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Jersusalem – was war, was ist und was sein wird

Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit, per Zoom den angekündigten Vortrag über interessante Aspekte aus 4000 Jahren Geschichte von Jerusalem zu halten.

Vielen Dank für das große Interesse. Mir ging es nicht darum, die Geschichte Jerusalems umfassend darzustellen, was in 90 Minuten unmöglich wäre und wofür es wesentlich qualifiziertere Personen gibt. Mir ging es primär darum, Denkanstöße zu geben und anhand der Schriften zu zeigen, wie auf beeindruckende und zuverlässige Weise über Jahrtausende prophetische Offenbarungen in Bezug auf Stadt und Bewohner zu tatsächlicher Geschichte geworden sind und wir davon ausgehen sollten, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Es wurde der Wunsch geäußert, dass ich die Präsentation, die ich zusammengestellt habe, teile, was ich hiermit tue.

Wer weitere Fragen oder Anfragen hat, kann mich gern kontaktieren. Für mich persönlich war die intensive Beschäftigung mit dem Thema eine sehr spannende und inspirierende Zeit, die meine Überzeugungen gestärkt hat.

Jerusalem Vortrag

Im September letzten Jahres wurde ich von der Frauenorganisation unseres Pfahles gebeten, einen Vortrag über die Geschichte Jerusalems zu halten. Das habe ich getan. Danach gab es verschiedene Anfragen, den Vortrag zu wiederholen.

Damit fange ich am Freitag, den 14.01.2022 um 19:00 mit einem Zoom-Vortrag für die Gemeinden Chemnitz und Hohenstein-Ernstthal an. Wir haben entschieden, aufgrund der gegenwärtigen Pandemiesituation keine Präsenzveranstaltung im Gemeindehaus durchzuführen sondern Zoom zu nutzen, wodurch auch Interessierte teilnehmen können, die nicht im Raum Chemnitz wohnen.

Ich lade alle Leserinnen und Leser, die sich für dieses spannende Thema interessieren, herzlich dazu ein.

Die Zugangsdaten sind im Bild oben zu finden. Es kann auch dieser Link genutzt werden:

https://us02web.zoom.us/j/87924533155?pwd=TjNTZEp1ZnhMU0Q1N1hhZ2lER3Vpdz09

Ich hoffe, dass im Verlauf des Jahres die anderen Anfragen auch wieder in Person verwirklicht werden können.

„Millions shall know Brother Joseph again“

Heute, am 23. Dezember, kam vor 216 Jahren im abgelegenen Sharon in Vermont Joseph Smith, der Prophet der Wiederherstellung und Begründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zur Welt. Ich bin diesem Mann unendlich dankbar für seine Lebensleistung und dem daraus resultierenden Einfluss auf mein eigenes Leben. Durch ihn habe ich eine klare Vorstellung vom Wesen Gottes, die für mich perfekten Sinn macht. Ich verstehe die Bedeutung von Jesus Christus und seine Beziehung sowohl zum Vater als auch zu uns Menschen viel besser. Durch ihn weiß ich, dass es, basierend auf dem Evangelium Jesu Christi, einen ewigen Plan der Erlösung gibt, dessen Tiefe, Vollständigkeit, Nachhaltigkeit und Perspektiven durch nichts, was ich bisher kennengelernt habe, auch nur annähernd erreicht werden konnte. Er wurde berufen, den Prozess der Wiederherstellung der Fülle des Evangeliums einzuleiten und Grundlagen zu schaffen, auf denen Generationen von Kirchenführern und Mitgliedern aufbauen konnten und es noch immer tun, da die Wiederherstellung kein einmaliges Ereignis sondern ein Prozess ist. Ihm verdanke ich, dass ich das Buch Mormon lesen kann, eines der wichtigsten Bücher überhaupt.
Seine Unvollkommenheiten machen ihn für mich menschlich und nahbar. Ich warte auf den Tag nach diesem Leben, an dem ich ihm begegnen und danken kann. Ich werde auch viele Fragen haben. Die Antworten, sofern ich sie nicht schon in diesem Leben durch sorgfältige intellektuelle und geistige Arbeit finde, werden – da bin ich mir sicher – mein Verständnis erweitern. Das geschieht für mich bereits seit vielen Jahren.

Einer seiner Weggefährten, William W. Phelps, dessen Lebensgeschichte und -werk eine eingehende Betrachtung verdienen und der eine sehr wechselvolle Beziehung zu Joseph Smith hatte, schrieb kurz nach der Ermordung von Joseph Smith am 27. Juni 1844 den Text eines Kirchenliedes, das weit oben in meinen Hymn Charts steht.

„Praise To The Man“ oder auf Deutsch „Preiset den Mann“ ist nicht nur Tribut an Joseph Smith, sondern auch Ausdruck bemerkenswerter Sinnes- und Herzenswandlungen, die William W. Phelps an sich vollzogen hat, nach dem er erkannte, dass er sich in einigen Dingen geirrt hatte.

In der letzten Strophe des Liedes gibt es eine Textzeile mit den Worten: „Millions shall know Brother Joseph again“. Diese Zeile berührt mich jedes Mal, wenn ich das Lied anhöre oder selbst spiele. Leider gibt die deutsche Übersetzung in unserem Gesangbuch diese Worte nicht wieder.

Millionen werden Bruder Joseph wieder kennen – genau das wird, so glaube ich, geschehen. Ähnlich wie für William W. Phelps wird für viele, die ihn aus den unterschiedlichsten Gründen abgelehnt oder verworfen haben, die Zeit kommen, wenn ihnen ihre Irrtümer bewusst werden.

Bruder Joseph hat William freimütig vergeben. Bekannt ist der Briefwechsel zwischen beiden, als William in die Kirche zurückkehrte:

“In late 1838, William W. Phelps, who had been a trusted Church member, was among those who bore false testimony against the Prophet and other Church leaders, leading to their imprisonment in Missouri. In June 1840,
Brother Phelps wrote to Joseph Smith, pleading for forgiveness”

(Teachings of Presidents of the Church: Joseph Smith [2007], 396).

