Schlagwort-Archive: Jesus Christus

Etwas zum Buch Mormon

Von Zeit zu Zeit stöbere ich auf speeches.byu.edu in den BYU Devotionals, um mir interessante Vorträge als MP3 herunterzuladen und bei langen Autofahrten oder im Flieger anzuhören.
Vor einigen Wochen habe ich einen Vortrag von Tad Callister gefunden, den er am 1. November 2016 an der BYU gegeben hat. Es geht darin um die Kontroverse, ob das Buch Mormon eine Erfindung von Joseph Smith oder von Gott gegeben ist. Der Vortrag ist brillant und eigentlich müsste man ihn ins Deutsche übersetzen, damit er allen zugänglich wird, die nicht so fit in Englisch sind.

Jeder kann über die Kirche, Joseph Smith oder auch das Buch Mormon denken was sie oder er will. Man kann an verschiedenen Dingen Anstoß nehmen und zu kontroversen Antworten kommen, je nachdem für welche Perspektive man sich entscheidet. Man kann versuchen, eigene Diskrepanzen zur Lehre oder Anwendung der Lehre, mit Verweis auf die Fehler von Kirchenführern, zu rechtfertigen. Man kann entscheiden, welchen Quellen man mehr vertraut oder in welchen historischen Kontext man sich zur Beurteilung begeben möchte (manchen Menschen, die sich damit ganz offensichtlich schwer tun, wünsche ich sehr, dass in 100 Jahren ihr eigenes Leben im heutigen Kontext betrachtet wird und nicht mit dem, den wir in 100 Jahren haben werden, was deutlich mehr Mühe macht). Man kann frühen Kirchenführern (insbesondere und sehr beliebt bei Joseph Smith) das Recht, Fehler zu machen, absprechen (was für mich unvernünftig ist, wenn man die Umstände, die Aufgabe, die Gesetzmäßigkeit, dass Erfahrung auf Erfahrung aufbaut und die zu lösenden Probleme betrachtet).
Aber eines kann man meiner Meinung nach nicht. Man kann sich nicht einfach so am Buch Mormon, seiner Entstehungsgeschichte, der Lehre und seiner Bedeutung für die Existenz der Kirche und die Menschheit als Ganzes vorbeimogeln.

Tad Callister erklärt sehr einleuchtend, warum das nicht geht. Man kann die Auseinandersetzung mit dem Buch natürlich sehr leicht vermeiden, indem man es ignoriert. Es ändert aber nichts an seiner Entstehung und universellen Bedeutung.

Es ist klar, dass es nicht einfach ist, an den göttlichen Ursprung eines Buches zu glauben. Ich kenne viele, die gern glauben würden, aber sie schaffen es nicht – häufig wegen der damit einhergehenden Konsequenzen. Dafür muss man Verständnis aufbringen.

Im Vortrag wird beschrieben, dass man sich auf wenig stichhaltige, abenteuerliche und teilweise haarsträubende Hypothesen einlassen muss, wenn man nach Alternativen zur Aussage sucht, dass Joseph Smith das Buch Mormon durch die Macht Gottes übersetzt hat und die Entstehung dieses Buches auch gar nicht anders möglich war.

https://www.youtube.com/watch?v=InVmvWA12qU

https://speeches.byu.edu/talks/tad-r-callister_book-mormon-man-made-god-given/

Die entscheidenden Fragen haben sehr wenig mit Archäologie oder Geographie zu tun. Es geht um die Botschaft des Buches Mormon, die klaren und nachhaltigen Lehren, die darin enthalten sind und die viele Irrtümer korrigieren.

Elder Callister nennt dafür einige prägnante Beispiele:

2. Nephi Kapitel 2 – klärt eindeutig, dass der Fall von Adam und Eva kein Schritt zurück, sondern ein wichtiger Schritt vorwärts im Plan der Erlösung war;

Alma 13 – wo wir über die Präexistenz lernen, ohne die alles andere total unvollständig wäre;

Alma 40 – erklärt, was es mit der postmortalen Geisterwelt auf sich hat;

Alma 32 – aus meiner Sicht die beste Erläuterung in den Schriften, wie man Glauben entwickeln kann;

Mosiah 2-5 – eine der beeindruckendsten Predigten über das Sühnopfer von Jesus Christus;

Der Zweck und die korrekte Durchführung der Taufe wird in mehreren Schriftstellen erklärt. Genauso alle Bestandteile des Sühnopfers und ihre Bedeutung.

