Report von der Herbst-Pfahlkonferenz Leipzig

Ich bin von vielen nach dem Manuskript meiner Rede am Sonntag der letzten Pfahlkonferenz am 2. November 2014 gefragt worden. Ich schreibe meine Reden normalerweise nicht auf und verwende nur Stichworte. Bruder Wolfgang Geiler aus der Gemeinde Köthen hat aber wieder in bewährter Weise Transkripte aller Ansprachen angefertigt, die wir in wenigen Tagen auf http://www.pfahl-leipzig.de stellen werden.
Hier also das Transkript meiner Rede vorab. Vielen Dank, Bruder Geiler.

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Der Präsident des Pfahles Leipzig, Präsident Thomas Hengst, wendet sich als Schlusssprecher der Konferenz an die anwesenden Schwestern, Brüder und Gäste.

Zunächst dankt er allen an dieser Versammlung Beteiligten, den Betreibern und Mitarbeitern des Kulturhauses Böhlen, dem Pfahlorchester und seinem Leiter Bruder Ralf Jähnert, dem Pfahlchor unter der Leitung von Bruder Frank Heidler und der Begleitung von Schwester Camilla Heinz, Schwester Sabine Tilgner für den Blumenschmuck, Bruder Andreas Ortlieb für die Begleitung der Lieder, Bruder Thomas Goliasch für die Gesangsleitung, den Kindern der Primarvereinigung und deren Gesangsleiterin Schwester Petra Pabst sowie Bruder Andreas Ortlieb für die Begleitung der PV-Kinder, dem Ordnungsdienst und allen anderen nichtgenannten Helfern.

Präsident Thomas Hengst verweist auf den roten Faden, der sich durch alle Ansprachen gezogen hat: „Der einzelne Mensch“. Das hat damit zu tun, dass wir unwesentliche Dinge mit Entschlossenheit aus unserem Leben verbannen und uns auf das konzentrieren, was wirklich elementar wichtig ist.

Er zitiert Alma 34:15: „Und so bringt er die Errettung all denen, die an seinen Namen glauben; und das ist der Zweck dieses letzten Opfers, jenes herzliche Erbarmen zuwege zu bringen, das die Gerechtigkeit überwältigt und für den Menschen Mittel zuwege bringt, damit er Glauben zur Umkehr haben kann.“ und fordert uns auf: „Bei allem, was ich jetzt sagen werde: Behalten Sie diese Schriftstelle im Sinn!“

Jesus Christus hat dieses herzliche Erbarmen zuwege gebracht.

Wir wollen mehr vom Charakter Christi kennenlernen, wollen mehr daraus lernen.

Präsident Hengst kündigt an, dass er einige wichtige Punkte ansprechen wird, die unangenehm sind für den einen oder anderen von uns. Aber sie müssen angesprochen werden im Hinblick auf das Wesentliche.

Die gesellschaftliche Entwicklung macht Sorgen. In dieser Zeit werden Menschen radikalisiert, wird die Definition von Ehe und Familie und Rechtschaffenheit zum Negativen hin verändert. Aber es geht um viel mehr! Es geht darum, wie sich jeder Einzelne von uns gegen die Versuchungen und Angriffe des Widersachers schützen kann! Das sind Angriffe auf unsere ewige Existenz!

Viele Mitglieder ziehen sich zurück aus den Versammlungen und Zusammenkünften, die den Zweck haben, uns zu stärken. Viele ziehen es vor, sich während der Versammlungen im Foyer aufzuhalten. An den Versammlungen der Frauenhilfsvereinigung und der Kollegien nehmen weniger Mitglieder teil. Auch bei den Pfahlkonferenzen ist das zu spüren.

Präsident Thomas Hengst will helfen, die Prioritäten etwas zurecht zu rücken und weist auf eine Aussage des letzten Präsidenten des Freiberg-Tempels, Präsident Ernst Husz, hin: „Wenn Sie wollen, dass Sie erfolgreicher in Ihrem Leben sind, dann kommen Sie in dem Maße, wie Sie das möchten, zum Tempel!“ – Wir haben die Verheißung des Herrn, dass, wenn wir das Evangelium in eine hervorragende Position in unserem Leben bringen, sich die Probleme in unserem Leben in leichterem Maße lösen lassen.

Er spricht dazu 4 Schwerpunkte an,

  1. Rücken wir die Prioritäten zurecht, bringen wir das Evangelium an die richtige Stelle!

Auf der Internetseite der Kirche „Komm und folge mir nach“ (https://www.lds.org/youth/learn?lang=deu) ist ein Programm für die Jugendlichen zusammengefasst, das uns helfen soll, wie wir heute leben wollen.

Elder David A. Bednar sagte dazu: Wir haben es mit den Jugendlichen angefangen, denn die Erwachsenen tun sich damit schwerer – deshalb sollen wir den Begriff „Jugendliche“ auf uns alle beziehen.

Der Zweck dieses Programm ist folgendermaßen wiedergegeben: „Die Erste Präsidentschaft hat erklärt, dass Ihr Ziel als Lehrer von Jugendlichen darin besteht, ihnen zu helfen, sich zum Evangelium Jesu Christi zu bekehren. Den Weg, der zur Bekehrung führt, muss jeder selbst beschreiten. Bekehrung vollzieht sich nicht allein in einer Versammlung, im Unterricht oder in einer Aktivität. Letztlich bekehren sich die Jugendlichen, indem sie jeden Tag eifrig das Evangelium leben – also beten, die heiligen Schriften studieren, die Gebote halten, ihre Priestertumspflichten und andere Aufgaben erfüllen, in den Tempel gehen, ihrer Familie und anderen Menschen dienen und anderen vom Evangelium erzählen. Dadurch bringen sie ihre Wünsche, ihre Einstellung und ihre Taten mehr und mehr mit dem Willen des himmlischen Vaters in Einklang. Sie werden glücklich und zuversichtlich und handeln lieber „für sich selbst [statt] auf sich einwirken [zu] lassen“ (2 Nephi 2:26). Sie bemühen sich, die Eingebungen des Heiligen Geistes zu beachten, Versuchung zu widerstehen und viel Gutes „aus ihrem eigenen, freien Willen“ zu tun (LuB 58:27). Sie werden „durch das Sühnopfer Christi“ Heilige (Mosia 3:19).“

Der Pfahlpräsident lädt uns ein, unsere Einstellungen zu überdenken und aktiv zu werden, damit unsere Diskussionen und unsere Klassen fruchtbarer werden.

