Vergangenen Dienstag, am 16. August 2016, hatte ich wieder das Vorrecht, einen Missionar zu berufen.
Elder Danielo Neukamm aus der Gemeinde Köthen wird die nächsten zwei Jahre in der Manchester England Mission dienen. Diese Mission ist uns sehr vertraut. Unser Sohn Dennis hat dort vor einigen Jahren seine Mission erfüllt.
Elder Neukamm ist ein toller junger Mann, gut vorbereitet, voller Enthusiasmus. Wir hatten eine wunderbare Zeit am Dienstagabend im Gemeindehaus in Köthen.
Alles Gute und viel Erfolg, Elder Neukamm. Ich freue mich auf unser Wiedersehen in zwei Jahren.
Zufällig war am 16. August unser 31. Hochzeitstag. Die Einsetzung eines Missionars war dabei ein schöner Abschluss dieses Tages, den wir zuvor in Dresden verbracht haben.
Nach wie vor möchte ich alle Leser zum Besuch des offenen Hauses des Freiberg Tempels einladen. Er ist noch bis zum 27. August geöffnet. Weitere Informationen finden sich in meinem Blog.
Seit gestern ist der Freiberg Tempel für die nächsten zwei Wochen für die Öffentlichkeit geöffnet. Das Medienecho war beachtlich und die Presseseite der Kirche enthält alle relevanten Informationen (http://www.presse-mormonen.de/artikel/freiberg-tempel-pressemappe).
Da ich gestern Abend erst von einer Dienstreise aus Russland zurück gekommen bin, haben Esther und ich heute die Gelegenheit genutzt, nach Freiberg zu fahren und an einer Führung teilzunehmen, bevor wir uns in den nächsten zwei Wochen einige Tage nehmen, um beim offenen Haus mitzuarbeiten.
Der Tempelplatz war sehr belebt und ich habe mich gefreut, viele Mitglieder aus unserem Pfahl dort zu treffen. Am Mittwoch kommender Woche sind es genau 31 Jahre her, dass wir dort unsere ewige Ehe geschlossen haben.
Vor der Führung durch den Tempel sehen alle Besucher ein 10-minütiges Video, das den Zweck eines Tempels erklärt. Heute war ich mal in der Position eines Besuchers und dabei ist mir noch viel bewusster geworden, wie machtvoll und einzigartig unsere Botschaft ist.
Tausende Menschen werden in den nächsten zwei Wochen in Freiberg etwas über grundlegende Fragen unseres Daseins und die Bedeutung unserer Beziehung zu unserem Himmlischen Vater und seinem Sohn Jesus Christus lernen und hoffentlich sehr nachdenklich wieder nach Hause fahren. Sie werden erfahren, worin der Wert von Familien liegt – über dieses Leben hinaus – und vielen wird vielleicht klar werden, dass sich eine Gesellschaft, die sich an Unverbindlichkeit erfreut, familiäre Verpflichtungen scheut und ewige Perspektiven völlig ausblendet, auf einem großen Irrweg befindet.
„Denn siehe, dieses Leben ist die Zeit, da der Mensch sich vorbereiten soll, Gott zu begegnen …“ Buch Mormon, Alma 34:32
Nach umfangreichen Erweiterungs- und Rekonstruktionsarbeiten wird der Freiberg Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage am 4. September 2016 wieder geweiht. Vor der Weihung wird der Tempel vom 12. bis 27. August für die Öffentlichkeit zur Besichtigung geöffnet.
Ich möchte alle Leser herzlich einladen, diese Gelegenheit wahrzunehmen und auch die Einladung zu teilen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste offene Haus des Tempels im Juni 1985. Fast 90.000 Menschen besuchten in zwei Wochen das Gebäude und informierten sich über den Sinn und Zweck von heiligen Tempeln. Dieses historische Foto von damals zeigt einen normalen Tag, an dem die Besucher zum Teil stundenlang ausharrten. Ich hatte die Gelegenheit zu den vielen Helfern zu gehören, die dafür gesorgt haben, dass alles reibungslos verlief. Wir haben hunderte Fragen beantwortetet und als 21-jähriger habe ich unzählige Dinge gelernt, die mir später von großem Nutzen waren.
Wenige Wochen nach der Eröffnung des Freiberg Tempels, schlossen meine Frau Esther und ich am 17. August 1985 unser Ehebündnis für Zeit und Ewigkeit. Dies ist nur in einem Tempel möglich.