3. Nephi 11 – der auferstandene Christus erscheint den Bewohnern des Landes, wodurch wir ein weiteres Zeugnis von Ihm erhalten.

20170711_034133

Ich habe mir mal die Zeit genommen und für mich eine Zusammenfassung von wichtigen Kapiteln des Buches erstellt. Die Liste ist nicht vollständig, aber sie hat ein enormes Gewicht. Jedesmal, wenn ich das alles lese, beeindrucken mich die Klarheit und die Weitsicht des Buches, die Dimension der Perspektiven, die es eröffnet. Ich schätze die Herausforderungen für Herz und Verstand und die Möglichkeit, eine Bestätigung für die Wahrheit des Buches zu erhalten (siehe Link zu Moroni 10 unten).
Selbst wenn jemand sich nicht in der Lage sieht, eine solche Bestätigung zu erhalten oder glaubt, keine zu benötigen, gibt es trotzdem so viel aus dem Buch zu lernen und reichlich Stoff zum nachdenken.
Ich erhalte diese Bestätigung ständig wieder – ganz besonders dann, wenn ich das Gelesene auf mich und heute beziehe.

1. Nephi 8: Die Vision vom Baum des Lebens.
1. Nephi 11: Nephi’s Bestätigung der Vision vom Baum des Lebens und Erläuterungen speziell zur Rolle des Messias.
screenshot-25
1. Nephi 14: Das Wirken der Bewegungen, die Gott und verbindliche moralische Werte ablehnen.
1 . Nephi 19: Über das Sühnopfer Christi sowie die Zerstreuung und Sammlung Israels.
1 . Nephi 22: Die Zeit vor dem zweiten Kommen von Jesus Christus.
2. Nephi 2: Die Bedeutung der Entscheidungsfreiheit.
2. Nephi 4: Der Psalm Nephis, Vertrauen in Gott.
2. Nephi 9: Das Sühnopfer Christi und seine Konsequenzen.
2. Nephi 27: Das Hervorkommen des Buches Mormon.
2. Nephi 28: Die Auswirkungen von Relativismus.
2. Nephi 29: Wie die Bibel und das Buch Mormon zusammen wirken.
2. Nephi 31: Klarstellungen zur Taufe.
Jakob 5: Das Gleichnis vom Ölbaum, Zerstreuung und Sammlung Israels.
Mosia 2-5: Die Rede König Benjamins, eine der besten und umfassendsten Erläuterungen des Sühnopfers Christi.
Mosia 15-16: Über die Auferstehung.
Mosia 18: Worauf es in der Kirche ankommt.
Mosia 29: Die Verantwortung von Regierenden und vor allem derer, die sie wählen.
Alma 1: Das Übel von Priestermacht, wodurch Wahrheit verdreht wird, um materiellen Gewinn zu erlangen.
Alma 5:  Erklärung was wahre Umkehr ist.
Alma 12: Die Bedeutung des Lebens als Bewährungszeit und Vorbereitung, vor Gott Rechenschaft abzulegen.
Alma 30: Wirken und Ende eines Antichrist.
Alma 32: Eine der besten Erklärungen wie man Glauben entwickeln kann.
Alma 34: Das Sühnopfer und der Plan der Erlösung.
Alma 39-42: Moralische Werte und eine der umfassendsten Erläuterungen des gesamten Planes der Erlösung: Glaube, Umkehr, Bündnisse, Tod, Auferstehung, Zustand nach dem Tod.
Helaman 2: Der Fluch des organisierten Verbrechens und seiner Unterstützer.
Helaman 6: Wie es geschehen kann, dass organisiertes Verbrechen eine Gesellschaft dominiert.
Helaman 10: Vollmacht von Gott.
3. Nephi 1-6: Enthält viele Schlüssel, um die heutige Zeit zu verstehen; Verheißungen Gottes erfüllen sich unabhängig vom Willen der Menschen; Werteverfall und weitverbreitete Akzeptanz krimineller Strukturen spalten die Gesellschaft; das organisierte Verbrechen kann nur durch Zusammenhalt und außerordentliche Anstrengungen besiegt werden; durch den Kreislauf des Stolzes verfällt die Gesellschaft schnell wieder in alte Fehler.
3. Nephi 11-26: Das Erscheinen des auferstandenen Jesus Christus und Sein nachhaltiges Wirken unter den Nephiten; die Bergpredigt wiederholt; grundlegende Verordnungen wie Taufe und Abendmahl umfassend erklärt.
4. Nephi 1: Wie eine gerechte Gesellschaft gebildet werden kann; 200 Jahre Frieden und Gedeihen; die Ursachen für den Zerfall und die tragischen Auswirkungen.
Mormon 1-6: Der vollständige Verfall moralischer Werte und die Entwicklung zu einer Kultur des ungebändigten Hasses, die in Vernichtungskriegen endet.
Mormon 9: Parallelen zu unserer Zeit; warum Glaube an Jesus Christus und das Erwerben von Kenntnissen von den Absichten Gottes wichtig sind.
Ether 3-4: Glauben entwickelt sich zu Wissen durch Anwendung; fortlaufende Offenbarung ist eine Funktion der Anwendung von bereits gegebener Offenbarung.
Ether 8: Warnung vor geheimen Verbindungen und die Bedrohung der Freiheit von Völkern.
Ether 12: Über Glauben und Wunder; ein Schlüssel wie Schwächen in Stärken verwandelt werden können.
Moroni 7: Das Gebet und die Unterscheidung von Gut und Böse; das Licht Christi steht jedem Menschen zur Verfügung; der Zusammenhang von Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe.
Moroni 8: Warum kleine Kinder keine Taufe benötigen.
Moroni 10; Jeder kann durch die Macht des Heiligen Geistes ein Zeugnis vom Buch Mormon erhalten; Aufforderung zu Christus zu kommen.

