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Orientierung

In einer Zeit, in der es vielen Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht, Hoffnung und Orientierung verloren gehen und man sich oft verwundert die Augen reibt, welche Entscheidungen auf allen Ebenen der Gesellschaft getroffen werden, sollten wir uns daran erinnern, dass es zuverlässige und nachhaltige Wege gibt, die Führung eines liebenden Gottes zu finden.

Im Johannesevangelium des Neuen Testaments in Kapitel 17, Vers 3 lesen wir:

„Und genau darin besteht das ewige Leben: dich, den einen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“

Erkenntnis von Gott und Verständnis seines Wesens hat also eine geradezu überragende Bedeutung. Dazu gehört auch die Kommunikation mit Ihm. Das ist durchaus eine bidirektionale Angelegenheit, wie an den folgenden Schriftstellen, die stellvertretend für viele weitere stehen, zu sehen ist:

„Wenn du bittest, wirst du Offenbarung um Offenbarung, Erkenntnis um Erkenntnis empfangen, damit du die Geheimnisse und das Friedfertige erkennen mögest – das, was Freude bringt, das, was ewiges Leben bringt.“ (Lehre und Bündnisse 42:61)

„Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist.“ (Buch Mormon, Moroni 10:5)

Das sind sehr erstrebenswerte Dinge, für die einige entscheidende Mitwirkungen erforderlich sind, wie persönliche Rechtschaffenheit, ein Leben im Einklang mit Gott, umfassende Information als Voraussetzung zur Meinungsbildung, die Demut Gott zu fragen und die Bereitschaft, die Konsequenzen einer Antwort von Gott durch die Macht des Heiligen Geistes zu akzeptieren und im eigenen Leben umzusetzen.

Stellen wir uns vor, alle, die etwas entscheiden müssen oder wollen, seien es Regierungen, Parlamente, Kirchen, Organisationen, Unternehmen, Familien oder jeder einzelne, würden diesen Prinzipien Raum in ihren Überlegungen geben. Wie viel Streit und unnötige Auseinandersetzungen könnten vermieden und wie viel mehr Gerechtigkeit, Hoffnung, Zuversicht und Tatkraft würden gesät werden. Wie viel mehr Sicherheit und innere Ruhe, trotz aller Herausforderungen würden wir verspüren.

Für die Kommunikation mit Gott braucht es einen Glaubens- und Vertrauensvorschuss. Manchmal fällt es uns schwer, die Stimme Gottes zu vernehmen. Manchmal hat er einen anderen Zeitplan als wir. Und manchmal müssen wir nur einige Kriterien anwenden, die uns untrüglich in eine gute Richtung lenken, vorausgesetzt unser Gewissen befindet sich in einem guten Zustand. Ein treffendes Beispiel, finde ich, wird in dieser Schriftstelle beschrieben:

„Und nun, wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun – ja, gerecht zu handeln, demütig zu wandeln, rechtschaffen zu richten; und dies ist mein Geist.
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Ich werde dir von meinem Geist geben, der dir den Verstand erleuchten wird und der dir die Seele mit Freude erfüllen wird;
und dann wirst du wissen, oder infolgedessen wirst du alles wissen, was auch immer du von mir begehrst und was die Rechtschaffenheit betrifft, sofern du im Glauben an mich darauf vertraust, dass du empfangen wirst. „
(Lehre und Bündnisse 11:12-14)

Sechs Kriterien, nach denen wir unser Handeln und unsere Entscheidungen evaluieren können:

Es führt dazu:

  • Gutes zu tun;
  • gerecht zu handeln;
  • demütig zu wandeln;
  • rechtschaffen zu richten;
  • den Verstand zu erleuchten;
  • die Seele mit Freude zu erfüllen.

Das wäre doch schon einmal ein guter Anfang.

In unserem Gesangbuch haben wir das schöne Kirchenlied „Der Herr ist mein Hirte“ (Gesangbuch Nr. 68). Es beschreibt einige Aspekte einer innigen Beziehung zu Gott.

„Der Herr ist mein Hirte, ich brauche sonst nichts;
er führet mich sicher durch Dunkel und Licht.
Er leitet die Seele zu Wassern, die still,
erlöst mich Verirrten, wie heilig er’s will,
erlöst mich Verirrten, wie heilig er’s will.

Durch Täler und Wälder, wo immer ich geh,
bist du, Herr, mein Wächter, wo ich geh und steh.
Wenn dein Stab mich leitet, dann fürcht ich mich nicht;
mir kann nichts geschehen, denn du bist mein Licht,
mir kann nichts geschehen, denn du bist mein Licht.

Mag Anfechtung kommen, so bin ich bereit,
denn dein reicher Segen steht mir ja zur Seit.
Mein Haupt lässt du salben, schenkst voll mir stets ein.
O könnt deine Liebe wohl größer noch sein?
O könnt deine Liebe wohl größer noch sein?“

Wir haben versucht, dieses Lied mit unseren limitierten musikalischen Fähigkeiten für unseren heutigen Gottesdienst umzusetzen. Für die Naturaufnahmen bin ich ins Schwarzwassertal im Erzgebirge gefahren, einer Gegend, aus der viele meiner Vorfahren stammen.

