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Essay für eine bemerkenswerte Frau

Diesen Beitrag schreibe ich für meine Schwiegermutter Ruth Richter. An ihrem 90. Geburtstag im Sommer letzten Jahres habe ich über dieses Thema in ihrer Heimatgemeinde in Bernburg gesprochen. Sie hat mich gebeten, meine Gedanken aufzuschreiben und mit anderen zu teilen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Zeit dazu gefunden habe, aber auch aus ständig wiederkehrenden aktuellen Anlässen geht mir das Thema nicht aus dem Kopf.

Da meine Schwiegermutter in der Nähe des Harzes wohnt und die Landschaften dort liebt, habe ich einige Fotos eingefügt, die ich letztes Jahr bei einer Wanderung durch das Bodetal gemacht habe.

Im Buch Mormon, im Buch 4. Nephi gibt es eine Textpassage (in den Versen 20-25), die ich für besonders tragisch halte.

„… und es war noch immer Friede im Land, außer dass es einige wenige im Volk gab, die sich gegen die Kirche aufgelehnt und den Namen Lamaniten auf sich genommen hatten; darum gab es allmählich wieder Lamaniten im Land. …
Und es begab sich: Zweihundert Jahre waren vergangen; und die ganze zweite Generation war vergangen außer einigen wenigen. …
Und nun, in diesem zweihundertersten Jahr [A.D.] fing es an, dass es unter ihm [dem Volk] welche gab, die im Stolz überheblich wurden, sodass sie kostbare Gewänder und allerart feine Perlen und feine Dinge der Welt trugen.
Und von der Zeit an hatten sie ihre Güter und ihre Habe untereinander nicht mehr gemeinsam.“

Um zu verstehen, was hier wirklich passiert ist und warum es so tragisch ist, müssen wir uns die Geschichte vorher und nachher etwas genauer ansehen und darüber nachdenken, wie wir das, was wir in den Heiligen Schriften lesen, auf uns und unsere Zeit beziehen können.

Vom Zeitpunkt dieser Schriftstelle gehen wir mal etwas weniger als 200 Jahre zurück in eine Zeit, in der das organisierte Verbrechen so mächtig geworden war, dass daraus eine akute Existenzbedrohung entstand (siehe 3. Nephi ab Kapitel 2). Das Bemerkenswerte war, dass diese Bedrohung das Volk veranlasste, so eng zusammenzurücken, dass es gelang, den Armeen des organisierten Verbrechens die Lebensgrundlagen zu entziehen, sie entscheidend zu schwächen und schließlich zu besiegen. Um das zu erreichen, war es notwendig, den verhängnisvollen Trend, dass Menschen zum organisierten Verbrechen überliefen und aktive oder passive Unterstützung gewährten, zu stoppen. Eine Situation, die uns heute nicht unvertraut ist und in der wir leider nicht diese Entschlossenheit sehen, die in der Breite erforderlich wäre, um die Untaten, die von solchen Bewegungen verübt werden, zu verhindern.

Leider müssen wir im Buch Mormon lesen, dass der erzielte Erfolg nicht nachhaltig war. Sobald es den Menschen wieder besser ging, kehrten viele von ihnen zu den alten, destruktiven Verhaltensweisen zurück mit sehr negativen Folgen für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Der Geschichtsschreiber Nephi schildert es unter anderem so:

Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.“ (siehe 3. Nephi 7:8)

Das Land war praktisch unregierbar geworden und die Gesellschaft spaltete sich in viele Gruppen, die von den jeweiligen Partikularinteressen getrieben wurden. Einig waren sie sich nur darin, alle Kräfte, die ihre gottlose Lebensweise nicht gut hießen, auf ihre Seite zu ziehen oder zu eliminieren.

Doch dann gab es einen großen Schnitt, denn es trat etwas ein, wovon Propheten jahrhundertelang gesprochen hatten und wovon ein großer Teil der Gesellschaft nichts hören wollte: Die Zeichen, die im Zusammenhang mit der Kreuzigung von Jesus Christus prophezeit worden waren, erfüllten sich auf drastische Weise in Form von Naturkatastrophen, die viele Opfer forderten. Das war das eine. Das andere war, dass unmittelbar danach der auferstandene Christus einer großen Menschenmenge erschien, denen damit endgültig klar wurde, dass die Auferstehung kein Hirngespinst oder eine mystische Symbolik sondern eine buchstäbliche Tatsache ist. Für die Gläubigen erfüllte sich DIE grundlegende Hoffnung und Basis ihres Glaubens.

Was hatte Jesus Christus den Menschen zu sagen? Was waren die ersten Dinge, die er unten ihnen tat? Das Buch 3. Nephi gibt darüber ab Kapitel 11 ausführlich Auskunft. Ich möchte einige Punkte anführen:

  • Der Vater gab Zeugnis von Seinem eingeborenen Sohn.
  • Jesus Christus bestätigte, dass er der ist, von dem die Propheten gesprochen haben.
  • Er bestätigte weiterhin, dass er das Sühnopfer vollendet hat und ließ die Menschen seine Nägelmale fühlen – ein beeindruckender Vorgang, der viele Stunden gedauert haben muss.
  • Er betonte die Notwendigkeit von Umkehr und Taufe und forderte die Menschen zu Einigkeit und Beilegung von Konflikten auf.
  • Er verhieß ihnen, dass der Heilige Geist ihnen Zeugnis von diesen Dingen geben wird und erklärte die Bedingungen, um in das Reich Gottes zu gelangen.
  • Er berief zwölf Jünger, denen er Vollmacht gab, in Seinem Namen zu amtieren.
  • Daraufhin gab er ihnen die Bergpredigt (3. Nephi Kapitel 12-14), deren Lehren nicht nur eine Aufzählung von möglichen Handlungsoptionen sind, sondern die einen konkreten Lebensstil und Haltungen zu den meisten relevanten Fragen des erfolgreichen Zusammenlebens einer Gesellschaft vermitteln. Dazu später noch mehr.
  • Er heilte die Kranken, segnete die Kinder und führte das Abendmahl zum Gedächtnis an Sein Sühnopfer ein.
  • Er erklärte viele Dinge in Bezug auf das Haus Israel und organisierte die Kirche Christi.

Jesus tat und lehrte noch vieles mehr, aber das kann jeder selbst nachlesen. Fakt ist, dass Sein relativ kurzes Wirken unter dem Volk Nephi eine enorme und nachhaltige Wirkung hatte. Im 4. Nephi 1:2-3 heißt es:

Und es begab sich: Im sechsunddreißigsten Jahr wurde alles Volk zum Herrn bekehrt, im ganzen Land, sowohl die Nephiten als auch die Lamaniten, und es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter ihnen, und ein jeder ging gerecht mit dem anderen um.
Und sie hatten alles unter sich gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe.

Was waren das für Lehren, zu denen sich die Menschen bekehrten und die übrigens unabhängig von konfessioneller Bindung sind? Viele gelten heute als überholt, nicht anwendbar, stock-konservativ, etwas für Naivlinge oder Gutmenschen, nicht geeignet für Individualismus, zu schwierig zu befolgen in einem Umfeld, dass sich nicht darum schert. Das einzige, was von diesen Argumenten stimmt, ist, dass die Lehren der Bergpredigt nicht einfach umzusetzen sind. Aber sie sind zeitlos. Zur Anwendung bedarf es Mühe, Motivation, Lernen, Disziplin, Haltung und Entschlossenheit, sich persönlich zu ändern (wie übrigens immer, wenn es darum geht, wenn man etwas zum Guten ändern möchte). Und es braucht eine ausreichende Portion Glauben.

Vor einigen Wochen habe ich für meine Frau einen Extrakt der wichtigsten Punkte erstellt (siehe 3. Nephi Kapitel 12 ab Vers 3):

