Ölbaum

In Zeiten der Coronavirus Pandemie, in der auch unser Kirchenleben eingeschränkt ist, lernen wir auch die positiven Seiten und Möglichkeiten der sozialen Medien besser kennen. Ich finde es toll, dass wir dadurch Zugang zu vielen aufbauenden Botschaften, Bildern und Videos erhalten. Allerdings sollten wir dabei nicht diejenigen vergessen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht online sein können oder möchten, und die in diesen Tagen leicht vergessen werden. Es gibt immer noch Telefone, Stifte und Papier.

Ich bin in unserer Gemeinde als Lehrer für die Jugendlichen tätig und habe mir gedacht, für sie ein Video über ein Kapitel im Buch Mormon zu drehen, dass oft stiefmütterlich behandelt wird, da es sehr lang ist, eine gewisse Komplexität hat und idealerweise eine ganze Menge Vorwissen für ein gutes Verständnis braucht.

Es handelt sich um das Gleichnis vom Ölbaum in Jakob Kapitel 5. Ich hoffe, meine Gedanken, die als Anregungen zu verstehen sind, helfen dabei, diesen sehr wichtigen Teil der Heiligen Schriften besser zu verstehen. Herzlichen Dank an meine Ehefrau Esther, die mich tatkräftig unterstützt hat. 🙂

Wer möchte, kann den Beitrag gern teilen. Euch allen einen schönen Sonntag und eine gute und erträgliche neue Woche.

Hier ist der Link zum Youtube Video:

 

Hier die Präsentation zum Download:

BM Jakob 5 – Das Gleichnis vom Ölbaum

 

Lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist – eine Rezension

Vor einigen Monaten war ich an einem Wochenende mit meiner Frau zu Besuch bei Sohn und Schwiegertochter in Graz, Österreich. Am Samstag wurde beschlossen, einige Trachtengeschäfte in der schönen Grazer Innenstadt heimzusuchen – eine wahre Strafe für mich. Glücklicherweise gelang es mir, in eine nahe gelegene Buchhandlung zu entkommen. Dort kaufte ich mir das Buch „Factfulness“ von Hans Rosling, auf das mich ein guter Freund und Kollege einige Zeit vorher neugierig gemacht hatte. Ich kehrte dann mit meiner Errungenschaft in das Bekleidungsgeschäft zurück und musste feststellen, dass der Rest meiner Familie dort keineswegs gewillt war, den Laden zu verlassen. Schlimmer noch, ich musste einige Stücke anprobieren (keine Tracht!), die sie für mich ausgewählt hatten. Das Ende vom Lied war, dass ich dort tatsächlich etwas gekauft habe. 🙂

Aber darum soll es in diesem Post nicht gehen, sondern um das Buch. Nach gründlicher Lektüre möchte ich behaupten, dass es gut und wünschenswert wäre, wenn ein möglichst großer Teil der Bevölkerung mit den darin enthaltenen Informationen und Prinzipien vertraut gemacht würde. Bill Gates meint, dass es eines der wichtigsten Bücher ist, die er je gelesen hat. Barack Obama bezeichnet es als ein Buch, das Hoffnung macht. Der Autor, der leider schon verstorben ist, sagte folgendes darüber: „Dieses Buch ist mein Versuch, Einfluss auf die Welt zu nehmen: die Denkweise der Menschen zu verändern, ihre irrationalen Ängste zu lindern und ihre Energien in konstruktives Handeln umzulenken.“

Warum?

Nun, wir ahnen es vielleicht manchmal, aber Tests beweisen, wie wenig Sorgfalt die meisten von uns aufwenden, um sich ein Bild von der Welt und ihren drängendsten Problemen zu machen. Viel zu viele Menschen haben ein völlig verzerrtes und viel zu negatives Bild, was nicht nur ihr Denken nachteilig beeinflusst, sondern auch ihr Handeln. Dazu gehören nicht nur Politiker, Wirtschaftsbosse, Journalisten, Aktivisten, Lobbyisten, Wissenschaftler oder andere sogenannte Eliten, die unsere Meinungen scheinbar häufig entscheidend beeinflussen, sondern wir alle – besonders auch diejenigen, die zu bequem sind, sich um Fakten zu kümmern und die großen und kleinen Probleme der Welt und des Alltags mit wesentlich mehr Sorgfalt zu untersuchen und Schlussfolgerungen erst dann zu ziehen, wenn man sich ein möglichst vollständiges Bild von einem Thema gemacht hat. Jeder, der zum Beispiel in unserer Demokratie das Recht hat zu wählen oder dieses Recht gern hätte, hat auch die Pflicht, sich umfassend zu bilden, sich um Fakten zu kümmern und seinen Horizont zu erweitern. Das ist nicht damit getan, wenn man sich einfach den Meinungen anschließt, die den eigenen Interessen und Vorlieben oder momentanen Erkenntnisstand (und wenn diese noch so kurzsichtig oder unvollständig sind) am nächsten kommen.

Bevor ich näher auf das Buch eingehe, möchte ich ein paar Beispiele aus eigenem Erleben erwähnen.

