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Christi Geburt

Der erste Weihnachtsfeiertag hat uns dieses Jahr weiße Weihnachten beschert, worüber wir uns sehr gefreut haben.

Zu Weihnachten singen viele Menschen überall auf der Welt das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ und dabei auch die Textzeile „Christ der Retter ist da“. In vielen anderen Weihnachtsliedern wird Christus‘ Rolle als Erretter und Erlöser der Welt ebenfalls besungen. Eine wunderbare Botschaft, die richtig verstanden werden sollte.

Gérald Caussé, der Präsidierende Bischof der Kirche Jesu Christi hat letztes Jahr eine schöne Zusammenfassung über die errettende und erlösende Macht des Sühnopfers Jesu Christi gegeben.

Das Sühnopfer Jesu Christi ist ein Geschenk an alle, die auf Erden gelebt haben, derzeit leben oder noch leben werden.

Der Messias hat nicht nur die Last unserer Sünden getragen, sondern auch unseren Kummer, unsere Schwächen, unser Leid, unsere Krankheiten und alle Arten von Bedrängnis, die man als Sterblicher erleben kann, auf sich genommen. Es gibt keine Seelenqual, kein Leid, keine Betrübnis, die er nicht für uns durchlitten hätte.

Dank des Sühnopfers des Erretters können wir die negativen Folgen des Falls Adams überwinden, so auch den leiblichen Tod. Dank Christus wird allen Kindern Gottes, die auf dieser Erde geboren wurden, unabhängig von ihrer Rechtschaffenheit der Segen zuteil, dass durch die Macht der Auferstehung ihr Geist und ihr Körper wiedervereinigt werden und sie zu Gott zurückkehren, „um gemäß ihren Werken gerichtet zu werden.

Im Gegensatz dazu hängt es davon ab, wie eifrig wir nach der „Lehre von Christus“ leben, ob wir sämtliche Segnungen des Sühnopfers des Erretters erlangen. In seinem Traum sah Lehi den „engen und schmalen Pfad“, der zum Baum des Lebens führt. Die Frucht davon, die die Liebe Gottes darstellt, wie sie durch die außerordentlichen Segnungen des Sühnopfers Christi zum Ausdruck kommt, ist „überaus kostbar und … überaus begehrenswert [und ist] die größte aller Gaben Gottes“. Um diese Frucht erhalten zu können, müssen wir Glauben an Jesus Christus ausüben, umkehren, „auf das Wort Gottes höre[n]“, die notwendigen heiligen Handlungen empfangen und bis an unser Lebensende heilige Bündnisse halten.

Durch sein Sühnopfer hat Jesus Christus nicht nur unsere Sünden fortgewaschen, sondern er stattet seine Jünger auch mit helfender Macht aus, dank der sie „den natürlichen Menschen ableg[en]“, „Zeile um Zeile“ Fortschritt machen und an Heiligkeit zunehmen können. Dies wiederum ermöglicht es ihnen, eines Tages vollkommene Wesen im Abbild Christi zu werden, würdig, wieder bei Gott zu leben und alle Segnungen des Himmelreichs zu ererben.

Wie einzigartig und großartig. Und wie schön, Seine Geburt zu feiern und dieses Ereignis gebührend zu würdigen.

Frohe Weihnachten!

Nach dem 2. Advent

Wir hatten gestern zum 2. Advent einen sehr schönen Fast- und Zeugnisgottesdienst. Die Harmonie war deutlich spürbar und alle, die dabei waren, fühlten sich aufgebaut. Esther und ich unterhielten uns danach darüber, wie erstrebenswert dieser Geist beim Bewältigen der vielen Herausforderungen, die das Leben zu bieten hat, wäre. Leider erleben wir im Alltag oft das Gegenteil.

Zur letzten Generalkonferenz hat Elder Quentin L. Cook vom Rat der Zwölf folgende Feststellung gemacht:

„Ich habe in meinem Leben noch nie so viel Mangel an Anstand erlebt wie heutzutage. Wir werden mit wütender, streitsüchtiger Sprache bombardiert und unzählige provokante Taten mit verheerenden Folgen zerstören den Frieden und die Ruhe. …“

Leider ist das traurige Realität. Unzivilisiertes Verhalten verschafft sich mehr und mehr Raum. Das darf einerseits auf zivilisierte und konsequente Weise nicht hingenommen werden und andererseits gibt es unzählige Dinge, die wir alle tun können, die uns persönlichen Frieden inmitten einer aufgebrachten Umgebung bringen werden.

Elder Cook hat weiter gesagt:

„Jedoch können wir persönlichen Frieden erlangen – ungeachtet des Zorns, des Streits und der Spaltung, die unsere heutige Welt verderben und zerstören. Noch nie ist es wichtiger gewesen, nach persönlichem Frieden zu streben.“

Gestern morgen wurde im Deutschlandfunk Kultur ein Beitrag, den ich für unsere Kirche geschrieben habe, gesendet. (Link zur Audiothek: https://www.deutschlandfunkkultur.de/wort-zum-tage-kirche-jesu-christi-der-heiligen-der-letzen-tage-dlf-kultur-f391962a-100.html)

Mit meinen Gedanken möchte ich ein paar Anregungen geben, wie jede oder jeder von uns sich bewusst an inneren Heilungsprozessen unserer Gesellschaft beteiligen kann. Dass diese Prozesse dringend erforderlich sind, steht außer Frage. Damit sie stärker wirken können, ist bewusstes Denken und Handeln möglichst vieler Menschen gefragt, die es schaffen, das Elend des Egoismus hinter sich zu lassen.

Hier ist der Text:

„Vor einigen Wochen fragte mich meine Frau, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Ihre Frage hat mich dazu gebracht, etwas tiefgründiger über die Wünsche in meinem Herzen nachzudenken.

Unsere Welt gerät weiterhin aus den Fugen. Trotz bemerkenswerter wissenschaftlicher und technologischer Fortschritte scheint die Menschheit zunehmend auseinander zu driften. Verlieren wir tatsächlich den Zusammenhalt, den wir so dringend für die Lösung der vielfältigen Probleme brauchen, die unweigerlich, als Folge der Gesetze von Ursache und Wirkung in Natur und Gesellschaft, mit Wucht auf uns zu rollen?

So berechtigt unsere Sorgen auch sein mögen, so gibt es jedoch viele gute Gründe, dass wir uns aktiv entschließen, Teil der Lösungen zu sein. Die entscheidenden Veränderungen, die es braucht, um eine Gesellschaft von innen heraus zu heilen, finden zum größten Teil im Kleinen statt – in den Herzen, Sinnen und Taten vieler Menschen, die dieses Prinzip verstanden haben.

Welche Wünsche, abgesehen von ein paar unwichtigen materiellen, bewegen mich nun in dieser Weihnachtszeit? Ich möchte Ihnen gern ein paar nennen, die mir wichtig sind.

Wie kann ich meiner Ehepartnerin und meinen Kindern mehr Liebe zeigen, so dass wir uns noch stärker miteinander verbunden fühlen?

Wo kann ich die Kraft und Motivation finden, dass sich andere Menschen durch eine Begegnung mit mir besser verstanden, wertgeschätzt oder aufgebaut fühlen?

Was kann ich tun, dass sich Orte, an denen ich mich aufgehalten habe, danach in einem besseren Zustand befinden?

Wie kann ich dazu beitragen, dass sowohl seelische als auch materielle Not in meiner Umgebung erkannt und gelindert wird?

Es gibt unverzichtbare Werte, die die Menschheit im Innersten zusammenhalten und Gottes Schöpfung bewahren. Wenn wir einige von ihnen abwählen und ihr Zusammenwirken nicht verstehen, leben wir nicht mehr nachhaltig. Wie kann ich also Nachhaltigkeit im ganzheitlichen Sinne besser vorleben?

Für die Erfüllung dieser Wünsche bzw. Beantwortung dieser Fragen sind, neben den notwendigen Überzeugungen, auch Glaube und Inspiration sehr hilfreich. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die uns auf ungeahnte Weise die Augen und Herzen öffnen können, wenn wir es zulassen. In den Heiligen Schriften lesen wir die Worte von Jesus Christus: „Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan werden.“ (Matthäus 7:7)“

Weihnachten ist eine gute Zeit, damit zu beginnen und sich Christus zuzuwenden.

