9. November 1989

Heute, am 31. Jahrestag des Mauerfalls, habe ich mir ein paar Videos angesehen, um meine Erinnerungen an diesen denkwürdigen Tag, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde, zu zelebrieren.

Dem waren viele Ereignisse vorausgegangen, wie diese Beispiele hier zeigen:

Es war nicht leicht, in der DDR ein konsequent praktizierender Christ zu sein. Aber: Glaube, der auf einem soliden Fundament beruht, wird fürgewöhnlich nicht schwächer, wenn er verfolgt wird. Relativismus, Gleichgültigkeit und Beliebigkeit, wie wir sie heute erleben, bedrohen Glauben offensichtlich stärker. Menschen mit starkem Glauben und Mut gehörten zu den wichtigsten Triebkräften der friedlichen Revolution in der DDR.

Diesen Ereignissen ging aber fast ein ganzes Jahrzehnt mit Entwicklungen voraus, die durch couragierte Menschen vorangetrieben wurden, die zur richtigen Zeit, am richtigen Platz, in der richtigen Funktion gewirkt haben.

In meiner Bibliothek zu Hause habe ich zum Beispiel das folgende Buch, dessen Lektüre für mich ein großer Erkenntnisgewinn war und dessen Inhalt vor allem der jüngeren Generation weitestgehend unbekannt sein dürfte.

Am 3. Oktober diesen Jahres hatte ich die Gelegenheit, im Deutschlandfunk Kultur anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung das Wort zum Tage zu sprechen. Hier der Link zum Podcast:

Mein Hauptanliegen im Text war es, die Notwendigkeit, Einigkeit auf möglichst vielen gesellschaftlichen Ebenen anzustreben, zu leben, nicht durch Engstirnigkeit und Egoismus zu gefährden und damit dieses großartige historische Geschenk vollendet werden kann.

Zitat aus dem Text:

„Der Apostel Paulus rief vor fast 2000 Jahren die Bewohner von Korinth auf: „Geschwister, im Namen von Jesus Christus fordere ich euch auf, eins zu sein. Redet so, dass eure Worte euch nicht gegeneinander aufbringen, und lasst es nicht zu Spaltungen unter euch kommen. Seid vielmehr ganz auf dasselbe Ziel ausgerichtet und haltet … zusammen.“ (1. Korinther 1:10)

Jesus Christus selbst hat es so ausgedrückt: „Ein jegliches Reich, das mit sich selbst uneins wird, wird wüst …“ (Lukas 11:17)

Sich um Einigkeit zu bemühen und Prinzipien zu folgen, die Einigkeit bewirken, bedeutet nicht gleichgeschaltet zu sein. Es bedeutet aber sehr wohl, dass die Kultur unseres gesellschaftlichen Diskurses und Handelns dringend einer Korrektur bedarf und dass der Wille, Gemeinsamkeiten zu suchen und zu finden, gestärkt werden muss, damit dauerhafter Schaden von unserem Land abgewendet werden kann. Dieser Verantwortung darf sich eigentlich niemand angesichts der Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft entziehen.“

Leider erleben wir immer mehr das Gegenteil. Es ist manchmal frustrierend, wie man z.B. am Wochenende in Leipzig erleben musste. Die Zunahme an unreflektierter Kritik über offen zur Schau gestellte Ignoranz bis hin zu sinnloser Gewalt und Zerstörung müssen uns Sorgen machen. Am lautesten sind dabei oft Menschen, die eigentlich dringend ein paar Grundkurse in Vernunft, Anstand, Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme, Verständnis entwickeln, Logik, Weitsicht, Egoismus-Prävention, Achtung vor dem Wohlergehen und dem Eigentum anderer, Toleranz, Mitgefühl, sozialem Benehmen und noch einiges mehr absolvieren müssten.

Auch innerhalb der Kirche sind wir nicht frei von Herausforderungen, die Einigkeit gefährden und den Gemeinden geistige Kraft entziehen, die gerade in dieser Zeit umso mehr gebraucht werden.

Sister Sharon Eubank, deren dynamische Art ich sehr schätze, hat zur letzten Generalkonferenz unter der Überschrift „Wenn wir uns bemühen, in unseren Empfindungen eins zu sein, rufen wir die Macht Gottes herab, der unsere Anstrengungen vervollständigen wird“ sehr gut darüber gesprochen. Hier ein Auszug:

„1842 arbeiteten die Heiligen mit aller Kraft am Bau des Nauvoo-Tempels. Nach Gründung der Frauenhilfsvereinigung im März nahm der Prophet Joseph Smith oft an den Versammlungen der Frauen teil, um sie auf die heiligen, sie einigenden Bündnisse vorzubereiten, die sie schon bald im Tempel eingehen würden.

Am 9. Juni sagte der Prophet, er werde „Barmherzigkeit predigen[.] Angenommen, Jesus Christus und die Engel erhöben wegen etwas Geringfügigem Einwände gegen uns – was würde aus uns werden? Wir müssen barmherzig sein und über Kleinigkeiten hinwegsehen.“ Präsident Smith fuhr fort: „Es betrübt mich, dass unsere Gemeinschaft so oberflächlich ist. Wenn ein Mitglied leidet, müssen es doch alle merken. Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott.“

Diese Aussage traf mich wie ein Blitz: Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott. Diese Welt ist nicht so, wie ich sie gerne hätte. Es gibt vieles, was ich ändern und verbessern möchte. Und ehrlich gesagt, gegen das, was ich mir erhoffe, gibt es so viel Widerstand, dass ich mich bisweilen machtlos fühle. Kürzlich habe ich mir ein paar tiefgründige Fragen gestellt: Wie kann ich meine Mitmenschen besser verstehen? Wie kann ich dazu beitragen, dass wir „in unseren Empfindungen eins“ sind, wo wir doch alle so unterschiedlich sind? Zu welcher Kraft von Gott hätte ich Zugang, wenn ich nur etwas mehr Einigkeit mit anderen hätte?“

Sister Eubank schlägt in ihrer Rede drei Punkte vor, die uns, bei kluger Anwendung, helfen würden, deutliche Fortschritte in dieser Sache zu machen.

  1. Freigebig mit unserer Barmherzigkeit sein.
  2. Unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben so in Einklang bringen, dass das Ruderboot (die Gemeinde, Familie, Firma, Gesellschaft) symbolisch gesehen harmonischer gleiten kann.
  3. Missstände zügig abstellen, damit und so schnell das Gute wachsen kann. Das geschieht am besten, wenn jeder dem Balken im eigenen Auge mehr Beachtung schenkt, als dem Splitter im Auge des Anderen (siehe Matthäus 7:3)

Es lohnt sich, die gesamte Ansprache zu lesen und daraus zu lernen:

https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2020/10/31eubank?lang=deu

Fasten

Wie für viele andere Menschen, hat Corona dieses Jahr auch unsere Urlaubspläne mehrmals gründlich verändert. Im Sommer wollten wir ursprünglich mit Sohn und Schwiegertochter eine Rundreise durch England machen und hatten im Januar alles schon ziemlich genau geplant. Verschiedene Dinge haben uns aber vom Buchen abgehalten und dann war plötzlich März und wir waren froh, dass wir keine Hotels und Flüge stornieren mussten.

Meine Frau hatte eine andere Idee, von der ich anfangs überhaupt nicht begeistert war. Sie wollte einen Fastenurlaub machen. Ich konnte mir das beim besten Willen nicht vorstellen – wie die meisten unserer Bekannten ebenfalls nicht 🙂 Waaaas? Im Urlaub fasten? Da wollen wir es uns doch richtig gut gehen lassen …). Ich wollte sie aber nicht enttäuschen und willigte ein. Sie hatte sowieso schon mit Recherchen im Internet begonnen.

Fasten ist für uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi ja nichts unbekanntes. Wir fasten jeden Monat am ersten Wochenende für 24 Stunden und das schon soweit ich zurückdenken kann. Wir fasten und beten für Menschen, denen es nicht gut geht. Wir bitten um Kraft und Hilfe für die Lösung von Problemen, um Erkenntnis, Weitsicht und Stärke im Glauben. Das Geld, das wir für die Mahlzeiten einsparen, spenden wir für die Unterstützung von Notleidenden. Wir glauben daran, das Fasten und Verzicht, nicht nur für andere sondern auch für uns ein Segen sind. Es lehrt uns Disziplin und Großzügigkeit. Es ist nicht nur gut für den Körper, sondern vor allem auch für den Geist. Es dient der Prävention gegen Egoismus, macht uns besinnlicher und schafft uns eine größere Nähe zu Gott.