Die beiden folgenden Fotos habe ich dieses Jahr während der Bauphase gemacht, als ich beruflich in Freiberg zu tun hatte.
Unter dem folgenden Link kann man sich über Tempel informieren und sehen, wo es in der Welt überall Tempel gibt – die nicht zu verwechseln sind, mit normalen Gemeindehäusern, da sie sich in Funktion und Zweck grundlegend unterscheiden.
Ich möchte noch einige persönliche Dinge anfügen, weshalb es mir wichtig ist, einer Kirche anzugehören, in der es möglich ist, in einem Tempel Gottes zu dienen.
Die Tempelverordnungen haben ultimative Relevanz für jeden Menschen, wenn es tatsächlich neben diesem Leben, ein vorirdisches Dasein gegeben hat und ein Leben nach dem Tod geben wird. Ebenso – wenn wir buchstäblich Kinder Gottes sind, die aus seiner Gegenwart auf die Erde gekommen sind und nach dem Tod wieder zu ihm zurückkehren werden, um Rechenschaft über unser Leben abzulegen und in Seine Ruhe einzugehen. Von diesen Dingen bin ich fest überzeugt.
In unseren Tempeln tun wir etwas, das allgemeinen Trends in der Welt diametral entgegensteht: Wir verbinden Menschen, Familien über Generationen hinweg miteinander – über dieses Leben hinaus, anstatt sie zu trennen. Wir schließen Bündnisse und ja, gehen damit Verpflichtungen ein und nehmen Verantwortung auf uns. Damit treten wir Unverbindlichkeit und Verantwortungslosigkeit entgegen.
Tempel sind Orte der Besinnung, geistiger Erfahrungen und Offenbarung. Ich habe viele dieser Erfahrungen dort gemacht, die ich nirgendwo anders hätte machen können.
Tempel sind ebenfalls Orte des Lernens, der Erkenntnis und des Verstehens, besonders was den Umgang Gottes mit den Menschen betrifft. Besonders aber sind es Orte des selbstlosen Dienens, wodurch die Gelegenheit haben, emotionale Bindungen über Generationen hinweg aufzubauen und Nächstenliebe zu entwickeln.
Um in den Tempel gehen zu können, müssen Voraussetzungen erfüllt werden und es erfordert moralische Würdigkeit. Die Segnungen des Tempels sind etwas, das man sich erarbeiten muss. Ich finde dieses Prinzip gut und richtig und bin davon überzeugt, dass es in allen Bereichen des Lebens wichtig ist. Ich finde aber auch das göttliche Prinzip gut und richtig, dass durch das Sühnopfer Christi uns alles das dazu gegeben wird, das wir trotz eigener Anstrengung nicht schaffen können. Beide Prinzipien gehen Hand in Hand und beseitigen die Missverständnisse, die es zum Thema Glaube und Werke, Gnade und Gerechtigkeit gibt.
Intelligente Menschen achten die Heiligkeit des Tempels – auch wenn sie den Sinn nicht verstehen oder damit nicht übereinstimmen. Es gibt leider Menschen, die zu Achtung und Respekt gegenüber Orten der Gottesverehrung nicht fähig sind. Sie disqualifizieren sich in Bezug persönliche Integrität selbst. Ich finde das sehr bedauerlich und es tut mir für diejenigen leid, die heilige Dinge in den Schmutz ziehen.
Tempel dienen der Familie. Unsere Kinder sind innerhalb unseres Tempelbündnisses geboren und sie haben selbst diese Bündnisse für ihre Ehen geschlossen. Natürlich liegt es an uns, diese Bündnissen zu achten, ihnen treu zu bleiben und alles dafür zu tun, dass wir als Familie glücklich sein können. Ich bin unendlich dankbar für meine Familie, meine liebe Frau, unsere Kinder, Schwiegerkinder und Enkel.
Nach 25 Jahren hatten Esther und ich am Mittwoch wieder die Gelegenheit, den Tabernacle Chor in Deutschland zu erleben. Ich kann mich noch gut an das Konzert im Kulturpalast in Dresden 1991 erinnern. Es war ein unvergessliches Erlebnis.