  1. Jeder hat Befindlichkeiten, aber Anstoß daran nehmen kann uns selbst schaden.

Präsident Thomas Hengst ist ehemaliger Organist und hat sich immer darüber geärgert, wenn Geschwister in das Vorspiel geplatzt sind und die Andacht stören. Anstoß nehmen an anderen Menschen kann dazu führen, dass wir uns selbst schaden.

Er sieht das als eine Befindlichkeit und will daran arbeiten, dass seine Empfindungen besser werden und spricht über einen Beitrag von Apostel David A. Bednar: Er hat mit einigen Geschwistern gesprochen, die sich darüber beschwert haben, dass sie in ihren Gemeinden nicht so behandelt worden sind, wie sie es sich vorgestellt haben, sie haben Bischöfe kritisiert, eine Pfahlpräsidentschaft kritisiert, einen Tempelpräsidenten kritisiert. Sie haben gesagt: „Solange diese Brüder ihr Amt ausüben werde ich nicht mitarbeiten, werde ich den Tempel nicht besuchen, werde ich dies und jenes nicht machen!“ Apostel David A. Bednar gab ihnen folgende Antwort: „Lassen Sie mich sicherstellen, dass ich genau verstehe, was Ihnen passiert ist. Weil jemand Sie in der Kirche vielleicht ungerecht behandelt hat, haben Sie sich von der Verordnung des Abendmahls zurückgezogen. Sie haben zugelassen, dass Sie sich selbst die dauernde Anwesenheit des Heiligen Geistes in Ihrem Leben nicht mehr gestatten. Sie haben sich selbst abgeschnitten von den Priestertumsverordnungen und vom heiligen Tempel. Sie haben aufgehört, Möglichkeiten wahrzunehmen, kontinuierlich zu lernen und zu wachsen. Sie hinterlassen Barrieren, die den geistigen Fortschritt von Ihnen selbst, Ihren Kindern, Ihren Enkeln und den Generationen, die folgen, beeinflussen können.“

Viele der Menschen, denen Apostel Bednar antwortet, sagten dass sie dies noch nie aus dieser Perspektive betrachtet hätten.

Präsident Hengst lädt uns ein, dass wir – wenn wir an irgendetwas oder irgendjemandem Anstoß nehmen, zu überdenken: Was kann ich tun, um ein Problem zu lösen, welchen geistigen Schaden nehme ich sonst?

Er fordert alle die, die Verantwortung tragen auf: „Konzentrieren wir uns mehr auf den Einzelnen, errichten wir keine künstlichen Barrieren!“

  1. Jeder ist Herausforderungen unterworfen.

Dieser Schwerpunkt hat mit den Familien und Ehen zu tun. Jede Ehe ist Herausforderungen ausgesetzt, die Liebe füreinander mag Schwankungen unterworfen sein sie ist nicht immer konstant. Manche leben mehr nebeneinander als Miteinander. Das ist eine harte Tatsache!

Apostel Dallin H. Oaks sagt uns: „Wenn wir uns krank fühlen, wenn wir eine Krankheit haben, werden wir alles tun, um wieder gesund zu werden. Wir werden zum Arzt gehen. Wir werden solange ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen, bis wir wieder gesund sind oder zumindest soweit wiederhergestellt, dass wir ein vernünftiges Leben führen können. Es gibt lebenserhaltene Maßnahmen und wir werden nichts unversucht lassen, um wieder gesund zu werden. Und warum tun wir das? Weil unser Leben kostbar ist!“

Präsident Hengst sagt: „Betrachten Sie Ihre Familie und ihre Ehe unter diesem ewigen Gesichtspunkt! Werden Sie wieder gesund! Überwinden Sie Ihren Egoismus! Wenn Ihre Familie oder Ihre Ehe krankt, handeln Sie genauso, als wären Sie körperlich krank! Nutzen Sie alle Möglichkeiten, treffen Sie alle Maßnahmen, um wieder gesund zu werden! Nutzen Sie alle Hilfen, die das Evangelium bietet. Der erste Schritt ist die Überwindung des Egoismus. In dem Maße, wie es uns gelingt, Selbstlosigkeit zu verstärken und zu verbessern, werden viele Probleme eine Lösung erfahren.“

  1. Nichts in sozialen Netzwerken ausdrücken, was mit Rechtschaffenheit und den Lehren unserer Kirche nicht vereinbar ist.

Der Sprecher ermahnt uns: „Schützen Sie sich vor falschen Lehren. Die Kluft zwischen uns und der Welt wird größer werden. Das gilt für die Jugendlichen und auch die Erwachsenen! Lassen Sie nicht zu, dass auf eine schleichende Art und Weise Meinungen Platz bekommen, die den Zweck unseres Erdenlebens nicht unterstützen!“

Fragen sind gut. Zweifel sind möglich. Aber es gibt Wege, Klarheit zu erlangen durch die Lehren unserer Kirche. Ziel ist, zu erkennen, welcher Evangeliums-Grundsatz für mich richtig beantwortet wird. Der Pfahlpräsident gibt sein Zeugnis: „Wenn ich die Wahl habe, zu entscheiden, ob die Meinung eines Kolumnisten eines großen Magazins oder die Meinung der Ersten Präsidentschaft der Kirche wichtiger ist, werde  ich mich für die Meinung der Ersten Präsidentschaft entscheiden!“

Elder David A. Bednar hat gesagt, dass es für uns interessant sein kann, herauszufinden, welche Evangeliumsgrundsätze wir besser verstehen können und wie uns das helfen würde, den Willen des Himmlischen Vaters besser zu verstehen. Präsident Thomas Hengst fordert uns auf: „Denken Sie darüber nach, welchen Evangeliumsgrundsatz Sie besser verstehen möchten, um Fragen in Ihrem Leben persönlich besser beantworten zu können, endgültig beantworten zu können.“

Präsident Hengst hat kürzlich den Schluss des Buches Mormon gelesen. Mormon, Ether, Moroni – das sind für uns Blaupausen!