Esther musste mich also nicht überzeugen, das Fasten etwas sinnvolles ist. Ich musste mich aber an den Gedanken gewöhnen, dass es nicht um einen Fastentag sondern um eine Fastenwoche ging.

Nachdem wir uns verschiedene Optionen angesehen hatten, entschieden wir uns für den Fastenhof Behm (www.fastenhof.de) in Flecken Zechlin im äußersten Norden von Brandenburg. Wie sich zeigen sollte, war das eine der besten Entscheidungen, die wir in den letzten Jahren getroffen haben. Anstatt einer Woche wählten wir zwei – eine Woche Buchinger Fasten und eine Woche als idealen Aufbau basisches Intervallfasten. Ich war gespannt, wie das für mich funktionieren würde.

Fastenhof Behm
Gästehaus

Es hat sehr gut funktioniert. Ich habe viele Jahre nicht so viel Energie und Leichtigkeit verspürt. Wir sind jeden Tag zwischen 10 und 15 km Wandern gegangen, meist um einen der wunderschönen Seen im Rheinsberger Seengebiet. Und natürlich waren wir täglich ausgiebig schwimmen, meist mehr als 1 km. In der Buchinger Fastenwoche gab es lediglich morgens einen frisch gepressten Fruchtsaft und nachmittags eine leichte Suppe plus 2-3 Liter Wasser und Tee über den Tag verteilt.
Ab dem zweiten Tag hatte ich keine Hungergefühle mehr und habe mich auch nicht schlapp gefühlt. Ich hätte die Runden um die Seen 2- oder 3-mal drehen können, so viel Bewegungsdrang hatte ich. Ich hatte keine Kreislaufprobleme (was am Anfang einer Fastenwoche schon mal vorkommen kann) und auch keine Kopfschmerzen, da es Koffeinentzug bei uns nicht geben kann. In der basischen Fastenwoche, in der wir morgens einen reichhaltigen Smoothie und nachmittags ein, ich muss es für alle Zweifler so sagen, vorzügliches basisch-veganes Menü zu uns genommen haben, bin ich sogar zusätzlich noch laufen gegangen.

Kleiner Zermittensee
Großer Zechliner See
Wittwesee
Schloss Rheinsberg

Wir empfanden auch das Erlebnis, die beiden Wochen jeweils in verschiedenen Gruppen von ca. 15 Personen zu verbringen, bereichernd. Wir waren erst etwas unschlüssig, da wir eigentlich Individualurlauber sind, aber erstens hatten wir genügend Möglichkeiten, uns individuell zu betätigen und zweitens war es in der Gruppe leichter, sich gegenseitig zu unterstützen, sich besser kennenzulernen und überaus interessante Gespräche zu führen. Es war sehr wohltuend.

Wir haben nicht nur etwas für unseren Körper, sondern auch für den Geist getan. Neben der körperlichen Frische, haben wir dasselbe im Geist verspürt. Wir waren eng mit der Natur verbunden, haben uns Momente der Stille geschaffen, die Grundlagen der Feldenkrais-Methode, Achtsamkeit und vieles mehr gelernt und uns mit netten Menschen ausgetauscht, die alle irgendwie versuchen, ein nachhaltigeres Leben zu führen.

Ich persönlich habe mehrere Kilogramm abgenommen, signifikant viszerales Fett abgebaut und meinen Bauchumfang um mehr als 5cm reduziert. Jetzt, nach fast drei Monaten ist das alles noch stabil. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass wir unsere Ernährungsgewohnheiten verbessert haben und uns damit auch mehr im Einklang mit dem Wort der Weisheit fühlen, das eben nicht nur aus dem Verzicht auf Alkohol, Tee, Kaffee, Nikotin und andere schädliche Drogen besteht.

In beiden Wochen wurden wir einfühlsam und kompetent von zwei Fastenleiterinnen angeleitet. An dieser Stelle herzlichen Dank an Susanne Grewe und Kathrin Heinicke für ihre wunderbare Arbeit, die super Betreuung, motivierenden Worte und die vielen guten Anregungen.

Wir hatten in der basischen Fastenwoche außerdem die Ehre, die veganen Kochkünste von Franka Kunze genießen zu dürfen. Das war ein absolutes Highlight. Allein schon deshalb werden wir das sicher wiederholen. 🙂 Neben dem tollen Essen, haben wir von Franka auch sehr viel über nachhaltige Ernährung nach den Prinzipien des gesunden Menschenverstandes gelernt.

Abschließend natürlich auch ein herzliches Dankeschön an Susanne Behm und ihr Team. Der Hof ist ein Kleinod zum Wohlfühlen in einer ungekünstelten, natürlichen und wohltuenden Atmosphäre.

Wir werden sehr gern wiederkommen.

Am Repenter-Kanal

Standhaftigkeit Teil 1

Standhaftigkeit oder die Kraft haben, das Richtige zu wählen, wenn es schwierig ist.

Vorvergangenen Sonntag habe ich für die Jugendlichen unserer Gemeinde eine Online-Klasse über die erste Hälfte des Buches 3. Nephi im Buch Mormon gegeben. Ich finde diesen Teil der Heiligen Schriften überaus wichtig, um unsere Zeit besser zu verstehen. Es gibt so viele Analogien zu den Zuständen in der Welt, die wir gegenwärtig erleben bzw. in den kommenden Jahren noch erleben werden. Um diese Zusammenhänge zu erkennen, braucht es Demut in Herz und Sinn und die Bereitschaft, die Schriften auf sich selbst zu beziehen. Es braucht außerdem den bestätigenden Einfluss des Heiligen Geistes.

Vor einigen Monaten postete einer meiner Kontakte in LinkedIn diese Karikatur.

Über das Bild wurde in den Kommentaren lebhaft und kontrovers diskutiert. Mich hat es zu intensivem Nachdenken angeregt. Es mag sein und ist sehr verständlich, dass wir uns diesen Tsunamis, die stellvertretend für viele mächtige Einflüsse und Entwicklungen stehen, etwas hilflos ausgesetzt fühlen. Manche Menschen spielen die Gefahren herunter oder glauben, dass man ohne große Veränderungen irgendwie davonkommen wird. Andere behaupten, dass es gar keine ernstzunehmenden Gefahren gibt und machen deshalb weiter wie immer.

Der größte Teil der Menschheit beginnt aber zu begreifen, dass es dringend notwendig ist, in vielerlei Hinsicht, drastische Kursänderungen vorzunehmen, denn es wird nicht möglich sein, die Gesetze von Ursache und Wirkung außer Kraft zu setzen. Allerdings greift die Karikatur etwas zu kurz und berücksichtigt entscheidende Einflussfaktoren nicht. Über die möchte ich etwas mehr schreiben.

Irgendwer hat mir die nächste Karikatur geschickt, die symptomatisch für unsere Zeit ist. Ändern sollen sich vorzugsweise immer die Anderen.

Diese Einstellung ist logischerweise nicht nachhaltig und beim Umgang mit den Tsunamis nicht hilfreich.

Was lernen wir nun aus 3. Nephi?

In diesem Beitrag habe ich schon mal darüber geschrieben:

https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/

Im 2. Kapitel, Vers 1 und 3 lesen wir (heute ebenfalls innerhalb und außerhalb der Kirche zu erleben): „Und es begab sich: … und das Volk fing an, jene Zeichen und Wunder zu vergessen, die es gehört hatte, und staunte allmählich immer weniger über ein Zeichen oder ein Wunder vom Himmel, so sehr, dass es anfing, in seinem Herzen hart und in seinem Sinn verblendet zu werden, und allmählich alles nicht mehr glaubte, was es gehört und gesehen hatte … Und es begab sich: Das Volk wurde allmählich in Schlechtigkeit und Gräueltaten stark, und es glaubte nicht, dass noch weitere Zeichen oder Wunder gegeben werden würden; und der Satan ging umher und verleitete dem Volk das Herz und versuchte es und veranlasste es, große Schlechtigkeit im Land zu begehen.

Die Folge war eine große Spaltung und das Heranwachsen einer massiven Bedrohung der staatlichen Ordnung und Existenz durch das organisierte Verbrechen, so brachial wie ein Tsunami.

Warum verloren so viele Menschen den ehrlichen, praktizierten Glauben an Gott (keinen lippenbekennerischen „Pseudoglauben“), gaben wichtige Werte auf, fingen an, mit unsinnigen und unakzeptablen Haltungen zu sympathisieren, sie aktiv oder passiv zu unterstützen und stumpften in ihren Empfindungen so ab, dass viele schlussendlich zu entsetzlichen Gräueltaten fähig wurden?

