Den „Swing“ finden

In ihrer Ansprache zur vorletzten Generalkonferenz im Oktober 2020 erwähnte Sister Sharon Eubank („Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott“ – https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2020/10/31eubank?lang=deu) ein Buch, das meine Neugier weckte. Es schildert den Werdegang von neun jungen Männern aus sehr einfachen Verhältnissen im äußersten Nordwesten der Vereinigten Staaten in den 1930er Jahren, der sie schließlich zu einem historischen Olympiasieg in der Königsdisziplin des Ruderns in Berlin im Jahr 1936 führte.

„The Boys in the Boat“ oder in der deutschen Übersetzung „Das Wunder von Berlin“ von Daniel James Brown gehört zu den wichtigen und wertvollen Büchern, die von vielen Menschen – vor allem aber auch von jungen Leuten, die heutzutage Probleme haben, sich in einer immer komplexeren Welt zu orientieren, gelesen werden sollten.

In den letzten Wochen bin ich beim Lesen des Buches mit den Protagonisten des Buches sehr vertraut geworden – dem genialen Steuermann Bobby Moch, dem Schlagmann Don Hume, der während der Olympiade so krank war, dass er unter normalen Umständen nicht hätte antreten können, Roger Morris, Shorty Hunt, Stub McMillan, Chuck Day, Gordy Adam, Johnny White, dem legendären Trainer Al Ulbrickson, dem weltberühmten Bootsbauer George Pocock und nicht zuletzt der Hauptperson des Buches, Joe Rantz, dessen Geschichte ich als besonders bewegend und beeindruckend empfinde.

Sister Eubank zitierte in ihrer Ansprache eine Passage aus dem Buch, in der beschrieben wird, wie die Jungs nach Jahren harter körperlicher Arbeit, aber auch hervorragender Persönlichkeitsbildung zu einer Harmonie gelangten, wodurch sie Rennen für Rennen gewannen – scheinbar nach Belieben und oft mit weniger Anstrengung als ihre Konkurrenten. Diese Harmonie wird im Rudern „Swing“ genannt. In Ermangelung eines geeigneten deutschen Wortes wurde dieser Zustand als „das perfekte Dahingleiten“ übersetzt.

Das olympische Finale gewannen sie zwar nur hauchdünn, aber der Nachteil der Außenbahn, die ihnen von den Veranstaltern ungerechterweise zugeteilt worden war, wog ein bis zwei Bootslängen schwer, die sie im Rennen wettzumachen hatten – mit einem schwer erkälteten Schlagmann.

Zitat:

„Manchmal geschieht etwas, was man nicht oft erreicht und was sich nur schwer beschreiben lässt: das perfekte Dahingleiten. Das gelingt nur, wenn alle in vollendetem Einklang rudern und jeder Handgriff synchron ist.

Die Ruderer müssen ihren starken Unabhängigkeitsdrang zügeln und gleichzeitig an ihren individuellen Fähigkeiten festhalten. Klone gewinnen kein Rennen. Die gute Mischung macht eine gute Mannschaft aus: Einer gibt die Kommandos, einer verfügt über Kraftreserven, einer kämpft bis zum Umfallen, einer ist der Ruhepol. Kein Ruderer ist wichtiger als der andere, sie alle werden im Boot gebraucht. Doch wenn sie gut zusammen rudern wollen, müssen sie sich gegenseitig auf das, was sie brauchen und können, einstellen: Wer kürzere Arme hat, streckt sich ein wenig mehr; wer längere Arme hat, streckt sich nicht gar so sehr.

Unterschiede können sich als Vorteil erweisen statt als Nachteil. Nur dann kommt es einem so vor, als gleite das Boot wie von allein übers Wasser. Nur dann weicht der Schmerz vollends dem Hochgefühl. Das perfekte Dahingleiten hat etwas von Poesie.“

Wie wünschenswert ist das in einer Gesellschaft, deren Gemeinschaftsgefühl durch eine zunehmend egozentrische Weltanschauung beschädigt wird. Wie wichtig wären die im Buch erwähnten Werte für die Bewältigung von Krisen, ohne in Hysterien zu verfallen, die wir jetzt gerade erleben.

Ich könnte sehr viel aus dem Buch zitieren, aber man sollte es am besten selbst lesen und schauen, was man daraus lernen kann.

Mir gefällt auch sehr, wie der Autor mit dem Naziregime abrechnet und der heutigen Generation klar zeigt, wie sorgfältig so viele Menschen damals getäuscht wurden und wie einfältig sie dieser teuflischen Weltanschauung folgten. Schon allein deshalb ist das Buch ein Must-Read.

Ein Zitat möchte ich aber noch anfügen. Es gibt einen Teil der Antwort auf die Frage, wie diese einfachen Jungen, die allesamt – besonders aber Joe Rantz – mit ihren Familien von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre schwer getroffen wurden, etwas so Großes erreichen konnten:

„… Die Jungs hatten einen mörderisch anstrengenden Auslesewettbewerb durchlaufen, und dabei hatte sich eine Art gemeinsamer Charakter herausgebildet. Sie beherrschten ihr Handwerk, sie waren zäh, und sie besaßen einen eisernen Willen, waren zugleich aber auch liebenswerte Menschen. Sie stammten alle aus einfachen Verhältnissen oder hatten in den harten Zeiten, in denen sie aufgewachsen waren, gelernt, sich zu bescheiden. Jeder hatte auf seine Weise erfahren, dass in diesem Leben nichts selbstverständlich war, dass in der Welt Kräfte wirkten, die trotz ihrer Kondition, ihres guten Aussehens und ihrer Jugend stärker waren als sie. Die Herausforderungen, denen sie sich gestellt hatten, hatten sie Demut gelehrt, die Notwendigkeit, das eigene Ich dem Boot als Ganzem unterzuordnen, und Demut war das Tor, durch das sie jetzt gehen konnten, um gemeinsam etwas zu schaffen, das ihnen bisher noch nicht gelungen war.“ (Hervorhebungen von mir)

Das englische Original finde ich noch eindrücklicher:

Ostersonntag – Radiobotschaft

Zwischen den Generalkonferenz Sessionen hatte ich heute morgen wieder die Gelegenheit, das Wort zum Tage auf Deutschlandradio Kultur zu sprechen. Die Aufnahme in Berlin letzte Woche war eine schöne Erfahrung – vor allem wegen der überaus freundlichen und hilfsbereiten Menschen, die ich beim Sender treffen durfte. Ein herzliches Dankeschön an die Regisseurin und allen, die sichtbar oder unsichtbar beteiligt waren.