In dem Maße, wie das Volk die Rechtschaffenheit abgelegt hat – Schritt für Schritt – , das Maß an Rechtschaffenheit verringert wurde, in dem Maße ist die Freiheit dieses Volkes geringer geworden. Am Ende ist der Besitz der Menschen nicht mehr sicher gewesen. Die Antwort auf diese Situation war nicht etwa, umzukehren, sondern in ihrer Unrechtschaffenheit noch schlimmer zu werden.

Diese Völker haben sich selbst ausgerottet. Es ist keiner übriggeblieben, keiner, der rechtschaffen war!

Der Pfahlpräsident zitiert aus dem zweiten Brief an Timotheus 3:1-9: „Das sollst du wissen: In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen.  Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht,  lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh,  heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt.  Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen. Wende dich von diesen Menschen ab. Zu ihnen gehören die Leute, die sich in die Häuser einschleichen und dort gewisse Frauen auf ihre Seite ziehen, die von Sünden beherrscht und von Begierden aller Art umgetrieben werden,  Frauen, die immer lernen und die doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können.  Wie sich Jannes und Jambres dem Mose widersetzt haben, so widersetzen sich auch diese Leute der Wahrheit; ihr Denken ist verdorben, ihr Glaube bewährt sich nicht.  Doch sie werden wenig Erfolg haben, denn ihr Unverstand wird allen offenkundig werden, wie es auch bei jenen geschehen ist.“

Identifizieren wir falsche Lehren und Dinge, die falsch sind, auch als solche. Diese Lehren und Dinge  werden nicht gut! Dinge, die falsch sind, werden nicht richtig und gut dadurch, dass viele Menschen sie lieben!

Apostel M. Russell Ballard sagte während der Herbst-Generalkonferenz 2014: „Ich habe erlebt, wie Menschen in Prüfungen und Bedrängnissen oder aber in vergleichsweise ruhigen Zeiten nicht im Boot geblieben sind und sich nicht mit beiden Händen festgehalten haben. Dabei habe ich beobachtet, dass viele von ihnen den Blick von den elementaren Lehren des Evangeliums abgewendet haben – die doch einmal der Grund dafür waren, weshalb sie sich der Kirche überhaupt anschlossen, weshalb sie eifrig und sehr bewusst nach den Grundsätzen des Evangeliums lebten und anderen durch ihren hingebungsvollen Dienst ein Segen waren. Aufgrund dieser elementaren Lehren empfanden sie die Kirche als einen Ort, wo man geistig genährt wird und wächst.“

  • Bleiben Sie im Boot!
  • Legen Sie die Schwimmweste an!
  • Halten Sie sich fest!

Unsere Kirche ist dieser Ort, wo man geistig genährt wird und wächst, und wird es immer bleiben!

Der Pfahlpräsident fordert uns auf, dazu in Lehre und Bündnisse 45 zu lesen.

Er will uns helfen, zu erkennen, dass wir keine Angst vor der Zukunft haben müssen! Dort, wo Du bist, ist ein heiliger Ort!

In seinem Patriarchalischen Segen steht: „Bruder, du wirst die Zeit erleben, wo große Dinge über die Welt kommen werden, wegen der Gottlosigkeit. Dann sollst du an heiligen Stätten stehen! Lebe so, dass dort, wo du bist, ein heiliger Ort sein möge! Das bedenke ernsthaft!“

Der Präsident des Pfahles Leipzig ermahnt uns: „Bleiben Sie im Boot! Entfremden Sie sich nicht von der Kirche und ihren Lehren! Lernen Sie den Charakter von Jesus Christus kennen! Und machen Sie die Erfahrung, wie Sie nicht den Lehren zustimmen können, die populär sind. Jeder kann das nur selbst tun! Jeder von uns lernt selbst. Durch diesen Erkenntnisprozess können wir Fortschritt machen!“

Er fährt fort: Ich möchte Ihnen eine Schriftstelle vorlesen, die mir persönlich die Antwort gibt, warum ich dies alles tue, weshalb ich versuche, schlechte Neigungen, die sich in mir befinden, zu überwinden, weshalb ich versuche, damit aufzuhören, Anstoß an jemandem von Ihnen zu finden, weshalb ich meinen Dienst und meine Berufung noch ernster nehmen möchte, weshalb ich mich von falschen Lehren fernhalte, weshalb ich meine Familie und meine Ehe stärker pflegen möchte, weshalb ich keine Angst vor der Zukunft habe. Diese Antwort hat der Herr gegeben, als er den Nephiten erschienen ist: „Und siehe, beim dritten Mal verstanden sie die Stimme, die sie vernahmen, und sie sprach zu ihnen: Seht meinen geliebten Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, in dem ich meinen Namen verherrlicht habe – ihn höret. Und es begab sich: Als sie verstanden, ließen sie ihre Augen abermals zum Himmel hinaufschweifen; und siehe, sie sahen einen Mann aus dem Himmel herabkommen; und er war in ein weißes Gewand gekleidet; und er kam herab und stand in ihrer Mitte; und die Augen der ganzen Menge waren auf ihn gerichtet, und sie wagten nicht, den Mund aufzutun, nicht einmal einer zum anderen, und wussten nicht, was es bedeutete, denn sie dachten, es sei ein Engel, der ihnen erschienen war. Und es begab sich: Er streckte seine Hand aus und sprach zum Volk, nämlich: Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen. Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten. Und es begab sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, fiel die ganze Menge zur Erde; denn sie erinnerten sich, dass es unter ihnen prophezeit worden war, Christus werde sich ihnen nach seiner Auffahrt in den Himmel zeigen. Und es begab sich: Der Herr sprach zu ihnen, nämlich: Erhebt euch, und kommt her zu mir, dass ihr eure Hände in meine Seite legen und auch, dass ihr die Nägelmale in meinen Händen und in meinen Füßen fühlen könnt, damit ihr wisst, dass ich der Gott Israels und der Gott der ganzen Erde bin und für die Sünden der Welt getötet worden bin. Und es begab sich: Die Menge ging hin und legte ihre Hände in seine Seite und fühlte die Nägelmale in seinen Händen und in seinen Füßen; und dies taten sie und gingen einer nach dem anderen hin, bis sie alle hingegangen waren und mit eigenen Augen sahen und mit eigenen Händen fühlten und mit Gewissheit wussten und Zeugnis gaben, dass er es war, von dem die Propheten geschrieben hatten, er werde kommen. Und als sie alle hingegangen waren und sich selbst überzeugt hatten, riefen sie einmütig aus, nämlich: Hosanna! Gesegnet sei der Name des Allerhöchsten Gottes! Und sie fielen nieder zu Jesu Füßen und beteten ihn an.“ (3 Nephi 11:6-17)

Ist es das nicht wert, dass wir die Dinge, die in unserem Leben nichts zu suchen haben, entfernen, dass wir die Kraft versuchen zu finden und zu sammeln und hier mitzunehmen, um Christus näher zu kommen, seinen Charakter besser kennenzulernen?

