtigen Prinzipien für ein vernünftiges Zusammenleben wieder mehr an Bedeutung gewinnen – im persönlichen Denken und Fühlen, in den Medien, in den Familien, im Geschäftsleben, in der Politik und in den Religionen? Werden Menschen mit extremen Haltungen zur Besinnung kommen? Werden Glaube und Rechtschaffenheit zunehmen? Wird es in der Breite eine größere Einsicht geben, dass unsere Entscheidungen und Handlungen viel größere Auswirkungen auf uns, auf andere Menschen, auf die Natur und die Gesellschaft haben, als wir oft glauben? Das gilt nicht nur für die nähere und fernere Zukunft, sondern auch und vor allem für unser Leben nach unserem irdischen Dasein.Manchmal mögen wir vielleicht das Gefühl haben, dass es zu schwer ist, sein Leben an Jesus Christus zu orientieren oder dass es sich nicht lohnt, da andere, denen das alles komplett egal ist, vielleicht erfolgreicher, gesünder, wohlhabender oder populärer sind. Nun, dazu hat Jesus Christus selbst eine Schriftstelle aus dem Buch Maleachi im Alten Testament zitiert (siehe Maleachi 3:14-18), als er unter den Nephiten weilte. Ich finde, das ist ein gutes Schlusswort unter diesen Beitrag.

„Ihr habt gesprochen: Es ist unnütz, Gott zu dienen, und was ist es für Gewinn, dass wir seine Verordnungen eingehalten haben und dass wir in Trauer gewandelt sind vor dem Herrn der Heerscharen?
Und nun nennen wir die Stolzen glücklich; ja, mit denen, die Übles tun, steht es wohl; ja, die Gott versuchen, sind sogar befreit.
Aber die den Herrn fürchteten, redeten oft miteinander, und der Herr hörte zu und vernahm; und vor ihm wurde ein Buch der Erinnerung geschrieben für die, die den Herrn fürchteten und die an seinen Namen dachten.
Und sie werden mein sein, spricht der Herr der Heerscharen, an dem Tag, da ich meine Juwelen herrichten werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen eigenen Sohn verschont, der ihm dient.
Dann werdet ihr zurückkehren und den Unterschied sehen zwischen dem Rechtschaffenen und dem Schlechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“
(Buch Mormon, 3. Nephi 24:14-18)

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Ölbaum

In Zeiten der Coronavirus Pandemie, in der auch unser Kirchenleben eingeschränkt ist, lernen wir auch die positiven Seiten und Möglichkeiten der sozialen Medien besser kennen. Ich finde es toll, dass wir dadurch Zugang zu vielen aufbauenden Botschaften, Bildern und Videos erhalten. Allerdings sollten wir dabei nicht diejenigen vergessen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht online sein können oder möchten, und die in diesen Tagen leicht vergessen werden. Es gibt immer noch Telefone, Stifte und Papier.

Ich bin in unserer Gemeinde als Lehrer für die Jugendlichen tätig und habe mir gedacht, für sie ein Video über ein Kapitel im Buch Mormon zu drehen, dass oft stiefmütterlich behandelt wird, da es sehr lang ist, eine gewisse Komplexität hat und idealerweise eine ganze Menge Vorwissen für ein gutes Verständnis braucht.

Es handelt sich um das Gleichnis vom Ölbaum in Jakob Kapitel 5. Ich hoffe, meine Gedanken, die als Anregungen zu verstehen sind, helfen dabei, diesen sehr wichtigen Teil der Heiligen Schriften besser zu verstehen. Herzlichen Dank an meine Ehefrau Esther, die mich tatkräftig unterstützt hat. 🙂

Wer möchte, kann den Beitrag gern teilen. Euch allen einen schönen Sonntag und eine gute und erträgliche neue Woche.

Hier ist der Link zum Youtube Video:

 

Hier die Präsentation zum Download:

BM Jakob 5 – Das Gleichnis vom Ölbaum

 

Gedanken zu Weihnachten

In der Adventszeit waren wir aufgefordert der Welt ein Licht zu sein, siehe https://www.mormon.org/christmas/deu.
Manche haben gefragt: Wie kann man der Welt ein Licht sein? Ist das nicht etwas vermessen? Ist es nicht, wenn man die Bedeutung des Anliegens versteht. Wir haben es versucht und die Erfahrung gemacht, dass sich im Alltag viele, viele Gelegenheiten ergeben, mehr Licht und Freude in das Leben anderer Menschen zu bringen. Wir haben dabei ein größeres Maß an Zufriedenheit und Glück verspürt.

