Diese Woche in Taiwan

Diese Woche war ich auf Dienstreise in Taiwan. Es war wie immer physisch anstrengend durch den Schlafmangel, aber sobald ich in unserem Büro in Hsinchu meine taiwanischen Kollegen treffe, geht es mir gut. Das sind gute Jungs, die Unterstützung und Ermutigung verdienen. Im Job bleiben ihnen oft Anerkennung und Lob versagt, vor allem wenn man ständig mit fordernden Kunden zu tun hat, die unter Druck stehen und diesen Druck erbarmungslos weitergeben. Also versuche ich sie mit meiner Erfahrung zu unterstützen wo ich nur kann und ihnen das Gefühl zu geben,  dass sie mir wichtig sind, ich sie mag und gern mit ihnen zusammen arbeite. Ich erfahre von ihnen gleichermaßen Freundschaft, die mir gut tut und mir hilft, die Anstrengungen zu ertragen. Ich habe in den letzten 12 Jahren in Asien so viele großartige Menschen kennengelernt.

Taiwan

Dieses kleine Beispiel zeigt mir, wie wichtig es ist, wie ich meine Kollegen behandle. Das gleiche trifft natürlich auch auf die Familie, Umgebung und die Gemeinde zu.
Ich bin dankbar für unsere Mitglieder in den Gemeinden aber auch alle sonst, die sich uneigennützig um das seelische Wohl ihrer Mitmenschen kümmern, ohne dafür viel Anerkennung zu erhalten. Sie nehmen sich die Zeit zuzuhören, vergessen ihre eigene Agenda und sind einfach nur Freund und manchmal vielleicht Ratgeber.
Ich sehe bei vielen Menschen, die ich treffe, ein wachsendes Defizit an empfangener Nächstenliebe und daran, mit Freundlichkeit und Wohlwollen behandelt zu werden – sei es im Arbeitsumfeld, durch ständige Krisen in Familien oder auch durch Einsamkeit.
Unsere Gemeinden können noch mehr als bisher Orte sein, an denen man genau diese Dinge großzügig erhält. Ich glaube, das gibt auch den Menschen zusätzliche Kraft, denen es bisher an Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen, oder überhaupt der Einsicht mangelt, Missstände im eigenen Leben zu beheben. Viele haben auch ein Problem mit ihrer Konfliktfähigkeit und sind nicht in der Lage, Probleme von den Menschen zu trennen. Deshalb werden Meinungsverschiedenheiten oft persönlich.

Meine Erfahrungen sagen mir klar, dass es viel nachhaltiger und langfristig erfolgreicher ist, mit Liebe und Freundlichkeit zu agieren als mit Härte. Klar, manchmal sind eindeutige Ansagen erforderlich, wenn man in der Verantwortung steht. Mir kommen dann immer die berühmten Verse aus Lehre und Bündnisse 121:41-45 in den Sinn:

„41  Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit  Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe,
42  mit Wohlwollen und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich die Seele sehr erweitert, ohne Heuchelei und ohne Falschheit,
43  alsbald mit aller Deutlichkeit zurechtweisen, wenn vom Heiligen Geist dazu bewegt; und danach demjenigen, den du zurechtgewiesen hast, vermehrte Liebe erweisend, damit er nicht meint, du seiest sein Feind,
44  damit er weiß, dass deine Treue stärker ist als die Fesseln des Todes.
45  Lass dein Inneres auch erfüllt sein von Nächstenliebe zu allen Menschen und zum Haushalt des Glaubens, und lass  Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden, und die Lehre des Priestertums wird auf deine Seele fallen wie der Tau vom Himmel.“

In diesen Versen finde ich immer wieder Motivation, genauso wie auch in der folgenden Schriftstelle aus Matthäus 11:28-30:

„28 Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Wir denken manchmal, das passiert automatisch nur durch Wunschdenken, dabei ist ein interessanter Aspekt dieser Verse, was wir tun können, um selbst Erleichterung zu finden und/oder anderen dabei zu helfen.

Warum mir mein Glaube gut tut

Ich hatte gestern Abend in Leipzig mit meinen Ratgebern ein Meeting mit den Bischöfen, Zweigpräsidenten und Hohen Räten unseres Pfahles.

Dabei sagte einer der Teilnehmer in der Diskussion, wie wichtig es ist, dass uns unsere Religion nicht nur Freude macht, sondern uns auch gut tut. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch darüber und auf der Heimfahrt habe ich die ganze Zeit über diesen Punkt nachgedacht.