Der Präsident des Pfahles Leipzig, Präsident Thomas Hengst, schließt mit seinem Zeugnis.

Hiddensee

Jedes Jahr verbringe ich mit meiner Frau ein paar Tage auf der Insel Hiddensee.
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Es grenzt schon an Zelebration – Auto in Schaprode abstellen, bepackt zum Fährhafen laufen, Fähre nach Vitte nehmen, Fahrräder ausleihen und sich dann zum Quartier durchschlagen. Wir lieben die Atmosphäre dort, die Natur und die Ruhe.
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Du siehst Leute, die ihr Gepäck in zweirädrigen Handkarren schieben oder die Fahrradlenker mit Reisetaschen behängen. Die dazu keine Lust haben, gehen zu Fuss oder lassen sich vom Pferdewagen abholen. Damit ist das Tempo auf Hiddensee definiert. Die schnellsten sind einheimische Rentnerinnen mit E-Bikes. Irgendwie tickt die Zeit dort noch etwas anders, gemächlicher. Wir können dort ganz wunderbar entspannen.
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Mit den Jahren entwickelt man an solchen Orten bestimmte Rituale. Das sind kleine, unspektakuläre Dinge, die für besondere Glücksgefühle sorgen. Zum Beispiel mit dem Rad über die holprigen Betonplatten zum Enddorn fahren und am Strand wandern, gucken was sich seit dem letzten Jahr verändert hat, auf der „Shoppingmeile“ in Kloster flanieren, die Stufen der Treppe vom Strand hoch zum Klausner zählen, Grillfest samstags in der Heiderose, natürlich den Leuchtturm hoch und nach Dänemark schauen, das Haus in dem Albert Einstein mal gewohnt hat entdecken, frischen Fisch essen, Softeis am Hafen in Neuendorf oder einfach nur am Meer sitzen und lesen. Und vieles mehr. Herrlich.
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Wir meiden die Saison und fahren entweder Pfingsten oder dieses Jahr spät im Oktober mit Tochter und Enkelin. Habe früh beim Joggen zwischen Vitte und Kloster höchstens ein, zwei Leute getroffen. Ein verlängertes Wochenende reicht uns schon, um den Erholungseffekt zu spüren.
In Vitte gibt es eine kleine Buchhandlung, in der wir uns jedes Jahr mindestens ein Buch kaufen. Der Raum hat Wohnzimmergröße. Es gibt keine Kasse. Eine ältere Dame schreibt alle Einnahmen und Buchtitel in ein Heft.  Mehrere Artikel werden schriftlich zusammengerechnet. Da muss man einfach hin. Dieses Jahr habe ich mir die Biographie von Marie Curie, geschrieben von ihrer Tochter Eve gekauft. Physik und Chemie gehörten in Schule und Studium zu meinen Lieblingsdisziplinen, wobei mich die Lebensgeschichten vieler Forscher genauso interessiert haben, wie die Naturwissenschaften. Das Buch hat mich enorm beeindruckt. Ich kannte Marie Curie´s Geschichte schon ein bisschen, aber das ganze Ausmaß ihrer Leistungen, Hingabe und Selbstlosigkeit, ihr völliges Desinteresse an Ruhm und Ehre, die Kongenialität mit ihrem Mann Pierre und die Trägödie seines frühen Todes sowie ihr Genie und das tatsächliche Ausmaß ihrer Entdeckungen sind mir erst jetzt bei der Lektüre des Buches klar geworden.
Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr – auf den Buchladen und die vielen anderen kleinen, speziellen Dinge auf dieser besonderen Insel, wo es keiner Ferienanimationen bedarf und die meisten Leute völlig entspannt sind 🙂
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Gerhart Hauptmann über Hiddensee – wie wahr 🙂

Sisters und Elders – Part 09

Gestern Abend habe ich in Ellefeld im Vogtland Pascal Jähn als Missionar in die Alpenländische Mission berufen. Toller junger Mann. Er ist heute für zwei Wochen in das Missionary Training Center in Chorley, England gereist und wird danach zwei Jahre in seinem Missionsgebiet in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz dienen.

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Es war schön, fast die gesamte erweiterte Familie zu treffen, die ich sehr mag und für die ich mich sehr freue.
Ich habe die Entwicklung von Pascal in den letzten Jahren eng verfolgt und bin beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit er sich auf seine Mission vorbereitet und dabei enorm an Selbstvertrauen und Gottvertrauen gewonnen hat. Er strahlt Anstand und Ruhe aus, Eigenschaften, die ihm als Missionar sehr helfen werden.
Alles Gute für dich, Pascal und natürlich auch deiner Familie. 🙂

Damit sind die Berufungen und Entlassungen von Missionaren für mich in diesem Jahr wahrscheinlich abgeschlossen. 2015 warten dann die nächsten Missionare auf ihre Berufung bzw. kommen nach Hause zurück.

Sisters und Elders – Part 08

Letzten Sonntag war es wieder soweit, einen unserer jungen Leute auf Vollzeitmission zu schicken. Ich hatte das Vorrecht, Alexander Plettig aus meiner Heimatgemeinde Hohenstein-Ernstthal in die Russland Samara Mission zu berufen.

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Alex´ Entscheidung auf Mission zu gehen, ist bemerkenswert. Er hat gerade seinen Bachelor in Maschinenbau abgeschlossen und normalerweise würden junge Leute jetzt den Master anhängen oder sich einen Job suchen. Alex wird die nächsten zwei Jahre in Russland verbringen und dabei durch seinen Dienst eine besondere Beziehung zu den Menschen dort aufbauen. Bis Jahresende wird er aber erst einmal seine Sprachkenntnisse im Missionary Training Center in Provo, Utah vertiefen und dann nach Samara reisen.