Vor vielen Jahren hielt ein Theologe in meiner Heimatstadt einen Vortrag über die „Mormonen“. Ich war neugierig und besuchte die Veranstaltung. Während des Vortrags gab er 55 völlig falsche Informationen, keine kleinen Versehen, sondern 55 falsche Aussagen zu wichtigen Bestandteilen unserer Religion. Ich stellte ihm am Ende nur zwei Fragen: Ob er an einem Feedback interessiert wäre und ob er schon einmal das Buch Mormon gelesen hätte. Die Antwort auf beide Fragen lautete: Nein.

Vor einigen Jahren, als sich Mitt Romney, ein bekanntes Mitglied unserer Kirche, um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten bewarb, schwärmten viele deutsche Medien aus, um über ihn und über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu berichten. Manchen gelang es wirklich gut, ausgewogen zu berichten. Aber von der Sorgfalt speziell einiger gebührenfinanzierter Medien war ich sehr enttäuscht. Ich erinnere mich, dass ein Reporterteam wochentags an einem Gemeindehaus irgendwo in den USA drehte. Logischerweise waren die Türen verschlossen, wenn keiner im Haus ist. Für den Moderator war das aber ein Beweis, wie obskur doch diese Religionsgemeinschaft sein muss. Dazu kamen noch weitere gravierendere Fehler, die nur jemand bemerkt, der sich wirklich auskennt. Ich wollte eigentlich einen Zuschauerbrief schicken: „Hallo, lieber Herr Nachrichtenmoderator, kommen Sie gerne am Sonntag zum Gottesdienst oder wochentags zu einer Aktivität oder machen Sie einen Termin mit dem Bischof, aber erzählen Sie nicht so einen Humbug. Sperren Sie Ihre Türen auf, wenn Sie nicht zu Hause sind?“
Das habe ich dann doch nicht gemacht. Aber es blieb natürlich der Eindruck, dass die Arbeit von Voreingenommenheit geprägt war und die Frage, wie oft das sonst auch der Fall ist.

Ein drittes Beispiel aus meinem beruflichen Umfeld. Ich arbeite seit 18 Jahren für einen Maschinenbauer, der Technologien und Equipment entwickelt, vertreibt und implementiert, die für die Herstellung von Solarzellen und -modulen benötigt werden. Man kann sagen, ich bin ein Insider mit umfassendem Detailwissen. Über die Jahre habe ich unzählige Male meinen Kopf geschüttelt, über das verzerrte Bild, dass viele Leute in ihren Köpfen über dieses Thema haben. Dabei geht es nicht nur um die Schlampigkeit von Journalisten, die Inkompetenz von Politikern, das Kalkül von Lobbyisten oder die unnötige Radikalität von Aktivisten. Es geht darum, dass Menschen zunehmend polarisieren und sich dann nicht mehr um eine ausgewogene Beschäftigung mit Fakten kümmern. Daran krankt unsere Gesellschaft.

Zurück zum Buch: Hans Rosling stellt am Anfang des Buches 13 Testfragen zu einigen wichtigen Themen, die die Menschheit weltweit bewegen – Armut, Demographie, Impfungen, Lebenserwartung, Bildung, Artenschutz, Klima etc. Man kann bei jeder Frage zwischen Antwort A, B oder C entscheiden.
In den letzten Jahren haben hunderttausende Menschen überall auf der Welt diese Fragen beantwortet: Otto-Normalverbraucher, Politiker, Wissenschaftler, Prominente, Vorstände großer Firmen – das ganze Spektrum. Die meisten Testergebnisse waren zum Teil deutlich schlechter als die Ergebnisse getesteter Schimpansen, die im statistischen Durchschnitt nach dem Zufallsprinzip bei rund einem Drittel richtiger Antworten lagen. Das heißt ein durchaus repräsentativer Querschnitt der Menschheit hat zu mehr als zwei Drittel (bei den meisten Fragen mehr als 80 oder gar 90 Prozent) ein falsches und viel negativeres Bild vom Zustand der Welt in Bezug auf elementar wichtige Fragen, die ständig in den Nachrichten sind, als es die tatsächlichen Fakten aus zuverlässigen Quellen, die für jedermann zugänglich sind (wenn man sich ernsthaft darum kümmern würde), belegen. Meine Testergebnisse waren auch nicht sehr toll, aber besser als die der Schimpansen. Mag an meiner optimistischen Natur liegen oder an der Gelegenheit, viel in der Welt herum gekommen zu sein. 🙂

Wie können derart verzerrte Sichtweisen entstehen? Unsere ersten Reflexe geben natürlich den üblichen Verdächtigen die Schuld – Politiker, Fake News Medien, Interessenkonflikte usw.
Aber so einfach ist es nicht. Die unbequeme Wahrheit ist vielmehr, dass wir alle dafür Verantwortung tragen und dass es einen elementaren Mangel gibt, über wichtige Dinge über den gewohnten Horizont hinaus nachzudenken.

Hans Rosling analysiert in seinem Buch zehn sehr menschliche Instinkte, die alle zu diesem Dilemma beitragen. Es ist lohnenswert, sich mit diesen Instinkten auseinanderzusetzen und dabei zu bemerken, wie man dem einen oder anderen bewusst oder unbewusst unterliegt. Ich gebe hier nur eine kurze Zusammenfassung. Wer sich ernsthaft interessiert, sollte das Buch lesen. Alternativ kann man sich auch unter www.gapminder.org umfassend informieren. Ich finde es jedenfalls extrem wichtig. Mein eigener Aha-Effekt war signifikant.

