Archiv der Kategorie: Gedanken

Ein Geburtstag

Heute am 5. Mai 2021 ist der 131. Geburtstag meiner Großmutter Klara Böhme. Ich musste heute aus mehreren Gründen an sie denken.

Da ich erst drei Jahre alt war, als sie verstarb, habe ich keine aktive Erinnerung an sie. Alles, was ich weiß, kommt aus den Erzählungen meiner Eltern, meiner älteren Geschwister und anderer Verwandter. In einem stimmen sie alle überein – niemand hat je in irgendeiner Weise in meiner Gegenwart negativ über sie gesprochen. Alle Berichte und Erinnerungen waren und sind voller Liebe zu einer einfachen, gläubigen Frau, die in ihrem Leben viel durchmachen musste.

Der zweite Grund hat mit der Pandemie, die wir erleben zu tun. Ich habe mal reflektiert, was eine Person wie meine Großmutter, die 1890 geboren wurde, alles erlebt hat: Kaiserreich, 1. Weltkrieg, Spanische Grippe Pandemie, Not und alle anderen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen nach dem Krieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Not, Machtergreifung der Nazis und Deutschlands dunkelstes Jahrzehnt, vor allem für Menschen, wie meine Großeltern, die für die Nazis nicht die geringsten Sympathien hegten und sich auch nicht von der Propaganda blenden ließen. Dann kam der 2. Weltkrieg mit all seinen furchtbaren Begleiterscheinungen und Nachwirkungen, Hungersnot, Unterernährung, Kommunismus – von dem sie sich ebenfalls nicht blenden ließ, der 17. Juni 1953, Ungarn 1956, die Errichtung der Mauer 1961. 1967 starb sie nach vielen Krankheiten und Entbehrungen. Man könnte meinen, dass dies kein schönes Leben gewesen sein kann, was mich jedoch zu meinem dritten Grund führt.

1925 traf meine Großmutter Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die Botschaft der Missionare erfüllte ihr Herz und ihren Verstand und so wurde sie am 9. Juni 1925 zusammen mit meiner Urgroßmutter und einigen weiteren Familienmitglieder getauft. Sie war zu dieser Zeit hochschwanger mit meiner Mutter, die einige Wochen später geboren wurde. Aus dieser mutigen und konsequenten Entscheidung ist wunderbares entstanden. Dafür werde ich meiner Großmutter für immer dankbar sein. Ihr Glaube hat sie nicht nur durch alle Härten ihres Lebens getragen, sondern war auch eine solide Basis für viele ihrer Nachkommen.

Von ihrem Vorbild habe ich viel über die Verantwortung gelernt, die ich selbst für meine Familie, meine Kinder und Enkel habe. Ich lerne immer noch von ihr, wie man Sorgen und Probleme erträgt und seinen Überzeugungen und Glauben treu bleibt. Es wird der Tag kommen, an dem ich meiner Großmutter wieder begegnen werde und ihr für alles danken kann. Auf diesen Tag freue ich mich.

Orientierung

In einer Zeit, in der es vielen Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht, Hoffnung und Orientierung verloren gehen und man sich oft verwundert die Augen reibt, welche Entscheidungen auf allen Ebenen der Gesellschaft getroffen werden, sollten wir uns daran erinnern, dass es zuverlässige und nachhaltige Wege gibt, die Führung eines liebenden Gottes zu finden.

Im Johannesevangelium des Neuen Testaments in Kapitel 17, Vers 3 lesen wir:

„Und genau darin besteht das ewige Leben: dich, den einen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“

Erkenntnis von Gott und Verständnis seines Wesens hat also eine geradezu überragende Bedeutung. Dazu gehört auch die Kommunikation mit Ihm. Das ist durchaus eine bidirektionale Angelegenheit, wie an den folgenden Schriftstellen, die stellvertretend für viele weitere stehen, zu sehen ist:

„Wenn du bittest, wirst du Offenbarung um Offenbarung, Erkenntnis um Erkenntnis empfangen, damit du die Geheimnisse und das Friedfertige erkennen mögest – das, was Freude bringt, das, was ewiges Leben bringt.“ (Lehre und Bündnisse 42:61)

„Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist.“ (Buch Mormon, Moroni 10:5)

Das sind sehr erstrebenswerte Dinge, für die einige entscheidende Mitwirkungen erforderlich sind, wie persönliche Rechtschaffenheit, ein Leben im Einklang mit Gott, umfassende Information als Voraussetzung zur Meinungsbildung, die Demut Gott zu fragen und die Bereitschaft, die Konsequenzen einer Antwort von Gott durch die Macht des Heiligen Geistes zu akzeptieren und im eigenen Leben umzusetzen.