Alex, das was du zur Fireside über deine Entscheidungsfindung gesagt und was du über deine verstorbene Mutter erzählt hast, hat uns alle stark berührt.
Wir wünschen dir eine gute Missionszeit und den Schutz des Himmlischen Vaters.

Sisters und Elders – Part 07

Vorgestern Abend hatte ich das Vorrecht, meinen Bruder Dietmar und meine Schwägerin Marion von ihrer 18-monatigen Mission, die sie in Berlin und Neubrandenburg geleistet haben, zu entlassen. Ich glaube, für die beiden war diese Mission für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ein echter Meilenstein und Höhepunkt in ihrer langjährigen Ehe. Ich bin stolz auf sie und kann sie mir nur als Vorbild nehmen. Die Erfahrungen, die sie gemacht und von denen sie berichtet haben, sind beeindruckend. Aber sie wären nicht ohne Opfer und Hingabe möglich gewesen.

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Die Kirche bietet älteren Ehepaaren oder auch älteren Alleinstehenden vielfältige Möglichkeiten, Missionen in den verschiedensten Bereichen zu erfüllen, zum Beispiel im normalen Missionsfeld, humanitäre Missionen in Entwicklungsländern, Zusammenarbeit mit jungen Erwachsenen, Dienst in Tempeln der Kirche, Betreuung von Besucherzentren der Kirche oder die Unterstützung kleiner Gemeinden. Es lässt sich für fast jedes Szenario eine Lösung finden – entsprechend der Gesundheit und den finanziellen Möglichkeiten unserer älteren Mitglieder. Man stelle sich vor, wie viel Gutes mehr in der Welt getan werden könnte und wie viel weniger Pessimismus oder „Nicht-mehr-gebraucht-werden“-Gefühle sich unter der älteren Generation entwickeln würden, würden diese Möglichkeiten mehr genutzt.
Meine Frau und ich haben eine solche Mission in unsere Lebensplanung aufgenommen, wenn wir aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Das wird zwar noch viele Jahre dauern aber wir versuchen uns jetzt schon darauf vorzubereiten und hoffen, dass wir gesund genug bleiben.

Elder Holland vom Rat der Zwölf Apostel hat zur Generalkonferenz im Oktober 2011 folgendes gesagt:

„Um mehr Ehepaare zum Missionsdienst anzuregen, haben die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel eine der kühnsten und großzügigsten Regelungen eingeführt, die es in den letzten fünfzig Jahren in der Missionsarbeit gegeben hat. Im Mai dieses Jahres ist den Priestertumsführern überall auf der Welt mitgeteilt worden, dass die Unterkunftskosten (und zwar ausschließlich die Unterkunftskosten) aus den Mitteln der Kirche für die Missionsarbeit mitgetragen werden, sobald sie einen festgesetzten Betrag im Monat überschreiten. Was für ein Segen! Mit dieser Unterstützung vom Himmel wird den Ehepaaren beim größten Kostenpunkt entgegengekommen, den sie auf Mission haben. Die führenden Brüder haben außerdem beschlossen, dass ein Ehepaar jetzt auch für 6 oder 12 Monate auf Mission gehen kann oder aber für die üblichen 18 oder 23 Monate. Eine weitere große Geste ist zudem, dass Ehepaare jetzt auf eigene Kosten anlässlich wichtiger Ereignisse in der Familie kurz nach Hause fahren dürfen. Sie brauchen auch keine Angst mehr davor zu haben, dass Sie an Türen klopfen oder den gleichen Zeitplan einhalten müssen wie die Neunzehnjährigen. Das verlangen wir nicht von Ihnen. Für Sie haben wir aber unzählige andere Aufgaben, bei deren Ausführung Sie großen Spielraum haben.

Brüder, uns ist klar, dass auch einige von Ihnen aus triftigen gesundheitlichen, familiären oder wirtschaftlichen Gründen derzeit nicht auf Mission gehen können und dass dies vielleicht auch so bleibt. Doch mit etwas Planung ist es vielen von Ihnen möglich.

Die Bischöfe und Pfahlpräsidenten bitte ich, dieses Thema in ihren Ratssitzungen und bei Konferenzen aufzugreifen. Wenn Sie in der Versammlung auf dem Podium sitzen, lassen Sie Ihren Blick gebeterfüllt über die Menge schweifen, damit Ihnen eingegeben werden kann, wer eine Missionsberufung bekommen sollte. Beraten Sie sich dann mit den Betreffenden und setzen Sie mit ihnen ein Zieldatum. Brüder, wenn dies geschieht, sagen Sie Ihrer Frau: Wenn Sie Ihren Fernsehsessel und die Fernbedienung für ein paar kurze Monate zurücklassen können, kann sie auch die Enkel zurücklassen. Den kleinen Lieblingen wird es an nichts mangeln. Ich verheiße Ihnen: Im Dienst des Herrn werden Sie für sie manches erreichen – Welten ohne Ende –, was Sie nie erreichen könnten, wenn Sie zu Hause bleiben und ihnen nicht von der Seite weichen. Welch größeres Geschenk könnten Großeltern ihren Nachkommen machen, als in Wort und Tat zum Ausdruck zu bringen: „In dieser Familie ist es üblich, dass man auf Mission geht!““

Herbst-Pfahlkonferenz Leipzig 2014

Am 1. und 2. November findet unsere diesjährige Herbst-Pfahlkonferenz in Leipzig (Samstag) und Böhlen (Sonntag) statt. Jedermann ist herzlich willkommen.

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Für alle, die mit dem Begriff Pfahlkonferenz nichts anfangen können. Ein Pfahl in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entspricht in etwa einem Kirchenbezirk oder einer Diözese. Der Pfahl Leipzig erstreckt sich von Hof bis nach Magdeburg, mit dem Zentrum in Leipzig.
Pfahlkonferenzen finden zweimal im Jahr statt. Alle Mitglieder und Interessenten des Pfahlgebietes sind dazu eingeladen.