Ich widme dieses Lied einem lieben Freund und Mentor, dem ich einen großen Teil meiner geistigen Entwicklung verdanke und der in diesen Tagen trauert. Ich weiß, dass er alles, was ich oben beschrieben habe, – genauso wie ich – aus eigenen Erfahrungen bezeugen kann.

Standhaftigkeit Teil 1

Standhaftigkeit oder die Kraft haben, das Richtige zu wählen, wenn es schwierig ist.

Vorvergangenen Sonntag habe ich für die Jugendlichen unserer Gemeinde eine Online-Klasse über die erste Hälfte des Buches 3. Nephi im Buch Mormon gegeben. Ich finde diesen Teil der Heiligen Schriften überaus wichtig, um unsere Zeit besser zu verstehen. Es gibt so viele Analogien zu den Zuständen in der Welt, die wir gegenwärtig erleben bzw. in den kommenden Jahren noch erleben werden. Um diese Zusammenhänge zu erkennen, braucht es Demut in Herz und Sinn und die Bereitschaft, die Schriften auf sich selbst zu beziehen. Es braucht außerdem den bestätigenden Einfluss des Heiligen Geistes.

Vor einigen Monaten postete einer meiner Kontakte in LinkedIn diese Karikatur.

Über das Bild wurde in den Kommentaren lebhaft und kontrovers diskutiert. Mich hat es zu intensivem Nachdenken angeregt. Es mag sein und ist sehr verständlich, dass wir uns diesen Tsunamis, die stellvertretend für viele mächtige Einflüsse und Entwicklungen stehen, etwas hilflos ausgesetzt fühlen. Manche Menschen spielen die Gefahren herunter oder glauben, dass man ohne große Veränderungen irgendwie davonkommen wird. Andere behaupten, dass es gar keine ernstzunehmenden Gefahren gibt und machen deshalb weiter wie immer.

Der größte Teil der Menschheit beginnt aber zu begreifen, dass es dringend notwendig ist, in vielerlei Hinsicht, drastische Kursänderungen vorzunehmen, denn es wird nicht möglich sein, die Gesetze von Ursache und Wirkung außer Kraft zu setzen. Allerdings greift die Karikatur etwas zu kurz und berücksichtigt entscheidende Einflussfaktoren nicht. Über die möchte ich etwas mehr schreiben.

Irgendwer hat mir die nächste Karikatur geschickt, die symptomatisch für unsere Zeit ist. Ändern sollen sich vorzugsweise immer die Anderen.

Diese Einstellung ist logischerweise nicht nachhaltig und beim Umgang mit den Tsunamis nicht hilfreich.

Was lernen wir nun aus 3. Nephi?

In diesem Beitrag habe ich schon mal darüber geschrieben:

https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/

Im 2. Kapitel, Vers 1 und 3 lesen wir (heute ebenfalls innerhalb und außerhalb der Kirche zu erleben): „Und es begab sich: … und das Volk fing an, jene Zeichen und Wunder zu vergessen, die es gehört hatte, und staunte allmählich immer weniger über ein Zeichen oder ein Wunder vom Himmel, so sehr, dass es anfing, in seinem Herzen hart und in seinem Sinn verblendet zu werden, und allmählich alles nicht mehr glaubte, was es gehört und gesehen hatte … Und es begab sich: Das Volk wurde allmählich in Schlechtigkeit und Gräueltaten stark, und es glaubte nicht, dass noch weitere Zeichen oder Wunder gegeben werden würden; und der Satan ging umher und verleitete dem Volk das Herz und versuchte es und veranlasste es, große Schlechtigkeit im Land zu begehen.

Die Folge war eine große Spaltung und das Heranwachsen einer massiven Bedrohung der staatlichen Ordnung und Existenz durch das organisierte Verbrechen, so brachial wie ein Tsunami.

Warum verloren so viele Menschen den ehrlichen, praktizierten Glauben an Gott (keinen lippenbekennerischen „Pseudoglauben“), gaben wichtige Werte auf, fingen an, mit unsinnigen und unakzeptablen Haltungen zu sympathisieren, sie aktiv oder passiv zu unterstützen und stumpften in ihren Empfindungen so ab, dass viele schlussendlich zu entsetzlichen Gräueltaten fähig wurden?

Welche Brüche in einer ausgewogenen Beziehung zu Gott gab es und weshalb? Warum wurde diesen Leuten ein bewährtes Wertesystem lästig? Mit welchen Argumenten ließen sie sich polarisieren oder sind gegenüber gesellschaftlichem Druck eingeknickt.

Einen der möglichen Gründe hat es schon immer gegeben. Es hat mit der Perspektive und der Vorstellung vom Wesen Gottes zu tun. Wenn ich Gott als ein Wesen betrachte, dass entweder überflüssig oder möglichst kompatibel mit meinem Willen sein sollte, wird es über kurz oder lang zu Konflikten oder einem Bruch mit dem offenbarten Wort Gottes kommen bzw. mit denen, die es verkünden. Wenn die Perspektive nur bis zum Ende des Lebens reicht, braucht es eigentlich keinen Gott, Christus oder Propheten. Man muss ja nicht an Gott glauben oder kann sich einen bequemeren definieren, der immer mit variablem Zeitgeist und wechselnden Moralvorstellungen kompatibel ist.