Stellen wir uns vor, alle, die etwas entscheiden müssen oder wollen, seien es Regierungen, Parlamente, Kirchen, Organisationen, Unternehmen, Familien oder jeder einzelne, würden diesen Prinzipien Raum in ihren Überlegungen geben. Wie viel Streit und unnötige Auseinandersetzungen könnten vermieden und wie viel mehr Gerechtigkeit, Hoffnung, Zuversicht und Tatkraft würden gesät werden. Wie viel mehr Sicherheit und innere Ruhe, trotz aller Herausforderungen würden wir verspüren.

Für die Kommunikation mit Gott braucht es einen Glaubens- und Vertrauensvorschuss. Manchmal fällt es uns schwer, die Stimme Gottes zu vernehmen. Manchmal hat er einen anderen Zeitplan als wir. Und manchmal müssen wir nur einige Kriterien anwenden, die uns untrüglich in eine gute Richtung lenken, vorausgesetzt unser Gewissen befindet sich in einem guten Zustand. Ein treffendes Beispiel, finde ich, wird in dieser Schriftstelle beschrieben:

„Und nun, wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun – ja, gerecht zu handeln, demütig zu wandeln, rechtschaffen zu richten; und dies ist mein Geist.
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Ich werde dir von meinem Geist geben, der dir den Verstand erleuchten wird und der dir die Seele mit Freude erfüllen wird;
und dann wirst du wissen, oder infolgedessen wirst du alles wissen, was auch immer du von mir begehrst und was die Rechtschaffenheit betrifft, sofern du im Glauben an mich darauf vertraust, dass du empfangen wirst. „
(Lehre und Bündnisse 11:12-14)

Sechs Kriterien, nach denen wir unser Handeln und unsere Entscheidungen evaluieren können:

Es führt dazu:

  • Gutes zu tun;
  • gerecht zu handeln;
  • demütig zu wandeln;
  • rechtschaffen zu richten;
  • den Verstand zu erleuchten;
  • die Seele mit Freude zu erfüllen.

Das wäre doch schon einmal ein guter Anfang.

In unserem Gesangbuch haben wir das schöne Kirchenlied „Der Herr ist mein Hirte“ (Gesangbuch Nr. 68). Es beschreibt einige Aspekte einer innigen Beziehung zu Gott.

„Der Herr ist mein Hirte, ich brauche sonst nichts;
er führet mich sicher durch Dunkel und Licht.
Er leitet die Seele zu Wassern, die still,
erlöst mich Verirrten, wie heilig er’s will,
erlöst mich Verirrten, wie heilig er’s will.

Durch Täler und Wälder, wo immer ich geh,
bist du, Herr, mein Wächter, wo ich geh und steh.
Wenn dein Stab mich leitet, dann fürcht ich mich nicht;
mir kann nichts geschehen, denn du bist mein Licht,
mir kann nichts geschehen, denn du bist mein Licht.

Mag Anfechtung kommen, so bin ich bereit,
denn dein reicher Segen steht mir ja zur Seit.
Mein Haupt lässt du salben, schenkst voll mir stets ein.
O könnt deine Liebe wohl größer noch sein?
O könnt deine Liebe wohl größer noch sein?“

Wir haben versucht, dieses Lied mit unseren limitierten musikalischen Fähigkeiten für unseren heutigen Gottesdienst umzusetzen. Für die Naturaufnahmen bin ich ins Schwarzwassertal im Erzgebirge gefahren, einer Gegend, aus der viele meiner Vorfahren stammen.

Ich widme dieses Lied einem lieben Freund und Mentor, dem ich einen großen Teil meiner geistigen Entwicklung verdanke und der in diesen Tagen trauert. Ich weiß, dass er alles, was ich oben beschrieben habe, – genauso wie ich – aus eigenen Erfahrungen bezeugen kann.

Musik

Gestern hatte ich die Gelegenheit, den Jugendlichen der Pfähle Berlin, Dresden und Leipzig zu erzählen, wie mich Musik in meinem Leben begleitet und geprägt hat.

Als ich 6 Jahre alt war, schenkten mir meine Eltern eine Mundharmonika, mit 12 wurde ich zum Organisten in unserer Gemeinde berufen, was enormen Einfluss auf meine spirituelle Entwicklung und meine Überzeugungen hatte.
Mit 15 habe ich angefangen, Gitarre zu lernen. Mit 16 haben wir eine Band gegründet.

Wir hatten eine tolle Zeit, haben nur auf Jugendtagungen der Kirche gespielt und alle anderen Angebote, die es auch gab, abgelehnt.

Dann kam eine Zeit mit anderen Prioritäten – Studium, Ehe und Familie, Kirchenberufungen, Karriere etc. – und keine Zeit mehr für eine Band.
Musik war aber sehr wichtig in unserer Familie. Wir haben allen unseren Kindern die Chance gegeben, Musikinstrumente zu lernen. Kürzlich war mein schönstes Geburtstagsgeschenk, dass unsere 7-jährige Enkelin ihren ersten Geigenunterricht hatte. Ich hoffe, sie wird dabei bleiben.
Jetzt hole ich die Gitarre nur noch 3-4 mal im Jahr raus.