Präsident Thomas S. Monson hat zur letzten Generalkonferenz ein kurze Ansprache gegeben und dort unter anderem gesagt:
Heute Morgen spreche ich über die Macht des Buches Mormon und darüber, wie dringend nötig wir als Mitglieder dieser Kirche es haben, uns mit seinen Lehren zu befassen, über sie nachzudenken und sie in unserem Leben anzuwenden. Wie wichtig es ist, ein festes und sicheres Zeugnis vom Buch Mormon zu haben, kann nicht genug betont werden.
(siehe https://www.lds.org/general-conference/2017/04/the-power-of-the-book-of-mormon?lang=deu)

Alles, was ich heute sagen kann …

Alles, was ich heute sagen kann, ist, dass ich froh und dankbar für die Botschaft „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ bin. (Siehe auch im Hauptmenü oben unter Familie)

Screenshot (3)
Zuhause und Familie

Ich glaube nicht, dass Menschen die Vollmacht haben, die Definition der Ehe und Familie ohne Anweisungen und Auftrag von Gott zu modifizieren. Ich glaube auch nicht, dass diejenigen, die dies tun und in Zukunft möglicherweise noch viel weiter gehend tun werden, die langfristigen Auswirkungen solcher Entscheidungen vollkommen beurteilen können, selbst wenn sie es in gutem Glauben und nach ihrem besten Wissen und Gewissen getan haben. Ich glaube, dass Gott die Ehe zwischen Mann und Frau aus wichtigen Gründen und auf der Grundlage seiner Vollkommenheit eingesetzt hat, dass es aber einer erweiterten Perspektive bedarf, um die Bedeutung von Ehe- und Familienbeziehungen über dieses Leben hinaus zu erfassen. Die oben erwähnte Proklamation erklärt es aus meiner Sicht sehr gut.

Genauso bin ich fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen in Gottes Plan der Erlösung hervorragende Perspektiven gibt, die man entdecken kann, wenn man sich dazu entschließt, sie zu suchen. Diese haben sehr viel mit dem Opfer, das Jesus Christus für alle Menschen gebracht hat, zu tun.