Im Gegensatz dazu, und das ist meine Überzeugung, sprechen die Heiligen Schriften sehr klar von einem Gott, dessen buchstäbliche Geistkinder wir sind und dessen Streben darin besteht, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ (siehe Köstliche Perle, Moses 1:39), weil er uns auf eine Art und Weise liebt, die wir oft nur zum Teil erfassen und vor allem weil er eine vollständige Erkenntnis davon hat, was dazu notwendig ist. Als unser Vater und Schöpfer hat er mit Jesus Christus einen Erretter gesandt, durch dessen Sühnopfer einschließlich seiner Auferstehung der physische Tod aller Menschen überwunden wird und jedem von uns, die Möglichkeit offensteht, zum Vater zurückzukehren und an allen Segnungen und an dem Glück teilzuhaben, die Er bereit ist, mit uns zu teilen, wenn wir bereit sind, Ihm zu folgen. Er hat uns dazu Entscheidungsfreiheit gewährt, wodurch wir den Gesetzen von Ursache und Wirkung unterworfen sind. Dies ist essentiell für unsere Entwicklung über unser irdisches Leben hinaus.

Das ist eine völlig andere Perspektive und jeder wird verstehen, dass, je nachdem welche Perspektive man einnimmt, viele wichtige Lebensfragen anders beantwortet werden. Zum Beispiel: ob Werte, Moral und Wahrheit ewig sind oder jeweils nach den Bedürfnissen der Menschen geändert werden sollten. Oder: wer ist schuld am Ungemach, das in der Welt geschieht? Ist es ein nachlässiger oder grausamer Gott, der doch eingreifen müsste, wenn irgendwo etwas Schlimmes geschieht. Oder liegt es vielmehr an den Menschen selbst, denen Entscheidungsfreiheit und Verantwortung übertragen wurde, damit es überhaupt einmal Rechenschaftspflicht vor Gott und vollkommene Gerechtigkeit durch Ihn geben kann.

Das fatale an der Begebenheit ist, dass es die Menschen damals nicht geschafft haben, trotz ihrer unterschiedlichen Positionen vernünftig miteinander umzugehen, ohne dass es zu extremistischen Auswüchsen kommt. Die Konsequenzen waren, wie auch oft vorher und nachher in der Geschichte, furchtbar.

Als ihnen das Wasser schließlich bis zum Hals stand, mussten die Nephiten und Lamaniten, die ihre gesellschaftliche Ordnung nicht preisgeben wollten, ein Zweckbündnis eingehen. Wie wir später sehen werden, geschah das bei vielen offensichtlich nicht aus Überzeugung, sondern mehr aus einer Einsicht in die Notwendigkeit.

Dieses Bündnis erfüllte aber letztendlich seinen Zweck. Durch eine Besinnung auf gemeinsame Werte, Umkehr zu Gott und zumindest temporären Zusammenhalt wurden den organisierten Verbrechern die Existenzgrundlagen entzogen und der Tsunami trocken gelegt. Sie wurden militärisch vollständig besiegt.

Nach diesem Sieg gab es eine kurze Periode geistiger und materieller Prosperität im Einklang mit den Geboten Gottes – gewissermaßen ein positives Ursache-Wirkung-Beispiel.

3. Nephi 6:4 und 5:

Und abermals fingen sie an, zu gedeihen und groß zu werden; und das sechs- und das siebenundzwanzigste Jahr vergingen, und es gab große Ordnung im Land; und sie hatten ihre Gesetze mit Unparteilichkeit und Gerechtigkeit gestaltet.
Und nun gab es im ganzen Land nichts, was das Volk daran hinderte, sich beständigen Wohlergehens zu erfreuen, außer wenn es in Übertretung fallen würde.

Genau das geschah aber – in einem historisch extrem kurzem Zeitraum von einigen wenigen Jahren.

3. Nephi 6: 10-14:

Aber es begab sich: Im neunundzwanzigsten Jahr, da fingen einige Auseinandersetzungen unter dem Volk an; und einige wurden wegen ihres überaus großen Reichtums im Stolz und im Prahlen überheblich, ja, sogar bis zu großen Verfolgungen;
denn es gab viele Kaufleute im Land und auch viele Gesetzeskundige und viele Beamte.
Und das Volk fing an, sich nach Klassen zu unterscheiden, gemäß seinen Reichtümern und seinen Bildungsmöglichkeiten, ja, einige waren wegen ihrer Armut unwissend, und andere erhielten wegen ihres Reichtums viel Bildung.
Einige waren im Stolz überheblich, und andere waren überaus demütig; einige vergalten Schimpf mit Schimpf, während andere Schimpf und Verfolgung und allerart Bedrängnisse über sich ergehen ließen und sich nicht umwandten und ihrerseits schmähten, sondern demütig und reumütig vor Gott waren.
Und so entstand im ganzen Land eine große Ungleichheit, sodass die Kirche anfing auseinanderzubrechen, ja, sodass die Kirche im dreißigsten Jahr im ganzen Land auseinandergebrochen war, außer unter einigen der Lamaniten, die sich zum wahren Glauben bekehrten; und sie wollten nicht davon ablassen, denn sie waren fest und standhaft und unverrückbar und mit allem Eifer bereit, die Gebote des Herrn zu halten.