Welche Brüche in einer ausgewogenen Beziehung zu Gott gab es und weshalb? Warum wurde diesen Leuten ein bewährtes Wertesystem lästig? Mit welchen Argumenten ließen sie sich polarisieren oder sind gegenüber gesellschaftlichem Druck eingeknickt.

Einen der möglichen Gründe hat es schon immer gegeben. Es hat mit der Perspektive und der Vorstellung vom Wesen Gottes zu tun. Wenn ich Gott als ein Wesen betrachte, dass entweder überflüssig oder möglichst kompatibel mit meinem Willen sein sollte, wird es über kurz oder lang zu Konflikten oder einem Bruch mit dem offenbarten Wort Gottes kommen bzw. mit denen, die es verkünden. Wenn die Perspektive nur bis zum Ende des Lebens reicht, braucht es eigentlich keinen Gott, Christus oder Propheten. Man muss ja nicht an Gott glauben oder kann sich einen bequemeren definieren, der immer mit variablem Zeitgeist und wechselnden Moralvorstellungen kompatibel ist.

Im Gegensatz dazu, und das ist meine Überzeugung, sprechen die Heiligen Schriften sehr klar von einem Gott, dessen buchstäbliche Geistkinder wir sind und dessen Streben darin besteht, „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.“ (siehe Köstliche Perle, Moses 1:39), weil er uns auf eine Art und Weise liebt, die wir oft nur zum Teil erfassen und vor allem weil er eine vollständige Erkenntnis davon hat, was dazu notwendig ist. Als unser Vater und Schöpfer hat er mit Jesus Christus einen Erretter gesandt, durch dessen Sühnopfer einschließlich seiner Auferstehung der physische Tod aller Menschen überwunden wird und jedem von uns, die Möglichkeit offensteht, zum Vater zurückzukehren und an allen Segnungen und an dem Glück teilzuhaben, die Er bereit ist, mit uns zu teilen, wenn wir bereit sind, Ihm zu folgen. Er hat uns dazu Entscheidungsfreiheit gewährt, wodurch wir den Gesetzen von Ursache und Wirkung unterworfen sind. Dies ist essentiell für unsere Entwicklung über unser irdisches Leben hinaus.

Das ist eine völlig andere Perspektive und jeder wird verstehen, dass, je nachdem welche Perspektive man einnimmt, viele wichtige Lebensfragen anders beantwortet werden. Zum Beispiel: ob Werte, Moral und Wahrheit ewig sind oder jeweils nach den Bedürfnissen der Menschen geändert werden sollten. Oder: wer ist schuld am Ungemach, das in der Welt geschieht? Ist es ein nachlässiger oder grausamer Gott, der doch eingreifen müsste, wenn irgendwo etwas Schlimmes geschieht. Oder liegt es vielmehr an den Menschen selbst, denen Entscheidungsfreiheit und Verantwortung übertragen wurde, damit es überhaupt einmal Rechenschaftspflicht vor Gott und vollkommene Gerechtigkeit durch Ihn geben kann.

Das fatale an der Begebenheit ist, dass es die Menschen damals nicht geschafft haben, trotz ihrer unterschiedlichen Positionen vernünftig miteinander umzugehen, ohne dass es zu extremistischen Auswüchsen kommt. Die Konsequenzen waren, wie auch oft vorher und nachher in der Geschichte, furchtbar.

Als ihnen das Wasser schließlich bis zum Hals stand, mussten die Nephiten und Lamaniten, die ihre gesellschaftliche Ordnung nicht preisgeben wollten, ein Zweckbündnis eingehen. Wie wir später sehen werden, geschah das bei vielen offensichtlich nicht aus Überzeugung, sondern mehr aus einer Einsicht in die Notwendigkeit.

Dieses Bündnis erfüllte aber letztendlich seinen Zweck. Durch eine Besinnung auf gemeinsame Werte, Umkehr zu Gott und zumindest temporären Zusammenhalt wurden den organisierten Verbrechern die Existenzgrundlagen entzogen und der Tsunami trocken gelegt. Sie wurden militärisch vollständig besiegt.

Nach diesem Sieg gab es eine kurze Periode geistiger und materieller Prosperität im Einklang mit den Geboten Gottes – gewissermaßen ein positives Ursache-Wirkung-Beispiel.

3. Nephi 6:4 und 5:

Und abermals fingen sie an, zu gedeihen und groß zu werden; und das sechs- und das siebenundzwanzigste Jahr vergingen, und es gab große Ordnung im Land; und sie hatten ihre Gesetze mit Unparteilichkeit und Gerechtigkeit gestaltet.
Und nun gab es im ganzen Land nichts, was das Volk daran hinderte, sich beständigen Wohlergehens zu erfreuen, außer wenn es in Übertretung fallen würde.

Genau das geschah aber – in einem historisch extrem kurzem Zeitraum von einigen wenigen Jahren.

3. Nephi 6: 10-14:

Aber es begab sich: Im neunundzwanzigsten Jahr, da fingen einige Auseinandersetzungen unter dem Volk an; und einige wurden wegen ihres überaus großen Reichtums im Stolz und im Prahlen überheblich, ja, sogar bis zu großen Verfolgungen;
denn es gab viele Kaufleute im Land und auch viele Gesetzeskundige und viele Beamte.
Und das Volk fing an, sich nach Klassen zu unterscheiden, gemäß seinen Reichtümern und seinen Bildungsmöglichkeiten, ja, einige waren wegen ihrer Armut unwissend, und andere erhielten wegen ihres Reichtums viel Bildung.
Einige waren im Stolz überheblich, und andere waren überaus demütig; einige vergalten Schimpf mit Schimpf, während andere Schimpf und Verfolgung und allerart Bedrängnisse über sich ergehen ließen und sich nicht umwandten und ihrerseits schmähten, sondern demütig und reumütig vor Gott waren.
Und so entstand im ganzen Land eine große Ungleichheit, sodass die Kirche anfing auseinanderzubrechen, ja, sodass die Kirche im dreißigsten Jahr im ganzen Land auseinandergebrochen war, außer unter einigen der Lamaniten, die sich zum wahren Glauben bekehrten; und sie wollten nicht davon ablassen, denn sie waren fest und standhaft und unverrückbar und mit allem Eifer bereit, die Gebote des Herrn zu halten.

Einige Jahre vorher gab es einen Propheten mit Namen Samuel, der genau diese Zustände angeprangert und ernsthafte Warnungen über die Folgen ausgesprochen hatte. Er schilderte im Detail, was sich als Zeichen der Geburt und Kreuzigung Christi begeben würde. Seine Prophezeiungen wurden äußerst negativ aufgenommen, denn sie forderten zu Veränderungen eines sündhaften Lebenswandels auf. Es waren unliebsame Nachrichten, speziell die Ankündigung großer Katastrophen, die diejenigen treffen würde, die die Gebote Gottes missachten.

In Helaman 14:30 und 31 wird er wie folgt zitiert:

Und nun denkt daran, denkt daran, meine Brüder: Wer zugrunde geht, fügt sich das Zugrundegehen selbst zu, und wer Übles tut, der tut es sich selbst an; denn siehe, ihr seid frei; es ist euch gewährt, für euch selbst zu handeln; denn siehe, Gott hat euch die Erkenntnis gegeben, und er hat euch frei gemacht.
Er hat euch gegeben, Gut von Böse zu unterscheiden, und er hat euch gegeben, das Leben zu wählen oder den Tod; und ihr könnt Gutes tun und zu dem wiederhergestellt werden, was gut ist, oder dass euch das, was gut ist, wiederhergestellt wird; oder ihr könnt Böses tun und euch das, was böse ist, wiederherstellen lassen.

Zurück ins Jahr 30 – 33 n. Chr.: In 3. Nephi Kapitel 6 und 7 werden die Zustände beschrieben, nachdem die Kirche auseinandergebrochen war. Es gab nur wenige, die an das Kommen von Jesus Christus glaubten. Sie standen unter enormen Verfolgungsdruck. Propheten, die Samuels Prophezeiungen wiederholten, wurden umgebracht. Die Regierung war unfähig.

3. Nephi 7:6-8:

Und die Anordnungen der Regierung wurden zunichtegemacht wegen der geheimen Verbindung der Freunde und Verwandten derer, die die Propheten ermordeten.
Und sie verursachten einen großen Streit im Land, sodass beinah der ganze rechtschaffenere Teil des Volkes schlecht geworden war; ja, es gab unter ihm nur noch wenige rechtschaffene Männer.
Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.

