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Essay für eine bemerkenswerte Frau

Diesen Beitrag schreibe ich für meine Schwiegermutter Ruth Richter. An ihrem 90. Geburtstag im Sommer letzten Jahres habe ich über dieses Thema in ihrer Heimatgemeinde in Bernburg gesprochen. Sie hat mich gebeten, meine Gedanken aufzuschreiben und mit anderen zu teilen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Zeit dazu gefunden habe, aber auch aus ständig wiederkehrenden aktuellen Anlässen geht mir das Thema nicht aus dem Kopf.

Da meine Schwiegermutter in der Nähe des Harzes wohnt und die Landschaften dort liebt, habe ich einige Fotos eingefügt, die ich letztes Jahr bei einer Wanderung durch das Bodetal gemacht habe.

Im Buch Mormon, im Buch 4. Nephi gibt es eine Textpassage (in den Versen 20-25), die ich für besonders tragisch halte.

„… und es war noch immer Friede im Land, außer dass es einige wenige im Volk gab, die sich gegen die Kirche aufgelehnt und den Namen Lamaniten auf sich genommen hatten; darum gab es allmählich wieder Lamaniten im Land. …
Und es begab sich: Zweihundert Jahre waren vergangen; und die ganze zweite Generation war vergangen außer einigen wenigen. …
Und nun, in diesem zweihundertersten Jahr [A.D.] fing es an, dass es unter ihm [dem Volk] welche gab, die im Stolz überheblich wurden, sodass sie kostbare Gewänder und allerart feine Perlen und feine Dinge der Welt trugen.
Und von der Zeit an hatten sie ihre Güter und ihre Habe untereinander nicht mehr gemeinsam.“

Um zu verstehen, was hier wirklich passiert ist und warum es so tragisch ist, müssen wir uns die Geschichte vorher und nachher etwas genauer ansehen und darüber nachdenken, wie wir das, was wir in den Heiligen Schriften lesen, auf uns und unsere Zeit beziehen können.

Vom Zeitpunkt dieser Schriftstelle gehen wir mal etwas weniger als 200 Jahre zurück in eine Zeit, in der das organisierte Verbrechen so mächtig geworden war, dass daraus eine akute Existenzbedrohung entstand (siehe 3. Nephi ab Kapitel 2). Das Bemerkenswerte war, dass diese Bedrohung das Volk veranlasste, so eng zusammenzurücken, dass es gelang, den Armeen des organisierten Verbrechens die Lebensgrundlagen zu entziehen, sie entscheidend zu schwächen und schließlich zu besiegen. Um das zu erreichen, war es notwendig, den verhängnisvollen Trend, dass Menschen zum organisierten Verbrechen überliefen und aktive oder passive Unterstützung gewährten, zu stoppen. Eine Situation, die uns heute nicht unvertraut ist und in der wir leider nicht diese Entschlossenheit sehen, die in der Breite erforderlich wäre, um die Untaten, die von solchen Bewegungen verübt werden, zu verhindern.

Leider müssen wir im Buch Mormon lesen, dass der erzielte Erfolg nicht nachhaltig war. Sobald es den Menschen wieder besser ging, kehrten viele von ihnen zu den alten, destruktiven Verhaltensweisen zurück mit sehr negativen Folgen für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Der Geschichtsschreiber Nephi schildert es unter anderem so:

Und so waren noch keine sechs Jahre vergangen, seit der größere Teil des Volkes sich von seiner Rechtschaffenheit abgewandt hatte, wie ein Hund sich dem, was er gespien hat, oder wie eine Sau sich dem Kot, worin sie sich gewälzt hat, zuwendet.“ (siehe 3. Nephi 7:8)

Das Land war praktisch unregierbar geworden und die Gesellschaft spaltete sich in viele Gruppen, die von den jeweiligen Partikularinteressen getrieben wurden. Einig waren sie sich nur darin, alle Kräfte, die ihre gottlose Lebensweise nicht gut hießen, auf ihre Seite zu ziehen oder zu eliminieren.

Doch dann gab es einen großen Schnitt, denn es trat etwas ein, wovon Propheten jahrhundertelang gesprochen hatten und wovon ein großer Teil der Gesellschaft nichts hören wollte: Die Zeichen, die im Zusammenhang mit der Kreuzigung von Jesus Christus prophezeit worden waren, erfüllten sich auf drastische Weise in Form von Naturkatastrophen, die viele Opfer forderten. Das war das eine. Das andere war, dass unmittelbar danach der auferstandene Christus einer großen Menschenmenge erschien, denen damit endgültig klar wurde, dass die Auferstehung kein Hirngespinst oder eine mystische Symbolik sondern eine buchstäbliche Tatsache ist. Für die Gläubigen erfüllte sich DIE grundlegende Hoffnung und Basis ihres Glaubens.

Was hatte Jesus Christus den Menschen zu sagen? Was waren die ersten Dinge, die er unten ihnen tat? Das Buch 3. Nephi gibt darüber ab Kapitel 11 ausführlich Auskunft. Ich möchte einige Punkte anführen:

  • Der Vater gab Zeugnis von Seinem eingeborenen Sohn.
  • Jesus Christus bestätigte, dass er der ist, von dem die Propheten gesprochen haben.
  • Er bestätigte weiterhin, dass er das Sühnopfer vollendet hat und ließ die Menschen seine Nägelmale fühlen – ein beeindruckender Vorgang, der viele Stunden gedauert haben muss.
  • Er betonte die Notwendigkeit von Umkehr und Taufe und forderte die Menschen zu Einigkeit und Beilegung von Konflikten auf.
  • Er verhieß ihnen, dass der Heilige Geist ihnen Zeugnis von diesen Dingen geben wird und erklärte die Bedingungen, um in das Reich Gottes zu gelangen.
  • Er berief zwölf Jünger, denen er Vollmacht gab, in Seinem Namen zu amtieren.
  • Daraufhin gab er ihnen die Bergpredigt (3. Nephi Kapitel 12-14), deren Lehren nicht nur eine Aufzählung von möglichen Handlungsoptionen sind, sondern die einen konkreten Lebensstil und Haltungen zu den meisten relevanten Fragen des erfolgreichen Zusammenlebens einer Gesellschaft vermitteln. Dazu später noch mehr.
  • Er heilte die Kranken, segnete die Kinder und führte das Abendmahl zum Gedächtnis an Sein Sühnopfer ein.
  • Er erklärte viele Dinge in Bezug auf das Haus Israel und organisierte die Kirche Christi.

Jesus tat und lehrte noch vieles mehr, aber das kann jeder selbst nachlesen. Fakt ist, dass Sein relativ kurzes Wirken unter dem Volk Nephi eine enorme und nachhaltige Wirkung hatte. Im 4. Nephi 1:2-3 heißt es:

Und es begab sich: Im sechsunddreißigsten Jahr wurde alles Volk zum Herrn bekehrt, im ganzen Land, sowohl die Nephiten als auch die Lamaniten, und es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter ihnen, und ein jeder ging gerecht mit dem anderen um.
Und sie hatten alles unter sich gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe.

Was waren das für Lehren, zu denen sich die Menschen bekehrten und die übrigens unabhängig von konfessioneller Bindung sind? Viele gelten heute als überholt, nicht anwendbar, stock-konservativ, etwas für Naivlinge oder Gutmenschen, nicht geeignet für Individualismus, zu schwierig zu befolgen in einem Umfeld, dass sich nicht darum schert. Das einzige, was von diesen Argumenten stimmt, ist, dass die Lehren der Bergpredigt nicht einfach umzusetzen sind. Aber sie sind zeitlos. Zur Anwendung bedarf es Mühe, Motivation, Lernen, Disziplin, Haltung und Entschlossenheit, sich persönlich zu ändern (wie übrigens immer, wenn es darum geht, wenn man etwas zum Guten ändern möchte). Und es braucht eine ausreichende Portion Glauben.

Vor einigen Wochen habe ich für meine Frau einen Extrakt der wichtigsten Punkte erstellt (siehe 3. Nephi Kapitel 12 ab Vers 3):