Kann man es sich heute, in einer wettbewerbsorientierten Welt, überhaupt noch leisten, anderen selbstlos beizustehen, die Ellenbogen einzufahren und zu dienen? Ja, man kann und man sollte.
Ich-Bezogenheit oder drastischer ausgedrückt, Egoismus, gehören zu den Hauptkrankheiten unserer Epoche, die zu vielen weiteren Auswüchsen und Krankheiten in der Gesellschaft und damit zu Streit, Leid, Vereinsamung und Gleichgültigkeit führen. Exzessive Ich-Bezogenheit und die überwiegende Fokusierung auf eigene Bedürfnisse bewirken Konsensunfähigkeit und machen den Einzelnen und die Gesellschaft nicht glücklicher. Viele Menschen wollen oft nur noch Beiträge zu ihren eigenen Bedingungen leisten.  Diese Haltung ist ein gesellschaftlicher Trend geworden und hält leider auch Einzug in unsere Gemeinden. Es ist aber dem, was wir glauben und was wir in der Kirche erreichen wollen, diametral entgegengesetzt.

Elder Uchtdorf vom Rat der Zwölf Apostel hat zur letzten Generalkonferenz folgendes gesagt:

„Kommen Sie, helfen Sie uns, eine Kultur aufzubauen und zu stärken, in der alle Kinder Gottes Heilung, Güte und Barmherzigkeit erfahren. Denn wir alle sind bestrebt, „eine neue Schöpfung“ zu werden, in der „das Alte“ vergangen und „Neues“ geworden ist.  Der Erretter zeigt uns, in welche Richtung wir uns bewegen sollen: vorwärts und aufwärts. Er sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Arbeiten wir doch alle gemeinsam daran, die Art Mensch zu werden, die wir nach Gottes Absicht werden sollen!

Das ist die Art Evangeliumskultur, die wir in der gesamten Kirche Jesu Christi pflegen möchten. Wir wollen die Kirche als einen Ort stärken, wo wir einander vergeben. Wo wir der Versuchung widerstehen, Fehler zu finden, zu tratschen und andere herabzusetzen. Wo wir aufrichten, anstatt Schwachstellen aufzuzeigen, und einander helfen, das Beste zu werden, was aus uns werden kann.

Ich lade Sie nochmals ein: Kommen Sie und sehen Sie. Schließen Sie sich uns an. Wir brauchen Sie.“

Esther und ich haben vor kurzem auf unserer Reise durch das Buch Mormon die Stellen im Buch Mormon gelesen, die in diesem kleinen Video beschrieben werden.

Diese Begebenheit und die nachfolgende Geschichte (siehe Helaman Kapitel 13 bis 3. Nephi Kapitel 9) berichten von einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, die ihre Probleme nicht mehr dauerhaft und nachhaltig lösen wollte und am Ende auch nicht mehr konnte. Aus der Lektüre können wir sehr viel lernen.

Zu Weihnachten wünsche ich uns allen, dass wir Jesus Christus als Geschenk annehmen und eine besonders große Portion der Bergpredigt (siehe Neues Testament, Matthäus Kapitel 5-7 oder im Buch Mormon, 3. Nephi Kapitel 12 bis 14) auf unserem Gabentisch zulassen.

Sind diese Werte heute noch haltbar? Selbstverständlich. Sie sind elementar wichtig und sollten ständig wiederholt werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie von vielen als unpopulär oder zu anstrengend empfunden werden. Nachhaltigkeit ist immer anstrengender als der Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegensatz zum Minderwertigen, das sich mit großem Erfolg laut plärrend im 24/7 Modus anbiedert, setzt sich Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens nicht von selbst durch. Man muss sie suchen, sich kümmern, seinen Geist und die Sinne arbeiten lassen und sich verändern. Das ist das große Anliegen der Lehren von Jesus Christus.

