Schlagwort-Archive: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Sisters & Elders Part 30

Die Pfahlkonferenz am vergangenen Wochenende war ein echter Höhepunkt. Ich war danach etwas geschafft, habe aber sehr viel gelernt und tiefe Eindrücke gewonnen. Vielen Dank an alle, die mich und meine Ratgeber unterstützt haben.

Ein weiteres schönes Ereignis fand am Montag letzte Woche statt. Ich hatte die Ehre, Sister Linda Bauerfeind als Missionarin in die Madrid Spanien Mission zu berufen. Sie wird dort in den nächsten 18 Monaten dienen und lernt jetzt bereits im MTC in Madrid fleißig Spanisch.

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Wir hatten eine gute Zeit im Heim von Asnath und Björn Bauerfeind, den Eltern von Linda. Wir sind seit acht Jahren, in denen Björn als mein Ratgeber mit mir zusammenarbeitet, eng verbunden. Ich liebe das Gemälde hinter uns auf dem Foto.

Linda, wir sind stolz auf dich und wünschen dir alles Gute und den Segen des Himmlischen Vaters.

Am Wochenende ist Pfahlkonferenz

Am kommenden Wochenende findet unsere Herbst-Pfahlkonferenz statt – diesmal aus bekannten Gründen sowohl am Samstag als auch am Sonntag im Kulturhaus in Böhlen.

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Wir freuen uns, dass Elder Joaquim Moreira aus Portugal uns besuchen wird und heißen ihn auch herzlich willkommen.

Im Vorfeld der Konferenz möchte ich an die Frühjahrs-Pfahlkonferenz im April erinnern und alle Leser einladen, sich noch einmal mit den Inhalten vertraut zu machen. Das Motto der Konferenz war wie wir unseren Glauben authentisch leben können. Wir haben interessante Versammlungen erlebt und sehr gute und vielfältige Gedanken gehört.
Der Bericht ist zu finden unter www.pfahl-leipzig.de/links/downloads. Einfach auf „Berichte von der Pfahlkonferenz“ klicken und die letzte Konferenz auswählen oder einfach hier klicken: 2017-04 Frühjahrspfahlkonferenz.

Wir haben ebenfalls einen Brief und eine Präsentation an die Mitglieder unseres Pfahles verteilt und wünschen uns, dass die darin geschilderten Anliegen weiterhin in den Gemeinden beachtet werden.

Es gab dazu von mir einen Post – siehe https://thomashengst.com/2017/05/01/danke/ und wer möchte, kann sich den Brief gleich hier noch einmal ansehen – 2017_04_Brief an die Mitglieder des Pfahles Leipzig.

Ich freue mich, am Wochenende wieder einen großen Teil der Mitglieder des Pfahles Leipzig sehen und begrüßen zu dürfen.

 

Gefühle in Rock Creek Hollow

Wenn man in Wyoming auf dem Highway 28 von Farson nach Lander fährt, kommt irgendwann in the middle of nowhere ein Hinweisschild: Rock Creek Hollow, 11 Meilen. Nach 11 Meilen auf einer unbefestigten, schlammigen Straße kommt man an diesen Ort. Es ist eine öde Schlucht, nur trostloses Gebüsch und ein kleiner Bach. Dennoch handelt es sich um heiligen Boden aufgrund von Ereignissen, die sich dort im späten Oktober 1856 zugetragen haben.
Rock Creek Hollow ist der Ort, an dem sich die Willie Handkarrenkompanie mit fast 500 Mormonen nach der Überquerung der schwierigsten Passage der 1.300 Meilen langen Reise von Iowa City nach Salt Lake City, der 2200 Meter hohen Rocky Ridge sammelte und buchstäblich gerettet wurde. Ich möchte hier nicht die gesamte Geschichte schildern. Dafür gibt es sehr gute Quellen, die sich mit den Umständen der Willie und Martin Handkarrenkompanien beschäftigen. Über einen Besuch in Martin Cove habe ich vor über drei Jahren bereits geschrieben. (Siehe https://thomashengst.com/2014/02/08/martins-cove/)
Es genügt zu sagen, dass Rock Creek Hollow, genauso wie Martin Cove, ein heiliger Ort durch die Menschen wurde, die sich durch die Opfer, die sie gebracht haben, ein immerwährendes Denkmal und einen besonderen Platz in der Geschichte unserer Kirche geschaffen haben.

Wir besuchten Rock Creek Hollow am 24. September, einen Tag nach der Bundestagswahl in Deutschland. Es war ein Erlebnis, das im großen Kontrast steht zu dem Streit in einem der wohlhabendsten Länder der Erde. Es ist schwer, die Gefühle zu beschreiben, die mich dort bewegt haben. Ich habe die Heiligkeit des Ortes gespürt, die Feierlichkeit des Gedenkens, die Dankbarkeit für die Leistungen dieser Menschen, die so viel für ihren Glauben geopfert haben, die Wichtigkeit und Notwendigkeit sich zu erinnern, im Gedächtnis zu behalten und Schlussfolgerungen für sich selbst zu ziehen.
Ich habe mich Gott ziemlich nahe gefühlt. Es war sehr deutlich.

In einem Grab sind 13 der Handkarrenpioniere beerdigt, die in der Nacht nach der Überquerung von Rocky Ridge, nach 27 Stunden größter Anstrengungen bei eisigen Temperaturen und hohem Schnee, hungernd, mit verschlissener Kleidung und Schuhwerk an Entbehrung, Erschöpfung und Erfrierung gestorben sind. Zwei weitere starben am folgenden Tag.

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Grabstätte in Rock Creek Hollow
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Grabstein in Rock Creek Hollow

Stellvertretend für alle Opfer möchte ich kurz die Geschichte der Kirkwood Familie erzählen, die mich jedes Mal enorm mitnimmt. Wir haben Zuhause dieses Bild hängen, das James und Joseph Kirkwood darstellt.

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Margaret Kirkwood war eine Witwe aus Schottland, die zu den frühen Bekehrten der Kirche gehörte. Vor ihrer Emigration in das Salzseetal waren ihr Mann und zwei Töchter bereits gestorben. 1856 entschloss sie sich mit ihren 4 Söhnen Robert (21), Thomas (19), James (11) und Joseph (5) zur Reise. Die Voraussetzungen waren nicht günstig, die Mittel knapp und Thomas seit einem Unfall im Alter von 6 Jahren nicht in der Lage selbst zu gehen. Sie wurden Mitglieder der Willie Handkarrenkompanie.
Die Mutter und ihr Sohn Robert kümmerten sich um den Handkarren, in dem neben ihren Habseligkeiten auch ihr Sohn Thomas saß. James hatte die Aufgabe, sich um den kleinen Joseph zu kümmern. Bei der Überquerung von Rocky Ridge konnte Joseph der Gruppe nicht mehr folgen. Als er nicht mehr gehen konnte, trug ihn sein Bruder James die gesamte verbleibende Strecke bis ins Lager in Rock Creek Hollow. Als die beiden dort ankamen, setzte sich James nieder und verstarb an Erschöpfung. Die Familie kam am 30. November 1856 in Salt Lake City an. Margaret und ihre Söhne Robert und Joseph lebten als angesehene Bürger und treue Heilige der Letzten Tage bis ins hohe Alter. Thomas starb zwei Jahre nach der Ankunft in Utah.