Ich verstehe, dass Menschen, die den Worten Gottes keinen oder keinen großen Wert beimessen oder die weder an einen Gott noch an eine ewige Existenz der Familie glauben, anderer Meinung sein können und dass sie dafür weder gehasst, verspottet, verfolgt oder angegriffen werden dürfen. Das gleiche Recht haben aber auch diejenigen, die die Werte der traditionellen Ehe und Familie vertreten.
Als Christ sehe ich es als meine Pflicht und auch als eine Gelegenheit an, allen Menschen, ganz gleich welcher Nationalität, Herkunft, Kultur oder sexueller Orientierung, mit Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis zu begegnen. Das bedeutet nicht, dass ich meine Überzeugungen zur Definition der Ehe, der Familie und zum Geschlecht eines jeden Menschen und verbindlichen Werten aufgeben muss.

Ich vermisse in den Medien, in öffentlichen sowie politischen Diskussionen einen Kurs, der die Stärkung von traditionellen Familien zum Ziel hat – nicht nur den materiellen Teil, sondern ihre geistige und emotionale Stabilität und die Sicherheit und Stärke, die aus solcher Stabilität erwachsen. Das passiert nicht von alleine, aber die Bedingungen werden völlig unterproportional thematisiert.

2014 habe ich einen Post zum demografischen Wandel geschrieben. Ich hänge ihn hier noch einmal an. Er hat an Aktualität eher zugenommen.

Demografischer Wandel

„Einer unserer Söhne kam vor einigen Wochen von der Uni nach Hause und erzählte mir, dass er an dem Tag an einer Vorlesung über den demografischen Wandel teilgenommen hatte.
Die Vorlesung bestand aus der üblichen Bestandsaufnahme mit Zahlen und Fakten und den absehbaren gesellschaftlichen Folgen. Allerdings, so berichtete unser Sohn, hatten weder Dozentin noch Kommilitonen brauchbare Ideen, wie dieses Dilemma überwunden werden kann.
Damit sind sie leider nicht allein. Unsere moderne Gesellschaft möchte auf eine Art und Weise leben, die einer Lösung dieses Problems diametral entgegensteht. Das wird nicht funktionieren. Der sogenannte demografische Wandel ist eine der Folgen, die aus der Lebensweise großer Teile der Gesellschaft zwangsläufig entstehen und ohne grundlegende Veränderungen in den Einstellungen der Menschen nicht abgestellt werden können.
Es gibt keine Lösung des Problems, das ausschließlich durch Subventionen und Regularien von Regierungen, Veränderungen der Arbeitswelt und eine weitere Vergesellschaftung der Kindererziehung bewirkt werden kann. Eine ganze Reihe sinnvoller Maßnahmen würden sicherlich helfen, aber das wird im großen Maßstab nicht reichen. Ohne die Rückbesinnung auf den Wert der Familie und die damit verbundenen Verpflichtungen, entstehen keine Bedingungen, die einer nachhaltigen Lösung dieses Problems förderlich sind.

Es ist schon tragisch, dass man sich heute schon fast für eine intakte, traditionelle Familie rechtfertigen muss, nach dem Motto: „Seid ihr eigentlich noch zeitgemäß?“ Was für ein Unsinn.

Ich habe einfach mal die Übung gemacht und einige Punkte betrachtet, die ich in meiner Kirche und in der Familie, in der ich aufgewachsen bin, gelernt habe. Die Punkte gehören in die öffentliche Diskussion, auch wenn einige davon unliebsam und unbequem sind. Bequemlichkeit oder der Weg des geringsten Widerstandes haben aber noch nie eine Gesellschaft voran gebracht.

Hier einige der Punkte in ungeordneter Reihenfolge, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Ich musste als Kind nie Angst davor haben, dass meine Eltern sich trennen würden. Sie hatten ihre Probleme aber sie sind damit umgegangen und haben zusammen daran gearbeitet, sie zu lösen. Ich habe bei meinen Eltern keinen Egoismus zu Lasten des anderen Ehepartners erlebt.