Mit 55 habe ich nochmal mit einem neuen Instrument angefangen – dem Cello, eine große aber wunderbare Herausforderung, die mir sehr viel innere Balance gibt.
Musik war und ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Beziehung und Nähe zu Gott. Einige meiner wertvollsten Lebenserfahrungen habe ich beim Musizieren gemacht.

Den „Swing“ finden

In ihrer Ansprache zur vorletzten Generalkonferenz im Oktober 2020 erwähnte Sister Sharon Eubank („Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott“ – https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2020/10/31eubank?lang=deu) ein Buch, das meine Neugier weckte. Es schildert den Werdegang von neun jungen Männern aus sehr einfachen Verhältnissen im äußersten Nordwesten der Vereinigten Staaten in den 1930er Jahren, der sie schließlich zu einem historischen Olympiasieg in der Königsdisziplin des Ruderns in Berlin im Jahr 1936 führte.

„The Boys in the Boat“ oder in der deutschen Übersetzung „Das Wunder von Berlin“ von Daniel James Brown gehört zu den wichtigen und wertvollen Büchern, die von vielen Menschen – vor allem aber auch von jungen Leuten, die heutzutage Probleme haben, sich in einer immer komplexeren Welt zu orientieren, gelesen werden sollten.

In den letzten Wochen bin ich beim Lesen des Buches mit den Protagonisten des Buches sehr vertraut geworden – dem genialen Steuermann Bobby Moch, dem Schlagmann Don Hume, der während der Olympiade so krank war, dass er unter normalen Umständen nicht hätte antreten können, Roger Morris, Shorty Hunt, Stub McMillan, Chuck Day, Gordy Adam, Johnny White, dem legendären Trainer Al Ulbrickson, dem weltberühmten Bootsbauer George Pocock und nicht zuletzt der Hauptperson des Buches, Joe Rantz, dessen Geschichte ich als besonders bewegend und beeindruckend empfinde.

Sister Eubank zitierte in ihrer Ansprache eine Passage aus dem Buch, in der beschrieben wird, wie die Jungs nach Jahren harter körperlicher Arbeit, aber auch hervorragender Persönlichkeitsbildung zu einer Harmonie gelangten, wodurch sie Rennen für Rennen gewannen – scheinbar nach Belieben und oft mit weniger Anstrengung als ihre Konkurrenten. Diese Harmonie wird im Rudern „Swing“ genannt. In Ermangelung eines geeigneten deutschen Wortes wurde dieser Zustand als „das perfekte Dahingleiten“ übersetzt.

Das olympische Finale gewannen sie zwar nur hauchdünn, aber der Nachteil der Außenbahn, die ihnen von den Veranstaltern ungerechterweise zugeteilt worden war, wog ein bis zwei Bootslängen schwer, die sie im Rennen wettzumachen hatten – mit einem schwer erkälteten Schlagmann.

Zitat:

„Manchmal geschieht etwas, was man nicht oft erreicht und was sich nur schwer beschreiben lässt: das perfekte Dahingleiten. Das gelingt nur, wenn alle in vollendetem Einklang rudern und jeder Handgriff synchron ist.

Die Ruderer müssen ihren starken Unabhängigkeitsdrang zügeln und gleichzeitig an ihren individuellen Fähigkeiten festhalten. Klone gewinnen kein Rennen. Die gute Mischung macht eine gute Mannschaft aus: Einer gibt die Kommandos, einer verfügt über Kraftreserven, einer kämpft bis zum Umfallen, einer ist der Ruhepol. Kein Ruderer ist wichtiger als der andere, sie alle werden im Boot gebraucht. Doch wenn sie gut zusammen rudern wollen, müssen sie sich gegenseitig auf das, was sie brauchen und können, einstellen: Wer kürzere Arme hat, streckt sich ein wenig mehr; wer längere Arme hat, streckt sich nicht gar so sehr.

Unterschiede können sich als Vorteil erweisen statt als Nachteil. Nur dann kommt es einem so vor, als gleite das Boot wie von allein übers Wasser. Nur dann weicht der Schmerz vollends dem Hochgefühl. Das perfekte Dahingleiten hat etwas von Poesie.“

Wie wünschenswert ist das in einer Gesellschaft, deren Gemeinschaftsgefühl durch eine zunehmend egozentrische Weltanschauung beschädigt wird. Wie wichtig wären die im Buch erwähnten Werte für die Bewältigung von Krisen, ohne in Hysterien zu verfallen, die wir jetzt gerade erleben.

Ich könnte sehr viel aus dem Buch zitieren, aber man sollte es am besten selbst lesen und schauen, was man daraus lernen kann.