Einige Jahre vorher gab es einen Propheten mit Namen Samuel, der genau diese Zustände angeprangert und ernsthafte Warnungen über die Folgen ausgesprochen hatte. Er schilderte im Detail, was sich als Zeichen der Geburt und Kreuzigung Christi begeben würde. Seine Prophezeiungen wurden äußerst negativ aufgenommen, denn sie forderten zu Veränderungen eines sündhaften Lebenswandels auf. Es waren unliebsame Nachrichten, speziell die Ankündigung großer Katastrophen, die diejenigen treffen würde, die die Gebote Gottes missachten.

In Helaman 14:30 und 31 wird er wie folgt zitiert:

Und nun denkt daran, denkt daran, meine Brüder: Wer zugrunde geht, fügt sich das Zugrundegehen selbst zu, und wer Übles tut, der tut es sich selbst an; denn siehe, ihr seid frei; es ist euch gewährt, für euch selbst zu handeln; denn siehe, Gott hat euch die Erkenntnis gegeben, und er hat euch frei gemacht.
Er hat euch gegeben, Gut von Böse zu unterscheiden, und er hat euch gegeben, das Leben zu wählen oder den Tod; und ihr könnt Gutes tun und zu dem wiederhergestellt werden, was gut ist, oder dass euch das, was gut ist, wiederhergestellt wird; oder ihr könnt Böses tun und euch das, was böse ist, wiederherstellen lassen.

Zurück ins Jahr 30 – 33 n. Chr.: In 3. Nephi Kapitel 6 und 7 werden die Zustände beschrieben, nachdem die Kirche auseinandergebrochen war. Es gab nur wenige, die an das Kommen von Jesus Christus glaubten. Sie standen unter enormen Verfolgungsdruck. Propheten, die Samuels Prophezeiungen wiederholten, wurden umgebracht. Die Regierung war unfähig.

3. Nephi 7:6-8:

Und die Anordnungen der Regierung wurden zunichtegemacht wegen der geheimen Verbindung der Freunde und Verwandten derer, die die Propheten ermordeten.
Und sie verursachten einen großen Streit im Land, sodass beinah der ganze rechtschaffenere Teil des Volkes schlecht geworden war; ja, es gab unter ihm nur noch wenige rechtschaffene Männer.
Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.

In 3. Nephi 8:4 wird die Geisteshaltung der Mehrheit des Volkes zusammengefasst.

Und im Volk fingen große Zweifel und Auseinandersetzungen an, ungeachtet dessen, dass so viele Zeichen gegeben worden waren.

Diese Haltung sollte sich als großer Irrtum erweisen. Die Doktrin klassischer Antichristen im Buch Mormon wie Korihor (siehe Alma 30) und Scherem (siehe Jakob 7), wurde vollständig widerlegt. Beide waren zu ihrer jeweiligen Zeit anfangs sehr erfolgreich, denn es ist leicht, etwas zu attackieren oder zu relativieren, das Glaube, Disziplin und persönliche Rechtschaffenheit erfordert.

Zitat von Korihor aus Alma 30, Verse 13 – 18:

O ihr, die ihr durch eine törichte und vergebliche Hoffnung niedergebunden seid, warum unterjocht ihr euch solchen Torheiten? Warum schaut ihr nach einem Christus aus? Denn kein Mensch kann von irgendetwas wissen, was kommen soll.
Siehe, das, was ihr Prophezeiungen nennt, wovon ihr sagt, es sei von heiligen Propheten überliefert worden, siehe, das sind törichte Überlieferungen eurer Väter.
Wie wisst ihr, dass sie gewiss und wahr sind? Siehe, ihr könnt nicht von etwas wissen, was ihr nicht sehr; darum könnt ihr nicht wissen, dass es einen Christus geben wird.
Ihr schaut voraus und sagt, ihr seht eine Vergebung eurer Sünden. Aber siehe, das ist die Auswirkung eines wirren Sinnes; und diese Verwirrung eures Sinnes kommt von den Überlieferungen eurer Väter, die euch verführen, an etwas zu glauben, was nicht so ist.
Und noch viel Derartiges mehr sprach er zu ihnen; er sagte ihnen, dass kein Sühnopfer für die Sünden der Menschen vollbracht werden könne, sondern dass es jedermann in diesem Leben so ergehe, wie es dem Verhalten des Geschöpfes entspreche; darum gedeihe jeder Mensch, wie es seiner Begabung entspreche, und jeder Mensch gewinne, wie es seiner Kraft entspreche; und was auch immer jemand tue, sei kein Verbrechen.
Und so predigte er ihnen und verführte vielen das Herz; er veranlasste sie, in ihrer Schlechtigkeit das Haupt emporzuheben, ja, er verführte viele Frauen und auch Männer, Hurerei zu begehen – denn er sagte ihnen, wenn der Mensch tot sei, dann sei dies das Ende.

Auch heute sind diese Ansichten sehr populär und werden bereitwillig übernommen. Sie sind aber weder wahr noch nachhaltig, wie u.a. die Biografien von Scherem und Korihor beweisen. Lassen wir die Geschichte weiter für sich selbst sprechen. Sie zeigt, wie irrelevant diese Philosophien waren.

3. Nephi 8:5:

Und es begab sich: Im vierunddreißigsten Jahr, im ersten Monat, am vierten Tag des Monats, da erhob sich ein großer Sturm, wie man ihn im ganzen Land noch nie erlebt hatte.

In den folgenden Versen wird geschildert, wie sich die Prophezeiungen Samuels in allen Einzelheiten erfüllten – mit enormen Konsequenzen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung traf das unvorbereitete Land mit voller Wucht und enormer Zerstörungskraft.