„Ja, gesegnet sind die im Geist Armen, die zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Und weiter, gesegnet sind alle, die da trauern, denn sie werden getröstet werden.
Und gesegnet sind die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde ererben.
Und gesegnet sind alle, die hungern und dürsten nach Rechtschaffenheit, denn sie werden vom Heiligen Geist erfüllt werden.
Und gesegnet sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Und gesegnet sind alle, die im Herzen rein sind, denn sie werden Gott sehen.
Und gesegnet sind alle Friedensstifter, denn sie werden die Kinder Gottes heißen.
Und gesegnet sind alle, die um meines Namens willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Und gesegnet seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und fälschlich gegen euch allerart Böses reden;
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich gebe es euch, das Licht dieses Volkes zu sein. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. Siehe, zündet man eine Kerze an und stellt sie unter einen Scheffel? Nein, sondern auf einen Leuchter, dann gibt sie allen Licht, die im Hause sind;
darum lasst euer Licht vor diesem Volk so leuchten, dass es eure guten Werke sieht und euren Vater, der im Himmel ist, verherrlicht.
Ihr habt gehört, dass von denen in alter Zeit gesagt worden ist, und es steht auch vor euch geschrieben: Du sollst nicht töten, und wer auch immer tötet, dem droht das Strafgericht Gottes;
aber ich sage euch: Wer auch immer seinem Bruder zürnt, dem droht sein Strafgericht. Und wer auch immer Hohlkopf zu seinem Bruder sagt, dem droht der Rat; und wer auch immer sagt: Du Narr, dem droht das höllische Feuer.
Darum, wenn ihr zu mir kommt oder den Wunsch habt, zu mir zu kommen, und es fällt dir dabei ein, dass dein Bruder etwas gegen dich hat –
so gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komme mit voller Herzensabsicht zu mir, und ich werde dich empfangen.
Siehe, von denen in alter Zeit ist geschrieben worden: Du sollst nicht Ehebruch begehen;
ich aber sage euch: Wer auch immer eine Frau ansieht, dass es ihn nach ihr gelüstet, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen.
Siehe, ich gebe euch das Gebot, nichts davon in euer Herz eindringen zu lassen;
denn es ist besser, dass ihr euch dies versagt, wodurch ihr euer Kreuz auf euch nehmt, als dass ihr in die Hölle geworfen werdet.
Und siehe, es steht geschrieben: Auge um Auge und Zahn um Zahn;
aber ich sage euch, dass ihr euch Bösem nicht widersetzen sollt; sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm die andere auch hin;
und wenn dich einer vor Gericht verklagen und dir den Rock nehmen will, so lass ihm auch deinen Mantel;
und wenn dich jemand nötigt, eine Meile zu gehen, so gehe mit ihm zwei.
Gib dem, der dich bittet, und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab.
Und siehe, es steht auch geschrieben: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen;
aber siehe, ich sage euch: Liebt eure Feinde, segnet die, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch böswillig schlecht behandeln und euch verfolgen,
Darum möchte ich, dass ihr vollkommen seiet, so wie ich oder euer Vater, der im Himmel ist, vollkommen ist.Wahrlich, wahrlich, ich sage, ich möchte, dass ihr den Armen Almosen gebt; aber achtet darauf, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater, der im Himmel ist.
Darum, wenn ihr eure Almosen gebt, so posaunt nicht vor euch her, wie Heuchler das in den Synagogen und auf den Straßen tun, um sich von den Leuten preisen zu lassen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn.
Wenn aber du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut, damit deine Almosen verborgen bleiben; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird selbst es dir offen lohnen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben;
wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie zerfressen und Diebe einbrechen und stehlen;
sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie zerfressen und wo Diebe nicht einbrechen noch stehlen.
Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Das Licht des Leibes ist das Auge; wenn also dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib voll Licht sein.
Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist dann die Finsternis!
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder aber er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Sondern trachtet ihr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Rechtschaffenheit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Darum sorgt nicht für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seinem eigenen Übel.
Und nun begab es sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, wandte er sich wieder an die Menge und öffnete den Mund wieder zu ihr, nämlich: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
Denn mit welchem Richterspruch ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch wieder zugemessen werden.
Und wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, gewahrst aber nicht den Balken, der in deinem eigenen Auge ist?
Oder wie kannst du zu deinem Bruder sprechen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen – und siehe, ein Balken ist in deinem eigenen Auge?
Du Heuchler, entferne zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu entfernen.
Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.
Denn ein jeder, der bittet, empfängt; und wer da sucht, der findet; und dem, der anklopft, wird aufgetan werden.
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch, denn darin bestehen das Gesetz und die Propheten.
Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann
vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.“
Während sich der Zeitgeist, besonders in den westlichen Gesellschaften, weitgehend vom Inhalt der Bergpredigt verabschiedet hat und versucht, auf andere Weise eine glücklichere Gesellschaft zu schaffen, lesen wir im Buch Mormon, was entstanden ist, nachdem ein ganzes Volk seinen Lebensstil an dem ausgerichtet hat, was ihnen Jesus Christus live gelehrt hat. Der Schreiber hat im 4. Nephi mehr als 160 Jahre außerordentlich erfolgreicher Geschichte in nur wenigen Versen zusammengefasst:
Vers 2: Das Wirken und die Botschaften von Jesus Christus führten innerhalb kurzer Zeit zu Einigkeit im Glauben und im Umgang der Menschen miteinander.
Vers 4: Stabiler Frieden im Land. Frieden als Ergebnis von Geisteshaltungen.
Vers 5: Glaube und gesellschaftliche Verhältnisse ermöglichten es, dass viel Leid geheilt werden konnte. Dafür gibt es heute einen riesigen Bedarf.
Vers 7: Die Produktivität und Zusammenarbeit verbesserten sich exponentiell. Daraus folgte wirtschaftlicher Erfolg.
Vers 10: „Und nun, siehe, es begab sich: Das Volk Nephi wurde stark und mehrte sich überaus schnell und wurde ein überaus anmutiges und angenehmes Volk.
Vers 11: Sie bildeten Familien und empfingen reiche Segnungen – als Ergebnis ihres Lebenswandels.
Vers 12: Sie kümmerten sich aktiv um ihre Beziehung zu Gott und ihre geistige Wohlfahrt.
Verse 15-17: „Und es begab sich: Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im Herzen wohnte, gab es im Land keinen Streit.
Und es gab weder Neid noch Streit noch Aufruhr noch Hurerei noch Lüge noch Mord noch irgendeine Art von Ausschweifungen; und gewiss konnte es kein glücklicheres Volk unter allem Volk geben, was von der Hand Gottes erschaffen worden war.
Es gab weder Räuber noch Mörder noch gab es Lamaniten noch sonst irgendwelche -iten; sondern alle waren eins, die Kinder Christi und Erben des Reiches Gottes.
Vers 18: „Und wie gesegnet waren sie! Denn der Herr segnete sie in allem, was sie taten; ja, sie wurden gesegnet, und es erging ihnen wohl …
Das waren sehr erstrebenswerte Zustände. Wie viel wären wir bereit dafür zu geben? Der Preis wird oben genannt, aber auch die Resultate. Nochmal, es handelt sich um Haltungen, um einen Lebensstil, der nicht notwendigerweise eine religiöse Bindung, wohl aber starke Überzeugungen voraussetzt. Selbst bei nur teilweiser Umsetzung in der Breite würden wir spürbare Verbesserungen unserer gesellschaftlichen Probleme erzielen – sowohl im Kleinen als auch im Großen. Wie viel Leid auf allen gesellschaftlichen Ebenen könnte gelindert und geheilt werden.
Man könnte einwenden, dass man in einer Ellenbogengesellschaft viel zu oft das Nachsehen hätte, wenn man sich sanftmütig, gütig, selbstlos, rücksichtsvoll, respektvoll, friedlich und anständig verhält, eingegangene familiäre, soziale und gesellschaftliche Verpflichtungen einhält und der gesamten Schöpfung Gottes uneingeschränkte Achtung entgegenbringt. Es gibt jedoch viel mehr Gründe, die gegen eine solche Haltung sprechen als dafür.
Zurück zur Tragik der eingangs zitierten Schriftstelle. Nach über 160 Jahren war eine Generation herangewachsen, die begann, den Lebenstil der vorangegangenen Generationen für sich abzuwählen und andere moralische Werte offensiv und sehr erfolgreich zu verbreiten. Weshalb war das nun so tragisch? Diese Leute haben vielleicht gute Gründe gehabt und wollten sich von den Traditionen ihrer Eltern und Großeltern lösen, sich selbst verwirklichen, ohne Rücksicht auf eine Gemeinschaft oder einen bestimmten Glauben nehmen zu müssen. Nun, die Geschichte zeichnet ein anderes Bild, aus dem wir lernen sollten.
  • Der gesellschaftliche Zusammenhalt begann zu erodieren und sich nach und nach aufzulösen, anfangs nicht aus theologischen sondern materiellen Gründen. Die Verhaltensänderungen gingen den Veränderungen in Glaubensbekenntnissen voraus. Das ist auch heute häufig so.
  • Diese Generation hatte Jesus Christus nicht selbst erlebt und wuchs in einer Zeit auf, in der Wohlstand und Wohlergehen zur Selbstverständlichkeit geworden war, ohne dass sie sich viele Gedanken darüber machen mussten.
  • Sie hatten offensichtlich auch ein Stück weit den Bezug zu ihrer jüngeren Geschichte verloren. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass die Interpretation von Geschichte mit wachsendem zeitlichen Abstand schwieriger wird, vor allem wenn die Lehren daraus unbequem und nicht kompatibel mit dem Zeitgeist sind.
  • Bis zur Spaltung oder besser Zersplitterung der Gesellschaft dauerte es kaum 10 Jahre.
  • Egoismus und moralische Beliebigkeit traten ihren Siegeszug an, Religion wurde eine äußerliche Angelegenheit ohne wirklichen Glauben, ohne heilende Kraft, ohne Achtung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Diejenigen, die sich diesen Entwicklungen entgegenstemmten, wurden nach und nach zum Schweigen gebracht.
  • Nachdem sich der größte Teil des Volkes innerhalb einiger Jahrzehnte schließlich fast komplett von den Lehren Jesu Christi abgewandt und sich von moralischen Werten und Geboten „befreit“ hatte, müsste man annehmen, dass daraus eine neue, erhoffte Phase der Prosperität eintrat, in der die Leute Zufriedenheit und Glück verspürten, denn sie hatten ja das durchgesetzt, was sie wollten. Diese Hoffnung erfüllte sich aber nicht, konnte es auch nicht, denn das Gesetz von Ursache und Wirkung lässt sich nicht außer Kraft setzen. Das organisierte Verbrechen wurde mächtig, wie nie zuvor. Die Menschen stumpften ab und es entwickelte sich Schritt für Schritt eine Spirale von Hass und Gewalt, die bis zum Ende des Berichts unvorstellbare Ausmaße und Formen von Grausamkeit annahm, die nur dann möglich sind, wenn sich vorher ein weit gehender moralischer und kultureller Verfall durchgesetzt hat. Dadurch wurde schließlich innerhalb von weniger als 200 Jahren eine gesamte Kultur ausgelöscht.

Das ist der Grund, weshalb die Anfänge des Verfalls so tragisch waren. Alle Ereignisse, die darauf folgten und vor allem die Ursachen, die dazu führten, wurden lange vorher von Propheten angekündigt. Sie waren nicht unvermeidlich. Sie hätten verhindert werden können, wenn es bei genügend Menschen den Willen dazu gegeben hätte. Sie traten aber unweigerlich ein, als große Menschengruppen sich für Lebensweisen entschieden, deren Auswirkungen mit der Zeit immer schwerer und schlussendlich überhaupt nicht mehr beherrschbar waren.

Mormon, der wichtigste Zeitzeuge der Vernichtung und Mann nach dem das Buch Mormon benannt wurde, klagte voller Trauer (siehe Buch Mormon, Mormon 6:16-20):

„Und wegen der Getöteten meines Volkes wurde meine Seele von Pein zerrissen, und ich schrie:
O ihr Anmutigen, wie konntet ihr von den Wegen des Herrn abweichen! O ihr Anmutigen, wie konntet ihr diesen Jesus verwerfen, der mit offenen Armen dastand, euch zu empfangen!
Siehe, wenn ihr dies nicht getan hättet, wäret ihr nicht gefallen. Aber siehe, ihr seid gefallen, und ich betrauere euren Verlust.
O ihr anmutigen Söhne und Töchter, ihr Väter und Mütter, ihr Ehemänner und Ehefrauen, ihr Anmutigen, wie kommt es, dass ihr fallen konntet!
Aber siehe, ihr seid dahin, und mein Grämen kann euch nicht zurückbringen.“

Aus dieser Geschichte können wir viel lernen – vor allem, dass es nichts Nachhaltigeres gibt, als das Evangelium Jesu Christi. Zur Zeit hören wir oft die Frage, welche Lehren wir aus dem Jahr 2020 ziehen werden. Wird wieder mehr Demut in die Gesellschaft einziehen? Wird man sich auch auf unbequeme Lehren aus der Geschichte besinnen und die heranwachsenden Generationen sorgfältiger und ganzheitlicher bilden?
Werden die oben aufgeführten elementar wichtigen Prinzipien für ein vernünftiges Zusammenleben wieder mehr an Bedeutung gewinnen – im persönlichen Denken und Fühlen, in den Medien, in den Familien, im Geschäftsleben, in der Politik und in den Religionen? Werden Menschen mit extremen Haltungen zur Besinnung kommen? Werden Glaube und Rechtschaffenheit zunehmen? Wird es in der Breite eine größere Einsicht geben, dass unsere Entscheidungen und Handlungen viel größere Auswirkungen auf uns, auf andere Menschen, auf die Natur und die Gesellschaft haben, als wir oft glauben? Das gilt nicht nur für die nähere und fernere Zukunft, sondern auch und vor allem für unser Leben nach unserem irdischen Dasein.Manchmal mögen wir vielleicht das Gefühl haben, dass es zu schwer ist, sein Leben an Jesus Christus zu orientieren oder dass es sich nicht lohnt, da andere, denen das alles komplett egal ist, vielleicht erfolgreicher, gesünder, wohlhabender oder populärer sind. Nun, dazu hat Jesus Christus selbst eine Schriftstelle aus dem Buch Maleachi im Alten Testament zitiert (siehe Maleachi 3:14-18), als er unter den Nephiten weilte. Ich finde, das ist ein gutes Schlusswort unter diesen Beitrag.

„Ihr habt gesprochen: Es ist unnütz, Gott zu dienen, und was ist es für Gewinn, dass wir seine Verordnungen eingehalten haben und dass wir in Trauer gewandelt sind vor dem Herrn der Heerscharen?
Und nun nennen wir die Stolzen glücklich; ja, mit denen, die Übles tun, steht es wohl; ja, die Gott versuchen, sind sogar befreit.
Aber die den Herrn fürchteten, redeten oft miteinander, und der Herr hörte zu und vernahm; und vor ihm wurde ein Buch der Erinnerung geschrieben für die, die den Herrn fürchteten und die an seinen Namen dachten.
Und sie werden mein sein, spricht der Herr der Heerscharen, an dem Tag, da ich meine Juwelen herrichten werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen eigenen Sohn verschont, der ihm dient.
Dann werdet ihr zurückkehren und den Unterschied sehen zwischen dem Rechtschaffenen und dem Schlechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“
(Buch Mormon, 3. Nephi 24:14-18)

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Veranstaltungen mit dem Autorenpaar Terryl und Fiona Givens

Am 16., 17. und 18. März haben wir im Pfahl Leipzig das Autorenehepaar Terryl und Fiona Givens zu Gast und laden zu Veranstaltungen in Leipzig (16.3., 19:30 RIZ Hainstraße 6), Zwickau (17.3., 11:00 Gemeindehaus Gellertstraße) und Chemnitz (18.3., 18:00 Gemeindehaus Stelzendorfer Straße) ein.

Ich möchte dafür ausdrücklich Werbung machen und die Leser zum Teilen der Information auffordern. Ich habe mich mit der Literatur der beiden ziemlich intensiv beschäftigt und verspüre eine überaus große Übereinstimmung, wie sie sich, wie ich meine, äußerst wichtigen Themen der Religiösität nähern.

Mit großem Einfühlungsvermögen und Verständnis für die vielfältigen Fragen und Probleme, denen man im Glauben an Gott begegnet, geben sie Antworten oder regen einfach zum Nachdenken an. Das alles in einer wunderbaren Ausdrucksform, gewiss anspruchsvoll, aber sehr berührend und ansprechend sowohl für jung und alt.

Der Untertitel zu ihrem Buch „The God Who Weeps“ (Der Gott der weint) lautet: „How Mormonism makes sense of life“ – also wie unsere Religion in unserem Leben einen tiefen Sinn ergibt. Es ist eine Einladung, Aspekte des Glaubens zu entdecken oder wiederzuentdecken, die im Alltagsstress oder der allgemeinen Informations- und Meinungsflut oft verloren gehen

Viele Rezensenten schreiben, dass die Bücher hervorragend für die Lehrprogramme der Kirche geeignet sind. Dem möchte ich zustimmen.