Ebenfalls gestern traf ich nachmittags den Geschäftsführer einer Firma, die mit der Firma, für die ich arbeite, kooperiert. Wir kennen uns schon seit Jahren und er fragte mich, wie ich es schaffe die Belastungen und den Druck in meinem Beruf zu ertragen.

Das erste, woran ich gedacht habe, sind meine Ehefrau und unsere Kinder, Schwiegerkinder und die Enkelin. Sie sind für mich das allerwichtigste. Jedes Mal (und das ist mehrmals im Monat), wenn ich von einer Dienstreise aus China, Taiwan, Korea, den USA oder irgendwo anders auf der Welt wieder nach Hause fliege, freue ich mich riesig auf sie. Es gibt zum Beispiel nichts Schöneres für mich als mit meiner Familie am Frühstückstisch zu sitzen und die Zeit zusammen zu genießen. Meine Familie tut mir gut. Und dass sie mir gut tut, hat eine Menge mit dem zu tun, was wir alle in unserer Kirche über die Jahre, Woche für Woche darüber gelernt haben, wie man Liebe in der Ehe und Familie pflegt. Darüber bin ich froh.

Ich will damit nicht sagen, dass es bei uns nie Krisen oder Probleme gegeben hat oder in Zukunft geben wird. Das Evangelium Jesu Christi gibt uns aber die Werkzeuge in die Hand, die gebraucht werden, um bei Problemen nicht aufzugeben und eben nicht alles hinzuwerfen (was ich als eine der verhängnisvollsten Entwicklungen in unserer Gesellschaft sehe), sondern Probleme zu lösen und Egoismus, der am häufigsten die Ursache von Ehe- und Familienproblemen ist zu überwinden.

Der wichtigste Schlüssel für uns zu Hause ist, dass wir uns vorbehaltlos lieb haben. Anfang der Woche habe ich es meiner ganzen Familie in einem Brief geschrieben.

Wenn ich meinen Geschäftspartnern in aller Welt erzähle, dass ich über 28 Jahre glücklich verheiratet bin, werde ich meistens ungläubig angeschaut und häufig werde ich gefragt, wie man das schaffen kann.

Es tut mir auch gut, meine Berufung in der Kirche zu erfüllen, mit großartigen Menschen zusammen zu arbeiten und Seelsorger oder auch Mentor zu sein. Es ist mit beachtlichen Belastungen verbunden aber das wird für mich komplett aufgewogen, wenn ich sehe, dass Menschen geholfen werden kann und sich Probleme zum Guten ändern. (Es gibt selbstverständlich auch Enttäuschungen und manche Probleme ändern sich nicht, vielleicht nie, es lohnt sich aber trotzdem zu arbeiten.) Es klingt vielleicht paradox aber meine Berufung in der Kirche gibt mir eine Menge mentale und physische Kraft für meinen Beruf.

Es tut mir gut, sonntags am Abendmahl teilzunehmen und über meine Beziehung zu Gott nachzudenken und wie ich meinen Glauben in der kommenden Woche besser leben kann. Außerdem treffe ich in den Gemeinden jede Woche Gleichgesinnte und Freunde, mit denen ich herzlich verbunden bin.

Es tut mir gut, täglich zu beten und mich mit den Heiligen Schriften zu beschäftigen. Es gibt mir mehr Ausgeglichenheit, besonders dann, wenn Probleme an die Substanz gehen.

Es gibt noch viel mehr Dinge in meinem Glauben, die mir sehr gut tun. Ohne meinen Glauben wäre ich nicht der, der ich bin. Vielleicht schreibe ich später über das eine oder andere. Manchmal sehe ich die Dinge die gut tun gar nicht so deutlich, betrachte vieles als selbstverständlich und natürlich gibt es auch noch sehr viel zu lernen.

Diese kleine Diskussion gestern Abend hat mir aber geholfen, etwas mehr darüber nachzudenken.

Fast- und Zeugnisgottesdienst in Zwickau

Ich habe gestern die Gemeinde Zwickau besucht, um mich für die tolle Unterstützung der Gemeinde bei der Durchführung der Silvester-Jugendtagung mit weit mehr als 100 14-18-jährigen Jugendlichen zu bedanken.

Dabei habe ich am Fast- und Zeugnisgottesdienst teilgenommen, der sehr schön war. Das hat mich dazu veranlasst in meinem Zeugnis zu erwähnen, wie besonders und einzigartig diese Versammlungen sind.