Als die Natur nach drei Tagen wieder zur Ruhe gekommen war, hörte man die Überlebenden klagen (siehe 3. Nephi 8:23 – 25):

Und es begab sich: Es dauerte den Zeitraum von drei Tagen, dass kein Licht zu sehen war; und es gab unter dem ganzen Volk beständig großes Trauern und Heulen und Weinen; ja, groß war das Stöhnen der Menschen wegen der Finsternis und der großen Zerstörung, die über sie hereingebrochen war.
Und an einer Stelle hörte man sie schreien, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären, denn dann wären unsere Brüder verschont worden …
Und an anderer Stelle hörte man sie schreien und klagen, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären und nicht die Propheten umgebracht und gesteinigt und ausgestoßen hätten; dann wären unsere Mütter und unsere anmutigen Töchter und unsere Kinder verschont worden … Und so war das Heulen des Volkes groß und schrecklich.

Viele fragen: Wie konnte Gott das zulassen? Das bringt uns wieder zu der eingangs gestellten Frage zum Wesen und den Absichten Gottes. Ohne Zweifel könnte Gott, der allmächtig ist, jederzeit eingreifen. Es gibt aber einen Plan, der vor Grundlegung der Welt beschlossen wurde. Neben seinen einzigartigen Perspektiven für unsere Zukunft, gehören Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für unser Handeln zu seinen größten Errungenschaften. Das impliziert, dass wir nicht nur universell gültigen physikalischen sondern auch geistigen und moralischen Prinzipien und Gesetzen unterworfen sind, deren Befolgung oder Nichtbefolgung unweigerlich Auswirkungen auf uns haben werden – früher oder später – und die wir nicht nach Gutdünken außer Kraft setzen können. In diesem Licht sollten wir lesen, was Jesus Christus selbst erklärt hat. Siehe 3. Nephi 9:13 – 17:

O ihr alle, die ihr verschont seid, weil ihr rechtschaffener wart als sie, wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?
Ja, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr zu mir kommt, werdet ihr ewiges Leben haben. Siehe, mein Arm der Barmherzigkeit ist euch entgegengestreckt, und wer auch immer kommt, den werde ich empfangen; und gesegnet sind jene, die zu mir kommen.
Siehe, ich bin Jesus Christus, der Sohn Gottes. Ich habe die Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, erschaffen. Ich war von Anfang an beim Vater. Ich bin im Vater und der Vater in mir, und in mir hat der Vater seinen Namen verherrlicht.
Ich bin zu den Meinen gekommen, und die Meinen haben mich nicht empfangen. Und die Schriften über mein Kommen sind erfüllt.
Und all jenen, die mich empfangen haben, denen habe ich es gegeben, Söhne [und Töchter, Anm. vom Verfasser] Gottes zu werden; und so werde ich es auch all jenen, die an meinen Namen glauben werden, denn siehe, durch mich kommt die Erlösung, und in mir ist das Gesetz des Mose erfüllt.

Jesus spricht im Moment des größten Unglücks, das diesen Menschen zugestoßen ist, von Heilung und den Voraussetzungen dafür. Er spricht auch von Barmherzigkeit und wie sie mit der Gerechtigkeit zusammenwirkt. Wenig später erschien Jesus der Menge und gab Zeugnis von Seinem Sühnopfer (siehe 3. Nephi 11:10 – 11):

Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen.
Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten.

In der Folge wiederholte Jesus Christus die Lehren, die er bereits während seines irdischen Wirkens verkündet hatte. Auch darüber habe ich bereits gebloggt (siehe https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/).

Am Ende Seiner Bergpredigt weist Jesus darauf hin, wie wichtig es ist, Seine Worte ernst zu nehmen und zu befolgen, in dem er ganz klar auf das Prinzip von Ursache und Wirkung hinweist. Siehe 3. Nephi 14:24 – 27:

Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.

Wenden wir uns der Gegenwart zu. Wir erleben, dass das oben beschriebene Prinzip in allen Lebensbereichen weithin verletzt wird. Aus der IT kennen wir Hotfixes – schnelle Problembehebungen, die meist nicht gründlich getestet werden können oder durch fehlende Informationen, Analysen oder Erkenntnisse unvollständig bzw. fehlerhaft sind und daher sehr oft neue Probleme verursachen. Je besser ein Problem und seine Auswirkungen verstanden werden, umso größer ist die Chance, dass es nachhaltig gelöst werden kann.

Wir könnten Bände füllen mit den Problemen, die uns als Menschheit umgeben und die mehr als einen Hotfix benötigen. Dazu gehören unzählige politische, gesundheitliche und wirtschaftliche Themen, Umweltprobleme u.v.m. Viele erfahren signifikante mediale Aufmerksamkeit. Dem aufmerksamen Beobachter wird schnell klar, wie viel Unklarheit und Uneinigkeit in vielen Bereichen herrscht, wie denn nun nachhaltige Lösungen aussehen sollten und vor allem, wie sie implementiert werden könnten. Dies trifft insbesondere auch für gesellschaftliche und zwischenmenschliche Probleme zu. Sie erhalten vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit, besonders diejenigen, die sich nicht so gut für Schlagzeilen eignen, aber im Stillen viel größere Wirkungen entfalten, als z.B. manche Themen deren Vertreter besonders laut sind. Es wird heutzutage heftig mit Hotfixes mit globalen Dimensionen experimentiert, häufig ohne Kenntnis oder fundiertes Wissen, wie sie sich in 5, 10, 20, 50 oder 100 Jahren auswirken werden.

