Archiv der Kategorie: Kirchengeschichte

Offenes Haus und Weihung Pfahlzentrum Leipzig vom 4. – 9. September 2018

Unser rekonstruiertes Pfahlzentrum in Leipzig ist fertiggestellt, dass wir eine Weihung durchführen können.  (https://thomashengst.com/2018/06/24/pfahlzentrum-leipzig/)
Die Gebietspräsidentschaft der Kirche in Europa hat mich beauftragt, die Weihung durchzuführen. Dies wird im Rahmen eines gemeinsamen Abendmahlsgottesdienstes der beiden Leipziger Gemeinden am 9. September geschehen.

An den Tagen vorher öffnen wir das Haus für jeden, den es interessiert, einen Blick hineinzuwerfen und es gibt mehrere Veranstaltungen, die in der Einladung unten aufgeführt werden.

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Hier noch das Plakat für das Chorkonzert am Samstag, den 8. September:

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HERZLICH WILLKOMMEN !

Pfahlzentrum Leipzig

Am Freitag hatten wir die erste Pfahlpräsidentschaftssitzung im Pfahlzentrum seit Beginn des Umbaues im Januar 2017. Die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen und die beiden Leipziger Gemeinden werden bald in das Gebäude zurückkehren.

Es war ein schönes Gefühl, wieder in der vertrauten Umgebung zu beraten.

Ich bin sehr zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis. Am 15. Juli werde ich den ersten Gottesdienst leiten. Die offiziellen Eröffnungsveranstaltungen haben wir in der Woche vom 3. bis 9. September geplant. Wir werden dazu noch gesondert einladen.

Eingangsbereich
Turm
Erweiterung der Kapelle
Foyer
Taufraum
Haupteingang

Interessant (noch mehr, wenn man das Buch Mormon kennt)

Seit einigen Tagen geht diese Meldung durch die News:

https://www.welt.de/wissenschaft/article173185908/Mysterioese-Stadt-Tikal-Warum-der-Fund-einer-Maya-Staette-eine-Sensation-ist.html

Faszinierende Technologie. Man darf gespannt sein, was damit in Zukunft noch gefunden wird. Ich lese dabei im Buch Mormon und mache mir so meine Gedanken. Ist schon spannend das mitzuerleben.

Also, ich denke, es lohnt sich (nicht nur aus diesem Grund) das Buch aufzuschlagen und sich hinein zu vertiefen – zu den letzten Entdeckungen besonders ins letzte Drittel.
(https://www.lds.org/scriptures/bofm?lang=deu)

Weder die Nephiten, noch die Lamaniten oder Jarediten haben uns Landkarten hinterlassen. Dafür aber jede Menge äußerst relevanter Dinge.

Siehe auch hier:

https://thomashengst.com/2017/07/15/etwas-zum-buch-mormon/

Dresden Mission und ein Held meiner Jugend

Eine meiner besten Investitionen letztes Jahr war das Abo von Deseret Bookshelf Plus mit Zugriff auf 1500 Audio- und E-Books. Ich bin davon begeistert und nutze die App und den Inhalt sehr intensiv.

Seit einigen Woche höre ich mir die Biographie von Präsident Thomas S. Monson an (Dauer ca. 19.5 Stunden). Gestern war ich im Auto zum Flughafen Nürnberg unterwegs und habe Kapitel 20 gehört. In diesem Kapitel geht es um Präsident Monson’s Arbeit als Apostel in der DDR zwischen 1968 bis zur Weihung des Freiberg Tempels 1985. Als Zeitzeuge waren das für mich sehr emotionale Stunden. Besonders beeindruckt mich immer wieder sein Verhältnis zu Henry Burkhardt, dem Präsident der Dresden Mission während dieser Zeit. Henry Burkhardt war und ist eines meiner größten Vorbilder. Letzten Sonntag habe ich ihn in der Gemeinde Groitzsch, wo er seit etlichen Jahren lebt, getroffen. Es ist mir immer eine große Freude, ihn zu sehen und mich mit ihm zu unterhalten. Seine Verdienste für die Kirche in der ehemaligen DDR sind gigantisch. Wie dankbar können wir für diesen Mann sein. Wenn ich daran denke, brennt es in mir vor Begeisterung.

Mit Henry Burkhardt in der Gemeinde Groitzsch, 21.01.2018

Ich habe es als Kind und Jugendlicher geliebt, wenn er unsere kleine Gemeinde besuchte. Manchmal habe ich ihn im Heim meiner Schwester und ihrer Familie getroffen. Sie gehörte zu denen, die Lehrmaterial der Kirche, das nicht in die DDR eingeführt werden konnte und nur in einzelnen Exemplaren verfügbar war, mit der Schreibmaschine vervielfältigten. Bruder Burkhardt brachte ihr meist die Arbeit und holte sie wieder ab.

An meinem 18. Geburtstag im April 1982 übertrug er mir das Melchisedekische Priestertum und ordinierte er mich zum Amt eines Ältesten. Es war ein Konferenzsonntag in Dresden. Mein Vater war schwerkrank und deshalb nicht in der Lage, die Ordination durchzuführen. Präsident Burkhardt machte diesen wichtigen Tag zu einem sehr besonderen Tag in meinem Leben.

An ein Ereignis wenige Jahre später erinnere ich mich noch ganz speziell. Es war eine Priestertumsversammlung unter der Leitung von Thomas S. Monson (damals noch einer der Zwölf Apostel) in der Henry Burkhardt als Präsident der Dresden Mission entlassen wurde. Elder Monson forderte alle Anwesenden, denen Bruder Burkhardt im Laufe ihres Lebens die Hände aufgelegt hatte – sei es für einen Segen, eine Ordination oder die Einsetzung in eine Berufung, auf, sich von ihren Plätzen zu erheben. Gemeinsam mit mir erhoben sich fast alle Anwesenden. Es war ein unvergesslicher Moment. Elder Monson sagte dann: „Bruder Burkhardt – das ist ihr Lohn.“ Während ich das schreibe, ist mir Szene noch so gegenwärtig wie vor 33 Jahren.