Sisters und Elders – Part 06

Am Montag dieser Woche hatte ich wieder die Ehre, eine junge Schwester aus unserem Pfahl auf Mission zu berufen. Ich war in Bernburg und habe Carolin Gäbler für 18 Monate in die Wellington Neuseeland Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage berufen.

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Es war ein starker, geistiger Moment als ich den Segen ausgesprochen habe. Es gibt dafür bis auf den offiziellen Teil der Berufung keine vorgefassten Formeln, sondern der Segen ist zum großen Teil Inspiration. Es ist schwer zu beschreiben, wie die Gedanken und Gefühle, was man sagen wird, kommen. Ich kam von einem turbulenten Arbeitstag, der mich ziemlich geschafft hatte und habe mir Sorgen gemacht, ob ich die Aufgabe gut ausführen kann. Ich dann habe die Autofahrt genutzt um abzuschalten. Danach habe gespürt, wie allmählich die Ruhe und die Wärme kamen, die wir dem EInfluss des Heiligen Geistes zuschreiben. Ich kann davon einfach nur Zeugnis geben.

Carolin hat sich in exemplarischer Weise auf ihre Mission vorbereitet. Sie ist eine Macherin, eine, die zieht und andere mitnehmen kann.
Ich wünsche ihr eine großartige Missionszeit. Es wird anstrengend und herausfordernd, aber genau deshalb gehen unsere jungen Leute auf Mission. Alles Gute, Carolin.

Zum 3. Oktober

Es kommt nicht oft vor, dass ich einen Artikel in den einschlägigen deutschen Online-Medien richtig gut finde. Aber dieser hier ist gut und lesenswert, nicht nur für uns, die wir alle diese Ereignisse miterlebt haben, sondern besonders auch für die junge Generation und alle, die ein distanziertes Verhältnis zur deutschen Einheit haben.

http://www.sueddeutsche.de/politik/tag-der-deutschen-einheit-der-ostdeutsche-sturm-auf-die-bastille-1.2156692

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edenktafel zwischen Elend und Braunlage im Harz

In dem Zusammenhang erinnere ich mich ein zwei Anekdoten aus meinem Leben.
Neben meinem Studium von 1984-1989 hatte ich einen Full-Time-Job in einem Anlagenbau-Betrieb. Ich habe dort sehr gern gearbeitet. Erstens war die Arbeit interessant und es gab viel Raum zu Kreativität und zweitens war die Atmosphäre für DDR-Verhältnisse sehr liberal. Ich hatte als Mormone und Nicht-FDJler eigentlich so gut wie keine Schwierigkeiten.
Eines Tages kam der SED-Parteisekretär zu mir und bat um ein Gespräch. Ich war etwas erstaunt und fragte mich, was er wohl will. Nach etwas umständlichem Small-Talk kam er zur Sache und sagte in etwas folgendes: „Thomas, wir sind mit deiner Arbeit hochzufrieden und wir verstehen, dass du aus Glaubensgründen niemals der Partei betreten wirst, aber könntest du eventuell drüber nachdenken, Mitglied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft zu werden? Da geht es doch um Freundschaft und dagegen kannst du doch nichts haben.“ Hatte ich eigentlich auch nicht. Deshalb habe ich nach einigem Nachdenken zugestimmt und wurde ein Mitglied der DSF. 🙂
Ungefähr ein halbes Jahr später, kam er wieder zu mir und verkündete, dass die Firma beschlossen hatte, meiner Frau und mir eine Reise mit dem Freundschaftszug nach Moskau und (damals noch) Leningrad zu schenken. Also sind wir im April 1988 dahin gefahren. Es war sehr interessant und wir lernten eine ganze Menge live über Glasnost und Perestroika. Am Ende der Tour schenkte ich unserer Dolmetscherin ein Buch Mormon, worüber sie sich über alle Maßen freute.

Ein zweites Erlebnis hatte ich Anfang 1989. Das einzigste Studienfach, das sich über alle fünf Jahre meines Studiums hinzog, war Marxismus-Leninismus. Unser Dozent war gleichzeitig der SED-Parteisekretär der Hochschule, ein durchaus interessanter Typ, schon etwas älter, den ich schwer einschätzen konnte. Ich hatte vorher in der Schule als Teenager einen Staatsbürgerkundelehrer, der mir Anfang der 9. oder 10. Klasse klipp und klar sagte, dass ich in seinem Fach aufgrund meiner Weltanschauung niemals die Note 1 erhalten könnte. Das hat er auch wahr gemacht. Der Dozent im Studium tickte anders. Das Fach an sich war intellektuell nicht sehr herausfordernd. Die meisten Studenten waren lediglich darauf bedacht, mit dem geringstmöglichen Aufwand durchzukommen. Wie gesagt, Anfang 1989 mussten wir eine Hausarbeit schreiben. Ich glaube, es ging um Weltfrieden. Ich beschloss, den Dozenten zu testen und füllte meine Hausarbeit mit Zitaten aus Bibel, Buch Mormon und dem Buch „Die Lehren des Propheten Joseph Smith“, selbstverständlich mit Quellenangaben. Es kam keine Reaktion, bis zum Tag der Abschlussprüfungen im Mai 1989. Da ich zwischen Note 1 und 2 stand, wurde ich zur mündlichen Prüfung bestellt. Der Dozent war der Prüfer. Nach dem Gespräch sagte er folgendes: „Normalerweise würde Ihre Leistung die Abschlussnote 2 rechtfertigen (er hatte ein paar Fragen gestellt, die tricky waren), aber aufgrund Ihrer Weltanschauung erteile ich Ihnen die Note 1.“ Und so war ich als aktiver Christ einer der wenigen, denen dieses Schicksal zuteil wurde. Nach mir war ein Kommilitone dran, der Mitglied der SED war. Den hat er mit Note 5 voll durchfallen lassen :D.

Wenige Monate danach fiel die Mauer und alles wurde anders. Ich bin unendlich dankbar, dass dies möglich wurde – durch viele mutige Menschen, die unvermeidliche Schwäche eines Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, wichtige Menschen, die zur richtigen Zeit an den richtigen Schalthebeln saßen und – als gläubiger Mensch bin ich davon überzeugt – durch eine gehörige Portion Einfluss von Gott.