In 3. Nephi 8:4 wird die Geisteshaltung der Mehrheit des Volkes zusammengefasst.

Und im Volk fingen große Zweifel und Auseinandersetzungen an, ungeachtet dessen, dass so viele Zeichen gegeben worden waren.

Diese Haltung sollte sich als großer Irrtum erweisen. Die Doktrin klassischer Antichristen im Buch Mormon wie Korihor (siehe Alma 30) und Scherem (siehe Jakob 7), wurde vollständig widerlegt. Beide waren zu ihrer jeweiligen Zeit anfangs sehr erfolgreich, denn es ist leicht, etwas zu attackieren oder zu relativieren, das Glaube, Disziplin und persönliche Rechtschaffenheit erfordert.

Zitat von Korihor aus Alma 30, Verse 13 – 18:

O ihr, die ihr durch eine törichte und vergebliche Hoffnung niedergebunden seid, warum unterjocht ihr euch solchen Torheiten? Warum schaut ihr nach einem Christus aus? Denn kein Mensch kann von irgendetwas wissen, was kommen soll.
Siehe, das, was ihr Prophezeiungen nennt, wovon ihr sagt, es sei von heiligen Propheten überliefert worden, siehe, das sind törichte Überlieferungen eurer Väter.
Wie wisst ihr, dass sie gewiss und wahr sind? Siehe, ihr könnt nicht von etwas wissen, was ihr nicht sehr; darum könnt ihr nicht wissen, dass es einen Christus geben wird.
Ihr schaut voraus und sagt, ihr seht eine Vergebung eurer Sünden. Aber siehe, das ist die Auswirkung eines wirren Sinnes; und diese Verwirrung eures Sinnes kommt von den Überlieferungen eurer Väter, die euch verführen, an etwas zu glauben, was nicht so ist.
Und noch viel Derartiges mehr sprach er zu ihnen; er sagte ihnen, dass kein Sühnopfer für die Sünden der Menschen vollbracht werden könne, sondern dass es jedermann in diesem Leben so ergehe, wie es dem Verhalten des Geschöpfes entspreche; darum gedeihe jeder Mensch, wie es seiner Begabung entspreche, und jeder Mensch gewinne, wie es seiner Kraft entspreche; und was auch immer jemand tue, sei kein Verbrechen.
Und so predigte er ihnen und verführte vielen das Herz; er veranlasste sie, in ihrer Schlechtigkeit das Haupt emporzuheben, ja, er verführte viele Frauen und auch Männer, Hurerei zu begehen – denn er sagte ihnen, wenn der Mensch tot sei, dann sei dies das Ende.

Auch heute sind diese Ansichten sehr populär und werden bereitwillig übernommen. Sie sind aber weder wahr noch nachhaltig, wie u.a. die Biografien von Scherem und Korihor beweisen. Lassen wir die Geschichte weiter für sich selbst sprechen. Sie zeigt, wie irrelevant diese Philosophien waren.

3. Nephi 8:5:

Und es begab sich: Im vierunddreißigsten Jahr, im ersten Monat, am vierten Tag des Monats, da erhob sich ein großer Sturm, wie man ihn im ganzen Land noch nie erlebt hatte.

In den folgenden Versen wird geschildert, wie sich die Prophezeiungen Samuels in allen Einzelheiten erfüllten – mit enormen Konsequenzen. Das Gesetz von Ursache und Wirkung traf das unvorbereitete Land mit voller Wucht und enormer Zerstörungskraft.

Als die Natur nach drei Tagen wieder zur Ruhe gekommen war, hörte man die Überlebenden klagen (siehe 3. Nephi 8:23 – 25):

Und es begab sich: Es dauerte den Zeitraum von drei Tagen, dass kein Licht zu sehen war; und es gab unter dem ganzen Volk beständig großes Trauern und Heulen und Weinen; ja, groß war das Stöhnen der Menschen wegen der Finsternis und der großen Zerstörung, die über sie hereingebrochen war.
Und an einer Stelle hörte man sie schreien, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären, denn dann wären unsere Brüder verschont worden …
Und an anderer Stelle hörte man sie schreien und klagen, nämlich: O dass wir vor diesem großen und schrecklichen Tag umgekehrt wären und nicht die Propheten umgebracht und gesteinigt und ausgestoßen hätten; dann wären unsere Mütter und unsere anmutigen Töchter und unsere Kinder verschont worden … Und so war das Heulen des Volkes groß und schrecklich.

Viele fragen: Wie konnte Gott das zulassen? Das bringt uns wieder zu der eingangs gestellten Frage zum Wesen und den Absichten Gottes. Ohne Zweifel könnte Gott, der allmächtig ist, jederzeit eingreifen. Es gibt aber einen Plan, der vor Grundlegung der Welt beschlossen wurde. Neben seinen einzigartigen Perspektiven für unsere Zukunft, gehören Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für unser Handeln zu seinen größten Errungenschaften. Das impliziert, dass wir nicht nur universell gültigen physikalischen sondern auch geistigen und moralischen Prinzipien und Gesetzen unterworfen sind, deren Befolgung oder Nichtbefolgung unweigerlich Auswirkungen auf uns haben werden – früher oder später – und die wir nicht nach Gutdünken außer Kraft setzen können. In diesem Licht sollten wir lesen, was Jesus Christus selbst erklärt hat. Siehe 3. Nephi 9:13 – 17:

O ihr alle, die ihr verschont seid, weil ihr rechtschaffener wart als sie, wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile?
Ja, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr zu mir kommt, werdet ihr ewiges Leben haben. Siehe, mein Arm der Barmherzigkeit ist euch entgegengestreckt, und wer auch immer kommt, den werde ich empfangen; und gesegnet sind jene, die zu mir kommen.
Siehe, ich bin Jesus Christus, der Sohn Gottes. Ich habe die Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, erschaffen. Ich war von Anfang an beim Vater. Ich bin im Vater und der Vater in mir, und in mir hat der Vater seinen Namen verherrlicht.
Ich bin zu den Meinen gekommen, und die Meinen haben mich nicht empfangen. Und die Schriften über mein Kommen sind erfüllt.
Und all jenen, die mich empfangen haben, denen habe ich es gegeben, Söhne [und Töchter, Anm. vom Verfasser] Gottes zu werden; und so werde ich es auch all jenen, die an meinen Namen glauben werden, denn siehe, durch mich kommt die Erlösung, und in mir ist das Gesetz des Mose erfüllt.

Jesus spricht im Moment des größten Unglücks, das diesen Menschen zugestoßen ist, von Heilung und den Voraussetzungen dafür. Er spricht auch von Barmherzigkeit und wie sie mit der Gerechtigkeit zusammenwirkt. Wenig später erschien Jesus der Menge und gab Zeugnis von Seinem Sühnopfer (siehe 3. Nephi 11:10 – 11):

Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen.
Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten.

In der Folge wiederholte Jesus Christus die Lehren, die er bereits während seines irdischen Wirkens verkündet hatte. Auch darüber habe ich bereits gebloggt (siehe https://thomashengst.com/2020/04/19/essay-fuer-eine-bemerkenswerte-frau/).

Am Ende Seiner Bergpredigt weist Jesus darauf hin, wie wichtig es ist, Seine Worte ernst zu nehmen und zu befolgen, in dem er ganz klar auf das Prinzip von Ursache und Wirkung hinweist. Siehe 3. Nephi 14:24 – 27:

Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.

Wenden wir uns der Gegenwart zu. Wir erleben, dass das oben beschriebene Prinzip in allen Lebensbereichen weithin verletzt wird. Aus der IT kennen wir Hotfixes – schnelle Problembehebungen, die meist nicht gründlich getestet werden können oder durch fehlende Informationen, Analysen oder Erkenntnisse unvollständig bzw. fehlerhaft sind und daher sehr oft neue Probleme verursachen. Je besser ein Problem und seine Auswirkungen verstanden werden, umso größer ist die Chance, dass es nachhaltig gelöst werden kann.

Wir könnten Bände füllen mit den Problemen, die uns als Menschheit umgeben und die mehr als einen Hotfix benötigen. Dazu gehören unzählige politische, gesundheitliche und wirtschaftliche Themen, Umweltprobleme u.v.m. Viele erfahren signifikante mediale Aufmerksamkeit. Dem aufmerksamen Beobachter wird schnell klar, wie viel Unklarheit und Uneinigkeit in vielen Bereichen herrscht, wie denn nun nachhaltige Lösungen aussehen sollten und vor allem, wie sie implementiert werden könnten. Dies trifft insbesondere auch für gesellschaftliche und zwischenmenschliche Probleme zu. Sie erhalten vergleichsweise weniger Aufmerksamkeit, besonders diejenigen, die sich nicht so gut für Schlagzeilen eignen, aber im Stillen viel größere Wirkungen entfalten, als z.B. manche Themen deren Vertreter besonders laut sind. Es wird heutzutage heftig mit Hotfixes mit globalen Dimensionen experimentiert, häufig ohne Kenntnis oder fundiertes Wissen, wie sie sich in 5, 10, 20, 50 oder 100 Jahren auswirken werden.

