Dresden Mission und ein Held meiner Jugend

Eine meiner besten Investitionen letztes Jahr war das Abo von Deseret Bookshelf Plus mit Zugriff auf 1500 Audio- und E-Books. Ich bin davon begeistert und nutze die App und den Inhalt sehr intensiv.

Seit einigen Woche höre ich mir die Biographie von Präsident Thomas S. Monson an (Dauer ca. 19.5 Stunden). Gestern war ich im Auto zum Flughafen Nürnberg unterwegs und habe Kapitel 20 gehört. In diesem Kapitel geht es um Präsident Monson’s Arbeit als Apostel in der DDR zwischen 1968 bis zur Weihung des Freiberg Tempels 1985. Als Zeitzeuge waren das für mich sehr emotionale Stunden. Besonders beeindruckt mich immer wieder sein Verhältnis zu Henry Burkhardt, dem Präsident der Dresden Mission während dieser Zeit. Henry Burkhardt war und ist eines meiner größten Vorbilder. Letzten Sonntag habe ich ihn in der Gemeinde Groitzsch, wo er seit etlichen Jahren lebt, getroffen. Es ist mir immer eine große Freude, ihn zu sehen und mich mit ihm zu unterhalten. Seine Verdienste für die Kirche in der ehemaligen DDR sind gigantisch. Wie dankbar können wir für diesen Mann sein. Wenn ich daran denke, brennt es in mir vor Begeisterung.

Mit Henry Burkhardt in der Gemeinde Groitzsch, 21.01.2018

Ich habe es als Kind und Jugendlicher geliebt, wenn er unsere kleine Gemeinde besuchte. Manchmal habe ich ihn im Heim meiner Schwester und ihrer Familie getroffen. Sie gehörte zu denen, die Lehrmaterial der Kirche, das nicht in die DDR eingeführt werden konnte und nur in einzelnen Exemplaren verfügbar war, mit der Schreibmaschine vervielfältigten. Bruder Burkhardt brachte ihr meist die Arbeit und holte sie wieder ab.

An meinem 18. Geburtstag im April 1982 übertrug er mir das Melchisedekische Priestertum und ordinierte er mich zum Amt eines Ältesten. Es war ein Konferenzsonntag in Dresden. Mein Vater war schwerkrank und deshalb nicht in der Lage, die Ordination durchzuführen. Präsident Burkhardt machte diesen wichtigen Tag zu einem sehr besonderen Tag in meinem Leben.

An ein Ereignis wenige Jahre später erinnere ich mich noch ganz speziell. Es war eine Priestertumsversammlung unter der Leitung von Thomas S. Monson (damals noch einer der Zwölf Apostel) in der Henry Burkhardt als Präsident der Dresden Mission entlassen wurde. Elder Monson forderte alle Anwesenden, denen Bruder Burkhardt im Laufe ihres Lebens die Hände aufgelegt hatte – sei es für einen Segen, eine Ordination oder die Einsetzung in eine Berufung, auf, sich von ihren Plätzen zu erheben. Gemeinsam mit mir erhoben sich fast alle Anwesenden. Es war ein unvergesslicher Moment. Elder Monson sagte dann: „Bruder Burkhardt – das ist ihr Lohn.“ Während ich das schreibe, ist mir Szene noch so gegenwärtig wie vor 33 Jahren.

Vor 7 oder 8 Jahren, als relativ neuer Pfahlpräsident, war es zum ersten Mal meine Aufgabe, mit Henry Burkhardt ein Gespräch für die Erneuerung seines Tempelscheines zu führen. Ich habe mich so inadäquat gefühlt. Er war der erste Tempelpräsident in Freiberg, ein Held meiner Jugend. Ich sagte zu ihm: „Bruder Burkhardt, ich weiß nicht, ob ich das tun kann. Wir sollten die Rollen tauschen.“ Er antwortete mit seiner sanften Stimme und seiner beruhigenden Art: „Bruder Hengst, machen Sie sich keine Gedanken. Sie tragen jetzt die Verantwortung, die wir früher getragen haben.“ Das hat mich sehr demütig gestimmt und hat mir in den Jahren, in denen ich die Verantwortung trage, sehr geholfen.

Lieber Bruder Burkhardt, herzlichen Dank für alles, was Sie für uns getan haben. Möge der Herr Sie reich segnen.

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