Vor kurzem hatte ich ein längeres Telefongespräch mit Schwester Givens (die übrigens sehr gut deutsch spricht), das uns beiden viel Freude gemacht hat. Ich freue mich auf die Veranstaltungen, die zu den Höhepunkten in unserem Pfahl dieses Jahr gehören.

Herzlich willkommen. Ich würde mich freuen, wenn viele unserer Einladung folgen.

Selbstverständlich wird alles ins Deutsche übersetzt, und es wird auch einen Imbiss geben.

Alles, was ich heute sagen kann …

Alles, was ich heute sagen kann, ist, dass ich froh und dankbar für die Botschaft „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ bin. (Siehe auch im Hauptmenü oben unter Familie)

Screenshot (3)
Zuhause und Familie

Ich glaube nicht, dass Menschen die Vollmacht haben, die Definition der Ehe und Familie ohne Anweisungen und Auftrag von Gott zu modifizieren. Ich glaube auch nicht, dass diejenigen, die dies tun und in Zukunft möglicherweise noch viel weiter gehend tun werden, die langfristigen Auswirkungen solcher Entscheidungen vollkommen beurteilen können, selbst wenn sie es in gutem Glauben und nach ihrem besten Wissen und Gewissen getan haben. Ich glaube, dass Gott die Ehe zwischen Mann und Frau aus wichtigen Gründen und auf der Grundlage seiner Vollkommenheit eingesetzt hat, dass es aber einer erweiterten Perspektive bedarf, um die Bedeutung von Ehe- und Familienbeziehungen über dieses Leben hinaus zu erfassen. Die oben erwähnte Proklamation erklärt es aus meiner Sicht sehr gut.

Genauso bin ich fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen in Gottes Plan der Erlösung hervorragende Perspektiven gibt, die man entdecken kann, wenn man sich dazu entschließt, sie zu suchen. Diese haben sehr viel mit dem Opfer, das Jesus Christus für alle Menschen gebracht hat, zu tun.

Ich verstehe, dass Menschen, die den Worten Gottes keinen oder keinen großen Wert beimessen oder die weder an einen Gott noch an eine ewige Existenz der Familie glauben, anderer Meinung sein können und dass sie dafür weder gehasst, verspottet, verfolgt oder angegriffen werden dürfen. Das gleiche Recht haben aber auch diejenigen, die die Werte der traditionellen Ehe und Familie vertreten.
Als Christ sehe ich es als meine Pflicht und auch als eine Gelegenheit an, allen Menschen, ganz gleich welcher Nationalität, Herkunft, Kultur oder sexueller Orientierung, mit Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis zu begegnen. Das bedeutet nicht, dass ich meine Überzeugungen zur Definition der Ehe, der Familie und zum Geschlecht eines jeden Menschen und verbindlichen Werten aufgeben muss.

Ich vermisse in den Medien, in öffentlichen sowie politischen Diskussionen einen Kurs, der die Stärkung von traditionellen Familien zum Ziel hat – nicht nur den materiellen Teil, sondern ihre geistige und emotionale Stabilität und die Sicherheit und Stärke, die aus solcher Stabilität erwachsen. Das passiert nicht von alleine, aber die Bedingungen werden völlig unterproportional thematisiert.

2014 habe ich einen Post zum demografischen Wandel geschrieben. Ich hänge ihn hier noch einmal an. Er hat an Aktualität eher zugenommen.

Demografischer Wandel

„Einer unserer Söhne kam vor einigen Wochen von der Uni nach Hause und erzählte mir, dass er an dem Tag an einer Vorlesung über den demografischen Wandel teilgenommen hatte.
Die Vorlesung bestand aus der üblichen Bestandsaufnahme mit Zahlen und Fakten und den absehbaren gesellschaftlichen Folgen. Allerdings, so berichtete unser Sohn, hatten weder Dozentin noch Kommilitonen brauchbare Ideen, wie dieses Dilemma überwunden werden kann.
Damit sind sie leider nicht allein. Unsere moderne Gesellschaft möchte auf eine Art und Weise leben, die einer Lösung dieses Problems diametral entgegensteht. Das wird nicht funktionieren. Der sogenannte demografische Wandel ist eine der Folgen, die aus der Lebensweise großer Teile der Gesellschaft zwangsläufig entstehen und ohne grundlegende Veränderungen in den Einstellungen der Menschen nicht abgestellt werden können.
Es gibt keine Lösung des Problems, das ausschließlich durch Subventionen und Regularien von Regierungen, Veränderungen der Arbeitswelt und eine weitere Vergesellschaftung der Kindererziehung bewirkt werden kann. Eine ganze Reihe sinnvoller Maßnahmen würden sicherlich helfen, aber das wird im großen Maßstab nicht reichen. Ohne die Rückbesinnung auf den Wert der Familie und die damit verbundenen Verpflichtungen, entstehen keine Bedingungen, die einer nachhaltigen Lösung dieses Problems förderlich sind.

Es ist schon tragisch, dass man sich heute schon fast für eine intakte, traditionelle Familie rechtfertigen muss, nach dem Motto: „Seid ihr eigentlich noch zeitgemäß?“ Was für ein Unsinn.

Ich habe einfach mal die Übung gemacht und einige Punkte betrachtet, die ich in meiner Kirche und in der Familie, in der ich aufgewachsen bin, gelernt habe. Die Punkte gehören in die öffentliche Diskussion, auch wenn einige davon unliebsam und unbequem sind. Bequemlichkeit oder der Weg des geringsten Widerstandes haben aber noch nie eine Gesellschaft voran gebracht.

Hier einige der Punkte in ungeordneter Reihenfolge, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Ich musste als Kind nie Angst davor haben, dass meine Eltern sich trennen würden. Sie hatten ihre Probleme aber sie sind damit umgegangen und haben zusammen daran gearbeitet, sie zu lösen. Ich habe bei meinen Eltern keinen Egoismus zu Lasten des anderen Ehepartners erlebt.

Sie haben ihre Ehe ernst genommen und keine fadenscheinigen Begründungen oder Rechtfertigungen gesucht.

In Kirche und Familie habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Verpflichtungen einzugehen und sich daran zu halten. Ja, Verpflichtungen sind manchmal unbequem aber sie schaffen Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit. Unverbindlichkeit und der Unwille, Verpflichtungen einzugehen und diese zu beständig zu halten, sind Hauptursachen unserer gesellschaftlichen Probleme.

Das Evangelium Jesu Christi lehrt genauso klar über die Verpflichtung zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das heißt nicht, dass man deren Ideen oder Lebensentwürfe für richtig befinden und seine eigenen Ideale kompromittieren muss. Es lehrt aber klar, was Nächstenliebe bedeutet. Es gibt trotzdem noch richtig und falsch, nachhaltig und unnachhaltig – und das besonders auch in Bezug auf die Rolle der Familie.

Ich habe zu Hause und in der Kirche gelernt, Kinder zu lieben, meine Geschwister zu lieben und daraus hat sich der Wunsch entwickelt, eine Familie mit mehreren Kindern zu haben.

In der Kirche habe ich grundlegende Dinge darüber gelernt, wie man erfolgreich eine Familie aufbaut, z.B. die Rolle des Familiengebetes, der Familienheimabend, die Bedeutung von Bildung und Erziehung, die Überwindung von Egoismus, Verzicht zu Gunsten der Familie, Werte und Moral, Liebe in der Familie.

Das gleiche gilt für die Rolle von Vater und Mutter. Die Verantwortung, die damit verbunden ist, erstreckt sich viel weiter, als viele von uns denken. Wir sind ultimativ rechenschaftspflichtig vor Gott, wie wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht geworden sind. Wir sind nicht verantwortlich, für das was sie tun, wenn sie für sich selbst verantwortlich sind. Aber wir sind sehr wohl verantwortlich für alles, was wir ihnen vermitteln, vorleben, wie wir sie lieben, erziehen, was wir ihnen erlauben und verbieten und welchen Einflüssen wir sie aussetzen. Dieser Verantwortung können sich Eltern vor Gott nicht entziehen und sie kann auch nicht auf Lehrer oder Erzieher delegiert werden.

Meine Frau und ich haben in unserer Kirche gelernt, dass Bildung (geistige, emotionale und weltliche) essentiell für die Familie ist. Mutter und Vater zu sein sind wichtige Karriereschritte. Es ist für mich völlig unverständlich, weshalb besonders die Rolle der Mutter, wider besseres Wissen, als Karrierebremse stigmatisiert wird. Mutter sein ist eine Berufung, im Prinzip die wichtigste um sicherzustellen, dass eine Gesellschaft nicht verkommt.

In der Kirche habe ich gelernt, wie wichtig die Rolle des Vaters ist. Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass viele Väter sich ihrer Verantwortung entziehen und dabei Notlagen für alleinerziehende Mütter schaffen, die wie eine Kettenreaktion weitere Probleme erzeugen, die nur schwer zu lösen sind und sich auch auf andere auswirken. Zu Hause habe ich einen Vater erlebt, der alles für seine Familie gegeben hat. In meiner kirchlichen Berufung erlebe ich oft, habe ich oft mit den Auswirkungen zerrütteter Familien auf die Beteiligten und die Umgebung zu tun. Oft erstrecken sich die Nebenwirkungen auch auf intakte Familien, weil negative Einflüsse zum Beispiel massiv die Erziehung von Kindern beeinflussen.

Sowohl wir als auch unsere Kinder haben in der Schule und auch durch die Medien so gut wie nichts darüber gelernt, wie man als Ehepaar und als Eltern erfolgreich sein kann. Die öffentliche Diskussion ist stattdessen voll von Beiträgen über alternative Konzepte, die sich dem Zeitgeist anpassen oder lediglich Nothelfer sind, aber deren Nachhaltigkeit stark zu bezweifeln ist. Die grundlegenden Dinge haben wir in Kirche und Familie gelernt.

Ich denke, beinahe jeder von uns macht im Lauf seines Lebens manchmal gravierende Fehler, die dazu führen könnten, dass Ehen und Familien kaputt gehen. Ohne ein solides Fundament passiert das leider auch schnell. Wohingegen eine feste Basis, sowohl in Bezug auf die Lehre als auch auf die Familienbeziehungen, in den meisten Fällen hilft, Schwierigkeiten zu lösen bevor sie zu richtigen Problemen werden, von falsch eingeschlagenen Wegen umzukehren und als Voraussetzung dafür die Fehler überhaupt zu bemerken. Aus eigener Erfahrung sowie den Erfahrungen zahlreicher Menschen, die ich sehr gut kenne, kann ich bestätigen, dass das so ist. In meiner Kirche habe ich gelernt, wie man von Fehlern oder Sünden umkehrt und wie man wirklich vergibt und Vergebung erlangt.

Wir sind als Familie für alle Mühen, Sorgen, Trauer, Verzicht, Zeit und Mittel derartig reich belohnt worden, dass sich für uns die Frage überhaupt nicht stellt, ob es richtig war, eine große Familie zu haben. Jetzt haben wir zusätzlich die Perspektive als Großeltern.