Hiddensee – Ort zum Nachdenken

Letzte Woche hatten Esther und ich die Möglichkeit, wieder ein paar Tage auf der Insel Hiddensee zu verbringen. Wir haben dort ein Lieblingsrestaurant – das Essen ist sehr gut, die Bedienung freundlich und effizient, die Preise sind moderat. Nach einem schönen Abendessen bedankten wir uns beim Personal für das leckere Essen und den tollen Service. Wir waren sehr überrascht über die Reaktion. Die Leute bedankten sich bei uns und ergänzten dann: „Wenn ihr wüsstet, wie viele unmögliche Leute hierher kommen, die wegen absoluter Kleinigkeiten ein riesiges Fass aufmachen, ja sogar beleidigend werden.“

Das hatten wir dort nicht erwartet, aber leider hat sich inakzeptables Verhalten überall hin ausgebreitet und stellt Menschen, die damit konfrontiert werden, vor große Herausforderungen.

Der deutsche Philosoph Richard David Precht hat sich in seinem Buch „Von der Pflicht “ mit dem Phänomen der Entsolidarisierung in der Gesellschaft beschäftigt. Ich stimme sonst mit vielen seiner Meinungen nicht überein, aber seine Feststellung, dass sich viele Menschen immer mehr als „Kunden“ des Staates aufführen, die mit Vehemenz ihre Rechte einfordern, aber von Pflichten und Rechenschaftspflicht nichts mehr hören wollen, entspricht 100%ig den Tatsachen. Das betrifft nicht nur den Staat, sondern es ist Ausdruck einer Haltung, deren Basis Egoismus ist und die ihr Unwesen in allen Lebensbereichen treibt.

Auch innerhalb der Kirche bleiben wir leider von diesem Phänomen nicht verschont. Sicher haben wir es nicht in dem Ausmaß, aber die Welt färbt ab.

Der wahre Charakter eines Menschen zeigt sich bekanntlich dann, wenn eigene Erwartungen nicht erfüllt werden (können oder sollten) und man mit Enttäuschung umgehen muss oder eben auch mit dem eigenen Stolz. Er zeigt sich auch in der Art und Weise wie jemand zu Selbstreflexion fähig ist.

Wie hat es Jesus Christus so schön gesagt:

„Richtet nicht, damit ihr nicht auch gerichtet werdet!
Denn mit demselben Gericht (oder: Urteil), mit dem ihr richtet, werdet ihr wieder gerichtet werden, und mit demselben Maße, mit dem ihr messt, wird euch wieder gemessen werden.
Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht wahrnimmst?
Oder wie darfst du zu deinem Bruder sagen: ‘Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen’? und dabei steckt der Balken in deinem Auge!
Du Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, dann magst du zusehen, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.“

(siehe Neues Testament, Matthäus 7:1-5)

Genauso tragisch ist es, dass durch unreflektierte Kritik, häufig aus nichtigen Gründen, zwischenmenschliche Beziehungen verdorben, Positionen verhärtet, Lösungen erschwert werden und die seelische Gesundheit der Beteiligten strapaziert wird.

Jesus Christus hat weiterhin gesagt:

„Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater sie auch euch vergeben;
wenn ihr sie aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.”

(siehe Neues Testament, Matthäus 6:14-15)

Die Missachtung dieser beiden Prinzipien ist nicht nachhaltig. Sie produziert unweigerlich Probleme und führt zur Eskalation von Konflikten, die im schlimmsten Fall nicht mehr zu beherrschen sind.

Es ist nicht leicht, sich an die Lehren des Evangeliums in ihrem vollen Umfang zu halten und sich dem Druck säkularer Doktrin nicht zu beugen, insbesondere dann nicht, wenn sie mit dem 13. Glaubensartikel nicht in Einklang zu bringen ist. Wir neigen manchmal zu einer selektiven Anwendung, je nach eigenen Vorlieben und verfehlen damit den Punkt, dass Gottes Plan der Erlösung ganzheitlich und mit ewigen Perspektiven ausgestattet ist.

„Wir glauben, dass es recht ist, ehrlich, treu, keusch, gütig und tugendhaft zu sein und allen Menschen Gutes zu tun;  ja, wir können sagen, dass wir der Ermahnung des Paulus folgen – wir glauben alles, wir hoffen alles, wir haben viel ertragen und hoffen, alles ertragen zu können. Wenn es etwas Tugendhaftes oder Liebenswertes gibt, wenn etwas guten Klang hat oder lobenswert ist, so trachten wir danach.“
(Köstliche Perle, 13. Glaubensartikel)

Vor 43 Jahren hat der an Leukämie verstorbene Apostel Neal A. Maxwell an der Brigham Young University eine Rede gehalten, die den Titel „Meeting the Challenges of Today“ oder auf gut deutsch „Die Herausforderungen von heute meistern“ trägt und die man getrost in Hinblick auf die thematisierten Herausforderungen als prophetisch bezeichnen kann. Ich bin durch einen Beitrag in sozialen Medien darauf aufmerksam geworden. Die komplette Rede findet sich hier:

https://speeches.byu.edu/talks/neal-a-maxwell/meeting-challenges-today/

Eine vollständige Übersetzung der Rede würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, aber einige Passagen möchte ich an dieser Stelle noch einfügen:

„Zur Jüngerschaft gehört auch eine gute Staatsbürgerschaft; und wenn Sie in diesem Zusammenhang die Erklärungen der modernen Propheten aufmerksam studieren, wird Ihnen aufgefallen sein, dass mit wenigen Ausnahmen – vor allem, wenn die Erste Präsidentschaft sich geäußert hat – die geäußerten Bedenken moralische Fragen betrafen, nicht Fragen zwischen politischen Parteien. In den Erklärungen geht es um Prinzipien, nicht um Personen, und um Ursachen, nicht um Kandidaten. …

Aber täuschen Sie sich nicht, Brüder und Schwestern; in den kommenden Monaten und Jahren werden die Ereignisse von jedem Mitglied verlangen, dass es sich entscheidet, ob es der Ersten Präsidentschaft folgen wird oder nicht. Für die Mitglieder wird es schwieriger werden, länger zwischen zwei Meinungen zu verharren (siehe 1. Könige 18:21).

Präsident Marion G. Romney sagte vor vielen Jahren, dass er „nie gezögert hat, dem Rat der Autoritäten der Kirche zu folgen, auch wenn er mein gesellschaftliches, berufliches oder politisches Leben durchkreuzte“ (CR, April 1941, S. 123). Das ist eine harte Lehre, aber es ist eine besonders wichtige Lehre in einer Gesellschaft, die immer verruchter wird. Kurz gesagt, Brüder und Schwestern, sich des Evangeliums Jesu Christi nicht zu schämen, schließt ein, sich der Propheten Jesu Christi nicht zu schämen. Wir treten jetzt in eine Zeit unglaublicher Ironien ein. Lassen Sie uns nur eine dieser Ironien anführen, die sich noch in ihren subtilen Stadien befindet: Wir werden in unserer Zeit ein maximales, wenn auch indirektes Bemühen sehen, die Irreligion als Staatsreligion zu etablieren. Es ist tatsächlich eine neue Form des Heidentums, die die sorgfältig bewahrten und kultivierten Freiheiten der westlichen Zivilisation benutzt, um die Freiheit einzuschränken, während sie die Wertessenz unseres reichen jüdisch-christlichen Erbes ablehnt. …

In Ihrer Nachfolge könnte die Zeit kommen, in der religiöse Überzeugungen stark abgewertet werden. Auch M. J. Sobran beobachtete: „Eine religiöse Überzeugung ist jetzt eine Überzeugung zweiter Klasse, von der erwartet wird, dass sie respektvoll hinten in den säkularen Bus einsteigt und sich nicht darüber aufregt“ (Human Life Review, Sommer 1978, S. 58). Dieser neue irreligiöse Imperialismus versucht, bestimmte Meinungen von Menschen zu verbieten, nur weil diese Meinungen aus religiösen Überzeugungen erwachsen. Widerstand gegen Abtreibung wird bald als primitiv angesehen werden. Die Sorge um die Institution der Familie wird als unmodern und unaufgeklärt angesehen. In ihrer mildesten Form wird die Irreligion lediglich herablassend gegenüber denjenigen sein, die an traditionellen jüdisch-christlichen Werten festhalten. In ihren härteren Formen wird die säkulare Kirche, wie immer bei denjenigen, deren Dogmatismus blind macht, alles tun, um den Einfluss derjenigen zu verringern, die sich immer noch um Normen wie die der Zehn Gebote sorgen. Es ist immer ein so leichter Schritt vom Dogmatismus zum unfairen Spiel – besonders dann, wenn die Dogmatiker glauben, es mit primitiven Menschen zu tun zu haben, die nicht wissen, was das Beste für sie ist. …