Der Besuch einer solchen Gedenkstätte (und vieler anderer) kann sehr wohl zur Heilung zahlreicher menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen beitragen sowie zur Stärkung von wichtigen Eigenschaften, die für das harmonische Zusammenleben von vernunftbegabten Menschen erforderlich sind (Und das möchte ich sowohl auf das, was innerhalb der Kirche als auch außerhalb der Kirche geschieht, beziehen). Dazu gehört (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Entwicklung von Mitgefühl für andere, die leiden und als Konsequenz daraus ein entsprechendes Verhalten; genauso wichtig: die Entwicklung von Glauben, Ehrfurcht, Achtung und Respekt. Es ist Medizin gegen Jammern, Murren, Groll, Aggressivität und Egoismus. Es stärkt die Bereitschaft, zusammenzuhalten und zusammenzuarbeiten anstatt gegeneinander. Man kann lernen, dass der Lohn nicht vor der Anstrengung kommen sollte. Die Bedeutung von Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Integrität wird klarer. Ganz wichtig: zu lernen, sich erst dann ein Urteil über Dinge oder Menschen zu bilden, wenn man sich die Mühe gemacht hat, genügend Einblick und Verständnis zu erlangen. Ebenso wichtig ist die Immunisierung gegen Hass, Neid, Gier, Verachtung und Gewalt sowie gegen den Drang, Verantwortung für eigene Probleme, ständig auf andere abschieben zu wollen.
Die Erfahrung, rechtschaffene Opfer und Dienst für den Nächsten und/oder eine gute Sache zu bringen, ist enorm wichtig für die Charakterbildung und schützt die Gesellschaft davor, moralisch zu verkommen.
Die wichtigste Frucht ist Nächstenliebe oder wie wir sagen, die reine Christusliebe, von der wir in unseren Gemeinden und unserem Gemeinwesen viel mehr brauchen.

Von all dem habe ich in Medien und im gesellschaftlichen Diskurs vor und nach den Wahlen bei uns und anderswo relativ wenig gehört. Das macht mir in einer Gesellschaft, die eifrig daran arbeitet, sich ernstlich zu spalten, große Sorgen.

Auf dem Weg nach Rock Creek Hollow haben wir im Auto diese Ansprache von Präsident Gordon B. Hinckley aus dem Jahr 1991 angehört. Er war damals 1. Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft der Kirche. Wer bis hierher gelesen hat, sollte sich diese Worte auch noch durchlesen. Sie geben die Chance zu Selbsterkenntnis und die ist bekanntlich der beste Weg, ein besserer Mensch zu werden.

Zu retten ist unsere Mission

„Meine lieben Brüder und Schwestern, wie gesegnet sind wir doch, daß wir uns unter solch angenehmen und glücklichen Umständen in Frieden versammeln können! Als ich über diese Herbstkonferenz und die inspirierten Reden nachdachte, die wir gehört haben und noch hören werden, eilten meine Gedanken zu dem Geschehen zurück, das sich vor 135 Jahren an diesem ersten Oktobersonntag ereignete, als hier auf dem Tempelplatz eine ähnliche Versammlung stattfand. Damals hat es dieses herrliche Tabernakel noch nicht gegeben. Die Heiligen trafen sich im Alten Tabernakel, das ein paar Schritte südlich von uns gestanden hat. Es war Sonntag, der 5. Oktober 1856. Tags zuvor, am Samstag, war eine kleine Anzahl Missionare aus England heimgekehrt. Sie hatten die Reise ziemlich schnell hinter sich gebracht, weil die Gespanne kräftig und die Wagen leicht waren. Franklin D. Richards hatte sie geführt. Sie begaben sich sofort zu Präsident Brigham Young und berichteten ihm, daß Hunderte von Männern, Frauen und Kindern von Missouri zum Salzseetal unterwegs waren. Die meisten von ihnen hatten Handkarren zu ziehen; sie waren in zwei Abteilungen eingeteilt, und zwei kleinere Gruppen mit Ochsengespannen und Wagen kamen nach ihnen. Die vorderste Gruppe befand sich gerade wahrscheinlich in der Gegend von Scottsbluff, noch fast 700 Kilometer von ihrem Bestimmungsort entfernt, und die anderen lagen weiter zurück. Es war Oktober, und sie würden eingeschneit werden und zugrunde gehen, wenn ihnen keine Hilfe gesandt wurde.

Brigham Young hatte davon nicht gewußt. Es gab damals natürlich keine schnelle Nachrichtenverbindung – kein Radio, keinen Telegraf, keine schnelle Post. Er war damals fünfundfünfzig Jahre alt. Am nächsten Morgen, am Sabbat, trat er vor die Zuhörer im Tabernakel und sagte:

„Ich werde nun sagen, was ich als den Gegenstand und Text sehe, über den die Ältesten sprechen sollen. … Und zwar ist es dies: Am5. Oktober 1856 befinden sich noch viele unserer Brüder und Schwestern mit Handkarren auf der Prärie, und wahrscheinlich sind viele noch elfhundert Kilometer von hier entfernt, und sie müssen hier hergeholt werden, wir müssen ihnen Hilfe senden. Das Thema für die Ansprachen ist:, Bringt sie her!‘ …

Das ist meine Religion, das ist es, was der Heilige Geist mir ansagt. Wir müssen die Leute retten. …

Ich rufe noch heute die Bischöfe auf. Ich warte nicht bis morgen oder übermorgen, ich brauche 60 gute Maultiergespanne und 12 bis 15 Wagen. Ich möchte keine Ochsen schicken. Ich brauche gute Pferde und Maultiere. Sie sind in dieser Gegend vorhanden, und wir müssen sie bekommen. Ebenso 12 Tonnen Mehl und 40 gute Fuhrleute außer denen, die die Gespanne führen. …

Ich sage euch: All euer Glaube, eure Religion, euer Bekenntnis zur Religion werden auch nicht einen von euch ins celestiale Reich unseres Gottes erretten, wenn ihr nicht die Prinzipien, die ich euch gerade jetzt lehre, in die Tat umsetzt. Geht und holt die Leute her, die jetzt auf der Prärie sind.“ (Handcarts to Zion, Seite 120f.)

Am nächsten Morgen klangen die Hammerschläge auf den Ambossen durch das Tal, als in den Schmieden Pferde beschlagen und Wagen repariert und beladen wurden.

Anderntags, am Dienstag, dem 7. Oktober, „machten sich sechzehn gute Maultier-Vierergespanne mit siebenundzwanzig kühnen jungen Männern mit dem ersten Teil der Lebensmittel auf den Weg nach Osten. Das Beschaffen weiterer Güter wurde kräftig vorangetrieben.“ (A. a. O., Seite 124.)

„Ende Oktober waren zweihundertfünfzig Gespanne zur Hilfeleistung unterwegs.“ (A. a. O. Seite 125.)

Man hat von den Kanzeln auf dem Tempelplatz schon viele beredte Predigten gehört, aber keine davon war beredter als die, die auf jener Herbstkonferenz vor 135 Jahren gehalten wurden.

Nun möchte ich davon ein wenig abschweifen und das Geschehnis von einer anderen Seite her wieder aufgreifen.

Vor ein paar Wochen durfte ich ein Denkmal zum Gedächtnis von Ellen Pucell Unthank enthüllen. Es steht auf dem Universitätsgelände in Cedar City in Südutah und zeigt die Bronzefigur eines reizenden kleinen neunjährigen Mädchens, mit einem Fuß auf Zehenspitzen stehend, die Haare vom Wind nach hinten geweht, ein Lächeln auf dem Gesichtchen, und eifrig nach vorn blickend.

Ellen Pucell, wie sie genannt wurde, kam in einer schönen Gegend in England zur Welt, wo es weite, sanfte Hügel gibt und das Gras zu allen Zeiten grün ist. Ihre Eltern, Margaret und William Pucell, hatten sich zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt. In der Zeit zwischen ihrer Taufe im Jahre 1837 und dem Frühjahr 1856 hatten sie geknausert und gespart, um zu ihrem Volk in die Täler der Rocky Mountains in Amerika ziehen zu können. Das war möglich, wenn sie bereit waren, einen Handkarren 1700 Kilometer durch die Wildnis zu ziehen. Sie nahmen die Herausforderung an, wie es auch Hunderte ihrer neuen Glaubensbrüder taten.

Margaret und William nahmen ihre beiden Töchter mit: die vierzehnjährige Maggie und die neun Jahre alte Ellen. Sie verabschiedeten sich von den geliebten Menschen, die sie ja auf Erden nie mehr sehen sollten. Gegen Ende Mai segelten sie mit 852 anderen neuen Mitgliedern von Liverpool ab. Die Großmutter meiner Frau, die dreizehnjährige Mary Goble, gehörte auch dazu, und ich stelle mir gern vor, wie sie mit den Mädchen an Bord spielte.

