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Report von der Frühjahrs-Pfahlkonferenz Leipzig

Anlässlich der Frühjahrs-Pfahlkonferenz am 26.4.2015 wurde der Distrikt Erfurt mit dem Pfahl Leipzig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vereinigt. Es war eine denkwürdige Konferenz.

Unser Pfahlsekretär hat wieder auf bewährte Art und Weise einen Report erstellt, der unter www.pfahl-leipzig.de aus dem Ordner „Berichte von der Pfahlkonferenz“ heruntergeladen werden kann.

Hier ist ein direkter Link;

2015-04 Frühjahrspfahlkonferenz

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 03

Part 2 habe ich schneller gepublished als ich eigentlich wollte. Die Gedanken waren noch nicht abgeschlossen. Also gibt es noch einen Teil 3.  Diesen widme ich meiner verstorbenen Großmutter Clara Böhme, deren Geburtstag sich am 5. Mai zum 125. Mal jährte und die 1925 als erste in unserer Familie ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wurde.

Hier nochmal die Links zu Part 1 und 2:
https://thomashengst.com/2015/01/24/jesus-christus-und-ereignisse-im-buch-mormon-part-01/

https://thomashengst.com/2015/02/15/jesus-christus-und-ereignisse-im-buch-mormon-part-02/

Ich finde es so wichtig, dass man sich mit diesem Thema beschäftigt, um das, was zur Zeit in der Welt geschieht, besser zu verstehen und für sich persönlich Schlussfolgerungen zu finden. Aber auch um zu begreifen, was daraus in Zukunft entstehen wird, wenn es keine Rückbesinnung auf die Lehre von Jesus Christus gibt.

In Alma Kapitel 30 (https://www.lds.org/scriptures/bofm/alma/30?lang=deu) wird von einem Mann namens Korihor berichtet. Korihor sorgte unter den Nephiten, die sich nach einigen verheerenden Kriegen in einer Phase der Rechtschaffenheit befanden (siehe Vers 3: „Ja, und das Volk war darauf bedacht, die Gebote des Herrn zu befolgen; und sie beachteten streng dieVerordnungen Gottes gemäß dem Gesetz des Mose; denn sie waren gelehrt worden, das Gesetz des Mose zu befolgen, bis es erfüllt sein würde.“), für große Unruhe.

Er verbreitete eine Lehre, die ich als Satan´s Roadmap bezeichne und die großen Anklang fand. Der Grund dafür überrascht nicht. Die Roadmap ist leicht zu akzeptieren, verspricht kurzfristig Vorteile und Erfolge und kümmert sich nicht um langfristige Folgen.

Im einzelnen behauptete Korihor die folgenden Dinge:

– Es gibt keinen Christus und seine Existenz ist auch nicht notwendig. (Vers 12 und 15)
– Menschen, die an Christus und sein Sühnopfer oder Profezeiungen glauben, hängen an törrichten Traditionen und geben ihre Freiheiten wegen vergeblicher Hoffnungen auf. (Vers 13 und 14)
– Niemand kann wissen, was in Zukunft geschieht. (Vers 13)
– Es gibt keine Vergebung von Sünden, weil es so etwas wie Sünde nicht gibt und es jedem gemäß seinen Fähigkeiten ergeht. (Vers 16 und 17)
– Wenn der Mensch stirbt ist alles zu Ende und deshalb ist es ohne Belang, was jemand tut. (Vers 18).

Zitat Vers 17:
Und noch viel Derartiges mehr sprach er zu ihnen; er sagte ihnen, daß kein Sühnopfer für die Sünden der Menschen vollbracht werden könne, sondern daß es jedermann in diesem Leben so ergehe, wie es dem Verhalten jedes Geschöpfes entspreche; darum gedeihe jeder Mensch, wie es seiner Begabung entspreche, und jeder Mensch gewinne, wie es seiner Kraft entspreche; und was auch immer jemand tue, sei kein Verbrechen.

Vers 18 schildert die unmittelbaren Auswirkungen dieser Roadmap:
Und so predigte er ihnen und verführte vielen das Herz; er veranlaßte sie, in ihrer Schlechtigkeit das Haupt emporzuheben, ja, er verführte viele Frauen und auch Männer, Hurerei zu begehen—denn er sagte ihnen, wenn der Mensch tot sei, dann sei dies das Ende.

Stolz und Unmoral sind also zwei der Hauptsäulen von Satan´s Roadmap. Korihor selbst nahm ein tragisches Ende. Vers 60 erklärt die Verlogenheit dieser Roadmap:
Und so sehen wir, wie jemand endet, der die Wege des Herrn verkehrt; und so sehen wir, daß der Teufel seinen Kindern am letzten Tag nicht beistehen wird, sondern sie schnell zur Hölle hinabzerrt.

Mein verstorbener Onkel pflegte früher immer zu sagen: „Satan benutzt 99 Wahrheiten, aber am Ende kommt immer eine Lüge heraus.“ Das gravierendste an Satan´s Roadmap ist seine vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber den Konsequenzen seines Planes und dem Schicksal deren, die ihm folgen.

2 Nephi 2:27 fasst es noch einmal zusammen:

„Darum sind die Menschen gemäß dem Fleische frei; und alles ist ihnen gegeben, was für den Menschen notwendig ist. Und sie sind frei, um Freiheit und ewiges Leben zu wählen durch den großen Mittler für alle Menschen oder um Gefangenschaft und Tod zu wählen gemäß der Gefangenschaft und Macht des Teufels; denn er trachtet danach, daß alle Menschen so elend seien wie er selbst.“

Im Kontrast dazu steht der Plan von Jesus Christus, der ein unbegrenztes Opfer gebracht hat, damit es a) eine buchstäbliche Auferstehung vom Tod geben kann – als ein Geschenk an alle Menschen und b) die vollständigen Segnungen des Planes der Erlösung allen offen stehen, die sich dafür entscheiden, das Sühnopfer Christi anzunehmen.

In Teil 1 (https://thomashengst.com/2015/01/24/jesus-christus-und-ereignisse-im-buch-mormon-part-01/) habe ich darüber geschrieben.

Mit Verweis auf Sein Sühnopfer sagt Jesus Christus in Lehre und Bündnisse 19:16-19:

„Denn siehe, ich, Gott, habe das für alle gelitten, damit sie nicht leiden müssen, sofern sie umkehren;
aber sofern sie nicht umkehren, müssen sie leiden so wie ich,
und dieses Leiden ließ mich, selbst Gott, den Größten von allen, der Schmerzen wegen zittern und aus jeder Pore bluten und an Leib und Geist leiden—und ich wollte den bitteren Kelch nicht trinken und zurückschrecken—,
doch Ehre sei dem Vater, und ich trank davon und vollendete meine Vorbereitungen für die Menschenkinder.“

Das Ende des Buches Mormon zeigt, dass die Missachtung der Werte des Evangeliums ein unvorstellbares Leid hervorgerufen hat. Es zeigt auch, dass Moroni´s Aussage, die ich in Teil 2 (https://thomashengst.com/2015/02/15/jesus-christus-und-ereignisse-im-buch-mormon-part-02/) zitiert habe, mit gutem Grund in das Buch Mormon aufgenommen wurde.

Was geschah und warum geschah es ? Es fing scheinbar mit Kleinigkeiten an, aber Habgier war der Auslöser.

  1. Einige wurden stolz und überheblich und veränderten Prioritäten.

Siehe 4 Nephi Vers 24: „Und nun, in diesem zweihundertundersten Jahr fing es an, daß es unter ihnen welche gab, die im Stolz überheblich wurden, so daß sie kostbare Gewänder und allerart feine Perlen und feine Dinge der Welt trugen.“

  1. Die Solidarität, die Menschen in verschiedensten Umständen verbunden hatte, begann zu erodieren.

Vers 25: „Und von der Zeit an hatten sie ihre Güter und ihre Habe untereinander nicht mehr gemeinsam.“

  1. Die entstehenden sozialen Unterschiede führten zu Spaltungen im Volk.

Vers 26: „Und sie fingen an, sich in Klassen zu teilen;“

  1. Diejenigen, die wichtige Evangeliumsgrundsätze nicht mehr akzeptierten, organisierten sich und untersetzten ihr Verhalten mit einer Lehre, die die Lehre von Christus verwässerte und grundlegend veränderte. Die neuen Organisationen waren materiell und gewinnorientiert ausgerichtet. Sie leugneten die wahre Lehre Christi. Das war eine logische Folge der neuen Lehre, denn diese konnte aufgrund ihrer Ausrichtung keine spirituelle Kraft mehr haben.

Vers 26, 27: „und sie fingen an, für sich selbst Kirchen zu errichten, um Gewinn zu erlangen, und fingen an, die wahre Kirche Christi zu leugnen.
Und es begab sich: Als zweihundertundzehn Jahre vergangen waren, gab es viele Kirchen im Land; ja, es gab viele Kirchen, die vorgaben, den Christus zu kennen, und doch leugneten sie den größeren Teil seines Evangeliums, so daß sie allerart Schlechtigkeit annahmen und das, was heilig war, dem zuteil werden ließen, dem es wegen Unwürdigkeit verboten war.“

  1. Die neuen Organisationen wurden sehr populär.

Vers 28: „Und wegen des Übeltuns und wegen der Macht des Satans, der Einfluß auf ihr Herz erlangte, mehrte sich diese Kirche über die Maßen.“

  1. Ihre Anhänger übten Druck und Gewalt auf die verbliebenen Rechtschaffenen aus.

Vers 29, 30: „Und weiter, es gab noch eine weitere Kirche, die den Christus leugnete; und sie verfolgten die wahre Kirche Christi wegen ihrer Demut und ihres Glaubens an Christus; und sie verachteten sie wegen der vielen Wundertaten, die unter ihnen gewirkt wurden.
Darum übten sie Macht und Gewalt über die Jünger Jesu aus,“

  1. Sie waren für geistige Zeugnisse nicht mehr empfänglich und sahen Mord als legitimes Mittel an, um unerwünschte Personen zu beseitigen.

Vers 30, 31: „und sie warfen sie ins Gefängnis; aber durch die Macht des Wortes Gottes, die in ihnen war, brachen die Gefängnisse entzwei, und sie gingen hinaus und vollbrachten mächtige Wundertaten unter ihnen.
Und doch, ungeachtet all dieser Wundertaten, verhärtete das Volk sein Herz und trachtete danach, sie umzubringen, ja, wie die Juden zu Jerusalem getrachtet hatten, Jesus umzubringen, gemäß seinem Wort.“

  1. Der Einfluss schlechter Führer nahm zu und führte zu einem dramatischen moralischen Verfall in großen Teilen des Volkes.

Vers 34: „Doch verhärtete das Volk sein Herz, denn sie wurden von vielen Priestern und falschen Propheten angeleitet, viele Kirchen zu errichten und allerart Übles zu tun. Und sie schlugen auf das Volk Jesu ein, aber das Volk Jesu schlug nicht zurück. Und so verfielen sie in Unglauben und Schlechtigkeit, von Jahr zu Jahr,“

  1. Es kam zu einem Bruch in der Gesellschaft und Hass wurde zur Doktrin auf der Seite der Mehrheit.

Vers 35, 39, 40: „Und nun begab es sich: In diesem Jahr, ja, im zweihundertundeinunddreißigsten Jahr, gab es eine große Spaltung unter dem Volk. …
Und es wurde ihnen beigebracht, die Kinder Gottes zu hassen, ja, wie es den Lamaniten von Anfang an beigebracht worden war, die Kinder Nephi zu hassen. …
Und der schlechtere Teil des Volkes wurde stark und wurde überaus zahlreicher, als es das Volk Gottes war.“

  1. Die Abwendung vom Glauben war keine Frage von Unwissenheit, sondern die bewusste Entscheidung, nicht mehr nach wichtigen Geboten Gottes leben zu wollen. Die nächste Generation wurde entsprechend indoktriniert.

Vers 38: „Und es begab sich: Diejenigen, die das Evangelium verwarfen, wurden Lamaniten und Lemueliten und Ischmaeliten genannt; und sie verfielen nicht in Unglauben, sondern sie lehnten sich vorsätzlich gegen das Evangelium Christi auf; und sie lehrten ihre Kinder, sie sollten nicht glauben, so wie ihre Väter von Anfang an verfielen.“

  1. Eine besonders hässliche und fatale Konsequenz war, dass dem organisierten Verbrechen Raum und Akzeptanz gegeben und dem Streben nach Reichtum jegliche Moral geopfert wurde. Es wurde nicht mehr gegen die sogenannten Gadianton-Räuber vorgegangen, mit fürchterlichen Folgen.

Vers 42, 46: „Und es begab sich: Der schlechte Teil des Volkes fing abermals an, die geheimen Eide und Verbindungen Gadiantons zu errichten. …
Und es begab sich: Die Gadiantonräuber breiteten sich über das ganze Antlitz des Landes aus; und es gab niemand, der rechtschaffen war, außer die Jünger Jesu. Und Gold und Silber lagerten sie in reichem Maße ein und handelten in allerart Handel.“

Mit diesem düsteren Bild endet das Buch 4. Nephi. Innerhalb von etwas mehr als 100 Jahren degenerierte eine moralisch intakte Gesellschaft vollständig, in dem sie der oben beschriebenen Roadmap Satan´s folgte und die Voraussetzungen für eine vollständige Eskalation von Unmoral, Hass und Gewalt schuf.