„Ja, gesegnet sind die im Geist Armen, die zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Und weiter, gesegnet sind alle, die da trauern, denn sie werden getröstet werden.
Und gesegnet sind die Sanftmütigen, denn sie werden die Erde ererben.
Und gesegnet sind alle, die hungern und dürsten nach Rechtschaffenheit, denn sie werden vom Heiligen Geist erfüllt werden.
Und gesegnet sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Und gesegnet sind alle, die im Herzen rein sind, denn sie werden Gott sehen.
Und gesegnet sind alle Friedensstifter, denn sie werden die Kinder Gottes heißen.
Und gesegnet sind alle, die um meines Namens willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.
Und gesegnet seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und fälschlich gegen euch allerart Böses reden;
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich gebe es euch, das Licht dieses Volkes zu sein. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben. Siehe, zündet man eine Kerze an und stellt sie unter einen Scheffel? Nein, sondern auf einen Leuchter, dann gibt sie allen Licht, die im Hause sind;
darum lasst euer Licht vor diesem Volk so leuchten, dass es eure guten Werke sieht und euren Vater, der im Himmel ist, verherrlicht.
Ihr habt gehört, dass von denen in alter Zeit gesagt worden ist, und es steht auch vor euch geschrieben: Du sollst nicht töten, und wer auch immer tötet, dem droht das Strafgericht Gottes;
aber ich sage euch: Wer auch immer seinem Bruder zürnt, dem droht sein Strafgericht. Und wer auch immer Hohlkopf zu seinem Bruder sagt, dem droht der Rat; und wer auch immer sagt: Du Narr, dem droht das höllische Feuer.
Darum, wenn ihr zu mir kommt oder den Wunsch habt, zu mir zu kommen, und es fällt dir dabei ein, dass dein Bruder etwas gegen dich hat –
so gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komme mit voller Herzensabsicht zu mir, und ich werde dich empfangen.
Siehe, von denen in alter Zeit ist geschrieben worden: Du sollst nicht Ehebruch begehen;
ich aber sage euch: Wer auch immer eine Frau ansieht, dass es ihn nach ihr gelüstet, der hat in seinem Herzen schon Ehebruch begangen.
Siehe, ich gebe euch das Gebot, nichts davon in euer Herz eindringen zu lassen;
denn es ist besser, dass ihr euch dies versagt, wodurch ihr euer Kreuz auf euch nehmt, als dass ihr in die Hölle geworfen werdet.
Und siehe, es steht geschrieben: Auge um Auge und Zahn um Zahn;
aber ich sage euch, dass ihr euch Bösem nicht widersetzen sollt; sondern wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm die andere auch hin;
und wenn dich einer vor Gericht verklagen und dir den Rock nehmen will, so lass ihm auch deinen Mantel;
und wenn dich jemand nötigt, eine Meile zu gehen, so gehe mit ihm zwei.
Gib dem, der dich bittet, und von dem, der von dir borgen will, wende dich nicht ab.
Und siehe, es steht auch geschrieben: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen;
aber siehe, ich sage euch: Liebt eure Feinde, segnet die, die euch fluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für die, die euch böswillig schlecht behandeln und euch verfolgen,
Darum möchte ich, dass ihr vollkommen seiet, so wie ich oder euer Vater, der im Himmel ist, vollkommen ist.Wahrlich, wahrlich, ich sage, ich möchte, dass ihr den Armen Almosen gebt; aber achtet darauf, dass ihr eure Almosen nicht vor den Leuten gebt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater, der im Himmel ist.
Darum, wenn ihr eure Almosen gebt, so posaunt nicht vor euch her, wie Heuchler das in den Synagogen und auf den Straßen tun, um sich von den Leuten preisen zu lassen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn.
Wenn aber du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte Hand tut, damit deine Almosen verborgen bleiben; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird selbst es dir offen lohnen.
Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben;
wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo Motten und Rost sie zerfressen und Diebe einbrechen und stehlen;
sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie zerfressen und wo Diebe nicht einbrechen noch stehlen.
Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Das Licht des Leibes ist das Auge; wenn also dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib voll Licht sein.
Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib voll Finsternis sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist dann die Finsternis!
Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder aber er wird zu dem einen halten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
Sondern trachtet ihr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Rechtschaffenheit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
Darum sorgt nicht für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seinem eigenen Übel.
Und nun begab es sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, wandte er sich wieder an die Menge und öffnete den Mund wieder zu ihr, nämlich: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
Denn mit welchem Richterspruch ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch wieder zugemessen werden.
Und wieso siehst du den Splitter, der im Auge deines Bruders ist, gewahrst aber nicht den Balken, der in deinem eigenen Auge ist?
Oder wie kannst du zu deinem Bruder sprechen: Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen – und siehe, ein Balken ist in deinem eigenen Auge?
Du Heuchler, entferne zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu entfernen.
Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.
Denn ein jeder, der bittet, empfängt; und wer da sucht, der findet; und dem, der anklopft, wird aufgetan werden.
Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut ihnen auch, denn darin bestehen das Gesetz und die Propheten.
Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann
vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute –
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.“
Während sich der Zeitgeist, besonders in den westlichen Gesellschaften, weitgehend vom Inhalt der Bergpredigt verabschiedet hat und versucht, auf andere Weise eine glücklichere Gesellschaft zu schaffen, lesen wir im Buch Mormon, was entstanden ist, nachdem ein ganzes Volk seinen Lebensstil an dem ausgerichtet hat, was ihnen Jesus Christus live gelehrt hat. Der Schreiber hat im 4. Nephi mehr als 160 Jahre außerordentlich erfolgreicher Geschichte in nur wenigen Versen zusammengefasst:
Vers 2: Das Wirken und die Botschaften von Jesus Christus führten innerhalb kurzer Zeit zu Einigkeit im Glauben und im Umgang der Menschen miteinander.
Vers 4: Stabiler Frieden im Land. Frieden als Ergebnis von Geisteshaltungen.
Vers 5: Glaube und gesellschaftliche Verhältnisse ermöglichten es, dass viel Leid geheilt werden konnte. Dafür gibt es heute einen riesigen Bedarf.
Vers 7: Die Produktivität und Zusammenarbeit verbesserten sich exponentiell. Daraus folgte wirtschaftlicher Erfolg.
Vers 10: „Und nun, siehe, es begab sich: Das Volk Nephi wurde stark und mehrte sich überaus schnell und wurde ein überaus anmutiges und angenehmes Volk.
Vers 11: Sie bildeten Familien und empfingen reiche Segnungen – als Ergebnis ihres Lebenswandels.
Vers 12: Sie kümmerten sich aktiv um ihre Beziehung zu Gott und ihre geistige Wohlfahrt.
Verse 15-17: „Und es begab sich: Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im Herzen wohnte, gab es im Land keinen Streit.
Und es gab weder Neid noch Streit noch Aufruhr noch Hurerei noch Lüge noch Mord noch irgendeine Art von Ausschweifungen; und gewiss konnte es kein glücklicheres Volk unter allem Volk geben, was von der Hand Gottes erschaffen worden war.
Es gab weder Räuber noch Mörder noch gab es Lamaniten noch sonst irgendwelche -iten; sondern alle waren eins, die Kinder Christi und Erben des Reiches Gottes.
Vers 18: „Und wie gesegnet waren sie! Denn der Herr segnete sie in allem, was sie taten; ja, sie wurden gesegnet, und es erging ihnen wohl …
Das waren sehr erstrebenswerte Zustände. Wie viel wären wir bereit dafür zu geben? Der Preis wird oben genannt, aber auch die Resultate. Nochmal, es handelt sich um Haltungen, um einen Lebensstil, der nicht notwendigerweise eine religiöse Bindung, wohl aber starke Überzeugungen voraussetzt. Selbst bei nur teilweiser Umsetzung in der Breite würden wir spürbare Verbesserungen unserer gesellschaftlichen Probleme erzielen – sowohl im Kleinen als auch im Großen. Wie viel Leid auf allen gesellschaftlichen Ebenen könnte gelindert und geheilt werden.
Man könnte einwenden, dass man in einer Ellenbogengesellschaft viel zu oft das Nachsehen hätte, wenn man sich sanftmütig, gütig, selbstlos, rücksichtsvoll, respektvoll, friedlich und anständig verhält, eingegangene familiäre, soziale und gesellschaftliche Verpflichtungen einhält und der gesamten Schöpfung Gottes uneingeschränkte Achtung entgegenbringt. Es gibt jedoch viel mehr Gründe, die gegen eine solche Haltung sprechen als dafür.
Zurück zur Tragik der eingangs zitierten Schriftstelle. Nach über 160 Jahren war eine Generation herangewachsen, die begann, den Lebenstil der vorangegangenen Generationen für sich abzuwählen und andere moralische Werte offensiv und sehr erfolgreich zu verbreiten. Weshalb war das nun so tragisch? Diese Leute haben vielleicht gute Gründe gehabt und wollten sich von den Traditionen ihrer Eltern und Großeltern lösen, sich selbst verwirklichen, ohne Rücksicht auf eine Gemeinschaft oder einen bestimmten Glauben nehmen zu müssen. Nun, die Geschichte zeichnet ein anderes Bild, aus dem wir lernen sollten.
  • Der gesellschaftliche Zusammenhalt begann zu erodieren und sich nach und nach aufzulösen, anfangs nicht aus theologischen sondern materiellen Gründen. Die Verhaltensänderungen gingen den Veränderungen in Glaubensbekenntnissen voraus. Das ist auch heute häufig so.
  • Diese Generation hatte Jesus Christus nicht selbst erlebt und wuchs in einer Zeit auf, in der Wohlstand und Wohlergehen zur Selbstverständlichkeit geworden war, ohne dass sie sich viele Gedanken darüber machen mussten.
  • Sie hatten offensichtlich auch ein Stück weit den Bezug zu ihrer jüngeren Geschichte verloren. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass die Interpretation von Geschichte mit wachsendem zeitlichen Abstand schwieriger wird, vor allem wenn die Lehren daraus unbequem und nicht kompatibel mit dem Zeitgeist sind.
  • Bis zur Spaltung oder besser Zersplitterung der Gesellschaft dauerte es kaum 10 Jahre.
  • Egoismus und moralische Beliebigkeit traten ihren Siegeszug an, Religion wurde eine äußerliche Angelegenheit ohne wirklichen Glauben, ohne heilende Kraft, ohne Achtung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Diejenigen, die sich diesen Entwicklungen entgegenstemmten, wurden nach und nach zum Schweigen gebracht.
  • Nachdem sich der größte Teil des Volkes innerhalb einiger Jahrzehnte schließlich fast komplett von den Lehren Jesu Christi abgewandt und sich von moralischen Werten und Geboten „befreit“ hatte, müsste man annehmen, dass daraus eine neue, erhoffte Phase der Prosperität eintrat, in der die Leute Zufriedenheit und Glück verspürten, denn sie hatten ja das durchgesetzt, was sie wollten. Diese Hoffnung erfüllte sich aber nicht, konnte es auch nicht, denn das Gesetz von Ursache und Wirkung lässt sich nicht außer Kraft setzen. Das organisierte Verbrechen wurde mächtig, wie nie zuvor. Die Menschen stumpften ab und es entwickelte sich Schritt für Schritt eine Spirale von Hass und Gewalt, die bis zum Ende des Berichts unvorstellbare Ausmaße und Formen von Grausamkeit annahm, die nur dann möglich sind, wenn sich vorher ein weit gehender moralischer und kultureller Verfall durchgesetzt hat. Dadurch wurde schließlich innerhalb von weniger als 200 Jahren eine gesamte Kultur ausgelöscht.

Das ist der Grund, weshalb die Anfänge des Verfalls so tragisch waren. Alle Ereignisse, die darauf folgten und vor allem die Ursachen, die dazu führten, wurden lange vorher von Propheten angekündigt. Sie waren nicht unvermeidlich. Sie hätten verhindert werden können, wenn es bei genügend Menschen den Willen dazu gegeben hätte. Sie traten aber unweigerlich ein, als große Menschengruppen sich für Lebensweisen entschieden, deren Auswirkungen mit der Zeit immer schwerer und schlussendlich überhaupt nicht mehr beherrschbar waren.

