Ostern und der Fürst des Friedens

Mit dem Palmsonntag beginnt die Osterwoche, die letzte Woche im irdischen Lebens von Jesus Christus, die vor fast 2000 Jahren in Jerusalem in seinem Sühnopfer und seiner Auferstehung kulminierte.

Zweifellos war dies das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte, mit universeller Bedeutung für alle Menschen, egal ob sie glauben oder nicht.

Unter https://www.mormon.org/deu oder #FÜRSTdesFriedens in den sozialen Medien finden wir mehr über die Ereignisse dieser Woche und die Mission Jesu Christi.

Präsident Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel hat letzte Woche zur Generalkonferenz eine bemerkenswerte Ansprache unter dem Titel „Wie wir die Macht Jesu Christi in unser Leben bringen“, die eine sehr gute Lektüre für die Osterwoche ist. Hier ist der Link.

https://www.lds.org/general-conference/2017/04/drawing-the-power-of-jesus-christ-into-our-lives?lang=deu

Ich möchte aus dem Beginn dieser Ansprache zitieren:

„… Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn sandte, um uns zu helfen. Und sein Sohn, Jesus Christus, gab sein Leben für uns hin. Das alles, damit wir göttliche Macht in Anspruch nehmen können – Macht, die ausreicht, um mit den Lasten, Hindernissen und Versuchungen unserer Zeit fertigzuwerden. Heute möchte ich darüber sprechen, wie wir die Macht unseres Herrn und Meisters Jesus Christus in unser Leben bringen können.

Zunächst einmal müssen wir uns Wissen über ihn aneignen. „Es ist unmöglich, dass man in Unwissenheit errettet werden kann.“ Je mehr wir über das Wirken und die Mission des Erretters wissen, je besser wir seine Lehre verstehen und das, was er für uns getan hat, desto deutlicher ist uns bewusst, dass er uns die Macht verleihen kann, die wir für unser Leben brauchen.

Anfang des Jahres habe ich die jungen Erwachsenen der Kirche aufgefordert, jede Woche einen Teil ihrer Zeit dem Studium aller Worte und Handlungen Jesu zu widmen, die in den heiligen Schriften der Kirche verzeichnet sind. Ich legte ihnen ans Herz, die Schriftstellen, die zu Jesus Christus im Schriftenführer angeführt werden, in den Mittelpunkt ihres persönlichen Studienplans zu stellen.

Ich sprach diese Aufforderung aus, weil ich sie bereits selbst angenommen hatte. Ich las und unterstrich jeden Vers über Jesus Christus, der im Topical Guide unter dem Haupteintrag und den 57 weiteren Stichwörtern zu diesem Begriff angeführt ist. Als ich diese spannende Übung abgeschlossen hatte, fragte mich meine Frau, wie mich das beeinflusst hatte. Ich sagte zu ihr: „Ich bin ein anderer Mensch.“

Ich spürte neue Hingabe an den Erretter, als ich im Buch Mormon erneut las, was er selbst über seine Mission auf der Erde verkündet hatte, nämlich:

„Ich [bin] in die Welt gekommen …, um den Willen meines Vaters zu tun, denn mein Vater hat mich gesandt.

Und mein Vater hat mich gesandt, damit ich auf das Kreuz emporgehoben würde.“

Wir als Heilige der Letzten Tage bezeichnen seine Mission als das Sühnopfer Jesu Christi, das die Auferstehung für alle Wirklichkeit werden ließ und ewiges Leben einem jeden ermöglicht, der von seinen Sünden umkehrt und die notwendigen Verordnungen und Bündnisse annimmt und sich daran hält. …“

Ich habe vor zwei Wochen begonnen, der Aufforderung von Präsident Nelson zu folgen. Bis jetzt war es eine sehr gute Erfahrung und einige Dinge sind mir viel klarer geworden. Ich hoffe, dass es mir helfen wird, ein besserer Mensch zu werden.

Ich bin sehr von dieser Schriftstelle im Buch Mormon, in 2. Nephi 2, Vers 8 und 9 beeindruckt:

„Wie wichtig ist es daher, dass all dies den Bewohnern der Erde verkündet wird, damit sie erkennen mögen, dass kein Fleisch in der Gegenwart Gottes wohnen kann außer durch die Verdienste und die Barmherzigkeit und Gnade des heiligen Messias, der sein Leben niederlegt gemäß dem Fleische und es wieder nimmt durch die Macht des Geistes, auf dass er die Auferstehung der Toten zustande bringe; denn er wird der erste sein, der aufersteht.
Darum ist er die Erstlingsgabe für Gott, so dass er für alle Menschenkinder Fürsprache einlegen wird; und wer an ihn glaubt, der wird errettet werden.“

Ich wünsche allen eine frohe Osterzeit.