Und so war es auch diesmal in der berühmten Berliner Philharmonie – ein großartiges Konzert. Die Auswahl und die Breite des Repertoires, die Akustik, die Qualität der Musik und ihre geistige Botschaft und nicht zuletzt die gesamte Atmosphäre im Saal – es war einfach toll und sehr bewegend. Die Fahrt nach Berlin mit Noemi und Dennis hat sich wirklich gelohnt. Balsam für die Seele.
Ich wünsche allen Konzertbesuchern in Nürnberg, Frankfurt, Wien, Zürich, Brüssel und Rotterdam eine wundervolle Zeit.
Mormon Tabernacle Choir und Orchestra at Temple Square in der Berliner Philharmonie am 29.Juni 2016
Heute war ein besonderer und historischer Tag in der Geschichte der Kirche in Sachsen. In einem Sondergottesdienst wurden die Gemeinden Chemnitz und Hohenstein-Ernstthal reorganisiert.
Aus dem Zweig Hohenstein-Ernstthal wurde die Gemeinde Hohenstein-Ernstthal und ich hatte das Vorrecht, Danny Wagner als Bischof zu ordinieren und zu berufen.
Das Gemeindehaus in Chemnitz war mit mehr als 200 Mitgliedern und Besuchern voll besetzt.
Der Gottesdienst war für mich eine sehr emotionale Zeit. Ich musste an viele Dinge denken. 1911 sind die ersten Mitglieder der Kirche aus Chemnitz nach Hohenstein-Ernstthal gekommen und haben missioniert. Wenige Jahre später wurde ein Zweig der Kirche gegründet. Die Mitglieder in beiden Städten waren immer eng miteinander verbunden.
Ich musste an hervorragende Menschen in Chemnitz denken, die mich geprägt haben: Henry Burkhardt und Gottfried Richter (siehe meinen Post vom 22.4.2016: https://thomashengst.com/2016/04/22/dank/) oder auch meine Seminar- und Institutslehrer als ich ein Teenager war – Detlef Sellner, Rudolf Renkewitz, Karl Kleinert und Roland Jentzsch. Einige von ihnen leben nicht mehr, aber vergessen werde ich sie nie.
Ich musste an Kurt Meyer denken, der ein Freund meines Vater war und mich nach meiner Taufe 1972 konfirmiert hat. Viele seiner Nachkommen gehören jetzt zu meiner Gemeinde, was mich sehr freut.
Das Segnen und Austeilen des Abendmahls hat mich heute ebenfalls besonders berührt. Es hat einige Zeit gedauert, über 200 Menschen am Abendmahl teilhaben zu lassen. Es war eine besondere Zeit, während der ich an die Begebenheit, die im Buch Mormon, im 3. Nephi Kapitel 11 geschildert wird, erinnert wurde. Als Jesus den Nephiten nach seiner Auferstehung erschien und die versammelte Menge einlud vorzutreten und seine Nägelmale zu berühren und zu wissen, dass Er wirklich das Sühnopfer vollbracht hat, in dessen Gedenken wir jede Woche vom Abendmahl nehmen.
Ich musste auch an die Speisung der 5000 denken, die im Neuen Testament in Matthäus Kapitel 14 beschrieben wird. Jesus, der gerade von der Ermordung seines treuen Freundes und Wegbereiters Johannes dem Täufer erfahren hatte, wollte in seiner Trauer allein sein. Aber eine große Menge folgte ihm. Er hatte Mitgefühl für sie und heilte ihre Kranken und vollbrachte schließlich das Wunder der Speisung.
Wie lange mag es gedauert haben und was mögen die Menschen gefühlt haben, als sie darauf warteten, Jesus zu berühren oder dieses Wunder zu erleben? Daran zu denken, hat mich dankbarer für Jesus Christus gemacht.
Der neue Bischof Danny Wagner hat sich Knut Meyer und Gino Vogel als Ratgeber gewählt. Ich wünsche der neuen Bischofschaft Gottes Segen. Beiden Gemeinden wünsche ich eine gute und harmonische Zusammenarbeit im nun gemeinsam genutzten Kirchengebäude in Chemnitz, Stelzendorfer Straße 25. Es gibt viele großartige neue Möglichkeiten.
Ab Sonntag, den 19.6.2016 beginnt der Abendmahlsgottesdienst der Gemeinde Hohenstein-Ernstthal um 9:00. Die Gemeinde Chemnitz beginnt ihre Versammlungen um 11:00.
