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Zum 3. Oktober

Es kommt nicht oft vor, dass ich einen Artikel in den einschlägigen deutschen Online-Medien richtig gut finde. Aber dieser hier ist gut und lesenswert, nicht nur für uns, die wir alle diese Ereignisse miterlebt haben, sondern besonders auch für die junge Generation und alle, die ein distanziertes Verhältnis zur deutschen Einheit haben.

http://www.sueddeutsche.de/politik/tag-der-deutschen-einheit-der-ostdeutsche-sturm-auf-die-bastille-1.2156692

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edenktafel zwischen Elend und Braunlage im Harz

In dem Zusammenhang erinnere ich mich ein zwei Anekdoten aus meinem Leben.
Neben meinem Studium von 1984-1989 hatte ich einen Full-Time-Job in einem Anlagenbau-Betrieb. Ich habe dort sehr gern gearbeitet. Erstens war die Arbeit interessant und es gab viel Raum zu Kreativität und zweitens war die Atmosphäre für DDR-Verhältnisse sehr liberal. Ich hatte als Mormone und Nicht-FDJler eigentlich so gut wie keine Schwierigkeiten.
Eines Tages kam der SED-Parteisekretär zu mir und bat um ein Gespräch. Ich war etwas erstaunt und fragte mich, was er wohl will. Nach etwas umständlichem Small-Talk kam er zur Sache und sagte in etwas folgendes: „Thomas, wir sind mit deiner Arbeit hochzufrieden und wir verstehen, dass du aus Glaubensgründen niemals der Partei betreten wirst, aber könntest du eventuell drüber nachdenken, Mitglied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft zu werden? Da geht es doch um Freundschaft und dagegen kannst du doch nichts haben.“ Hatte ich eigentlich auch nicht. Deshalb habe ich nach einigem Nachdenken zugestimmt und wurde ein Mitglied der DSF. 🙂
Ungefähr ein halbes Jahr später, kam er wieder zu mir und verkündete, dass die Firma beschlossen hatte, meiner Frau und mir eine Reise mit dem Freundschaftszug nach Moskau und (damals noch) Leningrad zu schenken. Also sind wir im April 1988 dahin gefahren. Es war sehr interessant und wir lernten eine ganze Menge live über Glasnost und Perestroika. Am Ende der Tour schenkte ich unserer Dolmetscherin ein Buch Mormon, worüber sie sich über alle Maßen freute.

Ein zweites Erlebnis hatte ich Anfang 1989. Das einzigste Studienfach, das sich über alle fünf Jahre meines Studiums hinzog, war Marxismus-Leninismus. Unser Dozent war gleichzeitig der SED-Parteisekretär der Hochschule, ein durchaus interessanter Typ, schon etwas älter, den ich schwer einschätzen konnte. Ich hatte vorher in der Schule als Teenager einen Staatsbürgerkundelehrer, der mir Anfang der 9. oder 10. Klasse klipp und klar sagte, dass ich in seinem Fach aufgrund meiner Weltanschauung niemals die Note 1 erhalten könnte. Das hat er auch wahr gemacht. Der Dozent im Studium tickte anders. Das Fach an sich war intellektuell nicht sehr herausfordernd. Die meisten Studenten waren lediglich darauf bedacht, mit dem geringstmöglichen Aufwand durchzukommen. Wie gesagt, Anfang 1989 mussten wir eine Hausarbeit schreiben. Ich glaube, es ging um Weltfrieden. Ich beschloss, den Dozenten zu testen und füllte meine Hausarbeit mit Zitaten aus Bibel, Buch Mormon und dem Buch „Die Lehren des Propheten Joseph Smith“, selbstverständlich mit Quellenangaben. Es kam keine Reaktion, bis zum Tag der Abschlussprüfungen im Mai 1989. Da ich zwischen Note 1 und 2 stand, wurde ich zur mündlichen Prüfung bestellt. Der Dozent war der Prüfer. Nach dem Gespräch sagte er folgendes: „Normalerweise würde Ihre Leistung die Abschlussnote 2 rechtfertigen (er hatte ein paar Fragen gestellt, die tricky waren), aber aufgrund Ihrer Weltanschauung erteile ich Ihnen die Note 1.“ Und so war ich als aktiver Christ einer der wenigen, denen dieses Schicksal zuteil wurde. Nach mir war ein Kommilitone dran, der Mitglied der SED war. Den hat er mit Note 5 voll durchfallen lassen :D.

Wenige Monate danach fiel die Mauer und alles wurde anders. Ich bin unendlich dankbar, dass dies möglich wurde – durch viele mutige Menschen, die unvermeidliche Schwäche eines Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, wichtige Menschen, die zur richtigen Zeit an den richtigen Schalthebeln saßen und – als gläubiger Mensch bin ich davon überzeugt – durch eine gehörige Portion Einfluss von Gott.

Martin´s Cove

eine gute Freundin unserer Familie hat mir diese Woche den Link zu diesem Videoclip geschickt.

Die Geschichte der Mormonpioniere beschäftigt und beeindruckt mich sehr. Vor einigen Jahren waren wir in Martin´s Cove in Wyoming, einer Schlucht, in der sich 1856 eine große Tragödie ereignet hat, als die Mitglieder einer Handkarrenkompanie vom früh einbrechenden Winterstürmen gestoppt wurden. Viele kamen aufgrund von Kälte, Hunger und Entbehrung ums Leben. Bevor wir dort waren, hatte ich das Buch „The Price We Paid“ von Andrew D. Olson gelesen, das die Geschichte der Martin und Willie Handkarrenkompanien auf eindrucksvolle Weise nachzeichnet. Der Besuch in Martin´s Cove war dadurch für mich umso bewegender. Es ist eine heilige Stätte.

Leider gibt es nicht viel ausführliches Material in deutscher Sprache. In der Broschüre unsere Geschichte gibt es ein Kapitel:
http://www.lds.org/manual/our-heritage-a-brief-history-of-the-church-of-jesus-christ-of-latter-day-saints/chapter-six-faith-in-every-footstep?lang=deu

Im folgenden Link, http://history.lds.org/place/pioneer-story-martins-cove?lang=eng, wird Ephraim Hanks erwähnt. Letztes Jahr habe ich in Salt Lake City die DVD „Ephraims Rescue“ gekauft, in der Bruder Hanks porträtiert wird, unter anderem auch seine Rolle bei der Rettung dieser Handkarrenkompanien. Da ich viele Einzelheiten schon kannte, hat auch dieser Film mich stark bewegt.
Trailer „Ephraim´s Rescue“

Genauso wie vorher der Film „17 Miracles“
Trailer „17 Miracles“

Abschließend möchte ich noch ein paar Fotos anhängen, die ich in Martin´s Cove gemacht habe. Irgendwann werde ich etwas mehr darüber schreiben.

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The Story of the Dutch Potato Project

That We Might Be One – The Story of the Dutch Potato Project

Damit wir eins seien – Die Geschichte des niederländischen Kartoffelprojektes

http://history.lds.org/article/dutch-potatoes-video?lang=eng

Ein sehr bewegendes Video, vor allem wenn man, wie ich, Personen, die darin zu Wort kommen, persönlich kennt und der eigenen Familie vor 65 Jahren ebenfalls diese Hilfe zuteil wurde.
Danke meinem Freund Henry für die Info.

A very moving video. I know people who were interviewed, and my family belonged to the beneficiaries of this project 65 years ago.
Thanks to my friend Henry for sharing this with me.