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Unsere kleine Lichterwelt zu Hause 🙂

Esther und ich hatten dieses Jahr den Auftrag, die Weihnachtsfeier in unserer Gemeinde zu gestalten. Wir waren uns einig, dass wir den Besuchern etwas geben wollen, dass viele in der Weihnachtszeit paradoxerweise vermissen – Ruhe, Besinnlichkeit, Gemütlichkeit, Freude an einfachen, unspektakulären Dingen, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt, Geschichtenerzählen, Weihnachtsliedersingen und Dankbarkeit für die Geburt des Sohnes Gottes, Jesus Christus.
Esther hat es wunderbar vorbereitet und mich mächtig mit eingespannt. Es hat Freude gemacht.
Nach 15 Jahren, habe ich die Wasserfarben wieder herausgeholt und in der Kürze der Zeit einige Abende damit verbracht, ein paar großformatige Dekorationen zu klecksen. Esther wollte, dass es heimelig wirkt und so habe ich mir ein paar Vorlagen gesucht, die rein künstlerisch nicht meine Sache wären, aber den Zweck voll erfüllt haben. Das Malen empfand ich als sehr entspannend. Es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, als ich noch Pfahlpräsident war. 🙂

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Der Bischof unserer Gemeinde hatte mich vor ein paar Wochen gebeten, für den gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst am 23.12. einen gemeinsamen Chor der Gemeinden Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz zu bilden – etwas, das ich noch nie in meinem ganzen Leben gemacht habe. Ich hatte damit gerechnet, dass wir 10-12 Sängerinnen und Sänger mobilisieren könnten, da in der Vorweihnachtszeit jeder sehr beschäftigt ist. Zu meiner großen Freude waren wir mehr als 25 und, was ich besonders gut fand – im Prinzip alle haben den Wunsch geäußert, wieder regelmäßig zu singen. Das Weihnachtslied klang sehr schön und mir taten die Arme weh. 🙂
Geistliche Musik ist eine großartige Medizin zur Heilung der Seele.

Am vierten Adventssamstag haben wir unseren traditionellen Trip ins Weihnachtsdorf Seiffen gemacht. Das Wetter war wirklich nicht schön – die meiste Zeit kalter Regen. Dennoch hatten wir eine sehr schöne Zeit, die uns auf die Weihnachtstage eingestimmt hat.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest.

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Besuch in Seiffen

Interessant (noch mehr, wenn man das Buch Mormon kennt)

Seit einigen Tagen geht diese Meldung durch die News:

https://www.welt.de/wissenschaft/article173185908/Mysterioese-Stadt-Tikal-Warum-der-Fund-einer-Maya-Staette-eine-Sensation-ist.html

Faszinierende Technologie. Man darf gespannt sein, was damit in Zukunft noch gefunden wird. Ich lese dabei im Buch Mormon und mache mir so meine Gedanken. Ist schon spannend das mitzuerleben.

Also, ich denke, es lohnt sich (nicht nur aus diesem Grund) das Buch aufzuschlagen und sich hinein zu vertiefen – zu den letzten Entdeckungen besonders ins letzte Drittel.
(https://www.lds.org/scriptures/bofm?lang=deu)

Weder die Nephiten, noch die Lamaniten oder Jarediten haben uns Landkarten hinterlassen. Dafür aber jede Menge äußerst relevanter Dinge.

Siehe auch hier:

https://thomashengst.com/2017/07/15/etwas-zum-buch-mormon/

Zwei Bücher – two books

Heute möchte ich zwei besonderer Menschen gedenken und ihnen postum danken. Sie haben mein Leben durch ein Geschenk mehr beeinflusst, als sie vielleicht jemals gedacht haben. Ich habe zu Hause zwei Bücher, die mir besonders wertvoll sind. Es sind englischsprachige Ausgaben der Dreifachkombination bestehend aus Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Köstliche Perle aus dem Jahr 1958 sowie der Bibel.

Today, I´m thinking of and would like to express gratitude to two special people who have passed away years ago but have influenced my life more than they probably ever thought. I have two books at home that are very precious to me. It’s an English issue of the triple combination consisting of the Book of Mormon, Doctrine and Covenants and the Pearl of Great Price from 1958 and the Holy Bible.

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Ich verehre das Ehepaar, das sie mir geschenkt hat, sehr. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann es war. Ich war ein Teenager, Anfang der 1980er Jahre. Georg Goeckeritz und seine Ehefrau Hildegard besuchten uns auf einer ihrer Reisen von Salt Lake City zurück in ihre sächsische Heimat. Die Bücher waren Georg´s eigene Heilige Schriften.

I honor this couple who gave them to me very much. I don’t remember exactly when it was. I was a teenager beginning of the 1980ies. Georg Goeckeritz and his wife Hildegard were visiting us on one of their trips from Salt Lake City to their former home in Saxony, Germany. The books were Georg´s own Holy Scriptures.