Nach sechs Wochen Überfahrt landeten sie in Boston und fuhren mit dem Zug nach lowa City. Sie hatten erwartet, daß die Handkarren und Wagen bereit standen, aber es war nicht so. Es gab eine verhängnisvolle Verzögerung. Erst gegen Ende Juli konnten sie den langen Marsch antreten, zuerst nach Winter Quarters am Missouri, dann weiter in die Rocky Mountains.

Die Pucells wurden der Martin-Handkarren-Abteilung zugeteilt. Die Familie Goble, die Vorfahren meiner Frau, gesellten sich zur Cluff-Wagen-Abteilung, die den Handkarren folgte, um notfalls Hilfe leisten zu können.

Man begann die Reise mit großen Erwartungen. Durch Sonnenschein und Sturm, durch Staub und Schlamm mühten sie sich den ganzen September und bis weit in den Oktober hinein entlang dem Platte River dahin. Am 19. Oktober kamen sie an der letzten Furt des Platte an, ein wenig westlich von dort, wo heute die Stadt Casper in Wyoming liegt. Der Fluß war breit, er hatte eine starke Strömung, und auf dem Wasser trieben schon Eisschollen. Es gab schon nicht mehr genug zu essen. Tapfer wateten sie durch den eisigen Fluß. Es erhob sich ein schrecklicher Sturm, und der schneidende Wind trieb Sand, Hagel und Schnee vor sich her. Als sie an das andere Ufer kletterten, gefroren ihnen die nassen Kleider am Körper. Erschöpft, durchgefroren und unfähig, weiterzugehen, setzten sich etliche hin und starben dort im Sitzen.

Ellens Mutter wurde krank. Ihr Mann lud sie auf den Karren. Der Weg führte sie jetzt zur kontinentalen Wasserscheide, und es ging nur noch bergauf. Sehen Sie diese Familie vor sich? Die Mutter krank und zu schwach, als daß sie gehen konnte, der Vater dünn und ausgemergelt, wie er den Karren zieht, und die beiden Mädchen, die hinten schieben, vom kalten Wind gepeitscht, und ringsum Hunderte von anderen, die sich in gleicher Weise vorwärtskämpfen. Sie kamen an einen Fluß, der schon vereist war. Beim Übergang rutschte der Vater auf einem Felsbrocken aus und stürzte. Er rappelte sich wieder auf und schleppte sich ans andere Ufer, naß und kalt. Einige Zeit später setzte er sich nieder, um auszuruhen. Er starb ruhig, die Kälte hatte ihn unempfindlich gemacht. Seine Frau starb fünf Tage später. Ich weiß nicht, wo man die gefrorenen Leichen in jener öden, weißen Wildnis begrub. Aber ich weiß, daß der Boden gefroren war und daß sich Schneewehen aufgetürmt hatten und daß die beiden Mädchen jetzt Waisen waren.

Allein von der Martin-Abteilung kamen auf diesem Zug des Leidens und des Sterbens zwischen 135 und 150 Reisende ums Leben. Und in dieser verzweifelten, schrecklichen Lage – hungrig, erschöpft, die Kleider dünn und zerfetzt – wurden sie von der Hilfsmannschaft gefunden. Als die Retter am westlichen Horizont auftauchten und einen Weg durch den Schnee bahnten, erschienen sie wie barmherzige Engel. Und das waren sie ja auch. Die eingeschlossenen Auswanderer schrien vor Freude, das heißt, einige von ihnen. Die anderen waren zu schwach zum Schreien, sie konnten nur weinen und weinen und weinen.

Jetzt gab es zu essen und wärmere Kleider. Aber das Leiden war noch nicht vorüber und nahm auch das ganze Erdenleben kein Ende. Gliedmaßen waren abgefroren, und das brandige Fleisch schälte sich von den Knochen.

Die Karren wurden stehen gelassen, und die Überlebenden wurden in den Wagen der Retter zusammengepfercht. Der lange, beschwerliche Weg von fünf-, sechs-, ja achthundert Kilometern war wegen der Stürme besonders langsam und schwierig. Am 30. November kamen 104 Wagen mit ihrer leidenden menschlichen Fracht im Salzseetal an. Die Nachricht von ihrer bevorstehenden Ankunft war ihnen vorausgeeilt. Es war ein Sonntag, und abermals hatten sich die Heiligen im Tabernakel versammelt. Brigham Young trat vor die Gemeinde und sagte:

„Sofort nach Schluß dieser Versammlung sollen die Brüder und Schwestern nach Hause gehen. …

Die Versammlung am Nachmittag fällt aus, denn ich möchte, daß die Schwestern Vorbereitungen treffen, um den eben Angekommenen etwas zu essen zu geben und sie zu waschen und zu pflegen. …

Ihr werdet sehen, daß einigen die Füße bis zu den Knöcheln abgefroren sind, einigen die Beine bis zu den Knien, und einigen sind die Hände erfroren. … Wir möchten, daß ihr sie wie eure eigenen Kinder aufnehmt und ihnen das entsprechende Gefühl entgegenbringt.“ (Handcarts to Zion, Seite 139.)

Die beiden Waisenmädchen, Maggie und Ellen, gehörten zu denen mit abgefrorenen Gliedmaßen. Mit Ellen stand es sehr schlimm. Der Arzt im Tal tat, was er nur tun konnte. Er nahm ihr beide Beine knapp unter dem Knie ab. Es gab nur grobe Instrumente und keine Narkose. Die Stümpfe heilten nie mehr. Sie wuchs zur Frau heran, heiratete William Unthank und brachte sechs Kinder zur Welt, die sie in einer respektablen Familie auf zog. Sie bewegte sich auf ihren Stümpfen fort; sie diente ihrer Familie, ihren Nachbarn und der Kirche – immer gläubig und mit frohem Mute und ohne zu klagen, obwohl sie nie ohne Schmerzen war. Ihre Nachkommenschaft ist zahlreich, und darunter gibt es gebildete, tüchtige Männer und Frauen, die denselben Herrn lieben, den Ellen geliebt hat, und die die Sache lieben, um derentwillen sie gelitten hat.

Nach Jahren saßen einige Leute in Cedar City beisammen und sprachen über sie und andere, die der unglückseligen Abteilung angehört hatten. Manche Kritik an der Kirche und ihren Führern wurde laut, weil die Bekehrten so spät im Jahr auf den Weg geschickt worden waren. Ich zitiere nun aus einem Manuskript, das ich habe:

„Ein alter Mann saß still in der Ecke und hörte zu, bis er es nicht mehr aushielt. Dann stand er auf und sagte einiges, das keiner der Zuhörer jemals vergessen wird. Sein Gesicht war bleich vor Erregung, und doch sprach er ruhig und gelassen, aber mit großem Ernst und ganz aufrichtig.

Er sagte im wesentlichen, Hören Sie doch mit dieser Kritik auf! Sie reden über etwas, wovon Sie keine Ahnung haben. Kalte historische Tatsachen haben hier keine Bedeutung, weil sie die einschlägigen Fragen nicht richtig ausdeuten können. Ein Fehler, sagen Sie, die Handkarrenabteilungen so spät auf den Weg zu schicken? Gewiß. Aber ich war in der Abteilung und meine Frau auch und Schwester Nellie Unthank, die Sie gerade erwähnt haben, ebenso. Wir haben mehr erlitten, als Sie sich auch nur vorstellen können, und viele sind an Kälte und Hunger gestorben. Aber haben Sie je gehört, daß einer der Überlebenden ein Wort der Kritik geäußert hätte? Kein einziger aus jener Abteilung ist je abgefallen oder hat die Kirche verlassen; denn ein jeder von uns hat am Ende mit absoluter Bestimmtheit gewußt, daß Gott lebt – wir haben ihn in unserer äußersten Not kennengelernt.“ (Das Manuskript ist in meinem Besitz.)

Der Sprecher war Francis Webster, der das als Sechsundzwanzigjähriger mit seiner Frau und einem kleinen Kind mitgemacht hatte. Er wurde später ein Führer in der Kirche und war auch in den Kommunen im südlichen Utah führend tätig.

Nun, meine Brüder und Schwestern, ich habe viel Zeit auf diese Erzählung verwandt, vielleicht zuviel. Wir haben jetzt den Oktober 1991, und diese Episode liegt 135 Jahre hinter uns. Ich habe Ihnen die Geschichte aber erzählt, weil sie wahr ist und weil der Geist davon so zeitgemäß ist wie der heutige Morgen.