Mormon, der wichtigste Zeitzeuge der Vernichtung und Mann nach dem das Buch Mormon benannt wurde, klagte voller Trauer (siehe Buch Mormon, Mormon 6:16-20):

„Und wegen der Getöteten meines Volkes wurde meine Seele von Pein zerrissen, und ich schrie:
O ihr Anmutigen, wie konntet ihr von den Wegen des Herrn abweichen! O ihr Anmutigen, wie konntet ihr diesen Jesus verwerfen, der mit offenen Armen dastand, euch zu empfangen!
Siehe, wenn ihr dies nicht getan hättet, wäret ihr nicht gefallen. Aber siehe, ihr seid gefallen, und ich betrauere euren Verlust.
O ihr anmutigen Söhne und Töchter, ihr Väter und Mütter, ihr Ehemänner und Ehefrauen, ihr Anmutigen, wie kommt es, dass ihr fallen konntet!
Aber siehe, ihr seid dahin, und mein Grämen kann euch nicht zurückbringen.“

Aus dieser Geschichte können wir viel lernen – vor allem, dass es nichts Nachhaltigeres gibt, als das Evangelium Jesu Christi. Zur Zeit hören wir oft die Frage, welche Lehren wir aus dem Jahr 2020 ziehen werden. Wird wieder mehr Demut in die Gesellschaft einziehen? Wird man sich auch auf unbequeme Lehren aus der Geschichte besinnen und die heranwachsenden Generationen sorgfältiger und ganzheitlicher bilden?
Werden die oben aufgeführten elementar wichtigen Prinzipien für ein vernünftiges Zusammenleben wieder mehr an Bedeutung gewinnen – im persönlichen Denken und Fühlen, in den Medien, in den Familien, im Geschäftsleben, in der Politik und in den Religionen? Werden Menschen mit extremen Haltungen zur Besinnung kommen? Werden Glaube und Rechtschaffenheit zunehmen? Wird es in der Breite eine größere Einsicht geben, dass unsere Entscheidungen und Handlungen viel größere Auswirkungen auf uns, auf andere Menschen, auf die Natur und die Gesellschaft haben, als wir oft glauben? Das gilt nicht nur für die nähere und fernere Zukunft, sondern auch und vor allem für unser Leben nach unserem irdischen Dasein.Manchmal mögen wir vielleicht das Gefühl haben, dass es zu schwer ist, sein Leben an Jesus Christus zu orientieren oder dass es sich nicht lohnt, da andere, denen das alles komplett egal ist, vielleicht erfolgreicher, gesünder, wohlhabender oder populärer sind. Nun, dazu hat Jesus Christus selbst eine Schriftstelle aus dem Buch Maleachi im Alten Testament zitiert (siehe Maleachi 3:14-18), als er unter den Nephiten weilte. Ich finde, das ist ein gutes Schlusswort unter diesen Beitrag.

„Ihr habt gesprochen: Es ist unnütz, Gott zu dienen, und was ist es für Gewinn, dass wir seine Verordnungen eingehalten haben und dass wir in Trauer gewandelt sind vor dem Herrn der Heerscharen?
Und nun nennen wir die Stolzen glücklich; ja, mit denen, die Übles tun, steht es wohl; ja, die Gott versuchen, sind sogar befreit.
Aber die den Herrn fürchteten, redeten oft miteinander, und der Herr hörte zu und vernahm; und vor ihm wurde ein Buch der Erinnerung geschrieben für die, die den Herrn fürchteten und die an seinen Namen dachten.
Und sie werden mein sein, spricht der Herr der Heerscharen, an dem Tag, da ich meine Juwelen herrichten werde; und ich werde sie verschonen, wie ein Mann seinen eigenen Sohn verschont, der ihm dient.
Dann werdet ihr zurückkehren und den Unterschied sehen zwischen dem Rechtschaffenen und dem Schlechten, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“
(Buch Mormon, 3. Nephi 24:14-18)

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Ölbaum

In Zeiten der Coronavirus Pandemie, in der auch unser Kirchenleben eingeschränkt ist, lernen wir auch die positiven Seiten und Möglichkeiten der sozialen Medien besser kennen. Ich finde es toll, dass wir dadurch Zugang zu vielen aufbauenden Botschaften, Bildern und Videos erhalten. Allerdings sollten wir dabei nicht diejenigen vergessen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht online sein können oder möchten, und die in diesen Tagen leicht vergessen werden. Es gibt immer noch Telefone, Stifte und Papier.

Ich bin in unserer Gemeinde als Lehrer für die Jugendlichen tätig und habe mir gedacht, für sie ein Video über ein Kapitel im Buch Mormon zu drehen, dass oft stiefmütterlich behandelt wird, da es sehr lang ist, eine gewisse Komplexität hat und idealerweise eine ganze Menge Vorwissen für ein gutes Verständnis braucht.

Es handelt sich um das Gleichnis vom Ölbaum in Jakob Kapitel 5. Ich hoffe, meine Gedanken, die als Anregungen zu verstehen sind, helfen dabei, diesen sehr wichtigen Teil der Heiligen Schriften besser zu verstehen. Herzlichen Dank an meine Ehefrau Esther, die mich tatkräftig unterstützt hat. 🙂

Wer möchte, kann den Beitrag gern teilen. Euch allen einen schönen Sonntag und eine gute und erträgliche neue Woche.

Hier ist der Link zum Youtube Video:

 

Hier die Präsentation zum Download:

BM Jakob 5 – Das Gleichnis vom Ölbaum

 

Wort zum Tag

In Facebook und Instagram hatte ich bereits davon berichtet: im Rahmen meiner neuen Kirchenberufung habe ich für unsere Kirche am 25. Dezember 2019 das Wort zum Tage im Deutschlandfunk Kultur gesprochen.

Die Aufnahme wurde bereits am 11. Dezember im Studio des Deutschlandfunk in Berlin gemacht. Ich war zum ersten Mal in einem Radiostudio und war schon etwas nervös. Die netten Mitarbeiter haben mir aber den Job leicht gemacht. Es war wirklich eine sehr gute Erfahrung.

Für alle, die am 25.12. üblicherweise nicht morgens um 6:55 am Radio hängen mochten ;-), stelle ich hier den Link zur Deutschlandfunk Mediathek zur Verfügung.

https://www.deutschlandradio.de/audio-archiv.260.de.html?drau%5Bsubmit%5D=1&drau%5Bstation_id%5D=0&drau%5Bsearchterm%5D=Wort+zum+Tage&drau%5Bfrom%5D=25.12.2019&drau%5Bto%5D=25.12.2019&drau%5Bbroadcast_id%5D=218

(Das ist der Link mit dem Datumsfilter. Ansonsten kann man auch z.B. einfach „Wort zum Tage DLF“ googeln und dann browsen.)

Wer die MP3 möchte, kann mir einfach eine Nachricht schicken.

Der nächste Beitrag für unsere Kirche ist im Deutschlandfunk Kultur für den 10. Mai 2020 geplant.

Hier der Text vom 25.12.2019:

Wort zum Tag, Deutschlandfunk, 25.12.2019
Thomas Hengst, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

viele von Ihnen haben sich, wahrscheinlich wie jedes Jahr, mehr Ruhe, Zeit zur Besinnung und inneren Frieden in der Advents- und Weihnachtszeit gewünscht. Leider machen wir oft gegenteilige Erfahrungen und stehen Entwicklungen, die gesellschaftliche Probleme eher verschärfen als lösen, mit einer gewissen Ohnmacht gegenüber. All denen, die mit Skepsis oder Sorge in die Zukunft schauen, möchte ich versuchen, etwas Mut zu machen.

Ich bin beruflich seit fast 20 Jahren in der Entwicklung und Einführung nachhaltiger Technologien für die Erzeugung erneuerbarer Energie mit Hilfe des Sonnenlichts tätig. Das ist ein sehr komplexes und schwieriges Unterfangen, aber in diesen zwei Jahrzehnten durfte ich, trotz enormer Widerstände, gewaltige Fortschritte und ein allmähliches Umdenken in vielen Teilen der Welt miterleben. Es begeistert mich, zu welchen wertvollen Leistungen die Menschheit durch angewandte Bildung, Ideenreichtum, verbunden mit Idealismus und ausreichend Leidenschaft fähig ist.

Es ist gut und richtig, dass wir uns um die Zukunft unseres Planeten Sorgen machen und nach Wegen suchen, welchen Beitrag jeder einzelne von uns leisten kann und welche Gewohnheiten dafür geändert werden müssen.

Noch wichtiger erscheint mir jedoch, dass wir uns dringend Gedanken darüber machen, wie wir in Zukunft nachhaltiger als menschliche Gesellschaft miteinander leben und umgehen wollen, damit wir nicht nur unsere Umwelt bewahren, sondern auch mehr Glück und Frieden miteinander empfinden können. In vielen Bereichen haben wir leider Umgebungen geschaffen und Entwicklungen zugelassen, die nicht nachhaltig oder sogar schädlich sind, sowohl für die körperliche Gesundheit, als auch vor allem für das seelische Wohlbefinden. Trotz offensichtlich großer Probleme, sollten wir jedoch nicht den Mut verlieren.

Jesus Christus, an dessen Geburt viele von uns zu Weihnachten denken, hat im Laufe seines kurzen Lebens viel darüber gesprochen. Hier nur ein paar wenige Beispiele aus der Bergpredigt:

„Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen …“ (Matthäus 5:5) – Sanftmut ist kein Zeichen von Schwäche. Der Sanftmütige lernt, Probleme von Menschen zu trennen und dadurch nachhaltig Konflikte zu lösen. Zusammen mit ihrer Begleiterin der Demut, schützt uns die Sanftmut vor Arroganz und Egoismus.

„Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen … [und] die, die Frieden stiften …“ (Matthäus 5:7, 9) – Warten wir nicht darauf, dass jemand anders damit beginnt. Mitgefühl und der Wunsch, sich nicht von Polarisierung und Hass vereinnahmen zu lassen, entwickeln sich nicht von selbst, sondern müssen beständig gepflegt werden.

„Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. …“ (Matthäus 7:12)

Wie grundlegend würden sich Zusammenleben und Zusammenarbeit in allen Bereichen unseres Lebens nur durch die Umsetzung dieser wenigen Punkte zum Positiven verändern. Um wie vieles mehr könnten wir dadurch erfolgreicher, ausgeglichener und glücklicher sein.

Jeder von uns kann versuchen, häufiger mit Freundlichkeit und dem ernsthaften Wunsch nach Verständigung auf den Nächsten zu zugehen und damit Zeichen zu setzen, die wir wirklich dringend brauchen.

Ich wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.

Fundamente

Vor über drei Jahren habe ich mal einen Beitrag über die Wichtigkeit eines wertebasierten Fundaments in unserem Leben gepostet.

Siehe https://thomashengst.com/2016/01/31/eine-etwas-andere-bildergeschichte/

Diese Woche war ich mit meiner Frau im Visitor Center des St. George Utah Tempels der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Wir lernten dort ein sehr nettes Missionarsehepaar kennen, Sister und Elder Crane aus Houston, Texas, die für zwei Jahre in St. George dienen.

Elder Crane erzählte uns eine Begebenheit aus der Geschichte des St. George Tempels, die ich noch nicht kannte.