Letzten Samstag, am 4.6. fand in Köthen wieder unser Pfahltag statt. Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir eine Rekordbeteiligung.
Einen besonderen Dank möchte ich allen Organisatoren und Helfern aussprechen für die geopferte Zeit und Mühe. Es war einfach toll. Der schönste Lohn ist, wenn Teilnehmer fragen, ob der nächste Pfahltag schon recht bald stattfinden wird. 🙂
Für jeden, egal ob alt oder jung, war etwas dabei – Sport, Spiele, kreativ sein, etwas lernen, gutes Essen und viele, viele Gespräche.
Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr und laden alle ein, die dieses Jahr verhindert waren oder keine Lust hatten, sich auf den Weg zu machen.
Am kommenden Sonntag, den 12.6.2016 werden Präsident Menzel vom Pfahl Dresden und ich über die Grenzen der Pfähle Dresden und Leipzig hinweg zwei Gemeinden reorganisieren.
Ein Teil der Gemeinde Chemnitz wird mit dem Zweig Hohenstein-Ernstthal zusammen geführt und der Zweig in eine Bischofsgemeinde umgewandelt. Beide Gemeinden werden fortan gemeinsam das Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Chemnitz, Stelzendorfer Straße 25 nutzen. Die Gemeinde Chemnitz verbleibt im Pfahl Dresden, die Gemeinde Hohenstein-Ernstthal im Pfahl Leipzig.
Beide Gemeinden haben eine lange Geschichte (Chemnitz fast 120 Jahre, Hohenstein-Ernstthal über 100 Jahre) und waren in der Vergangenheit oft eng miteinander verbunden.
Am kommenden Sonntag, den 12.6.2016 findet um 9:30 in Chemnitz ein Sondergottesdienst für beide Gemeinden statt, bei dem die Veränderungen vollzogen werden.
Herzlich willkommen.
Hier einige Fotos vom Gemeindehaus in Chemnitz, einem der ersten Kirchengebäude, die noch während der DDR-Zeit errichtet werden durften.
Die Multi-Pfahlkonferenz für das gesamte Gebiet Westeuropa war heute ein schönes Erlebnis. Ich habe viel gelernt. Wir haben im Pfahl Leipzig die Übertragung in 5 Gemeindehäusern gezeigt – Leipzig, Köthen, Erfurt, Werdau und Zwickau. Ich habe mich sehr über das große Interesse gefreut.
Inzwischen haben wir auch die Zusammenfassung unserer Frühjahrs-Pfahlkonferenz am 23. und 24. April 2016 in Leipzig und Böhlen fertiggestellt. Herzlichen Dank auch dieses Jahr wieder an Bruder Wolfgang Geiler aus der Gemeinde Köthen für die Mühe, seine Arbeit allen zugänglich zu machen.
Download: Pfahl Leipzig Frühjahrspfahlkonferenz 2016
Pfahlorchester Leipzig
Die heutige Übertragung der Multi-Pfahlkonferenz aus dem Conference Center in Salt Lake City (Broadcast in 72 Pfähle in ganz Westeuropa und Übersetzung in 18 Sprachen) wird generell nicht zum Download bereitgestellt. Es ist also gut, wenn wir unsere Aufzeichnungen verwenden, um die vielen wichtigen Gedanken in die Gemeinden zu tragen und anzuwenden.
Die erste halbe Stunde der Konferenz wurde durch die Pfahlpräsidentschaft gestaltet. Ich wurde heute von vielen gebeten, meine Ansprache zu teilen. Das möchte ich hier gern zusammenfassend tun.
„… Die meisten von Ihnen sind sicher mit Situationen vertraut, in denen man sehr stark gefordert wird und an die Grenzen der eigenen körperlichen oder auch geistigen Kräfte gelangt. Jeder empfindet solche Belastungen zwar anders und wird sie auf andere Weise verarbeiten, aber wir sind uns sicher einig, dass es enorm hilfreich ist, wenn es dann Menschen gibt, auf die man zählen kann und die einem den Rücken stärken.
Ich habe in den letzten Wochen sehr große berufliche Belastungen erlebt, die weit über das gewohnte Maß hinausgegangen sind, zeitgleich mit vielen Aufgaben und einigen wichtigen Entscheidungen in meiner Berufung. Etliches musste unerledigt bleiben oder muss warten. Wie dankbar bin ich für meine Ratgeber und andere Mitarbeiter, die Aufgaben übernehmen, ohne dass ich sie erst darum bitten muss. Es hilft nicht nur, dass wichtige Dinge erledigt werden, sondern es schafft ein Gefühl von Dankbarkeit, Solidarität, Zusammenhalt, Motivation und gegenseitiger Liebe.