Ich möchte alle meine Zuhörer daran erinnern, daß unsere angenehmen Lebensumstände und daß wir Frieden und – was noch wichtiger ist – Glauben und Kenntnis von den Dingen Gottes haben, von unseren Vorgängern um einen schrecklich hohen Preis erkauft worden sind. Opferbereitschaft gehört seit jeher zum Evangelium Jesu Christi. Die Krönung unseres Glaubens ist, daß wir vom lebenden Gott, dem Vater von uns allen, und seinem geliebten Sohn, dem Erlöser der Welt, überzeugt sind. Weil der Erlöser gelebt und sich geopfert hat, sind wir hier. Weil er sein Sühnopfer vollbracht hat, werden wir und alle Söhne und Töchter Gottes an der Errettung durch den Herrn teilhaben. „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ (l Korinther 15:22.) Weil der Erretter der Welt die Erlösung durch Opfer bewirkt hat, ist uns der große Plan des ewigen Evangeliums zugänglich und werden alle, die im Herrn sterben, den Tod nicht erleiden, sondern zur celestialen und ewigen Herrlichkeit weitergehen.

In unserer Hilflosigkeit wird er zu unserem Retter. Er bewahrt uns vor Verdammnis und führt uns ins ewige Leben.

In Zeiten der Verzweiflung, in Einsamkeit und Angst, taucht er am Horizont auf und bringt Hilfe und Trost, Zuversicht und Glauben mit. Er ist unser König, unser Retter, unser Befreier, unser Herr und Gott.

Die Menschen damals auf der kalten Hochebene von Wyoming haben ihn in ihrer äußersten Not kennengelernt, wie nur wenige ihn kennenlernen. Aber jeder geplagten Seele, jedem Mann und jeder Frau in Not, all denen, die eine schwere Bürde durch die bitteren Stürme des Lebens schleppen, ruft Jesus zu: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28-30.)

Ich bin gewiß dankbar, daß heute niemand von uns auf der Hochebene von Wyoming eingeschneit ist. Aber ich weiß auch, daß es rings um uns viele Menschen gibt, die Hilfe brauchen und es verdienen, gerettet zu werden. Unsere Mission im Leben, die wir Nachfolger des Herrn Jesus Christus sind, muß eine Mission des Errettens sein. Es gibt Heimatlose, Hungrige, Mittellose, und man sieht es ihnen an. Wir haben schon viel getan. Wir können noch mehr tun, um denen zu helfen, die sich am Rande des Überlebens befinden.

Wir können die Hand ausstrecken und denen Halt geben, die im Sumpf der Pornographie, der abscheulichen Unmoral und der Drogen unterzugehen drohen. Viele sind so süchtig geworden, daß sie nicht mehr die Kraft haben, ihr Schicksal zu meistern. Sie sind elend und zerbrochen. Aber sie können geborgen und gerettet werden.

Es gibt Ehefrauen, die verlassen worden sind, und Kinder, die weinen, weil sie zu Hause mißhandelt werden. Es gibt Väter, die man vor bösem, zerstörendem Tun bewahren kann, so daß kein Ruin und kein Herzeleid mehr entsteht.

Heute brauchen wir uns um die Menschen auf der Hochebene von Wyoming keine Sorgen mehr zu machen, aber sehr wohl um diejenigen in unserer Umgebung, in unserer Familie, unserer Gemeinde, unserem Pfahl, in unserer Nachbarschaft und in unserem Gemeinwesen.

„Und der Herr nannte sein Volk Zion, weil sie eines Herzens und eines Sinnes waren und in Rechtschaffenheit lebten; und es gab unter ihnen keine Armen.“ (Mose 7:18.)

Wenn wir das Zion errichten wollen, von dem die Propheten gesprochen und der Herr mächtige Verheißungen verkündet hat, müssen wir unsere verzehrende Selbstsucht ablegen. Wir müssen über unsere Liebe zu Bequemlichkeit und Wohlergehen hinauswachsen, und so werden wir gerade dann, wenn wir uns anstrengen und kämpfen müssen, eben in unserer äußersten Not, unseren Gott besser kennenlernen.

Mögen wir nie vergessen, daß wir ein wunderbares Erbe übernommen haben von großartigen, mutigen Leuten, die in der Sache, die sie liebten, unsägliches Leid ertragen und unglaublichen Mut bewiesen haben. Wir alle wissen, was wir zu tun haben. Gott helfe uns, daß wir es tun, wenn es getan werden muß; darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.“

Brigham Young Home in St. George

We went to the Brigham Young Winter Home in St. George yesterday. Took a guided tour which was well done by the missionaries. We can never learn enough from the pioneers who settled this land and the sacrifices they had to bring. It always impresses me a lot.

Gestern waren wir im Winter Home von Brigham Young in St. George. Haben an einer Führung teilgenommen, die von den Missionaren dort gut gemacht wurde. Wir können nie genug von der Geschichte der frühen Pioniere lernen, die das Land besiedelt haben und den Opfern, die sie gebracht haben. Es beeindruckt mich immer wieder.

One of the sister missionaries in the building was Sister Pan from Chengdu in China. I like the concept we have in the Church that young people and senior couples are sent all over the world to share the Gospel. So, this is how it comes that a young woman from China shares important stories about the American Church history in a historic building in Southern Utah to visitors from many countries. We learned that just an hour before we came a group of Chinese people visited the site.

Eine der Missionarinnen im Gebäude war Sister Pan aus Chengdu in China. Ich schätze das Konzept der Kirche sehr, junge Leute und auch ältere Ehepaare in alle Welt zu schicken, um das Evangelium zu teilen. So kommt es, dass eine junge Frau aus China Touristen aus aller Welt bedeutende Geschichten aus der Kirchengeschichte in einem historischen Gebäude im Süden von Utah erzählt. Nur eine Stunde vor uns besuchte eine Reisegruppe aus China den Ort.

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I spoke a little bit Chinese to Sister Pan and asked her how she found the Church. She shared her remarkable conversion story with us. She learned about the Church in her hometown but since there are no missionaries in China she traveled to Hongkong, met the missionaries, got all missionary lessons in one day and was baptized. Now, she´s been a missionary herself for 14 months and her mother in China was baptized during her mission.

Ich habe Sister Pan in Chinesisch angesprochen und sie gefragt, wie sie die Kirche gefunden hat. Sie hörte von der Kirche in ihrer Heimatstadt aber da es in China keine Missionare gibt, reiste sie nach Hongkong. Dort erhielt sie alle Missionarslektionen an einem einzigen Tag und wurde getauft. Nun ist sie selbst schon seit 14 Monaten auf Mission und ihre Mutter in China wurde während dieser Zeit getauft.

Sometimes we take everything in the Church for granted and don´t value our membership as we should. I think we can learn a lot from Sister Pan´s example. Thank you, Sister Pan.

Manchmal betrachten wir alles in der Kirche als selbstverständlich und wertschätzen unsere Mitgliedschaft nicht so wie wir sollten. Ich denke, wir können eine Menge von Sister Pan´s Beispiel lernen. Vielen Dank, Sister Pan.

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Fireside mit Savannah Stevenson

Am Freitag, den 15. September 2017 hatten wir die Freude, Savannah Stevenson aus London zu einer musikalischen Fireside in der Gemeinde Halle zu begrüßen.

Savannah Stevenson ist eine britische Schauspielerin und eine der bekanntesten Darstellerinnen des Londoner West Ends. Zuletzt spielte sie als Glinda in der Londoner Musicalproduktion von Wicked. Sie stellte außerdem Maria, die Mutter von Jesus, in den Bibelvideos der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dar.

Schwester Stevenson kam zusammen mit ihrem Ehemann Nathan Copier, der vor 15 Jahren als Missionar in der Leipzig Mission und unter anderem auch in Halle gedient hat. Nathan Schaumann, ein junger, begabter Pianist aus den USA, begleitete die Gesangsdarbietungen am Klavier. Als Gastgeber hatte ich die Ehre für Schwester Stevenson zu übersetzen.

