Schlagwort-Archive: Geschichte

Jersusalem – was war, was ist und was sein wird

Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit, per Zoom den angekündigten Vortrag über interessante Aspekte aus 4000 Jahren Geschichte von Jerusalem zu halten.

Vielen Dank für das große Interesse. Mir ging es nicht darum, die Geschichte Jerusalems umfassend darzustellen, was in 90 Minuten unmöglich wäre und wofür es wesentlich qualifiziertere Personen gibt. Mir ging es primär darum, Denkanstöße zu geben und anhand der Schriften zu zeigen, wie auf beeindruckende und zuverlässige Weise über Jahrtausende prophetische Offenbarungen in Bezug auf Stadt und Bewohner zu tatsächlicher Geschichte geworden sind und wir davon ausgehen sollten, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Es wurde der Wunsch geäußert, dass ich die Präsentation, die ich zusammengestellt habe, teile, was ich hiermit tue.

Wer weitere Fragen oder Anfragen hat, kann mich gern kontaktieren. Für mich persönlich war die intensive Beschäftigung mit dem Thema eine sehr spannende und inspirierende Zeit, die meine Überzeugungen gestärkt hat.

Jerusalem Vortrag

Im September letzten Jahres wurde ich von der Frauenorganisation unseres Pfahles gebeten, einen Vortrag über die Geschichte Jerusalems zu halten. Das habe ich getan. Danach gab es verschiedene Anfragen, den Vortrag zu wiederholen.

Damit fange ich am Freitag, den 14.01.2022 um 19:00 mit einem Zoom-Vortrag für die Gemeinden Chemnitz und Hohenstein-Ernstthal an. Wir haben entschieden, aufgrund der gegenwärtigen Pandemiesituation keine Präsenzveranstaltung im Gemeindehaus durchzuführen sondern Zoom zu nutzen, wodurch auch Interessierte teilnehmen können, die nicht im Raum Chemnitz wohnen.

Ich lade alle Leserinnen und Leser, die sich für dieses spannende Thema interessieren, herzlich dazu ein.

Die Zugangsdaten sind im Bild oben zu finden. Es kann auch dieser Link genutzt werden:

https://us02web.zoom.us/j/87924533155?pwd=TjNTZEp1ZnhMU0Q1N1hhZ2lER3Vpdz09

Ich hoffe, dass im Verlauf des Jahres die anderen Anfragen auch wieder in Person verwirklicht werden können.

„Millions shall know Brother Joseph again“

Heute, am 23. Dezember, kam vor 216 Jahren im abgelegenen Sharon in Vermont Joseph Smith, der Prophet der Wiederherstellung und Begründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zur Welt. Ich bin diesem Mann unendlich dankbar für seine Lebensleistung und dem daraus resultierenden Einfluss auf mein eigenes Leben. Durch ihn habe ich eine klare Vorstellung vom Wesen Gottes, die für mich perfekten Sinn macht. Ich verstehe die Bedeutung von Jesus Christus und seine Beziehung sowohl zum Vater als auch zu uns Menschen viel besser. Durch ihn weiß ich, dass es, basierend auf dem Evangelium Jesu Christi, einen ewigen Plan der Erlösung gibt, dessen Tiefe, Vollständigkeit, Nachhaltigkeit und Perspektiven durch nichts, was ich bisher kennengelernt habe, auch nur annähernd erreicht werden konnte. Er wurde berufen, den Prozess der Wiederherstellung der Fülle des Evangeliums einzuleiten und Grundlagen zu schaffen, auf denen Generationen von Kirchenführern und Mitgliedern aufbauen konnten und es noch immer tun, da die Wiederherstellung kein einmaliges Ereignis sondern ein Prozess ist. Ihm verdanke ich, dass ich das Buch Mormon lesen kann, eines der wichtigsten Bücher überhaupt.
Seine Unvollkommenheiten machen ihn für mich menschlich und nahbar. Ich warte auf den Tag nach diesem Leben, an dem ich ihm begegnen und danken kann. Ich werde auch viele Fragen haben. Die Antworten, sofern ich sie nicht schon in diesem Leben durch sorgfältige intellektuelle und geistige Arbeit finde, werden – da bin ich mir sicher – mein Verständnis erweitern. Das geschieht für mich bereits seit vielen Jahren.