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben wir daran, dass Gott, im Unterschied zu uns Menschen, ganz genau weiß, wie sich menschliches Verhalten im kleinen, ja sogar persönlichen, als auch im großen Maßstab auswirkt. Sein Wille und Wort sind ausführlich und im Zusammenhang mit fortlaufender Offenbarung durch Propheten auch hinreichend klar dokumentiert. Er hat uns außerdem mit dem Heiligen Geist eine Person der Gottheit als Helfer zur Seite gestellt, die uns mit ihrem tröstenden und bestätigendem Einfluss Zeugnis von der Wahrheit geben kann, wenn wir uns um diesen Einfluss bemühen.

Wir glauben außerdem daran, dass durch die Missachtung der Gebote Gottes, egal in welchem Lebensbereich und in welchem Maßstab, Probleme geschaffen werden, deren Auswirkungen sich unweigerlich anhäufen werden und im schlimmsten Fall nicht mehr beherrscht werden können. Ich habe deshalb die Darstellung am Anfang dieses Beitrags um ein paar Punkte ergänzt.

Ein wichtiger Bestandteil meines Glaubens sind die im Evangelium Jesu Christi enthaltenen Werkzeuge, mit denen Probleme zum positiven beeinflusst, gelöst und manchmal auch einfach nur ertragen werden können. So bedrohlich die dargestellten Tsunamis auch sein mögen – Gottes Plan der Erlösung gibt uns in seiner Vollständigkeit die Zuversicht, die erforderlich ist, um sich standhaft für das Gute und Richtige zu entscheiden – auch wenn es schwierig sein mag.

In Teil 2 werde ich näher auf meine Zeichnung eingehen und wie mir mein Glaube und das, was ich in vielen Jahren Engagement in meiner Kirche gelernt habe, helfen, den Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen. Ich werde auch darauf eingehen, weshalb ich ein Nachlassen im Glauben und in der Arbeit für die Kirche in diesen turbulenten Zeiten für genau den falschen Weg halte.

In Teil 3 werde ich darüber schreiben, wie ich mit konstruktiver und destruktiver Kritik am Glauben und an der Kirche, die mir wichtig und wertvoll ist, umgehe und wie man mit Gelassenheit, Güte und Stärke auf Spott, Missachtung von Dingen, die uns heilig sind, und andere Attacken reagieren kann.

Diesen Teil möchte ich mit einem Zitat von Russell M. Nelson, Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, schließen:

Heutzutage hört man oft von einem „neuen Normalzustand“. Wenn Sie einen neuen Normalzustand wirklich annehmen wollen, bitte ich Sie, Ihr Herz, Ihren Sinn und Ihre Seele zunehmend dem Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus zuzuwenden. Lassen Sie dies zu Ihrem neuen Normalzustand werden.
Nehmen Sie Ihren neuen Normalzustand an, indem Sie jeden Tag umkehren. Bemühen Sie sich darum, in Gedanken, Wort und Tat immer reiner zu werden. Dienen Sie anderen geistlich. Richten Sie Ihren Blick stets auf die Ewigkeit. Machen Sie Ihre Berufungen groß. Und leben Sie trotz aller Herausforderungen, meine lieben Brüder und Schwestern, jeden Tag so, dass Sie besser vorbereitet sind, vor Ihren Schöpfer zu treten.
“ (Präsident Russell M. Nelson, Generalkonferenz Oktober 2020)

Es ist nicht unnütz

Diese Schriftstelle aus dem Buch Mormon Curriculum für vergangene Woche, in der Jesus Christus selbst spricht, beschäftigt mich.

Ihr habt gesprochen: Es ist unnütz, Gott zu dienen, und was ist es für Gewinn, dass wir seine Verordnungen eingehalten haben und dass wir in Trauer gewandelt sind vor dem Herrn der Heerscharen?
Und nun nennen wir die Stolzen glücklich; ja, mit denen, die Übles tun, steht es wohl; ja, die Gott versuchen, sind sogar befreit.
Aber die den Herrn fürchteten, redeten oft miteinander, und der Herr hörte zu und vernahm; und vor ihm wurde ein Buch der Erinnerung geschrieben für die, die den Herrn fürchteten und die an seinen Namen dachten.
Und sie werden mein sein, spricht der Herr der Heerscharen, an dem Tag, da ich meine Juwelen herrichten werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen eigenen Sohn verschont, der ihm dient.
Dann werdet ihr zurückkehren und den Unterschied sehen zwischen dem Rechtschaffenen und dem Schlechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.
“ (3. Nephi 24:14-18)

Manchmal drängen uns gesellschaftliche Zwänge, unzählige andere Gründe oder einfach nur Gedankenlosigkeit förmlich in die Halbherzigkeit, wie das im Zitat des vor Jahren an Leukämie verstorbenen Apostels Neal A. Maxwell treffend ausgedrückt wird:

Wenn wir darüber nachdenken, dass uns von Jesus geboten wurde, wie er zu werden, erkennen wir, dass es gegenwärtig so um uns bestellt ist, dass wir nicht unbedingt schlecht, sondern eher halbherzig sind und Begeisterung für Seine Sache, die auch unsere Sache ist, sehr vermissen lassen. Wir preisen Ihn, aber nur selten eifern wir Ihm nach.
(Neal A. Maxwell, zitiert von Elder Scott D. Whiting zur Herbst-Generalkonferenz 2020)

Die Worte in 3. Nephi 24 geben uns gute Gründe, am Glauben festzuhalten und unsere Bemühungen, Gutes zu tun, eher noch zu verstärken.

Gutes Ergreifen

Als Esther und ich letzten Sonntag zur Kirche fuhren, hörten wir Mack Wilberg’s großartige Version des alten Kirchenliedes „Preist Gott von dem all Segen fließt“, das wir aus unserem Gesangbuch kennen.

Der Tabernacle Choir singt in dieser Aufnahme den schönen Text:

„All people that on earth do dwell,
Sing to the Lord with cheerful voice:
Him serve with mirth, His praise
Forth tell;
Come ye before Him and rejoice.

The Lord, ye know, is God indeed;
Without our aid He did us make
We are His folk, He doth us feed;
And for His sheep He doth us take.

O enter then His gates with praise;
Approach with joy His courts unto;
Praise, laud, and bless His name
Always,
For it is seemly so to do.

For why? The Lord our God is good;
His mercy is for ever sure;
His truth at all times firmly stood,
And shall from age to age endure.

To Father, Son and Holy Ghost, A-a-a-men“

Wir hatten beide Gänsehautmomente, immer wieder. Ein großartiger Ausdruck unserer Beziehung zu Gott. Man muss eine ordentliche Lautstärke wählen, damit das Majestätische des Arrangements richtig zur Geltung kommt. Das Lied hat mich die ganze Woche begleitet und mein Gefühlsleben zum Guten beeinflusst.

Ich musste wieder an dieses Zitat von Präsident Nelson denken, das mich schon länger beschäftigt: „„Es wird in künftigen Tagen nicht möglich sein, ohne den führenden, leitenden, tröstenden und steten Einfluss des Heiligen Geistes geistig zu überleben.

Es gibt Bedingungen, damit dieser Einfluss zu spüren ist. Eine davon ist im Buch Mormon in Moroni, Kapitel 7 in den Versen 19 und 20 zu finden:

„Darum flehe ich euch an, Brüder, im Licht Christi eifrig zu forschen, damit ihr Gut von Böse unterscheiden könnt; und wenn ihr alles Gute ergreift und es nicht verwerft, dann seid ihr gewiss ein Kind Christi.  
Und nun, meine Brüder, wie ist es möglich, dass ihr alles Gute ergreifen könnt?“

In Rest dieses Kapitels wird diese Frage sehr gut beantwortet.