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Im Namen der zahlreichen Besucher möchte ich mich für einen sehr schönen und vor allem auch bewegenden Abend bedanken. Es war ein besonderes geistiges Erlebnis – nicht nur wegen der hervorragenden Musik, sondern auch wegen der gesprochenen Worte. Besonders Schwester Stevenson´s Zeugnis vom Erretter hat mich sehr berührt.

Herzlichen Dank, Savannah Stevenson. 

Bedanken möchte ich mich auch bei Darren Ehlert und Bischof Jentzsch für die Organisation des Abends.

Für alle, die die Bibel Videos nicht kennen – sie sind auf Youtube, in der App Archiv Kirchenliteratur sowie auf Internetseiten der Kirche zu finden.

Bibel Videos der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in chronologischer Reihenfolge

Mehr unter www.mormonchannel.org

https://www.mormonchannel.org/watch/series/bible-videos/mary-the-mother-of-jesus

 

 

Sisters and Elders Part 27 – 29

In den letzten Wochen hatte ich wenig Zeit zum Bloggen. Es ist jetzt nicht wirklich besser geworden aber trotzdem ist es an der Zeit, drei junge Leute aus unserem Pfahl zu erwähnen, die kürzlich ihre Vollzeitmission begonnen bzw. beendet haben.

Elder Andreas Freitag aus der Gemeinde Erfurt hat im August seinen Dienst in der London England Mission angetreten. Ein kluger junger Mann mit dem ich interessante Gespräche hatte. Er wird in seiner Mission Menschen aus der ganzen Welt begegnen und viel Gelegenheit haben, sein Wissen und Zeugnis zu teilen.

Viel Erfolg, Elder Freitag. 

Ebenfalls im August kam Elder Bastian Staiger aus der Gemeinde Köthen aus der Novosibirsk Russia zurück. Vor zwei Jahren hatte er seinen Dienst in der Vladivostok Russia Mission angetreten. Während seiner Zeit traten in Russland Gesetze in Kraft, die den Schwerpunkt der Arbeit von Missionaren verändern und an die sich die jungen Volunteers genau halten müssen. 

Vielen Dank, Bastian für deinen ehrenvollen Dienst unter diesen veränderten Bedingungen. Du wirst die Zeit immer in Erinnerung behalten. Alles Gute für dein Studium und den Segen Gottes für deine Zukunft.

Schon seit einigen Monaten auf Mission ist Sister Eva Kallenborn aus der Gemeinde Jena. Sie dient in der London South England Mission. 

Ich erinnere mich gern an unsere Gespräche und die Einsetzung als Missionarin in ihrem Elternhaus in Lübbenau. Das war ein besonderes und schönes Erlebnis für mich, das ich nicht vergessen werde.

Alles Gute und viel Erfolg in England, Sister Kallenborn. 

Martinfeld

Am ersten Septemberwochenende war es wieder soweit – die diesjährige Fahrt der Pfahlpräsidentschaft mit den Jugendlichen unseres Pfahles führte uns nach Schloß Martinfeld im Eichsfeld – eine sehr schöne und pittoreske Gegend.

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Wir waren an die 90 Teilnehmer, davon mehr als 75 Jugendliche. Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team und stolz auf unsere Jugendlichen, mit denen wir solche Aktivitäten veranstalten können, ohne dass wir uns über das Benehmen in der Herberge und unterwegs als Gruppe Sorgen machen müssen.

Am Samstag sind wir in Lengenfeld unterm Stein auf einer alten Bahnstrecke Draisine gefahren – 13 km bergauf und 13 km wieder runter. Tolles Erlebnis, vor allem die Tunnel 🙂

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Das fanden alle lustig – die Pfahlpräsidentschaft als Bremser
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Boarding 🙂

Samstagabend hatte ich die Gelegenheit, mit unseren jungen Leuten ein Fireside zu machen. Der eine oder andere wird sich anhand der Bilder unten hoffentlich noch erinnern, was wir besprochen haben.

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Herzlichen Dank an alle Betreuer, die wie immer selbstlos ihre Zeit und ihren Schlaf geopfert haben. Wir freuen uns schon sehr auf das nächste Jahr.

Mehr Bilder unter www.pfahl-leipzig.de/links auf Downloads klicken, dann Jugend -> Fahrten mit der PPS -> 2017-09 Martinfeld

180 Jahre

Der 28. Juli ist in unserer Familie ein besonderer Tag. Drei wichtige Personen haben an diesem Tag ihren Geburtstag – unsere Tochter, meine Mutter und meine Schwiegermutter.
Meine Mutter hatte dieses Jahr ihren 92. und meine Schwiegermutter ihren 88. Geburtstag – zusammen also 180 Jahre. Ein guter Anlass über einige Dinge nachzudenken. Wie muss das sein, auf ein solch langes Leben zurück zu blicken?

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Das älteste und zur Zeit jüngste Familienmitglied – die Uroma mit einer unserer Enkelinnen

Beide Frauen haben bemerkenswerte Biographien. Beide, geboren zwischen den beiden Weltkriegen und aufgewachsen während der Nazizeit, erlebten die Härten der Nachkriegszeit mit voller Wucht, meine Mutter als junge Mutter in den Hungerjahren, meine Schwiegermutter als Flüchtling aus Breslau.

Beide verbindet ebenfalls, dass sie jeweils im Alter von 8 Jahren als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft wurden. Sie gehören heute zu den wenigen lebenden Zeitzeugen der Kirche vor dem Zweiten Weltkrieg. 84 bzw. 80 Jahre Mitgliedschaft in der Kirche, nicht nur als eingetragene, sondern als überaus aktive Mitglieder, die erhebliche Opfer und Leistungen gebracht haben, sind ein gewaltiges Vermächtnis.

Neben vielen hervorragenden Eigenschaften unserer Mütter, ragt für mich ihre Standhaftigkeit heraus. Es ist die Fähigkeit weder gegenüber politischen, noch gesellschaftlichen Entwicklungen und Weltbildern (sei es in der Nazizeit, dem Kommunismus oder seit dem Fall der Mauer), die nicht mit ihren Überzeugungen und ihrem Glauben kompatibel waren und sind und dem damit einhergehenden Druck, einzuknicken.

Wo wären wir jetzt als gesamte Familie, wenn sie nicht immer standhaft gewesen wären?

Ihre Standhaftigkeit ist das Resultat einer gesunden Symbiose aus Theorie und Praxis und des daraus gewonnenen Verständnisses des Evangeliums Jesu Christi, konsequent gelebten Grundsätzen und den zahllosen und immer wiederkehrenden Erfahrungen, die sie dadurch gemacht haben. Das ist der Weg, wie feste und dauerhafte Überzeugungen entstehen. Ihr Glaube musste sich viele Male bewähren. Er hat sich immer wieder bewährt, denn sie haben nicht den Fehler gemacht, Abkürzungen in der Anwendung von  Grundsätzen und Prinzipien zu suchen, die sie als wahr erkannt haben.

Ich habe zu Hause ein Buch, das ich sehr schätze. „In Harm´s Way – East German Latter-Day Saints in World War II“. Ich bin dem Autor Roger P. Minert und allen, die mitgeholfen haben, dieses Werk zusammenzustellen und zu veröffentlichen, sehr dankbar (Vielen Dank, Judith, für deine Mitarbeit 🙂 ). Es ist ein Andenken an Menschen mit Tugenden, die heute leider an Beachtung und Wert zu verlieren scheinen.

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Ich schätze dieses Buch über die Vorkriegsgeschichte der Kirche sehr. Herzlichen Dank an die Verfasser.

Meine Mutter (wie auch meine Großmutter und Urgroßeltern) gehörte meiner Heimatgemeinde Hohenstein-Ernstthal an. Die folgenden Bilder zeigen einige Seiten aus dem Buch, in dem meine Mutter unter ihrem Mädchenname Ilse Böhme zitiert wird. Auch den anderen zitierten Personen, die ich selbst gut kenne, fühle ich mich mit Liebe und Herzlichkeit verbunden.

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Meine Schwiegermutter wuchs in der Gemeinde Breslau West auf. Sie wird auf den folgenden Seiten unter ihrem Mädchennamen Ruth Gottwald zitiert.