Es gibt natürlich auch viele Paare für die sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Für sie sowie auch für die, die allein oder alleinerziehend sind, sind die Gemeinden der Kirche eine Solidargemeinschaft, in der es Platz gibt für ihre Sorgen und Nöte. Es gibt Hilfsorganisationen innerhalb der Kirche deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass niemand sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlt. Der Anspruch ist hoch und hängt immer von den Menschen ab, die ihn umsetzen, aber in meiner kirchlichen Berufung sehe ich, dass sehr viel getan wird. …

Am Schluss muss man noch eine weitere Dimension nennen. Das ist die wichtigste. Wir glauben daran, dass Familien ewig bestehen können, über dieses Leben hinaus. Daraus ergeben sich ganz andere Perspektiven, die jeder Mensch zumindest kennen sollte. Wir schließen dafür in heiligen Tempeln Bündnisse, die uns ständig daran erinnern, dass es ein großes Ganzes gibt, wofür sich jede Mühe lohnt. Wir nennen das den Plan der Erlösung, über den in weiteren Posts noch viel zu schreiben sein wird. Ich messe alles, was ich lese, beobachte und aufnehme an diesem Plan, dessen Urheber unser Vater im Himmel ist. Um es drastisch zu sagen, enorm vieles, das uns der Zeitgeist zu vermitteln versucht, hält diesem Benchmarking in keinster Weise stand. Das Ziel dieses Planes ist, dass wir als seine Kinder, wahre Glückseligkeit erarbeiten können und zwar über dieses Leben hinaus. Wir gehen davon aus, dass Gott, im Gegensatz zu uns, eine 100%ige Erkenntnis darüber hat, was dazu notwendig ist und dass seine Gebote und Offenbarungen genau diesem Ziel dienen. Familien sind dabei ein elementarer Bestandteil.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Das Setup unserer modernen westlichen Gesellschaft stimmt in Bezug auf das angesprochene Problem nicht mehr. Wir sollten aufhören, Probleme zu beklagen, wenn wir nicht entschlossen sind, sie zu ändern und stattdessen damit beginnen, nicht nur die Symptome sondern die Ursachen zu adressieren, weil die Folgen unaufhaltsam sein werden. Die Rezepte dafür sind vorhanden (zum einem gewissen Teil auch in der säkularen Welt, wenn diese auch nicht die gesamte Perspektive erfassen kann) und es bedarf keines Doktortitels um sie zu verstehen. Sie sind aber nicht populär und auch nicht einfach umzusetzen, weil nicht nur Rahmenbedingungen geändert sondern auch die Herzen von Menschen nachhaltig berührt werden müssen, so dass sich ihre Wünsche ändern.“

Letztes Wochenende und ein Urlaubserlebnis

Letztes Wochenende fand unsere Herbst-Pfahlkonferenz in Leipzig und Böhlen statt. Ich möchte mich, auch im Namen meiner Mitarbeiter, bei allen Mitgliedern unseres Pfahles bedanken, die in irgendeiner Weise zum Gelingen der Konferenz beigetragen haben. Wir hatten eine sehr gute Zeit.

Neben den üblichen Konferenzgottesdiensten fanden weitere Veranstaltungen wie Jugendaktivitäten und eine Jugendkonferenz statt. Dabei waren unsere Jugendlichen kreativ 🙂

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und betätigten sich sportlich (übrigens ein großer Spaß – Live Tischfußball).

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In allen Versammlungen hatten wir mehr Besucher als jemals zuvor.

Am Samstagabend habe ich über Glauben gesprochen, die wichtigste Grundlage von allem, was wir tun und worauf wir hoffen. Aber nicht nur das, Glaube an Christus und Sein Evangelium ist auch ein Antrieb für die Entwicklung von Charaktereigenschaften, die sich an dem Wirken von Jesus Christus orientieren.
Im Buch Mormon gibt es eine Reihe von sehr guten Erläuterungen wie man z.B. Glauben entwickeln (siehe Alma, Kapitel 32) und was durch Glauben bewirkt werden kann (siehe Ether, Kapitel 12).
Ich werde die Ansprache posten, sobald das Transkript fertig ist.

Im Oktober war ich mit Esther wieder im Zion National Park in Utah. Der Canyon inspiriert mich immer zu bildhaften Vergleichen. Diesmal kletterten wir nicht nach oben, sondern haben die Narrows erkundet. Dabei musste ich an meinen Glauben denken, wie ich ihn gewonnen habe und wie er sich weiterentwickelt.

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Die Narrows beginnen dort wo sich der Zion Canyon verengt und es keinen Fußweg mehr gibt. Man bewegt sich fortan entweder im Virgin River oder auf Sand- und Schotterbänken flussaufwärts. Es ist absolut faszinierend.

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Es ist eine Entdeckungsreise, die ich mit der Entdeckungsreise in die Tiefen des Evangeliums Jesu Christi vergleichen möchte. Je mehr man sich die Mühe macht, weiter vorzudringen, umso mehr gibt es zu entdecken, zu verstehen und zu staunen. Logischerweise ist es nur ein Vergleich, der nicht alle Facetten aus beiden Erfahrungen berühren kann.

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Manchmal geht es leichter voran …

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… manchmal ist es mühsam (Wasser hatte 13 Grad) und man kommt nur langsam voran.

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Wir hatten uns ein Zeitlimit gesetzt, denn wir mussten natürlich den Rückweg einplanen und waren nicht auf eine längere Exkursion vorbereitet. Allerdings haben wir unser Zeitlimit mehrmals verlängert, denn an jeder Flussbiegung gab es neue, atemberaubende Eindrücke.

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Je mehr wir sahen und lernten, umso mehr hatten wir Freude an der Wanderung.

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Wir hatten in den Jahren davor oft darüber gesprochen, dass wir den Trip in die Narrows einmal machen wollten. Als der Wunsch und die Neugier groß genug waren, haben wir es getan. Wir hatten uns vorher gut informiert, aber unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

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Wir sind bis an diesen Punkt gegangen, dann mussten wir leider aufgrund der fortgeschrittenen Zeit umkehren – aber mit dem festen Vorsatz zurückzukommen und weiterzugehen.

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Hat es sich gelohnt? Natürlich. Wissen wir jetzt alles? Natürlich nicht. Es gibt noch viel mehr zu entdecken und zu lernen.
So ist es mit dem Glauben an Jesus Christus und den Plan der Erlösung. Es ist jedem selbst überlassen, wie tief er vordringen möchte. Es braucht aber ein bestimmtes Maß an Mühe, Opfer und Ausdauer, damit man genügend versteht, um Konsequenzen aus dem Gelernten zu ziehen und beständig in Christus vorwärtszustreben. Siehe Buch Mormon, 2. Nephi 31:20:
„Darum müsst ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.“

So mancher lässt sich auch von Schwierigkeiten zum Aufgeben bewegen. Manchmal hält das Fundament nicht, gibt es Irritationen, Zweifel oder andere Gründe. Oft werden dabei wertvolle Dinge weggeworfen, vergessen oder durch etwas anderes überlagert. Das kann sehr bedauerlich sein, aber es sind immer sehr persönliche Entscheidungen und deshalb zu akzeptieren.

Ich möchte jeden Leser einladen, sich auf diese Entdeckungsreise des Glaubens zu begeben. Ich bin in meinem Leben auf dieser Reise mit unzähligen prägenden, schönen und manchmal auch schwierigen Erfahrungen belohnt worden. Und noch immer gibt es unzählige Dinge zu entdecken.

Eine etwas andere Bildergeschichte

In den letzten zwei Wochen hatte ich die Möglichkeit, mit jungen Erwachsenen in der Religionsinstitutsgruppe in Zwickau und  Jugendlichen in der Gemeinde Plauen über ein Thema zu diskutieren, das mich schon eine Weile beschäftigt. In Plauen sah das Tafelbild am Ende der Diskussion dann so aus. 😀

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Was für ein Durcheinander 😀 – scheinbar. Ich glaube, die Jugendlichen könnten es noch erklären.

Ich habe hier mal den Werdegang meiner Gedanken aufgeschrieben und gezeichnet. Die ursprüngliche Idee kam mir eigentlich kürzlich bei einem Workshop in der Firma – wenn auch in einem anderen Zusammenhang.

Irgendwo halten wir alle verschiedene Bälle in der Luft.Das sind unsere Aufgaben, Pflichten, Verantwortung, aber auch Vorlieben, Hobbies, Freizeit. Unser soziales Leben gehört genauso dazu wie unsere Gewohnheiten.

Wenn alles wohl geordnet und überschaubar ist, kann man auch alles wunderbar jonglieren.

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Aber so ist das Leben höchst selten oder nie. Wir haben viel mehr Bälle in der Luft.

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Und auch dieses Bild ist noch viel zu optimistisch, denn die Welt, in der wir leben, steht nicht still. Wir können unseren Bällen ständig neue hinzufügen. Es sind viele dabei, die uns dabei helfen können, mit der ganzen Last sinnvoll umzugehen. Allerdings gibt es auch viele destruktive Bälle, die wir manchmal mehr lieben, als die hilfreichen.

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Was uns nützt und was uns schadet, ist manchmal nicht so leicht ersichtlich. Wir sind ja auch alle verschieden. Leider entpuppen sich manche Dinge recht drastisch, wenn die Welt um uns aus den Fugen gerät, wenn es bebt, stürmt und hagelt.

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Das erinnert etwas an die finalen Worte der Bergpredigt in Matthäus 7 oder 3. Nephi 14 im Buch Mormon:
„Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute—
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute—
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.“

Ein Fundament haben wir hier noch gar nicht gezeichnet. Davon wird später noch die Rede sein. Fakt ist, dass wir nicht alle Bälle in der Luft halten können, ohne Schaden zu nehmen. Allerdings können uns bei diesen Turbulenzen Bälle weg fliegen, die wir lieber behalten sollten. Andere werfen wir weg, weil sie uns lästig werden oder wir sie schlicht und einfach nicht mehr beherrschen.

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Wir mögen uns ab und zu fragen, ob die Schriftstelle in Matthäus 11:28-30 wirklich Sinn macht:
„Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn das Joch, das ich auferlege drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.“

Viele Bälle, die wir in der Luft halten oder die weg fliegen, sind gegensätzlich: Verantwortung vs. Unverbindlichkeit, Sünde vs. Rechtschaffenheit, Süchte vs. Disziplin, Liebe vs. Hass, guter Job vs. schlechter Job, Fleiß vs. Trägheit, Glaube vs. Unglaube, Hoffnung vs. Hoffnungslosigkeit, Gesundheit vs. Krankheit, Freude vs. Leid, Glücklichsein vs. oberflächliches Vergnügen, Ausgeglichenheit vs. Unrast, Eigenständigkeit vs. Abhängigkeit, Nachhaltigkeit vs. Gedankenlosigkeit, Reinheit vs. Ausschweifung … Jeder kennt seine Bälle und kann die Aufzählung fortsetzen.

Ein Grundproblem unserer Zeit ist die Überbetonung des Ich. Mir muss es gut gehen. Ich muss mich finden. Zuerst komme ich dann alles andere. Diese inzwischen dominante Einstellung hat signifikante Auswirkungen. Wir können uns nicht losgelöst von anderen betrachten, denn unsere Entscheidungen haben sehr wohl Auswirkungen auf andere. Nehmen wir als Beispiel die Familie.

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In einer Familie gibt es eine ganze Menge mehr Dinge zu jonglieren. Wenn man sich allerdings entscheidet, den Fokus auf die richtigen Bälle zu legen, kann eine Familie oder eine Gruppe von Menschen, zwischen denen wertvolle Gefühle herrschen, eine ganze Menge Aufgaben mehr schultern. Leider befindet sich diese Einstellung unter einer ständigen Bedrohung durch das, was um uns herum geschieht oder viele schädliche und unnütze Bälle, die uns zugeworfen werden. Wir glauben daran, dass hinter diesen Bedrohungen ein wirkliches Wesen mit konkreten Absichten steckt – Satan, der Widersacher oder in den Heiligen Schriften auch Luzifer oder der Teufel genannt. Er, dessen Ziel es ist, möglichst viele Menschen genauso elend zu machen, wie er selbst ist. (siehe Buch Mormon, 2. Nephi 9:9 und 2. Nephi 2:27)

Eine der gravierendsten Folgen, die wir wahrnehmen, ist die Abnahme von Liebe und Nächstenliebe in Familien und der Gesellschaft. Zerbrechende Beziehungen belasten immer mehr Menschen körperlich und seelisch. Es scheint, als ob wir eine Gesellschaft errichten, die mental weniger belastbar wird und vereinsamt. In Familien sind die Hauptleidtragenden die Kinder, wenn Keile zwischen den Eltern entstehen. Es gehört zu den großen Irrtümern unserer Zeit, diese Probleme – den Zerfall und die Instabilität von Familien zu verharmlosen.

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Die Familie dient hier als ein Beispiel. Der wichtige Punkt ist aber, welche wichtigen Bälle weggeworfen und für welche destruktiven Bälle mehr Kraft und Energie eingesetzt wurden. Es sind aber nicht nur die Bälle. Es kommen wertvolle Menschen zu Schaden, oft dauerhaft. Wir sehen auch noch kein Fundament, das gemäß der oben zitierten Schriftstelle Regen und Sturm standhalten kann, selbst wenn die Gewalten und Turbulenzen in Zukunft noch viel stärker werden.