Einer seiner Weggefährten, William W. Phelps, dessen Lebensgeschichte und -werk eine eingehende Betrachtung verdienen und der eine sehr wechselvolle Beziehung zu Joseph Smith hatte, schrieb kurz nach der Ermordung von Joseph Smith am 27. Juni 1844 den Text eines Kirchenliedes, das weit oben in meinen Hymn Charts steht.

„Praise To The Man“ oder auf Deutsch „Preiset den Mann“ ist nicht nur Tribut an Joseph Smith, sondern auch Ausdruck bemerkenswerter Sinnes- und Herzenswandlungen, die William W. Phelps an sich vollzogen hat, nach dem er erkannte, dass er sich in einigen Dingen geirrt hatte.

In der letzten Strophe des Liedes gibt es eine Textzeile mit den Worten: „Millions shall know Brother Joseph again“. Diese Zeile berührt mich jedes Mal, wenn ich das Lied anhöre oder selbst spiele. Leider gibt die deutsche Übersetzung in unserem Gesangbuch diese Worte nicht wieder.

Millionen werden Bruder Joseph wieder kennen – genau das wird, so glaube ich, geschehen. Ähnlich wie für William W. Phelps wird für viele, die ihn aus den unterschiedlichsten Gründen abgelehnt oder verworfen haben, die Zeit kommen, wenn ihnen ihre Irrtümer bewusst werden.

Bruder Joseph hat William freimütig vergeben. Bekannt ist der Briefwechsel zwischen beiden, als William in die Kirche zurückkehrte:

“In late 1838, William W. Phelps, who had been a trusted Church member, was among those who bore false testimony against the Prophet and other Church leaders, leading to their imprisonment in Missouri. In June 1840,
Brother Phelps wrote to Joseph Smith, pleading for forgiveness”

(Teachings of Presidents of the Church: Joseph Smith [2007], 396).

„Ende 1838 gehörte William W. Phelps, der ein vertrauenswürdiges Mitglied der Kirche gewesen war, zu denjenigen, die falsches Zeugnis gegen den Propheten und andere Kirchenführer abgelegt hatten, was zu deren Inhaftierung in Missouri führte. Im Juni 1840,
schrieb Bruder Phelps an Joseph Smith und bat ihn um Vergebung.“

“Brother Joseph[,]
. . . I am as the prodigal Son . . . : I have been greatly abased and humbled. . . . I know my situation, you know it, and God knows it, and I want to be saved if my friends will help me. . . . I have done wrong and I am Sorry. The beam is in my own eye.
. . . I ask forgiveness in the name of Jesus Christ of all the saints[,] for . . . I want your fellowship”

(in The Joseph Smith Papers, Documents, Volume 7: September 1839–January 1841, ed. Matthew C. Godfrey and others [2018], 304–5).

„Bruder Joseph[,]
. . . Ich bin wie der verlorene Sohn: Ich bin sehr erniedrigt und gedemütigt worden. . . . Ich kenne meine Lage, du kennst sie, und Gott kennt sie, und ich will gerettet werden, wenn meine Freunde mir helfen. . . Ich habe Unrecht getan und es tut mir leid. Der Balken ist in meinem eigenen Auge.
. . . Ich bitte um Vergebung im Namen Jesu Christi aller Heiligen[,] denn . . . Ich möchte deine Gemeinschaft“

The Prophet Joseph Smith replied in a letter to William W. Phelps:
“It is true, that we have suffered much in consequence of your behavior—the cup of gall, already full enough for mortals to drink, was indeed filled to overflowing when you turned against us. . . .
However, the cup has been drunk, the will of our Father has been done, and we are yet alive. . . .
Believing your confession to be real, and your repentance genuine, I shall be happy once again to give you the right hand of fellowship, and rejoice over the returning prodigal.
Your letter was read to the Saints last Sunday, and . . . it was unanimously resolved, that W. W. Phelps should be received into fellowship.
‘Come on, dear brother, since the war is past,
For friends at first, are friends again at last’”

(Teachings of Presidents of the Church: Joseph Smith [2007], 398).