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Beide Berichte sind ein Zeugnis für sich selbst. Ich bin dankbar für diese beiden starken Frauen, die einen erheblichen Einfluss in meinem Leben haben.

Ich schreibe diesen Post auch für die nachfolgenden Generationen unserer Familien. Es heißt immer, dass in der dritten oder vierten Generation das Gedenken an das Vermächtnis von Vorfahren erheblich nachlässt. Ich denke, da ist etwas dran, aber es ist oft nicht klug. Geschichte ist viel zu wichtig. Aus ihr zu lernen ist noch wichtiger.

 

Etwas zum Buch Mormon

Von Zeit zu Zeit stöbere ich auf speeches.byu.edu in den BYU Devotionals, um mir interessante Vorträge als MP3 herunterzuladen und bei langen Autofahrten oder im Flieger anzuhören.
Vor einigen Wochen habe ich einen Vortrag von Tad Callister gefunden, den er am 1. November 2016 an der BYU gegeben hat. Es geht darin um die Kontroverse, ob das Buch Mormon eine Erfindung von Joseph Smith oder von Gott gegeben ist. Der Vortrag ist brillant und eigentlich müsste man ihn ins Deutsche übersetzen, damit er allen zugänglich wird, die nicht so fit in Englisch sind.

Jeder kann über die Kirche, Joseph Smith oder auch das Buch Mormon denken was sie oder er will. Man kann an verschiedenen Dingen Anstoß nehmen und zu kontroversen Antworten kommen, je nachdem für welche Perspektive man sich entscheidet. Man kann versuchen, eigene Diskrepanzen zur Lehre oder Anwendung der Lehre, mit Verweis auf die Fehler von Kirchenführern, zu rechtfertigen. Man kann entscheiden, welchen Quellen man mehr vertraut oder in welchen historischen Kontext man sich zur Beurteilung begeben möchte (manchen Menschen, die sich damit ganz offensichtlich schwer tun, wünsche ich sehr, dass in 100 Jahren ihr eigenes Leben im heutigen Kontext betrachtet wird und nicht mit dem, den wir in 100 Jahren haben werden, was deutlich mehr Mühe macht). Man kann frühen Kirchenführern (insbesondere und sehr beliebt bei Joseph Smith) das Recht, Fehler zu machen, absprechen (was für mich unvernünftig ist, wenn man die Umstände, die Aufgabe, die Gesetzmäßigkeit, dass Erfahrung auf Erfahrung aufbaut und die zu lösenden Probleme betrachtet).
Aber eines kann man meiner Meinung nach nicht. Man kann sich nicht einfach so am Buch Mormon, seiner Entstehungsgeschichte, der Lehre und seiner Bedeutung für die Existenz der Kirche und die Menschheit als Ganzes vorbeimogeln.

Tad Callister erklärt sehr einleuchtend, warum das nicht geht. Man kann die Auseinandersetzung mit dem Buch natürlich sehr leicht vermeiden, indem man es ignoriert. Es ändert aber nichts an seiner Entstehung und universellen Bedeutung.

Es ist klar, dass es nicht einfach ist, an den göttlichen Ursprung eines Buches zu glauben. Ich kenne viele, die gern glauben würden, aber sie schaffen es nicht – häufig wegen der damit einhergehenden Konsequenzen. Dafür muss man Verständnis aufbringen.

Im Vortrag wird beschrieben, dass man sich auf wenig stichhaltige, abenteuerliche und teilweise haarsträubende Hypothesen einlassen muss, wenn man nach Alternativen zur Aussage sucht, dass Joseph Smith das Buch Mormon durch die Macht Gottes übersetzt hat und die Entstehung dieses Buches auch gar nicht anders möglich war.

https://www.youtube.com/watch?v=InVmvWA12qU

https://speeches.byu.edu/talks/tad-r-callister_book-mormon-man-made-god-given/

Die entscheidenden Fragen haben sehr wenig mit Archäologie oder Geographie zu tun. Es geht um die Botschaft des Buches Mormon, die klaren und nachhaltigen Lehren, die darin enthalten sind und die viele Irrtümer korrigieren.

Elder Callister nennt dafür einige prägnante Beispiele:

2. Nephi Kapitel 2 – klärt eindeutig, dass der Fall von Adam und Eva kein Schritt zurück, sondern ein wichtiger Schritt vorwärts im Plan der Erlösung war;

Alma 13 – wo wir über die Präexistenz lernen, ohne die alles andere total unvollständig wäre;

Alma 40 – erklärt, was es mit der postmortalen Geisterwelt auf sich hat;

Alma 32 – aus meiner Sicht die beste Erläuterung in den Schriften, wie man Glauben entwickeln kann;

Mosiah 2-5 – eine der beeindruckendsten Predigten über das Sühnopfer von Jesus Christus;

Der Zweck und die korrekte Durchführung der Taufe wird in mehreren Schriftstellen erklärt. Genauso alle Bestandteile des Sühnopfers und ihre Bedeutung.

3. Nephi 11 – der auferstandene Christus erscheint den Bewohnern des Landes, wodurch wir ein weiteres Zeugnis von Ihm erhalten.

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Ich habe mir mal die Zeit genommen und für mich eine Zusammenfassung von wichtigen Kapiteln des Buches erstellt. Die Liste ist nicht vollständig, aber sie hat ein enormes Gewicht. Jedesmal, wenn ich das alles lese, beeindrucken mich die Klarheit und die Weitsicht des Buches, die Dimension der Perspektiven, die es eröffnet. Ich schätze die Herausforderungen für Herz und Verstand und die Möglichkeit, eine Bestätigung für die Wahrheit des Buches zu erhalten (siehe Link zu Moroni 10 unten).
Selbst wenn jemand sich nicht in der Lage sieht, eine solche Bestätigung zu erhalten oder glaubt, keine zu benötigen, gibt es trotzdem so viel aus dem Buch zu lernen und reichlich Stoff zum nachdenken.
Ich erhalte diese Bestätigung ständig wieder – ganz besonders dann, wenn ich das Gelesene auf mich und heute beziehe.