Ebenso bin ich meiner lieben Ehefrau dankbar, die mir vorbehaltlos den Rücken stärkt und ein viel besseres Gefühl für meine Bedürfnisse hat, als ich manchmal für ihre.
Gegenseitige Hilfe und gegenseitiges Verstehen entlasten uns auch oft von seelischen Belastungen, Schmerzen und reduzieren Stress. Vor einigen Tagen erhielten wir zu Hause eine Lieferung mit einem LKW. Das ist immer eine Herausforderung für die Fahrer, da die Zugangsstraße zu unserem Haus sehr eng ist. Der Fahrer begann also mit seinem Manöver, rückwärts in unsere Zufahrt zu steuern. Dabei musste er die Hauptstraße für einige Minuten blockieren, was ihm den lautstarken Zorn einer Busfahrerin einbrachte, die mit ihrem Bus stoppen musste. Der Fahrer geriet dabei so in Stress, dass er nicht darauf wartete, dass ihn jemand einweist, was dazu führte, dass er Zaun und Hecke unserer Nachbarn beschädigte. Wie wenig Geduld mit und Verständnis für die Situation des anderen erleben wir heute so oft. Und wie oft führt das zu vermeidbaren Fehlern und Konflikten. (Übrigens haben unsere Nachbarn mit großer Gelassenheit auf das Problem reagiert – es gibt also auch positive Beispiele.)
Vor drei Wochen habe ich wieder von vorn mit dem Lesen des Buches Mormon begonnen. Diesmal fühlte ich mich stärker als zuvor mit Nephi verbunden, der von dem Moment an, da Lehi die Offenbarung von Gott erhielt, Jerusalem zu verlassen, mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert wurde. Es hat mir gut getan, darüber zu lesen, wie Nephi mit diesem zum Teil extremen Stress umgegangen ist. Sicher, wir könnten sagen, dass Nephi mit einem großen Glauben gesegnet war und es ihm deshalb leichter fiel, die Veränderungen zu akzeptieren, die über die Familie hereinbrachen. Das spielt zweifellos eine große Rolle. Wir lesen nichts davon, dass Nephi gegenüber dem Willen des Herrn seine eigene Agenda aufbaute. Wir lesen jedoch sehr viel davon, was Nephi tat, um den Willen des Herrn und das große Ganze zu verstehen.
Folgender Vers verdeutlicht Nephis Einstellung sehr gut:
1 Nephi 2:16: “ Und es begab sich: Ich, Nephi, war noch sehr jung, wenn auch groß von Gestalt, und ich hatte auch großes Verlangen, von den Geheimnissen Gottes zu wissen; darum rief ich den Herrn an; und siehe, er besuchte mich und erweichte mir das Herz, so daß ich alle die Worte glaubte, die mein Vater gesprochen hatte; darum lehnte ich mich nicht wie meine Brüder gegen ihn auf.“
Lehi gibt seinem Sohn in 1 Nephi 3:6 die Verheißung: „… und der Herr wird dich begünstigen, weil du nicht gemurrt hast.“
Ich glaube nicht, dass es unter den Tatbestand des Murrens fällt, wenn man sich mal beklagt, weil es einen hart trifft oder alles schwerer geht, als man es sich vorgestellt hat. Konstruktive Kritik, die nicht erniedrigt, sondern Verbesserungen im Sinn hat, ist kein Murren. Genauso wenig machen wir uns wahrscheinlich des Murrens schuldig, wenn wir etwas noch nicht verstehen und das vielleicht auch zum Ausdruck bringen, aber dennoch den Wunsch und die Demut haben, zu lernen und zu verstehen. Manches braucht eben seine Zeit und Anstrengung.
1 Nephi 11 beschreibt eindrucksvoll, wie Nephi mit mehr Licht und Erkenntnis ausgestattet wurde, weil es sein sehnlicher Wunsch war, eine Bestätigung seines Glaubens zu erhalten und zu lernen.