„Ende 1838 gehörte William W. Phelps, der ein vertrauenswürdiges Mitglied der Kirche gewesen war, zu denjenigen, die falsches Zeugnis gegen den Propheten und andere Kirchenführer abgelegt hatten, was zu deren Inhaftierung in Missouri führte. Im Juni 1840,
schrieb Bruder Phelps an Joseph Smith und bat ihn um Vergebung.“

“Brother Joseph[,]
. . . I am as the prodigal Son . . . : I have been greatly abased and humbled. . . . I know my situation, you know it, and God knows it, and I want to be saved if my friends will help me. . . . I have done wrong and I am Sorry. The beam is in my own eye.
. . . I ask forgiveness in the name of Jesus Christ of all the saints[,] for . . . I want your fellowship”

(in The Joseph Smith Papers, Documents, Volume 7: September 1839–January 1841, ed. Matthew C. Godfrey and others [2018], 304–5).

„Bruder Joseph[,]
. . . Ich bin wie der verlorene Sohn: Ich bin sehr erniedrigt und gedemütigt worden. . . . Ich kenne meine Lage, du kennst sie, und Gott kennt sie, und ich will gerettet werden, wenn meine Freunde mir helfen. . . Ich habe Unrecht getan und es tut mir leid. Der Balken ist in meinem eigenen Auge.
. . . Ich bitte um Vergebung im Namen Jesu Christi aller Heiligen[,] denn . . . Ich möchte deine Gemeinschaft“

The Prophet Joseph Smith replied in a letter to William W. Phelps:
“It is true, that we have suffered much in consequence of your behavior—the cup of gall, already full enough for mortals to drink, was indeed filled to overflowing when you turned against us. . . .
However, the cup has been drunk, the will of our Father has been done, and we are yet alive. . . .
Believing your confession to be real, and your repentance genuine, I shall be happy once again to give you the right hand of fellowship, and rejoice over the returning prodigal.
Your letter was read to the Saints last Sunday, and . . . it was unanimously resolved, that W. W. Phelps should be received into fellowship.
‘Come on, dear brother, since the war is past,
For friends at first, are friends again at last’”

(Teachings of Presidents of the Church: Joseph Smith [2007], 398).

Der Prophet Joseph Smith antwortete in einem Brief an William W. Phelps:
„Es ist wahr, dass wir infolge deines Verhaltens viel gelitten haben – der Kelch der Galle, der für die Sterblichen schon voll genug war, um ihn zu trinken, wurde tatsächlich bis zum Überlaufen gefüllt, als du dich gegen uns gewandt hast. . . .
Doch der Kelch ist ausgetrunken, der Wille unseres Vaters wurde erfüllt, und wir leben noch. . . .
Da ich davon überzeugt bin, dass dein Bekenntnis echt und deine Reue aufrichtig ist, freue ich mich, dir noch einmal die rechte Hand der Gemeinschaft zu reichen und mich über den zurückgekehrten verlorenen Sohn zu freuen.
Dein Brief wurde den Heiligen letzten Sonntag vorgelesen, und … es wurde einstimmig beschlossen, dass W. W. Phelps in die Gemeinschaft aufgenommen werden soll.
Komm, lieber Bruder, denn der Krieg ist vorbei,
Denn die zuerst Freunde waren, sind endlich wieder Freunde.'“

Vor einigen Wochen habe ich das Buch „Real vs. Rumor“ des Historikers Keith A. Erekson gelesen – eine lohnenswerte Lektüre für alle, die durch kirchengeschichtliche Ereignisse irritiert oder unsicher sind, wie man sich ausgewogen mit Geschichte beschäftigen sollte, ohne häufigen Fehlern wie Präsentismus, Problemen mit korrekter Herstellung von Kontexten oder nachlässiger Prüfung von Quellen zu verfallen. Es gibt Anregungen, wie man vorurteilsfreie und sorgfältige intellektuelle Arbeit leisten kann, um Antworten auf kritische Fragen besonders auch zu Joseph Smith zu finden. Am Ende dieses Artikels habe ich eine Liste von Fragen angefügt, die in dem Buch empfohlen werden, mit deren Hilfe man bessere intellektuelle Arbeit leisten wird. Selbstverständlichkeit decken diese Fragen nur einen gewissen Teil der erforderlichen Arbeit ab. Sie sind aber ein guter Anfang. In der Folge muss man sich auch dem Thema stellen, nach welchen Kriterien man Schlussfolgerungen trifft. Die Geschichte von Joseph Smith ist ein gutes Beispiel dafür.

Wenn man diese intellektuelle Arbeit noch mit geistiger Arbeit verbindet (worüber ich in meinem kürzlich veröffentlichten Post „Weitsicht“ geschrieben habe) oder noch besser dieser die Priorität gibt, verringert sich der intellektuelle Aufwand, denn der Heilige Geist fängt an, wieder Zeugnis zu geben – ein unverzichtbarer Bestandteil der Interpretation religiöser Geschichte. Dazu gehört auch die Ehrlichkeit eines William W. Phelps oder nach heutiger Lesart, die Einsicht, seine eigenen Motive und Widersprüche zu Glaubensprinzipien selbstkritisch zu hinterfragen.

Der 23. Dezember ist für mich ein wichtiger Tag, denn
Millions shall know Brother Joseph again.

Fragen bei der Beschäftigung mit Geschichte, besonders glaubensbezogener Kirchengeschichte:

  1. Überblick über die Situation

    Stellen Sie Fragen, bevor Sie lesen. Möglicherweise können Sie nicht alle Fragen im Voraus beantworten, aber wenn Sie sich die Fragen einprägen, können Sie den Inhalt, die Zusammenhänge und die Bedeutungen erforschen.