Der Prophet Joseph Smith antwortete in einem Brief an William W. Phelps:
„Es ist wahr, dass wir infolge deines Verhaltens viel gelitten haben – der Kelch der Galle, der für die Sterblichen schon voll genug war, um ihn zu trinken, wurde tatsächlich bis zum Überlaufen gefüllt, als du dich gegen uns gewandt hast. . . .
Doch der Kelch ist ausgetrunken, der Wille unseres Vaters wurde erfüllt, und wir leben noch. . . .
Da ich davon überzeugt bin, dass dein Bekenntnis echt und deine Reue aufrichtig ist, freue ich mich, dir noch einmal die rechte Hand der Gemeinschaft zu reichen und mich über den zurückgekehrten verlorenen Sohn zu freuen.
Dein Brief wurde den Heiligen letzten Sonntag vorgelesen, und … es wurde einstimmig beschlossen, dass W. W. Phelps in die Gemeinschaft aufgenommen werden soll.
Komm, lieber Bruder, denn der Krieg ist vorbei,
Denn die zuerst Freunde waren, sind endlich wieder Freunde.'“

Vor einigen Wochen habe ich das Buch „Real vs. Rumor“ des Historikers Keith A. Erekson gelesen – eine lohnenswerte Lektüre für alle, die durch kirchengeschichtliche Ereignisse irritiert oder unsicher sind, wie man sich ausgewogen mit Geschichte beschäftigen sollte, ohne häufigen Fehlern wie Präsentismus, Problemen mit korrekter Herstellung von Kontexten oder nachlässiger Prüfung von Quellen zu verfallen. Es gibt Anregungen, wie man vorurteilsfreie und sorgfältige intellektuelle Arbeit leisten kann, um Antworten auf kritische Fragen besonders auch zu Joseph Smith zu finden. Am Ende dieses Artikels habe ich eine Liste von Fragen angefügt, die in dem Buch empfohlen werden, mit deren Hilfe man bessere intellektuelle Arbeit leisten wird. Selbstverständlichkeit decken diese Fragen nur einen gewissen Teil der erforderlichen Arbeit ab. Sie sind aber ein guter Anfang. In der Folge muss man sich auch dem Thema stellen, nach welchen Kriterien man Schlussfolgerungen trifft. Die Geschichte von Joseph Smith ist ein gutes Beispiel dafür.

Wenn man diese intellektuelle Arbeit noch mit geistiger Arbeit verbindet (worüber ich in meinem kürzlich veröffentlichten Post „Weitsicht“ geschrieben habe) oder noch besser dieser die Priorität gibt, verringert sich der intellektuelle Aufwand, denn der Heilige Geist fängt an, wieder Zeugnis zu geben – ein unverzichtbarer Bestandteil der Interpretation religiöser Geschichte. Dazu gehört auch die Ehrlichkeit eines William W. Phelps oder nach heutiger Lesart, die Einsicht, seine eigenen Motive und Widersprüche zu Glaubensprinzipien selbstkritisch zu hinterfragen.

Der 23. Dezember ist für mich ein wichtiger Tag, denn
Millions shall know Brother Joseph again.

Fragen bei der Beschäftigung mit Geschichte, besonders glaubensbezogener Kirchengeschichte:

  1. Überblick über die Situation

    Stellen Sie Fragen, bevor Sie lesen. Möglicherweise können Sie nicht alle Fragen im Voraus beantworten, aber wenn Sie sich die Fragen einprägen, können Sie den Inhalt, die Zusammenhänge und die Bedeutungen erforschen.