Wie baut man nun ein Fundament, das etwas taugt? Noch mehr Bälle? Noch mehr du sollst, du sollst, du sollst? Das ist nicht die Lösung. Woraus sollte dieses Fundament bestehen? Dies ist eine sehr individuelle Frage aber ich glaube, es gibt einige grundlegende Prinzipien. In unser Fundament packen wir nur Dinge, die wir wollen und die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. Was wir nicht wollen, bleibt ein Ball in der Luft, der uns mehr oder weniger Mühe macht. Wir müssen uns möglicherweise oft entscheiden, ob wir ihn überhaupt behalten wollen und so wird er schnell zur Last. Destruktive Dinge, die uns anhaften, schwächen unser Fundament und verringern auch nicht die Turbulenzen. Es liegt auf der Hand, dass es besser wäre, sie loszuwerden. Leider sehe ich oft in meiner Berufung, dass die Auswahlkriterien unklar sind, dass Bequemlichkeit mehr zählt als Nachhaltigkeit.

Ein paar Beispiele: das tägliche persönliche Gebet und das Familiengebet, sowie das regelmäßige Nutzen der Heiligen Schriften – so lange, wie sie Bälle in der Luft sind, die häufig zur Disposition stehen, können wir nur sporadisch oder gar nicht die Segnungen erfahren, die folgen würden, wenn wir eine dauerhafte Gewohnheit daraus machen, weil wir es wollen (nicht sollen) und diese Komponenten als einen starken Block in unser Fundament packen.

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Wenn wir diesem Prinzip folgen, bauen wir Schritt für Schritt ein besseres Fundament, in dem wir lernen und verstehen, was uns und den Menschen um uns herum (ausdrücklich NICHT NUR UNS SELBST) mehr Stabilität und Schutz vor destruktiven Einflüssen verleiht.

In meiner kirchlichen Berufung, aber nicht nur dort, erlebe ich zu häufig, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen Dinge abwählen, die sie eigentlich in ihrem Fundament brauchen – in der Regel, weil sie unbequem und vielleicht auch unpopulär sind oder den Glauben attackieren. Tempel, Zehnter und Fastopfer, Gebote, Bibel, Buch Mormon, regelmäßige Teilnahme am Abendmahl, Umkehr, Nächstenliebe, Selbstlosigkeit, Familie, Joseph Smith, Jesus Christus etc. Wenn diese und andere Dinge, die ins Fundament gehören, immer Bälle in der Luft bleiben, werden sie schwerer und schwerer und dann lassen wir sie irgendwann fallen. Es ist mühsam, Hass zu besiegen, eine Sucht, ein zwanghaftes oder unakzeptables Verhalten, Egoismus, Unverbindlichkeit, etc. etc. Aber diese Dinge und andere haben im Fundament nichts zu suchen, weil sie den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nicht standhalten. Sie sollten noch nicht mal Bälle in der Luft sein, für die wir Kraft, Energie und Konzentration aufwenden und damit verschwenden. Wir sollten sorgfältig aussortieren.

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Ein gutes Fundament ist die Basis, um uns selbst, unsere Familie, unsere Gemeinde oder Gemeinwesen vor Turbulenzen und Erschütterungen zu schützen bzw. die Auswirkungen derselben zu minimieren. Gleichzeitig habe ich ein Dach gezeichnet, dass nicht suggerieren soll, dass man Schutz nur durch Abkapselung erhält. Der Schutz besteht darin, sich vorzubereiten und Vorkehrungen zu treffen, einen Ort der Zuflucht zu schaffen, vor allem im geistigen Sinne.

Kürzlich las ich eine Kolumne von einem dieser jungen Journalisten, mit sicherlich noch begrenzter Lebenserfahrung, die die Meinungen in unserer Gesellschaft sehr stark prägen. Er meinte, was wir definitiv nicht brauchen, ist eine Rückbesinnung auf christliche Werte. Aha. Junger Mann, dachte ich, du weißt nicht wirklich, wovon du sprichst. Diese fragwürdige Aussage hat mich so beschäftigt, dass ich ihr möglicherweise einen weiteren Post widmen werde.

Uns fehlt nämlich in unserem Bild noch der wichtigste Teil, der wichtigste Bestandteil unseres Fundamentes – Jesus Christus. Man könnte unzählige Schriftstellen zitieren, warum das so ist. Ich habe nur zwei gewählt. Die erste hat Präsident Kearon erwähnt, als wir kürzlich in Offenbach mit der Gebietspräsidentschaft Europa zusammen waren. Sie steht im Buch Mormon in Omni 1:26:

„Und nun, meine geliebten Brüder [und Schwestern], möchte ich, daß ihr zu Christus kommt, der der Heilige Israels ist, und an seiner Errettung und an der Macht seiner Erlösung teilhabt. Ja, kommt zu ihm und opfert ihm eure ganze Seele als Opfer, und fahrt fort mit Fasten und Beten, und harrt aus bis ans Ende; und so wahr der Herr lebt, werdet ihr errettet werden.“

Durch das Sühnopfer Jesu Christi wird uns hinzugefügt, was wir selbst nicht tun können – wenn wir es für uns annehmen. Wichtige Voraussetzungen dafür sind Glaube, Hoffnung und Demut. Demut führt zum Verständnis des Sühnopfers und ebnet den Weg für die Herzensänderungen, die für den oben besprochenen Prozess erforderlich sind. Es lohnt sich auf jeden Fall, mehr darüber zu lernen und selbst zu erfahren, wie Lasten tatsächlich leichter werden können (wie in der Schriftstelle oben) – nicht weil sie notwendigerweise verschwinden, sondern weil sich die Art und Weise, wie wir damit umgehen, ändert. Ich denke, selbst viele Christen haben davon nur ein unvollständiges Verständnis.

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Diese Schriftstelle zum Abschluss ist selbsterklärend.

„Darum müßt ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.
Und nun siehe, meine geliebten Brüder, dies ist der Weg; und es ist kein anderer Weg noch Name unter dem Himmel gegeben, wodurch der Mensch im Reich Gottes errettet werden kann. Und nun siehe, dies ist die Lehre von Christus und die einzige und wahre Lehre vom Vater und vom Sohn und vom Heiligen Geist, die ein Gott sind ohne Ende. Amen.“  
Buch Mormon, 2. Nephi 31:20, 21

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Christus Statue im Besucherzentrum auf dem Tempelplatz in Salt Lake City

Zion Canyon und das Verstehen

Der Zion Nationalpark im Süden von Utah ist für Esther und mich eines der größten Naturwunder. Seine Schönheit, die Farben und die Vielfalt der Felsformationen sind überwältigend. Der Park könnte keinen treffenderen Namen haben.
Wir sind schon mehrmals dort gewesen, waren an den Emerald Pools, hinten in den Narrows (wenn auch noch nicht so weit, wie wir es gern möchten) und sind hoch auf Angels Landing geklettert (wobei das letzte Stück nicht ungefährlich ist).
Vor einigen Wochen waren wir wieder dort. Ich hatte vorher gelesen, dass man unbedingt zum Observation Point wandern sollte, weil man von dort eine grandiose Aussicht auf den gesamten Canyon hat. Das wollte ich unbedingt sehen und überredete meine Frau zu dem Hike. 13 km hin und zurück und ca. 1000 Höhenmeter klangen nach solider Anstrengung. Im Reiseführer stand, dass der Trail nicht überlaufen ist, da viele Besucher den Kraft- und Zeitaufwand scheuen. Sie ahnen nicht, was sie verpassen. Für uns war der Aufstieg durchaus anstrengend. Interessanterweise war er auch ein geistiges Erlebnis.

Man fährt also mit dem Park Shuttle bis zur Haltestelle Weeping Rock. Dort kann man sich zwischen verschiedenen Optionen entscheiden. Die einfachste ist der kurze Trail zum Weeping Rock. Will man zum Oberservation Point, steht man erstmal vor einer mehrere hundert Meter hohen Felswand und fragt sich, wie man da hinauf kommt. Das Ziel ist von dort nicht zu sehen und man weiß auch nicht genau, was auf einen zukommt. Unsere Motivation war dennoch groß. Wir wollten herausfinden, warum es so großartig ist, diese Stelle zu erreichen. Ich war neugierig, wie es oben aussieht und welche Perspektiven sich von dort eröffnen.

Zion National Park, Weeping Rock
Zion National Park, Weeping Rock

In der Tat entschieden sich die meisten Besucher für den kurzen Abstecher. Im Leben entgehen uns auch so manche tiefen Erkenntnisse, weil wir uns vor dem erforderlichen Aufwand scheuen, ohne den man sie nicht gewinnen kann. Es hat mich daran erinnert, wie tiefgründig unser Glaube ist und dass er durch Kurzinformationen und eine oberflächliche Beschäftigung nicht im geringsten verstanden werden kann.

Als wir näher an die Felswand kamen, sahen wir, dass es einen Pfad nach oben gibt.

Aufstieg über Weeping Rock
Aufstieg über Weeping Rock

Wir machten uns also auf den Weg und merkten schnell, dass es uns fordern wird. Allerdings kam es auf das Tempo nicht so sehr an, sondern mehr auf den Willen, beständig weiter zu gehen. Wir hatten genug Motivation, das Ziel zu erreichen und hatten auch genug Proviant mit, vor allem Wasser. Je höher wir in die Wand stiegen, um so mehr Perspektiven öffneten sich, obwohl wir noch sehr weit vom Observation Point entfernt waren und ihn immer noch nicht sehen konnten.

Above Weeping Rock
Above Weeping Rock

Interessant finde ich den Vergleich mit Alma Kapitel 32 im Buch Mormon, in dem der Prozess, Glauben zu entwickeln und ihn Schritt für Schritt zu nähren, in dem man auf kleinen Erfahrungen aufbaut, beschrieben wird.

Dieser Prozess läuft nicht ohne Hindernisse ab. Irgendwann stellt sich die erste Müdigkeit ein. In diesem Moment kamen wir zu der Stelle, wo der Trail zum Hidden Valley abzweigt. Das klang eigentlich auch spannend und wäre mit geringerem Aufwand verbunden gewesen. Es ist eigenartig, wie schnell man in so einer Phase Ziele in Frage stellt oder diese nicht mehr so wichtig erscheinen. Schlimmer noch ist es, wenn man den Prozess, den Weg zum Ziel zu verstehen, in Frage stellt, weil das dazu führen kann, dass man den Versuch abbricht oder nur halbherzig weiter geht.

At junction to Hidden Valley
At junction to Hidden Valley

Wir hatten nicht ernsthaft vor, unsere Pläne zu ändern und stiegen schwitzend weiter. Eine Gruppe junger Burschen aus der Schweiz überholte uns. Wir dagegen passierten einige zeternde Teenager, die ihre Eltern für die Idee, auf diesen Berg zu klettern, verwünschten :). Als wir die erste Etappe geschafft hatten, war die Aussicht toll und es fühlte sich wie ein geschaffter Meilenstein an. Unsere Motivation weiterzumachen erhielt einen deutlichen Schub. Wir ahnten nicht, dass der schwierigste Teil des Weges noch vor uns lag.

Erste Etappe fast geschafft
Erste Etappe fast geschafft

Nach einiger Zeit gelangten zum Eingang des Echo Canyons. Der Weg wurde einfacher, kein steiler Anstieg mehr. Es war eine willkommene Verschnaufpause.

Echo Canyon
Echo Canyon

Alle paar Meter gab es phantastische Felsformationen in wunderschönen Farben zu sehen. Der Canyon lädt zum Verweilen und zum Erkunden ein.

Echo Canyon
Echo Canyon

Man konnte denken am Ziel zu sein, und für viele ist es auch das Ziel. So verständlich das klingen mag, so irrelevant ist es für das große Ganze. In unserer geistigen Entwicklung liegt eine der großen Gefahren darin, leichtfertig, nachlässig und inkonsequent zu werden, wenn es gut läuft und alles in Ordnung scheint.
Im Buch Mormon heißt es in Alma 37:46: „O mein Sohn, lass uns nicht, weil der Weg so leicht ist, träge sein, denn so war es mit unseren Vätern …
Was war mit den Vätern? Da muss man im Buch mal ein bisschen zurückblättern zur Zeit als Lehi´s Familie auf einen einzigartigen Kompass, der Liahona genannt wurde, angewiesen war. Die Missachtung der Prinzipien, die zur korrekten Funktion des Instruments notwendig waren, führte zur Beeinträchtigung des richtigen Fokus, zum Verlust der Richtung und zu gewaltigen Konflikten (siehe 1. Nephi, Kapitel 16 und 18).