Vers 1: „Denn es begab sich: Nachdem ich gewünscht hatte, das zu wissen, was mein Vater geschaut hatte, und weil ich glaubte, daß der Herr imstande sei, es mir kundzutun, wurde ich, als ich dasaß und in meinem Herzen nachsann, im Geist des Herrn hinweggeführt, ja, auf einen überaus hohen Berg, den ich nie zuvor gesehen und auf den ich nie zuvor meinen Fuß gesetzt hatte.“
In den darauffolgenden Versen und Kapiteln wird beschrieben, dass Nephi nicht nur eine Begründung erhielt, weshalb sie ihre Heimat verlassen haben, sondern er erhielt ein umfassendes Verständnis für den gesamten Plan der Erlösung, das Sühnopfer von Jesus Christus und seine Auswirkungen auf alle Menschen und vieles mehr. Das war wichtig, damit Nephi alle Zusammenhänge verstehen und keine von diesen Zusammenhängen isolierten Entscheidungen treffen würde.
In dieser Einstellung Nephis liegt ein großer Teil des Geheimnisses, wie Nephi an alle Aufgaben herangegangen ist und sie erfüllen konnte, trotz massiven Widerstandes durch einen Teil der Familie. Ich bin davon absolut beeindruckt. Nephi ist für mich darin ein großartiges Beispiel. Manchmal blieb ihm wirklich nur der Herr als Rückhalt, aber darauf konnte er sich verlassen.
Zurück zum Murren in dem Sinne, wie es in den Schriften zu verstehen ist. Murren ist schlimm und eine Sünde, wenn weder Wunsch noch Demut vorhanden sind, den Willen des Herrn zu verstehen und Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um zu lernen und zu verstehen. Dieses Murren ist nur auf sich selbst bezogen und ein gewichtiger Teil der Agenda ist, die Absicht, prinzipiell dagegen zu sein und destruktiv zu handeln.
Aus dem Verhalten von Laman und Lemuel können wir viele Rückschlüsse ziehen, wo vor wir uns in unseren Familien und Gemeinden schützen sollten. In 1 Nephi 17 kommt das Fass zum Überlaufen, als Nephi den Auftrag erhält, ein Schiff zu bauen, etwas, dass für Laman und Lemuel völlig außerhalb der Vorstellungskraft und daher auch der Akzeptanz war.
Was hilft uns also in unseren Aufgaben nicht weiter?
a) Zynismus und/oder Sarkasmus:
Vers 17: „Und als meine Brüder sahen, daß ich ein Schiff bauen wollte, fingen sie gegen mich zu murren an, nämlich: Unser Bruder ist ein Narr, denn er meint, er könne ein Schiff bauen; ja, und er meint auch, er könne diese großen Wasser überqueren.“
b) Verweigerung von Zusammenarbeit und Solidarität:
Vers 18: „Und so beklagten sich meine Brüder über mich und begehrten, nicht arbeiten zu müssen; denn sie glaubten nicht, daß ich ein Schiff bauen könne; sie wollten auch nicht glauben, daß ich vom Herrn unterwiesen wurde.“
c) Schadenfreude, auf Fehler warten und die Vorliebe, sie aus der Sicht der Unbeteiligten zu kommentieren:
Vers 19: „Und nun begab es sich: Ich, Nephi, war überaus bekümmert wegen ihrer Herzenshärte; und als sie nun sahen, daß ich anfing, bekümmert zu sein, waren sie im Herzen froh, so sehr, daß sie sich über mich freuten, nämlich: Wir haben gewußt, daß du kein Schiff bauen kannst; denn wir haben gewußt, daß es dir an Verständnis fehlt; darum kannst du ein so großes Werk nicht vollbringen.“
d) Selbstmitleid und Schuldzuweisungen:
Vers 20, 21: „Und du bist wie unser Vater, verführt von den törichten Einbildungen seines Herzens; ja, er hat uns aus dem Land Jerusalem geführt, und wir sind all die vielen Jahre lang in der Wildnis gewandert; und unsere Frauen haben sich abgeplagt, während sie schwanger und schweren Leibes waren; und sie haben Kinder in der Wildnis geboren und alles erlitten außer den Tod; und es wäre besser für sie gewesen, vor dem Auszug aus Jerusalem zu sterben, als diese Bedrängnisse zu erleiden. Siehe, diese vielen Jahre haben wir in der Wildnis gelitten, und wir hätten uns unterdessen unserer Besitztümer und des Landes unseres Erbteils erfreuen können; ja, und wir hätten glücklich sein können.“
e) Verkehrung von Tatsachen und sich eine eigene „Wahrheit“ schaffen:
Vers 22: „Und wir wissen, daß das Volk im Land Jerusalem ein rechtschaffenes Volk gewesen ist; denn sie haben die Satzungen und Richtersprüche des Herrn und alle seine Gebote befolgt, gemäß dem Gesetz des Mose; darum wissen wir, daß sie ein rechtschaffenes Volk sind; und unser Vater hat sie verurteilt und hat uns weggeführt, weil wir auf seine Worte gehört haben; ja, und unser Bruder ist wie er. Und mit solchen Worten murrten und klagten meine Brüder gegen uns.“
Alle diese destruktiven Verhaltensweisen machen unserer Gesellschaft enorm zu schaffen und spalten sie, genauso wie es im Buch Mormon geschehen ist und für die letzte Zeit, in der wir leben, vorhergesagt wird und immer deutlicher zu beobachten ist.