  1. Der Instinkt der Kluft
    Menschen neigen häufig dazu von „uns“ und „denen“ zu sprechen. Die Welt ist aber in der Regel nicht schwarz oder weiß und daher ist diese verbreitete Sichtweise töricht. Polarisierung entsteht oft durch den Vergleich von Extremen, die in der öffentlichen Wahrnehmung eine größere Anziehungskraft haben und daher z.B. auch in den Medien überrepräsentiert sind. Die Mehrheit befindet sich aber nicht dort, wo versucht wird eine Kluft zu konstruieren. Der bessere Weg ist, wesentlicher gründlicher zu differenzieren und Dingen die jeweils angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.
  2. Der Instinkt der Negativität
    Negatives wird allgemein aufmerksamer aufgenommen als das Positive. Dieser Effekt wird verstärkt durch unzutreffende Erinnerungen an die Vergangenheit, die selektive Berichterstattung von Journalisten und Aktivisten, die vorwiegend den Negativinstinkt der Menschen bedienen und damit mehr Aufmerksamkeit erhalten und die Zurückhaltung über Verbesserungen zu sprechen, solange es noch schlimme Dinge gibt. Über gute Nachrichten und allmähliche Verbesserungen wird selten berichtet. Sie haben keine Einschaltquoten. Sie haben jedoch bedeutend mehr Macht, positive Kräfte freizusetzen und Gleichgültigkeit und Ignoranz etwas entgegenzusetzen.
  3. Der Instinkt der geraden Linie
    Die meisten Dinge in der Welt entwickeln sich nicht linear. Dass sich eine Entwicklung immer in Form einer geraden Linie fortsetzt ist die Ausnahme. Die Regel sind vielfältige Formen.
  4. Der Instinkt der Angst
    Dieser Instinkt birgt die Gefahr in sich, dass Risiken automatisch überbewertet und nicht mit der gebotenen Sorgfalt eingeschätzt werden. Das führt oft zu überstürzten Schlussfolgerungen. Es ist oft besser zur Ruhe zu kommen und rational zu denken, bevor man Entscheidungen trifft.
  5. Der Instinkt der Dimension
    Wir neigen oft dazu, die Dinge nicht in das richtige Verhältnis zu setzen. Die Medien sind Freunde dieses Instinkts. Dadurch werden Probleme leicht aus dem Zusammenhang gerissen und einseitig betrachtet.
  6. Der Instinkt der Verallgemeinerung
    Verallgemeinerungen lassen sich kaum aufhalten, aber es kann oft klüger sein, sich vor der Mehrheit (besonders wenn sie die „anderen“ eher als Idioten sieht) oder den Ansichten von Menschen, die dazu neigen aus einzelnen, wenn auch vielleicht anschaulichen, Beispielen eine Regel zu machen, zu hüten. Angemessene Differenzierung ist enorm wichtig, um Fehler bei der Einschätzung von Situationen und der Bearbeitung von Problemen zu verringern.
  7. Der Instinkt des Schicksals
    Viele Dinge erscheinen uns unveränderlich, weil sich der Wandel sehr langsam vollzieht. Aber auch langsamer Fortschritt ist Fortschritt und kann tiefgreifend sein. Es erfordert mehr Geduld und Umsicht, auf allmähliche Verbesserungen zu achten und sie in einen richtigen Kontext zu setzen. Dazu muss man sein Wissen fortlaufend updaten, denn Wissen veraltet schnell. Wenn man den Instinkt des Schicksals nicht besiegt, neigt man zu falschen Interpretationen von Geschichte, Veränderungen in der Gesellschaft, Kultur und auch Religion.
  8. Der Instinkt der einzigen Perspektive
    Es ist vernünftig, mit mit etwas mehr Demut einzuräumen, dass man viele Probleme mit dem eigenen Wissensstand nicht angemessen einschätzen, geschweige denn lösen kann. Nicht alles kann mit dem Hammer repariert werden, wenn es dazu einen Werkzeugkasten braucht. Es ist unbequem, auch andere Perspektiven zu berücksichtigen oder den eigenen Horizont zu erweitern, wenn man sich seiner Sache zu sicher ist.
  9. Der Instinkt der Schuldzuweisung
    Die Ausbreitung dieses Instinktes erleben wir gerade sehr intensiv. Er hat das Potential, Keile zwischen einzelne Generationen zu treiben und von Eigenverantwortung abzulenken. Ein Resultat ist die Verweigerung, komplexe Zusammenhänge und Wechselwirkungen verstehen zu wollen und in eigene Schlussfolgerungen einzubeziehen. Das ist eine große Gefahr für alle Generationen. Es ist immer leicht, einen Sündenbock zu finden, anstatt eigene Gewohnheiten zu verändern.
  10. Der Instinkt der Dringlichkeit
    Manche Probleme müssen dringend gelöst werden, aber bei den meisten trifft das nicht zu, auch wenn es lautstark gefordert wird. Im Gegenteil, um Schäden durch überstürzte oder unausgewogene Entscheidungen abzuwenden, braucht es eine sorgfältige Analyse von Daten, Fakten, Erfahrungen und Atemholen, bevor möglicherweise drastische Maßnahmen ergriffen werden, über deren Nebenwirkungen noch nicht ausreichend nachgedacht wurde. Wenn der Instinkt der Dringlichkeit durch wen auch immer angetriggert wird, setzen meistens auch etliche der anderen Instinkte ein.