    Wann und wo wurde die Quelle, die Geschichte oder die Studie verfasst?
    Steht sie im Zusammenhang mit einem bestimmten Ereignis, z. B. einem Treffen oder einer Veranstaltung?
    Wer war der Autor oder Schöpfer?
    Was können Sie über den Hintergrund und die Perspektive des Autors herausfinden?
    Berücksichtigen Sie Alter, Geschlecht, Rasse, Bildung, soziale Stellung, Zugehörigkeit, Werte, Motive und Vorurteile des Autors.
    Wer war die Zielgruppe des Autors?
    Gehört der Autor zum Publikum, ist er ein Gegner des Publikums oder steht er in einer anderen Beziehung zum Publikum?
    Warum hat der Autor diese Quelle, Geschichte oder Studie verfasst?
    Wer profitiert von der Existenz dieser Quelle oder Geschichte?
    Handelt es sich um ein Stück der Vergangenheit, das als Quelle in der Gegenwart weiterlebt?
    Handelt es sich um eine Geschichte, die von jemandem erzählt wird, der die Ereignisse miterlebt hat oder später dazukam?
    Handelt es sich um eine Studie, die frühere Quellen und Geschichten berücksichtigt?
  1. Analysieren Sie den Inhalt
    Lesen Sie genau und stellen Sie Fragen zum Inhalt.
    Welche Personen, Ereignisse, Themen, Zeiten, Orte, Illustrationen, Bilder oder Metaphern werden behandelt?
    Wer oder was fehlt oder wird in dieser Quelle oder Geschichte vergessen?
    Wie wurde die Geschichte vereinfacht? Was wurde im Laufe der Zeit hinzugefügt oder übertrieben?
    Was wird verschwiegen, unausgesprochen, angedeutet oder unbeantwortet gelassen?
    Was wird zuerst erzählt, und was wird bis zum Schluss aufgeschoben?
    Ist der Autor mit einer Stimme und einem Zeugnis sichtbar oder versteckt er sich hinter passiven Verben?
    Ist der Autor aufrichtig und objektiv, sanft und flehend, ungeduldig und fordernd, herablassend oder schrill und missbilligend?
    Was ist der Hauptgedanke, die Position oder die Interpretation?
    Was wird gefragt, behauptet, umgedeutet, verteidigt oder in Frage gestellt?
    Ignoriert der Autor zusätzliche Fragen oder nimmt er mögliche Gegenbehauptungen vorweg?
    Welche Beweise legt der Autor vor, um seine Behauptungen zu untermauern?
    Wurden die Beweise beobachtet (aus erster Hand), gehört (aus zweiter Hand) oder hergeleitet?
    Sind die Quellen echt (authentisch), korrekt (genau) und vollständig (umfassend)?
    Geht der Autor auf die Beschränkungen oder Unstimmigkeiten der verfügbaren Quellen ein?
    Wie hat der Autor die Quellen ausgewählt, und hätten auch andere Quellen in Betracht gezogen werden sollen?
    Gibt der Autor die Quellen so an, dass Sie sie auffinden und auswerten können?
    Wie stellt sich der Autor die Welt, die Menschen, die Kultur, die Vergangenheit oder das Gute vor?
    Geht der Autor davon aus, dass er mit den Lesern dieselbe Sprache und Kultur teilt?
    Wie prägen die Annahmen und Werte den Zweck und die Argumentation?
    Folgt die konkrete Geschichte einem allgemeineren Drehbuch?
    Sind die Figuren der Geschichte Opfer, Schurken oder hilflos?
    Evoziert die Geschichte größere Erzählungen über Amerika, Fortschritt oder Kulturkriege?
    Verfügt das Werk über Zitate, Abbildungen, Karten oder einen Index?
    Erfordert die Quelle die Verwendung einer anderen Sprache oder Technologie?
    Enthält die Quelle bemerkenswerte physische Merkmale, wie Handschrift, Siegel, Anmerkungen oder offizielle Stempel?
  1. Mit Kontexten verbinden
    Stellen Sie Fragen, die die Quelle mit anderen Dingen in Verbindung bringen, die vor, während und nach ihrer Entstehung geschehen sind.
    Handelt es sich um eine Quelle, eine Geschichte oder eine Studie?
    Wann und wo wurde sie erstellt?
    Mit welcher Absicht wendet sich der Autor an dieses Publikum?
    Welche anderen spezifischen Ereignisse fanden zur gleichen Zeit statt, z. B. Kriege, politische Bewegungen oder Wirtschaftskrisen?
    Welche langfristigen gesellschaftlichen, kulturellen, politischen oder demografischen Trends waren im Gange?
    Was geschah in dieser Zeit an ähnlichen Orten, z. B. in anderen ähnlichen Häusern oder Gemeinschaften?
    Wie antwortet diese Quelle auf Fragen, stellt Fragen oder fügt sich in laufende Gespräche zwischen Autoren ein?
    Verwendet die Quelle Metaphern, Symbole oder Schriften, die bereits von anderen Autoren verwendet wurden?
    Wie steht sie im Vergleich zu anderen Beispielen für diese Art von Geschichte?
    Wie wurde die Quelle zu ihrer Zeit oder seitdem produziert oder verbreitet?
    Wo hat sie sich befunden, seit der Autor sie geschaffen hat? (Provenienz)
    Existiert sie in verschiedenen Versionen, z. B. als Auszüge, Kopien, Abschriften oder Übersetzungen?
    Enthält es Informationen, die aufgrund von Datenschutzrechten, Urheberrechten oder Gesetzen und Vorschriften respektiert werden sollten?
    Enthält es Informationen, die aus kulturellen oder religiösen Gründen respektiert werden sollten?
    Wie fügt sich die Quelle, Geschichte oder Studie in das Leben und das Gesamtwerk ihres Schöpfers ein?
    Bietet diese Quelle einen Einblick in die Gefühle oder Erfahrungen des Autors zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens?
    Haben sich die Ansichten des Autors im Laufe der Zeit geändert?
    Wie passt es in den Plan der Erlösung?
    Wie passt es in das Evangelium von Jesus Christus?
  1. Bedeutungen bewerten
    Stellen Sie nach dem Lesen bewertende Fragen.