Manchmal vermissen wir die erwartete Freude, wenn wir Gutes tun oder versuchen, „alles Gute zu ergreifen“. Ich habe darüber nachgedacht, unter welchen Voraussetzungen ich diese Freude am häufigsten verspüre. Es passiert dann intensiver, wenn es mir gelingt, meinen Dienst mit Leidenschaft, Liebe, tief empfundenen Gefühlen, Tatkraft, Hingabe und bewusster Konsistenz zu tun. Im Gegensatz dazu kann oberflächlicher oder routinemäßiger Dienst dazu führen, dass man das Gefühl dafür verliert, Dinge als Lasten empfindet, die keine sein müssen und in der Folge vielleicht auch der Einfluss des Heiligen Geistes und damit Überzeugungen verloren gehen.

Diejenigen, deren Überzeugungen wanken oder erschüttert worden sind, lade ich ein, sich wieder um das Wirken und das Zeugnis des Heiligen Geistes zu bemühen. Dazu mag es erforderlich sein, sich mehr und bewusster mit Dingen und Einflüssen umgeben, die dieses Wirken möglich machen und den Heiligen Geist in unser Leben einladen.

Für mich ist erhebende Musik, die den Heiligen Geist einlädt, ein wichtiger Bestandteil meiner geistigen Nahrung. Es hilft mir, das Gute zu ergreifen und ein ausgeglicheneres Leben inmitten aller Turbulenzen zu führen.

Am Wochenende findet die Herbst-Generalkonferenz statt – eine gute Gelegenheiten, wichtige persönliche Fragen mit in die einzelnen Konferenzversammlungen zu nehmen und an Antworten mit einer guten Portion Selbstreflexion zu arbeiten.

Was mir Gemeindeleben bedeutet

Vor einigen Wochen unternahm ich eine 32 km lange Wanderung durch das Tal der Zwickauer Mulde (siehe Fotos). Als Teil einer meiner Kirchenberufungen hatte ich kürzlich den Artikel eines Bruders aus Österreich gelesen, der in der Regionalen Umschau im Oktober-Liahona erscheinen wird. Darin geht es um einen interessanten Gedanken, der eng mit Wallfahrten verknüpft ist – nämlich, mit den Füßen zu beten. Meine Wanderung war zwar keine Wallfahrt aber meine Absicht war, mich dem Himmlischen Vater in der Natur zu nähern, um Hilfe und Weisung in einigen Fragen zu erhalten, die mich zur Zeit stark beschäftigen.

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Interessanterweise fiel es mir aber schwer, mich auf meine persönlichen Sorgen zu konzentrieren. Meine Gedanken gingen immer wieder in andere Richtungen. Ich spürte das Wirken des Heiligen Geistes, aber anstatt über mein turbulentes berufliches Umfeld, das in den letzten Monaten sehr aufreibend war, und eventuell anstehende Entscheidungen nachzusinnen, entwickelten sich andere Gedanken. Einer davon war, mich doch auf meinen Patriarchalischen Segen zu verlassen und mir weniger Sorgen um meine Karriere zu machen.

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Mir kamen andere Fragen in den Sinn, wie z.B.:
Was bedeuten dir dein Glaube und deine Kirche?
Wie kannst du deiner Gemeinde helfen, in dieser Krise zusammen zu wachsen? Verstehst du ausreichend, warum das wichtig ist?
Was bedeuten dir deine Familie und deine Gemeinde?
Wie kannst du das, was du weißt und deine Erfahrungen, besonders die geistigen, mit mehr Menschen teilen und sie einladen, zu Christus zu kommen und den Plan der Erlösung kennen zu lernen?
Verstehst du, warum das wichtig ist?
Was bedeuten dir deine Mitmenschen – unabhängig von Aussehen, Herkunft, Orientierung usw.?
Was bedeuten dir das Sühnopfer von Jesus Christus und die Erneuerung deiner Bündnisse jeden Sonntag beim Abendmahl?Viele Fragen, die in der Gesellschaft scheinbar einen immer geringeren Stellenwert einnehmen. Dabei ist ihre Bedeutung enorm wichtig – zumindest für Menschen, die nicht daran glauben können, dass der Mensch ein Zufallsprodukt ist oder aus dem Nichts kommt und nach seinen Lebensjahren wieder im Nichts verschwindet.Vor kurzem habe ich ein Zitat des verstorbenen Apostels Richard G. Scott gelesen: „Do not become so absorbed with trivial things that you miss learning the doctrine and teachings of the Lord“ (also sinngemäß übersetzt: Sieh zu, dass weniger wichtige Dinge nicht so sehr Besitz von dir ergreifen, so dass du es verpasst, die Lehren des Herrn zu lernen.)Je tiefer ich zum Beispiel über grundlegende Elemente meines Glauben, wie zum Beispiel den Plan der Erlösung nachdenke, umso klarer wird mir, wie großartig, nachhaltig und vollendet dieser Plan ist. Er ist nicht nur ein Stückwerk von guten Ideen oder Konzepten. Er umfasst unsere gesamte ewige Existenz, beginnend von unserer Präexistenz, über dieses Leben bis hin zu unserem Leben nach dem Tod, das ewig währen wird. Wie wichtig müsste es normalerweise sein, sich immer wieder den Stellenwert klar zu machen, so viel wie möglich darüber zu lernen und dann Kurskorrekturen vorzunehmen, die sowohl für die Gegenwart als auch die Zukunft (ohne zeitliche Begrenzung) richtungsweisend sind.In diesem Lernprozess haben die Familie und die Kirchengemeinde eine große Bedeutung. Eine der negativsten Auswirkungen von Covid-19 sind die Einschränkungen für das Gemeindeleben, die gemeinsame wöchentliche Gottesverehrung mit Gleichgesinnten, das soziale Miteinander und die gegenseitige Bereicherung durch unsere Diversität, den Austausch von Gedanken und einfach auch die Freude, Menschen, die einem am Herzen liegen, zu treffen. Meine Frau und ich waren sehr froh, als es wieder möglich war, Gottesdienste zu besuchen – wenn auch weiterhin mit vielen Einschränkungen. Wir haben die Möglichkeit geschätzt, zu Hause das Abendmahl zu nehmen und gelegentlich andere Gemeindemitglieder, die dazu keine Gelegenheit hatten, daran teilhaben zu lassen.Seit dem es aber wieder möglich ist, besuchen wir unsere Gemeinde. Wir können dort unsere Zeit und Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinde stellen. Ich habe es vermisst, als Organist zu dienen und freue mich, das ich jetzt dadurch wieder den Besuchern helfen kann, den Heiligen Geist zu spüren und sich auf das Abendmahl einzustimmen. Wir genießen es, Gleichgesinnte zu treffen und gemeinsam Andacht in einem Haus des Herrn zu halten. Wir empfinden das als überaus stärkend. Wir sind komfortabel mit dem Hygienekonzept, das konsequent befolgt wird und viel sicherer ist, als wenn wir uns z.B. in Supermärkten, Restaurants, im Bekanntenkreis oder in der Firma aufhalten. Heute hatte ich die Aufgabe, das Abendmahl zu segnen. Die Anwesenheit war beachtlich und somit dauerte das Austeilen des Abendmahls einen großen Teil des Gottesdienstes. Eine sehr gute Zeit in Ruhe; eine wunderbare Gelegenheit zur Selbstreflexion und zum Nachsinnen über die Bedeutung des Sühnopfers von Jesus Christus, um ein besseres Verständnis davon zu erlangen und Schlussfolgerungen für den eigenen Lebenswandel zu ziehen. Von mir aus hätte es noch länger dauern können.Es ist gut, dass alle, die gesundheitliche oder andere Bedenken bezüglich Covid-19 haben, auch weiterhin per Zoom an den Gottesdiensten teilnehmen können. Das ist zu respektieren. Ich halte es aber für sehr wichtig, dass wir die Bedeutung der Gemeinde und damit der Gemeinschaft nicht aus den Augen verlieren. In einer Welt, die immer stärker divergiert und sich polarisiert, bleiben wir nicht von diesen Phänomenen verschont, obwohl wir es besser wissen sollten (wenn man z.B. aufmerksam das Buch Mormon liest, speziell zur Zeit das Buch Helaman, wo eindrucksvoll beschrieben wird, wohin ein solches Auseinanderdriften im Endeffekt führt). Viele Gemeinden können mehr bewirken, mehr Wärme, Geborgenheit und Geistigkeit ermöglichen, wenn ALLE, die dahin gehen, mit dem Wunsch kommen, sich den gesellschaftlichen Fliehkräften unter denen die Welt siecht, nicht nur zu entziehen, sondern im Gegenteil, wirksam dazu beitragen, das gegenseitiges Verständnis, Vergebungsbereitschaft und Nächstenliebe stetig wachsen, so dass individuelle Unterschiede in unseren Charakteren, Befindlichkeiten und Gewohnheiten, nicht die Verwerfungen bewirken können, die sie heute noch zu oft anrichten. Um es mit den Worten meines Bruders Heiko, der heute eine sehr gute Ansprache gegeben hat, auszudrücken: „Ich denke, es wird immer wichtiger, sich nicht über die Missstände um uns herum zu beklagen, sondern ihnen durch gutes Verhalten zu begegnen. Eine Möglichkeit, anderen zu helfen und dabei selbst zu wachsen, ist wirksamer als die meisten Belehrungen, die wir schnell parat haben.Der Herr hat uns ganz klar den Auftrag gegeben, anders zu sein. Sein Evangelium gibt uns dazu die Werkzeuge in die Hand. Das Ziel kann nicht sein, dass es lediglich ein paar weniger Auseinandersetzungen und etwas weniger „Griesgrämisierung“ und Polarisierung als in der Welt unter uns gibt. Wir haben so viel zu geben, besonders die Dinge, die in unserem gesellschaftlichen Umfeld immer rarer werden. Die Gemeinden der Kirche können in Zukunft noch viel mehr ein Zufluchtsort für alle Menschen werden, die nicht miteinander streiten oder sich gegenseitig bekämpfen, sondern etwas erfahren und fühlen wollen, das der Seele wirklich nachhaltige Nahrung beschert. Wie man das erreichen kann, ist keine komplizierte Wissenschaft. Es hat vielmehr etwas mit Herzenswünschen und Haltung zu tun.Gemeinden können auch noch ein viel besserer Ort sein, wo unsere Lasten leichter werden. Ich habe das so oft erfahren dürfen. Das heißt nicht, dass wir Belastungen wegreden oder uns ein bequemes Evangelium schaffen, in dem es vorwiegend nach Beliebigkeit geht. Das wird in der Welt bereits ausreichend angeboten, ist aber mit Sicherheit nicht nachhaltig. Wir haben es nicht nötig, einzuknicken, wenn unser Glaube und unsere Werte in Frage gestellt werden. Es geht vielmehr darum, unserem Leben und unseren Bemühungen einen tieferen Sinn zu geben und die Perspektiven, die Gott für uns bereithält, besser zu verstehen. Damit können wir die Kraft tanken, die wir brauchen, um die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen zu schultern und Probleme zu lösen. Schwierige zwischenmenschliche Beziehungen helfen dabei überhaupt nicht und machen Lasten oft viel schwerer, als sie eigentlich sind. Daher liegt es auf der Hand, dass die Funktion einer Gemeinde auch darin besteht, die Entwicklung wohltuender zwischenmenschlicher Beziehungen zu fördern. Das geschieht hauptsächlich durch unser eigenes Verhalten. Wir benötigen keinen Wettbewerb, wer am großartigsten ist oder am meisten im Vordergrund steht, sondern wir können unsere Energie getrost für mehr Demut und ungekünstelte Nächstenliebe verwenden.Meine Frau und ich sind dankbar für unsere Gemeinde und dass wir regelmäßig Gelegenheiten haben, einen Teil der guten Dinge, die wir empfangen, zurück zu geben. Vieles ist noch unvollkommen. Aber das macht nichts, so lange wir den Wunsch in uns tragen, Dinge zum Guten zu verändern und es auch tun.