Es ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was im folgenden Bericht Mormon´s beschrieben wird. Es lohnt, sich diesen genau zu lesen und dabei über die Worte Moroni´s aus Mormon 8:35 nachzudenken, die ich hier noch einmal zitieren möchte:

„Siehe, ich spreche zu euch, als seiet ihr gegenwärtig, und doch seid ihr es nicht. Aber siehe, Jesus Christus hat euch mir gezeigt, und ich weiß, was ihr tut.“

In Kapitel 1 beginnen die ersten kriegerischen Auseinandersetzungen mit allen Konsequenzen für Familien, die Ökonomie und die Sicherheit.

– Der Einfluss des Heiligen Geistes und die Verbindung zu Gott ging vollständig verloren und damit die wichtigste moralische Instanz.

Mormon 1, Vers 14: „Und es gab keine Gaben vom Herrn, und der Heilige Geist kam wegen ihrer Schlechtigkeit und ihres Unglaubens über niemanden.“

– Es war sinnlos zu versuchen, Glaube und Rechtschaffenheit zu predigen, da niemand dafür mehr empfänglich war.

Vers 16, 17: „Und ich ging daran, diesem Volk zu predigen, aber der Mund wurde mir verschlossen, und es wurde mir verboten, ihnen zu predigen; denn siehe, sie hatten sich vorsätzlich gegen ihren Gott aufgelehnt; und wegen ihres Übeltuns wurden die geliebten Jünger aus dem Land hinweggenommen.
Doch ich verblieb unter ihnen, aber wegen ihrer Herzenshärte wurde es mir verboten, ihnen zu predigen; und das Land wurde wegen ihrer Herzenshärte um ihretwillen verflucht.“

– Stattdessen wandten sich die Menschen allen möglichen bizarren Alternativlehren zu, die attraktiv erschienen aber ohne Kraft sind.

Vers 19: „Und es begab sich: Es gab Zauberei und Hexenkunst und Magie; und die Macht des Bösen wirkte sich auf dem ganzen Antlitz des Landes aus, ja, so daß sich alle Worte Abinadis und auch Samuels des Lamaniten erfüllten.“

– Von dieser Zeit an, gab es keine existentielle Sicherheit mehr im Land.

Vers 18: „Und diese Gadiantonräuber, die sich unter den Lamaniten befanden, machten das Land unsicher, so sehr, daß dessen Bewohner anfingen, ihre Schätze in der Erde zu verbergen; und sie wurden schlüpfrig, weil der Herr das Land verflucht hatte, so daß sie sie weder halten, noch abermals festhalten konnten.“

– Eine weitere Folge waren Hoffnungslosigkeit und Fatalismus.

Mormon 2:11-14:  „Und so fing wegen diesem allen im ganzen Land ein Trauern und ein Wehklagen an, besonders aber unter dem Volk Nephi.
Und es begab sich: Als ich, Mormon, ihr Wehklagen und ihr Trauern und ihren Kummer vor dem Herrn sah, fing mein Herz an, sich in mir zu freuen, denn ich kannte die große Barmherzigkeit und die Langmut des Herrn; darum meinte ich, er werde zu ihnen barmherzig sein, so daß sie wieder ein rechtschaffenes Volk würden.
Aber siehe, diese meine Freude war vergeblich, denn ihr Trauern diente nicht der Umkehr wegen der Güte Gottes, sondern es war vielmehr das Trauern der Verdammten, weil der Herr es ihnen nicht immer zuließ, in der Sünde Glücklichsein zu finden.
Und sie kamen nicht mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist zu Jesus, sondern sie fluchten Gott und wünschten zu sterben. Und doch wollten sie mit dem Schwert um ihr Leben kämpfen.“

– Der Krieg entartete und führte zu unbeschreiblichen Greueltaten.

Mormon sagt dazu in Vers 18: „Und auf den Platten Nephis schrieb ich einen vollen Bericht von all der Schlechtigkeit und den Greueln; aber auf diesen Platten nahm ich davon Abstand, einen vollen Bericht von ihrer Schlechtigkeit und ihren Greueln zu geben, denn siehe, ein beständiges Bild von Schlechtigkeit und Greueln ist mir immer vor Augen, seitdem ich imstande bin, die Wege der Menschen zu betrachten.“

– Die rechtschaffenen, fähigen und integeren Personen lehtnen es ab, das Volk zu führen, weil die Zustände so verkommen waren, dass eine Verbesserung nicht mehr realistisch war.

Mormon 3:11, 12: „Und es begab sich: Ich, Mormon, lehnte es von jener Zeit an völlig ab, Befehlshaber und Führer dieses Volkes zu sein, und zwar wegen ihrer Schlechtigkeit und ihres Greuels.
Siehe, ich hatte sie geführt; ungeachtet ihrer Schlechtigkeit hatte ich sie viele Male zum Kampf geführt und hatte sie gemäß der Gottesliebe, die in mir war, mit meinem ganzen Herzen geliebt; und meine Seele hatte sich den ganzen Tag lang vor meinem Gott im Gebet für sie ergossen; doch war es, wegen ihrer Herzenshärte, ohne Glauben.“

– In Mormon Kapitel 6 wird die vollständige Vernichtung des Volkes Nephi berichtet. Die Sieger fahren fort, sich untereinander niederzumetzeln.

Mormon schrieb einen Brief an seinen Sohn Moroni, der im Buch Moroni Kapitel 9 wiedergegeben wird. Mormon fasst die gesamte Tragödie noch einmal zusammen:

„MEIN geliebter Sohn, ich schreibe dir abermals, damit du weißt, daß ich noch lebe; aber ich schreibe einiges über das, was schmerzlich ist.
Denn siehe, ich habe einen schweren Kampf mit den Lamaniten gehabt, bei dem wir nicht gesiegt haben; und Archeantus ist durch das Schwert gefallen und auch Luram und Emron; ja, und wir haben eine große Anzahl unserer erwählten Männer verloren.
Und nun siehe, mein Sohn, ich fürchte, die Lamaniten werden dieses Volk vernichten; denn sie kehren nicht um, und der Satan stachelt sie beständig zum Zorn gegeneinander auf.
Siehe, ich arbeite beständig mit ihnen; und wenn ich das Wort Gottes voll Deutlichkeit spreche, dann zittern sie und sind zornig auf mich; wenn ich es aber nicht mit Deutlichkeit tue, dann verhärten sie ihr Herz dagegen; darum fürchte ich, der Geist des Herrn hat aufgehört, sich mit ihnen abzumühen.
Denn so überaus zornig sind sie, daß es mir scheint, als hätten sie keine Furcht vor dem Tod; und sie haben ihre Liebe füreinander verloren; und sie dürsten beständig nach Blut und Rache.
Und nun, mein geliebter Sohn, laß uns ungeachtet ihrer Verstocktheit eifrig arbeiten; denn wenn wir aufhören zu arbeiten, setzen wir uns der Schuldigsprechung aus; denn wir haben eine Arbeit zu verrichten, solange wir in dieser irdischen Hülle weilen, damit wir den Feind aller Rechtschaffenheit besiegen und unsere Seele im Reich Gottes ausruhen kann.
Und nun schreibe ich einiges über die Leiden dieses Volkes. Denn gemäß der Kenntnis, die ich von Amoron empfangen habe, siehe, da haben die Lamaniten viele Gefangene, die sie vom Turm von Scherriza genommen haben; und es waren Männer, Frauen und Kinder.
Und die Männer und Väter dieser Frauen und Kinder haben sie getötet; und sie geben den Frauen das Fleisch ihrer Männer zu essen und den Kindern das Fleisch ihrer Väter; und Wasser geben sie ihnen keines, außer ganz wenig.
Und ungeachtet dieses großen Greuels der Lamaniten übertrifft er doch nicht denjenigen unseres Volkes in Moriantum. Denn siehe, viele der Töchter der Lamaniten haben sie gefangengenommen; und nachdem sie sie dessen beraubt haben, was vor allem anderen höchst teuer und kostbar ist, nämlich Keuschheit und Tugend—
und nachdem sie das getan haben, haben sie sie auf höchst grausame Weise gemordet, denn sie haben ihren Leib zu Tode gefoltert; und nachdem sie das getan haben, verschlingen sie ihr Fleisch wie wilde Tiere, wegen ihrer Herzenshärte, und sie tun dies als Zeichen des Mutes.
O mein geliebter Sohn, wie kann ein solches Volk, das ohne jede Gesittung ist—
(und nur ein paar Jahre sind vergangen, seit sie ein gesittetes und ein angenehmes Volk waren),
doch, o mein Sohn, wie kann ein solches Volk, das an soviel Greuel Freude hat—
wie können wir erwarten, daß Gott seine Hand im Gericht gegen uns zurückhalten wird?
Siehe, mein Herz schreit: Weh diesem Volk! Tritt hervor in Rechtsprechung, o Gott, und verbirg ihre Sünden und Schlechtigkeit und Greuel vor deinem Angesicht!
Und weiter, mein Sohn, es gibt viele Witwen und ihre Töchter, die in Scherriza geblieben sind; und jener Teil der Vorräte, den die Lamaniten nicht weggeführt haben, siehe, den hat das Heer Zenephis weggeführt und überläßt es ihnen, umherzustreifen, wohin auch immer sie können, um Nahrung zu suchen; und viele alte Frauen werden unterwegs schwach und sterben.
Und das Heer, das bei mir ist, ist schwach; und die Heere der Lamaniten stehen zwischen Scherriza und mir; und alle, die zum Heer Aarons geflohen sind, die sind ihrer furchtbaren Roheit zum Opfer gefallen.
O welche Verworfenheit meines Volkes! Sie sind ohne Ordnung und ohne Barmherzigkeit. Siehe, ich bin nur ein Mensch, und ich habe nur die Stärke eines Menschen, und ich kann meine Befehle nicht länger durchsetzen.
Und sie sind in ihrer Verderbtheit stark geworden; und sie sind alle gleichermaßen roh und verschonen niemand, weder alt noch jung; und sie freuen sich an allem, außer an dem, was gut ist; und das Leiden unserer Frauen und unserer Kinder auf dem ganzen Antlitz dieses Landes übersteigt alles; ja, die Zunge kann es nicht sagen, es läßt sich auch nicht niederschreiben.
Und nun, mein Sohn, verweile ich nicht länger bei diesem schrecklichen Bild. Siehe, du kennst die Schlechtigkeit dieses Volkes; du weißt, daß sie ohne Grundsatz sind und kein Gefühl mehr haben; und ihre Schlechtigkeit übersteigt die der Lamaniten.
Siehe, mein Sohn, ich kann sie Gott nicht anempfehlen, weil er mich sonst schlägt.
Aber siehe, mein Sohn, ich anempfehle dich Gott, und ich vertraue auf Christus, daß du errettet werden wirst; und ich bete zu Gott, er möge dein Leben schonen, damit du Zeuge der Rückkehr seines Volkes zu ihm bist oder aber ihrer völligen Vernichtung; denn ich weiß, sie müssen zugrunde gehen, wenn sie nicht umkehren und zu ihm zurückkehren.
Und wenn sie zugrunde gehen, wird es wie bei den Jarediten sein—wegen des Eigensinns ihres Herzens und weil sie nach Blut und Rache trachten.
Und wenn es so ist, daß sie zugrunde gehen, wissen wir, daß viele unserer Brüder zu den Lamaniten übergelaufen sind, und viele weitere werden noch zu ihnen überlaufen; darum schreibe einiges weniges nieder, falls du verschont bleibst und ich zugrunde gehe und dich nicht sehe; aber ich vertraue darauf, daß ich dich bald sehe; denn ich habe heilige Aufzeichnungen, die ich dir übergeben möchte.
Mein Sohn, sei in Christus treu; und möge das, was ich geschrieben habe, dich nicht so bekümmern, daß es dich zu Tode bedrückt; sondern möge Christus dich erheben, und mögen seine Leiden und sein Tod und daß er unseren Vätern seinen Leib gezeigt hat, und seine Barmherzigkeit und Langmut und die Hoffnung auf seine Herrlichkeit und auf ewiges Leben immerdar in deinem Sinn verbleiben.
Und möge die Gnade Gottes, des Vaters, dessen Thron hoch in den Himmeln ist, und unseres Herrn Jesus Christus, der zur rechten Hand seiner Macht sitzt, bis ihm alles unterworfen ist, immerdar mit dir sein und verbleiben. Amen.“

Aus diesem Bericht können wir eine Menge lernen. Es ist nicht schwierig, die Parallelen zu unserer Zeit zu erkennen. Natürlich ist nicht alles so schwarz und weiß, wie in diesem Bericht. Darum geht es auch nicht. Es geht darum, wie sich Befolgen oder Nichtbefolgen von Werten, die universelle und unendliche Gültigkeit haben, kurz-, mittel- und langfristig auf die Menschheit auswirken. Die Berichte in 4. Nephi und Mormon regen zu weiterem Studium an und fordern Konsequenzen im Denken und Handeln.

Mormon´s Sohn Moroni schließt das Buch Mormon ab mit der Aufforderung der Lehre von Jesus Christus zu folgen, seine Roadmap, die wir den Plan der Erlösung nennen anzunehmen (siehe Moroni 10:32, 33).