    Grundlegende Bewertung:
    Was ist geschehen? (Beschreibung)
    Was haben sie gedacht? (Interpretation)
    Warum damals und heute? (Erläuterung)
    Was denken wir darüber? (Wertung)

    Kriterien für die Bewertung:
    Können die Informationen aus anderen Quellen verglichen, überprüft, bestätigt oder trianguliert werden? (Korrektheit)
    Wurde sie in der Vergangenheit von der Person erstellt, die behauptet, sie erstellt zu haben? (Authentizität)
    Sind die Informationen konsistent und vertrauenswürdig? (Verlässlichkeit)
    Berücksichtigt sie alle relevanten Informationen nach Treu und Glauben, ohne Verzerrung und unter Berücksichtigung der Interessen der Betroffenen? (Fairness)
    Ist sie breit genug, um alle Standpunkte zu berücksichtigen, tief genug, um komplexe Sachverhalte zu berücksichtigen, und gründlich bei der Überprüfung früherer Quellen und Berichte? (Umfassend)

    Historische Bedeutung:
    Was waren die unmittelbaren Veränderungen, Entwicklungen oder Folgen der Quelle oder Geschichte?
    Waren die Veränderungen weitreichend oder die Auswirkungen langfristig, oder wurden Präzedenzfälle für zukünftige Handlungen oder Interpretationen geschaffen?
    Hielten die Menschen zu jener Zeit die Quelle für wichtig, oder wurde ihre Bedeutung erst im Laufe der Zeit deutlich?

