Wie ich ein CES Lehrer wurde

Ich hatte in meiner Jugend einige einschneidende Erlebnisse,  die mein Leben entscheidend geprägt haben. Dazu gehörten die Ereignisse, die dazu führten, dass ich mit 19 Jahren als Lehrer im Seminarprogramm des Bildungswesen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (CES = Church Education System) berufen wurde als ich selbst dort noch Schüler war.

Das Seminarprogramm ist im Prinzip die religiöse Highschool für 14- bis 18-jährige Mormonen oder auch alle anderen, die daran Interesse haben. Es durfte 1980, als ich 16 war, in der DDR eingeführt werden. Es war für uns wie ein Wunder, da wir eigentlich an die restriktive Haltung der Regierung gegenüber uns gewöhnt waren. Wir waren total begeistert von dem Programm,  das sich über vier Schuljahre erstreckt. Für uns Jugendliche aus Hohenstein-Ernstthal fand der Unterricht einmal pro Woche nachmittags in Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) statt. Ich erinnere mich sehr gern an diese Zeit und die guten Lehrer die wir hatten.

Ich hatte gerade eine Ausbildung zum Heizungsmonteur begonnen. Eigentlich wollte ich lieber studieren,  aber für einen Mormone, der nicht der kommunistischen Jugendorganisation FDJ angehörte und von vornherein deutlich gemacht hatte, keineswegs drei Jahre in der Nationalen Volksarmee zu dienen, waren die Chancen auf einen Studienplatz auf normalem Wege sehr gering. Ich folgte deshalb dem Rat meines Vaters, die Ausbildung zu beginnen,  in der Hoffnung,  dass sich irgendwann eine Chance auf ein Studium ergeben würde. Mein Vater war zu dieser Zeit schon schwer an Silikose erkrankt, eine Folge seiner Arbeit im Uranbergbau der Wismut. Er wollte mich auch so schnell wie möglich finanziell unabhängig sehen. Wie sich zeigen sollte, war das ein guter Rat.

Anfang des zweiten Lehrjahres hatte ich einen Arbeitsunfall bei Schweißarbeiten in einem Kesselhaus und zog mir einen komplizierten Bruch des linken Handgelenks zu. Die Heilung verlief nicht gut und es blieb ein Dauerschaden am Gelenk, der mir heute noch zu schaffen macht.

Ein Jahr später,  mit 18,  wurde ich wie jeder andere für den Pflichtwehrdienst in der NVA begutachtet, trotz meiner Verletzung als diensttauglich erklärt und als Militärkraftfahrer gemustert.

Ich konnte meine Ausbildung abschließen, aber die Ärzte gaben mir den Rat, den Beruf zu wechseln. Mein Ausbildungsbetrieb bot mir eine Alternative, aber die war auf längere Frist nicht gut. Ich äußerte deshalb den Wunsch zu studieren, worauf man mir sagte, dass dies in meinem Fall nicht so einfach sei, man sich aber um eine Lösung bemühen würde. Das taten meine Chefs auch wirklich, wofür ich ihnen immer dankbar sein werde. Das Ergebnis war, dass ich im Juli 1983 einen Einberufungsüberprüfungsbefehl von der Armee für Anfang September erhielt. Das war ein sicheres Zeichen, dass ich kurz danach zur Armee eingezogen werden würde und hoffentlich nach den 18 Monaten Pflichtwehrdienst mein Studium beginnen könnte.

Es kam aber ganz anders. Anfang August des betreffenden Jahres nahm ich an einer Jugendtagung unserer Kirche teil, die zwei wesentliche Folgen hatte. Ich lernte das Mädchen kennen, das später meine Frau wurde und ich hatte ein Gespräch mit Manfred Schütze, einem unserer Kirchenführer. Er hatte damals Verantwortung für das Bildungswesen der Kirche in der DDR. Wir saßen auf einer Parkbank hinter dem Gemeindehaus in Dresden und er sagte mir, dass er mich als Seminarlehrer berufen möchte. Ich erzählte ihm von der Einberufungsüberprüfung und dass ich voraussichtlich zur Armee eingezogen würde. Er ignorierte meine Bedenken komplett und meinte nur, dass er erwartet, dass ich mindestens vier Jahre im Seminar lehre. Aus irgendeinem Grund, den ich heute verstehe und den wir den Einfluss des Heiligen Geistes nennen, vertraute ich ihm und nahm die Berufung entgegen jeder Logik an.

Wenig später fand die Einberufungsüberprüfung zur Armee statt. Ich wurde als einziger in der Gruppe an diesem Tag als dauernd dienstuntauglich erklärt, obwohl mein Gesundheitszustand der gleiche war, wie ein Jahr zuvor. Ich war nie in meinem Leben in der Armee. Ich habe danach nie wieder etwas von der NVA der DDR gehört.

Am 6. September 1983, dem Tag an dem mein Vater starb, war ich zum ersten Mal Seminarlehrer. Ich werde das nie vergessen.

Ich war danach nicht vier, sondern mehr als 15 Jahre ehrenamtlicher Lehrer im Bildungswesen der Kirche.

1984 wurde ich zum Ingenieursstudium zugelassen, dass ich 1989 erfolgreich abschließen konnte.

Die Arbeit mit den Jugendlichen im Bildungswesen der Kirche hat mich stärker als alles andere, meine Kindheit zu Hause und meine Ehe ausgenommen, geprägt. Sie war ein Segen für meine Entwicklung, meine Familie und meine Karriere. Ich habe unzählige Dinge gelernt. Sie hat meinen Glauben und meine Überzeugung maßgeblich beeinflusst und gefestigt. Ich weiß mit Bestimmtheit,  dass der Himmlische Vater seine Hand über diesen Dingen hatte. Sowohl ich als auch eine Reihe anderer Menschen mussten dazu Entscheidungen treffen, von denen jeder das Gefühl, dass sie richtig sind, gehabt haben muss, durch welchen Einfluss auch immer.

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