Nun, für alle, die sich mit unseren mormonischen Begriffen nicht so auskennen: Was ist ein Fast- und Zeugnisgottesdienst und was ist daran besonders?

Erstmal zum Fasten:

Die meisten aktiven Mitglieder unserer Kirche fasten am ersten Wochenende jedes Monates  zwei Mahlzeiten und spenden den eingesparten Betrag in den Fastopferfond der Kirche. Diese Mittel ermöglichen es den örtlichen Bischöfen, denen zu helfen, die sich in Not befinden und Unterstützung brauchen, die sie auf keine andere Weise erhalten können. Wir sichern aber keinen Lifestyle sondern lindern Not, mit dem Ziel, dem Bedürftigen wieder zur Selbständigkeit zu verhelfen.

Als Pfahlpräsident kann ich den Bischöfen genehmigen, über Beträge zu verfügen, die ihr eigenes Limit übersteigen, z.B. in besonderen Härtefällen. Ich beschäftige mich sehr intensiv mit diesen Dingen und bin sehr dankbar für die Großzügigkeit unserer Mitglieder.

Das Fastopfer ist auch ein wichtiger Bestandteil der humanitären Hilfe, die die Kirche im großen Maßstab weltweit als ganzes leistet, ohne dass viel darüber geredet wird.

Das Fasten hat aber nicht nur diese materielle oder zusätzlich eine gesundheitliche Dimension. Fasten ist etwas Geistiges und dient konkreten Zwecken, die uns helfen, Nächstenliebe zu entwickeln und unseren Glauben zu stärken. Vielleicht ist das etwas schwer zu greifen für jemand, der damit noch nie oder nur sporadisch Erfahrungen gemacht hat. Wenn man es aber regelmäßig tut, sammelt man beeindruckende Erfahrungen.

Der Fast- und Zeugnisgottesdienst unterscheidet sich von unseren normalen Abendmahlsgottesdiensten dadurch, dass es keine geplanten Sprecher gibt, sondern im Prinzip kann jeder Anwesende nach dem Abendmahl aufstehen und, wie wir es nennen, sein Zeugnis geben. Zeugnis geben bedeutet, seinen Überzeugungen in kurzen Worten Ausdruck zu verleihen. Ich höre, den Mitgliedern gern zu, wenn sie über ihre Erfahrungen, ihren Glauben an Gott , ihre Sorgen und Probleme sprechen und wie ihnen ihr Glaube hilft, mit Problemen umzugehen und sie zu lösen. Manchmal ist es sehr bewegend und sehr oft spürt man, dass das was gesagt wird, von Herzen kommt.

Manchmal schießen einige über das Ziel hinaus und verwechseln ein von Herzen kommendes Zeugnis mit Reiseberichten (sogenannte Travelmonies 🙂 ) oder anderen irrelevanten Geschichten. Aber das kommt sehr selten vor.

Wir machen auch deutlich, dass die Zeugnisversammlung keine Plattform für Leute ist, die ihre eigenen Interessen unter das Volk bringen wollen.

Die Regel ist, was ich auch gestern wieder in Zwickau erlebt habe: einfache, demütige Zeugnisse von Menschen, die sich bemühen, ihren Glauben in ihrem Leben anzuwenden und mit ihren Worten die Anwesenden zu stärken. Ich habe mich sehr wohl gefühlt.

The Story of the Dutch Potato Project

That We Might Be One – The Story of the Dutch Potato Project

Damit wir eins seien – Die Geschichte des niederländischen Kartoffelprojektes

http://history.lds.org/article/dutch-potatoes-video?lang=eng

Ein sehr bewegendes Video, vor allem wenn man, wie ich, Personen, die darin zu Wort kommen, persönlich kennt und der eigenen Familie vor 65 Jahren ebenfalls diese Hilfe zuteil wurde.
Danke meinem Freund Henry für die Info.

A very moving video. I know people who were interviewed, and my family belonged to the beneficiaries of this project 65 years ago.
Thanks to my friend Henry for sharing this with me.

Vortrag Silvester-Jugendtagung 2013 in Zwickau

Ich habe zum Auftakt der diesjährigen Silvester-Jugendtagung für die 14-18-jährigen in Zwickau einen Vortrag gehalten (oder wie wir es in der Kirche nennen – eine Fireside abgehalten 🙂 ), in dem ich ein paar schwierige Themen angesprochen habe, die zu selten direkt adressiert werden.

Die Reaktionen haben mir gezeigt, dass diese Probleme sehr ernst genommen werden sollten, auch wenn sie unbequem sind.