Mir gefällt auch sehr, wie der Autor mit dem Naziregime abrechnet und der heutigen Generation klar zeigt, wie sorgfältig so viele Menschen damals getäuscht wurden und wie einfältig sie dieser teuflischen Weltanschauung folgten. Schon allein deshalb ist das Buch ein Must-Read.

Ein Zitat möchte ich aber noch anfügen. Es gibt einen Teil der Antwort auf die Frage, wie diese einfachen Jungen, die allesamt – besonders aber Joe Rantz – mit ihren Familien von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre schwer getroffen wurden, etwas so Großes erreichen konnten:

„… Die Jungs hatten einen mörderisch anstrengenden Auslesewettbewerb durchlaufen, und dabei hatte sich eine Art gemeinsamer Charakter herausgebildet. Sie beherrschten ihr Handwerk, sie waren zäh, und sie besaßen einen eisernen Willen, waren zugleich aber auch liebenswerte Menschen. Sie stammten alle aus einfachen Verhältnissen oder hatten in den harten Zeiten, in denen sie aufgewachsen waren, gelernt, sich zu bescheiden. Jeder hatte auf seine Weise erfahren, dass in diesem Leben nichts selbstverständlich war, dass in der Welt Kräfte wirkten, die trotz ihrer Kondition, ihres guten Aussehens und ihrer Jugend stärker waren als sie. Die Herausforderungen, denen sie sich gestellt hatten, hatten sie Demut gelehrt, die Notwendigkeit, das eigene Ich dem Boot als Ganzem unterzuordnen, und Demut war das Tor, durch das sie jetzt gehen konnten, um gemeinsam etwas zu schaffen, das ihnen bisher noch nicht gelungen war.“ (Hervorhebungen von mir)

Das englische Original finde ich noch eindrücklicher:

Ostersonntag – Radiobotschaft

Zwischen den Generalkonferenz Sessionen hatte ich heute morgen wieder die Gelegenheit, das Wort zum Tage auf Deutschlandradio Kultur zu sprechen. Die Aufnahme in Berlin letzte Woche war eine schöne Erfahrung – vor allem wegen der überaus freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die ich beim Sender treffen durfte. Ein herzliches Dankeschön an die Regisseurin und allen, die sichtbar oder unsichtbar beteiligt waren.

Hier ist der Link zum Audio-Archiv des Senders für alle, die sonntags nicht so zeitig aufstehen mögen. Ihr habt bis 2038 Zeit, es euch anzuhören. 🙂

https://www.deutschlandfunkkultur.de/audio-archiv.517.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bsearchterm%5D=&drau%5Bfrom%5D=04.04.2021&drau%5Bto%5D=04.04.2021&drau%5Bbroadcast_id%5D=218

Für diejenigen, die lieber lesen, folgt hier der Text:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

eine der für mich ergreifendsten Szenen im Neuen Testament, ist die Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus Christus an jenem Ostersonntagmorgen vor fast 2000 Jahren. Immer wenn ich die Verse im Johannes Evangelium (siehe Kapitel 20) lese, stelle ich mir die unendliche Freude vor, die Maria erfasste, als sie Jesus, um den sie sehr getrauert hatte, schließlich erkannte. In diesem Moment verstand sie endlich genau, dass alles eingetroffen war, wovon er viele Male vorher gesprochen hatte.

Für mich persönlich sind die Ereignisse, derer wir zu Ostern gedenken, der Inbegriff einer Hoffnung und eines Glaubens, die mich durch viele Herausforderungen in meinem Leben getragen haben.

Zu Ostern wird sehr viel über die Kreuzigung Christi gesprochen. Es gibt unzählige Bücher und Filme, die sein Leiden darstellen. Es wird weniger über einen einsamen, aber sehr bedeutungsvollen Moment gesprochen – sein Gebet im Garten Gethsemane, kurz bevor man ihn gefangen nahm.

Im Lukas Evangelium lesen wir, was Jesus in dieser Stunde des geistigen Schmerzes im Gebet sagte: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. … Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ (siehe Lukas 22, Verse 42 und 44)

Wie groß muss das Leiden eines Menschen sein, aus dessen Poren Blut dringt?

Der Messias hat die Schrecken und Ungewissheiten des physischen Todes durch seine Auferstehung überwunden. Er hat außerdem auch die Last unserer Schwächen getragen, all unseren Kummer, unser Leid, unsere Krankheiten und alle Arten von Bedrängnis, die man als Sterblicher erleben kann. Es gibt keine Seelenqual, keine Betrübnis, die er nicht für uns durchlitten hätte.

Dies gibt uns vielleicht eine Vorstellung von den Dimensionen seines Opfers. Ich bin jedes Mal tief bewegt, wenn ich darüber nachdenke, wie unvorstellbar viel Liebe und Mitgefühl er aufgebracht haben muss, um uns Perspektiven voll von begründeter Hoffnung auf Heilung von Schmerzen, Leiden, Einsamkeit, Ungerechtigkeiten und Folgen von Fehlern über dieses Leben hinaus zu eröffnen.