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben wir daran, dass Gott, im Unterschied zu uns Menschen, ganz genau weiß, wie sich menschliches Verhalten im kleinen, ja sogar persönlichen, als auch im großen Maßstab auswirkt. Sein Wille und Wort sind ausführlich und im Zusammenhang mit fortlaufender Offenbarung durch Propheten auch hinreichend klar dokumentiert. Er hat uns außerdem mit dem Heiligen Geist eine Person der Gottheit als Helfer zur Seite gestellt, die uns mit ihrem tröstenden und bestätigendem Einfluss Zeugnis von der Wahrheit geben kann, wenn wir uns um diesen Einfluss bemühen.

Wir glauben außerdem daran, dass durch die Missachtung der Gebote Gottes, egal in welchem Lebensbereich und in welchem Maßstab, Probleme geschaffen werden, deren Auswirkungen sich unweigerlich anhäufen werden und im schlimmsten Fall nicht mehr beherrscht werden können. Ich habe deshalb die Darstellung am Anfang dieses Beitrags um ein paar Punkte ergänzt.

Ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens sind die im Evangelium Jesu Christi enthaltenen Werkzeuge, mit denen Probleme zum positiven beeinflusst, gelöst und manchmal auch einfach nur ertragen werden können. So bedrohlich die dargestellten Tsunamis auch sein mögen – Gottes Plan der Erlösung gibt uns in seiner Vollständigkeit die Zuversicht, die erforderlich ist, um sich standhaft für das Gute und Richtige zu entscheiden – auch wenn es schwierig sein mag.

In Teil 2 werde ich näher auf meine Zeichnung eingehen und wie mir mein Glaube und das, was ich in vielen Jahren Engagement in meiner Kirche gelernt habe, helfen, den Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen. Ich werde auch darauf eingehen, weshalb ich ein Nachlassen im Glauben und in der Arbeit für die Kirche in diesen turbulenten Zeiten für genau den falschen Weg halte.

In Teil 3 werde ich darüber schreiben, wie ich mit konstruktiver und destruktiver Kritik am Glauben und an der Kirche, die mir wichtig und wertvoll ist, umgehe und wie man mit Gelassenheit, Güte und Stärke auf Spott, Missachtung von Dingen, die uns heilig sind, und andere Attacken reagieren kann.

Diesen Teil möchte ich mit einem Zitat von Russell M. Nelson, Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, schließen:

Heutzutage hört man oft von einem „neuen Normalzustand“. Wenn Sie einen neuen Normalzustand wirklich annehmen wollen, bitte ich Sie, Ihr Herz, Ihren Sinn und Ihre Seele zunehmend dem Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus zuzuwenden. Lassen Sie dies zu Ihrem neuen Normalzustand werden.
Nehmen Sie Ihren neuen Normalzustand an, indem Sie jeden Tag umkehren. Bemühen Sie sich darum, in Gedanken, Wort und Tat immer reiner zu werden. Dienen Sie anderen geistlich. Richten Sie Ihren Blick stets auf die Ewigkeit. Machen Sie Ihre Berufungen groß. Und leben Sie trotz aller Herausforderungen, meine lieben Brüder und Schwestern, jeden Tag so, dass Sie besser vorbereitet sind, vor Ihren Schöpfer zu treten.
“ (Präsident Russell M. Nelson, Generalkonferenz Oktober 2020)

Ostern 2018

Wann war Christus für mich da? Die Kirche regt an, jetzt vor Ostern, über diese Frage nachzudenken und andere zum Nachdenken einzuladen.

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http://www.kirche-jesu-christi.org/eine-botschaft-zu-ostern-jesus-christus-ist-immer-fur-dich-da?lang=deu-de

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Ich habe darüber nachgedacht und fühle mich ihm deshalb umso näher. Wann war er für mich und meine Frau und unsere Familie da?

Als wir um unsere Väter getrauert haben. Als zwei unserer Kinder nicht lebend geboren wurden. Als wir uns gefunden haben. Als wir entschieden haben, unser Leben gemeinsam zu gestalten. Als wir Bündnisse eingegangen sind. Bei unzähligen wichtigen Entscheidungen. Wenn wir für unsere Kinder und Enkel beten. Wenn wir für viele andere beten, an die wir denken und für die wir etwas tun möchten. Wenn wir es dann auch tun. Wenn es uns nicht gut geht. Wenn es uns gut geht. Wenn wir uns freuen. Wenn wir traurig sind. Wenn wir ihn spüren. Wenn es Probleme zu lösen gibt. Wenn wir versuchen, seinem Beispiel zu folgen. Wenn wir Fehler korrigieren und umkehren wollen. Wenn wir unseren Gott verehren und Ihm dienen. Wenn wir uns bemühen, Liebe zu geben.

Ich bin dankbar für mein Verständnis vom Sühnopfer Jesu Christi und dass es darüber noch viel zu lernen gibt.

https://www.mormon.org/deu/ostern

Ich lade alle Leser und Freunde ein, diese Botschaft zu teilen. Heute im Radio habe ich jemanden darüber reden hören, wie sehr unsere, aus den Fugen geratene, Welt die wahre Bedeutung von Ostern braucht. Er thematisierte das Paradoxon, dass sich viele Menschen von dem abwenden, was ihnen eigentlich helfen kann, ein ausgeglicheneres Leben mit mehr Hoffnung und weniger Zynismus zu führen.