Wenn wir eine säkulare, von traditionellen und göttlichen Werten entblößte Kirche entstehen lassen, wo sollen wir dann in den Krisen von morgen Inspiration finden? Können wir uns auf die Richtigkeit einer bestimmten Regelung berufen, um uns in den Stunden der Not zu unterstützen? Werden wir in der Lage sein, Schutz unter einem Ersten Zusatzartikel zu suchen, der bis dahin vielleicht verdreht wurde, um Irreligion zu begünstigen? Werden wir uns zur Gegenwehr auf die Werteerziehung in Schulsystemen verlassen können, die zunehmend säkularisiert sind? Und wenn unsere Regierungen und Schulen uns im Stich lassen, werden wir dann auf die Institution der Familie zurückgreifen können, wenn so viele säkulare Bewegungen versuchen, sie zu zerschreddern? …

Es kann gut sein, dass in unserer Zeit, in der wir „Schande für seinen Namen erleiden“ (Apostelgeschichte 5,41), ein Teil dieser besonderen Betonung aus dem Teil der Nachfolge erwächst, der die Staatsbürgerschaft beinhaltet. Denken Sie daran, dass wir, wie Nephi und Jakob sagten, lernen müssen, „die Kreuze der Welt“ (2 Nephi 9:18) zu ertragen und doch „die Schande [derselben]“ (Jakob 1:8) zu verachten. Sich weiterhin an die eiserne Stange zu klammern, trotz des Spottes und der Verachtung, die uns von den Menschenmassen in jenem großen und geräumigen Gebäude entgegenströmen, das Vater Lehi gesehen hat und das der „Stolz der Welt“ ist, heißt, die Schandtaten der Welt nicht zu beachten (1 Nephi 8:26-27, 33; 11:35-36). Parenthetisch gefragt: Warum – wirklich warum – beobachten die Ungläubigen, die dieses geräumige Gebäude säumen, so aufmerksam, was die Gläubigen tun? Sicherlich gibt es für die Verächter andere Dinge zu tun – es sei denn, tief in ihrem scheinbaren Desinteresse steckt ein Interesse. …

Wenn die Herausforderung der säkularen Kirche sehr real wird, lasst uns, wie in allen anderen menschlichen Beziehungen, prinzipientreu, aber angenehm sein. Lasst uns scharfsinnig sein, ohne pompös zu sein. Lasst uns Integrität haben und nicht mit unserer Zunge Schecks ausstellen, die unser Verhalten nicht einlösen kann. …“
(Übersetzung mit deepl.com, Anpassungen vom Verfasser)

Es braucht etwas Ruhe und Harmonie, um sich in diese Dinge vertiefen zu können. Aber es lohnt sich.

Ostersonntag – Radiobotschaft

Zwischen den Generalkonferenz Sessionen hatte ich heute morgen wieder die Gelegenheit, das Wort zum Tage auf Deutschlandradio Kultur zu sprechen. Die Aufnahme in Berlin letzte Woche war eine schöne Erfahrung – vor allem wegen der überaus freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die ich beim Sender treffen durfte. Ein herzliches Dankeschön an die Regisseurin und allen, die sichtbar oder unsichtbar beteiligt waren.

Hier ist der Link zum Audio-Archiv des Senders für alle, die sonntags nicht so zeitig aufstehen mögen. Ihr habt bis 2038 Zeit, es euch anzuhören. 🙂

https://www.deutschlandfunkkultur.de/audio-archiv.517.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bsearchterm%5D=&drau%5Bfrom%5D=04.04.2021&drau%5Bto%5D=04.04.2021&drau%5Bbroadcast_id%5D=218

Für diejenigen, die lieber lesen, folgt hier der Text:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

eine der für mich ergreifendsten Szenen im Neuen Testament, ist die Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus Christus an jenem Ostersonntagmorgen vor fast 2000 Jahren. Immer wenn ich die Verse im Johannes Evangelium (siehe Kapitel 20) lese, stelle ich mir die unendliche Freude vor, die Maria erfasste, als sie Jesus, um den sie sehr getrauert hatte, schließlich erkannte. In diesem Moment verstand sie endlich genau, dass alles eingetroffen war, wovon er viele Male vorher gesprochen hatte.

Für mich persönlich sind die Ereignisse, derer wir zu Ostern gedenken, der Inbegriff einer Hoffnung und eines Glaubens, die mich durch viele Herausforderungen in meinem Leben getragen haben.

Zu Ostern wird sehr viel über die Kreuzigung Christi gesprochen. Es gibt unzählige Bücher und Filme, die sein Leiden darstellen. Es wird weniger über einen einsamen, aber sehr bedeutungsvollen Moment gesprochen – sein Gebet im Garten Gethsemane, kurz bevor man ihn gefangen nahm.

Im Lukas Evangelium lesen wir, was Jesus in dieser Stunde des geistigen Schmerzes im Gebet sagte: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. … Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ (siehe Lukas 22, Verse 42 und 44)

Wie groß muss das Leiden eines Menschen sein, aus dessen Poren Blut dringt?

Der Messias hat die Schrecken und Ungewissheiten des physischen Todes durch seine Auferstehung überwunden. Er hat außerdem auch die Last unserer Schwächen getragen, all unseren Kummer, unser Leid, unsere Krankheiten und alle Arten von Bedrängnis, die man als Sterblicher erleben kann. Es gibt keine Seelenqual, keine Betrübnis, die er nicht für uns durchlitten hätte.

Dies gibt uns vielleicht eine Vorstellung von den Dimensionen seines Opfers. Ich bin jedes Mal tief bewegt, wenn ich darüber nachdenke, wie unvorstellbar viel Liebe und Mitgefühl er aufgebracht haben muss, um uns Perspektiven voll von begründeter Hoffnung auf Heilung von Schmerzen, Leiden, Einsamkeit, Ungerechtigkeiten und Folgen von Fehlern über dieses Leben hinaus zu eröffnen.

Unabhängig davon, was jeder von uns im Detail glauben oder auch nicht glauben mag, so können wir jedoch alle aus diesem beispiellosen Akt der Liebe lernen, unsere Sinne mehr darauf zu richten, wie wir durch einfache Taten, die Leiden eines anderen Menschen verringern, Trost spenden und Hoffnungslosigkeit in Hoffnung verwandeln können.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest.

Bei der Vorbereitung auf die Botschaft haben mich ein Gemälde, das ich immer sehr gern im Freiberg Tempel anschaue und das Lied „Gloria“ aus Rob Gardner´s großartigem Oratorium „Lamb Of God“ beschäftigt und meine Gedanken beeinflusst.

Frohe Ostern und eine aufbauende Generalkonferenz.

Für alle, die Trost brauchen

Wenn das Leben um uns herum manchmal dunkel wird, ist es gut, wenn es etwas Licht gibt, dass die Finsternis ersetzen kann. Jeder von uns kennt Menschen, die in dieser Zeit auf irgendeine Weise körperlich oder seelisch leiden oder trauern.
Vor einigen Wochen haben wir als Instrumentalisten unserer Gemeinde beschlossen, trotz Corona, zwar räumlich getrennt aber dennoch gemeinsam, zu musizieren und etwas zu schaffen, das jemandem in seelischer Not, in Trauer, in Krankheit, Sorgen oder anderen Problemen, etwas Licht bringt. Wir hoffen, dass dies gelungen ist.

Für das Musikstück habe ich das Kirchenlied „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ gewählt, weil ich den Text sehr gut finde und die musikalische Umsetzung für uns Laienmusiker zu schaffen war.

Hier ist der Youtube Link:

Hier der Text:

  1. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
    welch Trost mir die Erkenntnis gibt!
    Er lebt, er lebt, der einst war tot;
    er lebt mein Helfer in der Not.
    Er lebt, er weiß was mir gebricht;
    er lebt, gibt meine Seele Licht.
    Er lebt, er lebt, stand auf vom Tod;
    er lebt, glorreich der Sohn von Gott.
  2. Er lebt und hilft mir jederzeit;
    er lebt, verschafft mir Seligkeit.
    Er stärket mich, wenn ich bin schwach; 
    er höret all mein Ungemach.
    Er lebt, ich fürchte mich nicht mehr;
    er lebt, der Gottessohn, mein Herr.
    Er lebt und liebt mich voller Huld;
    er lebt und hat mit mir Geduld.
  3. Er lebt, bewacht mich in Gefahr;
    er trocknet meiner Tränen Schar.
    Er lebt, und weil er lebt, ich sing;
    er lebt, des Königs Lob erkling.
    Er lebt, hat Leben mir gebracht;
    er lebt, der Tod hat keine Macht.
    Voll Freude meine Stimm erbebt:
    Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.
  4. Er lebt, der wahre Gottessohn;
    er lebt, all Ehre seinem Thron!
    Welch Trost mir die Erkenntnis gibt:
    Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!
    Er lebt, sein Name sei gelobt;
    er lebt, sein’ Lieb ist nun erprobt.
    Voll Freude meine Stimm erbebt:
    Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!