    Wann und wo wurde die Quelle, die Geschichte oder die Studie verfasst?
    Steht sie im Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis, z. B. einem Treffen oder einer Veranstaltung?
    Wer war der Autor oder Schöpfer?
    Was können Sie über den Hintergrund und die Perspektive des Autors herausfinden?
    Berücksichtigen Sie Alter, Geschlecht, Rasse, Bildung, soziale Stellung, Zugehörigkeit, Werte, Motive und Vorurteile des Autors.
    Wer war die Zielgruppe des Autors?
    Gehört der Autor zum Publikum, ist er ein Gegner des Publikums oder steht er in einer anderen Beziehung zum Publikum?
    Warum hat der Autor diese Quelle, Geschichte oder Studie verfasst?
    Wer profitiert von der Existenz dieser Quelle oder Geschichte?
    Handelt es sich um ein Stück der Vergangenheit, das als Quelle in der Gegenwart weiterlebt?
    Handelt es sich um eine Geschichte, die von jemandem erzählt wird, der die Ereignisse miterlebt hat oder später dazukam?
    Handelt es sich um eine Studie, die frühere Quellen und Geschichten berücksichtigt?
  1. Analysieren Sie den Inhalt
    Lesen Sie genau und stellen Sie Fragen zum Inhalt.
    Welche Personen, Ereignisse, Themen, Zeiten, Orte, Illustrationen, Bilder oder Metaphern werden behandelt?
    Wer oder was fehlt oder wird in dieser Quelle oder Geschichte vergessen?
    Wie wurde die Geschichte vereinfacht? Was wurde im Laufe der Zeit hinzugefügt oder übertrieben?
    Was wird verschwiegen, unausgesprochen, angedeutet oder unbeantwortet gelassen?
    Was wird zuerst erzählt, und was wird bis zum Schluss aufgeschoben?
    Ist der Autor mit einer Stimme und einem Zeugnis sichtbar oder versteckt er sich hinter passiven Verben?
    Ist der Autor aufrichtig und objektiv, sanft und flehend, ungeduldig und fordernd, herablassend oder schrill und missbilligend?
    Was ist der Hauptgedanke, die Position oder die Interpretation?
    Was wird gefragt, behauptet, umgedeutet, verteidigt oder in Frage gestellt?
    Ignoriert der Autor zusätzliche Fragen oder nimmt er mögliche Gegenbehauptungen vorweg?
    Welche Beweise legt der Autor vor, um seine Behauptungen zu untermauern?
    Wurden die Beweise beobachtet (aus erster Hand), gehört (aus zweiter Hand) oder hergeleitet?
    Sind die Quellen echt (authentisch), korrekt (genau) und vollständig (umfassend)?
    Geht der Autor auf die Beschränkungen oder Unstimmigkeiten der verfügbaren Quellen ein?
    Wie hat der Autor die Quellen ausgewählt, und hätten auch andere Quellen in Betracht gezogen werden sollen?
    Gibt der Autor die Quellen so an, dass Sie sie auffinden und auswerten können?
    Wie stellt sich der Autor die Welt, die Menschen, die Kultur, die Vergangenheit oder das Gute vor?
    Geht der Autor davon aus, dass er mit den Lesern dieselbe Sprache und Kultur teilt?
    Wie prägen die Annahmen und Werte den Zweck und die Argumentation?
    Folgt die konkrete Geschichte einem allgemeineren Drehbuch?
    Sind die Figuren der Geschichte Opfer, Schurken oder hilflos?
    Evoziert die Geschichte größere Erzählungen über Amerika, Fortschritt oder Kulturkriege?
    Verfügt das Werk über Zitate, Abbildungen, Karten oder einen Index?
    Erfordert die Quelle die Verwendung einer anderen Sprache oder Technologie?
    Enthält die Quelle bemerkenswerte physische Merkmale, wie Handschrift, Siegel, Anmerkungen oder offizielle Stempel?
  1. Mit Kontexten verbinden
    Stellen Sie Fragen, die die Quelle mit anderen Dingen in Verbindung bringen, die vor, während und nach ihrer Entstehung geschehen sind.
    Handelt es sich um eine Quelle, eine Geschichte oder eine Studie?
    Wann und wo wurde sie erstellt?
    Mit welcher Absicht wendet sich der Autor an dieses Publikum?
    Welche anderen spezifischen Ereignisse fanden zur gleichen Zeit statt, z. B. Kriege, politische Bewegungen oder Wirtschaftskrisen?
    Welche langfristigen gesellschaftlichen, kulturellen, politischen oder demografischen Trends waren im Gange?
    Was geschah in dieser Zeit an ähnlichen Orten, z. B. in anderen ähnlichen Häusern oder Gemeinschaften?
    Wie antwortet diese Quelle auf Fragen, stellt Fragen oder fügt sich in laufende Gespräche zwischen Autoren ein?
    Verwendet die Quelle Metaphern, Symbole oder Schriften, die bereits von anderen Autoren verwendet wurden?
    Wie steht sie im Vergleich zu anderen Beispielen für diese Art von Geschichte?
    Wie wurde die Quelle zu ihrer Zeit oder seitdem produziert oder verbreitet?
    Wo hat sie sich befunden, seit der Autor sie geschaffen hat? (Provenienz)
    Existiert sie in verschiedenen Versionen, z. B. als Auszüge, Kopien, Abschriften oder Übersetzungen?
    Enthält es Informationen, die aufgrund von Datenschutzrechten, Urheberrechten oder Gesetzen und Vorschriften respektiert werden sollten?
    Enthält es Informationen, die aus kulturellen oder religiösen Gründen respektiert werden sollten?
    Wie fügt sich die Quelle, Geschichte oder Studie in das Leben und das Gesamtwerk ihres Schöpfers ein?
    Bietet diese Quelle einen Einblick in die Gefühle oder Erfahrungen des Autors zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens?
    Haben sich die Ansichten des Autors im Laufe der Zeit geändert?
    Wie passt es in den Plan der Erlösung?
    Wie passt es in das Evangelium von Jesus Christus?
  1. Bedeutungen bewerten
    Stellen Sie nach dem Lesen bewertende Fragen.

