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Das Abendmahl. Danke, Elder Holland.

Es ist erstaunlich, welch allerlei merkwürdige Dinge vor und zu Ostern in deutschen Medien über Jesus Christus geschrieben wurden. Einige Autoren schaffen sich einen Jesus, der ihrem eigenen (und mit Jesus Christus nur schwerlich kompatiblen) Weltbild entspricht. Andere orakeln darüber, was Jesus wohl heute gut und weniger gut finden würde.

Das alles hat wenig mit Jesu Christi Aussage gleich zu Beginn seines Hohepriesterlichen Gebetes im Garten Gethsemane zu tun: „Und das ewige Leben zu haben heißt, dich zu kennen, den einzigen wahren Gott, und den zu kennen, den du gesandt hast, Jesus Christus.
Johannes 17:3 NGU2011
https://bible.com/bible/108/jhn.17.3.NGU2011

comeuntochrist.org

Um zu erkennen, was Jesus heute gut finden würde, muss man nicht orakeln, sondern man muss eigentlich nur die vier Evangelien im Neuen Testament lesen, die (auch durchaus unbequemen) Lehren auf sich selbst beziehen und Schritt für Schritt im persönlichen Leben anwenden.

Der daraus folgende Prozess ist mit dem Weg des geringsten Widerstandes, dem Abwählen dringendst notwendiger Werte und der sich leider ausbreitenden Einstellung, Eigenverantwortung und die Schuld an gesellschaftlichen Problemen an Regierungen, Organisationen oder irgendjemand anderen abzuschieben, nicht vereinbar. Er kann mühsam sein und erfordert persönliche Konsequenzen, aber es gibt unzählige Hilfen und einzigartige Perspektiven, die sich erschließen, wenn man wirklich daran arbeitet, Gott und Seinen Sohn Jesus Christus zu erkennen.

Elder Jeffrey R. Holland vom Rat der Zwölf hat vor zwei Wochen zur Generalkonferenz eine weitere seiner epochalen Ansprachen gegeben, in der er auf beeindruckende Art und Weise die Bedeutung des Sühnopfers Jesu Christi und des Abendmahls erläutert hat. Er hat ebenfalls darüber gesprochen, wie wir teilweise oberflächlich, leichtfertig und unangebracht mit der Heiligkeit und Würde des Sühnopfers und dem Gedenken daran beim Abendmahl umgehen.

Diese Worte waren wirklich überfällig und sollten ständig wiederholt werden, bis sie wirklich in unseren Gemeinden verstanden werden.

Ansprache im Original:

https://youtu.be/9xq2pVi9FTE

Deutsche Übersetzung:

https://youtu.be/QBbRmeRaTec

Elder Holland:

Am Ende seines kurzen irdischen Wirkens bereitete dieses reinste aller Paschalämmer seine Jünger auf seinen Tod vor. Dazu führte der Herr das Abendmahl ein, eine persönlichere Form der heiligen Handlung, die gleich nach Verlassen des Gartens von Eden eingeführt worden war. Es sollte nach wie vor eine Opfergabe dargebracht werden, etwas, was wirklich ein Opfer darstellte, doch dies sollte eine viel tiefere symbolische Bedeutung haben, viel mehr zur inneren Einkehr anregen und persönlicher sein als das Vergießen des Blutes eines erstgeborenen Lammes. Den Nephiten sagte der Erretter nach seiner Auferstehung:
„Ihr sollt mir nicht länger Blutvergießen opfern …
Ihr sollt mir als Opfer ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist darbringen. Und wer mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist zu mir kommt, den werde ich mit Feuer und mit dem Heiligen Geist taufen …
Darum kehrt um … und lasst euch erretten.

Ich finde es sehr wohltuend, dass das Abendmahl jetzt noch mehr Betonung in unseren Gottesdiensten findet. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst in Leipzig mit beiden Gemeinden zusammen, wo das Abendmahl fast die Hälfte der Zeit eingenommen hat. Ich habe selten mehr Andacht und Ehrfurcht erlebt.

Dabei sind diese beiden Punkte leider zu oft ein wunder Punkt, wie Elder Holland zutreffend formuliert hat. The Ox is too often in the mire.