Vor 7 oder 8 Jahren, als relativ neuer Pfahlpräsident, war es zum ersten Mal meine Aufgabe, mit Henry Burkhardt ein Gespräch für die Erneuerung seines Tempelscheines zu führen. Ich habe mich so inadäquat gefühlt. Er war der erste Tempelpräsident in Freiberg, ein Held meiner Jugend. Ich sagte zu ihm: „Bruder Burkhardt, ich weiß nicht, ob ich das tun kann. Wir sollten die Rollen tauschen.“ Er antwortete mit seiner sanften Stimme und seiner beruhigenden Art: „Bruder Hengst, machen Sie sich keine Gedanken. Sie tragen jetzt die Verantwortung, die wir früher getragen haben.“ Das hat mich sehr demütig gestimmt und hat mir in den Jahren, in denen ich die Verantwortung trage, sehr geholfen.

Lieber Bruder Burkhardt, herzlichen Dank für alles, was Sie für uns getan haben. Möge der Herr Sie reich segnen.

President Thomas S. Monson

Die erste Nachricht heute Morgen nach dem Aufwachen, war sehr traurig. Thomas S. Monson, der 16. Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist gestern Abend im Alter von 90 Jahren gestorben. Viele haben im Internet geschrieben, er ist heim gegangen. Diese Sicht gefällt mir gut.

Präsident Monson war der Apostel, der mich in Kindheit, Jugend und als junger Erwachsener entscheidend geprägt hat. Er war für unsere Generation der Held, der Mann, der uns im Osten Deutschlands das Gefühl gegeben hat, dass wir in der weltweiten Kirche wahrgenommen werden. Er war so oft bei uns. Ich erinnere mich an viele Begegnungen in Dresden und anderswo. Jedesmal hat es mich wieder ein Stück nach vorne gebracht. Ich habe heute an einige Begebenheiten gedacht, wo mir immer wieder die Schauer über den Rücken laufen und ich keinen Zweifel daran habe, dass er ein Prophet Gottes war.

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Unsere Tochter Janey mit Thomas S. Monson, 2001 in Dresden zur Weihung des Karl G, Mäser Denkmals

Ich habe zu Hause in meiner Bibliothek einige Bücher, die an Präsident Monson erinnern. Meine Favoriten sind „Faith Rewarded –  A Personal Account of Prophetic Promises to the East German Saints“ (Belohnter Glaube) und seine Biographie „To The Rescue“ (Zur Rettung). Für mich sind das enorm wichtige Bücher. Wenn ich in „Faith Rewarded“ lese, werde ich daran erinnert, dass wir direkte Zeugen der Erfüllung von Verheißungen für den Osten Deutschlands sind, die wir jahrelang nicht für möglich gehalten haben und die eine nach der anderen Wirklichkeit wurde. Eine ist noch offen geblieben, aber wir arbeiten daran.

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Ich bin dankbar für diesen großen Mann und das, was er für uns und viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche getan hat. Er hat einen besonderen Platz in meinem Herzen und eine besondere Bedeutung für mein Zeugnis.

 

 

Pfahlball Leipzig 2017

Vergangenen Samstag war es wieder soweit – der alljährliche Ball des Pfahles Leipzig in der Muldentalhalle in Wilkau-Hasslau bei Zwickau. Es war ein toller Höhepunkt in unserem Kirchenleben mit rekordverdächtiger Teilnehmerzahl. Als Schirmherr möchte ich mich bei allen bedanken, die mit Einsatz und Leidenschaft zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben. Ich habe nicht von allen Fotos oder Videos machen können, aber wir hatten einen Kameramann, der uns sicher in absehbarer Zeit die Ergebnisse seiner Arbeit präsentieren wird. Herzlichen Dank an Peter Lange aus der Gemeinde Erfurt.

Besonders bedanken möchte ich mich bei unserem Moderatorenpaar, Christina und Frank Heidler aus der Gemeinde Leipzig 2. Ihr wart grandios. Ein großer Dank für eure einfühlsame Art und euren Humor.

Frank sorgte kurz vor dem Ende für die Überraschung und den Höhepunkt des Abends, was den Saal zum Kochen brachte 🙂 – seine Reminiszenz an alte Jugendzeiten zusammen mit der Band unseres Pfahles – die Spezialversion von City´s „Am Fenster“. Frank, wie lange hast du dafür geübt? 🙂

Vorher erlebten wir eine richtige Talenteshow – vor allem von den jungen Leuten unseres Pfahles. Das hat mich sehr gefreut – die vielen musikalischen Talente mit Prisca, Anahi, Pauline, Annika, Cosima, Cäcilia (die Jungs haben hier echt Nachholebedarf), Poetry Slam mit Liv und Samuel und natürlich Break Dance mit Finn und seinen Freunden. Ihr wart alle super.

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Stellvertretend für alle anderen hier ein kurzer Videoclip von Cäcilia Hoffmann (Gemeinde Zwickau) begleitet von Annika Vogel (Gemeinde Jena). Ganz tolle Stimme – mit 15 Jahren.

Sehr schön fand ich auch, dass der Eröffnungswalzer von unserem Pfahlorchester gespielt wurde.  Etwas später gab es einen kleinen aber feinen Flashmob. Den Anfang habe ich leider mit der Kamera verpasst. Der Ton ist zwischendurch manchmal nicht optimal. Ich denke, ich hatte irgendwie amateurhaft den Finger auf dem Mikrofon. 🙂 Aber es ist ein sehr schönes Lied.

Nicht zuletzt möchte ich mich auch besonders bei den Jungs von The Band of Brothers aus den Gemeinden Zwickau und Werdau und den Special Guests, die sie eingeladen haben, bedanken. Ihr werdet immer besser. Super !!!. Es hat großen Spaß gemacht, euch zuzuhören und sich zu eurer Musik zu bewegen. 🙂

Ein herzliches Dankeschön auch an alle, die weniger sichtbar waren und für die Dekoration gesorgt haben, für guten Ton, für die Betreuung der Kinder, für das Catering und vieles mehr. Ein besonderer Dank geht an Jörg Müller aus der Gemeinde Zwickau, der sich im Vorfeld um unzählige Dinge gekümmert hat.