Wie haben wir das technisch gemacht?

Ich habe eine Master MP3 mit möglichst genauen Anweisungen und den Notensatz für jedes Instrument angefertigt und an jeden Musiker geschickt. Jeder hat für sich mit dem Master im Ohr die eigene Stimme eingespielt und ein Video z.B. mit dem Handy aufgenommen. Die Videoformate sollten gleich sein (wie z.B. in unserem Fall 16:9).

Ich habe dann die Videos mit einer Videobearbeitungssoftware (z.B. DaVinci Resolve – das geht ziemlich gut) bearbeitet und in ein Video eingefügt. Es war relativ aufwändig, die einzelnen Stimmen möglichst synchron zu bekommen und die Lautstärken abzustimmen. Resolve hat dafür aber gute Werkzeuge. Ich kenne mich zwar nur sehr fragmentarisch mit der Software aus, aber es gibt gute Tutorials auf Youtube. Man braucht halt etwas Geduld und natürlich ist alles nicht so perfekt, wie das Profis können.

In die Mitte habe ich einige Fotos eingefügt, die ich vor einigen Jahren bei einer Dienstreise nach Jerusalem auf dem Ölberg und am Gartengrab gemacht habe und die mich immer wieder bewegen.

Ich wünsche allen, denen es in diesen Zeiten nicht gut geht, den Trost, die Zuwendung und Hilfe, die Hoffnung und vor allem auch den Segen Gottes, die sie benötigen.

Zum 4. Advent

Zum Ausklang des 4. Advent möchte ich noch ein paar Gedanken posten.

Heute Morgen wurde im Deutschlandfunk Kultur ein Beitrag, den ich für unsere Kirche geschrieben habe, gesendet. Durch die hohen Corona Inzidenzwerte in meinem Heimatlandkreis Zwickau konnte ich diese Woche nicht selbst zur Aufnahme ins Studio nach Berlin fahren. Deshalb hat diese Aufgabe ein Sprecher des Senders übernommen, der das auch viel besser kann als ich.

Hier ist der Link zum Nachhören:

https://presse-de.kirchejesuchristi.org/artikel/deutschlandfunk-kultur-weihnachtsbotschaft-zum-nachhoeren

Einen Teil der Botschaft habe ich einem lieben Freund gewidmet, der vor kurzem verstorben ist und auf dessen Beerdigung ich die Trauerrede gehalten habe.

Der zweite Gedanke ist eine Fireside, die ich vergangenen Sonntag per Zoom für die jungen Erwachsenen unseres Pfahles abgehalten habe. Dabei ging es mir vor allem um Standhaftigkeit im Glauben und wie man verhindern kann, dass man leichtfertig Erkenntnisse und Glaubensgrundsätze mit ewiger Relevanz wegwirft oder gegen, zwar bequemere, aber dafür mit Bezug auf das ewige Leben, irrelevante Haltungen eintauscht.

Hier ist der Link zur Aufzeichnung der Fireside:

https://youtu.be/LwZsYHNjoMw

Den dritten Punkt habe ich bereits in einigen sozialen Medien geteilt. Es ist ein kleines musikalisches Projekt, das ich mit meiner Tochter Janey Habicht, sowie Karen Vogel aus meiner Heimatgemeinde und Elder Kobe Rowe, der in unserer Gemeinde als Missionar gedient und seine Mission inzwischen vollendet hat, durchgeführt habe. Ich war zwar in dem Quartett der älteste, aber mit meinen 1.5 Jahren Cellopraxis der bei weitem unerfahrenste Spieler. Es war aber eine sehr schöne Erfahrung, eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, obwohl wir durch Corona alle räumlich getrennt waren und nicht gemeinsam üben konnten. Nebenbei habe ich noch gelernt, wie man so ein Video zusammenbaut.

Hier ist ebenfalls der Youtube Link.

https://youtu.be/3zBEj2OdQGs

Viel Freude damit und frohe Weihnachten.

Standhaftigkeit Teil 1

Standhaftigkeit oder die Kraft haben, das Richtige zu wählen, wenn es schwierig ist.

Vorvergangenen Sonntag habe ich für die Jugendlichen unserer Gemeinde eine Online-Klasse über die erste Hälfte des Buches 3. Nephi im Buch Mormon gegeben. Ich finde diesen Teil der Heiligen Schriften überaus wichtig, um unsere Zeit besser zu verstehen. Es gibt so viele Analogien zu den Zuständen in der Welt, die wir gegenwärtig erleben bzw. in den kommenden Jahren noch erleben werden. Um diese Zusammenhänge zu erkennen, braucht es Demut in Herz und Sinn und die Bereitschaft, die Schriften auf sich selbst zu beziehen. Es braucht außerdem den bestätigenden Einfluss des Heiligen Geistes.

Vor einigen Monaten postete einer meiner Kontakte in LinkedIn diese Karikatur.

Über das Bild wurde in den Kommentaren lebhaft und kontrovers diskutiert. Mich hat es zu intensivem Nachdenken angeregt. Es mag sein und ist sehr verständlich, dass wir uns diesen Tsunamis, die stellvertretend für viele mächtige Einflüsse und Entwicklungen stehen, etwas hilflos ausgesetzt fühlen. Manche Menschen spielen die Gefahren herunter oder glauben, dass man ohne große Veränderungen irgendwie davonkommen wird. Andere behaupten, dass es gar keine ernstzunehmenden Gefahren gibt und machen deshalb weiter wie immer.

Der größte Teil der Menschheit beginnt aber zu begreifen, dass es dringend notwendig ist, in vielerlei Hinsicht, drastische Kursänderungen vorzunehmen, denn es wird nicht möglich sein, die Gesetze von Ursache und Wirkung außer Kraft zu setzen. Allerdings greift die Karikatur etwas zu kurz und berücksichtigt entscheidende Einflussfaktoren nicht. Über die möchte ich etwas mehr schreiben.

Irgendwer hat mir die nächste Karikatur geschickt, die symptomatisch für unsere Zeit ist. Ändern sollen sich vorzugsweise immer die Anderen.

Diese Einstellung ist logischerweise nicht nachhaltig und beim Umgang mit den Tsunamis nicht hilfreich.

Was lernen wir nun aus 3. Nephi?

In diesem Beitrag habe ich schon mal darüber geschrieben:

https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/

Im 2. Kapitel, Vers 1 und 3 lesen wir (heute ebenfalls innerhalb und außerhalb der Kirche zu erleben): „Und es begab sich: … und das Volk fing an, jene Zeichen und Wunder zu vergessen, die es gehört hatte, und staunte allmählich immer weniger über ein Zeichen oder ein Wunder vom Himmel, so sehr, dass es anfing, in seinem Herzen hart und in seinem Sinn verblendet zu werden, und allmählich alles nicht mehr glaubte, was es gehört und gesehen hatte … Und es begab sich: Das Volk wurde allmählich in Schlechtigkeit und Gräueltaten stark, und es glaubte nicht, dass noch weitere Zeichen oder Wunder gegeben werden würden; und der Satan ging umher und verleitete dem Volk das Herz und versuchte es und veranlasste es, große Schlechtigkeit im Land zu begehen.

Die Folge war eine große Spaltung und das Heranwachsen einer massiven Bedrohung der staatlichen Ordnung und Existenz durch das organisierte Verbrechen, so brachial wie ein Tsunami.

Warum verloren so viele Menschen den ehrlichen, praktizierten Glauben an Gott (keinen lippenbekennerischen „Pseudoglauben“), gaben wichtige Werte auf, fingen an, mit unsinnigen und unakzeptablen Haltungen zu sympathisieren, sie aktiv oder passiv zu unterstützen und stumpften in ihren Empfindungen so ab, dass viele schlussendlich zu entsetzlichen Gräueltaten fähig wurden?