Unabhängig davon, was jeder von uns im Detail glauben oder auch nicht glauben mag, so können wir jedoch alle aus diesem beispiellosen Akt der Liebe lernen, unsere Sinne mehr darauf zu richten, wie wir durch einfache Taten, die Leiden eines anderen Menschen verringern, Trost spenden und Hoffnungslosigkeit in Hoffnung verwandeln können.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest.

Bei der Vorbereitung auf die Botschaft haben mich ein Gemälde, das ich immer sehr gern im Freiberg Tempel anschaue und das Lied „Gloria“ aus Rob Gardner´s großartigem Oratorium „Lamb Of God“ beschäftigt und meine Gedanken beeinflusst.

Frohe Ostern und eine aufbauende Generalkonferenz.

Instagram snippets Part 02

25.12.2020

Weihnachten bietet uns in diesem besonderen Jahr viele Gelegenheiten, in uns zu gehen und über Bedeutung der Geburt von Jesus Christus nachzudenken.
Ich habe gerade mit Esther nochmals Moroni 7 im Buch Mormon gelesen. Wir haben uns die einzelnen Verse gründlich angeschaut und darüber gesprochen, wo wir stehen, sie auf uns zu beziehen und in unserem Leben besser anwenden können.

„Darum möchte ich zu euch sprechen, die ihr von der Kirche seid, die ihr die friedlichen Nachfolger Christi seid und die ihr genügend Hoffnung erlangt habt, durch die ihr in die Ruhe des Herrn eingehen könnt, von dieser Zeit an, bis ihr bei ihm im Himmel ausruhen werdet.
Und nun, meine Brüder, beurteile ich euch so wegen eures friedlichen Wandels unter den Menschenkindern.
Denn ich denke an das Wort Gottes, das da lautet: An ihren Werken werdet ihr sie erkennen; denn wenn ihre Werke gut sind, dann sind auch sie gut.“
(Moroni 7:3-5)

This year’s special Christmas provides us with many opportunities to reflect on the true meaning of Jesus Christ’s birth.
I just re-read Moroni 7 in the Book of Mormon with Esther. Verse by verse, we spoke about where we are in our efforts and how we can apply the scriptures better in our daily life.

„Wherefore, I would speak unto you that are of the church, that are the peaceable followers of Christ, and that have obtained a sufficient hope by which ye can enter into the rest of the Lord, from this time henceforth until ye shall rest with him in heaven.
And now my brethren, I judge these things of you because of your peaceable walk with the children of men.
For I remember the word of God which saith by their works ye shall know them; for if their works be good, then they are good also.“
(Moroni 7:3-5)

22.12.2020

„For unto us a child is born, unto us a son is given: and the government shall be upon his shoulder: and his name shall be called Wonderful, Counsellor, The mighty God, The everlasting Father, The Prince of Peace. Of the increase of his government and peace there shall be no end, upon the throne of David, and upon his kingdom, to order it, and to establish it with judgment and with justice from henceforth even for ever. The zeal of the Lord of hosts will perform this.“
Isaiah 9:6‭-‬7 KJV

„Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst«. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Auf dem Thron Davids wird er regieren und sein Reich auf Recht und Gerechtigkeit gründen, jetzt und für alle Zeit. Der Herr , der allmächtige Gott, wird dies eintreffen lassen, leidenschaftlich verfolgt er sein Ziel.“
Jesaja 9:5‭-‬6 HFA

20.12.2020

War gestern im Wald laufen. Das ist immer eine gute Zeit zum Nachdenken. Mich hat Johannes 1 beschäftigt:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1:1‭-‬14 DELUT
https://bible.com/bible/51/jhn.1.1-14.DELUT

Wie gut wäre es, wenn das begriffen würde.

Instagram snippets Part 01

Für alle Leser, die sich nicht mit Instagram oder Facebook befassen, möchte ich einige meiner Posts in diesen Medien in ein paar Blogbeiträge packen. (Partially in English)

Sonntag, 17.01.2021

In der heutigen Ausgabe von „Music & the Spoken Word“ des Tabernacle Choir hat der Sprecher Lloyd Newel den ehemaligen britischen Großrabbiner Jonathan Sacks (verstorben im November 2020) zum Thema Freiheit zitiert. Freiheit ist eine moralische Errungenschaft. Sie erfordert eine Moral, die auf der Sorge um das Wohlergehen anderer begründet ist. Sie ist ein aktives Bekenntnis zu Gerechtigkeit und Mitgefühl und verkörpert den Willen, nicht nur danach zu fragen, was gut für mich ist, sondern gut für uns alle. Es geht vielmehr um das Wir und Uns, nicht nur um das Ich und Mir.