Elder Holland:

Meine lieben Brüder und Schwestern, wir haben jetzt den spannenden neuen Schwerpunkt, verstärkt das Evangelium zuhause zu lernen, aber wir dürfen keinesfalls vergessen, dass uns ebenso nach wie vor geboten ist, „an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens [zu] gehen und deine heiligen Handlungen dar[zu]bringen“. Die Veränderungen an den Sonntagsversammlungen sollen uns nicht nur Zeit für mehr Anleitung im Evangelium daheim verschaffen, sie sollen auch den Versammlungsablauf dahingehend vereinfachen, dass das Abendmahl des Herrn als der heilige, herausragende Höhepunkt unserer wöchentlichen Gottesverehrung entsprechend in den Mittelpunkt rückt. Wir sollen auf die persönlichste Art, die uns möglich ist, daran denken, dass Christus an einem gebrochenen Herzen starb, als er ganz allein die Sünden, den Kummer und das Leid der gesamten Menschheit auf sich nahm.
Und da auch wir diese verhängnisvolle Last mitverschuldet haben, verlangt ein solcher Augenblick unsere Achtung. Deshalb halten wir Sie dazu an, rechtzeitig und andächtig zum Gottesdienst zu kommen und sich passend für die Teilnahme an einer heiligen Handlung zu kleiden. …

Was die Pünktlichkeit anbelangt: Die lieben Mütter, die mit Kindern, Knabberkram und Windeltaschen beladen etwas chaotisch ankommen und froh sind, dass sie es überhaupt geschafft haben, werden stets liebevoll etwas später eingelassen werden. Außerdem wird es einige geben, die unweigerlich am Sonntagmorgen feststellen, dass ihr Ochse in den Brunnen gefallen ist. Dieser Gruppe sagen wir jedoch: Wenn Sie deshalb gelegentlich zu spät kommen, ist das verständlich, doch wenn der Ochse jeden Sonntag in den Brunnen fällt, empfehlen wir Ihnen dringend, entweder den Ochsen zu verkaufen oder den Brunnen aufzufüllen.

Mit der gleichen Absicht möchten wir als Apostel darum bitten, den Lärmpegel in den heiligen Räumen unserer Gebäude zu senken. Wir unterhalten uns gerne miteinander, und das sollen wir auch – das ist mit das Schöne am Kirchenbesuch –, doch dies darf nicht in Räumen stattfinden, die speziell der Gottesverehrung gewidmet sind. Ich fürchte, dass Besucher, die nicht unserer Kirche angehören, entsetzt sind angesichts unserer zuweilen lautstarken Ehrfurchtslosigkeit an einem Ort, der Gebet, Zeugnisgeben, Offenbarung und Frieden vorbehalten sein sollte. Vielleicht ist der Himmel auch ein wenig entsetzt.

Als altgedienter Organist, der versucht, vor dem Beginn des Gottesdienstes eine ehrfurchtsvolle Atmosphäre, die den Heiligen Geist einlädt, zu schaffen, sehe ich es mit einem weinenden Auge, wie viele diese Atmosphäre durch Gedankenlosigkeit verpassen oder gar stören.

Vor einigen Monaten war ich im Rahmen der Wiedereinweihung des Gemeindehauses in Leipzig für eine Orgelandacht eingeteilt. Als ich die Kapelle betrat, saßen etliche Leute aus der Umgebung still und erwartungsfroh in den Reihen. Unruhe haben nur unsere Mitglieder verbreitet. Einige, die zu spät waren, kamen sogar zu mir an die Orgel, um mir die Hand zu schütteln. Es war gut gemeint und irgendwie auch symptomatisch, aber leider unangebracht. Es ist genau das, was Elder Holland angesprochen hat. Das wiederhergestellte Evangelium hat eine enorme Kraft. Leider schwächen wir sie manchmal unnötigerweise oder nehmen davon weniger in Anspruch als wir könnten – nicht in schlechter Absicht, sondern aus Gedankenlosigkeit und manchmal auch einer Portion Ignoranz.

Vielen Dank, Elder Holland, für die klaren Worte.

Auf heiligem Boden, Ölberg vor 10 Jahren.