Für alle Interessierten habe ich die Folien als PPTX und PDF unter www.pfahl-leipzig.de im Ordner Jugend abgelegt. Es fehlt zwar der verbale Kontext, z.B. warum ich am Anfang das Beispiel aus dem 2. Weltkrieg gewählt habe etc., aber wer möchte, kann bei mir nachfragen.

Rückblick Pfahl-Priestertumsversammlung Juli 2013

Wir haben am 5. Juli in Leipzig eine allgemeine Pfahl-Priestertumsversammlung durchgeführt für die wir als Hauptthema das Übel der Pornographie gewählt haben.

Pornographie ist nicht nur eine Sucht, die eine millionenschwere Industrie unterstützt, sondern sie hat auch verheerende Auswirkungen auf Ehen und Familien und die Fähigkeit, der Betroffenen normale und gesunde Beziehungen zu pflegen.

Noch schlimmer ist, dass Pornographie immer öfter gesellschaftliche Akzeptanz findet, getrieben von Menschen, die sich der Folgen offensichtlich nicht bewusst sind oder sie billigend in Kauf nehmen.

Ich habe als Seelsorger häufig mit diesen Problemen zu tun, vor allem wenn Pornographie die emotionale Kompetenz junger Leute angreift und Ehen daran zu zerbrechen drohen.

In dieser Priestertumsversammlung im Juli haben wir die Probleme klar und deutlich angesprochen und einigen konnte in der Folge bereits geholfen werden.

Ich bin von vielen angesprochen worden, die Ansprachen zugänglich zu machen. Wir haben Mitschriften und werden die kompletten Texte bald unter www.pfahl-leipzig.de ablegen.

Vorab folgt unten meine unbearbeitete Ansprache.

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Meine lieben Brüder, liebe Schwester,

wir haben Schwester Engelhardt heute mit eingeladen – sie ist die Pfahl-FHV-Leiterin – weil wir wollten, dass wenigstens eine Schwester aus unserem Pfahl mithört, was wir heute sagen möchten und weil wir diese Botschaft vielleicht auch zu den Schwestern transportieren möchten oder wir werden es tun.

Meine lieben Brüder, ich bin sehr dankbar, dass meine Vorredner im Prinzip schon alles gesagt haben. Ich möchte noch etwas zusammenfassen.

Bevor ich Pfahlpräsident geworden bin, habe ich mich gefreut, Sie zu treffen. Aber Ihre Probleme waren mir eigentlich zum größten Teil egal, weil ich mit meinen eigenen Dingen zu tun hatte und nicht so diese enge Beziehung zu den meisten von Ihnen hatte. Als ich eingesetzt wurde und die Berufung von Präsident Kopischke erhalten hatte, hat er mir einige Dinge auf den Weg gegeben. Und zwar danach zu streben, so zu werden, wie der Himmlische Vater mich haben möchte. Das zweite war, danach zu streben, dass ich die Mitglieder dieses Pfahles lieben kann. Es sind jetzt bald vier Jahre vergangen und ich möchte Ihnen Zeugnis davon geben, dass es möglich ist, dass man Menschen, die man nicht genau kennt, lieben kann. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich Liebe für Sie empfinde, egal ob ich mit Ihnen gerade ein Tempelinterview mache oder ein anderes Gespräch mit Ihnen führe. Es ist mir nicht gleichgültig, was Sie bewegt. Es ist mir nicht gleichgültig, wo Ihre Probleme liegen. Ich habe ein Gefühl dafür, wer von Ihnen traurig sein mag, weil einige Dinge eben nicht so funktionieren, wie sie funktionieren sollten. Ich weiß, dass einige von Ihnen an bestimmten Gewohnheiten leiden. Es macht mich auch traurig, wenn ich sehe, dass viele von uns darunter leiden, leichtfertig zu sein, leichtfertig mit dem Priestertum umzugehen und es oberflächlich zu behandeln. Diese Erfahrungen, die ich gemacht habe in den letzten vier Jahren, sind, wie ich gespürt habe, wie ich sie mehr lieben kann. Das betrifft nicht nur die Brüder in unserem Pfahl. Das sind alle, auch die Teenager.

Aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass unser Himmlischer Vater uns noch viel mehr liebt – uns alle liebt. Dass er unser Heil für uns vorgesehen hat und dass die Macht des Priestertums ein wichtiger Baustein darin ist, dass wir Heilung erfahren können.