„Ja, kommt zu Christus, und werdet in ihm vollkommen, und verzichtet auf alles, was ungöttlich ist, und wenn ihr auf alles verzichtet, was ungöttlich ist und Gott mit all eurer Macht, ganzem Sinn und aller Kraft liebt, dann ist seine Gnade ausreichend für euch, damit ihr durch seine Gnade in Christus vollkommen seiet; und wenn ihr durch die Gnade Gottes in Christus vollkommen seid, könnt ihr die Macht Gottes keineswegs leugnen.
Und weiter: Wenn ihr durch die Gnade Gottes in Christus vollkommen seid und seine Macht nicht leugnet, dann werdet ihr durch die Gnade Gottes in Christus geheiligt, nämlich dadurch, daß das Blut Christi vergossen wurde, das im Bund des Vaters der Vergebung eurer Sünden dient, damit ihr heilig werdet, ohne Makel.“

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 01

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Der Höhepunkt des Buches Mormon ist der Besuch des auferstandenen Jesus Christus bei den Bewohnern des Landes Überfluss. Dabei gab er ihnen die Gelegenheit, ihn zu sehen und zu berühren.  Das Buch Mormon bestätigt den Bericht des Neuen Testaments von Seinem Wirken in Palästina und ist damit neben der Bibel ein weiterer Zeuge für Jesus Christus.

Ähnlich wie seinen Freunden in Jerusalem, gab Jesus auch dem Volk Nephi nicht nur einen Beweis seiner Auferstehung und physischen Existenz, sondern während der Dauer seines Aufenthaltes diente er ihnen geistlich auf einzigartige Weise.

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Unter anderem tat er das wie folgt, nachzulesen im Buch 3. Nephi ab Kapitel 11:

 – Er gab ihnen ein vollständiges Verständnis seines Sühnopfers und der Lehre Christi.

– Er berief zwölf Apostel und etablierte seine Kirche.
– Er wiederholte die Bergpredigt sowie weitere Evangeliumsgrundsätze wie die christliche Moral- und Glaubenslehre sowie die Notwendigkeit und Art und Weise der Taufe.
– Er erklärte inwieweit er das Gesetz Mose erfüllt hat und seine Lehren deshalb darüber hinausgehen und wie die zukünftige Sammlung Israels vor sich gehen wird.
– Er heilte ihre Kranken, segnete die Kinder und betete für die Menschen auf eine Weise, die nicht mit Worten wiedergegeben werden kann.
– Er zeigte ihnen Nächstenliebe und forderte sie auf, diesem Grundsatz zu folgen und einander zu dienen.
– Außerdem führte er das Abendmahl ein, erklärte seine Bedeutung und bevollmächtigte die Zwölf, die Gabe des Heiligen Geistes zu übertragen. Damit wurden grundlegende Pflichten des Priestertums definiert.
– Er bestätigte die Schriften Jesajas über die Zeit vor Seinem Zweiten Kommen und schilderte Ereignisse und Zustände, die diesem Kommen vorausgehen werden. Er legte alles aus, vom Anfang bis zum Ende.
– Jesus erneuerte auch das Gesetz des Zehnten und forderte die Menschen auf, es zu befolgen und dadurch gesegnet zu werden.
– Bevor er das Volk Nephi verließ, stellte er sicher, dass sie das Evangelium Jesu Christi und die damit verbundenen ewigen Perspektiven verstanden hatten.

Der Bericht im 3. Nephi endet mit folgendem Vers, der eine Aufforderung an die Menschen in unserer Zeit enthält und worauf ich später noch zurückkommen werde:

„Wendet euch, all ihr Andern, von euren schlechten Wegen ab, und kehrt von euren Übeltaten um, von eurem Lügen und Täuschen und von eurer Hurerei und von euren geheimen Greueln und eurem Götzendienst und von euren Morden und eurer Priesterlist und eurem Neid und eurem Hader und von all eurer Schlechtigkeit und euren Greueltaten, und kommt zu mir und laßt euch in meinem Namen taufen, damit ihr Vergebung für eure Sünden empfangen und vom Heiligen Geist erfüllt werden könnt, damit ihr meinem Volk zugezählt werden könnt, das vom Haus Israel ist.“ (3. Nephi 30:2)

Danach verließ er die Nephiten.
Und was geschah dann?

Diejenigen, die Zeugen des Besuches von Jesus Christus waren, fingen an, ihre Erlebnisse mit anderen zu teilen. Das Teilen des Evangeliums und das damit verbundene Streben nach Übereinstimmung mit dessen Grundsätzen, müssen eine riesige Dynamik entwickelt haben, die die Menschen mitgerissen hat. Warum sonst hätten sie glauben, umkehren, sich taufen lassen und den Heiligen Geist erhalten sollen. Warum hätten sie sich jemals ändern und rechtschaffen werden sollen, wenn es nicht etwas gegeben hätte, das ihr Verständnis und ihre Gefühle so erweitert hat, dass sie sich bekehren wollten.

Die Wirkung seines Besuches, der Belehrungen und seines Dienstes war also in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Im Laufe einer historisch kurzen Zeit entwickelte sich eine Gesellschaft, die uns eine konkrete Vorstellung davon gibt, was geschehen kann, wenn das Evangelium Jesu Christi von großen Teilen eines Volkes verstanden und seine Grundsätze konsequent angewandt werden. Im ersten Teil des Buches 4. Nephi im Buch Mormon wird beschrieben, wie sich diese Entwicklung vollzog.

„… und siehe, die Jünger Jesu hatten in allen Ländern ringsum eine Kirche Christi gebildet. Und alle, die zu ihnen kamen und von ihren Sünden wahrhaftig umkehrten, wurden im Namen Jesu getauft, und sie empfingen auch den Heiligen Geist.“ (4. Nephi 1:1)

Das sind die ersten Grundsätze des Evangeliums Jesu Christi: Glaube, Umkehr, Taufe und die Gabe des Heiligen Geistes als Basis für alles weitere. Bekehrung ist ein persönlicher und vor allem freiwilliger Prozess. Erzwungene Bekehrung ist keine Bekehrung und wird auch nie dauerhafte Früchte hervorbringen.

„Und es begab sich: Im sechsunddreißigsten Jahr wurde alles Volk zum Herrn bekehrt, auf dem ganzen Antlitz des Landes, sowohl die Nephiten als auch die Lamaniten, und es gab keine Streitigkeiten und Auseinandersetzungen unter ihnen, und jedermann handelte gerecht, einer mit dem anderen.“ (4. Nephi 1:2)

Was lernen wir hier? Bei echter Bekehrung zum Evangelium hören Streitigkeiten und Auseinandersetzungen mit der Zeit auf, weil der Glaube dazu motiviert und sich positive Erfahrungen einstellen, die wiederum die Kraft zu Selbstdisziplin und Selbstlosigkeit geben. Wenn das nicht geschieht und Ungerechtigkeit ebenfalls nicht abgeschafft wird, hat es demzufolge keine echte Bekehrung zum Evangelium Jesu Christi gegeben.

„Und sie hatten alles unter sich gemeinsam; darum gab es keine Reichen und Armen, Geknechteten und Freien, sondern sie waren alle frei geworden und hatten teil an der himmlischen Gabe.“ (4. Nephi 1:3)

Die Überwindung von Egoismus, Macht- und Habgier, Neid und Missgunst, aber auch Faulheit und Müßiggang ermöglicht es den Menschen, Unterschiede in Gemeinsamkeiten zu verwandeln und den Fluch, Besitzstände zu vergleichen zu beseitigen. Es bedeutet nicht Uniformismus oder gleichgeschaltete Gehirne, wie manche Zeitgenossen vermuten.
Voraussetzungen für den Erfolg sind echte Nächstenliebe und Menschlichkeit, wie von Jesus propagiert, Rechtschaffenheit, Selbstlosigkeit, Disziplin, Fleiß, Solidarität und Toleranz, die Anerkennung von objektiv gültigen moralischen Gesetzen und deren Befolgung sowie weitere edle Eigenschaften.

Und es wurden große und wunderbare Werke von den Jüngern Jesu vollbracht; ja, sie heilten die Kranken und erweckten die Toten auf und machten, daß die Lahmen gingen und die Blinden ihr Augenlicht empfingen und die Tauben hörten; und allerart Wundertaten vollbrachten sie unter den Menschenkindern; und in nichts bewirkten sie Wundertaten, außer allein im Namen Jesu. (4. Nephi 1:5)

Und nun, siehe, es begab sich: Das Volk Nephi wurde stark und mehrte sich überaus schnell und wurde ein überaus anmutiges und angenehmes Volk. (4. Nephi 1:10)

Einigkeit und Rechtschaffenheit machten dieses Volk nicht nur wirtschaftlich erfolgreich (was nachzulesen ist, aber hier nicht zitiert), sondern auch gesellschaftlich.
Was kennzeichnet ein starkes, anmutiges und angenehmes Volk? Die folgenden Verse fassen es eigentlich recht gut zusammen.

„Und es begab sich: Wegen der Gottesliebe, die dem Volk im Herzen wohnte, gab es im Land keinen Streit.
Und es gab weder Neid noch Hader, noch Aufruhr, noch Hurerei, noch Lüge, noch Mord, noch irgendeine Art von Sittenverderbnis; und gewiß konnte es kein glücklicheres Volk unter allem Volk geben, das von der Hand Gottes erschaffen worden war.
Es gab weder Räuber noch Mörder, noch gab es Lamaniten, noch sonst irgendwelche -iten; sondern sie waren eins, die Kinder Christi und Erben des Reiches Gottes.
Und wie gesegnet waren sie! Denn der Herr segnete sie in allem, was sie taten; ja, sie wurden gesegnet, und es erging ihnen wohl …“ (4. Nephi 1:15-18)

Das alles kann durch die Anwendung des Evangeliums Jesu Christi bewirkt werden. Das ist das ihm innewohnende Potential, das nicht nur Glückseligkeit für ein Leben nach dem Tod verheißt, sondern die Werkzeuge und Anleitungen bereithält, wie Zustände in Familien, Gemeinden, Kommunen oder einer ganzen Gesellschaft erarbeitet werden können, die denen gleichen, die hier geschildert werden. Jede Weltanschauung, egal ob sie einen Gott verehrt oder nicht, muss sich an dem ihr innewohnenden Potential und den Perspektiven, die sie bieten kann, messen lassen. Hier ist der Maßstab dafür und dabei haben wir noch nicht einmal die ewigen Perspektiven des Evangeliums Jesu Christi erwähnt.

Der Prozess, um diesen Zustand zu erreichen, war ganz sicher noch wesentlich komplexer als in 18 kurzen Versen geschildert werden kann. Aber der Bericht enthält die entscheidenden Punkte.  Ich stelle mir oft vor, wie diese Menschen an anstehende Aufgaben und Herausforderungen, egal ob sie zeitlicher oder geistiger Natur waren, herangegangen sind und um wie vieles besser sie ihre Zeit und Mittel zur Verbesserung ihrer Gesellschaft nutzen konnten.

Das alles hätte niemals ohne verbindliche Regeln funktionieren können und die Verpflichtung, sich daran zu halten. Vers 12 gibt eine einfache Erklärung, wie sie die geistige Stabilität erhielten, um auf „die Weise des Glücklichseins“ zu leben.

„… sie wandelten nach den Geboten, die sie von ihrem Herrn und ihrem Gott empfangen hatten, und sie fuhren fort, zu fasten und zu beten und sich oft zu versammeln, um zu beten und auch, um das Wort des Herrn zu hören.“ (4. Nephi 1:12)

Die Geschichte mag ideal klingen. Man mag es glauben oder nicht. So ist das mit Glaubensfragen. Ich für meinen Teil glaube daran, dass es so gewesen ist und vor allem, dass es möglich war. Die Denkaufgabe hat aber mit Glauben gar nicht so viel zu tun. Sie besteht darin, das Evangelium Jesu Christi in der Gesamtheit seiner Lehren und Grundsätze zu analysieren, die richtigen Applikationen daraus abzuleiten und darüber nachzudenken, wie sich Zusammenleben und -arbeiten ändern, wenn diese Grundsätze im persönlichen Leben, in der Familie, im Umfeld oder, wie im diesem Beispiel geschehen, in einer Gesellschaft angewendet werden.

Die Nephiten haben es geschafft, diese nahezu idealen gesellschaftlichen Umstände fast 200 Jahre aufrecht zu erhalten. Am Ende dieser Periode, begann eine Erosion, eindeutig verursacht durch das Verlassen der Grundsätze des Evangeliums – zuerst durch einige wenige Menschen, die sich der breiten Masse überlegen fühlten und diese Überlegenheit für sich nutzen wollten. Damit wurde die Einigkeit unter dem Volk zerstört – mit fatalen Folgen wie in Part 2 dieses Posts untersucht werden wird. Nicht umsonst hat Mormon, wie in der Schriftstelle oben zitiert, die Nachwelt vor den Missständen gewarnt, die schließlich zum Niedergang der nephitischen Zivilisation führten.

Teil 2 lesen:

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 02

Teil 3 lesen:

Jesus Christus und Ereignisse im Buch Mormon Part 03

Report von der Herbst-Pfahlkonferenz Leipzig

Ich bin von vielen nach dem Manuskript meiner Rede am Sonntag der letzten Pfahlkonferenz am 2. November 2014 gefragt worden. Ich schreibe meine Reden normalerweise nicht auf und verwende nur Stichworte. Bruder Wolfgang Geiler aus der Gemeinde Köthen hat aber wieder in bewährter Weise Transkripte aller Ansprachen angefertigt, die wir in wenigen Tagen auf http://www.pfahl-leipzig.de stellen werden.
Hier also das Transkript meiner Rede vorab. Vielen Dank, Bruder Geiler.