1. Nephi 8: Die Vision vom Baum des Lebens.
1. Nephi 11: Nephi’s Bestätigung der Vision vom Baum des Lebens und Erläuterungen speziell zur Rolle des Messias.
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1. Nephi 14: Das Wirken der Bewegungen, die Gott und verbindliche moralische Werte ablehnen.
1 . Nephi 19: Über das Sühnopfer Christi sowie die Zerstreuung und Sammlung Israels.
1 . Nephi 22: Die Zeit vor dem zweiten Kommen von Jesus Christus.
2. Nephi 2: Die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit.
2. Nephi 4: Der Psalm Nephis, Vertrauen in Gott.
2. Nephi 9: Das Sühnopfer Christi und seine Konsequenzen.
2. Nephi 27: Das Hervorkommen des Buches Mormon.
2. Nephi 28: Die Auswirkungen von Relativismus.
2. Nephi 29: Wie die Bibel und das Buch Mormon zusammen wirken.
2. Nephi 31: Klarstellungen zur Taufe.
Jakob 5: Das Gleichnis vom Ölbaum, Zerstreuung und Sammlung Israels.
Mosia 2-5: Die Rede König Benjamins, eine der besten und umfassendsten Erläuterungen des Sühnopfers Christi.
Mosia 15-16: Über die Auferstehung.
Mosia 18: Worauf es in der Kirche ankommt.
Mosia 29: Die Verantwortung von Regierenden und vor allem derer, die sie wählen.
Alma 1: Das Übel von Priestermacht, wodurch Wahrheit verdreht wird, um materiellen Gewinn zu erlangen.
Alma 5:  Erklärung was wahre Umkehr ist.
Alma 12: Die Bedeutung des Lebens als Bewährungszeit und Vorbereitung, vor Gott Rechenschaft abzulegen.
Alma 30: Wirken und Ende eines Antichrist.
Alma 32: Eine der besten Erklärungen wie man Glauben entwickeln kann.
Alma 34: Das Sühnopfer und der Plan der Erlösung.
Alma 39-42: Moralische Werte und eine der umfassendsten Erläuterungen des gesamten Planes der Erlösung: Glaube, Umkehr, Bündnisse, Tod, Auferstehung, Zustand nach dem Tod.
Helaman 2: Der Fluch des organisierten Verbrechens und seiner Unterstützer.
Helaman 6: Wie es geschehen kann, dass organisiertes Verbrechen eine Gesellschaft dominiert.
Helaman 10: Vollmacht von Gott.
3. Nephi 1-6: Enthält viele Schlüssel, um die heutige Zeit zu verstehen; Verheißungen Gottes erfüllen sich unabhängig vom Willen der Menschen; Werteverfall und weitverbreitete Akzeptanz krimineller Strukturen spalten die Gesellschaft; das organisierte Verbrechen kann nur durch Zusammenhalt und außerordentliche Anstrengungen besiegt werden; durch den Kreislauf des Stolzes verfällt die Gesellschaft schnell wieder in alte Fehler.
3. Nephi 11-26: Das Erscheinen des auferstandenen Jesus Christus und Sein nachhaltiges Wirken unter den Nephiten; die Bergpredigt wiederholt; grundlegende Verordnungen wie Taufe und Abendmahl umfassend erklärt.
4. Nephi 1: Wie eine gerechte Gesellschaft gebildet werden kann; 200 Jahre Frieden und Gedeihen; die Ursachen für den Zerfall und die tragischen Auswirkungen.
Mormon 1-6: Der vollständige Verfall moralischer Werte und die Entwicklung zu einer Kultur des ungebändigten Hasses, die in Vernichtungskriegen endet.
Mormon 9: Parallelen zu unserer Zeit; warum Glaube an Jesus Christus und das Erwerben von Kenntnissen von den Absichten Gottes wichtig sind.
Ether 3-4: Glauben entwickelt sich zu Wissen durch Anwendung; fortlaufende Offenbarung ist eine Funktion der Anwendung von bereits gegebener Offenbarung.
Ether 8: Warnung vor geheimen Verbindungen und die Bedrohung der Freiheit von Völkern.
Ether 12: Über Glauben und Wunder; ein Schlüssel wie Schwächen in Stärken verwandelt werden können.
Moroni 7: Das Gebet und die Unterscheidung von Gut und Böse; das Licht Christi steht jedem Menschen zur Verfügung; der Zusammenhang von Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe.
Moroni 8: Warum kleine Kinder keine Taufe benötigen.
Moroni 10; Jeder kann durch die Macht des Heiligen Geistes ein Zeugnis vom Buch Mormon erhalten; Aufforderung zu Christus zu kommen.

Präsident Thomas S. Monson hat zur letzten Generalkonferenz ein kurze Ansprache gegeben und dort unter anderem gesagt:
Heute Morgen spreche ich über die Macht des Buches Mormon und darüber, wie dringend nötig wir als Mitglieder dieser Kirche es haben, uns mit seinen Lehren zu befassen, über sie nachzudenken und sie in unserem Leben anzuwenden. Wie wichtig es ist, ein festes und sicheres Zeugnis vom Buch Mormon zu haben, kann nicht genug betont werden.
(siehe https://www.lds.org/general-conference/2017/04/the-power-of-the-book-of-mormon?lang=deu)

Alles, was ich heute sagen kann …

Alles, was ich heute sagen kann, ist, dass ich froh und dankbar für die Botschaft „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ bin. (Siehe auch im Hauptmenü oben unter Familie)

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Zuhause und Familie

Ich glaube nicht, dass Menschen die Vollmacht haben, die Definition der Ehe und Familie ohne Anweisungen und Auftrag von Gott zu modifizieren. Ich glaube auch nicht, dass diejenigen, die dies tun und in Zukunft möglicherweise noch viel weiter gehend tun werden, die langfristigen Auswirkungen solcher Entscheidungen vollkommen beurteilen können, selbst wenn sie es in gutem Glauben und nach ihrem besten Wissen und Gewissen getan haben. Ich glaube, dass Gott die Ehe zwischen Mann und Frau aus wichtigen Gründen und auf der Grundlage seiner Vollkommenheit eingesetzt hat, dass es aber einer erweiterten Perspektive bedarf, um die Bedeutung von Ehe- und Familienbeziehungen über dieses Leben hinaus zu erfassen. Die oben erwähnte Proklamation erklärt es aus meiner Sicht sehr gut.

Genauso bin ich fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen in Gottes Plan der Erlösung hervorragende Perspektiven gibt, die man entdecken kann, wenn man sich dazu entschließt, sie zu suchen. Diese haben sehr viel mit dem Opfer, das Jesus Christus für alle Menschen gebracht hat, zu tun.

Ich verstehe, dass Menschen, die den Worten Gottes keinen oder keinen großen Wert beimessen oder die weder an einen Gott noch an eine ewige Existenz der Familie glauben, anderer Meinung sein können und dass sie dafür weder gehasst, verspottet, verfolgt oder angegriffen werden dürfen. Das gleiche Recht haben aber auch diejenigen, die die Werte der traditionellen Ehe und Familie vertreten.
Als Christ sehe ich es als meine Pflicht und auch als eine Gelegenheit an, allen Menschen, ganz gleich welcher Nationalität, Herkunft, Kultur oder sexueller Orientierung, mit Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis zu begegnen. Das bedeutet nicht, dass ich meine Überzeugungen zur Definition der Ehe, der Familie und zum Geschlecht eines jeden Menschen und verbindlichen Werten aufgeben muss.

Ich vermisse in den Medien, in öffentlichen sowie politischen Diskussionen einen Kurs, der die Stärkung von traditionellen Familien zum Ziel hat – nicht nur den materiellen Teil, sondern ihre geistige und emotionale Stabilität und die Sicherheit und Stärke, die aus solcher Stabilität erwachsen. Das passiert nicht von alleine, aber die Bedingungen werden völlig unterproportional thematisiert.

2014 habe ich einen Post zum demografischen Wandel geschrieben. Ich hänge ihn hier noch einmal an. Er hat an Aktualität eher zugenommen.

Demografischer Wandel

„Einer unserer Söhne kam vor einigen Wochen von der Uni nach Hause und erzählte mir, dass er an dem Tag an einer Vorlesung über den demografischen Wandel teilgenommen hatte.
Die Vorlesung bestand aus der üblichen Bestandsaufnahme mit Zahlen und Fakten und den absehbaren gesellschaftlichen Folgen. Allerdings, so berichtete unser Sohn, hatten weder Dozentin noch Kommilitonen brauchbare Ideen, wie dieses Dilemma überwunden werden kann.
Damit sind sie leider nicht allein. Unsere moderne Gesellschaft möchte auf eine Art und Weise leben, die einer Lösung dieses Problems diametral entgegensteht. Das wird nicht funktionieren. Der sogenannte demografische Wandel ist eine der Folgen, die aus der Lebensweise großer Teile der Gesellschaft zwangsläufig entstehen und ohne grundlegende Veränderungen in den Einstellungen der Menschen nicht abgestellt werden können.
Es gibt keine Lösung des Problems, das ausschließlich durch Subventionen und Regularien von Regierungen, Veränderungen der Arbeitswelt und eine weitere Vergesellschaftung der Kindererziehung bewirkt werden kann. Eine ganze Reihe sinnvoller Maßnahmen würden sicherlich helfen, aber das wird im großen Maßstab nicht reichen. Ohne die Rückbesinnung auf den Wert der Familie und die damit verbundenen Verpflichtungen, entstehen keine Bedingungen, die einer nachhaltigen Lösung dieses Problems förderlich sind.

Es ist schon tragisch, dass man sich heute schon fast für eine intakte, traditionelle Familie rechtfertigen muss, nach dem Motto: „Seid ihr eigentlich noch zeitgemäß?“ Was für ein Unsinn.

Ich habe einfach mal die Übung gemacht und einige Punkte betrachtet, die ich in meiner Kirche und in der Familie, in der ich aufgewachsen bin, gelernt habe. Die Punkte gehören in die öffentliche Diskussion, auch wenn einige davon unliebsam und unbequem sind. Bequemlichkeit oder der Weg des geringsten Widerstandes haben aber noch nie eine Gesellschaft voran gebracht.