Jeder von uns wird versucht. Jesus Christus ist versucht worden. Wahrscheinlich in allen Kategorien, die es an Versuchungen gibt. Wir werden alle versucht. Unreinheit in unseren Gedanken und Handlungen ist ein großer Bestandteil von den Dingen, in denen wir versucht werden. Keiner von uns ist ausgenommen.

Warum haben wir heute dieses Thema an die Oberfläche gebracht?

Meine Ratgeber und ich wissen, dass auch wir versucht werden, schlecht zu denken, unrein zu denken. Und wir müssen damit umgehen und wir versuchen auf der „Bühne unseres Lebens“ – wir haben das früher im Seminar gelernt – diese Dramen, die dort gespielt werden, dass wir die Darsteller, die wir auf dieser Bühne nicht haben wollen, loswerden. Dabei ist es ein wichtiges Prinzip, dass wir Dunkelheit durch Licht ersetzen müssen.

Brüder, ich weiß, dass es ein großer Bestandteil des Priestertums ist, Dunkelheit durch Licht zu ersetzen.

Ich habe heute über Joseph Smith gelesen in seiner Lebensgeschichte und zwar in der Zeit, bevor der Engel Moroni ihm das erste Mal erschienen ist. Im Vers 28 steht: „…[ich war] allen möglichen Versuchungen ausgesetzt, und da ich in allen möglichen Kreisen verkehrte, verfiel ich häufig in mancherlei törichte Irrtümer und ließ die Schwachheit der Jugend und menschliche Schwächen erkennen, die, ich muß es leider sagen, mich in mancherlei Versuchungen führten, ungehörig in den Augen Gottes. Wenn ich dieses Geständnis ablege, so darf niemand glauben, ich hätte mich irgendwelcher großen und bösartigen Sünden schuldig gemacht. Eine Neigung, solche zu begehen, lag nie in meiner Natur. Aber ich war der Leichtfertigkeit schuldig und hielt mich bisweilen in übermütiger Gesellschaft auf usw., was nicht zu der Wesensart paßte, die jemand bewahren soll, der wie ich von Gott berufen war.“

Dieser einfache Satz betrifft uns eigentlich alle. Vielleicht ist nicht jeder unter uns süchtig und sollte das Suchtbekämpfungsprogramm der Kirche mit jemanden zusammen  durchführen. Wir möchten Sie ermutigen, wenn Sie zu denen gehören, die große Probleme nicht aus ihrem Kopf herausbringen, dass Sie professionelle Hilfe suchen und dass Sie auch geistige Hilfe suchen. Die Kirche hat in vielerlei Hinsicht Hilfen, wie das geschehen kann.

Ich möchte mich auch an alle unter uns wenden, die sich auch dieser Leichtfertigkeit schuldig machen, von der Joseph Smith gesprochen hat. Ich habe darüber nachgedacht: Warum hat er das so ernst genommen? Ich denke, dass sein Leben ein Beweis dafür ist, dass er in seinem Leben einfach ständig die Kraft des Priestertums gebraucht hat. Egal, ob es Verfolgungen gegeben hat; egal, ob er vor Gericht gestellt wurde; egal, ob er sich verteidigen musste gegen Anschuldigungen; egal, ob man gerade vertrieben wurde; egal, ob eine Bank pleite gegangen ist; egal, ob sich seine engsten Mitarbeiter und Freunde von ihm getrennt haben; egal, ob ein Kind gestorben ist – er hat diese Kraft und Macht des Priestertums ständig gebraucht. Und ich weiß, dass wir davon keine Ausnahme sind. Und wenn wir anders denken, möchte ich uns sagen, dass wir leichtfertig sind.

Manchmal wundern wir uns, dass einige Dinge in unserem Leben nicht so funktionieren wie sie funktionieren sollten oder könnten. Das sind sicherlich auch manchmal Prüfungen. Aber in vielerlei Hinsicht sollten wir uns alle fragen, ob es in unserem Leben etwas über Bord zu werfen gibt, das da nicht hingehört. Und weil wir das manchmal nicht tun, schleppen wir manche Probleme und Sorgen unser ganzes Leben lang – sehr viel länger, als es gut für uns ist – mit uns herum. Wir haben es heute gehört: Das hat Auswirkungen auf unseren Glauben und das hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir vielleicht miteinander umgehen. Viele von Ihnen nehmen manchmal an Gemeinderäten teil und Sie haben es schon miterlebt, dass es schwierig ist, in solch einem Rat den Heiligen Geist zu verspüren. Und dass man sich viel eher erregt über bestimmte Dinge, dass es laut wird, dass es emotional wird. Geschwister oder Brüder, das muss so nicht sein.