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Der Präsident des Pfahles Leipzig, Präsident Thomas Hengst, wendet sich als Schlusssprecher der Konferenz an die anwesenden Schwestern, Brüder und Gäste.

Zunächst dankt er allen an dieser Versammlung Beteiligten, den Betreibern und Mitarbeitern des Kulturhauses Böhlen, dem Pfahlorchester und seinem Leiter Bruder Ralf Jähnert, dem Pfahlchor unter der Leitung von Bruder Frank Heidler und der Begleitung von Schwester Camilla Heinz, Schwester Sabine Tilgner für den Blumenschmuck, Bruder Andreas Ortlieb für die Begleitung der Lieder, Bruder Thomas Goliasch für die Gesangsleitung, den Kindern der Primarvereinigung und deren Gesangsleiterin Schwester Petra Pabst sowie Bruder Andreas Ortlieb für die Begleitung der PV-Kinder, dem Ordnungsdienst und allen anderen nichtgenannten Helfern.

Präsident Thomas Hengst verweist auf den roten Faden, der sich durch alle Ansprachen gezogen hat: „Der einzelne Mensch“. Das hat damit zu tun, dass wir unwesentliche Dinge mit Entschlossenheit aus unserem Leben verbannen und uns auf das konzentrieren, was wirklich elementar wichtig ist.

Er zitiert Alma 34:15: „Und so bringt er die Errettung all denen, die an seinen Namen glauben; und das ist der Zweck dieses letzten Opfers, jenes herzliche Erbarmen zuwege zu bringen, das die Gerechtigkeit überwältigt und für den Menschen Mittel zuwege bringt, damit er Glauben zur Umkehr haben kann.“ und fordert uns auf: „Bei allem, was ich jetzt sagen werde: Behalten Sie diese Schriftstelle im Sinn!“

Jesus Christus hat dieses herzliche Erbarmen zuwege gebracht.

Wir wollen mehr vom Charakter Christi kennenlernen, wollen mehr daraus lernen.

Präsident Hengst kündigt an, dass er einige wichtige Punkte ansprechen wird, die unangenehm sind für den einen oder anderen von uns. Aber sie müssen angesprochen werden im Hinblick auf das Wesentliche.

Die gesellschaftliche Entwicklung macht Sorgen. In dieser Zeit werden Menschen radikalisiert, wird die Definition von Ehe und Familie und Rechtschaffenheit zum Negativen hin verändert. Aber es geht um viel mehr! Es geht darum, wie sich jeder Einzelne von uns gegen die Versuchungen und Angriffe des Widersachers schützen kann! Das sind Angriffe auf unsere ewige Existenz!

Viele Mitglieder ziehen sich zurück aus den Versammlungen und Zusammenkünften, die den Zweck haben, uns zu stärken. Viele ziehen es vor, sich während der Versammlungen im Foyer aufzuhalten. An den Versammlungen der Frauenhilfsvereinigung und der Kollegien nehmen weniger Mitglieder teil. Auch bei den Pfahlkonferenzen ist das zu spüren.

Präsident Thomas Hengst will helfen, die Prioritäten etwas zurecht zu rücken und weist auf eine Aussage des letzten Präsidenten des Freiberg-Tempels, Präsident Ernst Husz, hin: „Wenn Sie wollen, dass Sie erfolgreicher in Ihrem Leben sind, dann kommen Sie in dem Maße, wie Sie das möchten, zum Tempel!“ – Wir haben die Verheißung des Herrn, dass, wenn wir das Evangelium in eine hervorragende Position in unserem Leben bringen, sich die Probleme in unserem Leben in leichterem Maße lösen lassen.

Er spricht dazu 4 Schwerpunkte an,

  1. Rücken wir die Prioritäten zurecht, bringen wir das Evangelium an die richtige Stelle!

Auf der Internetseite der Kirche „Komm und folge mir nach“ (https://www.lds.org/youth/learn?lang=deu) ist ein Programm für die Jugendlichen zusammengefasst, das uns helfen soll, wie wir heute leben wollen.

Elder David A. Bednar sagte dazu: Wir haben es mit den Jugendlichen angefangen, denn die Erwachsenen tun sich damit schwerer – deshalb sollen wir den Begriff „Jugendliche“ auf uns alle beziehen.

Der Zweck dieses Programm ist folgendermaßen wiedergegeben: „Die Erste Präsidentschaft hat erklärt, dass Ihr Ziel als Lehrer von Jugendlichen darin besteht, ihnen zu helfen, sich zum Evangelium Jesu Christi zu bekehren. Den Weg, der zur Bekehrung führt, muss jeder selbst beschreiten. Bekehrung vollzieht sich nicht allein in einer Versammlung, im Unterricht oder in einer Aktivität. Letztlich bekehren sich die Jugendlichen, indem sie jeden Tag eifrig das Evangelium leben – also beten, die heiligen Schriften studieren, die Gebote halten, ihre Priestertumspflichten und andere Aufgaben erfüllen, in den Tempel gehen, ihrer Familie und anderen Menschen dienen und anderen vom Evangelium erzählen. Dadurch bringen sie ihre Wünsche, ihre Einstellung und ihre Taten mehr und mehr mit dem Willen des himmlischen Vaters in Einklang. Sie werden glücklich und zuversichtlich und handeln lieber „für sich selbst [statt] auf sich einwirken [zu] lassen“ (2 Nephi 2:26). Sie bemühen sich, die Eingebungen des Heiligen Geistes zu beachten, Versuchung zu widerstehen und viel Gutes „aus ihrem eigenen, freien Willen“ zu tun (LuB 58:27). Sie werden „durch das Sühnopfer Christi“ Heilige (Mosia 3:19).“

Der Pfahlpräsident lädt uns ein, unsere Einstellungen zu überdenken und aktiv zu werden, damit unsere Diskussionen und unsere Klassen fruchtbarer werden.

  1. Jeder hat Befindlichkeiten, aber Anstoß daran nehmen kann uns selbst schaden.

Präsident Thomas Hengst ist ehemaliger Organist und hat sich immer darüber geärgert, wenn Geschwister in das Vorspiel geplatzt sind und die Andacht stören. Anstoß nehmen an anderen Menschen kann dazu führen, dass wir uns selbst schaden.

Er sieht das als eine Befindlichkeit und will daran arbeiten, dass seine Empfindungen besser werden und spricht über einen Beitrag von Apostel David A. Bednar: Er hat mit einigen Geschwistern gesprochen, die sich darüber beschwert haben, dass sie in ihren Gemeinden nicht so behandelt worden sind, wie sie es sich vorgestellt haben, sie haben Bischöfe kritisiert, eine Pfahlpräsidentschaft kritisiert, einen Tempelpräsidenten kritisiert. Sie haben gesagt: „Solange diese Brüder ihr Amt ausüben werde ich nicht mitarbeiten, werde ich den Tempel nicht besuchen, werde ich dies und jenes nicht machen!“ Apostel David A. Bednar gab ihnen folgende Antwort: „Lassen Sie mich sicherstellen, dass ich genau verstehe, was Ihnen passiert ist. Weil jemand Sie in der Kirche vielleicht ungerecht behandelt hat, haben Sie sich von der Verordnung des Abendmahls zurückgezogen. Sie haben zugelassen, dass Sie sich selbst die dauernde Anwesenheit des Heiligen Geistes in Ihrem Leben nicht mehr gestatten. Sie haben sich selbst abgeschnitten von den Priestertumsverordnungen und vom heiligen Tempel. Sie haben aufgehört, Möglichkeiten wahrzunehmen, kontinuierlich zu lernen und zu wachsen. Sie hinterlassen Barrieren, die den geistigen Fortschritt von Ihnen selbst, Ihren Kindern, Ihren Enkeln und den Generationen, die folgen, beeinflussen können.“

Viele der Menschen, denen Apostel Bednar antwortet, sagten dass sie dies noch nie aus dieser Perspektive betrachtet hätten.

Präsident Hengst lädt uns ein, dass wir – wenn wir an irgendetwas oder irgendjemandem Anstoß nehmen, zu überdenken: Was kann ich tun, um ein Problem zu lösen, welchen geistigen Schaden nehme ich sonst?

Er fordert alle die, die Verantwortung tragen auf: „Konzentrieren wir uns mehr auf den Einzelnen, errichten wir keine künstlichen Barrieren!“

  1. Jeder ist Herausforderungen unterworfen.

Dieser Schwerpunkt hat mit den Familien und Ehen zu tun. Jede Ehe ist Herausforderungen ausgesetzt, die Liebe füreinander mag Schwankungen unterworfen sein sie ist nicht immer konstant. Manche leben mehr nebeneinander als Miteinander. Das ist eine harte Tatsache!

Apostel Dallin H. Oaks sagt uns: „Wenn wir uns krank fühlen, wenn wir eine Krankheit haben, werden wir alles tun, um wieder gesund zu werden. Wir werden zum Arzt gehen. Wir werden solange ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen, bis wir wieder gesund sind oder zumindest soweit wiederhergestellt, dass wir ein vernünftiges Leben führen können. Es gibt lebenserhaltene Maßnahmen und wir werden nichts unversucht lassen, um wieder gesund zu werden. Und warum tun wir das? Weil unser Leben kostbar ist!“

Präsident Hengst sagt: „Betrachten Sie Ihre Familie und ihre Ehe unter diesem ewigen Gesichtspunkt! Werden Sie wieder gesund! Überwinden Sie Ihren Egoismus! Wenn Ihre Familie oder Ihre Ehe krankt, handeln Sie genauso, als wären Sie körperlich krank! Nutzen Sie alle Möglichkeiten, treffen Sie alle Maßnahmen, um wieder gesund zu werden! Nutzen Sie alle Hilfen, die das Evangelium bietet. Der erste Schritt ist die Überwindung des Egoismus. In dem Maße, wie es uns gelingt, Selbstlosigkeit zu verstärken und zu verbessern, werden viele Probleme eine Lösung erfahren.“

  1. Nichts in sozialen Netzwerken ausdrücken, was mit Rechtschaffenheit und den Lehren unserer Kirche nicht vereinbar ist.

Der Sprecher ermahnt uns: „Schützen Sie sich vor falschen Lehren. Die Kluft zwischen uns und der Welt wird größer werden. Das gilt für die Jugendlichen und auch die Erwachsenen! Lassen Sie nicht zu, dass auf eine schleichende Art und Weise Meinungen Platz bekommen, die den Zweck unseres Erdenlebens nicht unterstützen!“

Fragen sind gut. Zweifel sind möglich. Aber es gibt Wege, Klarheit zu erlangen durch die Lehren unserer Kirche. Ziel ist, zu erkennen, welcher Evangeliums-Grundsatz für mich richtig beantwortet wird. Der Pfahlpräsident gibt sein Zeugnis: „Wenn ich die Wahl habe, zu entscheiden, ob die Meinung eines Kolumnisten eines großen Magazins oder die Meinung der Ersten Präsidentschaft der Kirche wichtiger ist, werde  ich mich für die Meinung der Ersten Präsidentschaft entscheiden!“

Elder David A. Bednar hat gesagt, dass es für uns interessant sein kann, herauszufinden, welche Evangeliumsgrundsätze wir besser verstehen können und wie uns das helfen würde, den Willen des Himmlischen Vaters besser zu verstehen. Präsident Thomas Hengst fordert uns auf: „Denken Sie darüber nach, welchen Evangeliumsgrundsatz Sie besser verstehen möchten, um Fragen in Ihrem Leben persönlich besser beantworten zu können, endgültig beantworten zu können.“

Präsident Hengst hat kürzlich den Schluss des Buches Mormon gelesen. Mormon, Ether, Moroni – das sind für uns Blaupausen!

In dem Maße, wie das Volk die Rechtschaffenheit abgelegt hat – Schritt für Schritt – , das Maß an Rechtschaffenheit verringert wurde, in dem Maße ist die Freiheit dieses Volkes geringer geworden. Am Ende ist der Besitz der Menschen nicht mehr sicher gewesen. Die Antwort auf diese Situation war nicht etwa, umzukehren, sondern in ihrer Unrechtschaffenheit noch schlimmer zu werden.

Diese Völker haben sich selbst ausgerottet. Es ist keiner übriggeblieben, keiner, der rechtschaffen war!

Der Pfahlpräsident zitiert aus dem zweiten Brief an Timotheus 3:1-9: „Das sollst du wissen: In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen.  Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht,  lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh,  heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt.  Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen. Wende dich von diesen Menschen ab. Zu ihnen gehören die Leute, die sich in die Häuser einschleichen und dort gewisse Frauen auf ihre Seite ziehen, die von Sünden beherrscht und von Begierden aller Art umgetrieben werden,  Frauen, die immer lernen und die doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können.  Wie sich Jannes und Jambres dem Mose widersetzt haben, so widersetzen sich auch diese Leute der Wahrheit; ihr Denken ist verdorben, ihr Glaube bewährt sich nicht.  Doch sie werden wenig Erfolg haben, denn ihr Unverstand wird allen offenkundig werden, wie es auch bei jenen geschehen ist.“

Identifizieren wir falsche Lehren und Dinge, die falsch sind, auch als solche. Diese Lehren und Dinge  werden nicht gut! Dinge, die falsch sind, werden nicht richtig und gut dadurch, dass viele Menschen sie lieben!

Apostel M. Russell Ballard sagte während der Herbst-Generalkonferenz 2014: „Ich habe erlebt, wie Menschen in Prüfungen und Bedrängnissen oder aber in vergleichsweise ruhigen Zeiten nicht im Boot geblieben sind und sich nicht mit beiden Händen festgehalten haben. Dabei habe ich beobachtet, dass viele von ihnen den Blick von den elementaren Lehren des Evangeliums abgewendet haben – die doch einmal der Grund dafür waren, weshalb sie sich der Kirche überhaupt anschlossen, weshalb sie eifrig und sehr bewusst nach den Grundsätzen des Evangeliums lebten und anderen durch ihren hingebungsvollen Dienst ein Segen waren. Aufgrund dieser elementaren Lehren empfanden sie die Kirche als einen Ort, wo man geistig genährt wird und wächst.“

  • Bleiben Sie im Boot!
  • Legen Sie die Schwimmweste an!
  • Halten Sie sich fest!

Unsere Kirche ist dieser Ort, wo man geistig genährt wird und wächst, und wird es immer bleiben!

Der Pfahlpräsident fordert uns auf, dazu in Lehre und Bündnisse 45 zu lesen.

Er will uns helfen, zu erkennen, dass wir keine Angst vor der Zukunft haben müssen! Dort, wo Du bist, ist ein heiliger Ort!

In seinem Patriarchalischen Segen steht: „Bruder, du wirst die Zeit erleben, wo große Dinge über die Welt kommen werden, wegen der Gottlosigkeit. Dann sollst du an heiligen Stätten stehen! Lebe so, dass dort, wo du bist, ein heiliger Ort sein möge! Das bedenke ernsthaft!“

Der Präsident des Pfahles Leipzig ermahnt uns: „Bleiben Sie im Boot! Entfremden Sie sich nicht von der Kirche und ihren Lehren! Lernen Sie den Charakter von Jesus Christus kennen! Und machen Sie die Erfahrung, wie Sie nicht den Lehren zustimmen können, die populär sind. Jeder kann das nur selbst tun! Jeder von uns lernt selbst. Durch diesen Erkenntnisprozess können wir Fortschritt machen!“

Er fährt fort: Ich möchte Ihnen eine Schriftstelle vorlesen, die mir persönlich die Antwort gibt, warum ich dies alles tue, weshalb ich versuche, schlechte Neigungen, die sich in mir befinden, zu überwinden, weshalb ich versuche, damit aufzuhören, Anstoß an jemandem von Ihnen zu finden, weshalb ich meinen Dienst und meine Berufung noch ernster nehmen möchte, weshalb ich mich von falschen Lehren fernhalte, weshalb ich meine Familie und meine Ehe stärker pflegen möchte, weshalb ich keine Angst vor der Zukunft habe. Diese Antwort hat der Herr gegeben, als er den Nephiten erschienen ist: „Und siehe, beim dritten Mal verstanden sie die Stimme, die sie vernahmen, und sie sprach zu ihnen: Seht meinen geliebten Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, in dem ich meinen Namen verherrlicht habe – ihn höret. Und es begab sich: Als sie verstanden, ließen sie ihre Augen abermals zum Himmel hinaufschweifen; und siehe, sie sahen einen Mann aus dem Himmel herabkommen; und er war in ein weißes Gewand gekleidet; und er kam herab und stand in ihrer Mitte; und die Augen der ganzen Menge waren auf ihn gerichtet, und sie wagten nicht, den Mund aufzutun, nicht einmal einer zum anderen, und wussten nicht, was es bedeutete, denn sie dachten, es sei ein Engel, der ihnen erschienen war. Und es begab sich: Er streckte seine Hand aus und sprach zum Volk, nämlich: Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen. Und siehe, ich bin das Licht und das Leben der Welt; und ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten. Und es begab sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, fiel die ganze Menge zur Erde; denn sie erinnerten sich, dass es unter ihnen prophezeit worden war, Christus werde sich ihnen nach seiner Auffahrt in den Himmel zeigen. Und es begab sich: Der Herr sprach zu ihnen, nämlich: Erhebt euch, und kommt her zu mir, dass ihr eure Hände in meine Seite legen und auch, dass ihr die Nägelmale in meinen Händen und in meinen Füßen fühlen könnt, damit ihr wisst, dass ich der Gott Israels und der Gott der ganzen Erde bin und für die Sünden der Welt getötet worden bin. Und es begab sich: Die Menge ging hin und legte ihre Hände in seine Seite und fühlte die Nägelmale in seinen Händen und in seinen Füßen; und dies taten sie und gingen einer nach dem anderen hin, bis sie alle hingegangen waren und mit eigenen Augen sahen und mit eigenen Händen fühlten und mit Gewissheit wussten und Zeugnis gaben, dass er es war, von dem die Propheten geschrieben hatten, er werde kommen. Und als sie alle hingegangen waren und sich selbst überzeugt hatten, riefen sie einmütig aus, nämlich: Hosanna! Gesegnet sei der Name des Allerhöchsten Gottes! Und sie fielen nieder zu Jesu Füßen und beteten ihn an.“ (3 Nephi 11:6-17)

Ist es das nicht wert, dass wir die Dinge, die in unserem Leben nichts zu suchen haben, entfernen, dass wir die Kraft versuchen zu finden und zu sammeln und hier mitzunehmen, um Christus näher zu kommen, seinen Charakter besser kennenzulernen?

Der Präsident des Pfahles Leipzig, Präsident Thomas Hengst, schließt mit seinem Zeugnis.

Der Charakter von Jesus Christus – Part 01

In den letzten Wochen habe ich mich oft mit der Frage beschäftigt, was es bedeutet, nicht nur an Jesus Christus zu glauben, also an seine Existenz und das, was über sein Leben überliefert ist, sondern im gleichen Maße Ihm zu glauben, d.h. an die Relevanz und Gültigkeit seiner Lehren und seines Vorbildes. Es gibt also einen großen Unterschied zwischen Bekennen und Praktizieren und darin liegt eine fundamentale Herausforderung.
Ich empfinde es dabei als sehr hilfreich, mich mit dem Charakter von Jesus Christus zu beschäftigen. Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, dass ein wichtiger Schlüssel zum Verstehen der Gebote Gottes und der daraus resultierenden Lehren und Prinzipien, das Lernen über den Charakter von Jesus Christus ist.
Diese Übung bringt uns sicher manchmal in Konflikt mit aktuell dominierenden Wert- und Moralvorstellungen, denen zu widerstehen und zu widersprechen schwer sein und eine Menge Mut erfordern kann, selbst dann, wenn wir wissen, dass sich diejenigen, die wahre christliche Werte herabwürdigen, irren und sich der langfristigen Folgen nicht bewusst sind.
Die Orientierung am Charakter von Jesus Christus kann aber in diesem zutiefst persönlichen Prozess viele Fragen beantworten. Wenn mit Geduld und Beständigkeit verfolgt, wird dieser Prozess Schritt für Schritt Ergebnisse hervorbringen, die unser Leben bereichern und uns in Momenten von Niederlage, Trauer, Unglück und Enttäuschung stärker machen. Eine der Früchte ist die Entwicklung von christlicher Nächstenliebe, die sich dann bewusster vollzieht, zu einem stärkeren Teil des eigenen Charakters wird und in gewisser Weise das Elend der Gleichgültigkeit und Indifferenz überwinden hilft.

Die Evangelien und speziell auch das Buch 3. Nephi im Buch Mormon erzählen viele Beispiele, wie Jesus Christus in entscheidenden Momenten durch sein Handeln einen großen Unterschied gemacht hat.
Ein Beispiel, das mich zuletzt stark beeindruckt hat, dokumentiert Jesus Christus´ Fähigkeit, sich in Momenten wo es normal und verständlich gewesen wäre, sich nach innen zu kehren und sich nur um sich selbst zu kümmern, genau das Gegenteil zu tun und seine Arme nach den Bedrängten und Bedürftigen auszustrecken und ihnen zu dienen.
Die Geschichte steht im Neuen Testament in Matthäus Kapitel 14. Johannes der Täufer, der nicht nur mit Jesus verwandt sondern auch sein Wegbereiter war, wurde von König Herodes gefangen genommen, weil er die unrechtmäßige Beziehung von Herodes´Bruder Philip mit Herodias kritisiert hatte. Durch eine Intrige von Herodias wurde Johannes der Täufer auf barbarische Weise umgebracht.

Zitat aus Matthäus 14:12-21:

„Die Jünger des Johannes holten seinen Leichnam und bestatteten ihn. Dann berichteten sie Jesus, was geschehen war. Als Jesus dies hörte, fuhr er mit einem Boot in eine entlegene Gegend. Er wollte allein sein.“
Für mich eine völlig verständliche Reaktion. Es ist häufig absolut notwendig und ein normaler Reflex.
„Aber die Leute merkten, wohin er gehen wollte, und folgten ihm in Scharen von überall her auf dem Landweg.  Als Jesus aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken.“
Was habe ich hier über den Charakter von Jesus gelernt? In einer Situation, in der der Drang zu Selbstmitleid oder der Wunsch sich mit sich selbst zu beschäftigen, überwältigend sein kann, hatte Jesus die Fähigkeit, mit den Menschen, die eigentlich seine gewollte Ruhe störten, Mitleid zu empfinden. Aber nicht nur das. Er ging noch weiter und diente ihnen, in dem er ihre Kranken heilte.
„Gegen Abend kamen die Jünger zu ihm und sagten: »Es ist spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und dort etwas zu essen kaufen können! Hier gibt es doch nichts!« Aber Jesus antwortete: »Das ist nicht nötig. Gebt ihr ihnen zu essen!« »Wir haben ja nur fünf Brote und zwei Fische«, wandten seine Jünger ein. »Dann bringt sie her!«, sagte Jesus.  Er forderte die Leute auf, sich ins Gras zu setzen. Er nahm die fünf Brote und die beiden Fische, sah zum Himmel auf und dankte Gott. Dann teilte er das Brot, reichte es seinen Jüngern, und die Jünger gaben es an die Menge weiter.  Alle aßen sich satt. Als man anschließend die Reste einsammelte, da waren es noch zwölf volle Körbe. Etwa fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, außerdem noch viele Frauen und Kinder.“
Was folgte, war die berühmte Speisung der Fünftausend. Nun, ich glaube, dass es einmal für jedes Wunder eine Erklärung geben wird, also auch für dieses (genauso wie wir heute über viele Erklärungen für Dinge verfügen, die vor hunderten von Jahren nicht erklärbar waren). Ich glaube aber nicht, dass es Wunder gibt, für die es niemals eine Erklärung geben wird. Das ist hier aber nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend war, dass Jesus´ Fürsorge für die Menschen, von denen garantiert viele unter elenden Bedingungen leben mussten, nicht auf eine einmalige Aktion beschränkt war. Es war Teil seines Charakters diese Liebe und Fürsorge für andere Menschen beständig zu empfinden und sie fand Ausdruck in seinem Dienst. In dem Maße, wie er diesen Dienst geleistet hat, hat er sich sicherlich auch ständig regeneriert und weitere Kraft erworben. Diese Kraft wird uns ebenfalls als Segen verheißen, wenn wir es schaffen, uns nach außen zu wenden, anstatt uns nach innen zu kehren. Ich glaube, diese Entwicklung muss man am besten in kleinen aber stetigen Schritten vollziehen und seine eigenen Erfahrungen damit machen.
Als ich mich mit der Begebenheit aus Matthäus 14 beschäftigt habe, musste ich an meine eigenen Erfahrungen denken. Es ist tatsächlich so, jedenfalls in meinen Erfahrungen, dass ich Probleme leichter überwinden konnte, wenn ich mich nicht zurückgezogen, sondern versucht habe, etwas für jemand zu tun, der von mir irgendeine Hilfe, Zuwendung oder auch nur Freundlichkeit gebraucht hat. Auf der anderen Seite habe ich gemerkt, dass das In-sich-kehren schnell zu Selbstmitleid, destruktiven Gefühlen und Egoismus führen kann. Ich meine damit nicht die wichtigen persönlichen Zeiten der Selbstreflexion, Meditation, des Nachdenkens, Studierens und des Gebetes. Jeder von uns braucht diese Auseindersetzungen mit sich und Zeit für sich selbst und Jesus Christus hatte die auch. Aber es scheint ein großer Schlüssel für die Überwindung eigener Sorgen und Probleme darin zu liegen, dass man dient.
Ich erinnere mich an eine Erfahrung vor 24 Jahren als meine Frau unsere Zwillinge im sechsten Schwangerschaftsmonat verloren hat. Das war ein traumatisches Erlebnis und der Umgang der Ärzte mit uns, damals kurz nach dem Fall der Mauer, wäre heute undenkbar. Es gab noch nicht einmal ein Gespräch, keine Beerdigung. Ich erinnere mich an die große Traurigkeit, aber auch daran, dass es gar nicht richtig Zeit gab, sich in Selbstmitleid zu vertiefen. Meine Frau war für einige Tage in signifikanter Lebensgefahr, wir hatten zwei kleine Kinder, drei und vier Jahre alt, waren dabei eine Firma zu gründen und ich hatte mehrere Berufungen in der Kirche. Diese Verpflichtungen haben mir aber im Grunde mehr über diese Zeit geholfen, als wenn ich mich zurückgezogen hätte. Die größte Hilfe haben wir aber damals durch die Arbeit im Tempel in Freiberg erfahren. In den Tempel zu gehen, bedeutet zu dienen. Das ist, was dort geschieht oder besser, getan wird. Gleichzeitig haben wir für uns persönlich die Gewissheit erhalten, was die Bündnisse, die wir im Tempel geschlossen haben, für unsere Familie bedeuten – nämlich, dass die Familie ewig besteht. Diese Gewissheit ist durch die traurige Erfahrung, die wir machen mussten, aber um so stärker geworden.
Es gibt auch viele Erfahrungen, in denen ich nicht diese Kraft hatte. Aber diejenigen, in denen ich sie hatte, waren die stärkeren.
Jesus Christus hat seine Mission bis zum Ende durchgezogen, einschließlich des entscheidenden Momentes als er im Garten Gethsemane seine Liebe zu allen Menschen bewiesen hat, in dem er unsere Sünden auf sich genommen und damit den Weg zu Vergebung und Auferstehung geebnet hat. Wir können die Kraft, die dafür notwendig war, nicht ermessen. Niemand hat jemals etwas Vergleichbares zustande gebracht. Die Last war so schwer, dass er für einen Moment davor zurückschreckte.
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Garten Gethsemane, Jerusalem
„…Mein Vater, wenn es möglich ist, dann gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ 
Matthäus 26:39
Die Kreuzigung war ein Teil, aber nicht der Abschluss seines Sühnopfers. Das war seine Auferstehung und der Dienst, den er selbst danach noch geleistet hat und die Perspektiven, die sich daraus für jeden von uns ergeben.
Ich schätze die Einladung, die wir haben, uns mit dem Charakter von Jesus Christus zu beschäftigen und daraus zu lernen. Ich glaube, dass es dafür einen überwältigenden Bedarf gibt.