Hiddensee 2020

Esther und ich hatten das große Glück, dass wir unser jährliches Pfingstwochenende wieder auf der Insel Hiddensee verbringen konnten. Hiddensee ist für uns ein Ort, an dem wir Ruhe und Balance finden.

Sobald wir das Auto auf der Insel Rügen abgestellt haben und auf der Fähre sind, fallen jede Menge Ballast, Sorgen und Ärger ab. Sie verschwinden nicht, aber wir gewinnen eine bessere Perspektive auf sie. Das kann sehr heilsam sein und helfen, der Komplexität im Leben zu begegnen.

Natürlich gab es Einschränkungen z.B. keine der grandiosen Theathervorstellungen in der Seebühne oder diverse Konzerte, aber wir haben, was sehr wohltuend war, sehr rücksichtsvolle und bedachte Menschen getroffen. Man braucht dort nicht viel, um zufrieden zu sein.

Auf unseren Wanderungen und Radtouren habe ich diesmal ein paar 5-Minuten Skizzen gemacht. Es hat mich an die Zeit vor bald 40 Jahren erinnert, als ich das regelmäßig getan habe. Da ich kein Skizzenbuch dabei hatte, habe ich es mal auf dem Handy versucht. 🙂

Die Ruhe hat uns auch geholfen, über den eigentlichen Zweck, weshalb Pfingsten gefeiert wird, nachzudenken und zu reflektieren, was es uns bedeutet.

Verstehen

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen des Institutsprogrammes der Kirche mit jungen Erwachsenen über ein wichtiges Thema zu diskutieren. Es ging um Verstehen oder was ein verständiges Herz ist.

(For English text scroll down.)

In diesen Coronavirus-Zeiten, in denen sich Probleme mit der persönlichen Integrität und Sozialisierung unter Umständen deutlicher zeigen, als im normalen Alltag, kann es eigentlich nicht genug davon geben. Während es relativ leicht ist, Verständnis für sich selbst und die eigenen Interessen zu haben, sieht das völlig anders aus, wenn sich der Rahmen erweitert und die Probleme komplexer werden. Dann trennt sich, wie man so schön sagt, die Spreu vom Weizen.

Im Institut sprachen wir über Salomo, einen Sohn von König David, der ungefähr 970 Jahre vor Christus König von Israel wurde. Salomo fühlte sich wegen seiner Jugend und mangelnden Erfahrung angesichts der schwierigen Aufgabe sehr unzulänglich. In einem Traum fragte Gott nach seinen Wünschen. Salomo’s Antwort zeigt uns eine große geistige Reife. Es ist sinnvoll darüber nachzudenken und zu schauen, was wir daraus lernen können.

Ich zitiere aus dem Alten Testament, Buch 1. Könige, Kapitel 3 ab Vers 5:

In Gibeon erschien der Herr dem Salomo bei Nacht im Traum. Und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll! Und Salomo sprach: Du hast deinem Knecht, meinem Vater David, große Gnade erwiesen, wie er denn vor dir gewandelt ist in Wahrheit und Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen dir gegenüber, und du hast ihm diese große Gnade bewahrt und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzt, wie es an diesem Tag [offenbar] ist. Weil du nun, o Herr, mein Gott, deinen Knecht zum König gemacht hast anstelle meines Vaters David, ich aber ein junger Bursche bin, der weder aus- noch einzuziehen weiß; und weil dein Knecht mitten unter deinem Volk ist, das du erwählt hast, einem Volk, das so groß ist, dass es vor Menge niemand zählen noch berechnen kann — so gib du deinem Knecht doch ein verständiges Herz, dass er dein Volk zu richten versteht und unterscheiden kann, was Gut und Böse ist. Denn wer kann dieses dein großes Volk richten? Und es war dem Herrn wohlgefällig, dass Salomo um dies bat.“ (1. Könige 3:5‭-‬10 SCH2000
https://bible.com/bible/157/1ki.3.5-10.SCH2000)

Salomo wünschte sich ein verstehendes, verständiges Herz, ein Herz, das auf Gott hört.

Howard W. Hunter, der später der 14. Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde, sagte bereits 1962 dazu folgendes:

Wenn der Herr sich über Salomos Bitte freute, dann freut er sich gewiss auch über jeden von uns, der sich ein verständiges Herz wünscht. Das muss einer bewussten Anstrengung entspringen, und zwar im Verein mit festem Glauben und Vorsatz. Ein verständiges Herz ist das Ergebnis der Erfahrungen, die wir im Leben machen, wenn wir Gottes Gebote halten. …

Das Unglück in der Welt könnte durch Verständnis behoben werden. Kriege könnten enden und Verbrechen aufhören. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Welt, die jetzt verschwendet werden, weil Menschen und Völker einander misstrauen, könnten zum Segen der Menschheit umgelenkt werden. …

Wir brauchen mehr Verständnis in unseren Beziehungen miteinander, im Geschäftsleben und in der Industrie, zwischen Managern und Arbeitern, zwischen Regierungen und Regierten. Wir brauchen Verständnis in der wichtigsten aller Einheiten der Gesellschaft, nämlich der Familie; Verständnis zwischen Kindern und Eltern und zwischen Mann und Frau. Die Ehen wären glücklich und Scheidungen unbekannt, wenn es verständnisvolle Herzen gäbe. Hass reißt nieder, aber Verständnis baut auf.