Die beiden waren liebe Freunde meiner Eltern und unserer gesamten Familie. Eigentlich waren sie viel mehr als Freunde. Sie haben einen besonderen Platz in unserer Familie. Wenn meine 92-jährige Mutter heute von ihnen spricht, glänzen ihre Augen.

They were beloved friends of my parents and the whole family. In fact, they were much more than just friends. They’ll always have a special place in our family. My 92 year old mother’s eyes get wet for joy every time she speaks of them.

Ich habe es sehr gemocht, wenn sie kamen und ich kann mich an viele Begegnungen noch gut erinnern. Es mag kurz nach dem Tod meines Vaters im Jahr 1983 gewesen sein, als Georg mir die Bücher in die Hand drückte. Er hatte bemerkt, dass ich großes Interesse an Fremdsprachen hatte (zu der Zeit bemühte ich mich, die spärlichen Kenntnisse aus dem Englischunterricht in der DDR weiter zu entwickeln) und sagte in etwa folgendes zu mir: „Wenn du die Heiligen Schriften in der Fremdsprache studierst, die du lernen möchtest, wirst du schneller ans Ziel kommen und ein besseres Verständnis der Sprache erhalten.“

I liked it a lot when they came. I can still remember it very well. It might have been shortly after my fathers death in 1983 when Georg put the books into my hands. He had realized my interest in foreign languages (at the time, I tried to improve my poor knowledge of English by myself as East German schools didn’t focus much on it) and said something like this to me: „You will master and understand the language you strive to learn better and faster if you study the Holy Scriptures in this language.“

Ich habe diesen Rat befolgt, die Bücher intensiv genutzt und die Sprache erfolgreich gelernt. Es hat sich als ein großer Segen in meinem Leben erwiesen. Ich habe außerdem ein viel tieferes Verständnis von den Heiligen Schriften erworben – besonders vom Buch Mormon. Das war ein noch viel größerer Segen.

I followed this advice, used the books intensively and successfully learned the language. It’s been a great blessing in my life. Furthermore, I acquired a much deeper understanding of the Holy Scriptures in particular the Book of Mormon. This has been an even greater blessing.

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Wenn ich heute mit unseren jungen Leuten in unserem Pfahl spreche, die sich vorbereiten auf Mission zu gehen, gebe ich ihnen denselben Rat.

When I speak with our young people in our stake who are preparing to go on a mission I give them the same advice. 

Georg Goeckeritz war ein großer Mann. Ich bin sehr froh ihn und viele seine Lieben zu kennen.

Georg Goeckeritz was a great man. I’m very happy that I know him and many of his loved ones.

Etwas zum Buch Mormon

Von Zeit zu Zeit stöbere ich auf speeches.byu.edu in den BYU Devotionals, um mir interessante Vorträge als MP3 herunterzuladen und bei langen Autofahrten oder im Flieger anzuhören.
Vor einigen Wochen habe ich einen Vortrag von Tad Callister gefunden, den er am 1. November 2016 an der BYU gegeben hat. Es geht darin um die Kontroverse, ob das Buch Mormon eine Erfindung von Joseph Smith oder von Gott gegeben ist. Der Vortrag ist brillant und eigentlich müsste man ihn ins Deutsche übersetzen, damit er allen zugänglich wird, die nicht so fit in Englisch sind.

Jeder kann über die Kirche, Joseph Smith oder auch das Buch Mormon denken was sie oder er will. Man kann an verschiedenen Dingen Anstoß nehmen und zu kontroversen Antworten kommen, je nachdem für welche Perspektive man sich entscheidet. Man kann versuchen, eigene Diskrepanzen zur Lehre oder Anwendung der Lehre, mit Verweis auf die Fehler von Kirchenführern, zu rechtfertigen. Man kann entscheiden, welchen Quellen man mehr vertraut oder in welchen historischen Kontext man sich zur Beurteilung begeben möchte (manchen Menschen, die sich damit ganz offensichtlich schwer tun, wünsche ich sehr, dass in 100 Jahren ihr eigenes Leben im heutigen Kontext betrachtet wird und nicht mit dem, den wir in 100 Jahren haben werden, was deutlich mehr Mühe macht). Man kann frühen Kirchenführern (insbesondere und sehr beliebt bei Joseph Smith) das Recht, Fehler zu machen, absprechen (was für mich unvernünftig ist, wenn man die Umstände, die Aufgabe, die Gesetzmäßigkeit, dass Erfahrung auf Erfahrung aufbaut und die zu lösenden Probleme betrachtet).
Aber eines kann man meiner Meinung nach nicht. Man kann sich nicht einfach so am Buch Mormon, seiner Entstehungsgeschichte, der Lehre und seiner Bedeutung für die Existenz der Kirche und die Menschheit als Ganzes vorbeimogeln.