Ich denke, in vielen Fällen, wenn der Heilige Geist nicht zu uns spricht – egal ob es ein Familienrat, ein Gemeinderat oder Pfahlrat ist – sollten wir auch daran denken, ob wir persönlich mit dem Himmlischen Vater gut genug im Einklang sind. Das ist einer der Kernpunkte meiner Botschaft, die ich Ihne geben möchte.

Ich habe heute ebenfalls Alma 24 gelesen von den Anti-Nephi-Lehiern und wie sie ihre Schwerter vergraben haben. Ich habe von einem Konflikt gehört, die zwei Schwestern haben. Die eine Schwester hat der anderen einen wenig netten Brief geschrieben. Und mein Rat für die Antwort ist, Alma 24 zu lesen und danach zu antworten. Ich möchte Ihnen nur zwei Verse vorlesen aus diesem Kapitel – Vers 17 und 18: „Und nun begab es sich: Als der König mit diesen Worten zu Ende gekommen war und alles Volk versammelt war, nahmen sie ihre Schwerter und alle Waffen, die benutzt wurden, um Menschenblut zu vergießen, und sie begruben sie tief in der Erde. Und das taten sie, denn es war in ihren Augen ein Zeugnis vor Gott und auch vor den Menschen, daß sie niemals wieder Waffen benutzen würden, um Menschenblut zu vergießen; und das taten sie, indem sie vor Gott beteuerten und gelobten, dass sie, statt das Blut ihrer Brüder zu vergießen, lieber ihr eigenes Leben hingeben wollten; und statt einem Bruder etwas zu nehmen, sie ihm lieber geben wollten; und statt ihre Tage in Trägheit zu verbringen, sie lieber reichlich mit ihren Händen arbeiten wollten.“

Brüder, wir können unsere eigenen Unvollkommenheiten, anstatt dieser Waffen, die sie vergraben haben, in diesem Vers einsetzen. Brüder, wir haben den starken Glauben – deswegen haben wir Sie versammelt – wir glauben, dass in der Priesterschaft des Pfahles die Kraft darin liegt, dass wir in der Lage sind, uns zu entschließen und wirklich vor Gott zu geloben, dass wir Dinge, die wir heute angesprochen haben – vielleicht gibt es noch andere Dinge – in der Erde vergraben, so tief, dass wir keine Lust haben, sie wieder auszugraben. Ich weiß, dass der Himmlische Vater uns dabei helfen wird. Ich bin davon überzeugt, dass er es ernst meint. Ich weiß, dass wir als Bruderschaft das Evangelium viel ernsthafter leben können.

Wir haben am letzten Wochenende die Übertragung gesehen „Das Erlösungswerk voranbringen“. Wir haben einen Monat des Einladens in unserem Pfahl. Ich war in einigen Gemeinden und es war schön in diesen Gemeinden. Ich war im Zweig Hof und es war toll. Es waren einige Menschen da, die ich noch nie gesehen hatte. Auch Menschen, die mit Sorgen beladen sind und die ein starkes Priestertum als Rückendeckung und Unterstützung brauchen. Ich war im Zweig Plauen. Dort war es ebenfalls sehr schön. Und wir haben das Gleiche erlebt und vielleicht haben viele von Ihnen gute Erfahrungen gemacht. Ich weiß aber auch, dass vielleicht im Vorfeld der eine oder andere von Ihnen gesagt hat – und wenn es nur im Inneren war: Uns ist es lieber, wenn wir unseren Status Quo behalten, dass wir die Dinge so lassen wie sie sind. Und das wir einfach gucken, dass alles funktioniert und gut verläuft.

Brüder, wenn wir so denken, haben wir noch Waffen im Keller, die wir begraben müssen, wie es im Buch Alma geschrieben steht.

Brüder, ich möchte Ihnen verheißen, dass, wenn es uns gelingt, mehr Reinheit in unseren Gedanken zu haben – und das ist nicht nur sexuelle Reinheit, es ist auch andere Reinheit, die es gibt – dann wird unser Glauben wachsen, unser Wunsch, das, was wir wissen und erfahren, das Glück, was wir verspüren in unserem Leben, anderen Menschen mitzuteilen und zu wachsen. Wir wissen, dass Missionsarbeit eines der wichtigsten Instrumente bei der Umkehr ist. Dass derjenige, der umkehrt, durch Missionsarbeit schneller und erfolgreicher umkehren kann.  Brüder, der Heilige Geist wohnt nicht in unreiner Umgebung. Lassen Sie uns bitte diese Logik und diese Lehre nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich bin davon überzeugt.