Wir täten gut daran, wie Salomo zu beten: ‚Gib deinem Knecht ein verständiges Herz.‚ “ (Generalkonferenz April 1962)

Hüttengrundwald, Hohenstein-Ernstthal

English:

Give therefore thy servant an understanding heart to judge thy people, that I may discern between good and bad: for who is able to judge this thy so great a people.“ (1 Kings 3:9)

King Solomon asked the Lord for an understanding heart. It would help the world a lot if more people had the same desire.

Howard W. Hunter, who later became the 14th President of the Church of Jesus Christ of Latter Day Saints, said in 1962 the following:

If the Lord was pleased because of that which Solomon had asked of him, surely he would be pleased with each of us if we had the desire to acquire an understanding heart. This must come from conscious effort coupled with faith and firm determination. An understanding heart results from the experiences we have in life if we keep the commandments of God. …
“… The ills of the world would be cured by understanding. Wars would cease and crime disappear. The scientific knowledge now being wasted in the world because of the distrust of men and nations could be diverted to bless mankind. Atomic energy will destroy unless used for peaceful purposes by understanding hearts.
“We need more understanding in our relationships with one another, in business and in industry, between management and labor, between government and the governed. We need understanding in that most important of all social units, the family; understanding between children and parents and between husband and wife. Marriage would bring happiness, and divorce would be unknown if there were understanding hearts. Hatred tears down, but understanding builds up.
“Our prayer could well be as was Solomon’s, ‘Lord, give me an understanding heart.’” (In Conference Report, Apr. 1962, pp. 75–76.)

Verantwortung macht den Unterschied

Ich wollte eigentlich keinen Corona-Blog schreiben. Man wird aber in diesen Tagen mit so viel Spam zum Thema geflutet, dass man sich sagt: Leute denkt doch bitte mal etwas mehr nach, bevor ihr euch auf irgendeine Seite schlagt. Wir haben es hier mit einem komplexen, vielschichtigen Problem zu tun. Da gebietet es doch die Vernunft, dass man das Thema ausgewogen und aus möglichst vielen Perspektiven betrachtet.

Anfang Februar habe ich eine Rezension über Hans Rosling´s Buch „Factfulness“ gepostet (https://thomashengst.com/2020/02/06/lernen-die-welt-so-zu-sehen-wie-sie-wirklich-ist-eine-rezension/). Unter anderem habe ich darin als Zusammenfassung folgendes geschrieben:

Viel zu viele Menschen haben ein völlig verzerrtes und viel zu negatives Bild, was nicht nur ihr Denken nachteilig beeinflusst, sondern auch ihr Handeln. Dazu gehören nicht nur Politiker, Wirtschaftsbosse, Journalisten, Aktivisten, Lobbyisten, Wissenschaftler oder andere sogenannte Eliten, die unsere Meinungen scheinbar häufig entscheidend beeinflussen, sondern wir alle – besonders auch diejenigen, die zu bequem sind, sich um Fakten zu kümmern und die großen und kleinen Probleme der Welt und des Alltags mit wesentlich mehr Sorgfalt zu untersuchen und Schlussfolgerungen erst dann zu ziehen, wenn man sich ein möglichst vollständiges Bild von einem Thema gemacht hat. Jeder, der zum Beispiel in unserer Demokratie das Recht hat zu wählen oder dieses Recht gern hätte, hat auch die Pflicht, sich umfassend zu bilden, sich um Fakten zu kümmern und seinen Horizont zu erweitern. Das ist nicht damit getan, wenn man sich einfach den Meinungen anschließt, die den eigenen Interessen und Vorlieben oder momentanen Erkenntnisstand (und wenn diese noch so kurzsichtig oder unvollständig sind) am nächsten kommen.

Die COVID-19 Krise ist immer noch eine Gleichung mit vielen Unbekannten, weshalb es auch nicht verwundert, dass es ein wachsendes Durcheinander der unterschiedlichsten Meinungen gibt. Was mich aber verwundert und auch besorgt, ist die zunehmende Polarisierung der öffentlichen Diskussion auf der Basis von Dingen, die wir noch gar nicht ausreichend einschätzen können, ihr Abgleiten vom Rationalen ins Emotionale (so verständlich das auch bei den vielen unweigerlichen Auswirkungen sein mag) und die öffentliche Missachtung von Personen, die die Verantwortung tragen, Entscheidungen nicht nur für sich selbst, sondern für ein ganzes Land zu treffen. Alle zehn, von Rosling in seinem Buch adressierten, fehlerhaften Instinkte werden zur Zeit in den privaten und öffentlichen Diskussionen reichlich bedient.

Bei vielen Leuten, die Meinungen kolportieren, die in der Regel nur einen eher geringen Teil des Gesamtproblems abbilden, muss man froh sein, dass sie keine größere Verantwortung tragen oder auch nicht tragen wollen. Es lässt sich leicht kommentieren und kritisieren, wenn man auf den Zuschauerrängen sitzt und nicht die Last weitreichender Entscheidungen zu tragen hat.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch viele hochqualifizierte Fachleute, deren Expertise hoffentlich angemessen in die Entscheidungsprozesse einbezogen wird. Die Hauptlast liegt aber bei den Menschen, die über das große Ganze zu entscheiden haben. Mit denen möchte ich im Moment nicht tauschen. Ich bescheinige ihnen aber, dass sie bisher in unserem Land einen respektablen und guten Job gemacht haben – entgegen allen Anfeindungen, persönlichen Beleidigungen und Herabwürdigungen. Sie verdienen unsere Unterstützung und Compliance. Da es unmöglich ist, es jedem recht zu machen, braucht es einen konstruktiven, kultivierten Meinungsaustausch und kein stereotypes Bashing.

Wenn wir also bemerken (was wir hoffentlich ab und zu tun), dass unsere eigene Kritik unsachlich und destruktiv wird, sollten wir schleunigst versuchen, uns in die Lage eines Entscheidungsträgers hineinzuversetzen. Verantwortung macht den Unterschied. Was würden wir beim gegenwärtigen Informations- und Datenstand tun? Wie würden wir Risiken gegenüber unterschiedlichen Interessenslagen abwägen? Wie gehen wir mit gesellschaftlichem, medialem und zeitlichem Druck um? Auf wen sollten wir hören? Auf wen sollten wir lieber nicht hören? Wem könnten wir vertrauen, wem nicht? Wie sollten wir internationale, politische und wirtschaftliche Implikationen berücksichtigen und viele, viele Punkte mehr. Wer sich diesen Fragen mal ernsthaft stellt und Tiefgang zulässt, dem wird es, wen er oder sie mit einer gesunden Portion Vernunft ausgestattet ist, ganz schnell dämmern, wie komplex das Problem ist. Ich würde mir nicht anmaßen, diese Komplexität voll erfassen zu können und es erstaunt mich, wie viele Leute mit mäßigem Überblick sich das zutrauen – selbstverständlich ohne Verantwortung zu übernehmen.

Es bleibt zu hoffen, dass das Verhalten unserer Gesellschaft weiterhin von Vernunft, Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und der Wahrung des sozialen Friedens bestimmt wird und denen, die das ignorieren, ganz klare Grenzen gesetzt werden. Ich hoffe auch, dass die Verantwortungsträger die Kraft aufbringen, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln und dass sie nicht den Stimmen nachlaufen, die am lautesten schreien oder den größten Druck ausüben. Ich stelle mir das nicht leicht vor. Dafür braucht es Haltung und Prinzipientreue. Vor allem braucht es aber auch eine breite Unterstützung – jetzt und besonders auch dann, wenn wir gemeinsam die Folgen der Pandemie beseitigen müssen. Eine gespaltene Gesellschaft wird dafür viel länger brauchen.

Etwas mehr Tiefe

Letztes Wochenende habe ich mich gründlich mit dem ersten Teil von Mosia 2 im Buch Mormon beschäftigt. Esther und ich haben uns während unserer kleinen Heim-Abendmahlsversammlung darüber unterhalten. Im Leitfaden gab es ja gute Anregungen dazu. Sie meinte dann, dass ich wieder ein Video für meine Klasse machen sollte. Man sollte auf den Rat seiner Ehefrau hören. 🙂

Wir nehmen uns manchmal in der Kirche zu wenig Zeit, in die Tiefe von Schriftstellen zu schauen und wollen zu viel in einer Stunde besprechen. Oberflächlichkeit macht es aber schwerer, persönliche Bezüge zu finden, Zusammenhänge herzustellen und wichtige Wahrheiten auch zu fühlen.

Hier ist der Youtube Link:

 

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