Welche Brüche in einer ausgewogenen Beziehung zu Gott gab es und weshalb? Warum wurde diesen Leuten ein bewährtes Wertesystem lästig? Mit welchen Argumenten ließen sie sich polarisieren oder sind gegenüber gesellschaftlichem Druck eingeknickt.

Einen der möglichen Gründe hat es schon immer gegeben. Es hat mit der Perspektive und der Vorstellung vom Wesen Gottes zu tun. Wenn ich Gott als ein Wesen betrachte, dass entweder überflüssig oder möglichst kompatibel mit meinem Willen sein sollte, wird es über kurz oder lang zu Konflikten oder einem Bruch mit dem offenbarten Wort Gottes kommen bzw. mit denen, die es verkünden. Wenn die Perspektive nur bis zum Ende des Lebens reicht, braucht es eigentlich keinen Gott, Christus oder Propheten. Man muss ja nicht an Gott glauben oder kann sich einen bequemeren definieren, der immer mit variablem Zeitgeist und wechselnden Moralvorstellungen kompatibel ist.

Im Gegensatz dazu, und das ist meine Überzeugung, sprechen die Heiligen Schriften sehr klar von einem Gott, dessen buchstäbliche Geistkinder wir sind und dessen Streben darin besteht, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ (siehe Köstliche Perle, Moses 1:39), weil er uns auf eine Art und Weise liebt, die wir oft nur zum Teil erfassen und vor allem weil er eine vollständige Erkenntnis davon hat, was dazu notwendig ist. Als unser Vater und Schöpfer hat er mit Jesus Christus einen Erretter gesandt, durch dessen Sühnopfer einschließlich seiner Auferstehung der physische Tod aller Menschen überwunden wird und jedem von uns, die Möglichkeit offensteht, zum Vater zurückzukehren und an allen Segnungen und an dem Glück teilzuhaben, die Er bereit ist, mit uns zu teilen, wenn wir bereit sind, Ihm zu folgen. Er hat uns dazu Entscheidungsfreiheit gewährt, wodurch wir den Gesetzen von Ursache und Wirkung unterworfen sind. Dies ist essentiell für unsere Entwicklung über unser irdisches Leben hinaus.

Das ist eine völlig andere Perspektive und jeder wird verstehen, dass, je nachdem welche Perspektive man einnimmt, viele wichtige Lebensfragen anders beantwortet werden. Zum Beispiel: ob Werte, Moral und Wahrheit ewig sind oder jeweils nach den Bedürfnissen der Menschen geändert werden sollten. Oder: wer ist schuld am Ungemach, das in der Welt geschieht? Ist es ein nachlässiger oder grausamer Gott, der doch eingreifen müsste, wenn irgendwo etwas Schlimmes geschieht. Oder liegt es vielmehr an den Menschen selbst, denen Entscheidungsfreiheit und Verantwortung übertragen wurde, damit es überhaupt einmal Rechenschaftspflicht vor Gott und vollkommene Gerechtigkeit durch Ihn geben kann.

Das fatale an der Begebenheit ist, dass es die Menschen damals nicht geschafft haben, trotz ihrer unterschiedlichen Positionen vernünftig miteinander umzugehen, ohne dass es zu extremistischen Auswüchsen kommt. Die Konsequenzen waren, wie auch oft vorher und nachher in der Geschichte, furchtbar.

Als ihnen das Wasser schließlich bis zum Hals stand, mussten die Nephiten und Lamaniten, die ihre gesellschaftliche Ordnung nicht preisgeben wollten, ein Zweckbündnis eingehen. Wie wir später sehen werden, geschah das bei vielen offensichtlich nicht aus Überzeugung, sondern mehr aus einer Einsicht in die Notwendigkeit.

Dieses Bündnis erfüllte aber letztendlich seinen Zweck. Durch eine Besinnung auf gemeinsame Werte, Umkehr zu Gott und zumindest temporären Zusammenhalt wurden den organisierten Verbrechern die Existenzgrundlagen entzogen und der Tsunami trocken gelegt. Sie wurden militärisch vollständig besiegt.

Nach diesem Sieg gab es eine kurze Periode geistiger und materieller Prosperität im Einklang mit den Geboten Gottes – gewissermaßen ein positives Ursache-Wirkung-Beispiel.

3. Nephi 6:4 und 5:

Und abermals fingen sie an, zu gedeihen und groß zu werden; und das sechs- und das siebenundzwanzigste Jahr vergingen, und es gab große Ordnung im Land; und sie hatten ihre Gesetze mit Unparteilichkeit und Gerechtigkeit gestaltet.
Und nun gab es im ganzen Land nichts, was das Volk daran hinderte, sich beständigen Wohlergehens zu erfreuen, außer wenn es in Übertretung fallen würde.

Genau das geschah aber – in einem historisch extrem kurzem Zeitraum von einigen wenigen Jahren.

3. Nephi 6: 10-14:

Aber es begab sich: Im neunundzwanzigsten Jahr, da fingen einige Auseinandersetzungen unter dem Volk an; und einige wurden wegen ihres überaus großen Reichtums im Stolz und im Prahlen überheblich, ja, sogar bis zu großen Verfolgungen;
denn es gab viele Kaufleute im Land und auch viele Gesetzeskundige und viele Beamte.
Und das Volk fing an, sich nach Klassen zu unterscheiden, gemäß seinen Reichtümern und seinen Bildungsmöglichkeiten, ja, einige waren wegen ihrer Armut unwissend, und andere erhielten wegen ihres Reichtums viel Bildung.
Einige waren im Stolz überheblich, und andere waren überaus demütig; einige vergalten Schimpf mit Schimpf, während andere Schimpf und Verfolgung und allerart Bedrängnisse über sich ergehen ließen und sich nicht umwandten und ihrerseits schmähten, sondern demütig und reumütig vor Gott waren.
Und so entstand im ganzen Land eine große Ungleichheit, sodass die Kirche anfing auseinanderzubrechen, ja, sodass die Kirche im dreißigsten Jahr im ganzen Land auseinandergebrochen war, außer unter einigen der Lamaniten, die sich zum wahren Glauben bekehrten; und sie wollten nicht davon ablassen, denn sie waren fest und standhaft und unverrückbar und mit allem Eifer bereit, die Gebote des Herrn zu halten.

Einige Jahre vorher gab es einen Propheten mit Namen Samuel, der genau diese Zustände angeprangert und ernsthafte Warnungen über die Folgen ausgesprochen hatte. Er schilderte im Detail, was sich als Zeichen der Geburt und Kreuzigung Christi begeben würde. Seine Prophezeiungen wurden äußerst negativ aufgenommen, denn sie forderten zu Veränderungen eines sündhaften Lebenswandels auf. Es waren unliebsame Nachrichten, speziell die Ankündigung großer Katastrophen, die diejenigen treffen würde, die die Gebote Gottes missachten.

In Helaman 14:30 und 31 wird er wie folgt zitiert:

Und nun denkt daran, denkt daran, meine Brüder: Wer zugrunde geht, fügt sich das Zugrundegehen selbst zu, und wer Übles tut, der tut es sich selbst an; denn siehe, ihr seid frei; es ist euch gewährt, für euch selbst zu handeln; denn siehe, Gott hat euch die Erkenntnis gegeben, und er hat euch frei gemacht.
Er hat euch gegeben, Gut von Böse zu unterscheiden, und er hat euch gegeben, das Leben zu wählen oder den Tod; und ihr könnt Gutes tun und zu dem wiederhergestellt werden, was gut ist, oder dass euch das, was gut ist, wiederhergestellt wird; oder ihr könnt Böses tun und euch das, was böse ist, wiederherstellen lassen.

Zurück ins Jahr 30 – 33 n. Chr.: In 3. Nephi Kapitel 6 und 7 werden die Zustände beschrieben, nachdem die Kirche auseinandergebrochen war. Es gab nur wenige, die an das Kommen von Jesus Christus glaubten. Sie standen unter enormen Verfolgungsdruck. Propheten, die Samuels Prophezeiungen wiederholten, wurden umgebracht. Die Regierung war unfähig.

3. Nephi 7:6-8:

Und die Anordnungen der Regierung wurden zunichtegemacht wegen der geheimen Verbindung der Freunde und Verwandten derer, die die Propheten ermordeten.
Und sie verursachten einen großen Streit im Land, sodass beinah der ganze rechtschaffenere Teil des Volkes schlecht geworden war; ja, es gab unter ihm nur noch wenige rechtschaffene Männer.
Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.

In 3. Nephi 8:4 wird die Geisteshaltung der Mehrheit des Volkes zusammengefasst.