Balance 

Es war Generalkonferenz-Wochenende. Esther und ich waren bei unseren Kindern in Graz. Es tat gut, ein paar Tage auszuspannen und die Work-Life-Balance wieder etwas auszugleichen.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag letzter Woche habe ich während eines Fluges von Tokio nach Frankfurt dieses Bild gemacht.

Ich war auf dem Heimweg von meiner 8. Dienstreise nach Asien seit Anfang diesen Jahres. Ich hatte 3 der letzten 4 Nächte in Flugzeugen verbracht und war entsprechend erschöpft. Meine Firma rollt eine neue, innovative Technologie aus und das erfordert besondere Anstrengungen, damit sich Erfolg einstellen kann. Ich empfinde es als einen großen Vertrauensbeweis, dass ich dabei mitwirken kann und liebe meine Arbeit, trotz aller Schwierigkeiten, die sie oft mit sich bringt. So zum Beispiel vorletzte Woche, am Freitagnachmittag, als ich versuchte, von Catania in Italien nach Hause zu reisen und der Flughafen wegen Nebels geschlossen wurde. Mein Flieger war schon auf dem Weg zur Startbahn. Es war frustrierend. Ich war irgendwann am Samstagnachmittag zu Hause und musste Sonntag schon wieder weg.

Ich werde oft gefragt, wie ich meinen Job machen, ein Familienvater und nebenher ein Kirchenführer und Seelsorger mit Verantwortung für 2300 Mormonen in Westsachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sein kann, ohne die seelische Balance zu verlieren. Meine Antwort ist normalerweise, dass es nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Diese Hilfe spüre ich sehr oft, häufig durch die Unterstützung, die ich von anderen erhalte.

Ich habe aber etwas tiefer über die Frage nachgedacht und bin auf viele größere und auch vermeintlich kleinere Dinge gestoßen, die mir helfen, eine vernünftige Balance beizubehalten – wenn es mir gelingt, entsprechend zu handeln.

Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr gelernt, dass mein persönliches Wohlbefinden eine Funktion der Dankbarkeit ist, die ich fähig bin zu empfinden. Ich habe weiterhin gelernt, dass Dankbarkeit dazu führt, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und ein größeres Bedürfnis erzeugt, anderen zu dienen, Nächstenliebe zu empfinden und sich für Dinge einzusetzen, die wertvoll für unsere Mitmenschen sind. Präsident Uchtdorf hat in der Priestertumsversammlung am Samstag sehr gut darüber gesprochen.

Sehr wichtig ist für mich meine bewusste Beziehung zu Gott und die Dankbarkeit für seine Segnungen, die so oft spürbar sind. Im Bild oben, höre ich Kirchenmusik (sehr häufig die großartigen Arrangements unserer Kirchenlieder). Nach jeder Generalkonferenz lade ich mir die MP3s von der Konferenz auf mein Smartphone und die Videos auf meinen Laptop. Auf den langen Flügen nutze ich die Zeit, höre zu und versuche mein Herz so weit wie möglich für den Heiligen Geist zu öffnen. Es entspannt mich, gibt mir inneren Frieden und beschert mir viele geistige Erlebnisse. Viele meiner Ansprachen, Themen, Briefe und Gedanken entstehen dabei. Auch das Verständnis für Probleme und die Lehren des Evangeliums erschließen sich dann oft in genialer Weise. Es gelingt nicht immer, aber wenn es gelingt, dann tut es richtig gut.

Entscheidend für meine Balance ist meine liebe Ehefrau Esther. Wir sind bald 32 Jahre verheiratet. Ich bin sehr dankbar für unsere liebevolle Ehe, ihr Verständnis für meine Schwächen und Sorgen, ihre großartige Unterstützung und ihre subtilen als auch deutlichen Signale, die mir eine große Hilfe sind, wenn Dinge drohen aus dem Gleichgewicht zu geraten. Sie hat ein tiefes Verständnis für die wichtigen Dinge im Leben, oft besser als ich. Sie ist genauso wie ich bereit für eine stabile Ehe zu arbeiten und das erspart uns seit vielen Jahren emotionale Achterbahnfahrten, an denen leider viele Beziehungen heutzutage scheitern. Ich liebe sie sehr.