Es war ein toller Abend. Wir freuen uns auf nächstes Jahr.

Gefühle in Rock Creek Hollow

Wenn man in Wyoming auf dem Highway 28 von Farson nach Lander fährt, kommt irgendwann in the middle of nowhere ein Hinweisschild: Rock Creek Hollow, 11 Meilen. Nach 11 Meilen auf einer unbefestigten, schlammigen Straße kommt man an diesen Ort. Es ist eine öde Schlucht, nur trostloses Gebüsch und ein kleiner Bach. Dennoch handelt es sich um heiligen Boden aufgrund von Ereignissen, die sich dort im späten Oktober 1856 zugetragen haben.
Rock Creek Hollow ist der Ort, an dem sich die Willie Handkarrenkompanie mit fast 500 Mormonen nach der Überquerung der schwierigsten Passage der 1.300 Meilen langen Reise von Iowa City nach Salt Lake City, der 2200 Meter hohen Rocky Ridge sammelte und buchstäblich gerettet wurde. Ich möchte hier nicht die gesamte Geschichte schildern. Dafür gibt es sehr gute Quellen, die sich mit den Umständen der Willie und Martin Handkarrenkompanien beschäftigen. Über einen Besuch in Martin Cove habe ich vor über drei Jahren bereits geschrieben. (Siehe https://thomashengst.com/2014/02/08/martins-cove/)
Es genügt zu sagen, dass Rock Creek Hollow, genauso wie Martin Cove, ein heiliger Ort durch die Menschen wurde, die sich durch die Opfer, die sie gebracht haben, ein immerwährendes Denkmal und einen besonderen Platz in der Geschichte unserer Kirche geschaffen haben.

Wir besuchten Rock Creek Hollow am 24. September, einen Tag nach der Bundestagswahl in Deutschland. Es war ein Erlebnis, das im großen Kontrast steht zu dem Streit in einem der wohlhabendsten Länder der Erde. Es ist schwer, die Gefühle zu beschreiben, die mich dort bewegt haben. Ich habe die Heiligkeit des Ortes gespürt, die Feierlichkeit des Gedenkens, die Dankbarkeit für die Leistungen dieser Menschen, die so viel für ihren Glauben geopfert haben, die Wichtigkeit und Notwendigkeit sich zu erinnern, im Gedächtnis zu behalten und Schlussfolgerungen für sich selbst zu ziehen.
Ich habe mich Gott ziemlich nahe gefühlt. Es war sehr deutlich.

In einem Grab sind 13 der Handkarrenpioniere beerdigt, die in der Nacht nach der Überquerung von Rocky Ridge, nach 27 Stunden größter Anstrengungen bei eisigen Temperaturen und hohem Schnee, hungernd, mit verschlissener Kleidung und Schuhwerk an Entbehrung, Erschöpfung und Erfrierung gestorben sind. Zwei weitere starben am folgenden Tag.

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Grabstätte in Rock Creek Hollow
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Grabstein in Rock Creek Hollow

Stellvertretend für alle Opfer möchte ich kurz die Geschichte der Kirkwood Familie erzählen, die mich jedes Mal enorm mitnimmt. Wir haben Zuhause dieses Bild hängen, das James und Joseph Kirkwood darstellt.

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Margaret Kirkwood war eine Witwe aus Schottland, die zu den frühen Bekehrten der Kirche gehörte. Vor ihrer Emigration in das Salzseetal waren ihr Mann und zwei Töchter bereits gestorben. 1856 entschloss sie sich mit ihren 4 Söhnen Robert (21), Thomas (19), James (11) und Joseph (5) zur Reise. Die Voraussetzungen waren nicht günstig, die Mittel knapp und Thomas seit einem Unfall im Alter von 6 Jahren nicht in der Lage selbst zu gehen. Sie wurden Mitglieder der Willie Handkarrenkompanie.
Die Mutter und ihr Sohn Robert kümmerten sich um den Handkarren, in dem neben ihren Habseligkeiten auch ihr Sohn Thomas saß. James hatte die Aufgabe, sich um den kleinen Joseph zu kümmern. Bei der Überquerung von Rocky Ridge konnte Joseph der Gruppe nicht mehr folgen. Als er nicht mehr gehen konnte, trug ihn sein Bruder James die gesamte verbleibende Strecke bis ins Lager in Rock Creek Hollow. Als die beiden dort ankamen, setzte sich James nieder und verstarb an Erschöpfung. Die Familie kam am 30. November 1856 in Salt Lake City an. Margaret und ihre Söhne Robert und Joseph lebten als angesehene Bürger und treue Heilige der Letzten Tage bis ins hohe Alter. Thomas starb zwei Jahre nach der Ankunft in Utah.

Der Besuch einer solchen Gedenkstätte (und vieler anderer) kann sehr wohl zur Heilung zahlreicher menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen beitragen sowie zur Stärkung von wichtigen Eigenschaften, die für das harmonische Zusammenleben von vernunftbegabten Menschen erforderlich sind (Und das möchte ich sowohl auf das, was innerhalb der Kirche als auch außerhalb der Kirche geschieht, beziehen). Dazu gehört (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Entwicklung von Mitgefühl für andere, die leiden und als Konsequenz daraus ein entsprechendes Verhalten; genauso wichtig: die Entwicklung von Glauben, Ehrfurcht, Achtung und Respekt. Es ist Medizin gegen Jammern, Murren, Groll, Aggressivität und Egoismus. Es stärkt die Bereitschaft, zusammenzuhalten und zusammenzuarbeiten anstatt gegeneinander. Man kann lernen, dass der Lohn nicht vor der Anstrengung kommen sollte. Die Bedeutung von Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Integrität wird klarer. Ganz wichtig: zu lernen, sich erst dann ein Urteil über Dinge oder Menschen zu bilden, wenn man sich die Mühe gemacht hat, genügend Einblick und Verständnis zu erlangen. Ebenso wichtig ist die Immunisierung gegen Hass, Neid, Gier, Verachtung und Gewalt sowie gegen den Drang, Verantwortung für eigene Probleme, ständig auf andere abschieben zu wollen.
Die Erfahrung, rechtschaffene Opfer und Dienst für den Nächsten und/oder eine gute Sache zu bringen, ist enorm wichtig für die Charakterbildung und schützt die Gesellschaft davor, moralisch zu verkommen.
Die wichtigste Frucht ist Nächstenliebe oder wie wir sagen, die reine Christusliebe, von der wir in unseren Gemeinden und unserem Gemeinwesen viel mehr brauchen.