Und im Volk fingen große Zweifel und Auseinandersetzungen an, ungeachtet dessen, dass so viele Zeichen gegeben worden waren.

Diese Haltung sollte sich als großer Irrtum erweisen. Die Doktrin klassischer Antichristen im Buch Mormon wie Korihor (siehe Alma 30) und Scherem (siehe Jakob 7), wurde vollständig widerlegt. Beide waren zu ihrer jeweiligen Zeit anfangs sehr erfolgreich, denn es ist leicht, etwas zu attackieren oder zu relativieren, das Glaube, Disziplin und persönliche Rechtschaffenheit erfordert.

Zitat von Korihor aus Alma 30, Verse 13 – 18:

O ihr, die ihr durch eine törichte und vergebliche Hoffnung niedergebunden seid, warum unterjocht ihr euch solchen Torheiten? Warum schaut ihr nach einem Christus aus? Denn kein Mensch kann von irgendetwas wissen, was kommen soll.
Siehe, das, was ihr Prophezeiungen nennt, wovon ihr sagt, es sei von heiligen Propheten überliefert worden, siehe, das sind törichte Überlieferungen eurer Väter.
Wie wisst ihr, dass sie gewiss und wahr sind? Siehe, ihr könnt nicht von etwas wissen, was ihr nicht sehr; darum könnt ihr nicht wissen, dass es einen Christus geben wird.
Ihr schaut voraus und sagt, ihr seht eine Vergebung eurer Sünden. Aber siehe, das ist die Auswirkung eines wirren Sinnes; und diese Verwirrung eures Sinnes kommt von den Überlieferungen eurer Väter, die euch verführen, an etwas zu glauben, was nicht so ist.
Und noch viel Derartiges mehr sprach er zu ihnen; er sagte ihnen, dass kein Sühnopfer für die Sünden der Menschen vollbracht werden könne, sondern dass es jedermann in diesem Leben so ergehe, wie es dem Verhalten des Geschöpfes entspreche; darum gedeihe jeder Mensch, wie es seiner Begabung entspreche, und jeder Mensch gewinne, wie es seiner Kraft entspreche; und was auch immer jemand tue, sei kein Verbrechen.
Und so predigte er ihnen und verführte vielen das Herz; er veranlasste sie, in ihrer Schlechtigkeit das Haupt emporzuheben, ja, er verführte viele Frauen und auch Männer, Hurerei zu begehen – denn er sagte ihnen, wenn der Mensch tot sei, dann sei dies das Ende.

Auch heute sind diese Ansichten sehr populär und werden bereitwillig übernommen. Sie sind aber weder wahr noch nachhaltig, wie u.a. die Biografien von Scherem und Korihor beweisen. Lassen wir die Geschichte weiter für sich selbst sprechen. Sie zeigt, wie irrelevant diese Philosophien waren.

3. Nephi 8:5:

Und es begab sich: Im vierunddreißigsten Jahr, im ersten Monat, am vierten Tag des Monats, da erhob sich ein großer Sturm, wie man ihn im ganzen Land noch nie erlebt hatte.

In den folgenden Versen wird geschildert, wie sich die Prophezeiungen Samuels in allen Einzelheiten erfüllten – mit enormen Konsequenzen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung traf das unvorbereitete Land mit voller Wucht und enormer Zerstörungskraft.

Als die Natur nach drei Tagen wieder zur Ruhe gekommen war, hörte man die Überlebenden klagen (siehe 3. Nephi 8:23 – 25):

Und es begab sich: Es dauerte den Zeitraum von drei Tagen, dass kein Licht zu sehen war; und es gab unter dem ganzen Volk beständig großes Trauern und Heulen und Weinen; ja, groß war das Stöhnen der Menschen wegen der Finsternis und der großen Zerstörung, die über sie hereingebrochen war.
Und an einer Stelle hörte man sie schreien, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären, denn dann wären unsere Brüder verschont worden …
Und an anderer Stelle hörte man sie schreien und klagen, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären und nicht die Propheten umgebracht und gesteinigt und ausgestoßen hätten; dann wären unsere Mütter und unsere anmutigen Töchter und unsere Kinder verschont worden … Und so war das Heulen des Volkes groß und schrecklich.

Viele fragen: Wie konnte Gott das zulassen? Das bringt uns wieder zu der eingangs gestellten Frage zum Wesen und den Absichten Gottes. Ohne Zweifel könnte Gott, der allmächtig ist, jederzeit eingreifen. Es gibt aber einen Plan, der vor Grundlegung der Welt beschlossen wurde. Neben seinen einzigartigen Perspektiven für unsere Zukunft, gehören Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für unser Handeln zu seinen größten Errungenschaften. Das impliziert, dass wir nicht nur universell gültigen physikalischen sondern auch geistigen und moralischen Prinzipien und Gesetzen unterworfen sind, deren Befolgung oder Nichtbefolgung unweigerlich Auswirkungen auf uns haben werden – früher oder später – und die wir nicht nach Gutdünken außer Kraft setzen können. In diesem Licht sollten wir lesen, was Jesus Christus selbst erklärt hat. Siehe 3. Nephi 9:13 – 17:

O ihr alle, die ihr verschont seid, weil ihr rechtschaffener wart als sie, wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?
Ja, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr zu mir kommt, werdet ihr ewiges Leben haben. Siehe, mein Arm der Barmherzigkeit ist euch entgegengestreckt, und wer auch immer kommt, den werde ich empfangen; und gesegnet sind jene, die zu mir kommen.
Siehe, ich bin Jesus Christus, der Sohn Gottes. Ich habe die Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, erschaffen. Ich war von Anfang an beim Vater. Ich bin im Vater und der Vater in mir, und in mir hat der Vater seinen Namen verherrlicht.
Ich bin zu den Meinen gekommen, und die Meinen haben mich nicht empfangen. Und die Schriften über mein Kommen sind erfüllt.
Und all jenen, die mich empfangen haben, denen habe ich es gegeben, Söhne [und Töchter, Anm. vom Verfasser] Gottes zu werden; und so werde ich es auch all jenen, die an meinen Namen glauben werden, denn siehe, durch mich kommt die Erlösung, und in mir ist das Gesetz des Mose erfüllt.

Jesus spricht im Moment des größten Unglücks, das diesen Menschen zugestoßen ist, von Heilung und den Voraussetzungen dafür. Er spricht auch von Barmherzigkeit und wie sie mit der Gerechtigkeit zusammenwirkt. Wenig später erschien Jesus der Menge und gab Zeugnis von Seinem Sühnopfer (siehe 3. Nephi 11:10 – 11):

Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen.
Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten.

In der Folge wiederholte Jesus Christus die Lehren, die er bereits während seines irdischen Wirkens verkündet hatte. Auch darüber habe ich bereits gebloggt (siehe https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/).

Am Ende Seiner Bergpredigt weist Jesus darauf hin, wie wichtig es ist, Seine Worte ernst zu nehmen und zu befolgen, in dem er ganz klar auf das Prinzip von Ursache und Wirkung hinweist. Siehe 3. Nephi 14:24 – 27:

Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.

Wenden wir uns der Gegenwart zu. Wir erleben, dass das oben beschriebene Prinzip in allen Lebensbereichen weithin verletzt wird. Aus der IT kennen wir Hotfixes – schnelle Problembehebungen, die meist nicht gründlich getestet werden können oder durch fehlende Informationen, Analysen oder Erkenntnisse unvollständig bzw. fehlerhaft sind und daher sehr oft neue Probleme verursachen. Je besser ein Problem und seine Auswirkungen verstanden werden, umso größer ist die Chance, dass es nachhaltig gelöst werden kann.

Wir könnten Bände füllen mit den Problemen, die uns als Menschheit umgeben und die mehr als einen Hotfix benötigen. Dazu gehören unzählige politische, gesundheitliche und wirtschaftliche Themen, Umweltprobleme u.v.m. Viele erfahren signifikante mediale Aufmerksamkeit. Dem aufmerksamen Beobachter wird schnell klar, wie viel Unklarheit und Uneinigkeit in vielen Bereichen herrscht, wie denn nun nachhaltige Lösungen aussehen sollten und vor allem, wie sie implementiert werden könnten. Dies trifft insbesondere auch für gesellschaftliche und zwischenmenschliche Probleme zu. Sie erhalten vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit, besonders diejenigen, die sich nicht so gut für Schlagzeilen eignen, aber im Stillen viel größere Wirkungen entfalten, als z.B. manche Themen deren Vertreter besonders laut sind. Es wird heutzutage heftig mit Hotfixes mit globalen Dimensionen experimentiert, häufig ohne Kenntnis oder fundiertes Wissen, wie sie sich in 5, 10, 20, 50 oder 100 Jahren auswirken werden.