Ebenso wichtig sind mir unsere Kinder und Enkel. Kürzlich habe ich über die Wichtigkeit von Mehrgenerationenfamilien gelesen, die sich guten Werten verpflichtet fühlen und damit, vergleichbar mit einem Wald, kostbaren Nährboden für nachwachsende Bäume bieten und diejenigen auffangen können, die mit Sorgen  und Problemen zu kämpfen haben. Ich bin dankbar für meine Familie. Es ist eine lebenslange Aufgabe, für den Zusammenhalt in der Familie zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich sehr viel bedeutet, ist das Streben nach Harmonie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das heißt nicht, es jedem recht machen zu wollen oder alles um des lieben Friedens Willen zu akzeptieren. Es heißt aber sehr wohl, kultiviert und liebevoll miteinander umzugehen, mit einem gesunden Maß Demut, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Mir gefällt die goldene Regel im Neuen Testament, Matthäus 7:12: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Leider fällt es mir manchmal schwer, sie umzusetzen. Aber ich versuche es so oft ich kann und das hält viel emotionalen Stress von mir fern.

Zurück zur Dankbarkeit – speziell die Dankbarkeit für viele als selbstverständlich betrachtete Dinge im Leben. Für mich ist das auch die Fähigkeit zu staunen, z.B. über die großartige Schöpfung, aber auch unscheinbare Dinge. Wir sind am Samstag auf den Hausberg von Graz, den Schöckl gewandert. Man kommt einigermaßen ins Schwitzen :-), aber es war die Mühe wert. Ich hätte stundenlang oben sitzen können, um die Aussicht zu genießen und mich zu freuen.

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Ich glaube, dass diese Form von einfacher, in gewisser Weise kindlicher Dankbarkeit einen essentiellen Schutz vor zynischen, sarkastischen und anderen destruktiven Betrachtungsweisen von Herausforderungen im Leben bietet. Das hat nichts mit einem verklärten Bild der Realität zu tun, sondern es ist eine Haltung trotz aller Herausforderungen.

Beständigkeit und kontinuierliche, kleine Schritte sind viel besser als gelegentliche Hauruck-Aktionen oder exzessive Anstrengungen, die viel Stress verursachen und im Widerspruch zu einer nachhaltigen Lebensweise stehen. Es hat mich einige Zeit gekostet, den gesamtheitlichen Ansatz des Evangeliums besser zu verstehen, weil dadurch viele verschiedene Segnungen „freigeschaltet“ werden und man sich manche nicht jahrelang vorenthält, weil man den Prinzipien, die darauf beruhen, wenig Beachtung schenkt. Das ist nach meiner Erfahrung ein weit verbreitetes Problem – Unausgewogenheit. Ich finde deshalb die Botschaft des Gebietsplanes für Europa sehr richtig.

Eine weitere große Hilfe ist es, wenn ich mich von geistigem und medialem Junk-Food fernhalte. Es ist unglaublich, wie viel Müll uns tagtäglich geradezu aufgedrängt und wie kritiklos er konsumiert wird. Geistiger und medialer Junk tun mir in meiner Balance nicht gut. Das erfahre ich auch von anderen in vielen Gesprächen, die ich als Seelsorger führe. Ich meide ihn inzwischen wo ich nur kann und bin ganz schlecht für Einschaltquoten etc. Es ist unklug, diesen Aspekt zu verharmlosen, von der Zeitverschwendung einmal ganz abgesehen.
Seit vielen Jahren mache ich sehr gute Erfahrungen mit dem täglichen Studium der Heiligen Schriften. Es braucht nicht viel Zeit jeden Tag, um spürbare, positive Ergebnisse zu sehen.