Insgesamt spüre ich, mit einzelnen Ausnahmen, eine große Übereinstimmung mit den Schlussfolgerungen des Buches. Mir gefällt der Fokus auf die Eigenverantwortung, Sorgfalt und Rationalität.
Das Buch behandelt logischerweise nicht alle Probleme in der Welt, aber das kann man auch nicht verlangen. Die Denkanstöße sind jedenfalls sehr wichtig. Sie bilden einen Schutz vor Fehlinterpretationen und extremen Haltungen, egal ob diese von links, rechts, vorn, hinten, unten oder oben kommen. Leider werden sie vielen Menschen verborgen bleiben, denn sie drängen sich nicht auf. Man muss nach ihnen suchen.
Etliche Dinge in der Welt, wie zum Beispiel der Zustand der Familien, die mentale Gesundheit, Klima, Radikalismus, Spaltungen in der Gesellschaft, Wertewandel etc. entwickeln sich nicht zum Guten, aber viele Dinge tun es und dass sollte uns Mut machen, weiter an einer besseren Welt zu arbeiten.

Wort zum Tag

In Facebook und Instagram hatte ich bereits davon berichtet: im Rahmen meiner neuen Kirchenberufung habe ich für unsere Kirche am 25. Dezember 2019 das Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur gesprochen.

Die Aufnahme wurde bereits am 11. Dezember im Studio des Deutschlandfunk in Berlin gemacht. Ich war zum ersten Mal in einem Radiostudio und war schon etwas nervös. Die netten Mitarbeiter haben mir aber den Job leicht gemacht. Es war wirklich eine sehr gute Erfahrung.

Für alle, die am 25.12. üblicherweise nicht morgens um 6:55 am Radio hängen mochten ;-), stelle ich hier den Link zur Deutschlandfunk Mediathek zur Verfügung.

https://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bstation_id%5D=0&drau%5Bsearchterm%5D=Wort+zum+Tage&drau%5Bfrom%5D=25.12.2019&drau%5Bto%5D=25.12.2019&drau%5Bbroadcast_id%5D=218

(Das ist der Link mit dem Datumsfilter. Ansonsten kann man auch z.B. einfach „Wort zum Tage DLF“ googeln und dann browsen.)

Wer die MP3 möchte, kann mir einfach eine Nachricht schicken.

Der nächste Beitrag für unsere Kirche ist im Deutschlandfunk Kultur für den 10. Mai 2020 geplant.

Hier der Text vom 25.12.2019:

Wort zum Tag, Deutschlandfunk, 25.12.2019
Thomas Hengst, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

viele von Ihnen haben sich, wahrscheinlich wie jedes Jahr, mehr Ruhe, Zeit zur Besinnung und inneren Frieden in der Advents- und Weihnachtszeit gewünscht. Leider machen wir oft gegenteilige Erfahrungen und stehen Entwicklungen, die gesellschaftliche Probleme eher verschärfen als lösen, mit einer gewissen Ohnmacht gegenüber. All denen, die mit Skepsis oder Sorge in die Zukunft schauen, möchte ich versuchen, etwas Mut zu machen.

Ich bin beruflich seit fast 20 Jahren in der Entwicklung und Einführung nachhaltiger Technologien für die Erzeugung erneuerbarer Energie mit Hilfe des Sonnenlichts tätig. Das ist ein sehr komplexes und schwieriges Unterfangen, aber in diesen zwei Jahrzehnten durfte ich, trotz enormer Widerstände, gewaltige Fortschritte und ein allmähliches Umdenken in vielen Teilen der Welt miterleben. Es begeistert mich, zu welchen wertvollen Leistungen die Menschheit durch angewandte Bildung, Ideenreichtum, verbunden mit Idealismus und ausreichend Leidenschaft fähig ist.

Es ist gut und richtig, dass wir uns um die Zukunft unseres Planeten Sorgen machen und nach Wegen suchen, welchen Beitrag jeder einzelne von uns leisten kann und welche Gewohnheiten dafür geändert werden müssen.

Noch wichtiger erscheint mir jedoch, dass wir uns dringend Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft nachhaltiger als menschliche Gesellschaft miteinander leben und umgehen wollen, damit wir nicht nur unsere Umwelt bewahren, sondern auch mehr Glück und Frieden miteinander empfinden können. In vielen Bereichen haben wir leider Umgebungen geschaffen und Entwicklungen zugelassen, die nicht nachhaltig oder sogar schädlich sind, sowohl für die körperliche Gesundheit, als auch vor allem für das seelische Wohlbefinden. Trotz offensichtlich großer Probleme, sollten wir jedoch nicht den Mut verlieren.

Jesus Christus, an dessen Geburt viele von uns zu Weihnachten denken, hat im Laufe seines kurzen Lebens viel darüber gesprochen. Hier nur ein paar wenige Beispiele aus der Bergpredigt:

„Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen …“ (Matthäus 5:5) – Sanftmut ist kein Zeichen von Schwäche. Der Sanftmütige lernt, Probleme von Menschen zu trennen und dadurch nachhaltig Konflikte zu lösen. Zusammen mit ihrer Begleiterin der Demut, schützt uns die Sanftmut vor Arroganz und Egoismus.

„Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen … [und] die, die Frieden stiften …“ (Matthäus 5:7, 9) – Warten wir nicht darauf, dass jemand anders damit beginnt. Mitgefühl und der Wunsch, sich nicht von Polarisierung und Hass vereinnahmen zu lassen, entwickeln sich nicht von selbst, sondern müssen beständig gepflegt werden.

„Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. …“ (Matthäus 7:12)

Wie grundlegend würden sich Zusammenleben und Zusammenarbeit in allen Bereichen unseres Lebens nur durch die Umsetzung dieser wenigen Punkte zum Positiven verändern. Um wie vieles mehr könnten wir dadurch erfolgreicher, ausgeglichener und glücklicher sein.

Jeder von uns kann versuchen, häufiger mit Freundlichkeit und dem ernsthaften Wunsch nach Verständigung auf den Nächsten zu zugehen und damit Zeichen zu setzen, die wir wirklich dringend brauchen.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Das Abendmahl. Danke, Elder Holland.

Es ist erstaunlich, welch allerlei merkwürdige Dinge vor und zu Ostern in deutschen Medien über Jesus Christus geschrieben wurden. Einige Autoren schaffen sich einen Jesus, der ihrem eigenen (und mit Jesus Christus nur schwerlich kompatiblen) Weltbild entspricht. Andere orakeln darüber, was Jesus wohl heute gut und weniger gut finden würde.

Das alles hat wenig mit Jesu Christi Aussage gleich zu Beginn seines Hohepriesterlichen Gebetes im Garten Gethsemane zu tun: „Und das ewige Leben zu haben heißt, dich zu kennen, den einzigen wahren Gott, und den zu kennen, den du gesandt hast, Jesus Christus.
Johannes 17:3 NGU2011
https://bible.com/bible/108/jhn.17.3.NGU2011

comeuntochrist.org

Um zu erkennen, was Jesus heute gut finden würde, muss man nicht orakeln, sondern man muss eigentlich nur die vier Evangelien im Neuen Testament lesen, die (auch durchaus unbequemen) Lehren auf sich selbst beziehen und Schritt für Schritt im persönlichen Leben anwenden.

Der daraus folgende Prozess ist mit dem Weg des geringsten Widerstandes, dem Abwählen dringendst notwendiger Werte und der sich leider ausbreitenden Einstellung, Eigenverantwortung und die Schuld an gesellschaftlichen Problemen an Regierungen, Organisationen oder irgendjemand anderen abzuschieben, nicht vereinbar. Er kann mühsam sein und erfordert persönliche Konsequenzen, aber es gibt unzählige Hilfen und einzigartige Perspektiven, die sich erschließen, wenn man wirklich daran arbeitet, Gott und Seinen Sohn Jesus Christus zu erkennen.

Elder Jeffrey R. Holland vom Rat der Zwölf hat vor zwei Wochen zur Generalkonferenz eine weitere seiner epochalen Ansprachen gegeben, in der er auf beeindruckende Art und Weise die Bedeutung des Sühnopfers Jesu Christi und des Abendmahls erläutert hat. Er hat ebenfalls darüber gesprochen, wie wir teilweise oberflächlich, leichtfertig und unangebracht mit der Heiligkeit und Würde des Sühnopfers und dem Gedenken daran beim Abendmahl umgehen.

Diese Worte waren wirklich überfällig und sollten ständig wiederholt werden, bis sie wirklich in unseren Gemeinden verstanden werden.

Ansprache im Original:

https://youtu.be/9xq2pVi9FTE

Deutsche Übersetzung:

https://youtu.be/QBbRmeRaTec

Elder Holland:

Am Ende seines kurzen irdischen Wirkens bereitete dieses reinste aller Paschalämmer seine Jünger auf seinen Tod vor. Dazu führte der Herr das Abendmahl ein, eine persönlichere Form der heiligen Handlung, die gleich nach Verlassen des Gartens von Eden eingeführt worden war. Es sollte nach wie vor eine Opfergabe dargebracht werden, etwas, was wirklich ein Opfer darstellte, doch dies sollte eine viel tiefere symbolische Bedeutung haben, viel mehr zur inneren Einkehr anregen und persönlicher sein als das Vergießen des Blutes eines erstgeborenen Lammes. Den Nephiten sagte der Erretter nach seiner Auferstehung:
„Ihr sollt mir nicht länger Blutvergießen opfern …
Ihr sollt mir als Opfer ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist darbringen. Und wer mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist zu mir kommt, den werde ich mit Feuer und mit dem Heiligen Geist taufen …
Darum kehrt um … und lasst euch erretten.

Ich finde es sehr wohltuend, dass das Abendmahl jetzt noch mehr Betonung in unseren Gottesdiensten findet. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst in Leipzig mit beiden Gemeinden zusammen, wo das Abendmahl fast die Hälfte der Zeit eingenommen hat. Ich habe selten mehr Andacht und Ehrfurcht erlebt.

Dabei sind diese beiden Punkte leider zu oft ein wunder Punkt, wie Elder Holland zutreffend formuliert hat. The Ox is too often in the mire.