Hier ist der Link zum Audio-Archiv des Senders für alle, die sonntags nicht so zeitig aufstehen mögen. Ihr habt bis 2038 Zeit, es euch anzuhören. 🙂

https://www.deutschlandfunkkultur.de/audio-archiv.517.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bsearchterm%5D=&drau%5Bfrom%5D=04.04.2021&drau%5Bto%5D=04.04.2021&drau%5Bbroadcast_id%5D=218

Für diejenigen, die lieber lesen, folgt hier der Text:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

eine der für mich ergreifendsten Szenen im Neuen Testament, ist die Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Jesus Christus an jenem Ostersonntagmorgen vor fast 2000 Jahren. Immer wenn ich die Verse im Johannes Evangelium (siehe Kapitel 20) lese, stelle ich mir die unendliche Freude vor, die Maria erfasste, als sie Jesus, um den sie sehr getrauert hatte, schließlich erkannte. In diesem Moment verstand sie endlich genau, dass alles eingetroffen war, wovon er viele Male vorher gesprochen hatte.

Für mich persönlich sind die Ereignisse, derer wir zu Ostern gedenken, der Inbegriff einer Hoffnung und eines Glaubens, die mich durch viele Herausforderungen in meinem Leben getragen haben.

Zu Ostern wird sehr viel über die Kreuzigung Christi gesprochen. Es gibt unzählige Bücher und Filme, die sein Leiden darstellen. Es wird weniger über einen einsamen, aber sehr bedeutungsvollen Moment gesprochen – sein Gebet im Garten Gethsemane, kurz bevor man ihn gefangen nahm.

Im Lukas Evangelium lesen wir, was Jesus in dieser Stunde des geistigen Schmerzes im Gebet sagte: „Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen. … Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ (siehe Lukas 22, Verse 42 und 44)

Wie groß muss das Leiden eines Menschen sein, aus dessen Poren Blut dringt?

Der Messias hat die Schrecken und Ungewissheiten des physischen Todes durch seine Auferstehung überwunden. Er hat außerdem auch die Last unserer Schwächen getragen, all unseren Kummer, unser Leid, unsere Krankheiten und alle Arten von Bedrängnis, die man als Sterblicher erleben kann. Es gibt keine Seelenqual, keine Betrübnis, die er nicht für uns durchlitten hätte.

Dies gibt uns vielleicht eine Vorstellung von den Dimensionen seines Opfers. Ich bin jedes Mal tief bewegt, wenn ich darüber nachdenke, wie unvorstellbar viel Liebe und Mitgefühl er aufgebracht haben muss, um uns Perspektiven voll von begründeter Hoffnung auf Heilung von Schmerzen, Leiden, Einsamkeit, Ungerechtigkeiten und Folgen von Fehlern über dieses Leben hinaus zu eröffnen.

Unabhängig davon, was jeder von uns im Detail glauben oder auch nicht glauben mag, so können wir jedoch alle aus diesem beispiellosen Akt der Liebe lernen, unsere Sinne mehr darauf zu richten, wie wir durch einfache Taten, die Leiden eines anderen Menschen verringern, Trost spenden und Hoffnungslosigkeit in Hoffnung verwandeln können.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest.

Bei der Vorbereitung auf die Botschaft haben mich ein Gemälde, das ich immer sehr gern im Freiberg Tempel anschaue und das Lied „Gloria“ aus Rob Gardner´s großartigem Oratorium „Lamb Of God“ beschäftigt und meine Gedanken beeinflusst.

Frohe Ostern und eine aufbauende Generalkonferenz.

Für alle, die Trost brauchen

Wenn das Leben um uns herum manchmal dunkel wird, ist es gut, wenn es etwas Licht gibt, dass die Finsternis ersetzen kann. Jeder von uns kennt Menschen, die in dieser Zeit auf irgendeine Weise körperlich oder seelisch leiden oder trauern.
Vor einigen Wochen haben wir als Instrumentalisten unserer Gemeinde beschlossen, trotz Corona, zwar räumlich getrennt aber dennoch gemeinsam, zu musizieren und etwas zu schaffen, das jemandem in seelischer Not, in Trauer, in Krankheit, Sorgen oder anderen Problemen, etwas Licht bringt. Wir hoffen, dass dies gelungen ist.

Für das Musikstück habe ich das Kirchenlied „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ gewählt, weil ich den Text sehr gut finde und die musikalische Umsetzung für uns Laienmusiker zu schaffen war.