Generalkonferenz und eine besondere Woche

Die letzten zwei Wochen waren recht ereignisreich. Esther und ich hatten die Möglichkeit, an der Generalkonferenz in Salt Lake City teilzunehmen. Es war ein tolles Erlebnis und eine sehr bemerkenswerte Konferenz.

Für mich war besonders wichtig, die Wertschätzung verstärkt zu spüren, dass die Kirche durch einen lebenden Propheten geführt wird. Eine seiner wichtigsten Aufgaben und Schlüssel besteht darin, ganz klar Dinge und Entwicklungen zu sehen, die auf uns zukommen und die dadurch erforderlichen Konsequenzen unmissverständlich anzusprechen. Präsident Nelson hat das bei dieser Konferenz wieder auf konsistente Art und Weise getan und wird natürlich auch dafür kritisiert. Ich glaube, wir tun besser daran, seinen Rat anzunehmen, als zu versuchen, mit unserem geringeren Horizont für die Zukunft schlauer zu sein.

So sagte er bereits zur letzten Konferenz: „Es wird in künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.

Seit dem hat er eine ganze Reihe Einladungen ausgesprochen, bestimmte Dinge zu tun und einige negative Gewohnheiten zu ändern, die für mich absoluten Sinn im Hinblick auf die angesprochene Problematik ergeben. Anstatt diese Ratschläge in den Gemeinden zu zerreden, wäre es besser, sich darüber auszutauschen, wie man so viel wie möglich davon umsetzen und sich dabei gegenseitig unterstützen kann.

Das betrifft unter anderem einen weisen Umgang mit sozialen Medien, ein besseres Verständnis für die Heilighaltung des Sabbat, das Abendmahl zur persönlichen Bestandsaufnahme unserer Beziehung zu Gott zu nutzen, den Wesenskern der Betreuungsarbeit und Seelsorge in der Kirche umzusetzen, täglich darum zu beten, dass Menschen zu Christus finden, regelmäßig im Tempel zu arbeiten, das Buch Mormon zu lesen, die Betonung des Namens der Kirche oder auch das neue Versammlungsschema. Letzteres habe ich erwartet und mir auch gewünscht. Ich fand auch sehr gut, dass dabei die Wichtigkeit des Zuhauses für die geistige Entwicklung und den Glauben betont wurde und dass die Kirche dort eine unterstützende Rolle aber nicht die Hauptrolle einnimmt. Das setzt z.B. ein besseres Verständnis von der Heiligkeit des Sabbats und einiger anderer Prinzipien voraus.

Oquirrh Mountain Tempel in South Jordan, Utah

Ich finde auch die Aufforderung, das Buch Mormon erneut zu lesen, wichtig. Manche empfinden das als Bevormundung aber es wird ja keiner gezwungen. Esther und ich haben uns einen geeigneten Leseplan gesucht und verbringen jeden Tag eine sehr gute Zeit miteinander einschließlich etlicher erlebter Aha-Effekte. Es ist schön und gut, einzelne Schriftstellen und Zitate zu picken, aber die wahre Kraft der Heiligen Schriften liegt in ihrem Kontext. Es ist der Kontext, der Zusammenhänge besser verstehen lässt und Fragen beantwortet, die ohne ihn oft offen bleiben oder Opfer von eigenen „Glaubenssteckenpferden“ werden. Der Herr hat sich dabei etwas gedacht, als er die Schriften im vorhandenen Kontext offenbart hat.

Besonders berührt hat mich auch die Ansprache von Elder Ballard. Großartig. Die beste Rede zu diesem für unseren Glauben so essentiellen Thema, die ich je gehört habe. (https://www.lds.org/general-conference/2018/10/the-vision-of-the-redemption-of-the-dead?lang=deu)

Zwei Tage später sollte sich zeigen weshalb.

Am Montagabend nach der Konferenz, hatte ich das Vorrecht, in Halle Elder Dario Burkhardt als Missionar in die Auckland Neuseeland Mission zu berufen. Es war ein schöner Moment im Kreis seiner erweiterten Familie. Leider haben wir vergessen, ein Foto zusammen zu machen. Alles Gute und Gottes Segen für dich Dario. Ich poste nochmal separat mit einer Fotomontage.