Jeder einzelne kann dazu beitragen, dass diese Dinge in Familien und Gemeinden keinen Einzug halten und nicht überhand nehmen.
So stark Nephi auch war, der fehlende Rückhalt eines großen Teiles seiner Familie, hat ihm schwer zu schaffen gemacht, wie wir im Psalm Nephis in 2 Nephi 4 nachlesen können.
2 Nephi 4:17-19:
„Und doch, trotz der großen Güte des Herrn, da er mir seine großen und wunderbaren Werke gezeigt hat, ruft mein Herz aus: O was bin ich doch für ein unglückseliger Mensch! Ja, mein Herz grämt sich meines Fleisches wegen; meine Seele ist bekümmert meiner Übeltaten wegen. Ich bin ringsum umschlossen, wegen der Versuchungen und der Sünden, die mich so leichtbedrängen. Und wenn ich mich freuen möchte, stöhnt mein Herz meiner Sünden wegen; …“
Wie viel leichter hätte alles gehen können, wenn die Familie einig gewesen wäre, alle das große Ganze verstanden und deshalb kooperiert hätten oder es zumindest versucht hätten.
Nephi´s Verzweiflung führt aber nicht dazu, dass Hoffnungslosigkeit am Ende seiner inneren Kämpfe steht. Stattdessen sind es Zuversicht, Hoffnung und ein starkes Vertrauen in Gott.
2 Nephi 4:19-28:
„… doch ich weiß, in wen ich mein Vertrauen gesetzt habe. Mein Gott ist mein Beistand gewesen; er hat mich durch meine Bedrängnisse in der Wildnis geführt; und er hat mich auf den Wassern der großen Tiefe bewahrt. Er hat mich mit seiner Liebe erfüllt, selbst bis es mir mein Fleisch verzehrt. Er hat meine Feinde zuschanden gemacht und bewirkt, daß sie vor mir beben. Siehe, er hat mein Rufen gehört am Tage, und er hat mir Erkenntnis gegeben durch Visionen in den Stunden der Nacht. Und bei Tage habe ich mich vor ihm zu machtvollem Gebet erkühnt; ja, meine Stimme habe ich emporsteigen lassen in die Höhe, und Engel sind herabgekommen und haben mir gedient. Und auf den Schwingen seines Geistes ist mein Leib auf überaus hohe Berge hinweggeführt worden. Und meine Augen haben Großes geschaut, ja, allzu groß für den Menschen; darum ist mir geboten worden, es nicht niederzuschreiben. Nun denn, wenn ich so Großes gesehen habe, wenn der Herr in seiner Herablassung gegenüber den Menschenkindern mit so viel Barmherzigkeit Menschen besucht hat, warum soll mein Herz weinen und meine Seele im Tal der Trauer verweilen und mein Fleisch dahinschwinden und meine Kraft ermatten, meiner Bedrängnisse wegen? Und warum soll ich mich, meines Fleisches wegen, der Sünde hingeben? Ja, warum soll ich Versuchungen nachgeben, so daß der Böse in meinem Herzen Raum finde, um meinen Frieden zu zerstören und meine Seele zu bedrängen? Warum bin ich zornig meines Feindes wegen? Erwache, meine Seele! Welke nicht länger in Sünde dahin. Freue dich, o mein Herz, und gib dem Feind meiner Seele nicht länger Raum.“
Ich möchte Zeugnis davon geben, dass wir aus den ersten Kapiteln im Buch Mormon lernen können, wie wir mit Misserfolg, Härten im Leben, Widerständen und Konflikten umgehen und welche Verhaltensweisen wir meiden sollten.