Als Präsident eines Pfahles wird man mit zahllosen Problemen konfrontiert. Warum sollte man sich so eine Aufgabe antun, die gut und gerne mit einem Vollzeitjob vergleichbar ist? Meine Antwort im 8. Jahr in dieser Berufung: Man kann. Aber man muss sich ein paar Einstellungen aneignen. Vor kurzem habe ich im Matthäus Evangelium das Gleichnis vom Schatz auf dem Acker gelesen, siehe Matthäus 13:44: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte.“
Das beschreibt es ganz gut. Es sind die Perspektiven, das Verständnis vom Warum. Warum ich lebe, wo ich hergekommen bin, wo ich nach diesem Leben hingehen werde, warum ich tue, was ich tue. Dieses riesige Feld von Fortschritt, Entwicklung, Erkenntnis und Liebe, das uns ein Vater im Himmel eröffnet – zusammengefasst unter der Bezeichnung Plan der Erlösung oder Plan des Glücklichseins – wenn wir nur bereit sind, Seine Bedingungen zu akzeptieren. Das alles motiviert mich sehr und macht mir viele Lasten leichter.
Kirche geht ohne Einsatz und Arbeit nicht. Wenn keiner etwas tun möchte, wird nichts passieren. Insofern bleibt Arbeit eben Arbeit. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn die Fragen nach dem WARUM geklärt sind. An sehr vielen Tagen liebe ich, was ich tue und brauche dafür keinen Anstoß. Es gibt wenige Tage, an denen es mir schwer fällt. Dann habe ich großartige Menschen in meinem Umfeld, die mich unbewusst und seltener auch bewusst motivieren.
Natürlich können und müssen wir noch viel lernen, wie wir das WIE verbessern und wie wir das WARUM besser erklären, denn es gibt eigentlich nichts genialeres. Es lohnt sich deshalb, seine Kraft für dieses große Werk einzusetzen – nicht mehr als man hat, dafür aber beständig und mit Schritten, die groß genug sind, um das eigene Verständnis zu erweitern.

Das alles (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) war in den letzten Jahren ein wichtiger Antrieb für mich. Der Lohn sind unvergleichliche und unvergessliche Erfahrungen, die auf andere Weise nicht zu machen sind. Ich denke, das ist nicht an eine bestimmte Kirchenberufung gebunden, sondern hat ganz viel mit dem Verständnis von den Perspektiven an die wir glauben zu tun und den Einstellungen, die erforderlich sind, damit Perspektiven lebendig werden können.

 

 

Sisters und Elders Part 25

Ich bin gerade am Frankfurter Airport und habe noch etwas Zeit bis mein Flug nach Singapur startet. Ich möchte deshalb noch etwas nachholen, das längst überfällig war. Als ich Sister Elisa Jakobi am 13. Februar nach ihrer Mission aus ihrer Berufung entlassen habe, haben wir vergessen, ein Foto zu machen. Ich möchte aber diese Tradition beibehalten. Es ist mir wichtig, unseren Missionaren für ihren Dienst zu danken. Heute war ich in ihrer Gemeinde und wir haben mit 6 Wochen Verspätung das Foto gemacht. 🙂

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Elisa hat 18 Monate in der Calgary Alberta Mission in Kanada gedient und ihre Mission ehrenvoll beendet. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch bei dem es für mich sehr interessant war, von Elisa´s Erfahrungen in einem Gebiet zu hören, in dem die Kirche sehr stark ist. Es hat mir viel Ansporn gegeben.
Besonders beeindruckt hat mich, wie die Mitglieder dort mit den Missionaren zusammen arbeiten. Ich denke, wir können davon einiges lernen.

Elisa, ich wünsche dir alles Gute für deinen weiteren Lebensweg. Der Vater im Himmel möge dich reich segnen bei der Umsetzung deiner Lebensziele. Die Pfahlpräsidentschaft wird immer ein offenes Ohr für dich haben. Herzlichen Dank – auch dafür, dass du dich jetzt auch wieder im Pfahl engagierst.

 

Philippinen

Heute haben einige meiner Facebook Freunde einen Artikel über einen kürzlichen Besuch von Elder Bednar auf den Philippinen geteilt. Vielen Dank dafür.

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https://www.lds.org/church/news/elder-bednar-praises-filipino-members-uncomplicated-faith-resiliency?lang=eng

Drei Wörter in der Überschrift waren für mich die Eye Catcher: Uncomplicated Faith (unkomplizierter Glaube) und Resiliency (Unverwüstlichkeit oder auch Widerstandsfähigkeit).