Von all dem habe ich in Medien und im gesellschaftlichen Diskurs vor und nach den Wahlen bei uns und anderswo relativ wenig gehört. Das macht mir in einer Gesellschaft, die eifrig daran arbeitet, sich ernstlich zu spalten, große Sorgen.

Auf dem Weg nach Rock Creek Hollow haben wir im Auto diese Ansprache von Präsident Gordon B. Hinckley aus dem Jahr 1991 angehört. Er war damals 1. Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft der Kirche. Wer bis hierher gelesen hat, sollte sich diese Worte auch noch durchlesen. Sie geben die Chance zu Selbsterkenntnis und die ist bekanntlich der beste Weg, ein besserer Mensch zu werden.

Zu retten ist unsere Mission

„Meine lieben Brüder und Schwestern, wie gesegnet sind wir doch, daß wir uns unter solch angenehmen und glücklichen Umständen in Frieden versammeln können! Als ich über diese Herbstkonferenz und die inspirierten Reden nachdachte, die wir gehört haben und noch hören werden, eilten meine Gedanken zu dem Geschehen zurück, das sich vor 135 Jahren an diesem ersten Oktobersonntag ereignete, als hier auf dem Tempelplatz eine ähnliche Versammlung stattfand. Damals hat es dieses herrliche Tabernakel noch nicht gegeben. Die Heiligen trafen sich im Alten Tabernakel, das ein paar Schritte südlich von uns gestanden hat. Es war Sonntag, der 5. Oktober 1856. Tags zuvor, am Samstag, war eine kleine Anzahl Missionare aus England heimgekehrt. Sie hatten die Reise ziemlich schnell hinter sich gebracht, weil die Gespanne kräftig und die Wagen leicht waren. Franklin D. Richards hatte sie geführt. Sie begaben sich sofort zu Präsident Brigham Young und berichteten ihm, daß Hunderte von Männern, Frauen und Kindern von Missouri zum Salzseetal unterwegs waren. Die meisten von ihnen hatten Handkarren zu ziehen; sie waren in zwei Abteilungen eingeteilt, und zwei kleinere Gruppen mit Ochsengespannen und Wagen kamen nach ihnen. Die vorderste Gruppe befand sich gerade wahrscheinlich in der Gegend von Scottsbluff, noch fast 700 Kilometer von ihrem Bestimmungsort entfernt, und die anderen lagen weiter zurück. Es war Oktober, und sie würden eingeschneit werden und zugrunde gehen, wenn ihnen keine Hilfe gesandt wurde.

Brigham Young hatte davon nicht gewußt. Es gab damals natürlich keine schnelle Nachrichtenverbindung – kein Radio, keinen Telegraf, keine schnelle Post. Er war damals fünfundfünfzig Jahre alt. Am nächsten Morgen, am Sabbat, trat er vor die Zuhörer im Tabernakel und sagte:

„Ich werde nun sagen, was ich als den Gegenstand und Text sehe, über den die Ältesten sprechen sollen. … Und zwar ist es dies: Am5. Oktober 1856 befinden sich noch viele unserer Brüder und Schwestern mit Handkarren auf der Prärie, und wahrscheinlich sind viele noch elfhundert Kilometer von hier entfernt, und sie müssen hier hergeholt werden, wir müssen ihnen Hilfe senden. Das Thema für die Ansprachen ist:, Bringt sie her!‘ …

Das ist meine Religion, das ist es, was der Heilige Geist mir ansagt. Wir müssen die Leute retten. …

Ich rufe noch heute die Bischöfe auf. Ich warte nicht bis morgen oder übermorgen, ich brauche 60 gute Maultiergespanne und 12 bis 15 Wagen. Ich möchte keine Ochsen schicken. Ich brauche gute Pferde und Maultiere. Sie sind in dieser Gegend vorhanden, und wir müssen sie bekommen. Ebenso 12 Tonnen Mehl und 40 gute Fuhrleute außer denen, die die Gespanne führen. …

Ich sage euch: All euer Glaube, eure Religion, euer Bekenntnis zur Religion werden auch nicht einen von euch ins celestiale Reich unseres Gottes erretten, wenn ihr nicht die Prinzipien, die ich euch gerade jetzt lehre, in die Tat umsetzt. Geht und holt die Leute her, die jetzt auf der Prärie sind.“ (Handcarts to Zion, Seite 120f.)

Am nächsten Morgen klangen die Hammerschläge auf den Ambossen durch das Tal, als in den Schmieden Pferde beschlagen und Wagen repariert und beladen wurden.

Anderntags, am Dienstag, dem 7. Oktober, „machten sich sechzehn gute Maultier-Vierergespanne mit siebenundzwanzig kühnen jungen Männern mit dem ersten Teil der Lebensmittel auf den Weg nach Osten. Das Beschaffen weiterer Güter wurde kräftig vorangetrieben.“ (A. a. O., Seite 124.)

„Ende Oktober waren zweihundertfünfzig Gespanne zur Hilfeleistung unterwegs.“ (A. a. O. Seite 125.)

Man hat von den Kanzeln auf dem Tempelplatz schon viele beredte Predigten gehört, aber keine davon war beredter als die, die auf jener Herbstkonferenz vor 135 Jahren gehalten wurden.

Nun möchte ich davon ein wenig abschweifen und das Geschehnis von einer anderen Seite her wieder aufgreifen.