Hier einige der Punkte in ungeordneter Reihenfolge, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Ich musste als Kind nie Angst davor haben, dass meine Eltern sich trennen würden. Sie hatten ihre Probleme aber sie sind damit umgegangen und haben zusammen daran gearbeitet, sie zu lösen. Ich habe bei meinen Eltern keinen Egoismus zu Lasten des anderen Ehepartners erlebt.

Sie haben ihre Ehe ernst genommen und keine fadenscheinigen Begründungen oder Rechtfertigungen gesucht.

In Kirche und Familie habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Verpflichtungen einzugehen und sich daran zu halten. Ja, Verpflichtungen sind manchmal unbequem aber sie schaffen Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit. Unverbindlichkeit und der Unwille, Verpflichtungen einzugehen und diese zu beständig zu halten, sind Hauptursachen unserer gesellschaftlichen Probleme.

Das Evangelium Jesu Christi lehrt genauso klar über die Verpflichtung zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das heißt nicht, dass man deren Ideen oder Lebensentwürfe für richtig befinden und seine eigenen Ideale kompromittieren muss. Es lehrt aber klar, was Nächstenliebe bedeutet. Es gibt trotzdem noch richtig und falsch, nachhaltig und unnachhaltig – und das besonders auch in Bezug auf die Rolle der Familie.

Ich habe zu Hause und in der Kirche gelernt, Kinder zu lieben, meine Geschwister zu lieben und daraus hat sich der Wunsch entwickelt, eine Familie mit mehreren Kindern zu haben.

In der Kirche habe ich grundlegende Dinge darüber gelernt, wie man erfolgreich eine Familie aufbaut, z.B. die Rolle des Familiengebetes, der Familienheimabend, die Bedeutung von Bildung und Erziehung, die Überwindung von Egoismus, Verzicht zu Gunsten der Familie, Werte und Moral, Liebe in der Familie.

Das gleiche gilt für die Rolle von Vater und Mutter. Die Verantwortung, die damit verbunden ist, erstreckt sich viel weiter, als viele von uns denken. Wir sind ultimativ rechenschaftspflichtig vor Gott, wie wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht geworden sind. Wir sind nicht verantwortlich, für das was sie tun, wenn sie für sich selbst verantwortlich sind. Aber wir sind sehr wohl verantwortlich für alles, was wir ihnen vermitteln, vorleben, wie wir sie lieben, erziehen, was wir ihnen erlauben und verbieten und welchen Einflüssen wir sie aussetzen. Dieser Verantwortung können sich Eltern vor Gott nicht entziehen und sie kann auch nicht auf Lehrer oder Erzieher delegiert werden.

Meine Frau und ich haben in unserer Kirche gelernt, dass Bildung (geistige, emotionale und weltliche) essentiell für die Familie ist. Mutter und Vater zu sein sind wichtige Karriereschritte. Es ist für mich völlig unverständlich, weshalb besonders die Rolle der Mutter, wider besseres Wissen, als Karrierebremse stigmatisiert wird. Mutter sein ist eine Berufung, im Prinzip die wichtigste um sicherzustellen, dass eine Gesellschaft nicht verkommt.

In der Kirche habe ich gelernt, wie wichtig die Rolle des Vaters ist. Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass viele Väter sich ihrer Verantwortung entziehen und dabei Notlagen für alleinerziehende Mütter schaffen, die wie eine Kettenreaktion weitere Probleme erzeugen, die nur schwer zu lösen sind und sich auch auf andere auswirken. Zu Hause habe ich einen Vater erlebt, der alles für seine Familie gegeben hat. In meiner kirchlichen Berufung erlebe ich oft, habe ich oft mit den Auswirkungen zerrütteter Familien auf die Beteiligten und die Umgebung zu tun. Oft erstrecken sich die Nebenwirkungen auch auf intakte Familien, weil negative Einflüsse zum Beispiel massiv die Erziehung von Kindern beeinflussen.

Sowohl wir als auch unsere Kinder haben in der Schule und auch durch die Medien so gut wie nichts darüber gelernt, wie man als Ehepaar und als Eltern erfolgreich sein kann. Die öffentliche Diskussion ist stattdessen voll von Beiträgen über alternative Konzepte, die sich dem Zeitgeist anpassen oder lediglich Nothelfer sind, aber deren Nachhaltigkeit stark zu bezweifeln ist. Die grundlegenden Dinge haben wir in Kirche und Familie gelernt.

Ich denke, beinahe jeder von uns macht im Lauf seines Lebens manchmal gravierende Fehler, die dazu führen könnten, dass Ehen und Familien kaputt gehen. Ohne ein solides Fundament passiert das leider auch schnell. Wohingegen eine feste Basis, sowohl in Bezug auf die Lehre als auch auf die Familienbeziehungen, in den meisten Fällen hilft, Schwierigkeiten zu lösen bevor sie zu richtigen Problemen werden, von falsch eingeschlagenen Wegen umzukehren und als Voraussetzung dafür die Fehler überhaupt zu bemerken. Aus eigener Erfahrung sowie den Erfahrungen zahlreicher Menschen, die ich sehr gut kenne, kann ich bestätigen, dass das so ist. In meiner Kirche habe ich gelernt, wie man von Fehlern oder Sünden umkehrt und wie man wirklich vergibt und Vergebung erlangt.

Wir sind als Familie für alle Mühen, Sorgen, Trauer, Verzicht, Zeit und Mittel derartig reich belohnt worden, dass sich für uns die Frage überhaupt nicht stellt, ob es richtig war, eine große Familie zu haben. Jetzt haben wir zusätzlich die Perspektive als Großeltern.

Es gibt natürlich auch viele Paare für die sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Für sie sowie auch für die, die allein oder alleinerziehend sind, sind die Gemeinden der Kirche eine Solidargemeinschaft, in der es Platz gibt für ihre Sorgen und Nöte. Es gibt Hilfsorganisationen innerhalb der Kirche deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass niemand sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlt. Der Anspruch ist hoch und hängt immer von den Menschen ab, die ihn umsetzen, aber in meiner kirchlichen Berufung sehe ich, dass sehr viel getan wird. …

Am Schluss muss man noch eine weitere Dimension nennen. Das ist die wichtigste. Wir glauben daran, dass Familien ewig bestehen können, über dieses Leben hinaus. Daraus ergeben sich ganz andere Perspektiven, die jeder Mensch zumindest kennen sollte. Wir schließen dafür in heiligen Tempeln Bündnisse, die uns ständig daran erinnern, dass es ein großes Ganzes gibt, wofür sich jede Mühe lohnt. Wir nennen das den Plan der Erlösung, über den in weiteren Posts noch viel zu schreiben sein wird. Ich messe alles, was ich lese, beobachte und aufnehme an diesem Plan, dessen Urheber unser Vater im Himmel ist. Um es drastisch zu sagen, enorm vieles, das uns der Zeitgeist zu vermitteln versucht, hält diesem Benchmarking in keinster Weise stand. Das Ziel dieses Planes ist, dass wir als seine Kinder, wahre Glückseligkeit erarbeiten können und zwar über dieses Leben hinaus. Wir gehen davon aus, dass Gott, im Gegensatz zu uns, eine 100%ige Erkenntnis darüber hat, was dazu notwendig ist und dass seine Gebote und Offenbarungen genau diesem Ziel dienen. Familien sind dabei ein elementarer Bestandteil.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Das Setup unserer modernen westlichen Gesellschaft stimmt in Bezug auf das angesprochene Problem nicht mehr. Wir sollten aufhören, Probleme zu beklagen, wenn wir nicht entschlossen sind, sie zu ändern und stattdessen damit beginnen, nicht nur die Symptome sondern die Ursachen zu adressieren, weil die Folgen unaufhaltsam sein werden. Die Rezepte dafür sind vorhanden (zum einem gewissen Teil auch in der säkularen Welt, wenn diese auch nicht die gesamte Perspektive erfassen kann) und es bedarf keines Doktortitels um sie zu verstehen. Sie sind aber nicht populär und auch nicht einfach umzusetzen, weil nicht nur Rahmenbedingungen geändert sondern auch die Herzen von Menschen nachhaltig berührt werden müssen, so dass sich ihre Wünsche ändern.“