Ein frohes Osterfest und am Osterwochenende eine gute Generalkonferenz.

Balance 

Es war Generalkonferenz-Wochenende. Esther und ich waren bei unseren Kindern in Graz. Es tat gut, ein paar Tage auszuspannen und die Work-Life-Balance wieder etwas auszugleichen.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag letzter Woche habe ich während eines Fluges von Tokio nach Frankfurt dieses Bild gemacht.

Ich war auf dem Heimweg von meiner 8. Dienstreise nach Asien seit Anfang diesen Jahres. Ich hatte 3 der letzten 4 Nächte in Flugzeugen verbracht und war entsprechend erschöpft. Meine Firma rollt eine neue, innovative Technologie aus und das erfordert besondere Anstrengungen, damit sich Erfolg einstellen kann. Ich empfinde es als einen großen Vertrauensbeweis, dass ich dabei mitwirken kann und liebe meine Arbeit, trotz aller Schwierigkeiten, die sie oft mit sich bringt. So zum Beispiel vorletzte Woche, am Freitagnachmittag, als ich versuchte, von Catania in Italien nach Hause zu reisen und der Flughafen wegen Nebels geschlossen wurde. Mein Flieger war schon auf dem Weg zur Startbahn. Es war frustrierend. Ich war irgendwann am Samstagnachmittag zu Hause und musste Sonntag schon wieder weg.

Ich werde oft gefragt, wie ich meinen Job machen, ein Familienvater und nebenher ein Kirchenführer und Seelsorger mit Verantwortung für 2300 Mormonen in Westsachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sein kann, ohne die seelische Balance zu verlieren. Meine Antwort ist normalerweise, dass es nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Diese Hilfe spüre ich sehr oft, häufig durch die Unterstützung, die ich von anderen erhalte.

Ich habe aber etwas tiefer über die Frage nachgedacht und bin auf viele größere und auch vermeintlich kleinere Dinge gestoßen, die mir helfen, eine vernünftige Balance beizubehalten – wenn es mir gelingt, entsprechend zu handeln.

Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr gelernt, dass mein persönliches Wohlbefinden eine Funktion der Dankbarkeit ist, die ich fähig bin zu empfinden. Ich habe weiterhin gelernt, dass Dankbarkeit dazu führt, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und ein größeres Bedürfnis erzeugt, anderen zu dienen, Nächstenliebe zu empfinden und sich für Dinge einzusetzen, die wertvoll für unsere Mitmenschen sind. Präsident Uchtdorf hat in der Priestertumsversammlung am Samstag sehr gut darüber gesprochen.

Sehr wichtig ist für mich meine bewusste Beziehung zu Gott und die Dankbarkeit für seine Segnungen, die so oft spürbar sind. Im Bild oben, höre ich Kirchenmusik (sehr häufig die großartigen Arrangements unserer Kirchenlieder). Nach jeder Generalkonferenz lade ich mir die MP3s von der Konferenz auf mein Smartphone und die Videos auf meinen Laptop. Auf den langen Flügen nutze ich die Zeit, höre zu und versuche mein Herz so weit wie möglich für den Heiligen Geist zu öffnen. Es entspannt mich, gibt mir inneren Frieden und beschert mir viele geistige Erlebnisse. Viele meiner Ansprachen, Themen, Briefe und Gedanken entstehen dabei. Auch das Verständnis für Probleme und die Lehren des Evangeliums erschließen sich dann oft in genialer Weise. Es gelingt nicht immer, aber wenn es gelingt, dann tut es richtig gut.

Entscheidend für meine Balance ist meine liebe Ehefrau Esther. Wir sind bald 32 Jahre verheiratet. Ich bin sehr dankbar für unsere liebevolle Ehe, ihr Verständnis für meine Schwächen und Sorgen, ihre großartige Unterstützung und ihre subtilen als auch deutlichen Signale, die mir eine große Hilfe sind, wenn Dinge drohen aus dem Gleichgewicht zu geraten. Sie hat ein tiefes Verständnis für die wichtigen Dinge im Leben, oft besser als ich. Sie ist genauso wie ich bereit für eine stabile Ehe zu arbeiten und das erspart uns seit vielen Jahren emotionale Achterbahnfahrten, an denen leider viele Beziehungen heutzutage scheitern. Ich liebe sie sehr.

Ebenso wichtig sind mir unsere Kinder und Enkel. Kürzlich habe ich über die Wichtigkeit von Mehrgenerationenfamilien gelesen, die sich guten Werten verpflichtet fühlen und damit, vergleichbar mit einem Wald, kostbaren Nährboden für nachwachsende Bäume bieten und diejenigen auffangen können, die mit Sorgen  und Problemen zu kämpfen haben. Ich bin dankbar für meine Familie. Es ist eine lebenslange Aufgabe, für den Zusammenhalt in der Familie zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich sehr viel bedeutet, ist das Streben nach Harmonie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das heißt nicht, es jedem recht machen zu wollen oder alles um des lieben Friedens Willen zu akzeptieren. Es heißt aber sehr wohl, kultiviert und liebevoll miteinander umzugehen, mit einem gesunden Maß Demut, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Mir gefällt die goldene Regel im Neuen Testament, Matthäus 7:12: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Leider fällt es mir manchmal schwer, sie umzusetzen. Aber ich versuche es so oft ich kann und das hält viel emotionalen Stress von mir fern.