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben wir daran, dass Gott, im Unterschied zu uns Menschen, ganz genau weiß, wie sich menschliches Verhalten im kleinen, ja sogar persönlichen, als auch im großen Maßstab auswirkt. Sein Wille und Wort sind ausführlich und im Zusammenhang mit fortlaufender Offenbarung durch Propheten auch hinreichend klar dokumentiert. Er hat uns außerdem mit dem Heiligen Geist eine Person der Gottheit als Helfer zur Seite gestellt, die uns mit ihrem tröstenden und bestätigendem Einfluss Zeugnis von der Wahrheit geben kann, wenn wir uns um diesen Einfluss bemühen.

Wir glauben außerdem daran, dass durch die Missachtung der Gebote Gottes, egal in welchem Lebensbereich und in welchem Maßstab, Probleme geschaffen werden, deren Auswirkungen sich unweigerlich anhäufen werden und im schlimmsten Fall nicht mehr beherrscht werden können. Ich habe deshalb die Darstellung am Anfang dieses Beitrags um ein paar Punkte ergänzt.

Ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens sind die im Evangelium Jesu Christi enthaltenen Werkzeuge, mit denen Probleme zum positiven beeinflusst, gelöst und manchmal auch einfach nur ertragen werden können. So bedrohlich die dargestellten Tsunamis auch sein mögen – Gottes Plan der Erlösung gibt uns in seiner Vollständigkeit die Zuversicht, die erforderlich ist, um sich standhaft für das Gute und Richtige zu entscheiden – auch wenn es schwierig sein mag.

In Teil 2 werde ich näher auf meine Zeichnung eingehen und wie mir mein Glaube und das, was ich in vielen Jahren Engagement in meiner Kirche gelernt habe, helfen, den Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen. Ich werde auch darauf eingehen, weshalb ich ein Nachlassen im Glauben und in der Arbeit für die Kirche in diesen turbulenten Zeiten für genau den falschen Weg halte.

In Teil 3 werde ich darüber schreiben, wie ich mit konstruktiver und destruktiver Kritik am Glauben und an der Kirche, die mir wichtig und wertvoll ist, umgehe und wie man mit Gelassenheit, Güte und Stärke auf Spott, Missachtung von Dingen, die uns heilig sind, und andere Attacken reagieren kann.

Diesen Teil möchte ich mit einem Zitat von Russell M. Nelson, Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, schließen:

Heutzutage hört man oft von einem „neuen Normalzustand“. Wenn Sie einen neuen Normalzustand wirklich annehmen wollen, bitte ich Sie, Ihr Herz, Ihren Sinn und Ihre Seele zunehmend dem Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus zuzuwenden. Lassen Sie dies zu Ihrem neuen Normalzustand werden.
Nehmen Sie Ihren neuen Normalzustand an, indem Sie jeden Tag umkehren. Bemühen Sie sich darum, in Gedanken, Wort und Tat immer reiner zu werden. Dienen Sie anderen geistlich. Richten Sie Ihren Blick stets auf die Ewigkeit. Machen Sie Ihre Berufungen groß. Und leben Sie trotz aller Herausforderungen, meine lieben Brüder und Schwestern, jeden Tag so, dass Sie besser vorbereitet sind, vor Ihren Schöpfer zu treten.
“ (Präsident Russell M. Nelson, Generalkonferenz Oktober 2020)

Es ist nicht unnütz

Diese Schriftstelle aus dem Buch Mormon Curriculum für vergangene Woche, in der Jesus Christus selbst spricht, beschäftigt mich.

Ihr habt gesprochen: Es ist unnütz, Gott zu dienen, und was ist es für Gewinn, dass wir seine Verordnungen eingehalten haben und dass wir in Trauer gewandelt sind vor dem Herrn der Heerscharen?
Und nun nennen wir die Stolzen glücklich; ja, mit denen, die Übles tun, steht es wohl; ja, die Gott versuchen, sind sogar befreit.
Aber die den Herrn fürchteten, redeten oft miteinander, und der Herr hörte zu und vernahm; und vor ihm wurde ein Buch der Erinnerung geschrieben für die, die den Herrn fürchteten und die an seinen Namen dachten.
Und sie werden mein sein, spricht der Herr der Heerscharen, an dem Tag, da ich meine Juwelen herrichten werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen eigenen Sohn verschont, der ihm dient.
Dann werdet ihr zurückkehren und den Unterschied sehen zwischen dem Rechtschaffenen und dem Schlechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.
“ (3. Nephi 24:14-18)

Manchmal drängen uns gesellschaftliche Zwänge, unzählige andere Gründe oder einfach nur Gedankenlosigkeit förmlich in die Halbherzigkeit, wie das im Zitat des vor Jahren an Leukämie verstorbenen Apostels Neal A. Maxwell treffend ausgedrückt wird:

Wenn wir darüber nachdenken, dass uns von Jesus geboten wurde, wie er zu werden, erkennen wir, dass es gegenwärtig so um uns bestellt ist, dass wir nicht unbedingt schlecht, sondern eher halbherzig sind und Begeisterung für Seine Sache, die auch unsere Sache ist, sehr vermissen lassen. Wir preisen Ihn, aber nur selten eifern wir Ihm nach.
(Neal A. Maxwell, zitiert von Elder Scott D. Whiting zur Herbst-Generalkonferenz 2020)

Die Worte in 3. Nephi 24 geben uns gute Gründe, am Glauben festzuhalten und unsere Bemühungen, Gutes zu tun, eher noch zu verstärken.

Was mir Gemeindeleben bedeutet

Vor einigen Wochen unternahm ich eine 32 km lange Wanderung durch das Tal der Zwickauer Mulde (siehe Fotos). Als Teil einer meiner Kirchenberufungen hatte ich kürzlich den Artikel eines Bruders aus Österreich gelesen, der in der Regionalen Umschau im Oktober-Liahona erscheinen wird. Darin geht es um einen interessanten Gedanken, der eng mit Wallfahrten verknüpft ist – nämlich, mit den Füßen zu beten. Meine Wanderung war zwar keine Wallfahrt aber meine Absicht war, mich dem Himmlischen Vater in der Natur zu nähern, um Hilfe und Weisung in einigen Fragen zu erhalten, die mich zur Zeit stark beschäftigen.

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Interessanterweise fiel es mir aber schwer, mich auf meine persönlichen Sorgen zu konzentrieren. Meine Gedanken gingen immer wieder in andere Richtungen. Ich spürte das Wirken des Heiligen Geistes, aber anstatt über mein turbulentes berufliches Umfeld, das in den letzten Monaten sehr aufreibend war, und eventuell anstehende Entscheidungen nachzusinnen, entwickelten sich andere Gedanken. Einer davon war, mich doch auf meinen Patriarchalischen Segen zu verlassen und mir weniger Sorgen um meine Karriere zu machen.