Die Covid-19 Pandemie bereitet uns Gelegenheiten, als Menschheit insgesamt moralisch zu wachsen – nicht nur um die Pandemie zu bewältigen, sondern auch zur besseren Vorbereitung auf Probleme, die sich in Zukunft als Folgen der Missachtung der Gesetze von Ursache und Wirkung in großen Teilen der Gesellschaft verschärfen oder neu entstehen werden.

Die Chance zu diesem moralischen Wachstum, das hauptsächlich durch ein nachhaltigeres Verhalten jedes einzelnen erreicht werden kann, sollten wir gut nutzen.

Dienstag, 12.01.2021

Found this beautiful definition of success by Bessie Anderson Stanley from 1904 recently:

„He achieved success who has lived well, laughed often, and loved much;
Who has enjoyed the trust of pure women, the respect of intelligent men and the love of little children;
Who has filled his niche and accomplished his task;
Who has never lacked appreciation of Earth’s beauty or failed to express it;
Who has left the world better than he found it,
Whether an improved poppy, a perfect poem, or a rescued soul;
Who has always looked for the best in others and given them the best he had;
Whose life was an inspiration;
Whose memory a benediction.“

Vor kurzem fand ich diese schöne Definition von Erfolg, geschrieben von Bessie Anderson Stanley im Jahr 1904. Die deutsche Übersetzung stimmt nicht ganz genau mit dem Originaltext überein, aber die Botschaft ist die gleiche.

„Es  hat  derjenige  Erfolg  gehabt, der  gut  gelebt,  oft  gelacht  und  viel  geliebt  hat.
Der  sich  das  Vertrauen  und  die  Achtung  kluger  Menschen  verdiente  und  die Liebe  kleiner  Kinder.
Der  seinen  Platz  fand  und  seine  Aufgabe  erfüllte;
der  die  Welt  besser  verließ,  als  er  sie  vorfand, sei  es  durch  schöne  Blumen,  die  er  züchtete, ein  vollendetes  Gedicht  oder  eine  gerettete  Seele.
Es  hat  derjenige  Erfolg  gehabt,   dem es nie  an Dankbarkeit  fehlte, der  die  Schönheit  unserer  Welt  zu  schätzen  wusste und  der  nie  versäumte,  dies  auszudrücken;
der  in  anderen  immer  nur  das  Beste  suchte und  von sich  das  Beste  gab;
dessen  Leben  eine  Inspiration  war und  die  Erinnerung  an  ihn  ein  Segen.“

Mittwoch, 06.01.2021

Don’t focus too much on the bad so that you don’t overlook the good.

Fokussiere dich nicht zu sehr auf das Schlechte, damit du das Gute nicht übersiehst.

Während des Lockdowns

Vor kurzem habe ich in einem Hörbuch diesen Spruch gehört: „Fokussiere dich nicht zu sehr auf das Schlechte, damit du das Gute nicht übersiehst.“
Eine gute Aussage in diesen Zeiten, wo negative Schlagzeilen in endloser Folge auf uns einströmen.

Wenn man, wie wir, in einem Corona-Hotspot (Sachsen) wohnt und leider immer noch ein erschreckendes Maß an Unvernunft sieht, fällt es nicht leicht, der aktuellen Lage viel Gutes abzugewinnen. Dennoch gibt es viel mehr Gutes zu entdecken, wenn man es denn will.

Ich finde es gut, dass es viele Menschen gibt, die sich konsequent an die AHA-Regeln halten, weil sie sowohl intellektuell als auch emotional begriffen haben, dass es einer entschlossenen, gemeinsamen gesellschaftlichen Anstrengung bedarf, um irgendwann aus dieser Pandemie heraus zu kommen (nein, es hängt eben nicht nur an Impfungen). Ich bewundere Länder, die zu solchen gemeinsamen Anstrengungen fähig sind und die erforderliche Disziplin aufbringen, z.B. Taiwan (etwas mehr als 800 Fälle und 7 Todesfälle – nein, nicht pro Tag oder pro Woche, sondern insgesamt seit Ausbruch der Pandemie). Natürlich bringen Zweifler alle möglichen Argumente dagegen vor, verfehlen aber damit das Thema. Mag sein, dass ein Inselstaat besser kontrollieren kann, wer ein- und ausreist, aber das ist nicht wirklich der Punkt. Ich war beruflich ungefähr 90 mal in Taiwan und habe Land und Leute recht gut kennengelernt. Taiwan hat mehr als 23 Millionen Einwohner und eine fast dreimal so hohe Bevölkerungsdichte wie Deutschland. Es ist eine sehr lebendige Demokratie, in der die Leute rege Gebrauch von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung machen. Es gibt aber insgesamt eine viel deutlicher ausgeprägte Einstellung im größten Teil der Bevölkerung, auf Bedrohungen und Gefahren von außen mit Einsicht und Disziplin zu reagieren und sich an Anweisungen, die alle schützen sollen, zu halten. Ich habe das etliche Male miterlebt, wenn z.B. ein Taifun im Anmarsch war oder die Erde gewackelt hat. Die Regierung hat sehr schnell unpopuläre Maßnahmen ergriffen und diese auch konsequent durchgesetzt hat. Dadurch waren zwar einige hunderttausend Menschen signifikant (jedoch nur temporär) betroffen, aber dafür herrscht seit Monaten für alle eine viel größere Normalität als bei uns, wie die Zahlen beweisen. Ich finde, daran sollten wir uns durchaus mehr orientieren und zwar jeder persönlich.