Ich hoffe, das alle von Ihnen heute etwas nachdenklich nach Hause gehen, auch mit einem Entschluss im Herzen und das betrifft mich genauso, wie vielleicht einen jeden von Ihnen. Ich werde heute auch mit einem Entschluss im Herzen nach Hause gehen: Einige Dinge in der Erde zu vergraben, die mich beeinträchtigen, die manchmal dazu führen, dass ich mich dem Himmlischen Vater nicht so nahe fühle, wie ich es könnte und wie ich es sollte in meiner Berufung. Aber ich spreche hier nicht nur von einer Berufung als Pfahlpräsident, sondern unsere Berufung als Priestertumsträger, Ehemänner, Väter. Ich bitte den Himmlischen Vater, dass er Sie segnen möge, dass Sie die Kraft haben mögen, die Schritte zu gehen, die Gott gefällig sind.

Ich glaube an eine universelle Vergebung durch das Sühnopfer von Jesus Christus. Ich weiß, dass alle Verfehlungen, die wir in unserem Leben begehen, von denen wir umkehren, uns vergeben werden vom Himmlischen Vater. Unser Himmlischer Vater hat kein Interesse daran, dass wir nicht wachsen und dass wir ihm nicht ähnlicher werden. Ich weiß, dass unser Himmlischer Vater Fortschritt dadurch macht, dass seine Kinder Fortschritt machen.

Ich weiß, dass wir einen ungeahnten Schub in der Geistigkeit in unseren Gemeinden erfahren werden. Unsere Räte werden anders sein, in unseren Kollegiumsversammlungen wird weniger debattiert, sondern es wird mehr nach Offenbarung gesucht und Offenbarung gefunden werden. Wir werden spüren, dass in unseren Familien sich der Ton ändern wird, die Gefühle werden sich ändern. Es wird weniger raues Miteinander geben, sondern ein liebevolleres Miteinander. Wir haben festgestellt, dass in vielen Fällen, wenn Mitglieder der Kirche leiden, dass vorher einige Mechanismen außer Kraft gesetzt worden sind. Die Mechanismen des regelmäßigen Betens und Fastens und des Schriftenstudiums, und zwar des Schriftenstudiums im wahrsten Sinne des Wortes, indem wir uns mit der Heiligen Schrift auseinandersetzen, sie auf uns beziehen und sie nicht nur bloß lesen. Und ich könnte noch andere Dinge hinzufügen, die wichtig sind. Ich finde es immer traurig, wenn ich von irgendeinem Mitglied der Kirche eine Einladung zu irgendeinem Facebook-Spiel bekomme. Ich habe es schon ausgeschaltet, ich kriege es nicht mehr. Oder wenn ich sehe, dass wieder jemand einen neuen Score erreicht hat. Und in der Zeit hätten wir vielleicht einen Brief an ein Mitglied in unserer Gemeinde schicken oder ihn besuchen können, der ein Problem hat und eine Stütze braucht, anstatt unsere Finger zu trainieren, dass sie schneller sind. Oder sie hätten ein bisschen Indexing machen können in dieser Zeit.

Brüder, es gibt einfach diese Dinge, dass Licht Dunkelheit vertreiben kann, wenn wir das wollen. Ich möchte Sie einladen, dass wir mit dem Entschluss nach Hause gehen, dass wir nicht notwendigerweise mehr Zeit für die Kirche aufbringen müssen. Brüder, das ist nicht die Botschaft heute. Und ich weiß, dass es viele Leute gibt, die reagieren da empfindlich, die meinen: Na was sollen wir denn noch tun?