In Zeiten der Bequemlichkeit ist oft die Versuchung groß, nachlässig mit den wichtigen Gewohnheiten und Routinen zu werden, die wir dringend brauchen, um auf Kurs zu bleiben, stärker in unserem Glauben zu werden und ein sicheres Urteilsvermögen zu behalten, wenn immer mehr Verwirrung darüber entsteht, was gut und böse, richtig und falsch ist. Ich denke, dass wir dies in zunehmendem Maße erleben.
An einer anderen Stelle, in 2. Nephi 28:21 wird es noch etwas drastischer ausgedrückt:
Und andere wird er beschwichtigen und sie in fleischlicher Sicherheit wiegen, so daß sie sprechen: Alles ist wohl in Zion; ja, Zion gedeiht, alles ist wohl—und so betrügt der Teufel ihre Seele und führt sie mit Bedacht hinweg, hinab zur Hölle.

Bei Mitgliedern der Kirche äußern sich Leichtfertigkeit und Nachlässigkeit häufig darin, dass aufgehört wird, regelmäßig allein und auch gemeinsam als Familie zu beten, in den Heiligen Schriften zu studieren, den Familienabend durchzuführen oder regelmäßig den Tempel zu besuchen. Viele sind zwar aktiv in der Kirche, erfreuen sich an ihren sozialen Aspekten aber sie sind nicht aktiv im Evangelium und verlieren, manchmal unmerklich, geistige Stärke. Dinge, die irrelevant für ein vollständigeres Verständnis des Erlösungsplanes Gottes sind, gewinnen dann leicht höhere Priorität.
Die Folgen sind nicht sofort offensichtlich. Eine Weile kann man sich scheinbar durchmogeln. Die Bewährungsproben kommen aber unweigerlich und mit voller Härte, wie wir noch sehen werden.

Echo Canyon
Echo Canyon

Eine weitere Gefahr ist die Empfänglichkeit für Populismus oder die Zuwendung zu denen, die am lautesten schreien, bis sie ihre Interessen durchgesetzt haben, egal mit welchen Folgen. Es wird immer wieder Geschrei geben. Die Forderungen werden sich immer weiter von den Maßstäben Gottes entfernen und mit gesellschaftlichem Druck durchgesetzt.
Der Einfluss Gottes wirkt aber nicht durch Geschrei, auch nicht im Namen von Religion. Die Heiligen Schriften sind voll von Beispielen, wie die Stimme Gottes wirkt. Stellvertretend für viele Schriftstellen, möchte ich diese aus Helaman 5:30 im Buch Mormon anführen:
Und es begab sich: Als sie diese Stimme hörten, merkten sie, daß es nicht eine Stimme des Donners war, auch nicht eine Stimme von großem, heftigem Lärm, sondern siehe, es war eine leise Stimme von vollkommener Milde, gleichwie ein Flüstern, und sie drang bis tief in die Seele—

Es gibt klare Bedingungen, um empfänglich für diese Stimme zu sein. Leider verringert sich die Sensibilität oder geht verloren, wenn man das Interesse für die Bedingungen und ihre Quelle verliert. Es ist auch erstaunlich, wie unkritisch häufig ein Absenken der Maßstäbe zur Beurteilung von richtig und falsch hingenommen wird.

Da wir an dieser Stelle erst einen Bruchteil des Weges zurückgelegt hatten, wäre es vermessen gewesen  zu behaupten, dass wir dort bereits ein ausreichendes Verständnis für das Unterfangen hatten. Genauso vermessen wäre es im Leben  Dinge zu beurteilen, ohne ausreichend Wissen und Erkenntnis zu besitzen und sich aber einzureden, dass man sich der ganzen Tragweite von Entscheidungen bewusst ist, denen kein ausreichendes Nachsinnen vorangegangen ist.

Near junction to East Rim Trail
Near junction to East Rim Trail

Wenn man den Canyon verlässt, wird der Weg wieder steiler und öde. Man hat keinen Blick mehr auf den Zion Canyon, die Vegetation ist karg und man sieht die Spuren von Waldbränden. Ich musste mich an die Schriftstelle in 2. Nephi 31:19 und 20 erinnern:
Und nun, meine geliebten Brüder, nachdem ihr auf diesen engen und schmalen Pfad gelangt seid, möchte ich fragen, ob alles getan ist? Siehe, ich sage euch: Nein; denn ihr seid nur durch das Wort von Christus, mit unerschütterlichem Glauben an ihn so weit gekommen und habt euch ganz auf die Verdienste dessen verlassen, der mächtig ist zu erretten. 
Darum müßt ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.

Der Weg zum Ziel war noch weit und der Pfad fühlte sich so an, als ob man sich eher vom Ziel entfernt als ihm näher kommt.
Das sind die Phasen im Leben, wo es härter wird – die Bewährungsproben. Zerbricht eine Ehe oder Familie? Wie gehen wir mit Unglück, Krankheit, Irritationen und Unsicherheit um? Was sind uns unsere Bündnisse mit Gott wert, vor allem die Tempelbündnisse? Zerbreche ich an äußerem Druck? Werde ich mental instabil? Ereilt mich eine Midlife Crisis? Verliere ich das Vertrauen? Werde ich zynisch? Verliere ich meinen Glauben?

Near junction to East Rim Trail
Near junction to East Rim Trail

Jeder gelangt im Laufe seines Lebens an diese Punkte, wo sich viel entscheidet und die Zweifel nagen. Wie diese Entscheidungen ausfallen, hat man in der Regel schon vorher auf dem Lebensweg vorgeprägt, zum Positiven als auch zum Negativen. Wenn der Wasservorrat an diesen Kreuzungen zur Neige geht, wird es schwer auf Kurs zu bleiben. Das erlebe ich in meiner seelsorgerischen Arbeit immer und immer wieder. Jede zerbrochene Familie ist eine Tragödie, jedes gebrochene Tempelbündnis, jedes vernachlässigte Kind und vieles mehr. Ich erlebe Leute, die lieber ins Nirgendwo gehen als auf dem Pfad zu bleiben.

Aber es gibt auch die guten Beispiele. Menschen, die sich gegenseitig anspornen  weiterzugehen oder einen ziehen oder schieben, die auch akzeptieren, dass der eine oder andere jetzt öfter eine Rast braucht, die ihren Proviant teilen.
Uns sind Menschen entgegengekommen, die uns ermutigt haben: „Macht weiter. Es lohnt sich. Es ist unbeschreiblich. Wenn wir es geschafft haben, könnt ihr es auch schaffen.“

Letzte steile Anstiege
Letzte steile Anstiege

2. Nephi 31:21 sagt:
Und nun siehe, meine geliebten Brüder, dies ist derWeg; und es ist kein anderer Weg noch Name unter dem Himmel gegeben, wodurch der Mensch im Reich Gottes errettet werden kann. Und nun siehe, dies ist die Lehre von Christus und die einzige und wahre Lehre vom Vater und vom Sohn und vom Heiligen Geist, die ein Gott sind ohne Ende.

Obwohl die letzten Anstiege sehr anstrengend waren, wuchs durch die Ermunterung unsere Zuversicht und Freude auf das Ziel immer mehr. Wir profitierten von unserer Einstellung und Vorbereitung und waren selbst in der Lage, Schwächere zu unterstützen.

Irgendwann auf dem Anstieg wurde der Zion Canyon wieder sichtbar. Zuerst nur ein bisschen.

Close to Zion Canyon Rim
Close to Zion Canyon Rim

Aber dann immer mehr und mehr und beeindruckender.

Fast geschafft
Fast geschafft

Schließlich waren wir oben am Rim und hatten nur noch eine Meile bis zum Observation Point zurückzulegen. Keine Höhenmeter mehr. Ein wunderschöner Weg mit einer überwältigenden Perspektive. Wir fühlten uns belohnt für die Anstrengungen. Das Ziel war nun vor Augen. Wir konnten alles sehen, was von unten nicht sichtbar ist.
Im geistigen Sinne fühlten wir unseren Glauben und unser Vertrauen bestätigt. Wir hatten gehofft, dass es so sein würde und unsere Hoffnungen wurden übertroffen. Keine Zweifel mehr. Glaube wurde durch Wissen und Verstehen ersetzt.

Blick in den Zion Canyon
Blick in den Zion Canyon

Wie töricht wäre es gewesen, aufzugeben, ohne ausreichendes Verständnis von der großartigen Szenerie, die wir nun sehen durften. Es war aber nicht nur die Landschaft. Es war auch die Freundlichkeit und Heiterkeit der Menschen, die wir da oben getroffen haben.

Als wir schließlich am Observation Point ankamen, verspürten wir einen tiefen Frieden und Dankbarkeit für die Schöpfung Gottes. Es war für uns beide sehr bewegend.

Blick vom Observation Point auf Angels Landing
Blick vom Observation Point auf Angels Landing

Buch Mormon, Alma 34:32:
„Denn siehe, dieses Leben ist die Zeit, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen; ja, siehe, der Tag dieses Lebens ist der Tag, da der Mensch seine Arbeiten verrichten soll.“

Niemand hat gesagt, dass der Weg zurück zum Vater im Himmel einfach sein wird. Ich glaube aber, dass diesem Ziel kein anderes Ziel auch nur annähernd gleich kommt.
Ich glaube fest daran, dass unser Verständnis vom Sinn dieses Lebens und die Erkenntnis unseres Ursprungs sowie der Existenz auf die wir nach diesem Leben hoffen, in dem Maße wächst, wie wir uns Gott nähern.  Dafür lohnen sich alle Opfer und Mühen.

Am Ziel wird uns die volle Schönheit und Größe des Planes der Erlösung bewusst. Wir können dann seine überragende Bedeutung und das Glück, das er mit sich bringt, ganz ermessen und begreifen.

Auf dem Weg dahin, müssen wir mit Problemen und Sorgen umgehen, aber je weiter wir vorankommen, umso klarer wird das Bild, bis wir es ganz erfassen können.

Zion National Park, Observation Point
Zion National Park, Observation Point

P.S. Beim Abstieg begegneten uns zwei junge Männer, die den Berg hinauf joggten. Einer hielt an und fragte uns nach der Uhrzeit. Ich antworte auf Englisch, dass es in Deutschland jetzt kurz vor Mitternacht ist. (Ich verstelle nie meine Uhr, wenn ich verreise.)
Darauf bedankte er sich auf Deutsch und ich fragte ihn, woher sein gutes Deutsch kommt (um ehrlich zu sein, ich ahnte es schon 🙂 ). Er sagte: „Ich war von 2010 bis 2012 ein Missionar für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der Berlin Deutschland Mission.“
Die Welt ist klein. Es ist unsere Mission.

 

Weihnachtsbotschaft

Weihnachtsbotschaft der Präsidentschaft des Pfahles Leipzig

Liebe Schwestern, Brüder und Freunde,

im Namen der Präsidentschaft des Pfahles Leipzig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage möchte ich Ihnen ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest wünschen.
Jedes Jahr erleben wir das Paradoxon, dass sich viele Menschen mehr Ruhe und Besinnlichkeit in der Weihnachtszeit wünschen, aber dennoch kommt es in der Regel anders. Der Stress im Berufsleben spitzt sich zum Jahresende zu, Verpflichtungen häufen sich und es gibt jede Menge Dinge für das Fest zu erledigen. Oft sind es zu viele Dinge.
Uns ist bewusst, dass wir einige dieser Stressfaktoren nicht ohne weiteres ändern können. Wir müssen mit ihnen leben und können zumindest versuchen, aus solchen Situationen das Beste zu machen. Es gibt aber eine ganze Reihe Dinge, die wir sehr wohl beeinflussen können. Zu einigen wenigen möchte ich Sie einladen.

1. Entdecken Sie das Geschenk, das Jesus Christus für Sie persönlich bedeutet.

In den Heiligen Schriften finden wir eindrucksvolle Beschreibungen, die zum Nachdenken anregen. Im Buch Mormon, im 3. Nephi Kapitel 1 wird beschrieben, wie diejenigen, die die Zeichen der Geburt Jesu herbeisehnten und daran glaubten, mit dem Tod bedroht wurden.  Ab Vers 10 lesen wir folgendes:
„10 Nun begab es sich: Als Nephi, der Sohn Nephis, diese Schlechtigkeit seines Volkes sah, war sein Herz überaus bekümmert.

11 Und es begab sich: Er ging hinaus und beugte sich auf der Erde nieder und schrie mächtig zu seinem Gott für sein Volk, ja, für die, die nahe daran waren, wegen ihres Glaubens an die Überlieferung ihrer Väter vernichtet zu werden.

