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Verstehen

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen des Institutsprogrammes der Kirche mit jungen Erwachsenen über ein wichtiges Thema zu diskutieren. Es ging um Verstehen oder was ein verständiges Herz ist.

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In diesen Coronavirus-Zeiten, in denen sich Probleme mit der persönlichen Integrität und Sozialisierung unter Umständen deutlicher zeigen, als im normalen Alltag, kann es eigentlich nicht genug davon geben. Während es relativ leicht ist, Verständnis für sich selbst und die eigenen Interessen zu haben, sieht das völlig anders aus, wenn sich der Rahmen erweitert und die Probleme komplexer werden. Dann trennt sich, wie man so schön sagt, die Spreu vom Weizen.

Im Institut sprachen wir über Salomo, einen Sohn von König David, der ungefähr 970 Jahre vor Christus König von Israel wurde. Salomo fühlte sich wegen seiner Jugend und mangelnden Erfahrung angesichts der schwierigen Aufgabe sehr unzulänglich. In einem Traum fragte Gott nach seinen Wünschen. Salomo’s Antwort zeigt uns eine große geistige Reife. Es ist sinnvoll darüber nachzudenken und zu schauen, was wir daraus lernen können.

Ich zitiere aus dem Alten Testament, Buch 1. Könige, Kapitel 3 ab Vers 5:

In Gibeon erschien der Herr dem Salomo bei Nacht im Traum. Und Gott sprach: Bitte, was ich dir geben soll! Und Salomo sprach: Du hast deinem Knecht, meinem Vater David, große Gnade erwiesen, wie er denn vor dir gewandelt ist in Wahrheit und Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen dir gegenüber, und du hast ihm diese große Gnade bewahrt und ihm einen Sohn gegeben, der auf seinem Thron sitzt, wie es an diesem Tag [offenbar] ist. Weil du nun, o Herr, mein Gott, deinen Knecht zum König gemacht hast anstelle meines Vaters David, ich aber ein junger Bursche bin, der weder aus- noch einzuziehen weiß; und weil dein Knecht mitten unter deinem Volk ist, das du erwählt hast, einem Volk, das so groß ist, dass es vor Menge niemand zählen noch berechnen kann — so gib du deinem Knecht doch ein verständiges Herz, dass er dein Volk zu richten versteht und unterscheiden kann, was Gut und Böse ist. Denn wer kann dieses dein großes Volk richten? Und es war dem Herrn wohlgefällig, dass Salomo um dies bat.“ (1. Könige 3:5‭-‬10 SCH2000
https://bible.com/bible/157/1ki.3.5-10.SCH2000)

Salomo wünschte sich ein verstehendes, verständiges Herz, ein Herz, das auf Gott hört.

Howard W. Hunter, der später der 14. Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde, sagte bereits 1962 dazu folgendes:

Wenn der Herr sich über Salomos Bitte freute, dann freut er sich gewiss auch über jeden von uns, der sich ein verständiges Herz wünscht. Das muss einer bewussten Anstrengung entspringen, und zwar im Verein mit festem Glauben und Vorsatz. Ein verständiges Herz ist das Ergebnis der Erfahrungen, die wir im Leben machen, wenn wir Gottes Gebote halten. …

Das Unglück in der Welt könnte durch Verständnis behoben werden. Kriege könnten enden und Verbrechen aufhören. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Welt, die jetzt verschwendet werden, weil Menschen und Völker einander misstrauen, könnten zum Segen der Menschheit umgelenkt werden. …

Wir brauchen mehr Verständnis in unseren Beziehungen miteinander, im Geschäftsleben und in der Industrie, zwischen Managern und Arbeitern, zwischen Regierungen und Regierten. Wir brauchen Verständnis in der wichtigsten aller Einheiten der Gesellschaft, nämlich der Familie; Verständnis zwischen Kindern und Eltern und zwischen Mann und Frau. Die Ehen wären glücklich und Scheidungen unbekannt, wenn es verständnisvolle Herzen gäbe. Hass reißt nieder, aber Verständnis baut auf.

Wir täten gut daran, wie Salomo zu beten: ‚Gib deinem Knecht ein verständiges Herz.‚ “ (Generalkonferenz April 1962)

Hüttengrundwald, Hohenstein-Ernstthal

English:

Give therefore thy servant an understanding heart to judge thy people, that I may discern between good and bad: for who is able to judge this thy so great a people.“ (1 Kings 3:9)

King Solomon asked the Lord for an understanding heart. It would help the world a lot if more people had the same desire.

Howard W. Hunter, who later became the 14th President of the Church of Jesus Christ of Latter Day Saints, said in 1962 the following:

If the Lord was pleased because of that which Solomon had asked of him, surely he would be pleased with each of us if we had the desire to acquire an understanding heart. This must come from conscious effort coupled with faith and firm determination. An understanding heart results from the experiences we have in life if we keep the commandments of God. …
“… The ills of the world would be cured by understanding. Wars would cease and crime disappear. The scientific knowledge now being wasted in the world because of the distrust of men and nations could be diverted to bless mankind. Atomic energy will destroy unless used for peaceful purposes by understanding hearts.
“We need more understanding in our relationships with one another, in business and in industry, between management and labor, between government and the governed. We need understanding in that most important of all social units, the family; understanding between children and parents and between husband and wife. Marriage would bring happiness, and divorce would be unknown if there were understanding hearts. Hatred tears down, but understanding builds up.
“Our prayer could well be as was Solomon’s, ‘Lord, give me an understanding heart.’” (In Conference Report, Apr. 1962, pp. 75–76.)