Matthäus 7

Ich habe schon vor einigen Wochen über dieses Thema geschrieben, aber es lässt mich nicht los, weil ich sehe, wie Menschen krank werden und leiden, die jahrelang ungelösten Konflikten ausgesetzt sind – egal wer oder was die vermeintliche Schuld daran tragen.

Im Vergleich zu vielen, mir bekannten anderen Organisationen, Einrichtungen, Arbeitsumfeldern und auch sicher Familien haben wir innerhalb der Kirche in Bezug auf Zusammenhalt und Nächstenliebe in der Regel sehr gute Verhältnisse. Unseren Mitgliedern ist das häufig gar nicht richtig bewusst.

Dennoch sind wir alle hin und wieder mehr oder weniger versucht, uns die Bewertung und Einschätzung von Menschen oder Ereignissen anzumaßen, ohne das erforderliche Verständnis, Hintergrundwissen oder überhaupt das Recht dazu zu haben. Die Folgen können wie ein Tsunami sein.

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Es ist also nicht so einfach, das Prinzip, das Jesus Christus in Matthäus 7 erklärt hat, in die Tat umzusetzen.

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
Denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.
Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders und nimmst den Balken in deinem Auge nicht wahr?
Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ´Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen`, und sieh, ein Balken ist in deinem Auge?
Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen!“

 (Neues Testament, Matthäus 7:1-5)

Diese Schriftstelle ist selbsterklärend.

Jeder von uns ist wahrscheinlich schon einmal Zielscheibe für Unterstellungen und Spekulationen gewesen. Ich erlebe das regelmäßig – auch aufgrund der Verantwortung die ich trage und der Tatsache, dass es unmöglich ist, es jedem recht zu machen. Damit muss man umgehen können und versuchen, denjenigen zu helfen, die nicht merken, dass sie Schaden anrichten – meistens sicher unbewusst.

Es gibt einige Punkte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), die mir helfen, mich an die Wichtigkeit der Schriftstelle oben zu erinnern:

–          Es ist möglich zu lernen, Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten, nicht nur aus der eigenen Interessenslage, bevor man sie bewertet oder gar darüber redet. Es gibt in den meisten Fällen ein bigger picture, dass man leicht übersieht, wenn man nur von seinen eigenen Interessen getrieben wird.

–          Es gibt Dinge, die uns schlicht und einfach nichts angehen.

–          Es ist nicht leicht, schlechte Gewohnheiten zu besiegen, vor allem auch den Drang, unqualifiziert zu kommentieren, aber auch die Unfähigkeit zu vergeben. Man kann aber in kleinen Schritten Fortschritte machen, wenn man mehr über die Folgen nachdenkt und lernt, ehrlicher zu sich selbst zu sein.

–          Zwischenmenschliche Konflikte, üble Nachrede etc. und der Umgang mit den Folgen dieses Verhaltens sind eine gigantische Verschwendung seelischer Energie, die viel besser dafür verwendet werden könnte, sich gegenseitig Mut zu machen, zu motivieren und zu stärken.

–          In professionellen Umgebungen ist die Lösung von Konflikten essentiell. Man kann die Qualität einer Firma oder Organisation und des Managements daran messen, wie sie ihren Mitarbeitern hilft, Probleme zu lösen und Menschen aufzubauen. Wenn es aber nur bei der Anwendung von „Problem Solving“ Techniken bleibt, wird der Erfolg ausbleiben, weil sich die Herzen der Menschen nicht ändern und damit auch nicht ihre Herzenswünsche.

–          Es zeugt von Größe, großzügig zu vergeben und zu vergessen.

–          In dem Maße wie man den Plan der Erlösung und das Sühnopfer Jesu Christi besser versteht, wird die Fähigkeit zu lieben und zu vergeben zunehmen und der Drang ungerecht zu richten abnehmen. Der Grund ist, dass im Plan der Erlösung das Wie und das Warum ganz genau erklärt werden und damit Motivation geschaffen wird, die Wünsche unseres Herzens mehr an den Geboten Gottes auszurichten.

Alma hat im Buch Mormon in diesem Zusammenhang nach Jahren härtester Erfahrungen mit Konflikten sehr deutlich folgenden Wunsch geäußert:

„Ja, ich würde einer jeden Seele wie mit Donnerstimme Umkehr und den Plan der Erlösung verkünden, dass sie umkehren und zu unserem Gott kommen sollen, damit es auf dem Antlitz der ganzen Erde kein Leid mehr gebe.“

 (Buch Mormon, Alma 29:2)

Pfahlkonferenz

Vor knapp zwei Wochen war Pfahlkonferenz in Leipzig. Bruder Geiler, unser Pfahlsekretär für Geschichte, hat wie immer einen umfassenden Bericht angefertigt, den wir bald auf http://www.pfahl-leipzig.de hochladen. Ich stelle hier meine Ansprache vom Samstagabend (22.2.2014) schon mal vorab für alle Interessierten online.

Auszug aus dem Konferenzbericht:

Der Präsident des Pfahles Leipzig, Präsident Thomas Hengst, wendet sich als Schlusssprecher der Versammlung an die anwesenden Schwestern, Brüder und Gäste.

Er dankt allen Sprechern für ihre Ansprachen, dem Chor für seine Darbietung und allen, die Aufgaben wahrgenommen haben, für ihren Dienst. Alle Anwesenden werden zum anschließenden Buffet eingeladen, um einen Imbiss einzunehmen und sich über die Pfahlkonferenzversammlungen auszutauschen.

Präsident Hengst weist auf die Downloadseite des Pfahles Leipzig unter der Adresse http://www.pfahl-leipzig.de hin.

Jeder hat etwas, was bei ihm gute Gefühle auslöst, z.B. Familienerinnerungen. Präsident Hengst hatte in seiner Kindheit gemeinsam mit seinem Bruder ein Tisch-Eishockeyspiel. Beide spielten damit ganze Weltmeisterschaften nach, sein Bruder führte die russische Nationalmannschaft, Präsident Thomas Hengst die der Tschechen.
In einem Video-Clip auf Youtube wird gezeigt, wie eine Familie einen Garagenverkauf durchführt. Ein junges Pärchen – jung, sie schwanger – sieht an einem Tisch einige Dinge an und fragt den Vater der Garagenverkaufsfamilie, wie viele Kinder die Familie habe. Der antwortete: „Drei!“. Der junge Mann sah seine Frau an und sagte: „Das ist eine gute Zahl!“ Sie sagt darauf: „Naja, erstmal das Eine!“ Der junge Mann fragt den Familienvater, wie es denn so wäre, ein Vater zu sein. Der Familienvater denkt über diese Frage nach wie es ist, ein Vater zu sein und welche Erlebnisse er mit ihnen hatte: Der gestorbene Fisch im Fischglas, der Liebeskummer der ältesten Tochter, die chemischen Versuche des Sohnes in der Küche, der Sprung in den Swimmingpool in voller Kleidung und viele andere Dinge, die man als Vater erlebt.
Die Botschaft des Filmes ist: Wie ist es, ein Vater zu sein? Man erlebt viele Dinge als Vater, es ist schön, Vater zu sein, es tut gut, Eltern zu sein.

Oft wird Präsident Hengst gefragt, wie er die erheblichen Belastungen in seinem Beruf wegstecken, verarbeiten kann. Er antwortet immer, dass ihm zwei Dinge dabei helfen:

1. Die Familie
2. Die Kirche

Kürzlich bereitete seine Familie den Heimabend vor. Dazu kaufte Präsident Thomas Hengst bei McDonalds ein. Der Sohn von Präsident Hengst sprach das Gebet und dankte für das „glorreiche und ungesunde Mahl“ …

Präsident Hengst spricht über Dinge, die uns gut tun und uns helfen, nach außen zu wirken:

Das Evangelium soll uns gut tun und es kann es auch! Wenn es das nicht kann, liegt es vielleicht an einigen Dingen, die wir verändern müssen, damit es uns wieder gut tut.
Der Pfahlpräsident will über einige Dinge sprechen, die uns helfen können und wie wir nach außen wirken können mit unserem Glauben.
Er sagt, dass er die Priestertumsträger aufgefordert hat, die Heimlehrarbeit signifikant zu erhöhen, zu verbessern. Wir sind seit vielen Jahren auf dem gleichen Level. Wir müssen jetzt einfach einen Sprung machen! Das gleiche trifft auch auf die Besuchslehrarbeit der Schwestern zu.
Wir tragen schon viele Probleme mit uns herum. Wir stehen oft unter Bedrängnissen.
Der Sprecher verweist auf Alma. Hier wird geschildert, wie Nehor auftritt, das ganze Volk durcheinander bringt, er alles relativiert und alle Lehren infrage gestellt werden und damit das Volk gespalten wird. Auch heute ist es so, dass viele „Gutmeinenden“ raten, man solle sich doch nicht einengen, sich nicht rechenschaftspflichtig gegenüber einem Gott machen lassen.

In Alma 4:2-3 heißt es: „aber das Volk war bedrängt, weil sie ihre Brüder verloren hatten und weil sie ihre Schafe und Rinder verloren hatten und weil sie ihre Getreidefelder, die von den Lamaniten zertrampelt und vernichtet worden waren, verloren hatten. Und so groß waren ihre Bedrängnisse, dass jede Seele Grund hatte zu trauern;
sie glaubten, dass es das Strafgericht Gottes war, das über sie gesandt wurde wegen ihrer Schlechtigkeit und ihrer Gräuel; und dies weckte in ihnen ihr Pflichtbewusstsein.

Die Pfahlpräsidentschaft, die Zweigpräsidenten, die Bischöfe müssen viele Probleme und Bedrängnisse aufsaugen. Viele unter uns sind bedrängt durch das eine oder andere Problem. Bei den Nephiten geschah etwas Interessantes: Sie hatten Grund zu trauern und dadurch wurde in ihnen die Erinnerung an ihre Pflicht wach! Manchmal erleben wir den Reflex, dass Mitglieder der Kirche, wenn sie in Bedrängnis geraten, am Evangelium Abstriche machen. Das ist etwa so, als würde ich, wenn ich krank werde, die Medizin absetzen.
Aber die Nephiten erinnerten sich an ihre Pflicht! Sie begannen, die Kirche noch vollständiger aufzurichten.
In Alma 4 wird geschildert, dass viele Menschen – 3500 – zur Kirche kamen. Die Menschen damals waren leider nicht beständig, 2 – 3 Jahre später gab es wieder Streit und Uneinigkeit.