Tad Callister erklärt sehr einleuchtend, warum das nicht geht. Man kann die Auseinandersetzung mit dem Buch natürlich sehr leicht vermeiden, indem man es ignoriert. Es ändert aber nichts an seiner Entstehung und universellen Bedeutung.

Es ist klar, dass es nicht einfach ist, an den göttlichen Ursprung eines Buches zu glauben. Ich kenne viele, die gern glauben würden, aber sie schaffen es nicht – häufig wegen der damit einhergehenden Konsequenzen. Dafür muss man Verständnis aufbringen.

Im Vortrag wird beschrieben, dass man sich auf wenig stichhaltige, abenteuerliche und teilweise haarsträubende Hypothesen einlassen muss, wenn man nach Alternativen zur Aussage sucht, dass Joseph Smith das Buch Mormon durch die Macht Gottes übersetzt hat und die Entstehung dieses Buches auch gar nicht anders möglich war.

https://www.youtube.com/watch?v=InVmvWA12qU

https://speeches.byu.edu/talks/tad-r-callister_book-mormon-man-made-god-given/

Die entscheidenden Fragen haben sehr wenig mit Archäologie oder Geographie zu tun. Es geht um die Botschaft des Buches Mormon, die klaren und nachhaltigen Lehren, die darin enthalten sind und die viele Irrtümer korrigieren.

Elder Callister nennt dafür einige prägnante Beispiele:

2. Nephi Kapitel 2 – klärt eindeutig, dass der Fall von Adam und Eva kein Schritt zurück, sondern ein wichtiger Schritt vorwärts im Plan der Erlösung war;

Alma 13 – wo wir über die Präexistenz lernen, ohne die alles andere total unvollständig wäre;

Alma 40 – erklärt, was es mit der postmortalen Geisterwelt auf sich hat;

Alma 32 – aus meiner Sicht die beste Erläuterung in den Schriften, wie man Glauben entwickeln kann;

Mosiah 2-5 – eine der beeindruckendsten Predigten über das Sühnopfer von Jesus Christus;

Der Zweck und die korrekte Durchführung der Taufe wird in mehreren Schriftstellen erklärt. Genauso alle Bestandteile des Sühnopfers und ihre Bedeutung.

3. Nephi 11 – der auferstandene Christus erscheint den Bewohnern des Landes, wodurch wir ein weiteres Zeugnis von Ihm erhalten.

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Ich habe mir mal die Zeit genommen und für mich eine Zusammenfassung von wichtigen Kapiteln des Buches erstellt. Die Liste ist nicht vollständig, aber sie hat ein enormes Gewicht. Jedesmal, wenn ich das alles lese, beeindrucken mich die Klarheit und die Weitsicht des Buches, die Dimension der Perspektiven, die es eröffnet. Ich schätze die Herausforderungen für Herz und Verstand und die Möglichkeit, eine Bestätigung für die Wahrheit des Buches zu erhalten (siehe Link zu Moroni 10 unten).
Selbst wenn jemand sich nicht in der Lage sieht, eine solche Bestätigung zu erhalten oder glaubt, keine zu benötigen, gibt es trotzdem so viel aus dem Buch zu lernen und reichlich Stoff zum nachdenken.
Ich erhalte diese Bestätigung ständig wieder – ganz besonders dann, wenn ich das Gelesene auf mich und heute beziehe.