Hier ist der Youtube Link:

Hier der Text:

  1. Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
    welch Trost mir die Erkenntnis gibt!
    Er lebt, er lebt, der einst war tot;
    er lebt mein Helfer in der Not.
    Er lebt, er weiß was mir gebricht;
    er lebt, gibt meine Seele Licht.
    Er lebt, er lebt, stand auf vom Tod;
    er lebt, glorreich der Sohn von Gott.
  2. Er lebt und hilft mir jederzeit;
    er lebt, verschafft mir Seligkeit.
    Er stärket mich, wenn ich bin schwach; 
    er höret all mein Ungemach.
    Er lebt, ich fürchte mich nicht mehr;
    er lebt, der Gottessohn, mein Herr.
    Er lebt und liebt mich voller Huld;
    er lebt und hat mit mir Geduld.
  3. Er lebt, bewacht mich in Gefahr;
    er trocknet meiner Tränen Schar.
    Er lebt, und weil er lebt, ich sing;
    er lebt, des Königs Lob erkling.
    Er lebt, hat Leben mir gebracht;
    er lebt, der Tod hat keine Macht.
    Voll Freude meine Stimm erbebt:
    Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.
  4. Er lebt, der wahre Gottessohn;
    er lebt, all Ehre seinem Thron!
    Welch Trost mir die Erkenntnis gibt:
    Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!
    Er lebt, sein Name sei gelobt;
    er lebt, sein’ Lieb ist nun erprobt.
    Voll Freude meine Stimm erbebt:
    Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!

Wie haben wir das technisch gemacht?

Ich habe eine Master MP3 mit möglichst genauen Anweisungen und den Notensatz für jedes Instrument angefertigt und an jeden Musiker geschickt. Jeder hat für sich mit dem Master im Ohr die eigene Stimme eingespielt und ein Video z.B. mit dem Handy aufgenommen. Die Videoformate sollten gleich sein (wie z.B. in unserem Fall 16:9).

Ich habe dann die Videos mit einer Videobearbeitungssoftware (z.B. DaVinci Resolve – das geht ziemlich gut) bearbeitet und in ein Video eingefügt. Es war relativ aufwändig, die einzelnen Stimmen möglichst synchron zu bekommen und die Lautstärken abzustimmen. Resolve hat dafür aber gute Werkzeuge. Ich kenne mich zwar nur sehr fragmentarisch mit der Software aus, aber es gibt gute Tutorials auf Youtube. Man braucht halt etwas Geduld und natürlich ist alles nicht so perfekt, wie das Profis können.

In die Mitte habe ich einige Fotos eingefügt, die ich vor einigen Jahren bei einer Dienstreise nach Jerusalem auf dem Ölberg und am Gartengrab gemacht habe und die mich immer wieder bewegen.

Ich wünsche allen, denen es in diesen Zeiten nicht gut geht, den Trost, die Zuwendung und Hilfe, die Hoffnung und vor allem auch den Segen Gottes, die sie benötigen.

Instagram snippets Part 02

25.12.2020

Weihnachten bietet uns in diesem besonderen Jahr viele Gelegenheiten, in uns zu gehen und über Bedeutung der Geburt von Jesus Christus nachzudenken.
Ich habe gerade mit Esther nochmals Moroni 7 im Buch Mormon gelesen. Wir haben uns die einzelnen Verse gründlich angeschaut und darüber gesprochen, wo wir stehen, sie auf uns zu beziehen und in unserem Leben besser anwenden können.

„Darum möchte ich zu euch sprechen, die ihr von der Kirche seid, die ihr die friedlichen Nachfolger Christi seid und die ihr genügend Hoffnung erlangt habt, durch die ihr in die Ruhe des Herrn eingehen könnt, von dieser Zeit an, bis ihr bei ihm im Himmel ausruhen werdet.
Und nun, meine Brüder, beurteile ich euch so wegen eures friedlichen Wandels unter den Menschenkindern.
Denn ich denke an das Wort Gottes, das da lautet: An ihren Werken werdet ihr sie erkennen; denn wenn ihre Werke gut sind, dann sind auch sie gut.“
(Moroni 7:3-5)

This year’s special Christmas provides us with many opportunities to reflect on the true meaning of Jesus Christ’s birth.
I just re-read Moroni 7 in the Book of Mormon with Esther. Verse by verse, we spoke about where we are in our efforts and how we can apply the scriptures better in our daily life.

„Wherefore, I would speak unto you that are of the church, that are the peaceable followers of Christ, and that have obtained a sufficient hope by which ye can enter into the rest of the Lord, from this time henceforth until ye shall rest with him in heaven.
And now my brethren, I judge these things of you because of your peaceable walk with the children of men.
For I remember the word of God which saith by their works ye shall know them; for if their works be good, then they are good also.“
(Moroni 7:3-5)

22.12.2020

„For unto us a child is born, unto us a son is given: and the government shall be upon his shoulder: and his name shall be called Wonderful, Counsellor, The mighty God, The everlasting Father, The Prince of Peace. Of the increase of his government and peace there shall be no end, upon the throne of David, and upon his kingdom, to order it, and to establish it with judgment and with justice from henceforth even for ever. The zeal of the Lord of hosts will perform this.“
Isaiah 9:6‭-‬7 KJV

„Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn »Wunderbarer Ratgeber«, »Starker Gott«, »Ewiger Vater«, »Friedensfürst«. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Auf dem Thron Davids wird er regieren und sein Reich auf Recht und Gerechtigkeit gründen, jetzt und für alle Zeit. Der Herr , der allmächtige Gott, wird dies eintreffen lassen, leidenschaftlich verfolgt er sein Ziel.“
Jesaja 9:5‭-‬6 HFA

20.12.2020

War gestern im Wald laufen. Das ist immer eine gute Zeit zum Nachdenken. Mich hat Johannes 1 beschäftigt:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen. Es ward ein Mensch von Gott gesandt, der hieß Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, daß er von dem Licht zeugte, auf daß sie alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern daß er zeugte von dem Licht. Das war das wahrhaftige Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt kannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die an seinen Namen glauben; welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Johannes 1:1‭-‬14 DELUT
https://bible.com/bible/51/jhn.1.1-14.DELUT

Wie gut wäre es, wenn das begriffen würde.