12 Und es begab sich: Er schrie mächtig zum Herrn, den ganzen Tag lang; und siehe, die Stimme des Herrn erging an ihn, nämlich:

13 Hebe dein Haupt empor und sei guten Mutes; denn siehe, die Zeit ist nahe und in dieser Nacht wird das Zeichen gegeben werden, und morgen komme ich in die Welt, um der Welt zu zeigen, dass ich alles erfüllen werde, was ich durch den Mund meiner heiligen Propheten habe sprechen lassen.
14 Siehe, ich komme zu den Meinen, um alles zu erfüllen, was ich den Menschenkindern von der Grundlegung der Welt an kundgetan habe, und um den Willen sowohl des Vaters als auch des Sohnen zu tun … Und siehe, die Zeit ist nahe, und diese Nacht wird das Zeichen gegeben werden.

In diesen wenigen Versen liegen einige der großen Wahrheiten des Erlösungsplanes, der uns erklärt, woher wir kommen, welchen tiefen Sinn unser Leben hat und wohin wir danach gehen werden. Ich lade Sie ein, sich ein tieferes Verständnis dieser Wahrheiten zu erarbeiten.

Ich habe letztes Jahr die bekannte Schriftstelle aus dem Johannes Evangelium im Neuen Testament zitiert: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“  Johannes 3:16

Heute möchte ich Vers 17 hinzufügen: „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, um die Welt zu richten, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“

Auch hier finden wir wieder ein weites Feld, geistige Wahrheiten zu entdecken oder zu vertiefen. Wieso ist es viel wichtiger zu retten als zu richten? Inwiefern können wir Retter sein? Wovor werden wir durch Jesus Christus gerettet? Ich bin fasziniert vom Umfang der Dinge, die es zu entdecken und besser zu verstehen gibt.

Wenn Sie mögen, schauen Sie sich die beiden Videoclips an, die uns die Großartigkeit des Geschenks näher bringen.

2. Tun Sie etwas Gutes

Wir haben die Mitglieder unseres Pfahles eingeladen, sich zum Jahresende an einer Hilfsaktion für Menschen zu beteiligen, die verfolgt und bedroht werden, unvorstellbares Leid zu ertragen haben und dadurch zu Flüchtlingen werden mussten, ohne Hoffnung, in absehbarer Zeit in ihre Heimat zurückkehren zu können. Machen Sie mit, wenn Sie die Möglichkeit dazu haben oder finden Sie andere Gelegenheiten, Gutes zu tun – in Ihrer Familie, der Nachbarschaft, Ihrer Gemeinde oder Ihrem Gemeinwesen. Lassen Sie sich nicht durch weitverbreitete Trends oder Meinungen, die mit den Lehren von Jesus Christus nicht kompatibel sind, davon abhalten, Ihm zu folgen.

3.  Halten Sie einen Moment inne und denken Sie darüber nach, wie nachhaltig Sie das Geschenk von Jesus Christus beeinflusst.

Jesus Christus hat uns vor allem ein Vorbild an Nächstenliebe gegeben. Die Art und Weise, wie er den Menschen begegnet ist, welche Prioritäten er für den Umgang untereinander gesetzt hat – all das kommt in unserer Welt zu oft abhanden. Aber jeder von uns kann einen Unterschied machen. Versuchen Sie daran zu denken, wenn Sie versucht sind, hart, aggressiv, lieblos, unwohlwollend oder zynisch zu reagieren und treffen Sie dann bewusst die Entscheidung, anders zu sein. Warum sich das lohnt? Unter anderem deswegen:

Buch Mormon, Moroni 7:41-47

„41  Und was ist es, das ihr erhofft? Siehe, ich sage euch, daß ihr durch das Sühnopfer Christi und die Macht seiner AuferstehungHoffnung haben werdet, zu ewigem Leben erhoben zu werden, und dies wegen eures Glaubens an ihn, gemäß der Verheißung.

42  Darum, wenn der Mensch Glauben hat, muß er notwendigerweise Hoffnung haben; denn ohne Glauben kann es gar keine Hoffnung geben.

 43  Und weiter, siehe, ich sage euch: Er kann nicht Glauben und Hoffnung haben, wenn er nicht sanftmütig und von Herzen demütig ist.

 44  Denn sonst ist sein Glaube und seine Hoffnung unnütz, denn niemand ist vor Gott annehmbar als nur die Sanftmütigen und die von Herzen Demütigen; und wenn ein Mensch sanftmütig und von Herzen demütig ist und durch die Macht des Heiligen Geistesbekennt, daß Jesus der Christus ist, muß er notwendigerweise Nächstenliebe haben; denn wenn er keine Nächstenliebe hat, ist er nichts; darum muß er notwendigerweise Nächstenliebe haben.

 45  Und Nächstenliebe ist langmütig und ist gütig und neidet nicht und ist nicht aufgeblasen, sucht nicht das Ihre, läßt sich nicht leicht zum Zorn reizen, denkt nichts Böses und freut sich nicht am Übeltun, sondern freut sich an der Wahrheit, erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.

 46  Darum, meine geliebten Brüder, wenn ihr nicht Nächstenliebe habt, seid ihr nichts, denn die Nächstenliebe hört niemals auf. Darum haltet an der Nächstenliebe fest, die von allem das Größte ist, denn alles muß aufhören—

 47  aber die Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, und sie dauert für immer fort; und bei wem am letzten Tag gefunden wird, daß er sie besitzt, mit dem wird es wohl sein.“

Die Früchte des Geschenkes von Jesus Christus sind so vielfältig, dass man damit Bände füllen kann. Lassen Sie uns der Einladung folgen, unser Leben damit zu bereichern.

Frohe Weihnachten,

Thomas Hengst
Präsident des Pfahles Leipzig – Deutschland der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

 

Weihnachtsbotschaft der Ersten Präsidentschaft (deutsch):

https://www.lds.org/broadcasts/archive/christmas-devotional/2014/12?lang=deu

Weihnachtsbotschaft der Ersten Präsidentschaft (englisch):
https://www.lds.org/broadcasts/archive/christmas-devotional/2014/12?lang=eng

David A. Bednar´s Buch „Increase in Learning“

Ich habe in den letzten Wochen Elder David A. Bednar’s Buch „Increase in Learning“ (Im Lernen Zunehmen) gelesen. Gelesen ist eigentlich der falsche Ausdruck, denn das Lesen hat sich sehr schnell in Studieren und eine intensive Beschäftigung mit dem Inhalt des Buches gewandelt.
Genau dies ist auch der Zweck dieses Buches sowie des zusätzlichen Materials (DVD,  Website).

Siehe auch: http://seek.deseretbook.com/david-bednar/a

 Das Buch fordert zum gründlichen Nachdenken auf und zeigt klare Wege zur Umsetzung der darin enthaltenen Anregungen. Es ist keine Lektüre zur Unterhaltung und Zerstreuung. Wenn man das erwartet, wird man frühzeitig hängen bleiben oder die Tiefe der Gedanken und die beschriebenen geistigen und logischen Zusammenhänge nicht erreichen oder erkennen.

Man braucht keinen akademischen Grad, um das Buch zu verstehen. Man muss aber systematisch mit dem Buch arbeiten, mit einer Einstellung der Belehrbarkeit, ohne die gewöhnlichen Filter, mit denen wir unliebsame Wahrheiten manchmal ausblenden.
Am meisten begeistert mich die Verbindung von Geistigkeit mit intellektueller Herausforderung, die Elder Bednar auf gut verständliche Weise herstellt.

 Zu Beginn des Buches wird die individuelle Verantwortung eines jeden Menschen, beständig zu lernen, betont. Klingt wie eine Selbstverständlichkeit, aber es ist kein Geheimnis, dass das selbständige Lernen, besonders ohne formellen Rahmen, Vielen Schwierigkeiten bereitet. Die Versuchung ist groß, sich lieber „berieseln“ zu lassen, als selbst zu suchen und dabei einige Regeln einzuhalten.
Wie Elder Bednar im Nachfolgebuch „Act in Doctrine“ schreibt sind wir hier auf dieser Erde, um uns auf die Ewigkeit vorzubereiten, zu lernen wie man lernt (das war für mich der entscheidende Faktor in meinem Ingenieurstudium), das Lernen zu lieben, Dinge zu lernen, die sowohl jetzt als auch in Bezug auf die Ewigkeit von entscheidender Bedeutung sind und anderen dabei behilflich zu sein, Weisheit und Wahrheit zu lernen. Erstaunlicherweise werden die Dinge, die für die Ewigkeit von Bedeutung sind, oft vernachlässigt oder völlig ignoriert. Selbst wenn man an so etwas wie ein ewiges Leben nicht glauben kann, ist es kein Fehler, sich mit den Dingen, die dafür von Bedeutung sind zu beschäftigen, denn sie sind für unser sogenanntes „irdisches“ Leben genauso essentiell. Dabei geht es im Besonderen um die Fragen wer wir sind, woher wir gekommen sind und weshalb wir auf der Erde leben – alles sehr interessante Fragen, über die es viel zu lernen gibt.

Ein zweiter Punkt ist die Analyse wie Wissen, Verstehen und Intelligenz aufeinander aufbauen und sich gegenseitig bedingen. Dabei habe ich eine Reihe von Punkten besser verstanden, obwohl sie mir nicht neu waren.

 Unsere Gesellschaft legt sehr großes Augenmerk auf die Verbreitung von Fakten und Informationen, die wir mehr oder weniger bewusst sammeln, versuchen zu organisieren, zu interpretieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Die Fülle verfügbarer Information bereitet dabei zunehmend Schwierigkeiten, besonders dann, wenn die Prinzipien des Verstehens und der Intelligenz nicht beachtet werden.

Während Wissen sich also primär auf den Intellekt bezieht, wird der Begriff des Verstehens in den Heiligen Schriften hauptsächlich in Bezug auf unser Herz verwendet. Es geht also nicht nur um das intellektuelle und kognitive Begreifen von Zusammenhängen (was natürlich sehr wichtig ist), speziell dann, wenn es um Wahrheiten geht, die die Ewigkeit betreffen. Vielmehr erklären uns die Heiligen Schriften, dass das Verstehen ewig gültiger Lehren dann eintritt, wenn deren Wahrheit durch den Heiligen Geist bestätigt wird. Die Heiligen Schriften erklären auch wie das geschieht.
In diesem Sinne geht das Erwerben von Wissen dem Verstehen selbstverständlich voraus – ein leeres Gehirn kann schlecht inspiriert werden 🙂
Verstehen ist aber wiederum die Basis für Intelligenz, die wir in diesem Kontext anders definieren als allgemein üblich.

 Intelligenz ist die rechtschaffene Anwendung von dem, was man weiß und verstanden hat – und zwar im Handeln und in der Beurteilung von Ereignissen, Information, Menschen und Problemen. Es würde wesentlich weniger zwischenmenschliche Probleme geben, wenn das Prinzip wie Informationen und Wissen als Basis für das Verstehen funktionieren sollten (besonders was die Rolle des Heiligen Geistes beim Verstehen betrifft), beachtet würden. Wie oft würden wir uns mit der Beurteilung von Dingen zurückhalten, weil wir genau wissen, dass wir zu wenig wissen oder noch nicht genug verstanden haben.
Intelligenz ist nicht der Ausdruck oder eine Maßeinheit von Wissen. Wir sind intelligent, wenn wir beständig richtig und rechtschaffen handeln.

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich damit, wie man Gott gebetserfüllt um Erkenntnis bittet. Er hat dafür ein Muster gegeben, welches die Voraussetzung für das Erhalten von Antworten auf unsere Fragen, Inspiration und Offenbarung ist.

Neues Testament, Matthäus 7:7,8 oder Buch Mormon, 3 Nephi 14:7,8

7  Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.
8  Denn ein jeder, der bittet, empfängt; und wer da sucht, der findet; und dem, der anklopft, wird aufgetan werden.

Diese drei Schritte müssen etwas genauer definiert werden, was im Buch getan wird. Einfach zusammengefasst ergeben sich für uns als Lernende drei grundlegende Verantwortlichkeiten:
1. Rat von Gott suchen durch Bitten, Suchen und Anklopfen erfordert Glauben und ist ein Ausdruck desselben.
2. Es handelt sich um einen aktiven Prozess, der sowohl Beharrlichkeit als auch Geduld erfordert.
3. Das Wahrnehmen und Anerkennen von Gottes Willen in unserem Leben sind entscheidende Elemente dieses Erkenntnisprozesses.
Moroni erklärt im Buch Mormon wie wichtig es ist, mit aufrichtigem Herzen und wirklichem Vorsatz zu fragen, wenn man ein Zeugnis empfangen will. Ich habe mich an zahlreiche Menschen erinnert, die rein informativ erkannt haben, wie sinnvoll und richtig Grundsätze des Evangeliums sind. Sie hatten aber nicht die Absicht, sie zu einem Bestandteil ihres Lebens zu machen und deshalb konnten sie nie das sichere Gefühl der Bestätigung durch den Heiligen Geist in ihren Herzen spüren. Siehe oben die Erläuterungen zum Verstehen.
Hier die Schriftstelle:
„Und ich möchte euch ermahnen: Wenn ihr dieses hier empfangt,so fragt Gott, den Ewigen Vater, im Namen Christi, ob es wahr ist; und wenn ihr mit aufrichtigem Herzen, mit wirklichem Vorsatz fragt und Glauben an Christus habt, wird er euch durch die Macht des Heiligen Geistes kundtun, dass es wahr ist.
Und durch die Macht des Heiligen Geistes könnt ihr von allem wissen, ob es wahr ist.“
Buch Mormon, Moroni 10:4,5
Ein letzter Schwerpunkt des Buches ist der Zusammenhang zwischen Lehre, Prinzipien und Anwendungen. Die Ausführungen sind sehr interessant. Es ist nicht schwierig zu beobachten, dass Anwendungen sich allmählich und manchmal unmerklich von Lehren und Prinzipien entfernen, wenn letztere vernachlässigt werden. Es passiert ständig, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche. Wenn es keine Rückbesinnung auf die entsprechenden Lehren gibt und die Orientierung nur auf der Basis von Erfahrungen, die von den Lehren divergieren, erfolgt, werden die Werte der Lehren allmählich an Bedeutung verlieren und die Segnungen, die auf dem Festhalten der Lehren und Prinzipien beruhen, nehmen ab. Die Folge ist, dass das Vertrauen in die Lehren des Evangeliums geringer werden kann und damit auch das Vertrauen in Gott. In den Heiligen Schriften wird dieser Prozess häufig damit verglichen, dass sich Menschen auf den „Arm des Fleisches“ verlassen.
Der Prophet Nephi drückt es im Buch Mormon in 2. Nephi 4 wie folgt aus:
34  O Herr, ich habe auf dich vertraut, und ich werde auf dich vertrauen immerdar. Ich werde mein Vertrauen nicht in den Arm des Fleisches setzen; denn ich weiß, daß der verflucht ist, der sein Vertrauen in den Arm des Fleisches setzt. Ja, verflucht ist, wer sein Vertrauen in Menschen setzt oder Fleisch zu seinem Arm macht.
35  Ja, ich weiß, daß Gott dem gern gibt, der bittet. Ja, mein Gott wird mir geben, wenn ich nichts Unrechtes bitte; darum werde ich meine Stimme zu dir erheben; ja, ich werde zu dir rufen, mein Gott, dem Fels meiner Rechtschaffenheit. …“
Die Schriftstelle muss man im richtigen Kontext betrachten, z.B. warum die Lehren des Evangeliums so wichtig sind und warum Anwendungen, die sich auf Evangeliumslehren gründen, wichtiger sind als Anwendungen, die sich nur auf die Erfahrungen mit Anwendungen gründen.
Die Lehren des Evangelium erklären das „Warum“. Zum Beispiel erklärt der Plan der Erlösung warum wir auf der Erde sind. Die Lehre des Sühnopfers Christi erklärt, warum Jesus Christus unser Vermittler und Fürsprecher beim Vater ist. Die Lehre vom Wesen Gottes erklärt uns, warum es erstrebenswert ist, dafür zu arbeiten, wieder zu ihm zurückzukehren und welche Bedingungen dafür bestehen.
Die Evangeliumslehren sind wahr, ewig, beständig und ändern sich daher nicht. Deshalb bieten sie Sicherheit und Nachhaltigkeit.
Aus den Evangeliumslehren leiten wir Prinzipien ab (z.B. Gehorsam, Dienen, etc.), die ebenfalls ewig und beständig sind und die Frage nach dem „Was“ beantworten. Sie weisen die Richtung und sind Richtschnur für Verhalten und Handlungen. Es ist eine nützliche Übung, über diese Struktur nachzudenken und den Lehren und Prinzipien eine stärkere Bedeutung zu verleihen. Meine Erfahrung dabei war, das mir klar geworden ist, wie schnell grundlegende Lehren und Prinzipien in Vergessenheit oder vielleicht eher aus dem Blickfeld geraten können, wenn man sich im alltäglichen Handeln nicht bewusst an ihnen misst.
Die Anwendungen, schlussendlich, beantworten die Frage nach dem „Wie“.  Anwendungen werden wir immer an individuelle Situation und Bedürfnisse anpassen müssen. Umso wichtiger ist das Fundament auf dem sie stehen. Es ist klug, bei Herausforderungen zu hinterfragen, welche Evangeliumslehren und daraus abgeleitete Prinzipien uns helfen können und damit unseren Anwendungen die passende Richtung zu geben.
Der Zusammenhang zwischen Lehren, Prinzipien und Anwendungen gibt uns ein mächtiges Werkzeug in die Hand, beständig im Lernen zuzunehmen und ein nachhaltiges Leben zu führen, mit der Sicherheit, die ewig und objektiv gültige Lehren und Prinzipien bereiten. Wir erleben in unserer Gesellschaft eine wachsende Missachtung dieses Zusammenhanges, mit verheerenden Folgen. Innerhalb der Kirche sollten wir nicht den gleichen Fehler machen.
Das Buch „Increase in Learning“ hat mir geholfen, meine Lernprozesse bewusster zu erleben und auch zu hinterfragen – besonders in Bezug auf die Punkte, von denen ich weiß, dass ich sie ändern sollte.
Leider gibt es keine gesamte deutsche Übersetzung des Buches. Einige Abschnitte kann man aber in deutsch nachlesen, was ich wärmstens empfehlen kann, z.B.:
– Buch Mormon, 1. Nephi Kapitel 11-14

Noch was zu Demografie und Familie

Mein letzter Post zum demografischen Wandel ist offensichtlich auf umfangreiches Interesse gestoßen. Mich hat das Thema auch weiter beschäftigt. Letzte Woche bin ich mit einer koreanischen Airline von Istanbul über Seoul-Incheon nach Taipei geflogen und habe dabei in einer koreanischen Zeitung (Korea Joongang Daily – ein Ableger der International New York Times) einen Artikel mit der Überschrift „Discouraging marriage“ (Für die Ehe nicht ermutigend) gefunden. Er beschäftigt sich damit, wie sich die Rahmenbedingungen aus einem Mix aus Berufsumfeld, finanziellen Zwängen und Traditionen für junge Leute, die Familien gründen wollen, in China und Korea als sehr schwierig gestalten. Ich sehe das bei meinen Dienstreisen in China bei den jungen Leuten, die ich dort treffe.

Am Schluss des Artikels schreibt der Autor sinngemäß übersetzt in etwa folgendes:
„In Korea ist die junge Generation dazu gezwungen, drei Dinge im Leben aufzugeben: eine Beziehung zu haben, zu heiraten und Kinder zu haben. Er kann nicht sagen, ob nun China oder Korea das größere Problem hat, aber beide Gesellschaften unterstützen offensichtlich die Ehe nicht. Eine Nation, die nicht dazu ermutigt, eine Gemeinschaft von Familien zu formen, liegt ernstlich falsch. Denken Sie an ein Land, in dem es eine Minderheit von verheirateten Gewinnern und eine Mehrheit von alleinstehenden Verlierern gibt. Es wäre desaströs.“
(siehe englischsprachiges Original)

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Man kann es auch noch etwas krasser ausdrücken: Jegliche Organisation, Regierung, Religion oder auch Ersatzreligion, die die Rolle der Familie nicht versteht, ihre Perspektiven und Bedeutung nicht erklären kann und nichts dafür tut, sie zu fördern oder wiederherzustellen, ist unfähig oder unqualifiziert, zur Sicherheit und langfristigen, nachhaltigen Entwicklung einer Gesellschaft beizutragen.

Als Mormonen nehmen wir für uns in Anspruch, zu denen zu gehören, die die Bedeutung der Familie und ihre ewigen Perspektiven genau kennen. Wir haben Zugang zu allen dafür notwendigen Lehren, Prinzipien und Anwendungen. Die Aussage oben trifft aber genauso für uns zu, wenn wir das, was wir wissen, nicht ernst nehmen oder nicht in dem Maße umsetzen, wie wir es eigentlich könnten.
Auf der anderen Seite, braucht jeder von uns regelmäßig Zuspruch und Motivation. Eine glückliche Familie ist ja kein Selbstläufer und auch kein kurzfristiges Unterfangen. Sie ist eigentlich ständig Herausforderungen ausgesetzt. Manchmal ist es wirklich so, dass nach einem gelösten Problem, schon wieder das nächste wartet oder – noch schlimmer – gleichzeitig. Ich glaube, da bleibt niemand verschont.
Die Motivation und Hilfe, die wir gebraucht haben und brauchen, ziehen wir sehr stark aus unserer Arbeit in der Kirche. Wenn man konsequent und ausdauernd gute Ratschläge befolgt, kann man mit den Herausforderungen viel besser umgehen und man wird erhoffte Ergebnisse sehen, die wir als Segnungen bezeichnen. Manches dauert seine Zeit, vielleicht ein ganzes Leben lang, aber das ist kein Grund, die Familie in Frage zu stellen.

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(Familientreffen Juni 2014)

Sisters und Elders – Part 01

Ich bin heute von einer Dienstreise aus Taiwan zurückgekommen und sofort nach der Landung in Dresden nach Leipzig gefahren, um eine schöne Aufgabe zu erledigen.
Sister Elisabeth Schmidt, die für 18 Monate in der Leeds England Mission unserer Kirche gedient hat, hat ihre Mission ehrenhaft beendet und ist wieder nach Hause zurückgekehrt.
Es ist meine Aufgabe als Pfahlpräsident, Missionare in ihre Berufung einzusetzen und nach ihrer Rückkehr wieder zu entlassen. Es sind jedes Mal besondere Erlebnisse, die mich sehr bewegen.
Auch heute war es so.  Ich kann mich sehr gut an meine Gespräche mit Sister Schmidt vor ihrer Mission und den Segen, den ich ihr bei ihrer Einsetzung gegeben habe, erinnern. Heute habe ich eine selbstbewusste junge Frau wieder gesehen, die begeistert von ihrer Mission und den Menschen, die sie in England kennengelernt und mit den sie gearbeitet hat, erzählte; die in ihrer geistigen Reife gewachsen ist und eine große Liebe für das Land und die Menschen dort entwickelt hat. Ich dachte, wie gut würden solche Erfahrungen vielen jungen Menschen tun. Einfach mal 1-2 Jahre den Fokus von sich selbst wegnehmen und einer guten Sache dienen und dabei automatisch zu wachsen, wie man es eigentlich nicht kann, wenn man hauptsächlich auf sich selbst fixiert ist.

Ich musste an eine Ansprache von Elder Bednar vom Rat der Zwölf denken, die ich diese Woche gelesen habe:

„… Es genügt auch nicht, dass wir vom Evangelium überzeugt sind, sondern wir müssen so handeln und denken, dass wir uns bekehren. Im Gegensatz zu den weltlichen Institutionen, die uns lehren, etwas zu wissen, fordert uns das Evangelium Jesu Christi dazu auf, etwas zu werden. …
Es genügt nicht, alles nur pro forma zu tun. Die Gebote, Verordnungen und Bündnisse des Evangeliums sind keine Liste von Beträgen, die in irgendein himmlisches Konto eingezahlt werden müssen. Das Evangelium Jesu Christi ist ein Plan, der uns zeigt, wie wir das werden können, was der himmlische Vater für uns vorgesehen hat. …“
(David A. Bednar, „Ein Missionar werden“, Generalkonferenz Oktober 2010)

Hier ist der Link zu dieser Ansprache:
https://www.lds.org/general-conference/2005/10/becoming-a-missionary?lang=deu

Sister Schmidt blieb nach ihrer Rückkehr aus England noch knapp zwei Tage länger Vollzeitmissionarin, um zu warten, bis meine Dienstreise beendet ist und ich sie persönlich entlassen konnte.
Vielen Dank, liebe Elisabeth, für deine Geduld. Alles Gute für deine Zukunft. Du hättest dich nicht besser darauf vorbereiten können.