Präsident Thomas Hengst gibt uns Anregungen und Aufgaben, die uns helfen, die Kirche weiter aufzurichten und beständig zu sein:

  • Er sagt, dass die Pfahlpräsidentschaft bewegt ist, weil es im Pfahl zu viele Geschwister gibt, die keinen gültigen Tempelschein haben. Er vergleicht das mit einem Führerschein, der verloren gegangen oder abgegeben werden musste. Ohne Führerschein – das ist schrecklich. Der Tempelschein ist der Führerschein im Evangelium! 20 – 25 % der Geschwister, die das Endowmentempfangen haben, haben derzeit keinen gültigen Tempelschein!
  • Beim Studium der Heiligen Schriften sind Beständigkeit und Achtsamkeit erforderlich. Präsident Hengst fordert uns auf, nicht nur zu lesen, sondern aus den Schriften zielstrebig etwas mitzunehmen: „Machen Sie sich Notizen von dem Studierten!“ Dann werden wir die dauerhafte Wirkung dessen verspüren, was wir studieren. Er spricht das „Regenschirmprinzip“ an. Wir spannen den Schirm des Schutzes auf, bevor die Flut des Schmutzes auf uns herabregnet!
  • „Lassen Sei uns mehr aus den Abendmahlsversammlungen mitnehmen!“ fordert uns Präsident Thomas Hengst auf. In der Abendmahlsversammlung erhalten wir das lebendige Wasser des Lebens aus Krügen. Manchmal bringen wir zur Abendmahlsversammlung eine leere Tasse mit uns halten die Hand darüber: „Du erzählst mir nichts! Du sagst mir nicht, wie ich zu leben habe oder wie ich dieses Gebot befolgen soll! Die Kirche redet mir nicht rein in mein Leben!“ Präsident Hengst fordert uns auf: „Geschwister, lassen Sie uns mit offenen Gefäßen kommen, um aus der Abendmahlsversammlung das mitzunehmen, was uns Kraft gibt für die kommende Woche!“ Es wäre so schön, wenn wir alle mit dem Wunsch in die Kirche kommen würden, erbaut zu werden – nicht um etwas zu erledigen – um unseren Himmlischen Vater zu verehren – nicht, um „geschäftig“ zu sein. Der Sprecher sagt: „Ich glaube, dass es für viele Menschen, die zu uns kommen, sehr schön wäre, wenn wir diese Ehrfurcht und diesen aufrichtigen Wunsch in unserem Herzen, gestärkt zu werden, über das Bedürfnis, geschäftig zu sein, stellen würden.“
  • „Sorgen wir für Harmonie und Liebe in unserer Familie und unserer Ehe!“ Beide sind ständigen Attacken durch die Welt ausgesetzt. Unser Ziel muss sein, keine Verwerfungen zuzulassen! In manche Ehen zieht der Zeitgeist der Unverbindlichkeit, der Austauschbarkeit, der Ignoranz vor den Folgen der Übertretungen, ein. Der Pfahlpräsident macht sich auch Sorgen um Ehen, in denen die Partner zwar zusammenleben, aber nicht glücklich sind. Das Evangelium kann uns helfen, dass unsere Ehen, unsere Familien glücklich sind. Er spricht von einem Artikel über ein altes Ehepaar, das 65 Jahre verheiratet war. Der Reporter fragte sie, wie sie das geschafft hätten. Und die Frau antwortete: „Wir wurden zu einer Zeit geboren, in der man etwas repariert hat, wenn es kaputtgegangen ist, anstatt es wegzuwerfen.“, und bittet inständig: „Arbeiten Sie in Ihren Familien und Ehen an den Problemen, werfen Sie nicht die Familie oder die Ehe weg, werfen wir nicht die Flinte ins Korn!“

Wir können beständiger sein im Familiengebet, im Familienheimabend, wie wir Kirchenaktivitäten auswerten,     mit welchen Inhalten wir uns umgeben. In vielen Familien braucht es vielleicht auch etwas mehr Humor, manche Probleme lassen sich lösen, wenn man sie nicht zu ernst sieht.

Während des Abendmahls haben wir Gelegenheit, über das Sühnopfer nachzudenken, Dankbarkeit für Jesus Christus zu empfinden!
Präsident Thomas Hengst zitiert 2 Nephi 9:13: „O wie groß ist der Plan unseres Gottes! Denn anderseits muss das Paradies Gottes die Geister der Rechtschaffenen freigeben, und das Grab muss die Leiber der Rechtschaffenen freigeben; und Geist und Leib werden wiederhergestellt, und alle Menschen werden unverweslich und unsterblich, und sie sind lebendige Seelen, und sie haben vollkommene Kenntnis gleichwie wir im Fleische, außer dass unsere Kenntnis vollkommen sein wird.“
Der Erlösungsplan ist Maßstab für alles, alles lässt sich dagegen abwägen. Und der Erlösungsplan zählt über dieses Leben hinaus in alle EwigkeitDer Erlösungsplan und die Umkehr sind wie eineiige Zwillinge! Das Evangelium fordert uns auf, ständig Umkehr zu üben. Der liebende Vater legt dabei den Arm um uns.

  • Das Gebet

Präsident Thomas Hengst zitiert aus der Ansprache

„Betet immer“ von Apostel David A. Bednar

https://www.lds.org/general-conference/2008/10/pray-always?lang=deu

„Die Muster, an die sich Gott bei der Erschaffung der Erde hielt, zeigen uns anschaulich, wie wir das Gebet mit Sinn erfüllen können. Im dritten Kapitel des Buches Mose erfahren wir, dass alles zuerst geistig erschaffen wurde, ehe es natürlich auf der Erde war.
„Und nun siehe, ich sage dir: Dies sind die Generationen des Himmels und der Erde, als sie erschaffen wurden an dem Tag, da ich, der Herr, Gott, den  Himmel und die Erde machte, und jede Pflanze des Feldes, bevor sie auf Erden war, und jedes Kraut des Feldes, bevor es wuchs. Denn ich, der Herr,  Gott, erschuf alles, wovon ich gesprochen habe, geistig, ehe es natürlich auf dem Antlitz der Erde war.“ (Mose 3:4,5.)

Aus diesen Versen erfahren wir, dass die geistige Schöpfung der natürlichen Schöpfung vorausging. In ähnlicher Weise ist ein sinnerfülltes Morgengebet  ein wichtiger Bestandteil der geistigen Schöpfung eines jeden Tages, die der zeitlichen Schöpfung oder der tatsächlichen Durchführung des Tages  vorausgeht.“

Präsident Thomas Hengst sagt dazu: „Daran habe ich noch nicht gedacht, dass ein Morgengebet ein Teil meiner geistigen Schöpfung für den vor mir liegenden Tag sein kann. Ist das nicht ein wunderbarer Gedanke, dass wir unseren Tag im Gespräch mit dem Himmlischen Vater beraten und geistig erschaffen können? Und dann begleitet uns dieses Gebet durch den Tag, während wir das in die Tat umzusetzen versuchen, was wir am Morgen mit dem Himmlischen Vater gemeinsam geistig erschaffen haben. Und wie das zusammenpasst  mit dem, wie der Himmlische Vater vorgegangen ist, bei allem, was er tut! Wie erstrebenswert ist das, zu tun!“

Er zitiert weiter: „So wie die zeitliche Schöpfung mit der geistigen Schöpfung verbunden und deren Fortsetzung war, so sind sinnerfüllte Morgen- und Abendgebete miteinander verbunden, das eine ist die  Fortsetzung des anderen. …
… Solch ein Gebet ist ein wesentlicher Bestandteil unserer geistigen Vorbereitung auf den Tag. …
Morgen- und Abendgebete – und alle Gebete dazwischen – sind keine unzusammenhängenden, einzelnen Ereignisse; vielmehr sind sie  jeden Tag – und über Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre hinweg – miteinander verbunden. Das ist ein Teil dessen, wie wir die Aufforderung aus den heiligen Schriften erfüllen, immer zu beten…“ und fragt: „Beten wir immer so?

Wenn wir das tun, müssen wir noch einen Schritt weitergehen. Dann wird die Dankbarkeit gegenüber dem Himmlischen Vater zunehmen! Der Fokus unseres Denkens und Handeln wird sich dann auf  unseren Nächsten richten. Unser Beispiel ist Jesus Christus.

In 3 Nephi 17:15-18 lesen wir: „Und als er diese Worte gesprochen hatte, kniete auch er auf dem Boden nieder; und siehe, er betete zum Vater, und das, was er betete, kann nicht niedergeschrieben werden, und die Menge, die ihn hörte, gab Zeugnis. Und auf diese Weise geben sie Zeugnis: So Großes und Wunderbares, wie wir es Jesus reden gesehen und auch gehört haben, das kann keine Zunge aussprechen, auch kann kein Mensch es niederschreiben, und das Menschenherz kann es nicht erfassen; und niemand kann die Freude ermessen, die unsere Seele erfüllt hat zu der Zeit, da wir ihn für uns zum Vater beten gehört haben. Und es begab sich: Als Jesus mit seinem Gebet zum Vater zu Ende gekommen war, stand er auf; so groß aber war die Freude der Menge, dass sie überwältigt war.“

SO würde Jesus Christus auch für UNS beten!

Präsident Hengst wäre glücklich, wenn wir auch nur ansatzweise SO für einen unserer Nächsten beten würde.

Der Pfahlpräsident fordert uns auf: „Lassen Sie uns im Herzen den Wunsch entwickeln, das Herz eines Menschen zu berühren, den Arm um einen anderen zu legen zu können, dem wir geholfen haben, zu Christus zu kommen!“ und gibt uns abschließend sein Zeugnis.

Rückblick Pfahl-Priestertumsversammlung Juli 2013

Wir haben am 5. Juli in Leipzig eine allgemeine Pfahl-Priestertumsversammlung durchgeführt für die wir als Hauptthema das Übel der Pornographie gewählt haben.

Pornographie ist nicht nur eine Sucht, die eine millionenschwere Industrie unterstützt, sondern sie hat auch verheerende Auswirkungen auf Ehen und Familien und die Fähigkeit, der Betroffenen normale und gesunde Beziehungen zu pflegen.

Noch schlimmer ist, dass Pornographie immer öfter gesellschaftliche Akzeptanz findet, getrieben von Menschen, die sich der Folgen offensichtlich nicht bewusst sind oder sie billigend in Kauf nehmen.

Ich habe als Seelsorger häufig mit diesen Problemen zu tun, vor allem wenn Pornographie die emotionale Kompetenz junger Leute angreift und Ehen daran zu zerbrechen drohen.

In dieser Priestertumsversammlung im Juli haben wir die Probleme klar und deutlich angesprochen und einigen konnte in der Folge bereits geholfen werden.

Ich bin von vielen angesprochen worden, die Ansprachen zugänglich zu machen. Wir haben Mitschriften und werden die kompletten Texte bald unter www.pfahl-leipzig.de ablegen.

Vorab folgt unten meine unbearbeitete Ansprache.

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Meine lieben Brüder, liebe Schwester,

wir haben Schwester Engelhardt heute mit eingeladen – sie ist die Pfahl-FHV-Leiterin – weil wir wollten, dass wenigstens eine Schwester aus unserem Pfahl mithört, was wir heute sagen möchten und weil wir diese Botschaft vielleicht auch zu den Schwestern transportieren möchten oder wir werden es tun.

Meine lieben Brüder, ich bin sehr dankbar, dass meine Vorredner im Prinzip schon alles gesagt haben. Ich möchte noch etwas zusammenfassen.

Bevor ich Pfahlpräsident geworden bin, habe ich mich gefreut, Sie zu treffen. Aber Ihre Probleme waren mir eigentlich zum größten Teil egal, weil ich mit meinen eigenen Dingen zu tun hatte und nicht so diese enge Beziehung zu den meisten von Ihnen hatte. Als ich eingesetzt wurde und die Berufung von Präsident Kopischke erhalten hatte, hat er mir einige Dinge auf den Weg gegeben. Und zwar danach zu streben, so zu werden, wie der Himmlische Vater mich haben möchte. Das zweite war, danach zu streben, dass ich die Mitglieder dieses Pfahles lieben kann. Es sind jetzt bald vier Jahre vergangen und ich möchte Ihnen Zeugnis davon geben, dass es möglich ist, dass man Menschen, die man nicht genau kennt, lieben kann. Ich möchte Ihnen sagen, dass ich Liebe für Sie empfinde, egal ob ich mit Ihnen gerade ein Tempelinterview mache oder ein anderes Gespräch mit Ihnen führe. Es ist mir nicht gleichgültig, was Sie bewegt. Es ist mir nicht gleichgültig, wo Ihre Probleme liegen. Ich habe ein Gefühl dafür, wer von Ihnen traurig sein mag, weil einige Dinge eben nicht so funktionieren, wie sie funktionieren sollten. Ich weiß, dass einige von Ihnen an bestimmten Gewohnheiten leiden. Es macht mich auch traurig, wenn ich sehe, dass viele von uns darunter leiden, leichtfertig zu sein, leichtfertig mit dem Priestertum umzugehen und es oberflächlich zu behandeln. Diese Erfahrungen, die ich gemacht habe in den letzten vier Jahren, sind, wie ich gespürt habe, wie ich sie mehr lieben kann. Das betrifft nicht nur die Brüder in unserem Pfahl. Das sind alle, auch die Teenager.

Aber diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass unser Himmlischer Vater uns noch viel mehr liebt – uns alle liebt. Dass er unser Heil für uns vorgesehen hat und dass die Macht des Priestertums ein wichtiger Baustein darin ist, dass wir Heilung erfahren können.

Jeder von uns wird versucht. Jesus Christus ist versucht worden. Wahrscheinlich in allen Kategorien, die es an Versuchungen gibt. Wir werden alle versucht. Unreinheit in unseren Gedanken und Handlungen ist ein großer Bestandteil von den Dingen, in denen wir versucht werden. Keiner von uns ist ausgenommen.

Warum haben wir heute dieses Thema an die Oberfläche gebracht?

Meine Ratgeber und ich wissen, dass auch wir versucht werden, schlecht zu denken, unrein zu denken. Und wir müssen damit umgehen und wir versuchen auf der „Bühne unseres Lebens“ – wir haben das früher im Seminar gelernt – diese Dramen, die dort gespielt werden, dass wir die Darsteller, die wir auf dieser Bühne nicht haben wollen, loswerden. Dabei ist es ein wichtiges Prinzip, dass wir Dunkelheit durch Licht ersetzen müssen.

Brüder, ich weiß, dass es ein großer Bestandteil des Priestertums ist, Dunkelheit durch Licht zu ersetzen.