    Grundlegende Bewertung:
    Was ist geschehen? (Beschreibung)
    Was haben sie gedacht? (Interpretation)
    Warum damals und heute? (Erläuterung)
    Was denken wir darüber? (Wertung)

    Kriterien für die Bewertung:
    Können die Informationen aus anderen Quellen verglichen, überprüft, bestätigt oder trianguliert werden? (Korrektheit)
    Wurde sie in der Vergangenheit von der Person erstellt, die behauptet, sie erstellt zu haben? (Authentizität)
    Sind die Informationen konsistent und vertrauenswürdig? (Verlässlichkeit)
    Berücksichtigt sie alle relevanten Informationen nach Treu und Glauben, ohne Verzerrung und unter Berücksichtigung der Interessen der Betroffenen? (Fairness)
    Ist sie breit genug, um alle Standpunkte zu berücksichtigen, tief genug, um komplexe Sachverhalte zu berücksichtigen, und gründlich bei der Überprüfung früherer Quellen und Berichte? (Umfassend)

    Historische Bedeutung:
    Was waren die unmittelbaren Veränderungen, Entwicklungen oder Folgen der Quelle oder Geschichte?
    Waren die Veränderungen weitreichend oder die Auswirkungen langfristig, oder wurden Präzedenzfälle für zukünftige Handlungen oder Interpretationen geschaffen?
    Hielten die Menschen zu jener Zeit die Quelle für wichtig, oder wurde ihre Bedeutung erst im Laufe der Zeit deutlich?

    Verwendbare Signifikanz:
    Können wir sie nutzen, um die Vergangenheit zu dokumentieren, zu beschreiben oder zu erhellen?
    Was bedeutet die Quelle aus heutiger Sicht, warum ist sie wichtig, wie kann sie genutzt oder angewendet werden, und hat sie einen Bezug zu aktuellen Ereignissen oder Trends?
    Können Elemente aus der Vergangenheit als Rahmen für aktuelle Aktivitäten verwendet werden? (Analogie) Persönliche Bedeutung Ist der Autor oder Schöpfer Ihr Vorfahre?
    Inwiefern ist es für Sie in der Gegenwart relevant oder anwendbar?“

Nach dem 2. Advent

Wir hatten gestern zum 2. Advent einen sehr schönen Fast- und Zeugnisgottesdienst. Die Harmonie war deutlich spürbar und alle, die dabei waren, fühlten sich aufgebaut. Esther und ich unterhielten uns danach darüber, wie erstrebenswert dieser Geist beim Bewältigen der vielen Herausforderungen, die das Leben zu bieten hat, wäre. Leider erleben wir im Alltag oft das Gegenteil.

Zur letzten Generalkonferenz hat Elder Quentin L. Cook vom Rat der Zwölf folgende Feststellung gemacht:

„Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Mangel an Anstand erlebt wie heutzutage. Wir werden mit wütender, streitsüchtiger Sprache bombardiert und unzählige provokante Taten mit verheerenden Folgen zerstören den Frieden und die Ruhe. …“

Leider ist das traurige Realität. Unzivilisiertes Verhalten verschafft sich mehr und mehr Raum. Das darf einerseits auf zivilisierte und konsequente Weise nicht hingenommen werden und andererseits gibt es unzählige Dinge, die wir alle tun können, die uns persönlichen Frieden inmitten einer aufgebrachten Umgebung bringen werden.

Elder Cook hat weiter gesagt:

„Jedoch können wir persönlichen Frieden erlangen – ungeachtet des Zorns, des Streits und der Spaltung, die unsere heutige Welt verderben und zerstören. Noch nie ist es wichtiger gewesen, nach persönlichem Frieden zu streben.“

Gestern morgen wurde im Deutschlandfunk Kultur ein Beitrag, den ich für unsere Kirche geschrieben habe, gesendet. (Link zur Audiothek: https://www.deutschlandfunkkultur.de/wort-zum-tage-kirche-jesu-christi-der-heiligen-der-letzen-tage-dlf-kultur-f391962a-100.html)

Mit meinen Gedanken möchte ich ein paar Anregungen geben, wie jede oder jeder von uns sich bewusst an inneren Heilungsprozessen unserer Gesellschaft beteiligen kann. Dass diese Prozesse dringend erforderlich sind, steht außer Frage. Damit sie stärker wirken können, ist bewusstes Denken und Handeln möglichst vieler Menschen gefragt, die es schaffen, das Elend des Egoismus hinter sich zu lassen.

Hier ist der Text:

„Vor einigen Wochen fragte mich meine Frau, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Ihre Frage hat mich dazu gebracht, etwas tiefgründiger über die Wünsche in meinem Herzen nachzudenken.

Unsere Welt gerät weiterhin aus den Fugen. Trotz bemerkenswerter wissenschaftlicher und technologischer Fortschritte scheint die Menschheit zunehmend auseinander zu driften. Verlieren wir tatsächlich den Zusammenhalt, den wir so dringend für die Lösung der vielfältigen Probleme brauchen, die unweigerlich, als Folge der Gesetze von Ursache und Wirkung in Natur und Gesellschaft, mit Wucht auf uns zu rollen?

So berechtigt unsere Sorgen auch sein mögen, so gibt es jedoch viele gute Gründe, dass wir uns aktiv entschließen, Teil der Lösungen zu sein. Die entscheidenden Veränderungen, die es braucht, um eine Gesellschaft von innen heraus zu heilen, finden zum größten Teil im Kleinen statt – in den Herzen, Sinnen und Taten vieler Menschen, die dieses Prinzip verstanden haben.

Welche Wünsche, abgesehen von ein paar unwichtigen materiellen, bewegen mich nun in dieser Weihnachtszeit? Ich möchte Ihnen gern ein paar nennen, die mir wichtig sind.

Wie kann ich meiner Ehepartnerin und meinen Kindern mehr Liebe zeigen, so dass wir uns noch stärker miteinander verbunden fühlen?

Wo kann ich die Kraft und Motivation finden, dass sich andere Menschen durch eine Begegnung mit mir besser verstanden, wertgeschätzt oder aufgebaut fühlen?

Was kann ich tun, dass sich Orte, an denen ich mich aufgehalten habe, danach in einem besseren Zustand befinden?

Wie kann ich dazu beitragen, dass sowohl seelische als auch materielle Not in meiner Umgebung erkannt und gelindert wird?

Es gibt unverzichtbare Werte, die die Menschheit im Innersten zusammenhalten und Gottes Schöpfung bewahren. Wenn wir einige von ihnen abwählen und ihr Zusammenwirken nicht verstehen, leben wir nicht mehr nachhaltig. Wie kann ich also Nachhaltigkeit im ganzheitlichen Sinne besser vorleben?

Für die Erfüllung dieser Wünsche bzw. Beantwortung dieser Fragen sind, neben den notwendigen Überzeugungen, auch Glaube und Inspiration sehr hilfreich. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die uns auf ungeahnte Weise die Augen und Herzen öffnen können, wenn wir es zulassen. In den Heiligen Schriften lesen wir die Worte von Jesus Christus: „Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan werden.“ (Matthäus 7:7)“

Weihnachten ist eine gute Zeit, damit zu beginnen und sich Christus zuzuwenden.

Weitsicht

Vor einigen Wochen haben meine Frau und ich eine Wanderung auf die Steinplatte in der Nähe von Kitzbühel in Österreich unternommen.

Vom Gipfel hatten wir einen grandiosen Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Im Norden konnten wir den Chiemsee sehen,

im Süden den gesamten Alpen-Hauptkamm mit Großglockner und Großvenediger, das Kitzbühler Horn und die Loferer Steinberge,

nach Osten den Watzmann und weitere Berge im Salzburger Land

sowie nach Westen den Wilden Kaiser und viele weitere Gipfel des Allgäu und in Tirol.

Es war erhebend, trotz des etwas rauhen Wetters.

Beim Verarbeiten der Eindrücke musste ich daran denken, wie wichtig Weitsicht in unserem Leben und für unsere Entscheidungen ist.

Weitsicht ist ein rares Gut im politischen und gesellschaftlichen Diskurs, den wir zur Zeit erleben. Dabei ist es logisch, dass eine übermäßige Betonung von Individualismus und eine Ausrichtung auf möglichst schnelle Befriedigung eigener Bedürfnisse mit Weitsicht und Nachhaltigkeit oft nicht kompatibel sind. Der Blick für das Große und Ganze und das allgemeine Wohl kann da schnell verloren gehen, genauso auch die Fähigkeit, sich objektiv und umfassend zu informieren und daraus Schlussfolgerungen nicht nur für sich selbst zu ziehen.

Wütende Kritiker haben in der Regel keine nachhaltigen Lösungen zu bieten und suchen lieber Schuldige für ihr Unbehagen anstatt den ernsthaften Versuch zu unternehmen, sich auf eine Ebene zu begeben, die ein weitsichtigeres Überdenken des eigenen Verhaltens ermöglicht.
Das betrifft nicht nur die Pandemie, die nur das Präludium für kommende gesellschaftliche Herausforderungen ist, die uns zweifellos ereilen werden, weil sich die Gesetze von Ursache und Wirkung nicht einfach außer Kraft setzen lassen. Wir sollten davon ausgehen, dass solche Herausforderungen noch viel fordernder sein werden, als das, was wir zur Zeit kennen, besonders wenn sie auf eine durch Unvernunft zutiefst gespaltene Gesellschaft treffen.

Wird unsere Werte relativierende Gesellschaft in Zukunft in der Lage sein, einsichtig, weitsichtig, umfassend rücksichtsvoll und einig zu handeln? Wie werden wir in Zukunft absolut richtige, mit Unsicherheiten behaftete, falsche und komplett absurde Informationen voneinander unterscheiden und mit Sachverstand verarbeiten können? Werden Entscheidungsträger (das sind auch wir) nicht nur intellektuelle Arbeit, sondern auch die geistige Arbeit leisten, die erforderlich ist, um inspirierte Entscheidungen zu treffen, die wir so schmerzlich vermissen?

Was bedeutet es, geistige Arbeit zu leisten, die zu einer größeren Weitsicht führt? Für mich ist dieser Anspruch untrennbar mit der Entwicklung einer engen Beziehung zu Gott verbunden.

Zur Zeit lese ich die Ansprachen der letzten Generalkonferenz unserer Kirche (siehe App Archiv Kirchenliteratur oder unter https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2021/10?lang=deu). Oft denke ich, wie wünschenswert es wäre, wenn alle, die an Entscheidungen arbeiten, egal wie bedeutend sie sein mögen, sich von dem, was da gesagt und geschrieben wurde, inspirieren lassen. Wie wäre es wohl, wenn die Menschen, die sich anschicken, unser Land zu regieren, das tun würden?

Das ist aber nicht alles. Vor einigen Wochen, habe ich von unserer Pfahlkonferenz in Leipzig einige Aussagen vom Präsidenten unserer Kirche, Russell M. Nelson, mitgenommen, die dankenswerterweise von Helmut Wondra (Vielen Dank!) aus Wien zitiert wurden. Sie beschreiben, wie diese geistige Arbeit aussehen sollte, damit tatsächlich eine Verbindung zu unserem Vater im Himmel durch das Wirken des Heiligen Geistes entstehen kann. Hier die Zitate mit ein paar Kommentaren (nicht fettgedruckt) von mir:

„Es wird in den künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.
Ich bitte Sie inständig, Ihre geistige Fähigkeit, Offenbarung zu empfangen, auszubauen.
Entscheiden Sie sich, die geistige Arbeit zu leisten, die nötig ist, damit Sie sich der Gabe des Heiligen Geistes erfreuen können und die Stimme des Geistes häufiger und klarer vernehmen. …

Wie wir uns qualifizieren

Nichts öffnet den Himmel schneller als eine Kombination aus

  • vermehrter Reinheit, (es geht prinzipiell darum, wie rechtschaffen unsere Gedankenwelt und die daraus resultierenden Handlungen sind, wie stark sie in Einklang mit Gott sind)
  • exaktem Gehorsam, (exakt heißt nicht blind, es heißt aber definitiv nicht cherry picking – nur das zu wählen, was mir passt)
  • täglichem Weiden an den Worten von Christus im Buch Mormon (das schließt natürlich andere Schriften nicht aus, aber das Buch hat schon eine besondere Kraft)
  • einem regelmäßigen Termin, der für Tempelarbeit und Familienforschung reserviert ist. (das ist die Kraft, die Generationen verbinden kann)

Wie wir empfangen

  • Finden Sie einen ruhigen Ort, den Sie aufsuchen können.
  • Demütigen Sie sich vor Gott.
  • Schütten Sie vor dem Vater im Himmel ihr Herz aus. Wenden Sie sich an ihn, um Antworten und Trost zu finden.
  • Beten Sie im Namen Jesu Christi über ihre Sorgen, Ihre Ängste, Ihre Schwächen, ja, auch die Sehnsüchte Ihres Herzens.
  • Und dann hören Sie zu.
  • Notieren Sie sich die Gedanken, die Ihnen in den Sinn kommen. Schreiben Sie Ihre Gefühle auf
  • und setzen Sie das, was Ihnen eingegeben wird, in die Tat um.
  • Wenn Sie immer wieder so vorgehen, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr, werden Sie in das Prinzip Offenbarung hineinwachsen.“

Wir betrachten Präsident Nelson als Prophet Gottes. Wenn wir uns in den Schriften sorgfältig anschauen, wie bereitwillig das Wort zeitgenössischer Propheten in ihren jeweiligen Epochen angenommen wurde, können wir sehen, dass die Menschen immer dann selektiv und oft feindselig damit umgegangen sind, wenn sie ihre persönlichen Vorlieben verletzt sahen. Wir lernen aus dieser Analyse aber auch, dass sich diese Menschen in der Regel aus Mangel an Weitsicht und einem Übermaß an Eigenstolz geirrt haben, oft mit dramatischen Folgen. Das sehen wir auch in der Gegenwart. Und es ist immer noch unklug.

Wir brauchen in diesen Zeiten ein viel größeres Maß an Weitsicht, damit wir komplexe Probleme nachhaltig bearbeiten und uns zuverlässiger vor Irrtümern, ideologischen Verbrämungen, der Ausbreitung von menschenverachtenden Verhaltensweisen oder abstruser Ignoranz schützen bzw. diesen entgegenwirken können. Dazu ist mehr und sorgfältigere intellektuelle und geistige Arbeit vonnöten.

Ein Geburtstag

Heute am 5. Mai 2021 ist der 131. Geburtstag meiner Großmutter Klara Böhme. Ich musste heute aus mehreren Gründen an sie denken.

Da ich erst drei Jahre alt war, als sie verstarb, habe ich keine aktive Erinnerung an sie. Alles, was ich weiß, kommt aus den Erzählungen meiner Eltern, meiner älteren Geschwister und anderer Verwandter. In einem stimmen sie alle überein – niemand hat je in irgendeiner Weise in meiner Gegenwart negativ über sie gesprochen. Alle Berichte und Erinnerungen waren und sind voller Liebe zu einer einfachen, gläubigen Frau, die in ihrem Leben viel durchmachen musste.

Der zweite Grund hat mit der Pandemie, die wir erleben zu tun. Ich habe mal reflektiert, was eine Person wie meine Großmutter, die 1890 geboren wurde, alles erlebt hat: Kaiserreich, 1. Weltkrieg, Spanische Grippe Pandemie, Not und alle anderen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen nach dem Krieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Not, Machtergreifung der Nazis und Deutschlands dunkelstes Jahrzehnt, vor allem für Menschen, wie meine Großeltern, die für die Nazis nicht die geringsten Sympathien hegten und sich auch nicht von der Propaganda blenden ließen. Dann kam der 2. Weltkrieg mit all seinen furchtbaren Begleiterscheinungen und Nachwirkungen, Hungersnot, Unterernährung, Kommunismus – von dem sie sich ebenfalls nicht blenden ließ, der 17. Juni 1953, Ungarn 1956, die Errichtung der Mauer 1961. 1967 starb sie nach vielen Krankheiten und Entbehrungen. Man könnte meinen, dass dies kein schönes Leben gewesen sein kann, was mich jedoch zu meinem dritten Grund führt.

1925 traf meine Großmutter Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die Botschaft der Missionare erfüllte ihr Herz und ihren Verstand und so wurde sie am 9. Juni 1925 zusammen mit meiner Urgroßmutter und einigen weiteren Familienmitglieder getauft. Sie war zu dieser Zeit hochschwanger mit meiner Mutter, die einige Wochen später geboren wurde. Aus dieser mutigen und konsequenten Entscheidung ist wunderbares entstanden. Dafür werde ich meiner Großmutter für immer dankbar sein. Ihr Glaube hat sie nicht nur durch alle Härten ihres Lebens getragen, sondern war auch eine solide Basis für viele ihrer Nachkommen.

Von ihrem Vorbild habe ich viel über die Verantwortung gelernt, die ich selbst für meine Familie, meine Kinder und Enkel habe. Ich lerne immer noch von ihr, wie man Sorgen und Probleme erträgt und seinen Überzeugungen und Glauben treu bleibt. Es wird der Tag kommen, an dem ich meiner Großmutter wieder begegnen werde und ihr für alles danken kann. Auf diesen Tag freue ich mich.

Orientierung

In einer Zeit, in der es vielen Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht, Hoffnung und Orientierung verloren gehen und man sich oft verwundert die Augen reibt, welche Entscheidungen auf allen Ebenen der Gesellschaft getroffen werden, sollten wir uns daran erinnern, dass es zuverlässige und nachhaltige Wege gibt, die Führung eines liebenden Gottes zu finden.

Im Johannesevangelium des Neuen Testaments in Kapitel 17, Vers 3 lesen wir:

„Und genau darin besteht das ewige Leben: dich, den einen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“

Erkenntnis von Gott und Verständnis seines Wesens hat also eine geradezu überragende Bedeutung. Dazu gehört auch die Kommunikation mit Ihm. Das ist durchaus eine bidirektionale Angelegenheit, wie an den folgenden Schriftstellen, die stellvertretend für viele weitere stehen, zu sehen ist:

„Wenn du bittest, wirst du Offenbarung um Offenbarung, Erkenntnis um Erkenntnis empfangen, damit du die Geheimnisse und das Friedfertige erkennen mögest – das, was Freude bringt, das, was ewiges Leben bringt.“ (Lehre und Bündnisse 42:61)

„Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist.“ (Buch Mormon, Moroni 10:5)

Das sind sehr erstrebenswerte Dinge, für die einige entscheidende Mitwirkungen erforderlich sind, wie persönliche Rechtschaffenheit, ein Leben im Einklang mit Gott, umfassende Information als Voraussetzung zur Meinungsbildung, die Demut Gott zu fragen und die Bereitschaft, die Konsequenzen einer Antwort von Gott durch die Macht des Heiligen Geistes zu akzeptieren und im eigenen Leben umzusetzen.

Stellen wir uns vor, alle, die etwas entscheiden müssen oder wollen, seien es Regierungen, Parlamente, Kirchen, Organisationen, Unternehmen, Familien oder jeder einzelne, würden diesen Prinzipien Raum in ihren Überlegungen geben. Wie viel Streit und unnötige Auseinandersetzungen könnten vermieden und wie viel mehr Gerechtigkeit, Hoffnung, Zuversicht und Tatkraft würden gesät werden. Wie viel mehr Sicherheit und innere Ruhe, trotz aller Herausforderungen würden wir verspüren.

Für die Kommunikation mit Gott braucht es einen Glaubens- und Vertrauensvorschuss. Manchmal fällt es uns schwer, die Stimme Gottes zu vernehmen. Manchmal hat er einen anderen Zeitplan als wir. Und manchmal müssen wir nur einige Kriterien anwenden, die uns untrüglich in eine gute Richtung lenken, vorausgesetzt unser Gewissen befindet sich in einem guten Zustand. Ein treffendes Beispiel, finde ich, wird in dieser Schriftstelle beschrieben:

„Und nun, wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Setze dein Vertrauen in jenen Geist, der dazu führt, Gutes zu tun – ja, gerecht zu handeln, demütig zu wandeln, rechtschaffen zu richten; und dies ist mein Geist.
Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Ich werde dir von meinem Geist geben, der dir den Verstand erleuchten wird und der dir die Seele mit Freude erfüllen wird;
und dann wirst du wissen, oder infolgedessen wirst du alles wissen, was auch immer du von mir begehrst und was die Rechtschaffenheit betrifft, sofern du im Glauben an mich darauf vertraust, dass du empfangen wirst. „
(Lehre und Bündnisse 11:12-14)

Sechs Kriterien, nach denen wir unser Handeln und unsere Entscheidungen evaluieren können:

Es führt dazu:

  • Gutes zu tun;
  • gerecht zu handeln;
  • demütig zu wandeln;
  • rechtschaffen zu richten;
  • den Verstand zu erleuchten;
  • die Seele mit Freude zu erfüllen.

Das wäre doch schon einmal ein guter Anfang.

In unserem Gesangbuch haben wir das schöne Kirchenlied „Der Herr ist mein Hirte“ (Gesangbuch Nr. 68). Es beschreibt einige Aspekte einer innigen Beziehung zu Gott.

„Der Herr ist mein Hirte, ich brauche sonst nichts;
er führet mich sicher durch Dunkel und Licht.
Er leitet die Seele zu Wassern, die still,
erlöst mich Verirrten, wie heilig er’s will,
erlöst mich Verirrten, wie heilig er’s will.

Durch Täler und Wälder, wo immer ich geh,
bist du, Herr, mein Wächter, wo ich geh und steh.
Wenn dein Stab mich leitet, dann fürcht ich mich nicht;
mir kann nichts geschehen, denn du bist mein Licht,
mir kann nichts geschehen, denn du bist mein Licht.

Mag Anfechtung kommen, so bin ich bereit,
denn dein reicher Segen steht mir ja zur Seit.
Mein Haupt lässt du salben, schenkst voll mir stets ein.
O könnt deine Liebe wohl größer noch sein?
O könnt deine Liebe wohl größer noch sein?“

Wir haben versucht, dieses Lied mit unseren limitierten musikalischen Fähigkeiten für unseren heutigen Gottesdienst umzusetzen. Für die Naturaufnahmen bin ich ins Schwarzwassertal im Erzgebirge gefahren, einer Gegend, aus der viele meiner Vorfahren stammen.

Ich widme dieses Lied einem lieben Freund und Mentor, dem ich einen großen Teil meiner geistigen Entwicklung verdanke und der in diesen Tagen trauert. Ich weiß, dass er alles, was ich oben beschrieben habe, – genauso wie ich – aus eigenen Erfahrungen bezeugen kann.

Musik

Gestern hatte ich die Gelegenheit, den Jugendlichen der Pfähle Berlin, Dresden und Leipzig zu erzählen, wie mich Musik in meinem Leben begleitet und geprägt hat.

Als ich 6 Jahre alt war, schenkten mir meine Eltern eine Mundharmonika, mit 12 wurde ich zum Organisten in unserer Gemeinde berufen, was enormen Einfluss auf meine spirituelle Entwicklung und meine Überzeugungen hatte.
Mit 15 habe ich angefangen, Gitarre zu lernen. Mit 16 haben wir eine Band gegründet.

Wir hatten eine tolle Zeit, haben nur auf Jugendtagungen der Kirche gespielt und alle anderen Angebote, die es auch gab, abgelehnt.

Dann kam eine Zeit mit anderen Prioritäten – Studium, Ehe und Familie, Kirchenberufungen, Karriere etc. – und keine Zeit mehr für eine Band.
Musik war aber sehr wichtig in unserer Familie. Wir haben allen unseren Kindern die Chance gegeben, Musikinstrumente zu lernen. Kürzlich war mein schönstes Geburtstagsgeschenk, dass unsere 7-jährige Enkelin ihren ersten Geigenunterricht hatte. Ich hoffe, sie wird dabei bleiben.
Jetzt hole ich die Gitarre nur noch 3-4 mal im Jahr raus.

Mit 55 habe ich nochmal mit einem neuen Instrument angefangen – dem Cello, eine große aber wunderbare Herausforderung, die mir sehr viel innere Balance gibt.
Musik war und ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil meiner Beziehung und Nähe zu Gott. Einige meiner wertvollsten Lebenserfahrungen habe ich beim Musizieren gemacht.

Ostersonntag – Radiobotschaft

Zwischen den Generalkonferenz Sessionen hatte ich heute morgen wieder die Gelegenheit, das Wort zum Tage auf Deutschlandradio Kultur zu sprechen. Die Aufnahme in Berlin letzte Woche war eine schöne Erfahrung – vor allem wegen der überaus freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die ich beim Sender treffen durfte. Ein herzliches Dankeschön an die Regisseurin und allen, die sichtbar oder unsichtbar beteiligt waren.

Hier ist der Link zum Audio-Archiv des Senders für alle, die sonntags nicht so zeitig aufstehen mögen. Ihr habt bis 2038 Zeit, es euch anzuhören. 🙂

https://www.deutschlandfunkkultur.de/audio-archiv.517.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bsearchterm%5D=&drau%5Bfrom%5D=04.04.2021&drau%5Bto%5D=04.04.2021&drau%5Bbroadcast_id%5D=218

Für diejenigen, die lieber lesen, folgt hier der Text:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

eine der für mich ergreifendsten Szenen im Neuen Testament, ist die Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus Christus an jenem Ostersonntagmorgen vor fast 2000 Jahren. Immer wenn ich die Verse im Johannes Evangelium (siehe Kapitel 20) lese, stelle ich mir die unendliche Freude vor, die Maria erfasste, als sie Jesus, um den sie sehr getrauert hatte, schließlich erkannte. In diesem Moment verstand sie endlich genau, dass alles eingetroffen war, wovon er viele Male vorher gesprochen hatte.

Für mich persönlich sind die Ereignisse, derer wir zu Ostern gedenken, der Inbegriff einer Hoffnung und eines Glaubens, die mich durch viele Herausforderungen in meinem Leben getragen haben.

Zu Ostern wird sehr viel über die Kreuzigung Christi gesprochen. Es gibt unzählige Bücher und Filme, die sein Leiden darstellen. Es wird weniger über einen einsamen, aber sehr bedeutungsvollen Moment gesprochen – sein Gebet im Garten Gethsemane, kurz bevor man ihn gefangen nahm.

Im Lukas Evangelium lesen wir, was Jesus in dieser Stunde des geistigen Schmerzes im Gebet sagte: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. … Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ (siehe Lukas 22, Verse 42 und 44)

Wie groß muss das Leiden eines Menschen sein, aus dessen Poren Blut dringt?

Der Messias hat die Schrecken und Ungewissheiten des physischen Todes durch seine Auferstehung überwunden. Er hat außerdem auch die Last unserer Schwächen getragen, all unseren Kummer, unser Leid, unsere Krankheiten und alle Arten von Bedrängnis, die man als Sterblicher erleben kann. Es gibt keine Seelenqual, keine Betrübnis, die er nicht für uns durchlitten hätte.

Dies gibt uns vielleicht eine Vorstellung von den Dimensionen seines Opfers. Ich bin jedes Mal tief bewegt, wenn ich darüber nachdenke, wie unvorstellbar viel Liebe und Mitgefühl er aufgebracht haben muss, um uns Perspektiven voll von begründeter Hoffnung auf Heilung von Schmerzen, Leiden, Einsamkeit, Ungerechtigkeiten und Folgen von Fehlern über dieses Leben hinaus zu eröffnen.

Unabhängig davon, was jeder von uns im Detail glauben oder auch nicht glauben mag, so können wir jedoch alle aus diesem beispiellosen Akt der Liebe lernen, unsere Sinne mehr darauf zu richten, wie wir durch einfache Taten, die Leiden eines anderen Menschen verringern, Trost spenden und Hoffnungslosigkeit in Hoffnung verwandeln können.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest.

Bei der Vorbereitung auf die Botschaft haben mich ein Gemälde, das ich immer sehr gern im Freiberg Tempel anschaue und das Lied „Gloria“ aus Rob Gardner´s großartigem Oratorium „Lamb Of God“ beschäftigt und meine Gedanken beeinflusst.

Frohe Ostern und eine aufbauende Generalkonferenz.

Zum 4. Advent

Zum Ausklang des 4. Advent möchte ich noch ein paar Gedanken posten.

Heute Morgen wurde im Deutschlandfunk Kultur ein Beitrag, den ich für unsere Kirche geschrieben habe, gesendet. Durch die hohen Corona Inzidenzwerte in meinem Heimatlandkreis Zwickau konnte ich diese Woche nicht selbst zur Aufnahme ins Studio nach Berlin fahren. Deshalb hat diese Aufgabe ein Sprecher des Senders übernommen, der das auch viel besser kann als ich.

Hier ist der Link zum Nachhören:

https://presse-de.kirchejesuchristi.org/artikel/deutschlandfunk-kultur-weihnachtsbotschaft-zum-nachhoeren

Einen Teil der Botschaft habe ich einem lieben Freund gewidmet, der vor kurzem verstorben ist und auf dessen Beerdigung ich die Trauerrede gehalten habe.

Der zweite Gedanke ist eine Fireside, die ich vergangenen Sonntag per Zoom für die jungen Erwachsenen unseres Pfahles abgehalten habe. Dabei ging es mir vor allem um Standhaftigkeit im Glauben und wie man verhindern kann, dass man leichtfertig Erkenntnisse und Glaubensgrundsätze mit ewiger Relevanz wegwirft oder gegen, zwar bequemere, aber dafür mit Bezug auf das ewige Leben, irrelevante Haltungen eintauscht.

Hier ist der Link zur Aufzeichnung der Fireside:

https://youtu.be/LwZsYHNjoMw

Den dritten Punkt habe ich bereits in einigen sozialen Medien geteilt. Es ist ein kleines musikalisches Projekt, das ich mit meiner Tochter Janey Habicht, sowie Karen Vogel aus meiner Heimatgemeinde und Elder Kobe Rowe, der in unserer Gemeinde als Missionar gedient und seine Mission inzwischen vollendet hat, durchgeführt habe. Ich war zwar in dem Quartett der älteste, aber mit meinen 1.5 Jahren Cellopraxis der bei weitem unerfahrenste Spieler. Es war aber eine sehr schöne Erfahrung, eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, obwohl wir durch Corona alle räumlich getrennt waren und nicht gemeinsam üben konnten. Nebenbei habe ich noch gelernt, wie man so ein Video zusammenbaut.

Hier ist ebenfalls der Youtube Link.

https://youtu.be/3zBEj2OdQGs

Viel Freude damit und frohe Weihnachten.