Zurück zur Dankbarkeit – speziell die Dankbarkeit für viele als selbstverständlich betrachtete Dinge im Leben. Für mich ist das auch die Fähigkeit zu staunen, z.B. über die großartige Schöpfung, aber auch unscheinbare Dinge. Wir sind am Samstag auf den Hausberg von Graz, den Schöckl gewandert. Man kommt einigermaßen ins Schwitzen :-), aber es war die Mühe wert. Ich hätte stundenlang oben sitzen können, um die Aussicht zu genießen und mich zu freuen.

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Ich glaube, dass diese Form von einfacher, in gewisser Weise kindlicher Dankbarkeit einen essentiellen Schutz vor zynischen, sarkastischen und anderen destruktiven Betrachtungsweisen von Herausforderungen im Leben bietet. Das hat nichts mit einem verklärten Bild der Realität zu tun, sondern es ist eine Haltung trotz aller Herausforderungen.

Beständigkeit und kontinuierliche, kleine Schritte sind viel besser als gelegentliche Hauruck-Aktionen oder exzessive Anstrengungen, die viel Stress verursachen und im Widerspruch zu einer nachhaltigen Lebensweise stehen. Es hat mich einige Zeit gekostet, den gesamtheitlichen Ansatz des Evangeliums besser zu verstehen, weil dadurch viele verschiedene Segnungen „freigeschaltet“ werden und man sich manche nicht jahrelang vorenthält, weil man den Prinzipien, die darauf beruhen, wenig Beachtung schenkt. Das ist nach meiner Erfahrung ein weit verbreitetes Problem – Unausgewogenheit. Ich finde deshalb die Botschaft des Gebietsplanes für Europa sehr richtig.

Eine weitere große Hilfe ist es, wenn ich mich von geistigem und medialem Junk-Food fernhalte. Es ist unglaublich, wie viel Müll uns tagtäglich geradezu aufgedrängt und wie kritiklos er konsumiert wird. Geistiger und medialer Junk tun mir in meiner Balance nicht gut. Das erfahre ich auch von anderen in vielen Gesprächen, die ich als Seelsorger führe. Ich meide ihn inzwischen wo ich nur kann und bin ganz schlecht für Einschaltquoten etc. Es ist unklug, diesen Aspekt zu verharmlosen, von der Zeitverschwendung einmal ganz abgesehen.
Seit vielen Jahren mache ich sehr gute Erfahrungen mit dem täglichen Studium der Heiligen Schriften. Es braucht nicht viel Zeit jeden Tag, um spürbare, positive Ergebnisse zu sehen.

Als Präsident eines Pfahles wird man mit zahllosen Problemen konfrontiert. Warum sollte man sich so eine Aufgabe antun, die gut und gerne mit einem Vollzeitjob vergleichbar ist? Meine Antwort im 8. Jahr in dieser Berufung: Man kann. Aber man muss sich ein paar Einstellungen aneignen. Vor kurzem habe ich im Matthäus Evangelium das Gleichnis vom Schatz auf dem Acker gelesen, siehe Matthäus 13:44: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte.“
Das beschreibt es ganz gut. Es sind die Perspektiven, das Verständnis vom Warum. Warum ich lebe, wo ich hergekommen bin, wo ich nach diesem Leben hingehen werde, warum ich tue, was ich tue. Dieses riesige Feld von Fortschritt, Entwicklung, Erkenntnis und Liebe, das uns ein Vater im Himmel eröffnet – zusammengefasst unter der Bezeichnung Plan der Erlösung oder Plan des Glücklichseins – wenn wir nur bereit sind, Seine Bedingungen zu akzeptieren. Das alles motiviert mich sehr und macht mir viele Lasten leichter.
Kirche geht ohne Einsatz und Arbeit nicht. Wenn keiner etwas tun möchte, wird nichts passieren. Insofern bleibt Arbeit eben Arbeit. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn die Fragen nach dem WARUM geklärt sind. An sehr vielen Tagen liebe ich, was ich tue und brauche dafür keinen Anstoß. Es gibt wenige Tage, an denen es mir schwer fällt. Dann habe ich großartige Menschen in meinem Umfeld, die mich unbewusst und seltener auch bewusst motivieren.
Natürlich können und müssen wir noch viel lernen, wie wir das WIE verbessern und wie wir das WARUM besser erklären, denn es gibt eigentlich nichts genialeres. Es lohnt sich deshalb, seine Kraft für dieses große Werk einzusetzen – nicht mehr als man hat, dafür aber beständig und mit Schritten, die groß genug sind, um das eigene Verständnis zu erweitern.

Das alles (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) war in den letzten Jahren ein wichtiger Antrieb für mich. Der Lohn sind unvergleichliche und unvergessliche Erfahrungen, die auf andere Weise nicht zu machen sind. Ich denke, das ist nicht an eine bestimmte Kirchenberufung gebunden, sondern hat ganz viel mit dem Verständnis von den Perspektiven an die wir glauben zu tun und den Einstellungen, die erforderlich sind, damit Perspektiven lebendig werden können.