Elder Holland:

Meine lieben Brüder und Schwestern, wir haben jetzt den spannenden neuen Schwerpunkt, verstärkt das Evangelium zuhause zu lernen, aber wir dürfen keinesfalls vergessen, dass uns ebenso nach wie vor geboten ist, „an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens [zu] gehen und deine heiligen Handlungen dar[zu]bringen“. Die Veränderungen an den Sonntagsversammlungen sollen uns nicht nur Zeit für mehr Anleitung im Evangelium daheim verschaffen, sie sollen auch den Versammlungsablauf dahingehend vereinfachen, dass das Abendmahl des Herrn als der heilige, herausragende Höhepunkt unserer wöchentlichen Gottesverehrung entsprechend in den Mittelpunkt rückt. Wir sollen auf die persönlichste Art, die uns möglich ist, daran denken, dass Christus an einem gebrochenen Herzen starb, als er ganz allein die Sünden, den Kummer und das Leid der gesamten Menschheit auf sich nahm.
Und da auch wir diese verhängnisvolle Last mitverschuldet haben, verlangt ein solcher Augenblick unsere Achtung. Deshalb halten wir Sie dazu an, rechtzeitig und andächtig zum Gottesdienst zu kommen und sich passend für die Teilnahme an einer heiligen Handlung zu kleiden. …

Was die Pünktlichkeit anbelangt: Die lieben Mütter, die mit Kindern, Knabberkram und Windeltaschen beladen etwas chaotisch ankommen und froh sind, dass sie es überhaupt geschafft haben, werden stets liebevoll etwas später eingelassen werden. Außerdem wird es einige geben, die unweigerlich am Sonntagmorgen feststellen, dass ihr Ochse in den Brunnen gefallen ist. Dieser Gruppe sagen wir jedoch: Wenn Sie deshalb gelegentlich zu spät kommen, ist das verständlich, doch wenn der Ochse jeden Sonntag in den Brunnen fällt, empfehlen wir Ihnen dringend, entweder den Ochsen zu verkaufen oder den Brunnen aufzufüllen.

Mit der gleichen Absicht möchten wir als Apostel darum bitten, den Lärmpegel in den heiligen Räumen unserer Gebäude zu senken. Wir unterhalten uns gerne miteinander, und das sollen wir auch – das ist mit das Schöne am Kirchenbesuch –, doch dies darf nicht in Räumen stattfinden, die speziell der Gottesverehrung gewidmet sind. Ich fürchte, dass Besucher, die nicht unserer Kirche angehören, entsetzt sind angesichts unserer zuweilen lautstarken Ehrfurchtslosigkeit an einem Ort, der Gebet, Zeugnisgeben, Offenbarung und Frieden vorbehalten sein sollte. Vielleicht ist der Himmel auch ein wenig entsetzt.

Als altgedienter Organist, der versucht, vor dem Beginn des Gottesdienstes eine ehrfurchtsvolle Atmosphäre, die den Heiligen Geist einlädt, zu schaffen, sehe ich es mit einem weinenden Auge, wie viele diese Atmosphäre durch Gedankenlosigkeit verpassen oder gar stören.

Vor einigen Monaten war ich im Rahmen der Wiedereinweihung des Gemeindehauses in Leipzig für eine Orgelandacht eingeteilt. Als ich die Kapelle betrat, saßen etliche Leute aus der Umgebung still und erwartungsfroh in den Reihen. Unruhe haben nur unsere Mitglieder verbreitet. Einige, die zu spät waren, kamen sogar zu mir an die Orgel, um mir die Hand zu schütteln. Es war gut gemeint und irgendwie auch symptomatisch, aber leider unangebracht. Es ist genau das, was Elder Holland angesprochen hat. Das wiederhergestellte Evangelium hat eine enorme Kraft. Leider schwächen wir sie manchmal unnötigerweise oder nehmen davon weniger in Anspruch als wir könnten – nicht in schlechter Absicht, sondern aus Gedankenlosigkeit und manchmal auch einer Portion Ignoranz.

Vielen Dank, Elder Holland, für die klaren Worte.

Auf heiligem Boden, Ölberg vor 10 Jahren.

Fundamente

Vor über drei Jahren habe ich mal einen Beitrag über die Wichtigkeit eines wertebasierten Fundaments in unserem Leben gepostet.

Siehe https://thomashengst.com/2016/01/31/eine-etwas-andere-bildergeschichte/

Diese Woche war ich mit meiner Frau im Visitor Center des St. George Utah Tempels der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Wir lernten dort ein sehr nettes Missionarsehepaar kennen, Sister und Elder Crane aus Houston, Texas, die für zwei Jahre in St. George dienen.

Elder Crane erzählte uns eine Begebenheit aus der Geschichte des St. George Tempels, die ich noch nicht kannte.

Als die Pioniere im Jahre 1871 mit dem Bau des Tempels begannen, wurden sie mit einem, besonders in Hinblick auf die begrenzten technischen Möglichkeiten in der damals völlig abgelegenen Gegend, schwerwiegenden Problem konfrontiert. Der Untergrund war so weich, dass man einen 4 Meter langen Pfahl mit bloßen Händen komplett in den Boden rammen konnte.

Bei Grabungen fand man drei Wasserquellen, die umgeleitet wurden. Trotzdem war der Untergrund immer noch nicht für ein sicheres Fundament geeignet. Es wurde deshalb ein bis zu 4 Meter breiter und 1,70 Meter tiefer Graben für das Fundament ausgehoben. Da die Feuchtigkeit den Sandstein, der für den Bau des Tempels verwendet wurde, allmählich zersetzt hätte, füllten die Bauleute den Graben mit Lavasteinen, die in der Umgebung zu finden waren.

Um die Lava ausreichend zu verdichten, wurde eine ausgediente Kanone verwendet.