Wir möchte Sie einladen, Dinge über Bord zu werfen und die Kraft, die Kapazität, die Zeit, die geistige Kraft und die Gefühle dafür zu nutzen, dass Licht in unserer Seele sein kann. Und wenn wir das schaffen, meine lieben Brüder, bin ich davon überzeugt, dass das Erlösungswerk so Fortschritt machen wird, wie uns das die Brüder am Wochenende (zu der Übertragung) erklärt haben. Und dann schauen wir uns dieses Video vielleicht nochmal Zuhause in aller Ruhe an und versuchen zu verstehen, um was es dort ging. Was sicherlich an positiven Beispielen dort gezeigt worden ist – und man sieht keine negativen Beispiele, doch die wird es immer geben, es wird immer Erfolgslosigkeit geben. Aber wir können Kraft und Offenbarung nicht nur für unseren Beitrag am Wachstum der Kirche, sondern auch vom Erlösungswerk für unsere eigene Familie gewinnen und nicht zuletzt auch an unserer eigenen Erlösung arbeiten. Ich habe gestern – und damit möchte ich schließen – in der Institutsklasse in Zwickau eine Frage gestellt. In einer Viertelstunde habe ich die Studenten ihre Wünsche bezüglich der Celestialen Herrlichkeit erklären lassen und wir haben es an die Tafel geschrieben. Und sie haben alles gesagt, was sie eigentlich einmal gerne haben würden und wie es alles einmal sein soll. Und dann habe ich die Frage gestellt: Wie stark wollen wir das? Wie stark ist unser Wunsch, dass wir das, was wir jetzt hier an die Tafel geschrieben haben, zur Wirklichkeit werden lassen? Brüder, ich denke, diese leichte Gedankenübung kann unser Leben ändern.

Ich möchte Ihnen mein Zeugnis geben und den Himmlischen Vater um Kraft bitten. Ich möchte Ihnen nochmal danken, für alles, was Sie tun. Wir sind ein starker Pfahl. Gehen Sie heute nicht nach Hause mit dem Gefühl, eine Moralpredigt erhalten zu haben. Wir sind ein starker Pfahl, wir sind eine Stütze des Himmlischen Vaters, Zions in Deutschland. Das möchte ich Ihnen ganz deutlich sagen. Ich weiß aber, dass wir noch viel, viel stärker werden können. Das ist mein Wunsch und Gebet im Namen Jesu Christi. Amen.

 

Warum ich einen Blog schreibe

Warum ich mich entschlossen habe, über meine Erfahrungen als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage oder wie es die meisten sagen, als Mormone,  zu schreiben, hat für mich eine Reihe guter Gründe.

Einmal tue ich es für meine Familie und unsere Freunde, egal ob sie der Kirche angehören oder nicht, zum anderen auch für alle, die mich kennen und sich wahrscheinlich manchmal fragen, warum ich bestimmte Dinge tue und andere nicht und die sich nicht trauen zu fragen.

Ich schreibe auch für alle Neugierigen, die diese Seiten eher zufällig finden oder bei ihrer Suche nach Informationen über Mormonen darauf stoßen werden.

Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen, die suchen, ihre Informationen nicht mehr vorwiegend aus Quellen beziehen, die unrichtig oder voreingenommen sind oder die religiösen Gefühle und Gewohnheiten von Familien oder Einzelpersonen, die in der Gesellschaft geachtet sind und dafür durchaus Überdurchschnittliches leisten, in den Schmutz ziehen.

Ich bin mein ganzes Leben lang Mormone, meine Eltern waren es und meine Großmutter ließ sich vor fast 90 Jahren als erste in unserer Familie taufen. Aus dieser Familiengeschichte sind Erfahrungen gewachsen, die zeigen, was für ein Segen unsere Religion für uns war und ist und wie jede weitere Generation von den Erkenntnissen der vorangegangenen Generationen profitiert, wenn sie denn diese Erfahrungen nutzen möchten.

Ich habe ebenso mein ganzes Leben aktiv in der Kirche mitgearbeitet, Berufungen erfüllt und zum Teil erhebliche Verantwortung getragen. Das hat mir Einsichten gewährt (und tut es immer noch), die mein Leben bereichern und mich maßgeblich beeinflussen. Einen Teil davon möchte ich mit anderen teilen.

Da ich gegenwärtig Präsident eines Pfahles der Kirche bin, werde ich sehr oft von Mitgliedern aus meinem Verantwortungsbereich gefragt, ob ich Botschaften und Gedanken,  die ich bei meinen Besuchen in den verschiedenen Gemeinden unseres Pfahles oder anderen Veranstaltungen gebe, für sie und andere Interessierte zugänglich machen kann. Dies möchte ich hier ebenfalls versuchen. Ich werde irgendwann als Pfahlpräsident entlassen, wie das in der Kirche üblich und auch gut so ist, und deshalb möchte ich betonen, dass ich hier als Privatperson schreibe und meine Gedanken nicht als offizielle Doktrin der Kirche zu betrachten sind.

Ich bin gern bereit, ehrliche Fragen zu beantworten, aber ich werde keine Auseinandersetzungen über religiöse Themen führen. Glauben ist etwas sehr persönliches. Ich schreibe über meinen Glauben und meine Überzeugungen und lade jeden Leser ein, sich eingehender mit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu befassen.

Thomas Hengst

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