Vor ein paar Wochen durfte ich ein Denkmal zum Gedächtnis von Ellen Pucell Unthank enthüllen. Es steht auf dem Universitätsgelände in Cedar City in Südutah und zeigt die Bronzefigur eines reizenden kleinen neunjährigen Mädchens, mit einem Fuß auf Zehenspitzen stehend, die Haare vom Wind nach hinten geweht, ein Lächeln auf dem Gesichtchen, und eifrig nach vorn blickend.

Ellen Pucell, wie sie genannt wurde, kam in einer schönen Gegend in England zur Welt, wo es weite, sanfte Hügel gibt und das Gras zu allen Zeiten grün ist. Ihre Eltern, Margaret und William Pucell, hatten sich zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt. In der Zeit zwischen ihrer Taufe im Jahre 1837 und dem Frühjahr 1856 hatten sie geknausert und gespart, um zu ihrem Volk in die Täler der Rocky Mountains in Amerika ziehen zu können. Das war möglich, wenn sie bereit waren, einen Handkarren 1700 Kilometer durch die Wildnis zu ziehen. Sie nahmen die Herausforderung an, wie es auch Hunderte ihrer neuen Glaubensbrüder taten.

Margaret und William nahmen ihre beiden Töchter mit: die vierzehnjährige Maggie und die neun Jahre alte Ellen. Sie verabschiedeten sich von den geliebten Menschen, die sie ja auf Erden nie mehr sehen sollten. Gegen Ende Mai segelten sie mit 852 anderen neuen Mitgliedern von Liverpool ab. Die Großmutter meiner Frau, die dreizehnjährige Mary Goble, gehörte auch dazu, und ich stelle mir gern vor, wie sie mit den Mädchen an Bord spielte.

Nach sechs Wochen Überfahrt landeten sie in Boston und fuhren mit dem Zug nach lowa City. Sie hatten erwartet, daß die Handkarren und Wagen bereit standen, aber es war nicht so. Es gab eine verhängnisvolle Verzögerung. Erst gegen Ende Juli konnten sie den langen Marsch antreten, zuerst nach Winter Quarters am Missouri, dann weiter in die Rocky Mountains.

Die Pucells wurden der Martin-Handkarren-Abteilung zugeteilt. Die Familie Goble, die Vorfahren meiner Frau, gesellten sich zur Cluff-Wagen-Abteilung, die den Handkarren folgte, um notfalls Hilfe leisten zu können.

Man begann die Reise mit großen Erwartungen. Durch Sonnenschein und Sturm, durch Staub und Schlamm mühten sie sich den ganzen September und bis weit in den Oktober hinein entlang dem Platte River dahin. Am 19. Oktober kamen sie an der letzten Furt des Platte an, ein wenig westlich von dort, wo heute die Stadt Casper in Wyoming liegt. Der Fluß war breit, er hatte eine starke Strömung, und auf dem Wasser trieben schon Eisschollen. Es gab schon nicht mehr genug zu essen. Tapfer wateten sie durch den eisigen Fluß. Es erhob sich ein schrecklicher Sturm, und der schneidende Wind trieb Sand, Hagel und Schnee vor sich her. Als sie an das andere Ufer kletterten, gefroren ihnen die nassen Kleider am Körper. Erschöpft, durchgefroren und unfähig, weiterzugehen, setzten sich etliche hin und starben dort im Sitzen.

Ellens Mutter wurde krank. Ihr Mann lud sie auf den Karren. Der Weg führte sie jetzt zur kontinentalen Wasserscheide, und es ging nur noch bergauf. Sehen Sie diese Familie vor sich? Die Mutter krank und zu schwach, als daß sie gehen konnte, der Vater dünn und ausgemergelt, wie er den Karren zieht, und die beiden Mädchen, die hinten schieben, vom kalten Wind gepeitscht, und ringsum Hunderte von anderen, die sich in gleicher Weise vorwärtskämpfen. Sie kamen an einen Fluß, der schon vereist war. Beim Übergang rutschte der Vater auf einem Felsbrocken aus und stürzte. Er rappelte sich wieder auf und schleppte sich ans andere Ufer, naß und kalt. Einige Zeit später setzte er sich nieder, um auszuruhen. Er starb ruhig, die Kälte hatte ihn unempfindlich gemacht. Seine Frau starb fünf Tage später. Ich weiß nicht, wo man die gefrorenen Leichen in jener öden, weißen Wildnis begrub. Aber ich weiß, daß der Boden gefroren war und daß sich Schneewehen aufgetürmt hatten und daß die beiden Mädchen jetzt Waisen waren.

Allein von der Martin-Abteilung kamen auf diesem Zug des Leidens und des Sterbens zwischen 135 und 150 Reisende ums Leben. Und in dieser verzweifelten, schrecklichen Lage – hungrig, erschöpft, die Kleider dünn und zerfetzt – wurden sie von der Hilfsmannschaft gefunden. Als die Retter am westlichen Horizont auftauchten und einen Weg durch den Schnee bahnten, erschienen sie wie barmherzige Engel. Und das waren sie ja auch. Die eingeschlossenen Auswanderer schrien vor Freude, das heißt, einige von ihnen. Die anderen waren zu schwach zum Schreien, sie konnten nur weinen und weinen und weinen.

Jetzt gab es zu essen und wärmere Kleider. Aber das Leiden war noch nicht vorüber und nahm auch das ganze Erdenleben kein Ende. Gliedmaßen waren abgefroren, und das brandige Fleisch schälte sich von den Knochen.