Instagram snippets Part 01

Für alle Leser, die sich nicht mit Instagram oder Facebook befassen, möchte ich einige meiner Posts in diesen Medien in ein paar Blogbeiträge packen. (Partially in English)

Sonntag, 17.01.2021

In der heutigen Ausgabe von „Music & the Spoken Word“ des Tabernacle Choir hat der Sprecher Lloyd Newel den ehemaligen britischen Großrabbiner Jonathan Sacks (verstorben im November 2020) zum Thema Freiheit zitiert. Freiheit ist eine moralische Errungenschaft. Sie erfordert eine Moral, die auf der Sorge um das Wohlergehen anderer begründet ist. Sie ist ein aktives Bekenntnis zu Gerechtigkeit und Mitgefühl und verkörpert den Willen, nicht nur danach zu fragen, was gut für mich ist, sondern gut für uns alle. Es geht vielmehr um das Wir und Uns, nicht nur um das Ich und Mir.

Die Covid-19 Pandemie bereitet uns Gelegenheiten, als Menschheit insgesamt moralisch zu wachsen – nicht nur um die Pandemie zu bewältigen, sondern auch zur besseren Vorbereitung auf Probleme, die sich in Zukunft als Folgen der Missachtung der Gesetze von Ursache und Wirkung in großen Teilen der Gesellschaft verschärfen oder neu entstehen werden.

Die Chance zu diesem moralischen Wachstum, das hauptsächlich durch ein nachhaltigeres Verhalten jedes einzelnen erreicht werden kann, sollten wir gut nutzen.

Dienstag, 12.01.2021

Found this beautiful definition of success by Bessie Anderson Stanley from 1904 recently:

„He achieved success who has lived well, laughed often, and loved much;
Who has enjoyed the trust of pure women, the respect of intelligent men and the love of little children;
Who has filled his niche and accomplished his task;
Who has never lacked appreciation of Earth’s beauty or failed to express it;
Who has left the world better than he found it,
Whether an improved poppy, a perfect poem, or a rescued soul;
Who has always looked for the best in others and given them the best he had;
Whose life was an inspiration;
Whose memory a benediction.“

Vor kurzem fand ich diese schöne Definition von Erfolg, geschrieben von Bessie Anderson Stanley im Jahr 1904. Die deutsche Übersetzung stimmt nicht ganz genau mit dem Originaltext überein, aber die Botschaft ist die gleiche.

„Es  hat  derjenige  Erfolg  gehabt, der  gut  gelebt,  oft  gelacht  und  viel  geliebt  hat.
Der  sich  das  Vertrauen  und  die  Achtung  kluger  Menschen  verdiente  und  die Liebe  kleiner  Kinder.
Der  seinen  Platz  fand  und  seine  Aufgabe  erfüllte;
der  die  Welt  besser  verließ,  als  er  sie  vorfand, sei  es  durch  schöne  Blumen,  die  er  züchtete, ein  vollendetes  Gedicht  oder  eine  gerettete  Seele.
Es  hat  derjenige  Erfolg  gehabt,   dem es nie  an Dankbarkeit  fehlte, der  die  Schönheit  unserer  Welt  zu  schätzen  wusste und  der  nie  versäumte,  dies  auszudrücken;
der  in  anderen  immer  nur  das  Beste  suchte und  von sich  das  Beste  gab;
dessen  Leben  eine  Inspiration  war und  die  Erinnerung  an  ihn  ein  Segen.“

Mittwoch, 06.01.2021

Don’t focus too much on the bad so that you don’t overlook the good.

Fokussiere dich nicht zu sehr auf das Schlechte, damit du das Gute nicht übersiehst.

Während des Lockdowns

Vor kurzem habe ich in einem Hörbuch diesen Spruch gehört: „Fokussiere dich nicht zu sehr auf das Schlechte, damit du das Gute nicht übersiehst.“
Eine gute Aussage in diesen Zeiten, wo negative Schlagzeilen in endloser Folge auf uns einströmen.

Wenn man, wie wir, in einem Corona-Hotspot (Sachsen) wohnt und leider immer noch ein erschreckendes Maß an Unvernunft sieht, fällt es nicht leicht, der aktuellen Lage viel Gutes abzugewinnen. Dennoch gibt es viel mehr Gutes zu entdecken, wenn man es denn will.

Ich finde es gut, dass es viele Menschen gibt, die sich konsequent an die AHA-Regeln halten, weil sie sowohl intellektuell als auch emotional begriffen haben, dass es einer entschlossenen, gemeinsamen gesellschaftlichen Anstrengung bedarf, um irgendwann aus dieser Pandemie heraus zu kommen (nein, es hängt eben nicht nur an Impfungen). Ich bewundere Länder, die zu solchen gemeinsamen Anstrengungen fähig sind und die erforderliche Disziplin aufbringen, z.B. Taiwan (etwas mehr als 800 Fälle und 7 Todesfälle – nein, nicht pro Tag oder pro Woche, sondern insgesamt seit Ausbruch der Pandemie). Natürlich bringen Zweifler alle möglichen Argumente dagegen vor, verfehlen aber damit das Thema. Mag sein, dass ein Inselstaat besser kontrollieren kann, wer ein- und ausreist, aber das ist nicht wirklich der Punkt. Ich war beruflich ungefähr 90 mal in Taiwan und habe Land und Leute recht gut kennengelernt. Taiwan hat mehr als 23 Millionen Einwohner und eine fast dreimal so hohe Bevölkerungsdichte wie Deutschland. Es ist eine sehr lebendige Demokratie, in der die Leute rege Gebrauch von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung machen. Es gibt aber insgesamt eine viel deutlicher ausgeprägte Einstellung im größten Teil der Bevölkerung, auf Bedrohungen und Gefahren von außen mit Einsicht und Disziplin zu reagieren und sich an Anweisungen, die alle schützen sollen, zu halten. Ich habe das etliche Male miterlebt, wenn z.B. ein Taifun im Anmarsch war oder die Erde gewackelt hat. Die Regierung hat sehr schnell unpopuläre Maßnahmen ergriffen und diese auch konsequent durchgesetzt hat. Dadurch waren zwar einige hunderttausend Menschen signifikant (jedoch nur temporär) betroffen, aber dafür herrscht seit Monaten für alle eine viel größere Normalität als bei uns, wie die Zahlen beweisen. Ich finde, daran sollten wir uns durchaus mehr orientieren und zwar jeder persönlich.