Als die Pioniere im Jahre 1871 mit dem Bau des Tempels begannen, wurden sie mit einem, besonders in Hinblick auf die begrenzten technischen Möglichkeiten in der damals völlig abgelegenen Gegend, schwerwiegenden Problem konfrontiert. Der Untergrund war so weich, dass man einen 4 Meter langen Pfahl mit bloßen Händen komplett in den Boden rammen konnte.

Bei Grabungen fand man drei Wasserquellen, die umgeleitet wurden. Trotzdem war der Untergrund immer noch nicht für ein sicheres Fundament geeignet. Es wurde deshalb ein bis zu 4 Meter breiter und 1,70 Meter tiefer Graben für das Fundament ausgehoben. Da die Feuchtigkeit den Sandstein, der für den Bau des Tempels verwendet wurde, allmählich zersetzt hätte, füllten die Bauleute den Graben mit Lavasteinen, die in der Umgebung zu finden waren.

Um die Lava ausreichend zu verdichten, wurde eine ausgediente Kanone verwendet.

Diese wurde vollkommen mit Blei gefüllt, so dass sie schließlich 450 Kilogramm wog. Die Kanone wurde dann aus 11 Metern Höhe als Ramme zur Verdichtung des Bodens genutzt. Präsident Brigham Young wies die Arbeiter an, dass die Verdichtung erst dann ausreichend war, wenn die Kanone beim Aufprall mindestens dreimal zurückprallen würde. Teilweise wurde dadurch das Lavagestein zusätzlich bis zu 1,5 Meter in den Boden gedrückt. Die Arbeiten am Fundament dauerten 18 Monate, rund ein Viertel der gesamten Bauzeit.

Der Tempel ist nun seit über 140 Jahren in Betrieb. Er ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt, sondern ein Symbol für den Glauben und die Hingabe der Mormonenpioniere, die unter großen Opfern und unter schwierigen Umständen ein bemerkenswertes Vermächtnis hinterlassen haben.

Diese Begebenheit unterstreicht die Wichtigkeit eines sorgfältig errichteten, soliden Fundaments, auch wenn damit überdurchschnittlich große Bemühungen verbunden sind. Das betrifft insbesondere auch unser geistiges Fundament – die Werte, den Glauben und die Erkenntnis auf denen es errichtet werden sollte, damit wir ausreichend Sicherheit und Stabilität im Leben haben können. Dies wird heutzutage immer kritischer durch die Kackophonie unterschiedlichster Meinungen, mit denen wir zu allen möglichen Lebensfragen konfrontiert werden. Es wird noch dadurch verschärft, da Personen, die vorgeben, öffentliche Meinungen zu bestimmen, in welcher Funktion auch immer, von Idee zu Idee irrlichtern, da ihnen selbst die Werte und Fundamente abhanden gekommen sind. Es ist besorgniserregend.

Brigham Young’s inspirierter Rat und Weisung war essentiell beim Bau dieses Tempels. Letztes Wochenende war Generalkonferenz der Kirche. Die Botschaften von Aposteln und Propheten sind nicht nur relevant für die Mitglieder der Kirche, sondern für die Menschheit allgemein. Sie können uns maßgeblich helfen, feste Fundamente für unser Leben zu errichten oder deren Qualität verbessern, wenn wir uns gründlich damit beschäftigen und das konsequent anwenden, was wir daraus lernen.

Vielen Dank, Elder Crane für das gute Gespräch und die Anregungen.

Wo wird mir Trost zuteil …

Diese Woche war ich auf einer Dienstreise, die mich von Hohenstein-Ernstthal über Dresden, Frankfurt, Washington, San Francisco, San Jose, Seoul, Incheon, München und wieder nach Hause geführt hat. So reizvoll das klingen mag – wenn man unterwegs ist, um Arbeit für mehrere Hundert Mitarbeiter zu beschaffen, ist das eine erhebliche physische und psychische Belastung. Ich hatte mehrere Phasen, wo ich mich völlig erschöpft gefühlt und mich gefragt habe, wie ich in den nächsten anstehenden Meetings mit Kunden meine Leistung abrufen kann. Es geht für mich nur mit der Hilfe des Himmlischen Vaters, dessen Einfluss ich verspüre, wenn ich mich ernsthaft darum kümmere und ihn zulasse.

Dieser Text dient für mich dazu, die Anstrengungen zu verarbeiten und aktive Recovery zu betreiben, aber vielleicht spendet er auch für den einen oder anderen etwas Trost.

Am späten Mittwochnachmittag vor dem Flug von San Francisco nach Korea (bei dem man durch das Überqueren der Datumsgrenze einen Tag verliert und erst am übernächsten Tag ankommt), hatte ich noch etwas Zeit und beschloss diese an der Pazifikküste zu verbringen, irgendwo zwischen Santa Cruz und Half Moon Bay. Ich wollte einfach Ruhe und Kraft finden; und Zeit zum Nachdenken. Ich liebe ab und zu die Einsamkeit in der Natur, mehr als die Hektik der Großstädte. Dabei sind ein paar Fotos entstanden, die ein bisschen den Abbau von Druck und Stress symbolisieren sollen.

Eine meiner besten Anschaffungen in den letzten anderthalb Jahren war das Deseret Bookshelf Plus Abo. Fantastisch. Großartige Bücher zum Anhören und Lesen. Letztens habe ich mich mit Bruce C. und Marie K. Hafen´s brillantem Buch „Faith Is Not Blind“ (Hörbuch) beschäftigt. Das werde ich mir ganz sicher als Hardcopy zulegen. Ein Must Read.
Davor habe ich Julie B. Beck´s Buch „Joy in the Covenant“ angehört, aus dem ich viel Energie gezogen habe – auch durch die Energie, die die Autorin ausstrahlt.

Für diese Woche hatte ich mir „Silent Souls Weeping“ von Jane Clayson Johnson heruntergeladen, ein Buch, das sich mit der Gesundheit der menschlichen Seele beschäftigt. Ich bin halb durch und empfand das Buch bisher als sehr einfühlsam geschrieben und äußerst bereichernd. Ich habe wieder viel dazugelernt, über das weite Feld mentaler Gesundheit – sowohl aus der Sicht Betroffener als auch ihrer Angehörigen. Wir müssen hier noch so viel lernen und vor allem auch Zustände in unserer Gesellschaft ändern, die wesentlich dazu beitragen, dass Seelen in einer Art und Weise leiden, die von außen nur schwer zur verstehen ist und deshalb eines Umdenkens im Umgang miteinander bedarf.

Jane Clayson Johnson erzählt die Geschichten von 150 Betroffenen (einschließlich sie selbst) mit klinischer Depression und anderen Formen mentaler Krankheiten. Es geht um Stigmata, Isolation, die Gefahren von Perfektionismus, Suizidgefahr, Hoffnungslosigkeit und Hoffnung, Unverständnis und Verständnis, unwirksame und wirksame Unterstützung, Trost und vieles andere.

In diesen Geschichten gibt es immer wieder die dringende Bitte, den Dialog bezüglich mentaler Krankheiten zu ändern, insbesondere auch unter Heiligen der Letzten Tage, die darum kämpfen, Krankheiten, die sich durch ungeheure Sorgen manifestieren, mit dem Plan der Erlösung und des Glücklichseins in Einklang zu bringen.

Die Autorin schreibt, dass der schlimmste Teil von Depression eine profunde Isolation ist, nicht nur vom Einfluss des Heiligen Geist, sondern auch von der Familie, Freunden und dem Gemeinwesen. Das Teilen dieser Geschichten ist ein wichtiger Schritt, um solche Isolationen zu lindern oder zu beenden.

Ein Kapitel hat mich auf einem der Flüge diese Woche besonders berührt. Es ist die Geschichte eines Kirchenliedes, das ich sehr liebe (steht ziemlich weit oben in meinen Kirchenlied-Charts 😊) und oft vor den Gottesdiensten auf der Orgel spiele. Ich hatte mich in der Vergangenheit mehr auf die Noten als auf den Text konzentriert. Es lohnt sich aber, auch im Lichte der Entstehung des Liedes, den Text genauer zu betrachten.

Wo wird mir Trost zuteil
Text: Emma Lou Thayne
Musik: Joleen G. Meredith

Wo wird mir Trost zuteil, wo find ich Frieden,
wenn keine Hilfe da, mich zu befrein,
wenn meinem wunden Herz Kummer beschieden
und ich mich ganz verlier in Seelenpein?

Wohin soll fliehen ich, wenn Schmerzen plagen?
Wer nimmt die Qual von mir, wer lindert Not?
Wer hilft mit starker Hand Zweifel verjagen?
Wer kann verstehen mich? Nur du, mein Gott.

Du weißt die Antwort, Herr, stillst mein Verlangen,
kennst mein Gethsemane, wo ich geweint;
führst mich zum Friedensquell, nimmst alles Bangen,
heilest mich liebevoll, du Herr, mein Freund.

Originaltext:
Where can I turn for peace? Where is my solace
when other sources cease to make me whole?
When with a wounded heart, anger or malice,
I draw myself apart, searching my soul?

Where, when my aching grows, where, when I languish,
where, in my need to know, where can I run?
Where is the quiet hand to calm my anguish?
Who, who can understand? He, only One.

He answers privately, reaches my reaching
in my Gethsemane, Savior and Friend.
Gentle the peace he finds for my beseeching.
Constant he is and kind. Love without end.

Sister Thayne und Sister Meredith, die beide im Young Women´s General Board der Kirche tätig waren, erhielten 1971 den Auftrag für eine besondere Konferenz der Jungen Damen ein Lied zu schreiben. Beide befanden sich zu dieser Zeit unter schwierigen persönlichen Umständen.

Siehe https://www.ldsdaily.com/personal-lds-blog/inspiring-true-story-behind-lds-hymn-can-turn-peace/

Neben vielen anderen Sorgen und Problemen hatten sowohl Sister Meredith als auch eine Tochter von Sister Thayne mit mentalen Krankheiten zu kämpfen. Das Lied war für sie eine geistige Befreiung von Lasten. Liebevoll nannten sie es „mental illness hymn“.

1985 wurde das Lied in das offizielle Gesangbuch der Kirche aufgenommen und ist seit dem ein Licht der Hoffnung für viele, die in ihrer Seele leiden müssen.