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Mir kamen andere Fragen in den Sinn, wie z.B.:
Was bedeuten dir dein Glaube und deine Kirche?
Wie kannst du deiner Gemeinde helfen, in dieser Krise zusammen zu wachsen? Verstehst du ausreichend, warum das wichtig ist?
Was bedeuten dir deine Familie und deine Gemeinde?
Wie kannst du das, was du weißt und deine Erfahrungen, besonders die geistigen, mit mehr Menschen teilen und sie einladen, zu Christus zu kommen und den Plan der Erlösung kennen zu lernen?
Verstehst du, warum das wichtig ist?
Was bedeuten dir deine Mitmenschen – unabhängig von Aussehen, Herkunft, Orientierung usw.?
Was bedeuten dir das Sühnopfer von Jesus Christus und die Erneuerung deiner Bündnisse jeden Sonntag beim Abendmahl?Viele Fragen, die in der Gesellschaft scheinbar einen immer geringeren Stellenwert einnehmen. Dabei ist ihre Bedeutung enorm wichtig – zumindest für Menschen, die nicht daran glauben können, dass der Mensch ein Zufallsprodukt ist oder aus dem Nichts kommt und nach seinen Lebensjahren wieder im Nichts verschwindet.Vor kurzem habe ich ein Zitat des verstorbenen Apostels Richard G. Scott gelesen: „Do not become so absorbed with trivial things that you miss learning the doctrine and teachings of the Lord“ (also sinngemäß übersetzt: Sieh zu, dass weniger wichtige Dinge nicht so sehr Besitz von dir ergreifen, so dass du es verpasst, die Lehren des Herrn zu lernen.)Je tiefer ich zum Beispiel über grundlegende Elemente meines Glauben, wie zum Beispiel den Plan der Erlösung nachdenke, umso klarer wird mir, wie großartig, nachhaltig und vollendet dieser Plan ist. Er ist nicht nur ein Stückwerk von guten Ideen oder Konzepten. Er umfasst unsere gesamte ewige Existenz, beginnend von unserer Präexistenz, über dieses Leben bis hin zu unserem Leben nach dem Tod, das ewig währen wird. Wie wichtig müsste es normalerweise sein, sich immer wieder den Stellenwert klar zu machen, so viel wie möglich darüber zu lernen und dann Kurskorrekturen vorzunehmen, die sowohl für die Gegenwart als auch die Zukunft (ohne zeitliche Begrenzung) richtungsweisend sind.In diesem Lernprozess haben die Familie und die Kirchengemeinde eine große Bedeutung. Eine der negativsten Auswirkungen von Covid-19 sind die Einschränkungen für das Gemeindeleben, die gemeinsame wöchentliche Gottesverehrung mit Gleichgesinnten, das soziale Miteinander und die gegenseitige Bereicherung durch unsere Diversität, den Austausch von Gedanken und einfach auch die Freude, Menschen, die einem am Herzen liegen, zu treffen. Meine Frau und ich waren sehr froh, als es wieder möglich war, Gottesdienste zu besuchen – wenn auch weiterhin mit vielen Einschränkungen. Wir haben die Möglichkeit geschätzt, zu Hause das Abendmahl zu nehmen und gelegentlich andere Gemeindemitglieder, die dazu keine Gelegenheit hatten, daran teilhaben zu lassen.Seit dem es aber wieder möglich ist, besuchen wir unsere Gemeinde. Wir können dort unsere Zeit und Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinde stellen. Ich habe es vermisst, als Organist zu dienen und freue mich, das ich jetzt dadurch wieder den Besuchern helfen kann, den Heiligen Geist zu spüren und sich auf das Abendmahl einzustimmen. Wir genießen es, Gleichgesinnte zu treffen und gemeinsam Andacht in einem Haus des Herrn zu halten. Wir empfinden das als überaus stärkend. Wir sind komfortabel mit dem Hygienekonzept, das konsequent befolgt wird und viel sicherer ist, als wenn wir uns z.B. in Supermärkten, Restaurants, im Bekanntenkreis oder in der Firma aufhalten. Heute hatte ich die Aufgabe, das Abendmahl zu segnen. Die Anwesenheit war beachtlich und somit dauerte das Austeilen des Abendmahls einen großen Teil des Gottesdienstes. Eine sehr gute Zeit in Ruhe; eine wunderbare Gelegenheit zur Selbstreflexion und zum Nachsinnen über die Bedeutung des Sühnopfers von Jesus Christus, um ein besseres Verständnis davon zu erlangen und Schlussfolgerungen für den eigenen Lebenswandel zu ziehen. Von mir aus hätte es noch länger dauern können.Es ist gut, dass alle, die gesundheitliche oder andere Bedenken bezüglich Covid-19 haben, auch weiterhin per Zoom an den Gottesdiensten teilnehmen können. Das ist zu respektieren. Ich halte es aber für sehr wichtig, dass wir die Bedeutung der Gemeinde und damit der Gemeinschaft nicht aus den Augen verlieren. In einer Welt, die immer stärker divergiert und sich polarisiert, bleiben wir nicht von diesen Phänomenen verschont, obwohl wir es besser wissen sollten (wenn man z.B. aufmerksam das Buch Mormon liest, speziell zur Zeit das Buch Helaman, wo eindrucksvoll beschrieben wird, wohin ein solches Auseinanderdriften im Endeffekt führt). Viele Gemeinden können mehr bewirken, mehr Wärme, Geborgenheit und Geistigkeit ermöglichen, wenn ALLE, die dahin gehen, mit dem Wunsch kommen, sich den gesellschaftlichen Fliehkräften unter denen die Welt siecht, nicht nur zu entziehen, sondern im Gegenteil, wirksam dazu beitragen, das gegenseitiges Verständnis, Vergebungsbereitschaft und Nächstenliebe stetig wachsen, so dass individuelle Unterschiede in unseren Charakteren, Befindlichkeiten und Gewohnheiten, nicht die Verwerfungen bewirken können, die sie heute noch zu oft anrichten. Um es mit den Worten meines Bruders Heiko, der heute eine sehr gute Ansprache gegeben hat, auszudrücken: „Ich denke, es wird immer wichtiger, sich nicht über die Missstände um uns herum zu beklagen, sondern ihnen durch gutes Verhalten zu begegnen. Eine Möglichkeit, anderen zu helfen und dabei selbst zu wachsen, ist wirksamer als die meisten Belehrungen, die wir schnell parat haben.Der Herr hat uns ganz klar den Auftrag gegeben, anders zu sein. Sein Evangelium gibt uns dazu die Werkzeuge in die Hand. Das Ziel kann nicht sein, dass es lediglich ein paar weniger Auseinandersetzungen und etwas weniger „Griesgrämisierung“ und Polarisierung als in der Welt unter uns gibt. Wir haben so viel zu geben, besonders die Dinge, die in unserem gesellschaftlichen Umfeld immer rarer werden. Die Gemeinden der Kirche können in Zukunft noch viel mehr ein Zufluchtsort für alle Menschen werden, die nicht miteinander streiten oder sich gegenseitig bekämpfen, sondern etwas erfahren und fühlen wollen, das der Seele wirklich nachhaltige Nahrung beschert. Wie man das erreichen kann, ist keine komplizierte Wissenschaft. Es hat vielmehr etwas mit Herzenswünschen und Haltung zu tun.Gemeinden können auch noch ein viel besserer Ort sein, wo unsere Lasten leichter werden. Ich habe das so oft erfahren dürfen. Das heißt nicht, dass wir Belastungen wegreden oder uns ein bequemes Evangelium schaffen, in dem es vorwiegend nach Beliebigkeit geht. Das wird in der Welt bereits ausreichend angeboten, ist aber mit Sicherheit nicht nachhaltig. Wir haben es nicht nötig, einzuknicken, wenn unser Glaube und unsere Werte in Frage gestellt werden. Es geht vielmehr darum, unserem Leben und unseren Bemühungen einen tieferen Sinn zu geben und die Perspektiven, die Gott für uns bereithält, besser zu verstehen. Damit können wir die Kraft tanken, die wir brauchen, um die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen zu schultern und Probleme zu lösen. Schwierige zwischenmenschliche Beziehungen helfen dabei überhaupt nicht und machen Lasten oft viel schwerer, als sie eigentlich sind. Daher liegt es auf der Hand, dass die Funktion einer Gemeinde auch darin besteht, die Entwicklung wohltuender zwischenmenschlicher Beziehungen zu fördern. Das geschieht hauptsächlich durch unser eigenes Verhalten. Wir benötigen keinen Wettbewerb, wer am großartigsten ist oder am meisten im Vordergrund steht, sondern wir können unsere Energie getrost für mehr Demut und ungekünstelte Nächstenliebe verwenden.Meine Frau und ich sind dankbar für unsere Gemeinde und dass wir regelmäßig Gelegenheiten haben, einen Teil der guten Dinge, die wir empfangen, zurück zu geben. Vieles ist noch unvollkommen. Aber das macht nichts, so lange wir den Wunsch in uns tragen, Dinge zum Guten zu verändern und es auch tun.

Etwas mehr Tiefe

Letztes Wochenende habe ich mich gründlich mit dem ersten Teil von Mosia 2 im Buch Mormon beschäftigt. Esther und ich haben uns während unserer kleinen Heim-Abendmahlsversammlung darüber unterhalten. Im Leitfaden gab es ja gute Anregungen dazu. Sie meinte dann, dass ich wieder ein Video für meine Klasse machen sollte. Man sollte auf den Rat seiner Ehefrau hören. 🙂

Wir nehmen uns manchmal in der Kirche zu wenig Zeit, in die Tiefe von Schriftstellen zu schauen und wollen zu viel in einer Stunde besprechen. Oberflächlichkeit macht es aber schwerer, persönliche Bezüge zu finden, Zusammenhänge herzustellen und wichtige Wahrheiten auch zu fühlen.

Hier ist der Youtube Link: