Erster Advent

Die Weihnachtszeit wird sich dieses Jahr stark von den vergangenen Jahren unterscheiden. Natürlich könnten wir unsere Zeit damit verbringen, uns zu beklagen – über alles mögliche. Am Ende werden sich die Zustände nur nachhaltig verbessern, wenn Vernunft und Empathie die Oberhand über Rücksichtslosigkeit und Ignoranz gewinnen.

Als ich diese Woche auf einer Beerdigung gesprochen habe, habe ich versucht, die Trauergäste an eine andere Perspektive zu erinnern. Was haben Menschen erlebt, die z.B. vor ungefähr 100 Jahren geboren wurden? Der Verstorbene wurde 1934 geboren. Im Alter von 5 oder 6 Jahren war seine Kindheit mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges praktisch zu Ende. Ein normales Leben gab es nicht. Die Einschränkungen waren dramatisch. Nach dem Krieg herrschten Zerstörung und Hungersnot. Der Vater kam 1950 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Man muss es nicht weiter ausführen.

Mein eigener Vater wurde 1917 geboren. Da tobte noch der Erste Weltkrieg. Danach kamen neben der Not außerdem die Spanische Grippe Pandemie, politische Turbulenzen, Inflation, Weltwirtschaftskrise, das Unrechtsregime der Nazis und schließlich ein weiterer furchtbarer Krieg mit drastischen Auswirkungen. Manchmal sollte man sich wirklich mal in eine andere Zeit versetzen, versuchen zu verstehen und das, was wir erleben, passend einzuordnen.

Es ist so wichtig, dass wir bewusst Seelenbildung betreiben, damit unsere Gesellschaft menschlich weniger Schaden nimmt. Es braucht Momente, die Herzen berühren und das Gute in uns und unseren Glauben stärken. Ich denke, dass viel mehr Menschen glauben, als es zugeben.

Vor einigen Tagen bin ich auf Youtube auf das Video unten gestoßen. Vor knapp zwei Jahren habe ich schon einmal über diese berührende Geschichte geschrieben (https://thomashengst.com/2018/12/08/it-is-well-with-my-soul/). Ich finde aber, sie passt auch dieses Jahr sehr gut in die Adventszeit. Sie wird im Video noch etwas ausführlicher beschrieben. Mittlerweile habe ich auch die Noten für das großartige Arrangement von Mack Wilberg gefunden (Oxford University Press). Ich freue mich schon auf das Musizieren.

Ein Gedanke zu „Erster Advent“

  1. Mein Vater ist 1936 geboren und hat während des Krieges mehr im Bunker gesessen als auf der Schulbank, hungern und kaum Kleidung war bei den 8 Kindern in der Familie völlig normal. Deshalb spricht mir das was Du schreibst aus der Seele. Danke für vernünftige Worte und Gedanken.

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