Ich war beruflich etliche Male auf den Philippinen und habe selten so freundliche Menschen getroffen wie dort – trotz großer Armut, häufigen Naturkatastrophen und einem alles andere als gerechten und stabilen politischen System.
Jedes Mal habe ich mich gefragt, wieso es dort so viele Mormonen gibt. Als ich vor ca. 10 Jahren zum ersten Mal dort war, waren es noch irgendwas um die 400.000 – mehr als 10 mal so viele, wie in Deutschland. Jetzt sind es über 700.000. Was ist dort anders?
Natürlich sind Kultur und äußere Umstände sehr verschieden, aber ich habe meine Antworten erhalten, als ich in einem Vorort von Manila zur Kirche gegangen bin. Sie sind ähnlich denen, die in dem Artikel erwähnt werden.
Da war diese aufrichtige Dankbarkeit. Man konnte es in den Augen sehen und auch fühlen. Dann die überwältigende Freundlichkeit und auch Fröhlichkeit, die ich in der Gemeinde erlebt habe. Es war eine große Gemeinde, aber ich habe ganz sicher beim ersten Besuch mit mindestens 80 Prozent der Mitglieder gesprochen und sie irgendwie kennengelernt. Ich habe das nirgendwo anders auch nur annähernd so erlebt – aufrichtiges Interesse, Wärme (nicht nur wegen der Temperaturen :)) und Nächstenliebe. Das war schon beeindruckend. Ich habe in der Gemeinde gespürt, dass sich die Leute untereinander gern hatten und wenig auf Äußerlichkeiten gegeben haben. Es lief nicht alles so perfekt ab, wie bei uns in Deutschland, aber ich habe den Heiligen Geist gespürt und eben wieder diese tiefe Dankbarkeit – für die Möglichkeit, Gott zu verehren, vom Abendmahl zu nehmen und Gemeinschaft zu pflegen.
Nach der Versammlung sind dort auch nicht alle sofort gegangen, obwohl es schon gegen 14:00 war. Viele waren noch lange da und haben sich unterhalten, gemeinsam gelacht und auch geweint.
Ich bin vom Hotel zum Gemeindehaus ca. 2 km zu Fuss gegangen. Unterwegs, weit vor dem Gemeindehaus wurde ich schon von Jungs in weißen Hemden und Krawatte freundlich angesprochen, die offensichtlich aus dem Gemeindehaus kamen und zu einer Gemeinde gehörten, die ihre Versammlungen schon vorher hatte. Da ich so gekleidet war, wie sie, nahmen sie wohl an, dass ich zur Kirche gehe. „Are you a Mormon, Sir?“ „Of course, I am.“ Sie waren begeistert.

Selbstverständlich haben die Mitglieder dort auch riesige Herausforderungen und es wird auch sicher ab und an Uneinigkeit geben. Viele sind wahrscheinlich auch nicht so konsistent im Praktizieren ihres Glaubens, wie auch anderswo.
Aber was ich wirklich gesehen habe ist dieser unkomplizierte Glaube, der offensichtlich enorm hilft, mit all den Problemen, die in dem Land zu finden sind, umzugehen.

Aus dieser Erfahrung habe ich sehr viel gelernt für meine Aufgaben jetzt. Menschen sind unendlich viel wichtiger als Dinge.

 

100 Jahre

Heute vor 100 Jahren wurde mein Vater, Martin Hengst, als 11. von 12 Kindern meiner Großeltern in Hohenstein-Ernstthal geboren. Ich verehre ihn und vermisse ihn seit fast 34 Jahren. Er war ein großartiger Mann.

Im Herbst 1983, kurze Zeit nach seinem Tod Anfang September 1983, habe ich diese Aquatinta Radierung angefertigt, die ich immer noch aufbewahre und die mir eine kostbare Erinnerung ist. Ich kann mich gut an die Gefühle erinnern, als ich an der Grafik gearbeitet habe.

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Er wird mir immer ein Vorbild sein, weil er trotz langjähriger schwerer Krankheit als Folge seiner Arbeit im Wismut- und Kohlebergbau unter Tage, ohne viel zu klagen, immer sein bestes gegeben hat. Er war ein authentischer und aufrechter Mormone und die Umstände seiner Bekehrung sind ein wichtiger Bestandteil meiner Überzeugung.

Wie gern hätte ich ihn mehr als 19 Jahre meines Lebens erlebt und um mich gehabt. Die Zeit des Wiedersehens wird eines Tages kommen – nach diesem Leben.

Heute ehre und liebe ich ihn als den Mann, der mich als mein Vater entscheidend geprägt hat. Vielen Dank, Dad.