Es hat eine gewisse Tragik, dass wachsende Teile unserer Gesellschaft immer stärker divergieren (wie man jetzt in den USA ganz krass und bei uns in Ansätzen sehen kann), obwohl es angesichts der vielen anstehenden und auch in Zukunft zu erwartenden Probleme (und Covid-19 ist ja nur eines davon) viel besser wäre, diesen Trend umzukehren und Gemeinsamkeiten auf der Basis nachhaltiger Werte zu suchen und zu leben.

Das heißt nicht, dass wir unsere Augen vor Missständen, Ungerechtigkeiten und Irrtümern verschließen sollen. Wir müssen aber lernen, wieder rationaler und ausgeglichener mit Unterschieden umzugehen. Das beginnt schon damit, welchen Stellenwert das Positive gegenüber dem Negativen in unseren Wahrnehmungen einnimmt. In den Medien sind negative Berichte und ihre Interpretationen ganz klar und mittlerweile auf sozial ungesunde Weise überrepräsentiert. Man muss deutlich intensiver suchen, um Gutes zu finden.
Allerdings stellen Medien das dar, was die Mehrzahl der Konsumenten sehen, hören oder lesen will. So lange sich das nicht verändert, wird uns dieses Ungleichgewicht erhalten bleiben. Es ist wichtig, dass wir möglichst objektiv erfahren, was in der Welt alles nicht in Ordnung ist. Noch wichtiger wäre es aber, mit einem Anteil von deutlich über 50% darzustellen, welche guten, großartigen und inspirierenden Dinge in der Welt vollbracht werden. Wir brauchen viel mehr Einflüsse, die die Sozialkompetenzen der Menschen erweitern und eine Rückbesinnung auf Werte fördern, die es für ein friedliches und solidarisches Zusammenleben braucht. Man stelle sich zum Beispiel Nachrichtensendungen auf allen möglichen Kanälen vor, die sich dieses Prinzip zu eigen machen.

Leute, die alles kritisieren, was ihnen vor die Füße fällt, ohne selbst konstruktive und konsensfähige Verbesserungsvorschläge zu machen und die sich an Konflikten weiden, haben wir im Moment genug. Ich wünschte, das wenigstens ein Teil der Energie, die aufgebracht wird, dafür verwendet würde, Gräben zwischen den Menschen zu überbrücken und das Positive in den Vordergrund zu stellen. Destruktive Kritik hat noch nie nachhaltige Verbesserungen durch Herzensänderungen bewirkt. Destruktive Kritik kümmert sich nicht um Zusammenhänge oder das big picture. Destruktive Kritiker lieben es, sich ein Steckenpferd zu wählen, in dem sie sich kompetent fühlen, reißen es aus dem größeren Kontext und erzeugen vor allem eines – Unfrieden. Das bringt uns nicht weiter.

Mir hat gefallen, wie sich Präsident Russell M. Nelson zur letzten Generalkonferenz im Oktober 2020 zu den gesellschaftlichen Veränderungen in der Welt kurz und prägnant geäußert hat:

„Die Herausforderung für Sie und mich besteht darin, dafür zu sorgen, dass jeder von uns sein göttliches Potenzial verwirklicht. Heutzutage hört man oft von einem „neuen Normalzustand“. Wenn Sie einen neuen Normalzustand wirklich annehmen wollen, bitte ich Sie, Ihr Herz, Ihren Sinn und Ihre Seele zunehmend dem Vater im Himmel und seinem Sohn Jesus Christus zuzuwenden. Lassen Sie dies zu Ihrem neuen Normalzustand werden.
Nehmen Sie Ihren neuen Normalzustand an, indem Sie jeden Tag umkehren. Bemühen Sie sich darum, in Gedanken, Wort und Tat immer reiner zu werden. Dienen Sie anderen geistlich. Richten Sie Ihren Blick stets auf die Ewigkeit. Machen Sie Ihre Berufungen groß. Und leben Sie trotz aller Herausforderungen, meine lieben Brüder und Schwestern, jeden Tag so, dass Sie besser vorbereitet sind, vor Ihren Schöpfer zu treten.“

Das ist reichlich Stoff zum Nachdenken.

Zum 4. Advent

Zum Ausklang des 4. Advent möchte ich noch ein paar Gedanken posten.

Heute Morgen wurde im Deutschlandfunk Kultur ein Beitrag, den ich für unsere Kirche geschrieben habe, gesendet. Durch die hohen Corona Inzidenzwerte in meinem Heimatlandkreis Zwickau konnte ich diese Woche nicht selbst zur Aufnahme ins Studio nach Berlin fahren. Deshalb hat diese Aufgabe ein Sprecher des Senders übernommen, der das auch viel besser kann als ich.

Hier ist der Link zum Nachhören:

https://presse-de.kirchejesuchristi.org/artikel/deutschlandfunk-kultur-weihnachtsbotschaft-zum-nachhoeren

Einen Teil der Botschaft habe ich einem lieben Freund gewidmet, der vor kurzem verstorben ist und auf dessen Beerdigung ich die Trauerrede gehalten habe.

Der zweite Gedanke ist eine Fireside, die ich vergangenen Sonntag per Zoom für die jungen Erwachsenen unseres Pfahles abgehalten habe. Dabei ging es mir vor allem um Standhaftigkeit im Glauben und wie man verhindern kann, dass man leichtfertig Erkenntnisse und Glaubensgrundsätze mit ewiger Relevanz wegwirft oder gegen, zwar bequemere, aber dafür mit Bezug auf das ewige Leben, irrelevante Haltungen eintauscht.

Hier ist der Link zur Aufzeichnung der Fireside:

https://youtu.be/LwZsYHNjoMw

Den dritten Punkt habe ich bereits in einigen sozialen Medien geteilt. Es ist ein kleines musikalisches Projekt, das ich mit meiner Tochter Janey Habicht, sowie Karen Vogel aus meiner Heimatgemeinde und Elder Kobe Rowe, der in unserer Gemeinde als Missionar gedient und seine Mission inzwischen vollendet hat, durchgeführt habe. Ich war zwar in dem Quartett der älteste, aber mit meinen 1.5 Jahren Cellopraxis der bei weitem unerfahrenste Spieler. Es war aber eine sehr schöne Erfahrung, eine gemeinsame Anstrengung zu unternehmen, obwohl wir durch Corona alle räumlich getrennt waren und nicht gemeinsam üben konnten. Nebenbei habe ich noch gelernt, wie man so ein Video zusammenbaut.

Hier ist ebenfalls der Youtube Link.

https://youtu.be/3zBEj2OdQGs

Viel Freude damit und frohe Weihnachten.

Erster Advent

Die Weihnachtszeit wird sich dieses Jahr stark von den vergangenen Jahren unterscheiden. Natürlich könnten wir unsere Zeit damit verbringen, uns zu beklagen – über alles mögliche. Am Ende werden sich die Zustände nur nachhaltig verbessern, wenn Vernunft und Empathie die Oberhand über Rücksichtslosigkeit und Ignoranz gewinnen.

Als ich diese Woche auf einer Beerdigung gesprochen habe, habe ich versucht, die Trauergäste an eine andere Perspektive zu erinnern. Was haben Menschen erlebt, die z.B. vor ungefähr 100 Jahren geboren wurden? Der Verstorbene wurde 1934 geboren. Im Alter von 5 oder 6 Jahren war seine Kindheit mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges praktisch zu Ende. Ein normales Leben gab es nicht. Die Einschränkungen waren dramatisch. Nach dem Krieg herrschten Zerstörung und Hungersnot. Der Vater kam 1950 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück. Man muss es nicht weiter ausführen.

Mein eigener Vater wurde 1917 geboren. Da tobte noch der Erste Weltkrieg. Danach kamen neben der Not außerdem die Spanische Grippe Pandemie, politische Turbulenzen, Inflation, Weltwirtschaftskrise, das Unrechtsregime der Nazis und schließlich ein weiterer furchtbarer Krieg mit drastischen Auswirkungen. Manchmal sollte man sich wirklich mal in eine andere Zeit versetzen, versuchen zu verstehen und das, was wir erleben, passend einzuordnen.

Es ist so wichtig, dass wir bewusst Seelenbildung betreiben, damit unsere Gesellschaft menschlich weniger Schaden nimmt. Es braucht Momente, die Herzen berühren und das Gute in uns und unseren Glauben stärken. Ich denke, dass viel mehr Menschen glauben, als es zugeben.

Vor einigen Tagen bin ich auf Youtube auf das Video unten gestoßen. Vor knapp zwei Jahren habe ich schon einmal über diese berührende Geschichte geschrieben (https://thomashengst.com/2018/12/08/it-is-well-with-my-soul/). Ich finde aber, sie passt auch dieses Jahr sehr gut in die Adventszeit. Sie wird im Video noch etwas ausführlicher beschrieben. Mittlerweile habe ich auch die Noten für das großartige Arrangement von Mack Wilberg gefunden (Oxford University Press). Ich freue mich schon auf das Musizieren.

9. November 1989

Heute, am 31. Jahrestag des Mauerfalls, habe ich mir ein paar Videos angesehen, um meine Erinnerungen an diesen denkwürdigen Tag, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde, zu zelebrieren.

Dem waren viele Ereignisse vorausgegangen, wie diese Beispiele hier zeigen:

Es war nicht leicht, in der DDR ein konsequent praktizierender Christ zu sein. Aber: Glaube, der auf einem soliden Fundament beruht, wird fürgewöhnlich nicht schwächer, wenn er verfolgt wird. Relativismus, Gleichgültigkeit und Beliebigkeit, wie wir sie heute erleben, bedrohen Glauben offensichtlich stärker. Menschen mit starkem Glauben und Mut gehörten zu den wichtigsten Triebkräften der friedlichen Revolution in der DDR.

Diesen Ereignissen ging aber fast ein ganzes Jahrzehnt mit Entwicklungen voraus, die durch couragierte Menschen vorangetrieben wurden, die zur richtigen Zeit, am richtigen Platz, in der richtigen Funktion gewirkt haben.

In meiner Bibliothek zu Hause habe ich zum Beispiel das folgende Buch, dessen Lektüre für mich ein großer Erkenntnisgewinn war und dessen Inhalt vor allem der jüngeren Generation weitestgehend unbekannt sein dürfte.

Am 3. Oktober diesen Jahres hatte ich die Gelegenheit, im Deutschlandfunk Kultur anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung das Wort zum Tage zu sprechen. Hier der Link zum Podcast:

Mein Hauptanliegen im Text war es, die Notwendigkeit, Einigkeit auf möglichst vielen gesellschaftlichen Ebenen anzustreben, zu leben, nicht durch Engstirnigkeit und Egoismus zu gefährden und damit dieses großartige historische Geschenk vollendet werden kann.

Zitat aus dem Text:

„Der Apostel Paulus rief vor fast 2000 Jahren die Bewohner von Korinth auf: „Geschwister, im Namen von Jesus Christus fordere ich euch auf, eins zu sein. Redet so, dass eure Worte euch nicht gegeneinander aufbringen, und lasst es nicht zu Spaltungen unter euch kommen. Seid vielmehr ganz auf dasselbe Ziel ausgerichtet und haltet … zusammen.“ (1. Korinther 1:10)

Jesus Christus selbst hat es so ausgedrückt: „Ein jegliches Reich, das mit sich selbst uneins wird, wird wüst …“ (Lukas 11:17)

Sich um Einigkeit zu bemühen und Prinzipien zu folgen, die Einigkeit bewirken, bedeutet nicht gleichgeschaltet zu sein. Es bedeutet aber sehr wohl, dass die Kultur unseres gesellschaftlichen Diskurses und Handelns dringend einer Korrektur bedarf und dass der Wille, Gemeinsamkeiten zu suchen und zu finden, gestärkt werden muss, damit dauerhafter Schaden von unserem Land abgewendet werden kann. Dieser Verantwortung darf sich eigentlich niemand angesichts der Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft entziehen.“

Leider erleben wir immer mehr das Gegenteil. Es ist manchmal frustrierend, wie man z.B. am Wochenende in Leipzig erleben musste. Die Zunahme an unreflektierter Kritik über offen zur Schau gestellte Ignoranz bis hin zu sinnloser Gewalt und Zerstörung müssen uns Sorgen machen. Am lautesten sind dabei oft Menschen, die eigentlich dringend ein paar Grundkurse in Vernunft, Anstand, Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme, Verständnis entwickeln, Logik, Weitsicht, Egoismus-Prävention, Achtung vor dem Wohlergehen und dem Eigentum anderer, Toleranz, Mitgefühl, sozialem Benehmen und noch einiges mehr absolvieren müssten.

Auch innerhalb der Kirche sind wir nicht frei von Herausforderungen, die Einigkeit gefährden und den Gemeinden geistige Kraft entziehen, die gerade in dieser Zeit umso mehr gebraucht werden.

Sister Sharon Eubank, deren dynamische Art ich sehr schätze, hat zur letzten Generalkonferenz unter der Überschrift „Wenn wir uns bemühen, in unseren Empfindungen eins zu sein, rufen wir die Macht Gottes herab, der unsere Anstrengungen vervollständigen wird“ sehr gut darüber gesprochen. Hier ein Auszug:

„1842 arbeiteten die Heiligen mit aller Kraft am Bau des Nauvoo-Tempels. Nach Gründung der Frauenhilfsvereinigung im März nahm der Prophet Joseph Smith oft an den Versammlungen der Frauen teil, um sie auf die heiligen, sie einigenden Bündnisse vorzubereiten, die sie schon bald im Tempel eingehen würden.

Am 9. Juni sagte der Prophet, er werde „Barmherzigkeit predigen[.] Angenommen, Jesus Christus und die Engel erhöben wegen etwas Geringfügigem Einwände gegen uns – was würde aus uns werden? Wir müssen barmherzig sein und über Kleinigkeiten hinwegsehen.“ Präsident Smith fuhr fort: „Es betrübt mich, dass unsere Gemeinschaft so oberflächlich ist. Wenn ein Mitglied leidet, müssen es doch alle merken. Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott.“

Diese Aussage traf mich wie ein Blitz: Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott. Diese Welt ist nicht so, wie ich sie gerne hätte. Es gibt vieles, was ich ändern und verbessern möchte. Und ehrlich gesagt, gegen das, was ich mir erhoffe, gibt es so viel Widerstand, dass ich mich bisweilen machtlos fühle. Kürzlich habe ich mir ein paar tiefgründige Fragen gestellt: Wie kann ich meine Mitmenschen besser verstehen? Wie kann ich dazu beitragen, dass wir „in unseren Empfindungen eins“ sind, wo wir doch alle so unterschiedlich sind? Zu welcher Kraft von Gott hätte ich Zugang, wenn ich nur etwas mehr Einigkeit mit anderen hätte?“

Sister Eubank schlägt in ihrer Rede drei Punkte vor, die uns, bei kluger Anwendung, helfen würden, deutliche Fortschritte in dieser Sache zu machen.

  1. Freigebig mit unserer Barmherzigkeit sein.
  2. Unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben so in Einklang bringen, dass das Ruderboot (die Gemeinde, Familie, Firma, Gesellschaft) symbolisch gesehen harmonischer gleiten kann.
  3. Missstände zügig abstellen, damit und so schnell das Gute wachsen kann. Das geschieht am besten, wenn jeder dem Balken im eigenen Auge mehr Beachtung schenkt, als dem Splitter im Auge des Anderen (siehe Matthäus 7:3)

Es lohnt sich, die gesamte Ansprache zu lesen und daraus zu lernen:

https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2020/10/31eubank?lang=deu

Fasten

Wie für viele andere Menschen, hat Corona dieses Jahr auch unsere Urlaubspläne mehrmals gründlich verändert. Im Sommer wollten wir ursprünglich mit Sohn und Schwiegertochter eine Rundreise durch England machen und hatten im Januar alles schon ziemlich genau geplant. Verschiedene Dinge haben uns aber vom Buchen abgehalten und dann war plötzlich März und wir waren froh, dass wir keine Hotels und Flüge stornieren mussten.

Meine Frau hatte eine andere Idee, von der ich anfangs überhaupt nicht begeistert war. Sie wollte einen Fastenurlaub machen. Ich konnte mir das beim besten Willen nicht vorstellen – wie die meisten unserer Bekannten ebenfalls nicht 🙂 Waaaas? Im Urlaub fasten? Da wollen wir es uns doch richtig gut gehen lassen …). Ich wollte sie aber nicht enttäuschen und willigte ein. Sie hatte sowieso schon mit Recherchen im Internet begonnen.

Fasten ist für uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi ja nichts unbekanntes. Wir fasten jeden Monat am ersten Wochenende für 24 Stunden und das schon soweit ich zurückdenken kann. Wir fasten und beten für Menschen, denen es nicht gut geht. Wir bitten um Kraft und Hilfe für die Lösung von Problemen, um Erkenntnis, Weitsicht und Stärke im Glauben. Das Geld, das wir für die Mahlzeiten einsparen, spenden wir für die Unterstützung von Notleidenden. Wir glauben daran, das Fasten und Verzicht, nicht nur für andere sondern auch für uns ein Segen sind. Es lehrt uns Disziplin und Großzügigkeit. Es ist nicht nur gut für den Körper, sondern vor allem auch für den Geist. Es dient der Prävention gegen Egoismus, macht uns besinnlicher und schafft uns eine größere Nähe zu Gott.

Esther musste mich also nicht überzeugen, das Fasten etwas sinnvolles ist. Ich musste mich aber an den Gedanken gewöhnen, dass es nicht um einen Fastentag sondern um eine Fastenwoche ging.

Nachdem wir uns verschiedene Optionen angesehen hatten, entschieden wir uns für den Fastenhof Behm (www.fastenhof.de) in Flecken Zechlin im äußersten Norden von Brandenburg. Wie sich zeigen sollte, war das eine der besten Entscheidungen, die wir in den letzten Jahren getroffen haben. Anstatt einer Woche wählten wir zwei – eine Woche Buchinger Fasten und eine Woche als idealen Aufbau basisches Intervallfasten. Ich war gespannt, wie das für mich funktionieren würde.

Fastenhof Behm
Gästehaus

Es hat sehr gut funktioniert. Ich habe viele Jahre nicht so viel Energie und Leichtigkeit verspürt. Wir sind jeden Tag zwischen 10 und 15 km Wandern gegangen, meist um einen der wunderschönen Seen im Rheinsberger Seengebiet. Und natürlich waren wir täglich ausgiebig schwimmen, meist mehr als 1 km. In der Buchinger Fastenwoche gab es lediglich morgens einen frisch gepressten Fruchtsaft und nachmittags eine leichte Suppe plus 2-3 Liter Wasser und Tee über den Tag verteilt.
Ab dem zweiten Tag hatte ich keine Hungergefühle mehr und habe mich auch nicht schlapp gefühlt. Ich hätte die Runden um die Seen 2- oder 3-mal drehen können, so viel Bewegungsdrang hatte ich. Ich hatte keine Kreislaufprobleme (was am Anfang einer Fastenwoche schon mal vorkommen kann) und auch keine Kopfschmerzen, da es Koffeinentzug bei uns nicht geben kann. In der basischen Fastenwoche, in der wir morgens einen reichhaltigen Smoothie und nachmittags ein, ich muss es für alle Zweifler so sagen, vorzügliches basisch-veganes Menü zu uns genommen haben, bin ich sogar zusätzlich noch laufen gegangen.

Kleiner Zermittensee
Großer Zechliner See
Wittwesee
Schloss Rheinsberg

Wir empfanden auch das Erlebnis, die beiden Wochen jeweils in verschiedenen Gruppen von ca. 15 Personen zu verbringen, bereichernd. Wir waren erst etwas unschlüssig, da wir eigentlich Individualurlauber sind, aber erstens hatten wir genügend Möglichkeiten, uns individuell zu betätigen und zweitens war es in der Gruppe leichter, sich gegenseitig zu unterstützen, sich besser kennenzulernen und überaus interessante Gespräche zu führen. Es war sehr wohltuend.

Wir haben nicht nur etwas für unseren Körper, sondern auch für den Geist getan. Neben der körperlichen Frische, haben wir dasselbe im Geist verspürt. Wir waren eng mit der Natur verbunden, haben uns Momente der Stille geschaffen, die Grundlagen der Feldenkrais-Methode, Achtsamkeit und vieles mehr gelernt und uns mit netten Menschen ausgetauscht, die alle irgendwie versuchen, ein nachhaltigeres Leben zu führen.

Ich persönlich habe mehrere Kilogramm abgenommen, signifikant viszerales Fett abgebaut und meinen Bauchumfang um mehr als 5cm reduziert. Jetzt, nach fast drei Monaten ist das alles noch stabil. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass wir unsere Ernährungsgewohnheiten verbessert haben und uns damit auch mehr im Einklang mit dem Wort der Weisheit fühlen, das eben nicht nur aus dem Verzicht auf Alkohol, Tee, Kaffee, Nikotin und andere schädliche Drogen besteht.

In beiden Wochen wurden wir einfühlsam und kompetent von zwei Fastenleiterinnen angeleitet. An dieser Stelle herzlichen Dank an Susanne Grewe und Kathrin Heinicke für ihre wunderbare Arbeit, die super Betreuung, motivierenden Worte und die vielen guten Anregungen.

Wir hatten in der basischen Fastenwoche außerdem die Ehre, die veganen Kochkünste von Franka Kunze genießen zu dürfen. Das war ein absolutes Highlight. Allein schon deshalb werden wir das sicher wiederholen. 🙂 Neben dem tollen Essen, haben wir von Franka auch sehr viel über nachhaltige Ernährung nach den Prinzipien des gesunden Menschenverstandes gelernt.

Abschließend natürlich auch ein herzliches Dankeschön an Susanne Behm und ihr Team. Der Hof ist ein Kleinod zum Wohlfühlen in einer ungekünstelten, natürlichen und wohltuenden Atmosphäre.

Wir werden sehr gern wiederkommen.

Am Repenter-Kanal

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