 

Vortrag zum Pfahl-Bildungstag Dresden

Heute fand in Freiberg der Bildungstag des Pfahles Dresden statt. Ich war eingeladen, einen Vortrag zum Thema Freimaurer, Tempel und die Kirche des Herrn zu geben. Ich gehe seit fast 34 Jahren so regelmäßig wie möglich in den Tempel. Das ist die eine Seite. Da ich kein praktizierender Freimaurer bin, habe ich mich diesem Teil des Themas intensiv und mit dem gebotenen Respekt vor den Gebräuchen dieser ehrenwerten Organisation genähert. Herzlichen Dank an alle, die mir dabei behilflich waren, besonders meinem Freund Thomas Lehmann, der selbst ein praktizierender Freimaurer ist.

Wie versprochen stelle ich den Vortrag hier allen Interessenten zur Verfügung. Die Präsentation ersetzt natürlich in keiner Weise den verbalen Vortrag. Ich hoffe aber, dass damit Denkanstöße gegeben werden und Anregungen, selbst zu studieren. Mit mehr Zeit hätten wir uns heute noch eingehender mit Lehre und Bündnisse Abschnitt 124 beschäftigt. Fragen zu meiner Präsentation beantworte ich gern im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Pfahlbildungstag 2019 Freiberg – Freimaurer, Tempel und die Kirche des Herrn

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Zum Jahresausklang – ein Stück persönliche Geschichte

Die Idee für den letzten Post im Jahr 2018 kam mir heute früh. Ich lese zur Zeit unter anderem die Ansprachen der letzten Generalkonferenz von hinten nach vorn. Heute morgen war ich bei Elder Gerrit W. Gong gelandet. Er sprach über Erfahrungen, die er vor Jahren beim Aquarellieren mit Elder Richard G. Scott machen durfte. Die Begebenheit erinnerte mich an einige Wochen meines Lebens in den Jahren 1996 und 1997.

Irgendwann 1996 wurde anlässlich des 150. Jahrestages der Ankunft der Pioniere im Salzseetal, der 1997 begangen wurde, der 4. Kunstwettbewerb der Kirche ausgeschrieben. Thema waren Szenen aus der internationalen Geschichte der Kirche. Das hat mich so stark beschäftigt, dass ich beschloss, daran teilzunehmen. Es sollte ein großformatiges Ölgemälde werden, inspiriert von meinen Erfahrungen als Ostdeutscher und Thomas S. Monson´s Buch „Faith Rewarded“. Was dann folgte gehört zu den besonderen Erfahrungen, die mich sehr stark geprägt und meine Überzeugungen enorm gefestigt haben.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wo ich das Bild in unserer 70 qm Plattenbauwohnung, in der wir mit unseren drei Kindern lebten, gemalt habe. Irgendwie ging es.

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Zum Stichtag musste man ein Foto mit Kurzbeschreibung einschicken. Nach einigen Wochen kam Post aus Salt Lake City mit der Information, dass mein Bild eines von 150 Werken ist, die aus 600 Einsendungen für eine Ausstellung im Museum of Church History and Art in Salt Lake City ausgewählt wurden.
Ich habe das Bild rahmen lassen und ein Bruder aus der Gemeinde hat geholfen, eine Verpackung zu bauen.

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Im Januar oder Februar 1997 habe ich das Bild mit meinem Sohn Gordon ins Versandzentrum der Kirche in Friedrichsdorf gebracht. Den Tag vergesse ich nie – es gab Blitzeis und die Autofahrt war spannend. In Friedrichsdorf war es so glatt, dass wir uns kaum auf den Beinen halten konnten. 🙂

Kurze Zeit später erhielt ich eine Einladung an der Eröffnung der Ausstellung teilzunehmen. Eigentlich konnten wir uns das nicht leisten, aber irgendwie hat meine Frau Esther unseren ersten Trip nach Amerika organisiert.

Die Vernissage fand Anfang März 1997 in der Assembly Hall auf dem Tempel Square in Salt Lake City unter der Leitung eines Mitgliedes der Präsidentschaft der Siebziger statt – für uns eine Riesenerfahrung.

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Nach der Vernissage wurden wir ins Museum eingeladen, um die Ausstellung zu sehen, bevor sie für das Publikum geöffnet wurde. Wir waren begeistert von dem, was wir sehen durften.

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Zitat vom Poster oben: „For this exhibit contemporary artists worldwide have submitted a broad variety of artwork commemorating the early pioneers and expressing how the spirit of pioneering has been reflected in their own or other Church member’s lives.“

Das war auch mein Anliegen. Die Geschichte der Kirche hinter dem „Eisernen Vorhang“ hat mein Leben und das Leben vieler Menschen, die ich liebe, mit denen ich mich eng verbunden fühle und die mich immer beeindruckt haben, enorm beeinflusst. Als ich das Bild gemalt habe – meistens spät abends – hatte ich so starke Gefühle über unsere spezielle Identität innerhalb der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die besonderen Bedingungen unter denen wahre Pionierarbeit geleistet wurde.

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März 1997 in der Ausstellung in Salt Lake City

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Dezember 2018 in meiner Garage in Hohenstein-Ernstthal – auf der Suche nach einem Platz, wo ich es hinhängen kann.

Das Gemälde enthält sechs Themen:

Links oben: Die Schrecken des 2. Weltkrieges, ausgebombte Städte, Zerstörung, Leid und Tod, entwurzelte Menschen auf der Flucht – darunter auch viele Mitglieder der Kirche. Meine Schwiegermutter hat manchmal von der Festung Breslau und ihrer Vertreibung erzählt. Manche Dinge hat sie nie erzählt.

Oben in der Mitte: Der „eiserne Vorhang“ – die Mauer oder im damaligen Sprachgebrauch die „gesicherte Staatsgrenze der DDR“ – Symbol von Repression, eines der schlimmsten Bauwerke, die je geschaffen wurden. Ich bin ihr nie näher als ein paar hundert Meter Entfernung gekommen. Mein ältester Bruder musste dort Wache halten.

Oben rechts: Das Brandenburger Tor am 9. November 1989, dem Tag, an dem die Mauer fiel und sich alles änderte. Weltgeschichte. Meine Generation gehört zu den Gewinnern dieses Ereignisses. Ich war Mitte Zwanzig, hatte ein paar Monate vorher mein Studium abgeschlossen. Ich fühlte mich so befreit.

Unten links: Dieses Fabrikgebäude war bis Ende der achtziger Jahre die Heimat der Gemeinde Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) in der Schlossstraße. Weshalb habe ich das Gebäude dargestellt? Es war wichtig in meinem Leben. Ich habe dort Konferenzen erlebt, Jugendtagungen, einen großen Teil meiner religiösen Bildung erhalten. Ich habe dort meine ersten Jahre im Seminar verbracht und meinen Patriarchalischen Segen erhalten. Als Teenager habe ich dort viel Zeit verbracht, als ich in einer Kirchenband gespielt und wir dort an vielen Freitagen und Samstagen geprobt haben. Nachts haben wir Stühle zusammengeschoben und darauf geschlafen – heute undenkbar.

Unten rechts: Ein ganz besonderer Ort für Generationen ostdeutscher Heiliger der Letzten Tage – das Gemeindehaus in Dresden in der Dr.-Kurt-Fischer-Allee (heute Stauffenbergallee) – ein ehemaliges Offizierskasino. Bevor ich begonnen habe zu malen, bin ich extra noch einmal hingefahren, um meine Erinnerungen aufzufrischen.
Die Nachbarn waren die Stasi, die Transportpolizei, die sowjetische Armee und was weiß ich wer noch. Die Kirche war dort „wohlbehütet“. Wir fuhren immer dorthin, um an Missionskonferenzen teilzunehmen. Unvergesslich sind die Jugendtagungen jedes Jahr im Sommer und zahllose wichtige Erlebnisse (u.a. einige, die dazu führten, dass Esther und ich geheiratet haben :)), die vielen Begegnungen mit Thomas S. Monson, damals ein Apostel, der Besuch vom Präsidenten der Kirche Spencer W. Kimball im Jahr 1977. Ich habe als 16-jähriger Priester meine erste Taufe dort durchgeführt. Als ich 18 wurde, erhielt ich in den Gemeinderäumen das Melchisedekische Priestertum und wurde zu einem Ältesten ordiniert. Viele könnten sicher noch ganze Bände mit ihren Erlebnissen füllen.

Im Zentrum des Bildes: Das offene Haus des Freiberg Tempels im Juni 1985 mitten im real existierenden Sozialismus. Wenige Wochen nach der Weihung heiratete ich dort meine Frau und wir wurden für Zeit und Ewigkeit gesiegelt. Während des offenen Hauses und danach, halfen wir mit, die 90.000 Besucher zu betreuen, die stundenlang anstanden, um den Tempel zu sehen. Für mich war die Errichtung dieses Tempels in einem System, in dem Religion bekämpft wurde, ein wahres Wunder. Wir durften miterleben, wie der Herr seinen Anteil hinzufügt, nachdem viele Menschen starken Glauben ausgeübt und gelebt haben.

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Esther und ich im Besucherzentrum auf dem Tempel Square in Salt Lake City, März 1997

Heute würde ich alles etwas anders malen, etwas professioneller. aber das tut nichts zur Sache. Das Wichtigste war für mich die Auseinandersetzung mit dem Thema – die vielen Dinge, die ich über unsere Geschichte gelernt und was ich dabei gefühlt habe. Es waren intensive Erfahrungen, von denen ich mir wünschte, dass sie von denjenigen gemacht werden könnten, die in ihren Überzeugungen hin- und herschwanken.

Geschichte, besonders auch die Geschichte der Kirche erschließt sich nicht, in dem man ein paar Artikel im Internet liest und daraus voreilig Schlussfolgerungen zieht, die unter Umständen nicht nur die eigene, sondern auch die Biografien der folgenden Generationen verändern können. Geschichte muss man bewusst erleben und nacherleben. Man muss nicht nur die verschiedenen Quellen hinterfragen, sondern auch sich selbst – die eigenen Motivationen, Schwächen, Stärken, Ausflüchte, Rechtfertigungen und die Beweggründe der Menschen, deren Interpretationen man Glauben schenkt.
Man muss versuchen, sich in den historischen Kontext der Ereignisse und Personen zu vertiefen, mit denen man sich beschäftigt und dem Nacherleben so nahe wie möglich kommen. Außerdem muss man das große Bild im Auge behalten und der Versuchung widerstehen, sich vom Phänomen des (wie ich es nenne) „out-of-context-quote-pickings“ täuschen zu lassen. (Auf gut Deutsch: Der Kontext ist egal, Hauptsache ein Zitat bestätigt meine vorgefasste Meinung.) Diese Art, Ereignisse und Personen zu beurteilen, ist eine große Unsitte unserer Zeit geworden.