 

Sister und Elders Part 26

Gestern Abend habe ich Elder James Vogel aus der Gemeinde Hohenstein-Ernstthal als Vollzeitmissionar eingesetzt. Er wird morgen in das MTC nach Chorley bei Preston reisen und danach zwei Jahre in der Alpenländischen Mission dienen. Ich freue mich sehr über James‘ Entschluss. Er hat sich so mit der Herausforderung auseinandergesetzt, wie es notwendig ist, um eine Entscheidung zu treffen, zu der man steht und Opfer zu bringen, ohne sich zu beklagen. Lieber James, dafür meinen vollen Respekt. Damit setzt du ein Zeichen für alle, die darüber nachdenken, eine Mission zu erfüllen. 

Die Fireside zur Einsetzung gestern Abend war sehr schön. Ich hoffe, sie hat dir noch einen zusätzlichen Schub an Kraft und Mut gegeben. 

Viel Spaß beim Erlernen der vielfältigen Dialekte in deinem Missionsgebiet. 🙂

Alles Gute für dich sowie den Schutz und Segen des Himmlischen Vaters wünschen dir alle, die dich kennen. 

Ätna 

Letzte Woche war ich auf Dienstreise in Catania auf Sizilien. Beim Rückflug Freitagmorgen nach Rom hatte ich dieses Mal Glück mit dem Wetter und dem Sitzplatz. Zum ersten Mal hatte ich eine tolle Aussicht auf den Ätna, Europas höchsten aktiven Vulkan. Auf allen vorangegangenen Trips saß ich entweder auf der falschen Seite oder es war zu bewölkt bzw. schon dunkel. 🙂
Sehr faszinierend. Ich wollte schon als Kind immer mal dort hin.

Stop it !

Überall wird der Ton rauer und unversöhnlicher. Scheinbar unaufhaltsam verkommen Manieren, Respekt voreinander sowie die Kultiviertheit und der Stil bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Konflikte. Leider geschieht das auch manchmal innerhalb der Kirche.

Eine passende Antwort auf solche Entwicklungen hat Präsident Dieter F. Uchtdorf in seiner Ansprache „Die Barmherzigen finden Erbarmen“ zur Generalkonferenz im April 2012 gegeben. Diese Rede sollte regelmäßig in Gottesdiensten, Pfahl- und Gemeinderäten und Familienheimabenden besprochen werden, da die Prinzipien ständig wieder in Vergessenheit geraten. Dabei sind sie sehr eindeutig, aber Mangel an Selbstreflexion und übertriebene Selbstbezogenheit können die Einsicht trüben.

Zitat aus Präsident Uchtdorf´s Ansprache:

„Dieses Thema – andere richten – könnte man eigentlich mit vier Worten abhandeln. Wenn es um Hass geht, um Klatsch, Ignoranz, Spott, Groll oder den Wunsch, anderen schaden zu wollen, tun Sie bitte eines:

Hören Sie damit auf!“

Präsident Uchtdorf erklärt, warum das so wichtig ist und wie man es besser machen kann. Wir werden nicht unsere komplette Umwelt ändern können und manchmal werden wir vielleicht unter Menschen leiden, denen die Folgen ihres Verhaltens gleichgültig sind. Dennoch ist es möglich und erstrebenswert, einen Unterschied zu machen.

Noch ein Zitat aus der Ansprache:

„Lassen Sie uns als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wo immer wir auch sein mögen, als ein Volk bekannt sein, das einander liebt.“

Hier ist der vollständige Wortlaut:

https://www.lds.org/general-conference/2012/04/the-merciful-obtain-mercy?lang=deu

Die Barmherzigen finden Erbarmen

Let Us All Press On

Vor zwei Wochen hatte ich die Gelegenheit, an einem Meeting mit der Gebietspräsidentschaft in Offenbach teilzunehmen. Präsident Kearon benutzte in seinen Ausführungen diese Variante des bekannten Kirchenliedes „Let Us All Press On“ (Gehet tapfer vorwärts), das von Richard Elliot arrangiert und bereits zu mehreren Generalkonferenzen gesungen wurde.

Ich liebe dieses Arrangement. Ich höre es oft im Auto oder im Flieger, wenn ich Gemeinden besuche oder auf Dienstreisen bin. Es baut mich auf, wenn ich mit Ärger oder Enttäuschungen konfrontiert bin. Es gibt mir Motivation und diesen sense of urgency, diesen inneren Drang, etwas Großartiges voran zu bringen, von dem Präsident Kearon gesprochen hat.