    Verwendbare Signifikanz:
    Können wir sie nutzen, um die Vergangenheit zu dokumentieren, zu beschreiben oder zu erhellen?
    Was bedeutet die Quelle aus heutiger Sicht, warum ist sie wichtig, wie kann sie genutzt oder angewendet werden, und hat sie einen Bezug zu aktuellen Ereignissen oder Trends?
    Können Elemente aus der Vergangenheit als Rahmen für aktuelle Aktivitäten verwendet werden? (Analogie) Persönliche Bedeutung Ist der Autor oder Schöpfer Ihr Vorfahre?
    Inwiefern ist es für Sie in der Gegenwart relevant oder anwendbar?“

Zum 3. Oktober

Es kommt nicht oft vor, dass ich einen Artikel in den einschlägigen deutschen Online-Medien richtig gut finde. Aber dieser hier ist gut und lesenswert, nicht nur für uns, die wir alle diese Ereignisse miterlebt haben, sondern besonders auch für die junge Generation und alle, die ein distanziertes Verhältnis zur deutschen Einheit haben.

http://www.sueddeutsche.de/politik/tag-der-deutschen-einheit-der-ostdeutsche-sturm-auf-die-bastille-1.2156692

20140906_092636
G
edenktafel zwischen Elend und Braunlage im Harz

In dem Zusammenhang erinnere ich mich ein zwei Anekdoten aus meinem Leben.
Neben meinem Studium von 1984-1989 hatte ich einen Full-Time-Job in einem Anlagenbau-Betrieb. Ich habe dort sehr gern gearbeitet. Erstens war die Arbeit interessant und es gab viel Raum zu Kreativität und zweitens war die Atmosphäre für DDR-Verhältnisse sehr liberal. Ich hatte als Mormone und Nicht-FDJler eigentlich so gut wie keine Schwierigkeiten.
Eines Tages kam der SED-Parteisekretär zu mir und bat um ein Gespräch. Ich war etwas erstaunt und fragte mich, was er wohl will. Nach etwas umständlichem Small-Talk kam er zur Sache und sagte in etwas folgendes: „Thomas, wir sind mit deiner Arbeit hochzufrieden und wir verstehen, dass du aus Glaubensgründen niemals der Partei betreten wirst, aber könntest du eventuell drüber nachdenken, Mitglied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft zu werden? Da geht es doch um Freundschaft und dagegen kannst du doch nichts haben.“ Hatte ich eigentlich auch nicht. Deshalb habe ich nach einigem Nachdenken zugestimmt und wurde ein Mitglied der DSF. 🙂
Ungefähr ein halbes Jahr später, kam er wieder zu mir und verkündete, dass die Firma beschlossen hatte, meiner Frau und mir eine Reise mit dem Freundschaftszug nach Moskau und (damals noch) Leningrad zu schenken. Also sind wir im April 1988 dahin gefahren. Es war sehr interessant und wir lernten eine ganze Menge live über Glasnost und Perestroika. Am Ende der Tour schenkte ich unserer Dolmetscherin ein Buch Mormon, worüber sie sich über alle Maßen freute.

Ein zweites Erlebnis hatte ich Anfang 1989. Das einzigste Studienfach, das sich über alle fünf Jahre meines Studiums hinzog, war Marxismus-Leninismus. Unser Dozent war gleichzeitig der SED-Parteisekretär der Hochschule, ein durchaus interessanter Typ, schon etwas älter, den ich schwer einschätzen konnte. Ich hatte vorher in der Schule als Teenager einen Staatsbürgerkundelehrer, der mir Anfang der 9. oder 10. Klasse klipp und klar sagte, dass ich in seinem Fach aufgrund meiner Weltanschauung niemals die Note 1 erhalten könnte. Das hat er auch wahr gemacht. Der Dozent im Studium tickte anders. Das Fach an sich war intellektuell nicht sehr herausfordernd. Die meisten Studenten waren lediglich darauf bedacht, mit dem geringstmöglichen Aufwand durchzukommen. Wie gesagt, Anfang 1989 mussten wir eine Hausarbeit schreiben. Ich glaube, es ging um Weltfrieden. Ich beschloss, den Dozenten zu testen und füllte meine Hausarbeit mit Zitaten aus Bibel, Buch Mormon und dem Buch „Die Lehren des Propheten Joseph Smith“, selbstverständlich mit Quellenangaben. Es kam keine Reaktion, bis zum Tag der Abschlussprüfungen im Mai 1989. Da ich zwischen Note 1 und 2 stand, wurde ich zur mündlichen Prüfung bestellt. Der Dozent war der Prüfer. Nach dem Gespräch sagte er folgendes: „Normalerweise würde Ihre Leistung die Abschlussnote 2 rechtfertigen (er hatte ein paar Fragen gestellt, die tricky waren), aber aufgrund Ihrer Weltanschauung erteile ich Ihnen die Note 1.“ Und so war ich als aktiver Christ einer der wenigen, denen dieses Schicksal zuteil wurde. Nach mir war ein Kommilitone dran, der Mitglied der SED war. Den hat er mit Note 5 voll durchfallen lassen :D.