Die intensive und sorgfältige Beschäftigung mit unserer Geschichte führt nicht nur dazu, aus ihr zu lernen, was sicherlich sehr gut ist. Sie führt auch dazu, dass man erkennt, welche Entwicklungsprozesse historische Personen in ihrem jeweiligen Umfeld und den herrschenden gesellschaftlichen Umständen durchmachen mussten. Wir würden diese Sorgfalt genauso von Menschen erwarten, die unser Vermächtnis in der Zukunft bewerten mögen.

Am Ende des Jahres möchte ich allen Lesern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2019 wünschen, viel Erfolg, Beständigkeit im Glauben, Prinzipientreue, Optimismus trotz aller Herausforderungen und vor allem den Segen Gottes.

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Ein neues Projekt für 2019 🙂

Gedanken zu Weihnachten

In der Adventszeit waren wir aufgefordert der Welt ein Licht zu sein, siehe https://www.mormon.org/christmas/deu.
Manche haben gefragt: Wie kann man der Welt ein Licht sein? Ist das nicht etwas vermessen? Ist es nicht, wenn man die Bedeutung des Anliegens versteht. Wir haben es versucht und die Erfahrung gemacht, dass sich im Alltag viele, viele Gelegenheiten ergeben, mehr Licht und Freude in das Leben anderer Menschen zu bringen. Wir haben dabei ein größeres Maß an Zufriedenheit und Glück verspürt.

Kann man es sich heute, in einer wettbewerbsorientierten Welt, überhaupt noch leisten, anderen selbstlos beizustehen, die Ellenbogen einzufahren und zu dienen? Ja, man kann und man sollte.
Ich-Bezogenheit oder drastischer ausgedrückt, Egoismus, gehören zu den Hauptkrankheiten unserer Epoche, die zu vielen weiteren Auswüchsen und Krankheiten in der Gesellschaft und damit zu Streit, Leid, Vereinsamung und Gleichgültigkeit führen. Exzessive Ich-Bezogenheit und die überwiegende Fokusierung auf eigene Bedürfnisse bewirken Konsensunfähigkeit und machen den Einzelnen und die Gesellschaft nicht glücklicher. Viele Menschen wollen oft nur noch Beiträge zu ihren eigenen Bedingungen leisten.  Diese Haltung ist ein gesellschaftlicher Trend geworden und hält leider auch Einzug in unsere Gemeinden. Es ist aber dem, was wir glauben und was wir in der Kirche erreichen wollen, diametral entgegengesetzt.

Elder Uchtdorf vom Rat der Zwölf Apostel hat zur letzten Generalkonferenz folgendes gesagt:

„Kommen Sie, helfen Sie uns, eine Kultur aufzubauen und zu stärken, in der alle Kinder Gottes Heilung, Güte und Barmherzigkeit erfahren. Denn wir alle sind bestrebt, „eine neue Schöpfung“ zu werden, in der „das Alte“ vergangen und „Neues“ geworden ist.  Der Erretter zeigt uns, in welche Richtung wir uns bewegen sollen: vorwärts und aufwärts. Er sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Arbeiten wir doch alle gemeinsam daran, die Art Mensch zu werden, die wir nach Gottes Absicht werden sollen!

Das ist die Art Evangeliumskultur, die wir in der gesamten Kirche Jesu Christi pflegen möchten. Wir wollen die Kirche als einen Ort stärken, wo wir einander vergeben. Wo wir der Versuchung widerstehen, Fehler zu finden, zu tratschen und andere herabzusetzen. Wo wir aufrichten, anstatt Schwachstellen aufzuzeigen, und einander helfen, das Beste zu werden, was aus uns werden kann.

Ich lade Sie nochmals ein: Kommen Sie und sehen Sie. Schließen Sie sich uns an. Wir brauchen Sie.“

Esther und ich haben vor kurzem auf unserer Reise durch das Buch Mormon die Stellen im Buch Mormon gelesen, die in diesem kleinen Video beschrieben werden.

Diese Begebenheit und die nachfolgende Geschichte (siehe Helaman Kapitel 13 bis 3. Nephi Kapitel 9) berichten von einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, die ihre Probleme nicht mehr dauerhaft und nachhaltig lösen wollte und am Ende auch nicht mehr konnte. Aus der Lektüre können wir sehr viel lernen.

Zu Weihnachten wünsche ich uns allen, dass wir Jesus Christus als Geschenk annehmen und eine besonders große Portion der Bergpredigt (siehe Neues Testament, Matthäus Kapitel 5-7 oder im Buch Mormon, 3. Nephi Kapitel 12 bis 14) auf unserem Gabentisch zulassen.

Sind diese Werte heute noch haltbar? Selbstverständlich. Sie sind elementar wichtig und sollten ständig wiederholt werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie von vielen als unpopulär oder zu anstrengend empfunden werden. Nachhaltigkeit ist immer anstrengender als der Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegensatz zum Minderwertigen, das sich mit großem Erfolg laut plärrend im 24/7 Modus anbiedert, setzt sich Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens nicht von selbst durch. Man muss sie suchen, sich kümmern, seinen Geist und die Sinne arbeiten lassen und sich verändern. Das ist das große Anliegen der Lehren von Jesus Christus.

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Unsere kleine Lichterwelt zu Hause 🙂

Esther und ich hatten dieses Jahr den Auftrag, die Weihnachtsfeier in unserer Gemeinde zu gestalten. Wir waren uns einig, dass wir den Besuchern etwas geben wollen, dass viele in der Weihnachtszeit paradoxerweise vermissen – Ruhe, Besinnlichkeit, Gemütlichkeit, Freude an einfachen, unspektakulären Dingen, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt, Geschichtenerzählen, Weihnachtsliedersingen und Dankbarkeit für die Geburt des Sohnes Gottes, Jesus Christus.
Esther hat es wunderbar vorbereitet und mich mächtig mit eingespannt. Es hat Freude gemacht.
Nach 15 Jahren, habe ich die Wasserfarben wieder herausgeholt und in der Kürze der Zeit einige Abende damit verbracht, ein paar großformatige Dekorationen zu klecksen. Esther wollte, dass es heimelig wirkt und so habe ich mir ein paar Vorlagen gesucht, die rein künstlerisch nicht meine Sache wären, aber den Zweck voll erfüllt haben. Das Malen empfand ich als sehr entspannend. Es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, als ich noch Pfahlpräsident war. 🙂

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Der Bischof unserer Gemeinde hatte mich vor ein paar Wochen gebeten, für den gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst am 23.12. einen gemeinsamen Chor der Gemeinden Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz zu bilden – etwas, das ich noch nie in meinem ganzen Leben gemacht habe. Ich hatte damit gerechnet, dass wir 10-12 Sängerinnen und Sänger mobilisieren könnten, da in der Vorweihnachtszeit jeder sehr beschäftigt ist. Zu meiner großen Freude waren wir mehr als 25 und, was ich besonders gut fand – im Prinzip alle haben den Wunsch geäußert, wieder regelmäßig zu singen. Das Weihnachtslied klang sehr schön und mir taten die Arme weh. 🙂
Geistliche Musik ist eine großartige Medizin zur Heilung der Seele.

Am vierten Adventssamstag haben wir unseren traditionellen Trip ins Weihnachtsdorf Seiffen gemacht. Das Wetter war wirklich nicht schön – die meiste Zeit kalter Regen. Dennoch hatten wir eine sehr schöne Zeit, die uns auf die Weihnachtstage eingestimmt hat.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest.

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Besuch in Seiffen

Pfahlball Leipzig 2018

Letzten Samstag fand unser jährlicher Pfahlball wieder in der Stadthalle Wilkau-Hasslau statt. Ein herzliches Dankeschön wiederum an alle, die am Gelingen dieser Veranstaltung beteiligt waren und ihre Zeit dafür geopfert haben. Ich denke, alle Gäste werden sich meiner Meinung anschließen. Es war ein schöner und entspannter Abend. Wir hatten eine gute Zeit, und es war schön, viele nette Menschen und Freunde zu treffen und sich gut zu unterhalten.

Die Live-Band des Abends, The Band of Brothers, aus den Gemeinden Zwickau und Werdau war wieder super, sowie auch alle anderen unserer musikalischen Talente. Ganz toll – Sissi, Annika, Ian.

Die Band hatte mich gefragt, ob ich einen Song mitspielen möchte. Also habe ich nach langer Zeit mal wieder meine Gitarre und Mundi rausgeholt. Es ging ganz gut, obwohl wir vorher nicht zusammen üben konnten. Es hat aber riesigen Spaß gemacht.

Wir freuen uns bereits auf den Pfahlball 2019.

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Einen kleinen Kritikpunkt muss ich aber erwähnen. Wenn man sich für so eine Veranstaltung als Teilnehmer anmeldet, wo alles von Ehrenamtlichen gestemmt wird und sich herausstellt, dass man verhindert ist (was ja passieren kann), gebietet es eigentlich der Anstand, den Veranstalter so bald wie möglich zu informieren. Das trifft insbesondere auch dann zu, wenn man, wie in unserem Fall, vorher keine Zahlung zu leisten hat und es dann sogar lediglich eine Kasse des Vertrauens gibt, in die jeder nach seinen Möglichkeiten einzahlt. Ich denke, jeder der damit ein Problem hat, sei es aus Gedankenlosigkeit oder irgendeinem anderen Grund, sollte sich mal in die Lage derer versetzen, die mit einem Budget umgehen und planen müssen.

 

 

9 Jahre (years) – 20. September 2009 bis 28. Oktober 2018 – eine Danksagung (a thank you note)

Some people have pushed me to add an English translation to the text below. Here is the updated post. Nevertheless, I think the German original expresses my feelings better. 🙂

Vergangenen Sonntag wurde ich zu unserer Herbst-Pfahlkonferenz in Leipzig und Böhlen nach neun Jahren und einem Monat Dienst als Präsident des Pfahles (Kirchenbezirkes) Leipzig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zusammen mit meinen Ratgebern Björn Bauerfeind und Mark Schütze entlassen.

After nine years and a month of service as President of the Leipzig Germany Stake of The Church of Jesus Christ of Latter Day Saints, my counselors Björn Bauerfeind, Mark Schütze and I were released at our October stake conference in Leipzig and Böhlen last week.