Es gibt bedeutende Gründe, das Werk des Herrn entschlossener voran zu bringen, und ich finde, es wird immer wichtiger. Das Thema beschäftigt mich stark.

Jede Organisation, die sich nicht nach vorne bewegt, läuft Gefahr zu stagnieren und sich in einen Verwaltungsmodus zu begeben. Dann verliert sie den Glauben, die Leidenschaft und den Drive, die notwendig sind, um Begeisterung zu wecken, Zusammenhalt zu schaffen und Ergebnisse zu produzieren, die uns wiederum weitertragen, an denen wir Freude haben und die helfen, Schwierigkeiten zu begegnen oder zu ertragen. Im Verwaltungsmodus verkümmern mutige Herzenswünsche, fangen Menschen an, Auseinandersetzungen über unwesentliche Dinge zu führen, Zusammenarbeit an Ich-bezogene Bedingungen zu knüpfen und den Blick für das große Ganze zu verlieren.

Im Gegensatz dazu, führt der Drang zur Weiterentwicklung, zum Teilen, zu einer anderen, positiveren Sicht auf Probleme, verändert Prioritäten, fördert das Zusammenwirken und stärkt zwischenmenschliche Beziehungen. Dadurch können Schwierigkeiten bewältigt werden, die im Verwaltungsmodus oft unüberwindlich erscheinen. Es muss etwas geben, auf das wir hinarbeiten und deshalb ist es eine logische Schlussfolgerung, dass wir uns in einer missionarischen Kirche befinden mit einer Botschaft von universeller Bedeutung.

Ich bin dankbar, dass ich von vielen Menschen umgeben bin, die diese Zusammenhänge verstehen und entsprechend handeln. Ich bin dankbar für die, die sich hinsetzen und versuchen, Verständnis zu entwickeln und über ihr eigenes Ich hinauszuwachsen.
Ich bin dankbar für die, auf die man sich verlassen kann, die Friedfertigen, Demütigen und Sanftmütigen, die Geduldigen und die Beständigen.
Ich bin dankbar für alle, die mit Sorgen und Problemen kämpfen und mir mit der Art und Weise, wie sie  mit Erfolg aber auch Misserfolg umgehen, ein Vorbild sind.
Ich denke auch an diejenigen, die zu dieser Form von Selbstreflexion fähig sind, welche dabei hilft, Veränderungsbedarf bei sich selbst zu erkennen und weniger häufig andere oder die Umstände für Ungemach verantwortlich zu machen.
Ich bin dankbar für die, die zu großer Nächstenliebe und Verständnis für andere fähig sind und mir dabei ein Beispiel geben.
Nicht zu letzt beeindrucken mich Menschen sehr, die das Evangelium teilen, dienen und Opfer bringen, weil sie es wollen, nicht weil sie es sollen.

Glauben und Liebe zu einer großen Sache lassen sich nicht erzwingen. Es funktioniert nicht, wenn man versucht, „Techniken“ anzuwenden. Aber es ist möglich, den Wunsch dafür zu entwickeln (siehe Buch Mormon, Alma 32:26-43)

Zum neuen Jahr

In der Zeit, in der man als Präsident eines Pfahles dient, lernt man die Gemeinden und die Mitglieder des Pfahles sehr gut kennen. Man führt im Laufe der Jahre tausende Gespräche und bekommt ein Gefühl dafür, was den Menschen den meisten Kummer bereitet. Die Antwort ist sehr eindeutig. Die größten Probleme befinden sich im zwischenmenschlichen Bereich und wirken sich auf viele andere Dinge aus.
Ich denke viel darüber nach, wie wir die Arbeit in der Kirche und unsere Seelsorge verbessern können und uns auf die Herausforderungen im neuen Jahr und in den nächsten Jahren einstellen.
Meine Gedanken dazu habe ich letzten Sonntag in der Gemeinde Zwickau in einem Vortrag erklärt. Wir müssen uns immer wieder auf unsere christlichen Werte besinnen, die Lehre besser verstehen und anwenden. Das ist keine bequeme Botschaft, aber sie ist nachhaltig. In den Perspektiven, die sie bietet, ist sie durch keine menschliche Philosophie zu übertreffen. Das begeistert mich immer wieder aufs Neue.

Hier sind die Folien, die ich innerhalb meines Verantwortungsbereiches verwende. Sie bedürfen natürlich weiterer Erklärungen, die ich hier nicht einfügen kann, aber vielleicht findet der eine oder andere trotzdem Anregungen.

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