Die Karren wurden stehen gelassen, und die Überlebenden wurden in den Wagen der Retter zusammengepfercht. Der lange, beschwerliche Weg von fünf-, sechs-, ja achthundert Kilometern war wegen der Stürme besonders langsam und schwierig. Am 30. November kamen 104 Wagen mit ihrer leidenden menschlichen Fracht im Salzseetal an. Die Nachricht von ihrer bevorstehenden Ankunft war ihnen vorausgeeilt. Es war ein Sonntag, und abermals hatten sich die Heiligen im Tabernakel versammelt. Brigham Young trat vor die Gemeinde und sagte:

„Sofort nach Schluß dieser Versammlung sollen die Brüder und Schwestern nach Hause gehen. …

Die Versammlung am Nachmittag fällt aus, denn ich möchte, daß die Schwestern Vorbereitungen treffen, um den eben Angekommenen etwas zu essen zu geben und sie zu waschen und zu pflegen. …

Ihr werdet sehen, daß einigen die Füße bis zu den Knöcheln abgefroren sind, einigen die Beine bis zu den Knien, und einigen sind die Hände erfroren. … Wir möchten, daß ihr sie wie eure eigenen Kinder aufnehmt und ihnen das entsprechende Gefühl entgegenbringt.“ (Handcarts to Zion, Seite 139.)

Die beiden Waisenmädchen, Maggie und Ellen, gehörten zu denen mit abgefrorenen Gliedmaßen. Mit Ellen stand es sehr schlimm. Der Arzt im Tal tat, was er nur tun konnte. Er nahm ihr beide Beine knapp unter dem Knie ab. Es gab nur grobe Instrumente und keine Narkose. Die Stümpfe heilten nie mehr. Sie wuchs zur Frau heran, heiratete William Unthank und brachte sechs Kinder zur Welt, die sie in einer respektablen Familie auf zog. Sie bewegte sich auf ihren Stümpfen fort; sie diente ihrer Familie, ihren Nachbarn und der Kirche – immer gläubig und mit frohem Mute und ohne zu klagen, obwohl sie nie ohne Schmerzen war. Ihre Nachkommenschaft ist zahlreich, und darunter gibt es gebildete, tüchtige Männer und Frauen, die denselben Herrn lieben, den Ellen geliebt hat, und die die Sache lieben, um derentwillen sie gelitten hat.

Nach Jahren saßen einige Leute in Cedar City beisammen und sprachen über sie und andere, die der unglückseligen Abteilung angehört hatten. Manche Kritik an der Kirche und ihren Führern wurde laut, weil die Bekehrten so spät im Jahr auf den Weg geschickt worden waren. Ich zitiere nun aus einem Manuskript, das ich habe:

„Ein alter Mann saß still in der Ecke und hörte zu, bis er es nicht mehr aushielt. Dann stand er auf und sagte einiges, das keiner der Zuhörer jemals vergessen wird. Sein Gesicht war bleich vor Erregung, und doch sprach er ruhig und gelassen, aber mit großem Ernst und ganz aufrichtig.

Er sagte im wesentlichen, Hören Sie doch mit dieser Kritik auf! Sie reden über etwas, wovon Sie keine Ahnung haben. Kalte historische Tatsachen haben hier keine Bedeutung, weil sie die einschlägigen Fragen nicht richtig ausdeuten können. Ein Fehler, sagen Sie, die Handkarrenabteilungen so spät auf den Weg zu schicken? Gewiß. Aber ich war in der Abteilung und meine Frau auch und Schwester Nellie Unthank, die Sie gerade erwähnt haben, ebenso. Wir haben mehr erlitten, als Sie sich auch nur vorstellen können, und viele sind an Kälte und Hunger gestorben. Aber haben Sie je gehört, daß einer der Überlebenden ein Wort der Kritik geäußert hätte? Kein einziger aus jener Abteilung ist je abgefallen oder hat die Kirche verlassen; denn ein jeder von uns hat am Ende mit absoluter Bestimmtheit gewußt, daß Gott lebt – wir haben ihn in unserer äußersten Not kennengelernt.“ (Das Manuskript ist in meinem Besitz.)

Der Sprecher war Francis Webster, der das als Sechsundzwanzigjähriger mit seiner Frau und einem kleinen Kind mitgemacht hatte. Er wurde später ein Führer in der Kirche und war auch in den Kommunen im südlichen Utah führend tätig.

Nun, meine Brüder und Schwestern, ich habe viel Zeit auf diese Erzählung verwandt, vielleicht zuviel. Wir haben jetzt den Oktober 1991, und diese Episode liegt 135 Jahre hinter uns. Ich habe Ihnen die Geschichte aber erzählt, weil sie wahr ist und weil der Geist davon so zeitgemäß ist wie der heutige Morgen.

Ich möchte alle meine Zuhörer daran erinnern, daß unsere angenehmen Lebensumstände und daß wir Frieden und – was noch wichtiger ist – Glauben und Kenntnis von den Dingen Gottes haben, von unseren Vorgängern um einen schrecklich hohen Preis erkauft worden sind. Opferbereitschaft gehört seit jeher zum Evangelium Jesu Christi. Die Krönung unseres Glaubens ist, daß wir vom lebenden Gott, dem Vater von uns allen, und seinem geliebten Sohn, dem Erlöser der Welt, überzeugt sind. Weil der Erlöser gelebt und sich geopfert hat, sind wir hier. Weil er sein Sühnopfer vollbracht hat, werden wir und alle Söhne und Töchter Gottes an der Errettung durch den Herrn teilhaben. „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ (l Korinther 15:22.) Weil der Erretter der Welt die Erlösung durch Opfer bewirkt hat, ist uns der große Plan des ewigen Evangeliums zugänglich und werden alle, die im Herrn sterben, den Tod nicht erleiden, sondern zur celestialen und ewigen Herrlichkeit weitergehen.

In unserer Hilflosigkeit wird er zu unserem Retter. Er bewahrt uns vor Verdammnis und führt uns ins ewige Leben.

In Zeiten der Verzweiflung, in Einsamkeit und Angst, taucht er am Horizont auf und bringt Hilfe und Trost, Zuversicht und Glauben mit. Er ist unser König, unser Retter, unser Befreier, unser Herr und Gott.

Die Menschen damals auf der kalten Hochebene von Wyoming haben ihn in ihrer äußersten Not kennengelernt, wie nur wenige ihn kennenlernen. Aber jeder geplagten Seele, jedem Mann und jeder Frau in Not, all denen, die eine schwere Bürde durch die bitteren Stürme des Lebens schleppen, ruft Jesus zu: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28-30.)