Diese wurde vollkommen mit Blei gefüllt, so dass sie schließlich 450 Kilogramm wog. Die Kanone wurde dann aus 11 Metern Höhe als Ramme zur Verdichtung des Bodens genutzt. Präsident Brigham Young wies die Arbeiter an, dass die Verdichtung erst dann ausreichend war, wenn die Kanone beim Aufprall mindestens dreimal zurückprallen würde. Teilweise wurde dadurch das Lavagestein zusätzlich bis zu 1,5 Meter in den Boden gedrückt. Die Arbeiten am Fundament dauerten 18 Monate, rund ein Viertel der gesamten Bauzeit.

Der Tempel ist nun seit über 140 Jahren in Betrieb. Er ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt, sondern ein Symbol für den Glauben und die Hingabe der Mormonenpioniere, die unter großen Opfern und unter schwierigen Umständen ein bemerkenswertes Vermächtnis hinterlassen haben.

Diese Begebenheit unterstreicht die Wichtigkeit eines sorgfältig errichteten, soliden Fundaments, auch wenn damit überdurchschnittlich große Bemühungen verbunden sind. Das betrifft insbesondere auch unser geistiges Fundament – die Werte, den Glauben und die Erkenntnis auf denen es errichtet werden sollte, damit wir ausreichend Sicherheit und Stabilität im Leben haben können. Dies wird heutzutage immer kritischer durch die Kackophonie unterschiedlichster Meinungen, mit denen wir zu allen möglichen Lebensfragen konfrontiert werden. Es wird noch dadurch verschärft, da Personen, die vorgeben, öffentliche Meinungen zu bestimmen, in welcher Funktion auch immer, von Idee zu Idee irrlichtern, da ihnen selbst die Werte und Fundamente abhanden gekommen sind. Es ist besorgniserregend.

Brigham Young’s inspirierter Rat und Weisung war essentiell beim Bau dieses Tempels. Letztes Wochenende war Generalkonferenz der Kirche. Die Botschaften von Aposteln und Propheten sind nicht nur relevant für die Mitglieder der Kirche, sondern für die Menschheit allgemein. Sie können uns maßgeblich helfen, feste Fundamente für unser Leben zu errichten oder deren Qualität verbessern, wenn wir uns gründlich damit beschäftigen und das konsequent anwenden, was wir daraus lernen.

Vielen Dank, Elder Crane für das gute Gespräch und die Anregungen.

Wo wird mir Trost zuteil …

Diese Woche war ich auf einer Dienstreise, die mich von Hohenstein-Ernstthal über Dresden, Frankfurt, Washington, San Francisco, San Jose, Seoul, Incheon, München und wieder nach Hause geführt hat. So reizvoll das klingen mag – wenn man unterwegs ist, um Arbeit für mehrere Hundert Mitarbeiter zu beschaffen, ist das eine erhebliche physische und psychische Belastung. Ich hatte mehrere Phasen, wo ich mich völlig erschöpft gefühlt und mich gefragt habe, wie ich in den nächsten anstehenden Meetings mit Kunden meine Leistung abrufen kann. Es geht für mich nur mit der Hilfe des Himmlischen Vaters, dessen Einfluss ich verspüre, wenn ich mich ernsthaft darum kümmere und ihn zulasse.

Dieser Text dient für mich dazu, die Anstrengungen zu verarbeiten und aktive Recovery zu betreiben, aber vielleicht spendet er auch für den einen oder anderen etwas Trost.

Am späten Mittwochnachmittag vor dem Flug von San Francisco nach Korea (bei dem man durch das Überqueren der Datumsgrenze einen Tag verliert und erst am übernächsten Tag ankommt), hatte ich noch etwas Zeit und beschloss diese an der Pazifikküste zu verbringen, irgendwo zwischen Santa Cruz und Half Moon Bay. Ich wollte einfach Ruhe und Kraft finden; und Zeit zum Nachdenken. Ich liebe ab und zu die Einsamkeit in der Natur, mehr als die Hektik der Großstädte. Dabei sind ein paar Fotos entstanden, die ein bisschen den Abbau von Druck und Stress symbolisieren sollen.

Eine meiner besten Anschaffungen in den letzten anderthalb Jahren war das Deseret Bookshelf Plus Abo. Fantastisch. Großartige Bücher zum Anhören und Lesen. Letztens habe ich mich mit Bruce C. und Marie K. Hafen´s brillantem Buch „Faith Is Not Blind“ (Hörbuch) beschäftigt. Das werde ich mir ganz sicher als Hardcopy zulegen. Ein Must Read.
Davor habe ich Julie B. Beck´s Buch „Joy in the Covenant“ angehört, aus dem ich viel Energie gezogen habe – auch durch die Energie, die die Autorin ausstrahlt.

Für diese Woche hatte ich mir „Silent Souls Weeping“ von Jane Clayson Johnson heruntergeladen, ein Buch, das sich mit der Gesundheit der menschlichen Seele beschäftigt. Ich bin halb durch und empfand das Buch bisher als sehr einfühlsam geschrieben und äußerst bereichernd. Ich habe wieder viel dazugelernt, über das weite Feld mentaler Gesundheit – sowohl aus der Sicht Betroffener als auch ihrer Angehörigen. Wir müssen hier noch so viel lernen und vor allem auch Zustände in unserer Gesellschaft ändern, die wesentlich dazu beitragen, dass Seelen in einer Art und Weise leiden, die von außen nur schwer zur verstehen ist und deshalb eines Umdenkens im Umgang miteinander bedarf.

