9. November 1989

Heute, am 31. Jahrestag des Mauerfalls, habe ich mir ein paar Videos angesehen, um meine Erinnerungen an diesen denkwürdigen Tag, an dem Weltgeschichte geschrieben wurde, zu zelebrieren.

Dem waren viele Ereignisse vorausgegangen, wie diese Beispiele hier zeigen:

Es war nicht leicht, in der DDR ein konsequent praktizierender Christ zu sein. Aber: Glaube, der auf einem soliden Fundament beruht, wird fürgewöhnlich nicht schwächer, wenn er verfolgt wird. Relativismus, Gleichgültigkeit und Beliebigkeit, wie wir sie heute erleben, bedrohen Glauben offensichtlich stärker. Menschen mit starkem Glauben und Mut gehörten zu den wichtigsten Triebkräften der friedlichen Revolution in der DDR.

Diesen Ereignissen ging aber fast ein ganzes Jahrzehnt mit Entwicklungen voraus, die durch couragierte Menschen vorangetrieben wurden, die zur richtigen Zeit, am richtigen Platz, in der richtigen Funktion gewirkt haben.

In meiner Bibliothek zu Hause habe ich zum Beispiel das folgende Buch, dessen Lektüre für mich ein großer Erkenntnisgewinn war und dessen Inhalt vor allem der jüngeren Generation weitestgehend unbekannt sein dürfte.

Am 3. Oktober diesen Jahres hatte ich die Gelegenheit, im Deutschlandfunk Kultur anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung das Wort zum Tage zu sprechen. Hier der Link zum Podcast:

Mein Hauptanliegen im Text war es, die Notwendigkeit, Einigkeit auf möglichst vielen gesellschaftlichen Ebenen anzustreben, zu leben, nicht durch Engstirnigkeit und Egoismus zu gefährden und damit dieses großartige historische Geschenk vollendet werden kann.

Zitat aus dem Text:

„Der Apostel Paulus rief vor fast 2000 Jahren die Bewohner von Korinth auf: „Geschwister, im Namen von Jesus Christus fordere ich euch auf, eins zu sein. Redet so, dass eure Worte euch nicht gegeneinander aufbringen, und lasst es nicht zu Spaltungen unter euch kommen. Seid vielmehr ganz auf dasselbe Ziel ausgerichtet und haltet … zusammen.“ (1. Korinther 1:10)

Jesus Christus selbst hat es so ausgedrückt: „Ein jegliches Reich, das mit sich selbst uneins wird, wird wüst …“ (Lukas 11:17)

Sich um Einigkeit zu bemühen und Prinzipien zu folgen, die Einigkeit bewirken, bedeutet nicht gleichgeschaltet zu sein. Es bedeutet aber sehr wohl, dass die Kultur unseres gesellschaftlichen Diskurses und Handelns dringend einer Korrektur bedarf und dass der Wille, Gemeinsamkeiten zu suchen und zu finden, gestärkt werden muss, damit dauerhafter Schaden von unserem Land abgewendet werden kann. Dieser Verantwortung darf sich eigentlich niemand angesichts der Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft entziehen.“

Leider erleben wir immer mehr das Gegenteil. Es ist manchmal frustrierend, wie man z.B. am Wochenende in Leipzig erleben musste. Die Zunahme an unreflektierter Kritik über offen zur Schau gestellte Ignoranz bis hin zu sinnloser Gewalt und Zerstörung müssen uns Sorgen machen. Am lautesten sind dabei oft Menschen, die eigentlich dringend ein paar Grundkurse in Vernunft, Anstand, Verantwortungsbewusstsein, Rücksichtnahme, Verständnis entwickeln, Logik, Weitsicht, Egoismus-Prävention, Achtung vor dem Wohlergehen und dem Eigentum anderer, Toleranz, Mitgefühl, sozialem Benehmen und noch einiges mehr absolvieren müssten.

Auch innerhalb der Kirche sind wir nicht frei von Herausforderungen, die Einigkeit gefährden und den Gemeinden geistige Kraft entziehen, die gerade in dieser Zeit umso mehr gebraucht werden.

Sister Sharon Eubank, deren dynamische Art ich sehr schätze, hat zur letzten Generalkonferenz unter der Überschrift „Wenn wir uns bemühen, in unseren Empfindungen eins zu sein, rufen wir die Macht Gottes herab, der unsere Anstrengungen vervollständigen wird“ sehr gut darüber gesprochen. Hier ein Auszug:

„1842 arbeiteten die Heiligen mit aller Kraft am Bau des Nauvoo-Tempels. Nach Gründung der Frauenhilfsvereinigung im März nahm der Prophet Joseph Smith oft an den Versammlungen der Frauen teil, um sie auf die heiligen, sie einigenden Bündnisse vorzubereiten, die sie schon bald im Tempel eingehen würden.

Am 9. Juni sagte der Prophet, er werde „Barmherzigkeit predigen[.] Angenommen, Jesus Christus und die Engel erhöben wegen etwas Geringfügigem Einwände gegen uns – was würde aus uns werden? Wir müssen barmherzig sein und über Kleinigkeiten hinwegsehen.“ Präsident Smith fuhr fort: „Es betrübt mich, dass unsere Gemeinschaft so oberflächlich ist. Wenn ein Mitglied leidet, müssen es doch alle merken. Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott.“

Diese Aussage traf mich wie ein Blitz: Sind wir in unseren Empfindungen eins, erlangen wir Kraft durch Gott. Diese Welt ist nicht so, wie ich sie gerne hätte. Es gibt vieles, was ich ändern und verbessern möchte. Und ehrlich gesagt, gegen das, was ich mir erhoffe, gibt es so viel Widerstand, dass ich mich bisweilen machtlos fühle. Kürzlich habe ich mir ein paar tiefgründige Fragen gestellt: Wie kann ich meine Mitmenschen besser verstehen? Wie kann ich dazu beitragen, dass wir „in unseren Empfindungen eins“ sind, wo wir doch alle so unterschiedlich sind? Zu welcher Kraft von Gott hätte ich Zugang, wenn ich nur etwas mehr Einigkeit mit anderen hätte?“

Sister Eubank schlägt in ihrer Rede drei Punkte vor, die uns, bei kluger Anwendung, helfen würden, deutliche Fortschritte in dieser Sache zu machen.

  1. Freigebig mit unserer Barmherzigkeit sein.
  2. Unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben so in Einklang bringen, dass das Ruderboot (die Gemeinde, Familie, Firma, Gesellschaft) symbolisch gesehen harmonischer gleiten kann.
  3. Missstände zügig abstellen, damit und so schnell das Gute wachsen kann. Das geschieht am besten, wenn jeder dem Balken im eigenen Auge mehr Beachtung schenkt, als dem Splitter im Auge des Anderen (siehe Matthäus 7:3)

Es lohnt sich, die gesamte Ansprache zu lesen und daraus zu lernen:

https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2020/10/31eubank?lang=deu

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