Ich bin gewiß dankbar, daß heute niemand von uns auf der Hochebene von Wyoming eingeschneit ist. Aber ich weiß auch, daß es rings um uns viele Menschen gibt, die Hilfe brauchen und es verdienen, gerettet zu werden. Unsere Mission im Leben, die wir Nachfolger des Herrn Jesus Christus sind, muß eine Mission des Errettens sein. Es gibt Heimatlose, Hungrige, Mittellose, und man sieht es ihnen an. Wir haben schon viel getan. Wir können noch mehr tun, um denen zu helfen, die sich am Rande des Überlebens befinden.

Wir können die Hand ausstrecken und denen Halt geben, die im Sumpf der Pornographie, der abscheulichen Unmoral und der Drogen unterzugehen drohen. Viele sind so süchtig geworden, daß sie nicht mehr die Kraft haben, ihr Schicksal zu meistern. Sie sind elend und zerbrochen. Aber sie können geborgen und gerettet werden.

Es gibt Ehefrauen, die verlassen worden sind, und Kinder, die weinen, weil sie zu Hause mißhandelt werden. Es gibt Väter, die man vor bösem, zerstörendem Tun bewahren kann, so daß kein Ruin und kein Herzeleid mehr entsteht.

Heute brauchen wir uns um die Menschen auf der Hochebene von Wyoming keine Sorgen mehr zu machen, aber sehr wohl um diejenigen in unserer Umgebung, in unserer Familie, unserer Gemeinde, unserem Pfahl, in unserer Nachbarschaft und in unserem Gemeinwesen.

„Und der Herr nannte sein Volk Zion, weil sie eines Herzens und eines Sinnes waren und in Rechtschaffenheit lebten; und es gab unter ihnen keine Armen.“ (Mose 7:18.)

Wenn wir das Zion errichten wollen, von dem die Propheten gesprochen und der Herr mächtige Verheißungen verkündet hat, müssen wir unsere verzehrende Selbstsucht ablegen. Wir müssen über unsere Liebe zu Bequemlichkeit und Wohlergehen hinauswachsen, und so werden wir gerade dann, wenn wir uns anstrengen und kämpfen müssen, eben in unserer äußersten Not, unseren Gott besser kennenlernen.

Mögen wir nie vergessen, daß wir ein wunderbares Erbe übernommen haben von großartigen, mutigen Leuten, die in der Sache, die sie liebten, unsägliches Leid ertragen und unglaublichen Mut bewiesen haben. Wir alle wissen, was wir zu tun haben. Gott helfe uns, daß wir es tun, wenn es getan werden muß; darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.“

Brigham Young Home in St. George

We went to the Brigham Young Winter Home in St. George yesterday. Took a guided tour which was well done by the missionaries. We can never learn enough from the pioneers who settled this land and the sacrifices they had to bring. It always impresses me a lot.

Gestern waren wir im Winter Home von Brigham Young in St. George. Haben an einer Führung teilgenommen, die von den Missionaren dort gut gemacht wurde. Wir können nie genug von der Geschichte der frühen Pioniere lernen, die das Land besiedelt haben und den Opfern, die sie gebracht haben. Es beeindruckt mich immer wieder.

One of the sister missionaries in the building was Sister Pan from Chengdu in China. I like the concept we have in the Church that young people and senior couples are sent all over the world to share the Gospel. So, this is how it comes that a young woman from China shares important stories about the American Church history in a historic building in Southern Utah to visitors from many countries. We learned that just an hour before we came a group of Chinese people visited the site.

Eine der Missionarinnen im Gebäude war Sister Pan aus Chengdu in China. Ich schätze das Konzept der Kirche sehr, junge Leute und auch ältere Ehepaare in alle Welt zu schicken, um das Evangelium zu teilen. So kommt es, dass eine junge Frau aus China Touristen aus aller Welt bedeutende Geschichten aus der Kirchengeschichte in einem historischen Gebäude im Süden von Utah erzählt. Nur eine Stunde vor uns besuchte eine Reisegruppe aus China den Ort.

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I spoke a little bit Chinese to Sister Pan and asked her how she found the Church. She shared her remarkable conversion story with us. She learned about the Church in her hometown but since there are no missionaries in China she traveled to Hongkong, met the missionaries, got all missionary lessons in one day and was baptized. Now, she´s been a missionary herself for 14 months and her mother in China was baptized during her mission.

Ich habe Sister Pan in Chinesisch angesprochen und sie gefragt, wie sie die Kirche gefunden hat. Sie hörte von der Kirche in ihrer Heimatstadt aber da es in China keine Missionare gibt, reiste sie nach Hongkong. Dort erhielt sie alle Missionarslektionen an einem einzigen Tag und wurde getauft. Nun ist sie selbst schon seit 14 Monaten auf Mission und ihre Mutter in China wurde während dieser Zeit getauft.

Sometimes we take everything in the Church for granted and don´t value our membership as we should. I think we can learn a lot from Sister Pan´s example. Thank you, Sister Pan.

Manchmal betrachten wir alles in der Kirche als selbstverständlich und wertschätzen unsere Mitgliedschaft nicht so wie wir sollten. Ich denke, wir können eine Menge von Sister Pan´s Beispiel lernen. Vielen Dank, Sister Pan.

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180 Jahre

Der 28. Juli ist in unserer Familie ein besonderer Tag. Drei wichtige Personen haben an diesem Tag ihren Geburtstag – unsere Tochter, meine Mutter und meine Schwiegermutter.
Meine Mutter hatte dieses Jahr ihren 92. und meine Schwiegermutter ihren 88. Geburtstag – zusammen also 180 Jahre. Ein guter Anlass über einige Dinge nachzudenken. Wie muss das sein, auf ein solch langes Leben zurück zu blicken?