Der Charakter von Jesus Christus – Part 01

In den letzten Wochen habe ich mich oft mit der Frage beschäftigt, was es bedeutet, nicht nur an Jesus Christus zu glauben, also an seine Existenz und das, was über sein Leben überliefert ist, sondern im gleichen Maße Ihm zu glauben, d.h. an die Relevanz und Gültigkeit seiner Lehren und seines Vorbildes. Es gibt also einen großen Unterschied zwischen Bekennen und Praktizieren und darin liegt eine fundamentale Herausforderung.
Ich empfinde es dabei als sehr hilfreich, mich mit dem Charakter von Jesus Christus zu beschäftigen. Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, dass ein wichtiger Schlüssel zum Verstehen der Gebote Gottes und der daraus resultierenden Lehren und Prinzipien, das Lernen über den Charakter von Jesus Christus ist.
Diese Übung bringt uns sicher manchmal in Konflikt mit aktuell dominierenden Wert- und Moralvorstellungen, denen zu widerstehen und zu widersprechen schwer sein und eine Menge Mut erfordern kann, selbst dann, wenn wir wissen, dass sich diejenigen, die wahre christliche Werte herabwürdigen, irren und sich der langfristigen Folgen nicht bewusst sind.
Die Orientierung am Charakter von Jesus Christus kann aber in diesem zutiefst persönlichen Prozess viele Fragen beantworten. Wenn mit Geduld und Beständigkeit verfolgt, wird dieser Prozess Schritt für Schritt Ergebnisse hervorbringen, die unser Leben bereichern und uns in Momenten von Niederlage, Trauer, Unglück und Enttäuschung stärker machen. Eine der Früchte ist die Entwicklung von christlicher Nächstenliebe, die sich dann bewusster vollzieht, zu einem stärkeren Teil des eigenen Charakters wird und in gewisser Weise das Elend der Gleichgültigkeit und Indifferenz überwinden hilft.

Die Evangelien und speziell auch das Buch 3. Nephi im Buch Mormon erzählen viele Beispiele, wie Jesus Christus in entscheidenden Momenten durch sein Handeln einen großen Unterschied gemacht hat.
Ein Beispiel, das mich zuletzt stark beeindruckt hat, dokumentiert Jesus Christus´ Fähigkeit, sich in Momenten wo es normal und verständlich gewesen wäre, sich nach innen zu kehren und sich nur um sich selbst zu kümmern, genau das Gegenteil zu tun und seine Arme nach den Bedrängten und Bedürftigen auszustrecken und ihnen zu dienen.
Die Geschichte steht im Neuen Testament in Matthäus Kapitel 14. Johannes der Täufer, der nicht nur mit Jesus verwandt sondern auch sein Wegbereiter war, wurde von König Herodes gefangen genommen, weil er die unrechtmäßige Beziehung von Herodes´Bruder Philip mit Herodias kritisiert hatte. Durch eine Intrige von Herodias wurde Johannes der Täufer auf barbarische Weise umgebracht.

Zitat aus Matthäus 14:12-21:

„Die Jünger des Johannes holten seinen Leichnam und bestatteten ihn. Dann berichteten sie Jesus, was geschehen war. Als Jesus dies hörte, fuhr er mit einem Boot in eine entlegene Gegend. Er wollte allein sein.“
Für mich eine völlig verständliche Reaktion. Es ist häufig absolut notwendig und ein normaler Reflex.
„Aber die Leute merkten, wohin er gehen wollte, und folgten ihm in Scharen von überall her auf dem Landweg.  Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken.“
Was habe ich hier über den Charakter von Jesus gelernt? In einer Situation, in der der Drang zu Selbstmitleid oder der Wunsch sich mit sich selbst zu beschäftigen, überwältigend sein kann, hatte Jesus die Fähigkeit, mit den Menschen, die eigentlich seine gewollte Ruhe störten, Mitleid zu empfinden. Aber nicht nur das. Er ging noch weiter und diente ihnen, in dem er ihre Kranken heilte.
„Gegen Abend kamen die Jünger zu ihm und sagten: »Es ist spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und dort etwas zu essen kaufen können! Hier gibt es doch nichts!« Aber Jesus antwortete: »Das ist nicht nötig. Gebt ihr ihnen zu essen!« »Wir haben ja nur fünf Brote und zwei Fische«, wandten seine Jünger ein. »Dann bringt sie her!«, sagte Jesus.  Er forderte die Leute auf, sich ins Gras zu setzen. Er nahm die fünf Brote und die beiden Fische, sah zum Himmel auf und dankte Gott. Dann teilte er das Brot, reichte es seinen Jüngern, und die Jünger gaben es an die Menge weiter.  Alle aßen sich satt. Als man anschließend die Reste einsammelte, da waren es noch zwölf volle Körbe. Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, außerdem noch viele Frauen und Kinder.“
Was folgte, war die berühmte Speisung der Fünftausend. Nun, ich glaube, dass es einmal für jedes Wunder eine Erklärung geben wird, also auch für dieses (genauso wie wir heute über viele Erklärungen für Dinge verfügen, die vor hunderten von Jahren nicht erklärbar waren). Ich glaube aber nicht, dass es Wunder gibt, für die es niemals eine Erklärung geben wird. Das ist hier aber nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend war, dass Jesus´ Fürsorge für die Menschen, von denen garantiert viele unter elenden Bedingungen leben mussten, nicht auf eine einmalige Aktion beschränkt war. Es war Teil seines Charakters diese Liebe und Fürsorge für andere Menschen beständig zu empfinden und sie fand Ausdruck in seinem Dienst. In dem Maße, wie er diesen Dienst geleistet hat, hat er sich sicherlich auch ständig regeneriert und weitere Kraft erworben. Diese Kraft wird uns ebenfalls als Segen verheißen, wenn wir es schaffen, uns nach außen zu wenden, anstatt uns nach innen zu kehren. Ich glaube, diese Entwicklung muss man am besten in kleinen aber stetigen Schritten vollziehen und seine eigenen Erfahrungen damit machen.
Als ich mich mit der Begebenheit aus Matthäus 14 beschäftigt habe, musste ich an meine eigenen Erfahrungen denken. Es ist tatsächlich so, jedenfalls in meinen Erfahrungen, dass ich Probleme leichter überwinden konnte, wenn ich mich nicht zurückgezogen, sondern versucht habe, etwas für jemand zu tun, der von mir irgendeine Hilfe, Zuwendung oder auch nur Freundlichkeit gebraucht hat. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass das In-sich-kehren schnell zu Selbstmitleid, destruktiven Gefühlen und Egoismus führen kann. Ich meine damit nicht die wichtigen persönlichen Zeiten der Selbstreflexion, Meditation, des Nachdenkens, Studierens und des Gebetes. Jeder von uns braucht diese Auseindersetzungen mit sich und Zeit für sich selbst und Jesus Christus hatte die auch. Aber es scheint ein großer Schlüssel für die Überwindung eigener Sorgen und Probleme darin zu liegen, dass man dient.
Ich erinnere mich an eine Erfahrung vor 24 Jahren als meine Frau unsere Zwillinge im sechsten Schwangerschaftsmonat verloren hat. Das war ein traumatisches Erlebnis und der Umgang der Ärzte mit uns, damals kurz nach dem Fall der Mauer, wäre heute undenkbar. Es gab noch nicht einmal ein Gespräch, keine Beerdigung. Ich erinnere mich an die große Traurigkeit, aber auch daran, dass es gar nicht richtig Zeit gab, sich in Selbstmitleid zu vertiefen. Meine Frau war für einige Tage in signifikanter Lebensgefahr, wir hatten zwei kleine Kinder, drei und vier Jahre alt, waren dabei eine Firma zu gründen und ich hatte mehrere Berufungen in der Kirche. Diese Verpflichtungen haben mir aber im Grunde mehr über diese Zeit geholfen, als wenn ich mich zurückgezogen hätte. Die größte Hilfe haben wir aber damals durch die Arbeit im Tempel in Freiberg erfahren. In den Tempel zu gehen, bedeutet zu dienen. Das ist, was dort geschieht oder besser, getan wird. Gleichzeitig haben wir für uns persönlich die Gewissheit erhalten, was die Bündnisse, die wir im Tempel geschlossen haben, für unsere Familie bedeuten – nämlich, dass die Familie ewig besteht. Diese Gewissheit ist durch die traurige Erfahrung, die wir machen mussten, aber um so stärker geworden.
Es gibt auch viele Erfahrungen, in denen ich nicht diese Kraft hatte. Aber diejenigen, in denen ich sie hatte, waren die stärkeren.
Jesus Christus hat seine Mission bis zum Ende durchgezogen, einschließlich des entscheidenden Momentes als er im Garten Gethsemane seine Liebe zu allen Menschen bewiesen hat, in dem er unsere Sünden auf sich genommen und damit den Weg zu Vergebung und Auferstehung geebnet hat. Wir können die Kraft, die dafür notwendig war, nicht ermessen. Niemand hat jemals etwas Vergleichbares zustande gebracht. Die Last war so schwer, dass er für einen Moment davor zurückschreckte.
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Garten Gethsemane, Jerusalem
„…Mein Vater, wenn es möglich ist, dann gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ 
Matthäus 26:39
Die Kreuzigung war ein Teil, aber nicht der Abschluss seines Sühnopfers. Das war seine Auferstehung und der Dienst, den er selbst danach noch geleistet hat und die Perspektiven, die sich daraus für jeden von uns ergeben.
Ich schätze die Einladung, die wir haben, uns mit dem Charakter von Jesus Christus zu beschäftigen und daraus zu lernen. Ich glaube, dass es dafür einen überwältigenden Bedarf gibt.

Wochenende in Elend (nicht im Elend :D) mit unseren Jugendlichen

Letztes Wochenende fand wieder (zum 3. Mal) die alljährliche Fahrt der Pfahlpräsidentschaft mit den Jugendlichen unseres Pfahles statt. Ziel war diesmal der Brocken im Harz. Gezeltet wurde im Waldbad in Elend, ein Ort, der sich als super geeignet für unsere Zwecke erwiesen hat. Die Unterstützung durch die Betreiber des Waldbades war unübertrefflich. Es war wirklich hervorragend. So viel Zuvorkommen habe ich selten erlebt. Vielen Dank dafür.
14°C Wassertemperatur im Bad konnten nicht wirklich abschrecken. Vor allem nicht nach ca. 22 km Wanderung von Elend auf den Brocken und zurück.
Die Strecke hat uns alle einigermaßen geschafft, aber alle sind wohlbehalten hoch und auch wieder runter gekommen. Ich habe auch gut geschwitzt. War erst am Tag vorher von einer Dienstreise mit 12 Stunden Flug zurück gekommen. Da hat die Bewegung richtig gut getan.
Es ist schon wichtig, sich regelmäßig richtig zu fordern. Erfahrungsgemäß haben Jugendliche (aber auch jeder andere), die erfolgreich dem Impuls, aufzugeben oder Versuchungen widerstehen und sich beherrschen können, weniger Probleme in ihrem Leben.

Bemerkenswert war, dass die Gewitter und Starkregenfälle, die es an dem Wochenende im Harz gab, einen ausreichenden Bogen um uns gemacht haben 🙂

Ein Freiluftgottesdienst war auch gleichzeitig der Startschuss für das neue Seminarjahr. Wir hatten da wirklich eine besondere Atmosphäre.

Ich möchte mich bei allen Jugendlichen für die sehr gute Disziplin bedanken. Keine Eskapaden, keine Drogen, kein Alkohol, keine Obszönitäten, kein Ausgrenzen, absolut keine Schwierigkeiten. Mit euch kann man sich sehen lassen ! Ihr habt gezeigt, dass Anstand und seinen Glauben leben keine Spaßbremsen sind. Dieses Vorurteil ist sowieso völliger Quatsch.
Ihr seid uns wichtig, und es ist uns nicht egal, wie es euch geht und was ihr tut.
Vielen Dank auch an meine Ratgeber und alle Betreuer, die sich um alles gekümmert und sich ebenfalls den Berg rauf „gequält“ haben. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.

Hier sind ein paar meiner Pics:

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Das Camp in Elend (Harz)

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Brockenbahn, die wir selbstverständlich nicht benutzt haben

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P
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rgendwann mussten Höhenmeter her

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Auf dem Brocken

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Lektion in deutscher Geschichte

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14 Grad waren keine Abschreckung