Ich weiß, dass wir in unseren Gemeinden und Familien von diesen Erkenntnissen profitieren werden. Ich weiß, dass sich aus dem Vorbild Nephis Leidenschaft und Hingabe zum Werk des Herrn als logische Folge entwickeln und dass daraus eine Dynamik entstehen kann, die uns vorwärts trägt, weil sie viele gute Früchte hervorbringt.
Ich weiß auch, dass jeder von uns dadurch mehr Rückhalt und Hilfe in Problemen erfahren kann, weil es mehr Verständnis und Solidarität auf dem Fundament von Glauben und wahrer Erkenntnis gibt.
Ich bitte den Vater im Himmel, dass er uns hilft, dass wir unsere Herzen von diesen Lehren berühren und beeinflussen lassen. Möge der Herr Sie alle reich segnen.
Letzte Woche, auf dem Weg von Dresden nach Zürich, habe ich dieses Foto meiner Heimatstadt Hohenstein-Ernstthal gemacht. Eigentlich sieht man Chemnitz viel besser, also deshalb der rote Pfeil. Hier und in der näheren Umgebung haben meine Vorfahren seit Hunderten von Jahren gelebt.
Da heute der 5. Mai ist, erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an meine Großmutter Klara Lina Böhme, geborene Vogel, deren Geburtstag sich heute zum 126. Mal jährt. Sie wurde 1890 in Ernstthal geboren. Hohenstein und Ernstthal vereinigten sich erst 8 Jahre später zu einer Stadt.
Leider habe ich keine aktive Erinnerung an sie, denn ich war noch keine 3 Jahre alt, als sie Anfang 1967 starb.
Sie war eine einfache Frau, die von vielen Krankheiten geplagt wurde und mit ihrer Familie nach heutigen Maßstäben in ärmlichen Verhältnissen lebte. Sie hat aber unserer Familie etwas von unschätzbarem Wert hinterlassen, das nicht mit materiellen Werten aufgewogen werden kann.
Durch sie ist das Evangelium Jesu Christi in unsere Familie gekommen, in dem sie den Worten der Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Glauben schenkte und sich am 9. Juni 1925, hochschwanger mit meiner Mutter, taufen ließ.
Wenig später schlossen sich noch mehr Mitglieder ihrer Familie der Kirche an.
Aus dem einfachen Zeugnis meiner Großmutter ist etwas Großartiges gewachsen – in dieser kleinen Stadt mit dem roten Pfeil und mittlerweile an vielen anderen Orten. Aus einer gläubigen Frau sind Viele geworden.
Es hat lange für diesen Post gedauert, aber ich möchte nicht versäumen zu erwähnen, dass Sister Carolin Gäbler aus Bernburg letzten Monat ihre Mission in Neuseeland ehrenvoll beendet hat. Carolin hat in der New Zealand Wellington Mission gedient, die sie am 9. März 2016 verlassen hat. Nach 6 Flügen ist sie dann am nächsten Tag zu Hause angekommen. Das wäre sogar für mich als hartgesottenem Vielflieger eine Tortur gewesen :).
Leider konnte ich Carolin nicht gleich am Ankunftstag entlassen, da ich auf einer Dienstreise in den USA war. Wir haben also ihre Missionszeit um 3 Tage verlängert und ich habe sie dann am 13. März zur Zweigkonferenz in Bernburg entlassen. Ihre Homecoming Ansprache war hervorragend.
Leider haben wir dabei vergessen, das mittlerweile traditionelle Foto zu machen. Das haben wir dann ein paar Tage später im Institutszentrum in Leipzig in „zivil“ nachgeholt :).
Im Entlassungsgespräch fragte ich Carolin nach ihrer wichtigsten Lesson learned während ihrer Mission. Ihre Antwort war: ich bin wirklich näher zu Jesus Christus gekommen und glaube, dass ich sein Wirken und seine Bedeutung jetzt erst richtig verstehe.
Carolin, wir wünschen dir alles erdenklich Gute und viel Erfolg für deine Zukunft. Vielen Dank für deinen Dienst für den Herrn.