1. Nephi 8: Die Vision vom Baum des Lebens.
1. Nephi 11: Nephi’s Bestätigung der Vision vom Baum des Lebens und Erläuterungen speziell zur Rolle des Messias.
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1. Nephi 14: Das Wirken der Bewegungen, die Gott und verbindliche moralische Werte ablehnen.
1 . Nephi 19: Über das Sühnopfer Christi sowie die Zerstreuung und Sammlung Israels.
1 . Nephi 22: Die Zeit vor dem zweiten Kommen von Jesus Christus.
2. Nephi 2: Die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit.
2. Nephi 4: Der Psalm Nephis, Vertrauen in Gott.
2. Nephi 9: Das Sühnopfer Christi und seine Konsequenzen.
2. Nephi 27: Das Hervorkommen des Buches Mormon.
2. Nephi 28: Die Auswirkungen von Relativismus.
2. Nephi 29: Wie die Bibel und das Buch Mormon zusammen wirken.
2. Nephi 31: Klarstellungen zur Taufe.
Jakob 5: Das Gleichnis vom Ölbaum, Zerstreuung und Sammlung Israels.
Mosia 2-5: Die Rede König Benjamins, eine der besten und umfassendsten Erläuterungen des Sühnopfers Christi.
Mosia 15-16: Über die Auferstehung.
Mosia 18: Worauf es in der Kirche ankommt.
Mosia 29: Die Verantwortung von Regierenden und vor allem derer, die sie wählen.
Alma 1: Das Übel von Priestermacht, wodurch Wahrheit verdreht wird, um materiellen Gewinn zu erlangen.
Alma 5:  Erklärung was wahre Umkehr ist.
Alma 12: Die Bedeutung des Lebens als Bewährungszeit und Vorbereitung, vor Gott Rechenschaft abzulegen.
Alma 30: Wirken und Ende eines Antichrist.
Alma 32: Eine der besten Erklärungen wie man Glauben entwickeln kann.
Alma 34: Das Sühnopfer und der Plan der Erlösung.
Alma 39-42: Moralische Werte und eine der umfassendsten Erläuterungen des gesamten Planes der Erlösung: Glaube, Umkehr, Bündnisse, Tod, Auferstehung, Zustand nach dem Tod.
Helaman 2: Der Fluch des organisierten Verbrechens und seiner Unterstützer.
Helaman 6: Wie es geschehen kann, dass organisiertes Verbrechen eine Gesellschaft dominiert.
Helaman 10: Vollmacht von Gott.
3. Nephi 1-6: Enthält viele Schlüssel, um die heutige Zeit zu verstehen; Verheißungen Gottes erfüllen sich unabhängig vom Willen der Menschen; Werteverfall und weitverbreitete Akzeptanz krimineller Strukturen spalten die Gesellschaft; das organisierte Verbrechen kann nur durch Zusammenhalt und außerordentliche Anstrengungen besiegt werden; durch den Kreislauf des Stolzes verfällt die Gesellschaft schnell wieder in alte Fehler.
3. Nephi 11-26: Das Erscheinen des auferstandenen Jesus Christus und Sein nachhaltiges Wirken unter den Nephiten; die Bergpredigt wiederholt; grundlegende Verordnungen wie Taufe und Abendmahl umfassend erklärt.
4. Nephi 1: Wie eine gerechte Gesellschaft gebildet werden kann; 200 Jahre Frieden und Gedeihen; die Ursachen für den Zerfall und die tragischen Auswirkungen.
Mormon 1-6: Der vollständige Verfall moralischer Werte und die Entwicklung zu einer Kultur des ungebändigten Hasses, die in Vernichtungskriegen endet.
Mormon 9: Parallelen zu unserer Zeit; warum Glaube an Jesus Christus und das Erwerben von Kenntnissen von den Absichten Gottes wichtig sind.
Ether 3-4: Glauben entwickelt sich zu Wissen durch Anwendung; fortlaufende Offenbarung ist eine Funktion der Anwendung von bereits gegebener Offenbarung.
Ether 8: Warnung vor geheimen Verbindungen und die Bedrohung der Freiheit von Völkern.
Ether 12: Über Glauben und Wunder; ein Schlüssel wie Schwächen in Stärken verwandelt werden können.
Moroni 7: Das Gebet und die Unterscheidung von Gut und Böse; das Licht Christi steht jedem Menschen zur Verfügung; der Zusammenhang von Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe.
Moroni 8: Warum kleine Kinder keine Taufe benötigen.
Moroni 10; Jeder kann durch die Macht des Heiligen Geistes ein Zeugnis vom Buch Mormon erhalten; Aufforderung zu Christus zu kommen.

Präsident Thomas S. Monson hat zur letzten Generalkonferenz ein kurze Ansprache gegeben und dort unter anderem gesagt:
Heute Morgen spreche ich über die Macht des Buches Mormon und darüber, wie dringend nötig wir als Mitglieder dieser Kirche es haben, uns mit seinen Lehren zu befassen, über sie nachzudenken und sie in unserem Leben anzuwenden. Wie wichtig es ist, ein festes und sicheres Zeugnis vom Buch Mormon zu haben, kann nicht genug betont werden.
(siehe https://www.lds.org/general-conference/2017/04/the-power-of-the-book-of-mormon?lang=deu)