Eine neue Pfahlpräsidentschaft, die meine volle Unterstützung haben wird, wurde berufen, mit Frank Jakobi als Pfahlpräsident, Gunter Jentzsch als 1. Ratgeber und Attila Heller als 2. Ratgeber. Mit allen drei Brüdern sowie ihren Familien fühle ich mich sehr eng und herzlich verbunden. Zwei von ihnen durfte ich in der Vergangenheit als Bischöfe berufen und Präsident Jakobi als Hohen Rat und Ältestenkollegiumspräsident. Am Freitag und Samstag hatte ich das Vorrecht, unseren Gebietspräsidenten Europa, Elder Paul V. Johnson und unseren Gebietssiebziger, Elder Michael Cziesla, die von der Ersten Präsidentschaft der Kirche den Auftrag erhalten hatten, mit der Hilfe Gottes eine neue Pfahlpräsidentschaft zu berufen, auf unterschiedliche Weise dabei zu unterstützen. Es war für mich eine einzigartige und überwältigende Erfahrung. Ich habe eindrucksvolle Bestätigungen durch den Heiligen Geist erhalten, dass die beiden Brüder, den Willen des Herrn gesucht und gefunden haben. Am Sonntag wurden die Mitglieder des Pfahles aufgefordert, für sich diese Bestätigung zu suchen.
Ich bin dankbar für die Art und Weise, wie Berufungen in der Kirche ausgesprochen werden und wünschte, dass jeder einmal so direkten Anteil an diesem Prozess haben könnte. Herzlichen Dank an Elder Johnson und Elder Cziesla für die wundervolle und einfühlsame Art, mit der ihr euren Auftrag erfüllt habt.

A new Stake Presidency was set apart with Frank Jakobi as Stake President, Gunter Jentzsch as first counselor and Attila Heller as second counselor. I feel very close with these brethren and their families. They will have my full support. I had the honor to set apart two of them bishops and one as high councilor and elders quorum president in the past. During the conference, I had the opportunity to assist Elder Paul V. Johnson, President of the Europe Area of the Church and Elder Michael Cziesla, our Area Seventy, who had the assignment from the First Presidency to seek revelation from the Lord, find and call a new stake presidency. It was an unique and overwhelming experience for me. I received a clear confirmation by the Holy Spirit that the two Brethren did exactly this. The members of the stake were encouraged in the Sunday session of the conference to seek the same confirmation.
I´m grateful for the way the Lord calls His servants. I wish everyone could have the opportunity to participate so closely in this process and receive this testimony. Thank you, Elder Johnson and Elder Cziesla for fulfilling your task in this wonderful and empathic way.

Frank, Gunter und Attila, ihr werdet eine großartige Pfahlpräsidentschaft sein.

Frank, Gunter and Attila, you will be a great stake presidency.

Ich möchte diesen Post nutzen, um verschiedenen Menschen, die mich in meiner Berufung in den letzten neun Jahren begleitet und unterstützt haben, herzlich zu danken.

I would like to use this post to thank some special people who worked with and supported me in the last nine years.

Beginnen möchte ich mit meinen beiden Ratgebern, diesen beiden hervorragenden Männern, die mir so treue Gefährten waren. Lieber Szame, lieber Mark, es war mir eine unbeschreiblich große Ehre, mit euch gemeinsam zu dienen, zu beten, zu beraten, zu fühlen, zu weinen, zu lachen und unzählige große und kleine Entscheidungen zu treffen. Wir sind zu einer Form der Einigkeit zusammengewachsen, die ich vorher weder in der Kirche noch im Arbeitsumfeld so intensiv erlebt habe und von der ich wünschte, dass sie überall in der Kirche Einzug halten würde. Nicht alle unsere Entscheidungen waren richtig, aber der weitaus größte Teil war es. Wir haben so oft den machtvollen Einfluss des Heiligen Geistes verspürt – egal, ob es um Berufungen ging oder Inhalte für Konferenzen, Bauprojekte, die Jugend, Seelsorge und Hilfe für einzelne Menschen oder so große Dinge, wie die Reintegration des Distriktes Erfurt in den Pfahl Leipzig.
Durch meinen Beruf konnten wir uns nicht so oft sehen und mussten einen großen Teil der Kommunikation online oder per Telefon durchführen, je nachdem wo ich mich gerade in der Welt aufgehalten habe. Danke für euer Verständnis während der Zeit wo ich mehr als vier Millionen Kilometer während der neun Jahre für meinen Arbeitgeber gereist bin. Ihr habt das wunderbar kompensiert. Wir sind enge Freunde geworden und könnten zu jeder Zeit und unter allen Umständen gemeinsam Dinge bewegen. Herzlichen Dank auch euren Ehefrauen und Familien für ihr Verständnis und die so wichtige Unterstützung, ohne die alles so nicht möglich gewesen wäre.

I would like to start with my two counselors, these two outstanding men and true companions. Dear Szame and Mark, it was a great honor for me, among many other things, to serve, to pray, to hold counsel, to feel, to wheep and to laugh together with you and make countless important decisions. We have grown together to a level of unity I haven´t experienced before – neither in the Church nor in business. Not all of our decision were correct but by far most of them were right. We have felt powerful promptings of the Holy Ghost very often – no matter if we pondered about callings, topics for conferences, building projects, the youth, ministering the members of the stake or such big things like the reintegration of the Erfurt district into the Leipzig stake.
Due to my job, we could not see each other so often and had to communicate online or by phone depending were I have been traveling in the world. I´m grateful for your understanding in a time I had to travel more than 2.5 million miles for my company. You compensated this in a wonderful way. We have become dear friends and could move things forward at all times and under all circumstances. A great thanks to your families. Many things wouldn´t have been possible without there understanding and support.

Hier sind einige Bilder und Meilensteine 🙂
Here are a few photos and milestones 🙂

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20. September 2009, kurz nach unserer Einsetzung. So richtig entspannt sahen wir nicht aus. Waren wir auch nicht. 🙂 Sep 20th, 2009, shortly after we had been set apart. Didn´t look very relaxed and actually were not. 🙂

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Das Nachher-Bild, 28.10.2018, nach unserer Entlassung. Deutlich entspannter. 🙂 Ich finde, wir haben uns optisch ganz gut gehalten. 🙂 The „After“ photo, Oct. 28th, 2018. Clearly more relaxed. I think we kept in a pretty good shape. 🙂

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Unsere erste Sitzung im rekonstruierten Pfahlzentrum in Leipzig dieses Jahr. Wie immer voll in Action. 🙂 First meeting in the stake center after the reconstruction in 2018.

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Das Bild muss noch einmal sein (Wochenende mit unseren Jugendlichen im Eichsfeld, 2017), da es am Sonntag während der Konferenz erwähnt wurde. 🙂

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Eine unserer denkwürdigsten Sitzungen. Wo waren wir da eigentlich? Ich glaube mit unseren Jugendlichen in der Böhmischen Schweiz. One of our remarkable meetings on a trip with our youth to Bohemian Switzerland.

Genauso herzlich bedanken möchte ich mich bei unseren Sekretären Maik Kalmring und Kenneth Böhm. Ihr wart fantastisch und werdet der neuen Pfahlpräsidentschaft wirkungsvoll zu einem guten Start verhelfen. Maik, der Aufträge schon lange erledigt hat, bevor man sie überhaupt geben kann. Kenneth, der so gut geholfen hat, uns zu organisieren und zu strukturieren. Eure Gedanken waren immer wertvoll und haben uns bei schwierigen Entscheidungen enorm unterstützt.

I would also like to thank our stake clerk Maik Kalmring and executive secretary Kenneth Böhm. You were awesome and will be a great support for the new stake presidency. Maik, who had jobs already done before we could give them to him, Kenneth, who was so great in helping us to get organized and structured. Your thoughts were always valuable and a great support in our decision making.

Ich danke auch unseren früheren Sekretären: Wolfgang Geiler für die großartigen Reports von den Pfahlkonferenzen und der Pfahlgeschichte und unseren früheren Sekretären bzw. Führungssekretären Marco Engelhardt, Michael Tilgner und Lars Heinz für ihren gleichermaßen wertvollen Dienst.

Likewise many thanks to our former clerks and secretaries: Wolfgang Geiler for the wonderful reports from stake conferences and the stake history as well as to Marco Engelhardt, Michael Tilgner and Lars Heinz for their great service.

Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Männer und Frauen, die mit uns auf Pfahl- und Gemeindeebene in Räten zusammengearbeitet haben. Ich kann hier nicht alle Namen aller Hohen Räte, Bischöfe und Zweigpräsidenten, Pfahl-Leitungen der Frauenhilfsorganisation, der Jungen Damen und Jungen Männer und der Primarvereinigung, den Verantwortlichen für Musik und zahlloser anderer Dinge nennen. Es war uns eine große Ehre, mit euch gemeinsam den Mitgliedern des Pfahles zu dienen. Herzlichen Dank.

Not to forget the countless women and men who worked with us on stake and ward level. I can´t list all the names of high councilors, bishops, branch presidents, and stake auxillary leaders here. It was a great honor to serve together with you. Thank you very much.

Das nächste Bild ist mir sehr wichtig. Wir haben es am Sonntag nach dem Konferenzgottesdienst aufgenommen. Links von mir stehen meine drei Vorgänger, wunderbare Vorbilder und Mentoren: (v.l.n.r,) Manfred Schütze (Pfahlpräsident von 1984 – 1991), Siegfried Schmidt (1991 – 2000) und Christian Fischer (2000 – 2009). Rechts neben mir steht mein Nachfolger Frank Jakobi. Alles Gute und Gottes Segen für dich, lieber Frank. Dasselbe natürlich auch für euch – Manfred, Siegfried und Christian.

The next picture is important to me. We took it last Sunday after the conference. On my left are my 3 predecessors, outstanding examples and mentors: (from left to right) Manfred Schütze (stake president 1984 – 1991), Siegfried Schmidt (1991 – 2000), Christian Fischer (2000 – 2009). On my right is my successor Frank Jakobi. All the best and the Lord´s blessing for you, dear Frank. Of course, the same for you – Manfred, Siegfried and Christian.

Als ich letzten Freitagabend nach den ersten Meetings mit Elder Johnson und Elder Cziesla nach Hause gefahren bin, fingen die neun Jahre an, wie ein Film vor mir abzulaufen. Ich musste an die Tausende von Gesprächen denken, die ich geführt und die Gefühle, die ich verspürt habe. Es war ein sehr emotionaler Moment. Am Sonntagmorgen um 5 Uhr bin ich aufgewacht und hatte in meiner Gefühlswelt meine heilige Abschiedsstunde von dieser Berufung. Ich kann es nicht in Worte fassen und muss es auch nicht. Es war etwas besonderes und sehr persönliches.