Wenige Monate danach fiel die Mauer und alles wurde anders. Ich bin unendlich dankbar, dass dies möglich wurde – durch viele mutige Menschen, die unvermeidliche Schwäche eines Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, wichtige Menschen, die zur richtigen Zeit an den richtigen Schalthebeln saßen und – als gläubiger Mensch bin ich davon überzeugt – durch eine gehörige Portion Einfluss von Gott.

Martin´s Cove

eine gute Freundin unserer Familie hat mir diese Woche den Link zu diesem Videoclip geschickt.

Die Geschichte der Mormonpioniere beschäftigt und beeindruckt mich sehr. Vor einigen Jahren waren wir in Martin´s Cove in Wyoming, einer Schlucht, in der sich 1856 eine große Tragödie ereignet hat, als die Mitglieder einer Handkarrenkompanie vom früh einbrechenden Winterstürmen gestoppt wurden. Viele kamen aufgrund von Kälte, Hunger und Entbehrung ums Leben. Bevor wir dort waren, hatte ich das Buch „The Price We Paid“ von Andrew D. Olson gelesen, das die Geschichte der Martin und Willie Handkarrenkompanien auf eindrucksvolle Weise nachzeichnet. Der Besuch in Martin´s Cove war dadurch für mich umso bewegender. Es ist eine heilige Stätte.

Leider gibt es nicht viel ausführliches Material in deutscher Sprache. In der Broschüre unsere Geschichte gibt es ein Kapitel:
http://www.lds.org/manual/our-heritage-a-brief-history-of-the-church-of-jesus-christ-of-latter-day-saints/chapter-six-faith-in-every-footstep?lang=deu

Im folgenden Link, http://history.lds.org/place/pioneer-story-martins-cove?lang=eng, wird Ephraim Hanks erwähnt. Letztes Jahr habe ich in Salt Lake City die DVD „Ephraims Rescue“ gekauft, in der Bruder Hanks porträtiert wird, unter anderem auch seine Rolle bei der Rettung dieser Handkarrenkompanien. Da ich viele Einzelheiten schon kannte, hat auch dieser Film mich stark bewegt.
Trailer „Ephraim´s Rescue“

Genauso wie vorher der Film „17 Miracles“
Trailer „17 Miracles“

Abschließend möchte ich noch ein paar Fotos anhängen, die ich in Martin´s Cove gemacht habe. Irgendwann werde ich etwas mehr darüber schreiben.

DSC02373_Martin´s_Cove DSC02380_Martin´s_Cove DSC02388_Martin´s_Cove DSC02389_Martin´s_Cove DSC02398_Martin´s_Cove DSC02399_Martin´s_Cove DSC02401_Martin´s_Cove

The Story of the Dutch Potato Project

That We Might Be One – The Story of the Dutch Potato Project

Damit wir eins seien – Die Geschichte des niederländischen Kartoffelprojektes

http://history.lds.org/article/dutch-potatoes-video?lang=eng

Ein sehr bewegendes Video, vor allem wenn man, wie ich, Personen, die darin zu Wort kommen, persönlich kennt und der eigenen Familie vor 65 Jahren ebenfalls diese Hilfe zuteil wurde.
Danke meinem Freund Henry für die Info.

A very moving video. I know people who were interviewed, and my family belonged to the beneficiaries of this project 65 years ago.
Thanks to my friend Henry for sharing this with me.