Es hat eine gewisse Tragik, dass wachsende Teile unserer Gesellschaft immer stärker divergieren (wie man jetzt in den USA ganz krass und bei uns in Ansätzen sehen kann), obwohl es angesichts der vielen anstehenden und auch in Zukunft zu erwartenden Probleme (und Covid-19 ist ja nur eines davon) viel besser wäre, diesen Trend umzukehren und Gemeinsamkeiten auf der Basis nachhaltiger Werte zu suchen und zu leben.

Das heißt nicht, dass wir unsere Augen vor Missständen, Ungerechtigkeiten und Irrtümern verschließen sollen. Wir müssen aber lernen, wieder rationaler und ausgeglichener mit Unterschieden umzugehen. Das beginnt schon damit, welchen Stellenwert das Positive gegenüber dem Negativen in unseren Wahrnehmungen einnimmt. In den Medien sind negative Berichte und ihre Interpretationen ganz klar und mittlerweile auf sozial ungesunde Weise überrepräsentiert. Man muss deutlich intensiver suchen, um Gutes zu finden.
Allerdings stellen Medien das dar, was die Mehrzahl der Konsumenten sehen, hören oder lesen will. So lange sich das nicht verändert, wird uns dieses Ungleichgewicht erhalten bleiben. Es ist wichtig, dass wir möglichst objektiv erfahren, was in der Welt alles nicht in Ordnung ist. Noch wichtiger wäre es aber, mit einem Anteil von deutlich über 50% darzustellen, welche guten, großartigen und inspirierenden Dinge in der Welt vollbracht werden. Wir brauchen viel mehr Einflüsse, die die Sozialkompetenzen der Menschen erweitern und eine Rückbesinnung auf Werte fördern, die es für ein friedliches und solidarisches Zusammenleben braucht. Man stelle sich zum Beispiel Nachrichtensendungen auf allen möglichen Kanälen vor, die sich dieses Prinzip zu eigen machen.

Leute, die alles kritisieren, was ihnen vor die Füße fällt, ohne selbst konstruktive und konsensfähige Verbesserungsvorschläge zu machen und die sich an Konflikten weiden, haben wir im Moment genug. Ich wünschte, das wenigstens ein Teil der Energie, die aufgebracht wird, dafür verwendet würde, Gräben zwischen den Menschen zu überbrücken und das Positive in den Vordergrund zu stellen. Destruktive Kritik hat noch nie nachhaltige Verbesserungen durch Herzensänderungen bewirkt. Destruktive Kritik kümmert sich nicht um Zusammenhänge oder das big picture. Destruktive Kritiker lieben es, sich ein Steckenpferd zu wählen, in dem sie sich kompetent fühlen, reißen es aus dem größeren Kontext und erzeugen vor allem eines – Unfrieden. Das bringt uns nicht weiter.

Mir hat gefallen, wie sich Präsident Russell M. Nelson zur letzten Generalkonferenz im Oktober 2020 zu den gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt kurz und prägnant geäußert hat:

„Die Herausforderung für Sie und mich besteht darin, dafür zu sorgen, dass jeder von uns sein göttliches Potenzial verwirklicht. Heutzutage hört man oft von einem „neuen Normalzustand“. Wenn Sie einen neuen Normalzustand wirklich annehmen wollen, bitte ich Sie, Ihr Herz, Ihren Sinn und Ihre Seele zunehmend dem Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus zuzuwenden. Lassen Sie dies zu Ihrem neuen Normalzustand werden.
Nehmen Sie Ihren neuen Normalzustand an, indem Sie jeden Tag umkehren. Bemühen Sie sich darum, in Gedanken, Wort und Tat immer reiner zu werden. Dienen Sie anderen geistlich. Richten Sie Ihren Blick stets auf die Ewigkeit. Machen Sie Ihre Berufungen groß. Und leben Sie trotz aller Herausforderungen, meine lieben Brüder und Schwestern, jeden Tag so, dass Sie besser vorbereitet sind, vor Ihren Schöpfer zu treten.“

Das ist reichlich Stoff zum Nachdenken.

Zum 4. Advent

Zum Ausklang des 4. Advent möchte ich noch ein paar Gedanken posten.

Heute Morgen wurde im Deutschlandfunk Kultur ein Beitrag, den ich für unsere Kirche geschrieben habe, gesendet. Durch die hohen Corona Inzidenzwerte in meinem Heimatlandkreis Zwickau konnte ich diese Woche nicht selbst zur Aufnahme ins Studio nach Berlin fahren. Deshalb hat diese Aufgabe ein Sprecher des Senders übernommen, der das auch viel besser kann als ich.

Hier ist der Link zum Nachhören:

https://presse-de.kirchejesuchristi.org/artikel/deutschlandfunk-kultur-weihnachtsbotschaft-zum-nachhoeren

Einen Teil der Botschaft habe ich einem lieben Freund gewidmet, der vor kurzem verstorben ist und auf dessen Beerdigung ich die Trauerrede gehalten habe.

Der zweite Gedanke ist eine Fireside, die ich vergangenen Sonntag per Zoom für die jungen Erwachsenen unseres Pfahles abgehalten habe. Dabei ging es mir vor allem um Standhaftigkeit im Glauben und wie man verhindern kann, dass man leichtfertig Erkenntnisse und Glaubensgrundsätze mit ewiger Relevanz wegwirft oder gegen, zwar bequemere, aber dafür mit Bezug auf das ewige Leben, irrelevante Haltungen eintauscht.

Hier ist der Link zur Aufzeichnung der Fireside:

https://youtu.be/LwZsYHNjoMw

Den dritten Punkt habe ich bereits in einigen sozialen Medien geteilt. Es ist ein kleines musikalisches Projekt, das ich mit meiner Tochter Janey Habicht, sowie Karen Vogel aus meiner Heimatgemeinde und Elder Kobe Rowe, der in unserer Gemeinde als Missionar gedient und seine Mission inzwischen vollendet hat, durchgeführt habe. Ich war zwar in dem Quartett der älteste, aber mit meinen 1.5 Jahren Cellopraxis der bei weitem unerfahrenste Spieler. Es war aber eine sehr schöne Erfahrung, eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, obwohl wir durch Corona alle räumlich getrennt waren und nicht gemeinsam üben konnten. Nebenbei habe ich noch gelernt, wie man so ein Video zusammenbaut.

Hier ist ebenfalls der Youtube Link.

https://youtu.be/3zBEj2OdQGs

Viel Freude damit und frohe Weihnachten.

Erster Advent

Die Weihnachtszeit wird sich dieses Jahr stark von den vergangenen Jahren unterscheiden. Natürlich könnten wir unsere Zeit damit verbringen, uns zu beklagen – über alles mögliche. Am Ende werden sich die Zustände nur nachhaltig verbessern, wenn Vernunft und Empathie die Oberhand über Rücksichtslosigkeit und Ignoranz gewinnen.

Als ich diese Woche auf einer Beerdigung gesprochen habe, habe ich versucht, die Trauergäste an eine andere Perspektive zu erinnern. Was haben Menschen erlebt, die z.B. vor ungefähr 100 Jahren geboren wurden? Der Verstorbene wurde 1934 geboren. Im Alter von 5 oder 6 Jahren war seine Kindheit mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges praktisch zu Ende. Ein normales Leben gab es nicht. Die Einschränkungen waren dramatisch. Nach dem Krieg herrschten Zerstörung und Hungersnot. Der Vater kam 1950 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Man muss es nicht weiter ausführen.

Mein eigener Vater wurde 1917 geboren. Da tobte noch der Erste Weltkrieg. Danach kamen neben der Not außerdem die Spanische Grippe Pandemie, politische Turbulenzen, Inflation, Weltwirtschaftskrise, das Unrechtsregime der Nazis und schließlich ein weiterer furchtbarer Krieg mit drastischen Auswirkungen. Manchmal sollte man sich wirklich mal in eine andere Zeit versetzen, versuchen zu verstehen und das, was wir erleben, passend einzuordnen.

Es ist so wichtig, dass wir bewusst Seelenbildung betreiben, damit unsere Gesellschaft menschlich weniger Schaden nimmt. Es braucht Momente, die Herzen berühren und das Gute in uns und unseren Glauben stärken. Ich denke, dass viel mehr Menschen glauben, als es zugeben.

Vor einigen Tagen bin ich auf Youtube auf das Video unten gestoßen. Vor knapp zwei Jahren habe ich schon einmal über diese berührende Geschichte geschrieben (https://thomashengst.com/2018/12/08/it-is-well-with-my-soul/). Ich finde aber, sie passt auch dieses Jahr sehr gut in die Adventszeit. Sie wird im Video noch etwas ausführlicher beschrieben. Mittlerweile habe ich auch die Noten für das großartige Arrangement von Mack Wilberg gefunden (Oxford University Press). Ich freue mich schon auf das Musizieren.