When I drove home from Leipzig after first meetings with Elder Johnson and Elder Cziesla Friday night, the nine years ran like a movie in front of my eyes. I thought about the Thousands of interviews, talks, and emotions I had felt. It was a very moving moment. Sunday morning 5am, I woke up and had in my feelings a sacred farewell hour from my calling. I can´t put it in words and don´t have to. It was very special and personal.

Ich wurde gefragt, welche Erfahrung aus diesen neun Jahren für mich die wichtigste ist. Neben vielen wichtigen und glaubensstärkenden Erfahrungen, die mich näher zu Christus geführt haben, gibt es eine Sache, die mit mir passiert ist, die mir vor neun Jahren nicht bewusst war. Ich habe gelernt, die Menschen, für die ich verantwortlich war, vorbehaltlos zu lieben. Kein erzeugtes, künstliches Gefühl, sondern tief von innen heraus als ein Bedürfnis, nicht nur zu denen, die mir freundlich gesinnt sind, sondern auch für diejenigen, zu denen ich vorher nie eine innere Beziehung hatte. Das ist mir viel wert, und ich bin dem Herrn dankbar, dass er mich dies verstehen ließ, denn Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, wie es in Moroni 7 im Buch Mormon heißt.

I was asked for the most significant learning in these 9 years. I had many important and faith building experiences that brought me closer to Christ. But one thing happened to me I was not even conscious of 9 years ago. I have learned to deeply love the many people I had responsibility for – not an artificial feeling. It has grown from deep within as a desire, not only for those who have been friendly to me but also to those I never felt any inner relationship before. I´m grateful to the Lord for granting me this blessing for charity is the pure love of Christ as it is described in Moroni 7 in the Book of Mormon.

Ich hoffe, das hilft allen, die damit zu kämpfen haben, schlechte Gefühle und Ressentiments gegenüber anderen zu besiegen. Es ist möglich, aber es passiert nicht automatisch. Man muss viel dafür tun und oft über den eigenen Schatten springen.

I hope this could help those who struggle with negative feelings towards others. It is possible to overcome them but not automatically. It requires significant efforts.

Nun eine weitere wichtige Sache. Herzlichen Dank für die vielen, vielen Danksagungen, Liebesbekundungen, Umarmungen, Briefe, Emails und Textnachrichten als Anerkennung für unsere Arbeit. Meine Ratgeber und ich hatten damit nicht gerechnet und waren vollkommen überwältigt, oder wie es Mark ausgedrückt hat – geflasht. Ich kann nicht jedem angemessen antworten, aber ihr sollt alle wissen, wie dankbar wir dafür sind. Wir haben gestern darüber gescherzt. Vielleicht hätten wir viel mehr öde Schulungen an Samstagen veranstalten sollen und dann wären alle froh gewesen, dass wir endlich entlassen werden. 🙂

Now, an important thing. I´m so grateful for the many, many notes of thanks, expressions of love, hugs, letters, emails, texts etc. as appreciation for our service. My counselors and I didn´t expect this. It was overwhelming. I´m unable to answer everyone properly but you all should know how grateful we are. We made some jokes the other day – maybe we should have scheduled many more boring meetings on Saturday and everyone would have been happy to get rid of us.  🙂

Ein besonderes Anliegen war es uns, mit der Jugend zu arbeiten. Eine großartige Aufgabe. Wir sind stolz auf unsere Jugendlichen. Sie haben sich, stellvertretend für die vielen anderen, für die wir während der neun Jahre versucht haben, da zu sein, mit einem Abschiedsgeschenk revanchiert.

It was a heartfelt thing for us to work with our youth. A great task. We´re so proud of them. They thanked us with a special gift – on behalf of the many young people we tried to care for during our 9 years.

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Ein schönes Andenken von unseren Jugendlichen. Toll. Vielen Dank.

Zum Schluss kommt das wichtigste von allem – der Dank, den ich meiner lieben Ehefrau und ewigen Gefährtin Esther schulde. Ohne das Ja meiner Frau und ihre Unterstützung wäre ich nicht berufen worden und hätte diese Berufung niemals ausüben können. Als Pfahlpräsident habe ich jede Woche 20 bis 30 Stunden Zeit für diese Berufung benötigt, zusätzlich zu einem sehr anspruchsvollen Job als Vorstand und führender Manager in einem an der Börse notierten Unternehmen, durch den ich mehr als die Hälfte jeden Jahres in aller Welt unterwegs war. Als ich berufen wurde, wusste ich nicht, wie das überhaupt gehen kann. Dass es funktioniert hat, war eines Teils ein Wunder (mir ist im Laufe der Zeit klar geworden, worin die Erfüllung des Segens, den ich von Elder Erich Kopischke zu meiner Einsetzung erhielt, bestand) und zum größten Teil Esthers Verdienst. Sie war für mich Rückhalt, Beraterin, Kritikerin, Trösterin, Fürsorgerin, Motivatorin, Ideengeberin, Mutmacherin und vieles mehr. Sie hat auf vieles verzichtet, um mir den Rücken freizuhalten und Verständnis gehabt, wenn ich mich mit zahllosen Problemen beschäftigen musste oder für die Kirche unterwegs war. Sie ist eine starke Frau, in vielen Dingen stärker als ich. Ihre Ansprache am Sonntag war einer der Höhepunkte der Konferenz. Wie dankbar ich für sie bin. Ich liebe dich von ganzem Herzen, Esther.

Finally, the most important thing of all. I want to thank my dear wife and eternal companion Esther. I wouldn´t have been called with her approval and couldn´t have fulfilled this calling. As a stake president I needed 20 to 30 hours every week in parallel to a demanding job as a board member and top manager of a stock listed company with extensive traveling on 200 or more days per year. I didn´t know how this could possibly work when I was called. That it worked was on one hand a miracle and the fulfillment of a blessing I received from Elder Erich Kopischke who set me apart, but to the larger part it was Esther who supported me, gave counsel, criticized in a positive way, comforted me, took care of me, motivated, expressed great ideas and thoughts, encouraged me and did many more things for me. She had to forgo a lot of things to keep my back free, and very often had to wait for me when I had to deal with problems or was traveling. She is a very strong woman, in many things stronger than me. Her talk at the Sunday session was an absolute highlight of the conference. How grateful I am for her. I love you with all my heart, Esther.

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Zur Herbst-Generalkonferenz 2018 in Salt Lake City

Ich habe mich sehr gefreut, dass wir an diesem besonderen Sonntag als Familie zusammen sein konnten. Es hat mir sehr viel bedeutet. Sie alle sind mein Leben und darin das Wertvollste.
Ihr seid in den letzten Jahren nicht zu kurz gekommen, aber doch kürzer als ich selbst gewollt habe. Ich hoffe, ich konnte euch einige wichtige Dinge vorleben und hoffe darauf, dass es etwas mehr Zeit zusammen geben wird.

I was very happy that the whole gathered on this special Sunday. It meant a lot to me. They´re all my life and most precious for me.
I tried to be there for you the last years but it wasn´t always easy to balance everything. I hope I have given you a good example and that we can spend more time together in the future.

Ich freue mich darauf, am Sonntag in meiner Heimatgemeinde in der Abendmahlsversammlung neben meiner Frau und den Enkelinnen zu sitzen.

I´m looking forward to sit next to my wife and granddaughters in sacrament meeting in my home ward next Sunday.

P.S. Vor neun Jahren habe ich zur Pfahlkonferenz von meinem Vater gesprochen, der den größten Teil meiner Kindheit und Jugend schwer an einer durch den Uranbergbau verursachten Lungenkrankheit litt und früh verstorben ist. Ich erzählte von einem Moment, zehn Jahre nach seinem Tod, in dem ich begriff, was er für mich und seine gesamte Familie getan hat. Die Erkenntnis kam 540 Meter unter der Erdoberfläche in einem Uranbergwerk in der Nähe von Aue, in einem Stollen, in dem man unserer Gruppe die Arbeitsbedingungen der Bergleute demonstrierte. In diesem Moment, in Dunkelheit, ohrenbetäubenden Lärm, Staub, Hitze und Radioaktivität, spürte ich wie eine Dankbarkeit für seine Lebensleistung in mir wuchs, die mich bis heute nie wieder verlassen hat. Dankbarkeit für seine Arbeit, seinen Willen, sein Leben grundlegend zu ändern, ein Mitglied der Kirche zu werden und trotz schwerer Krankheit bis kurz vor seinem Tod für uns zu arbeiten.
Ich führe im Geist oft Gespräche mit ihm oder für ihn. Wenn ich mich schwach oder müde fühle, denke ich an seine erstaunliche Willenskraft.

P.S. 9 years ago, I spoke at the stake conference about my father who suffered from a terminal lunge disease during my childhood and youth caused by his work in an uranium mine after World War 2. He died early. I spoke about a life changing experience about 10 years after his death. It happend 540 meters below the surface in an uranium mine near Aue, Germany, in a tunnel where our group was demonstrated the working conditions of the miners. In this moment, in the midst of deafening noise, dust, heat, and radioactivity, I felt a gratitude for his work and sufferings growing within me that has continued until today. Gratitude for his achievements, his willpower and ability to change his life to become a member of the Church and to work for his family almost until his death.
I have frequent conversations with him and for him in my soul. I remember his amazing power when I feel weak or tired.

Am vergangenen Samstag habe ich in der Konferenzversammlung über meine Mutter gesprochen, die wir am Montag letzter Woche beerdigt haben. Sie starb im Alter von 93 Jahren, nach 85 Jahren treuer Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Eine einfache Frau mit einer besonderen Lebensleistung. Weder die Nazis, noch die Not nach dem Krieg, noch die Kommunisten, noch die Verirrungen des heutigen Zeitgeistes konnten sie von ihrem Glauben abbringen. Sie war mir ein Vorbild an Selbstlosigkeit, Hingabe, Leidensfähigkeit, Beständigkeit und ihrem Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi.

Last Saturday I spoke about my mother who passed away recently. We attended her funeral last week. She was 93 years old, and 85 years a member of The Church of Jesus Christ of Latter Day Saints. An ordinary woman with a great legacy. Neither the Nazis, nor the hardships after the war, nor the communists, nor the modern mainstream could weaken her faith. She was a great example for me in selflessness, devotion, endurance, firmness and her testimony of the restored gospel of Jesus Christ.

Ich bin dankbar, wie Nephi sagen zu können, dass ich von guten Eltern abstamme.

I´m grateful that I can say like Nephi that I have been born of goodly parents.

P.P.S. Der Report von der Frühjahrs-Pfahlkonferenz zum Download:

2018-03 Pfahlkonferenzreport Frühjahr 2018