Ich habe heute über Joseph Smith gelesen in seiner Lebensgeschichte und zwar in der Zeit, bevor der Engel Moroni ihm das erste Mal erschienen ist. Im Vers 28 steht: „…[ich war] allen möglichen Versuchungen ausgesetzt, und da ich in allen möglichen Kreisen verkehrte, verfiel ich häufig in mancherlei törichte Irrtümer und ließ die Schwachheit der Jugend und menschliche Schwächen erkennen, die, ich muß es leider sagen, mich in mancherlei Versuchungen führten, ungehörig in den Augen Gottes. Wenn ich dieses Geständnis ablege, so darf niemand glauben, ich hätte mich irgendwelcher großen und bösartigen Sünden schuldig gemacht. Eine Neigung, solche zu begehen, lag nie in meiner Natur. Aber ich war der Leichtfertigkeit schuldig und hielt mich bisweilen in übermütiger Gesellschaft auf usw., was nicht zu der Wesensart paßte, die jemand bewahren soll, der wie ich von Gott berufen war.“

Dieser einfache Satz betrifft uns eigentlich alle. Vielleicht ist nicht jeder unter uns süchtig und sollte das Suchtbekämpfungsprogramm der Kirche mit jemanden zusammen  durchführen. Wir möchten Sie ermutigen, wenn Sie zu denen gehören, die große Probleme nicht aus ihrem Kopf herausbringen, dass Sie professionelle Hilfe suchen und dass Sie auch geistige Hilfe suchen. Die Kirche hat in vielerlei Hinsicht Hilfen, wie das geschehen kann.

Ich möchte mich auch an alle unter uns wenden, die sich auch dieser Leichtfertigkeit schuldig machen, von der Joseph Smith gesprochen hat. Ich habe darüber nachgedacht: Warum hat er das so ernst genommen? Ich denke, dass sein Leben ein Beweis dafür ist, dass er in seinem Leben einfach ständig die Kraft des Priestertums gebraucht hat. Egal, ob es Verfolgungen gegeben hat; egal, ob er vor Gericht gestellt wurde; egal, ob er sich verteidigen musste gegen Anschuldigungen; egal, ob man gerade vertrieben wurde; egal, ob eine Bank pleite gegangen ist; egal, ob sich seine engsten Mitarbeiter und Freunde von ihm getrennt haben; egal, ob ein Kind gestorben ist – er hat diese Kraft und Macht des Priestertums ständig gebraucht. Und ich weiß, dass wir davon keine Ausnahme sind. Und wenn wir anders denken, möchte ich uns sagen, dass wir leichtfertig sind.

Manchmal wundern wir uns, dass einige Dinge in unserem Leben nicht so funktionieren wie sie funktionieren sollten oder könnten. Das sind sicherlich auch manchmal Prüfungen. Aber in vielerlei Hinsicht sollten wir uns alle fragen, ob es in unserem Leben etwas über Bord zu werfen gibt, das da nicht hingehört. Und weil wir das manchmal nicht tun, schleppen wir manche Probleme und Sorgen unser ganzes Leben lang – sehr viel länger, als es gut für uns ist – mit uns herum. Wir haben es heute gehört: Das hat Auswirkungen auf unseren Glauben und das hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir vielleicht miteinander umgehen. Viele von Ihnen nehmen manchmal an Gemeinderäten teil und Sie haben es schon miterlebt, dass es schwierig ist, in solch einem Rat den Heiligen Geist zu verspüren. Und dass man sich viel eher erregt über bestimmte Dinge, dass es laut wird, dass es emotional wird. Geschwister oder Brüder, das muss so nicht sein.

Ich denke, in vielen Fällen, wenn der Heilige Geist nicht zu uns spricht – egal ob es ein Familienrat, ein Gemeinderat oder Pfahlrat ist – sollten wir auch daran denken, ob wir persönlich mit dem Himmlischen Vater gut genug im Einklang sind. Das ist einer der Kernpunkte meiner Botschaft, die ich Ihne geben möchte.

Ich habe heute ebenfalls Alma 24 gelesen von den Anti-Nephi-Lehiern und wie sie ihre Schwerter vergraben haben. Ich habe von einem Konflikt gehört, die zwei Schwestern haben. Die eine Schwester hat der anderen einen wenig netten Brief geschrieben. Und mein Rat für die Antwort ist, Alma 24 zu lesen und danach zu antworten. Ich möchte Ihnen nur zwei Verse vorlesen aus diesem Kapitel – Vers 17 und 18: „Und nun begab es sich: Als der König mit diesen Worten zu Ende gekommen war und alles Volk versammelt war, nahmen sie ihre Schwerter und alle Waffen, die benutzt wurden, um Menschenblut zu vergießen, und sie begruben sie tief in der Erde. Und das taten sie, denn es war in ihren Augen ein Zeugnis vor Gott und auch vor den Menschen, daß sie niemals wieder Waffen benutzen würden, um Menschenblut zu vergießen; und das taten sie, indem sie vor Gott beteuerten und gelobten, dass sie, statt das Blut ihrer Brüder zu vergießen, lieber ihr eigenes Leben hingeben wollten; und statt einem Bruder etwas zu nehmen, sie ihm lieber geben wollten; und statt ihre Tage in Trägheit zu verbringen, sie lieber reichlich mit ihren Händen arbeiten wollten.“

Brüder, wir können unsere eigenen Unvollkommenheiten, anstatt dieser Waffen, die sie vergraben haben, in diesem Vers einsetzen. Brüder, wir haben den starken Glauben – deswegen haben wir Sie versammelt – wir glauben, dass in der Priesterschaft des Pfahles die Kraft darin liegt, dass wir in der Lage sind, uns zu entschließen und wirklich vor Gott zu geloben, dass wir Dinge, die wir heute angesprochen haben – vielleicht gibt es noch andere Dinge – in der Erde vergraben, so tief, dass wir keine Lust haben, sie wieder auszugraben. Ich weiß, dass der Himmlische Vater uns dabei helfen wird. Ich bin davon überzeugt, dass er es ernst meint. Ich weiß, dass wir als Bruderschaft das Evangelium viel ernsthafter leben können.

Wir haben am letzten Wochenende die Übertragung gesehen „Das Erlösungswerk voranbringen“. Wir haben einen Monat des Einladens in unserem Pfahl. Ich war in einigen Gemeinden und es war schön in diesen Gemeinden. Ich war im Zweig Hof und es war toll. Es waren einige Menschen da, die ich noch nie gesehen hatte. Auch Menschen, die mit Sorgen beladen sind und die ein starkes Priestertum als Rückendeckung und Unterstützung brauchen. Ich war im Zweig Plauen. Dort war es ebenfalls sehr schön. Und wir haben das Gleiche erlebt und vielleicht haben viele von Ihnen gute Erfahrungen gemacht. Ich weiß aber auch, dass vielleicht im Vorfeld der eine oder andere von Ihnen gesagt hat – und wenn es nur im Inneren war: Uns ist es lieber, wenn wir unseren Status Quo behalten, dass wir die Dinge so lassen wie sie sind. Und das wir einfach gucken, dass alles funktioniert und gut verläuft.

Brüder, wenn wir so denken, haben wir noch Waffen im Keller, die wir begraben müssen, wie es im Buch Alma geschrieben steht.

Brüder, ich möchte Ihnen verheißen, dass, wenn es uns gelingt, mehr Reinheit in unseren Gedanken zu haben – und das ist nicht nur sexuelle Reinheit, es ist auch andere Reinheit, die es gibt – dann wird unser Glauben wachsen, unser Wunsch, das, was wir wissen und erfahren, das Glück, was wir verspüren in unserem Leben, anderen Menschen mitzuteilen und zu wachsen. Wir wissen, dass Missionsarbeit eines der wichtigsten Instrumente bei der Umkehr ist. Dass derjenige, der umkehrt, durch Missionsarbeit schneller und erfolgreicher umkehren kann.  Brüder, der Heilige Geist wohnt nicht in unreiner Umgebung. Lassen Sie uns bitte diese Logik und diese Lehre nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich bin davon überzeugt.

Ich hoffe, das alle von Ihnen heute etwas nachdenklich nach Hause gehen, auch mit einem Entschluss im Herzen und das betrifft mich genauso, wie vielleicht einen jeden von Ihnen. Ich werde heute auch mit einem Entschluss im Herzen nach Hause gehen: Einige Dinge in der Erde zu vergraben, die mich beeinträchtigen, die manchmal dazu führen, dass ich mich dem Himmlischen Vater nicht so nahe fühle, wie ich es könnte und wie ich es sollte in meiner Berufung. Aber ich spreche hier nicht nur von einer Berufung als Pfahlpräsident, sondern unsere Berufung als Priestertumsträger, Ehemänner, Väter. Ich bitte den Himmlischen Vater, dass er Sie segnen möge, dass Sie die Kraft haben mögen, die Schritte zu gehen, die Gott gefällig sind.

Ich glaube an eine universelle Vergebung durch das Sühnopfer von Jesus Christus. Ich weiß, dass alle Verfehlungen, die wir in unserem Leben begehen, von denen wir umkehren, uns vergeben werden vom Himmlischen Vater. Unser Himmlischer Vater hat kein Interesse daran, dass wir nicht wachsen und dass wir ihm nicht ähnlicher werden. Ich weiß, dass unser Himmlischer Vater Fortschritt dadurch macht, dass seine Kinder Fortschritt machen.

Ich weiß, dass wir einen ungeahnten Schub in der Geistigkeit in unseren Gemeinden erfahren werden. Unsere Räte werden anders sein, in unseren Kollegiumsversammlungen wird weniger debattiert, sondern es wird mehr nach Offenbarung gesucht und Offenbarung gefunden werden. Wir werden spüren, dass in unseren Familien sich der Ton ändern wird, die Gefühle werden sich ändern. Es wird weniger raues Miteinander geben, sondern ein liebevolleres Miteinander. Wir haben festgestellt, dass in vielen Fällen, wenn Mitglieder der Kirche leiden, dass vorher einige Mechanismen außer Kraft gesetzt worden sind. Die Mechanismen des regelmäßigen Betens und Fastens und des Schriftenstudiums, und zwar des Schriftenstudiums im wahrsten Sinne des Wortes, indem wir uns mit der Heiligen Schrift auseinandersetzen, sie auf uns beziehen und sie nicht nur bloß lesen. Und ich könnte noch andere Dinge hinzufügen, die wichtig sind. Ich finde es immer traurig, wenn ich von irgendeinem Mitglied der Kirche eine Einladung zu irgendeinem Facebook-Spiel bekomme. Ich habe es schon ausgeschaltet, ich kriege es nicht mehr. Oder wenn ich sehe, dass wieder jemand einen neuen Score erreicht hat. Und in der Zeit hätten wir vielleicht einen Brief an ein Mitglied in unserer Gemeinde schicken oder ihn besuchen können, der ein Problem hat und eine Stütze braucht, anstatt unsere Finger zu trainieren, dass sie schneller sind. Oder sie hätten ein bisschen Indexing machen können in dieser Zeit.

Brüder, es gibt einfach diese Dinge, dass Licht Dunkelheit vertreiben kann, wenn wir das wollen. Ich möchte Sie einladen, dass wir mit dem Entschluss nach Hause gehen, dass wir nicht notwendigerweise mehr Zeit für die Kirche aufbringen müssen. Brüder, das ist nicht die Botschaft heute. Und ich weiß, dass es viele Leute gibt, die reagieren da empfindlich, die meinen: Na was sollen wir denn noch tun?

Wir möchte Sie einladen, Dinge über Bord zu werfen und die Kraft, die Kapazität, die Zeit, die geistige Kraft und die Gefühle dafür zu nutzen, dass Licht in unserer Seele sein kann. Und wenn wir das schaffen, meine lieben Brüder, bin ich davon überzeugt, dass das Erlösungswerk so Fortschritt machen wird, wie uns das die Brüder am Wochenende (zu der Übertragung) erklärt haben. Und dann schauen wir uns dieses Video vielleicht nochmal Zuhause in aller Ruhe an und versuchen zu verstehen, um was es dort ging. Was sicherlich an positiven Beispielen dort gezeigt worden ist – und man sieht keine negativen Beispiele, doch die wird es immer geben, es wird immer Erfolgslosigkeit geben. Aber wir können Kraft und Offenbarung nicht nur für unseren Beitrag am Wachstum der Kirche, sondern auch vom Erlösungswerk für unsere eigene Familie gewinnen und nicht zuletzt auch an unserer eigenen Erlösung arbeiten. Ich habe gestern – und damit möchte ich schließen – in der Institutsklasse in Zwickau eine Frage gestellt. In einer Viertelstunde habe ich die Studenten ihre Wünsche bezüglich der Celestialen Herrlichkeit erklären lassen und wir haben es an die Tafel geschrieben. Und sie haben alles gesagt, was sie eigentlich einmal gerne haben würden und wie es alles einmal sein soll. Und dann habe ich die Frage gestellt: Wie stark wollen wir das? Wie stark ist unser Wunsch, dass wir das, was wir jetzt hier an die Tafel geschrieben haben, zur Wirklichkeit werden lassen? Brüder, ich denke, diese leichte Gedankenübung kann unser Leben ändern.

Ich möchte Ihnen mein Zeugnis geben und den Himmlischen Vater um Kraft bitten. Ich möchte Ihnen nochmal danken, für alles, was Sie tun. Wir sind ein starker Pfahl. Gehen Sie heute nicht nach Hause mit dem Gefühl, eine Moralpredigt erhalten zu haben. Wir sind ein starker Pfahl, wir sind eine Stütze des Himmlischen Vaters, Zions in Deutschland. Das möchte ich Ihnen ganz deutlich sagen. Ich weiß aber, dass wir noch viel, viel stärker werden können. Das ist mein Wunsch und Gebet im Namen Jesu Christi. Amen.