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Das älteste und zur Zeit jüngste Familienmitglied – die Uroma mit einer unserer Enkelinnen

Beide Frauen haben bemerkenswerte Biographien. Beide, geboren zwischen den beiden Weltkriegen und aufgewachsen während der Nazizeit, erlebten die Härten der Nachkriegszeit mit voller Wucht, meine Mutter als junge Mutter in den Hungerjahren, meine Schwiegermutter als Flüchtling aus Breslau.

Beide verbindet ebenfalls, dass sie jeweils im Alter von 8 Jahren als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft wurden. Sie gehören heute zu den wenigen lebenden Zeitzeugen der Kirche vor dem Zweiten Weltkrieg. 84 bzw. 80 Jahre Mitgliedschaft in der Kirche, nicht nur als eingetragene, sondern als überaus aktive Mitglieder, die erhebliche Opfer und Leistungen gebracht haben, sind ein gewaltiges Vermächtnis.

Neben vielen hervorragenden Eigenschaften unserer Mütter, ragt für mich ihre Standhaftigkeit heraus. Es ist die Fähigkeit weder gegenüber politischen, noch gesellschaftlichen Entwicklungen und Weltbildern (sei es in der Nazizeit, dem Kommunismus oder seit dem Fall der Mauer), die nicht mit ihren Überzeugungen und ihrem Glauben kompatibel waren und sind und dem damit einhergehenden Druck, einzuknicken.

Wo wären wir jetzt als gesamte Familie, wenn sie nicht immer standhaft gewesen wären?

Ihre Standhaftigkeit ist das Resultat einer gesunden Symbiose aus Theorie und Praxis und des daraus gewonnenen Verständnisses des Evangeliums Jesu Christi, konsequent gelebten Grundsätzen und den zahllosen und immer wiederkehrenden Erfahrungen, die sie dadurch gemacht haben. Das ist der Weg, wie feste und dauerhafte Überzeugungen entstehen. Ihr Glaube musste sich viele Male bewähren. Er hat sich immer wieder bewährt, denn sie haben nicht den Fehler gemacht, Abkürzungen in der Anwendung von  Grundsätzen und Prinzipien zu suchen, die sie als wahr erkannt haben.

Ich habe zu Hause ein Buch, das ich sehr schätze. „In Harm´s Way – East German Latter-Day Saints in World War II“. Ich bin dem Autor Roger P. Minert und allen, die mitgeholfen haben, dieses Werk zusammenzustellen und zu veröffentlichen, sehr dankbar (Vielen Dank, Judith, für deine Mitarbeit 🙂 ). Es ist ein Andenken an Menschen mit Tugenden, die heute leider an Beachtung und Wert zu verlieren scheinen.

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Ich schätze dieses Buch über die Vorkriegsgeschichte der Kirche sehr. Herzlichen Dank an die Verfasser.

Meine Mutter (wie auch meine Großmutter und Urgroßeltern) gehörte meiner Heimatgemeinde Hohenstein-Ernstthal an. Die folgenden Bilder zeigen einige Seiten aus dem Buch, in dem meine Mutter unter ihrem Mädchenname Ilse Böhme zitiert wird. Auch den anderen zitierten Personen, die ich selbst gut kenne, fühle ich mich mit Liebe und Herzlichkeit verbunden.

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Meine Schwiegermutter wuchs in der Gemeinde Breslau West auf. Sie wird auf den folgenden Seiten unter ihrem Mädchennamen Ruth Gottwald zitiert.

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Beide Berichte sind ein Zeugnis für sich selbst. Ich bin dankbar für diese beiden starken Frauen, die einen erheblichen Einfluss in meinem Leben haben.

Ich schreibe diesen Post auch für die nachfolgenden Generationen unserer Familien. Es heißt immer, dass in der dritten oder vierten Generation das Gedenken an das Vermächtnis von Vorfahren erheblich nachlässt. Ich denke, da ist etwas dran, aber es ist oft nicht klug. Geschichte ist viel zu wichtig. Aus ihr zu lernen ist noch wichtiger.

 

Pfahltag in Erfurt

Vergangenen Samstag fand unser jährlicher Pfahltag statt. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann wir die Tradition begonnen haben – vielleicht vor 6 oder 7 Jahren. Dieses Jahr waren wir in Erfurt.
Ein herzlicher Dank an die Gemeinde Erfurt für die tolle Organisation und die vielen Ideen. Es war einfach wieder absolute Klasse. Ebenso ein herzliches Dankeschön an die Schwestern der Pfahl-Primarvereinigungsleitung für die Gestaltung des Treffens der 3 – 7-jährigen Kinder eine Waldlichtung nebenan.

Treffpunkt war am Gemeindehaus in der Hochheimer Straße. Von dort ging es in den Steigerwald, wo uns eine Menge Betätigungsmöglichkeiten erwarteten. Das Wetter war perfekt, die Teilnehmer zahlreich und die Verpflegung lecker. Bruder Werner Kosak aus Werdau und Bruder Siegfried Müller aus Leipzig waren mit 91 bzw. 90 Jahren die ältesten Teilnehmer.

Erstaunlich viele Besucher absolvierten den „modernen“ Fünfkampf – bestehend aus Dreisprung, Gummistiefel-Weitwurf, Strohsackwerfen, Holzpfahl in den Boden hämmern und Nagel einschlagen. Mir tat nach dem Dreisprung die Kniekehle weh :D. Ich hatte das bestimmt über 25 Jahre nicht gemacht. Es hat großen Spaß gemacht. Natürlich gab es eine Urkunde für das Buch der Erinnerung. 🙂

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Nicht zu schlagen im Gummistiefelweitwurf war Elder Vasai aus Samoa, der zur Zeit in Erfurt dient.

Nach dem Mittagessen war es Zeit für Teamwork. Bischof Möller machte die Einweisung :).

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Ich denke, alle die dabei waren, werden mit zustimmen, dass es ein gelungener Tag war – mit Bewegung, Sport, Spiel, Spaß, guten Gesprächen und ebenso gutem Essen. Für alle Altersgruppen war etwas dabei.
Wir werden nächstes Jahr die Tradition ganz bestimmt fortführen.