Am Dienstagmorgen musste ich beruflich in die Schweiz in den Hauptsitz der Firma in Thun. Am frühen Nachmittag erreichte mich dort die Nachricht vom Tod meiner Mutter. Sie starb 93-jährig an einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Ich musste sofort an Elder Ballards Ansprache denken. Wie dankbar bin ich für Lehre von der Erlösung der Verstorbenen. Sie ist in dieser umfassenden Klarheit nur in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage zu finden.

Meine Kollegen aus der Schweiz haben mir eine Trauerkarte mit einem sehr bemerkenswerten Inhalt geschickt. Herzlichen Dank dafür.

Die Trauerfeier wird am Montag, den 22. Oktober 2018 um 13:00 im Gemeindehaus Chemnitz der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, Stelzendorfer Straße 25 stattfinden, die Beisetzung erfolgt um 14:30 auf dem St. Trinitatis Friedhof in Hohenstein-Ernstthal.

Meine Mutter mit einem wunderbaren Freund der Familie – Raimund Goeckeritz, der leider zu früh vor einigen Jahren an einem Krebsleiden verstarb

Ich bin am Schreiben eines Nachrufes für unsere Mutter. Sie war eine besondere Frau, der wir alle unzählige Dinge zu verdanken haben.

Am Mittwoch traf ich mich nach meiner Rückkehr aus der Schweiz mit meinen Geschwistern, um die Trauerfeier und Beerdigung zu planen. Den Nachmittag verbrachte ich mit einem Kunde, aber es war schwierig.

Am Donnerstag musste ich mich im Klinikum Nordhausen einer speziellen MRT Untersuchung unterziehen, in der Hoffnung, dass damit einige Ungewissheiten ausgeräumt werden können. Das MRT empfand ich als unangenehm, aber zum Glück bin ich nicht klaustrophobisch und das Hightech Ersatzteil in meinem Herzen ist mit einem MRT kompatibel.

Esther und ich haben die Zeit genutzt und sind danach in den Harz hineingefahren zu Orten, die mein verstorbener Schwiegervater vor Jahren immer gern mit uns besucht hat.

Am Freitagabend war es wohltuend im Tempel in Freiberg zu sein und über die Ereignisse der Tage zuvor in Ruhe zu reflektieren. Ich habe tiefen Frieden verspürt. Dieses Jahr war bisher zu wenig Zeit dafür.

Stop it !

Überall wird der Ton rauer und unversöhnlicher. Scheinbar unaufhaltsam verkommen Manieren, Respekt voreinander sowie die Kultiviertheit und der Stil bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Konflikte. Leider geschieht das auch manchmal innerhalb der Kirche.

Eine passende Antwort auf solche Entwicklungen hat Präsident Dieter F. Uchtdorf in seiner Ansprache „Die Barmherzigen finden Erbarmen“ zur Generalkonferenz im April 2012 gegeben. Diese Rede sollte regelmäßig in Gottesdiensten, Pfahl- und Gemeinderäten und Familienheimabenden besprochen werden, da die Prinzipien ständig wieder in Vergessenheit geraten. Dabei sind sie sehr eindeutig, aber Mangel an Selbstreflexion und übertriebene Selbstbezogenheit können die Einsicht trüben.

Zitat aus Präsident Uchtdorf´s Ansprache:

„Dieses Thema – andere richten – könnte man eigentlich mit vier Worten abhandeln. Wenn es um Hass geht, um Klatsch, Ignoranz, Spott, Groll oder den Wunsch, anderen schaden zu wollen, tun Sie bitte eines:

Hören Sie damit auf!“

Präsident Uchtdorf erklärt, warum das so wichtig ist und wie man es besser machen kann. Wir werden nicht unsere komplette Umwelt ändern können und manchmal werden wir vielleicht unter Menschen leiden, denen die Folgen ihres Verhaltens gleichgültig sind. Dennoch ist es möglich und erstrebenswert, einen Unterschied zu machen.

Noch ein Zitat aus der Ansprache:

„Lassen Sie uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wo immer wir auch sein mögen, als ein Volk bekannt sein, das einander liebt.“

Hier ist der vollständige Wortlaut:

https://www.lds.org/general-conference/2012/04/the-merciful-obtain-mercy?lang=deu

Die Barmherzigen finden Erbarmen