Jane Clayson Johnson erzählt die Geschichten von 150 Betroffenen (einschließlich sie selbst) mit klinischer Depression und anderen Formen mentaler Krankheiten. Es geht um Stigmata, Isolation, die Gefahren von Perfektionismus, Suizidgefahr, Hoffnungslosigkeit und Hoffnung, Unverständnis und Verständnis, unwirksame und wirksame Unterstützung, Trost und vieles andere.

In diesen Geschichten gibt es immer wieder die dringende Bitte, den Dialog bezüglich mentaler Krankheiten zu ändern, insbesondere auch unter Heiligen der Letzten Tage, die darum kämpfen, Krankheiten, die sich durch ungeheure Sorgen manifestieren, mit dem Plan der Erlösung und des Glücklichseins in Einklang zu bringen.

Die Autorin schreibt, dass der schlimmste Teil von Depression eine profunde Isolation ist, nicht nur vom Einfluss des Heiligen Geist, sondern auch von der Familie, Freunden und dem Gemeinwesen. Das Teilen dieser Geschichten ist ein wichtiger Schritt, um solche Isolationen zu lindern oder zu beenden.

Ein Kapitel hat mich auf einem der Flüge diese Woche besonders berührt. Es ist die Geschichte eines Kirchenliedes, das ich sehr liebe (steht ziemlich weit oben in meinen Kirchenlied-Charts 😊) und oft vor den Gottesdiensten auf der Orgel spiele. Ich hatte mich in der Vergangenheit mehr auf die Noten als auf den Text konzentriert. Es lohnt sich aber, auch im Lichte der Entstehung des Liedes, den Text genauer zu betrachten.

Wo wird mir Trost zuteil
Text: Emma Lou Thayne
Musik: Joleen G. Meredith

Wo wird mir Trost zuteil, wo find ich Frieden,
wenn keine Hilfe da, mich zu befrein,
wenn meinem wunden Herz Kummer beschieden
und ich mich ganz verlier in Seelenpein?

Wohin soll fliehen ich, wenn Schmerzen plagen?
Wer nimmt die Qual von mir, wer lindert Not?
Wer hilft mit starker Hand Zweifel verjagen?
Wer kann verstehen mich? Nur du, mein Gott.

Du weißt die Antwort, Herr, stillst mein Verlangen,
kennst mein Gethsemane, wo ich geweint;
führst mich zum Friedensquell, nimmst alles Bangen,
heilest mich liebevoll, du Herr, mein Freund.

Originaltext:
Where can I turn for peace? Where is my solace
when other sources cease to make me whole?
When with a wounded heart, anger or malice,
I draw myself apart, searching my soul?

Where, when my aching grows, where, when I languish,
where, in my need to know, where can I run?
Where is the quiet hand to calm my anguish?
Who, who can understand? He, only One.

He answers privately, reaches my reaching
in my Gethsemane, Savior and Friend.
Gentle the peace he finds for my beseeching.
Constant he is and kind. Love without end.

Sister Thayne und Sister Meredith, die beide im Young Women´s General Board der Kirche tätig waren, erhielten 1971 den Auftrag für eine besondere Konferenz der Jungen Damen ein Lied zu schreiben. Beide befanden sich zu dieser Zeit unter schwierigen persönlichen Umständen.

Siehe https://www.ldsdaily.com/personal-lds-blog/inspiring-true-story-behind-lds-hymn-can-turn-peace/

Neben vielen anderen Sorgen und Problemen hatten sowohl Sister Meredith als auch eine Tochter von Sister Thayne mit mentalen Krankheiten zu kämpfen. Das Lied war für sie eine geistige Befreiung von Lasten. Liebevoll nannten sie es „mental illness hymn“.

1985 wurde das Lied in das offizielle Gesangbuch der Kirche aufgenommen und ist seit dem ein Licht der Hoffnung für viele, die in ihrer Seele leiden müssen.

 

Vortrag zum Pfahl-Bildungstag Dresden

Heute fand in Freiberg der Bildungstag des Pfahles Dresden statt. Ich war eingeladen, einen Vortrag zum Thema Freimaurer, Tempel und die Kirche des Herrn zu geben. Ich gehe seit fast 34 Jahren so regelmäßig wie möglich in den Tempel. Das ist die eine Seite. Da ich kein praktizierender Freimaurer bin, habe ich mich diesem Teil des Themas intensiv und mit dem gebotenen Respekt vor den Gebräuchen dieser ehrenwerten Organisation genähert. Herzlichen Dank an alle, die mir dabei behilflich waren, besonders meinem Freund Thomas Lehmann, der selbst ein praktizierender Freimaurer ist.

Wie versprochen stelle ich den Vortrag hier allen Interessenten zur Verfügung. Die Präsentation ersetzt natürlich in keiner Weise den verbalen Vortrag. Ich hoffe aber, dass damit Denkanstöße gegeben werden und Anregungen, selbst zu studieren. Mit mehr Zeit hätten wir uns heute noch eingehender mit Lehre und Bündnisse Abschnitt 124 beschäftigt. Fragen zu meiner Präsentation beantworte ich gern im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Pfahlbildungstag 2019 Freiberg – Freimaurer, Tempel und die Kirche des Herrn

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