Sie haben ihre Ehe ernst genommen und keine fadenscheinigen Begründungen oder Rechtfertigungen gesucht.

In Kirche und Familie habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Verpflichtungen einzugehen und sich daran zu halten. Ja, Verpflichtungen sind manchmal unbequem aber sie schaffen Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit. Unverbindlichkeit und der Unwille, Verpflichtungen einzugehen und diese zu beständig zu halten, sind Hauptursachen unserer gesellschaftlichen Probleme.

Das Evangelium Jesu Christi lehrt genauso klar über die Verpflichtung zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das heißt nicht, dass man deren Ideen oder Lebensentwürfe für richtig befinden und seine eigenen Ideale kompromittieren muss. Es lehrt aber klar, was Nächstenliebe bedeutet. Es gibt trotzdem noch richtig und falsch, nachhaltig und unnachhaltig – und das besonders auch in Bezug auf die Rolle der Familie.

Ich habe zu Hause und in der Kirche gelernt, Kinder zu lieben, meine Geschwister zu lieben und daraus hat sich der Wunsch entwickelt, eine Familie mit mehreren Kindern zu haben.

In der Kirche habe ich grundlegende Dinge darüber gelernt, wie man erfolgreich eine Familie aufbaut, z.B. die Rolle des Familiengebetes, der Familienheimabend, die Bedeutung von Bildung und Erziehung, die Überwindung von Egoismus, Verzicht zu Gunsten der Familie, Werte und Moral, Liebe in der Familie.

Das gleiche gilt für die Rolle von Vater und Mutter. Die Verantwortung, die damit verbunden ist, erstreckt sich viel weiter, als viele von uns denken. Wir sind ultimativ rechenschaftspflichtig vor Gott, wie wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht geworden sind. Wir sind nicht verantwortlich, für das was sie tun, wenn sie für sich selbst verantwortlich sind. Aber wir sind sehr wohl verantwortlich für alles, was wir ihnen vermitteln, vorleben, wie wir sie lieben, erziehen, was wir ihnen erlauben und verbieten und welchen Einflüssen wir sie aussetzen. Dieser Verantwortung können sich Eltern vor Gott nicht entziehen und sie kann auch nicht auf Lehrer oder Erzieher delegiert werden.

Meine Frau und ich haben in unserer Kirche gelernt, dass Bildung (geistige, emotionale und weltliche) essentiell für die Familie ist. Mutter und Vater zu sein sind wichtige Karriereschritte. Es ist für mich völlig unverständlich, weshalb besonders die Rolle der Mutter, wider besseres Wissen, als Karrierebremse stigmatisiert wird. Mutter sein ist eine Berufung, im Prinzip die wichtigste um sicherzustellen, dass eine Gesellschaft nicht verkommt.

In der Kirche habe ich gelernt, wie wichtig die Rolle des Vaters ist. Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass viele Väter sich ihrer Verantwortung entziehen und dabei Notlagen für alleinerziehende Mütter schaffen, die wie eine Kettenreaktion weitere Probleme erzeugen, die nur schwer zu lösen sind und sich auch auf andere auswirken. Zu Hause habe ich einen Vater erlebt, der alles für seine Familie gegeben hat. In meiner kirchlichen Berufung erlebe ich oft, habe ich oft mit den Auswirkungen zerrütteter Familien auf die Beteiligten und die Umgebung zu tun. Oft erstrecken sich die Nebenwirkungen auch auf intakte Familien, weil negative Einflüsse zum Beispiel massiv die Erziehung von Kindern beeinflussen.

Sowohl wir als auch unsere Kinder haben in der Schule und auch durch die Medien so gut wie nichts darüber gelernt, wie man als Ehepaar und als Eltern erfolgreich sein kann. Die öffentliche Diskussion ist stattdessen voll von Beiträgen über alternative Konzepte, die sich dem Zeitgeist anpassen oder lediglich Nothelfer sind, aber deren Nachhaltigkeit stark zu bezweifeln ist. Die grundlegenden Dinge haben wir in Kirche und Familie gelernt.

Ich denke, beinahe jeder von uns macht im Lauf seines Lebens manchmal gravierende Fehler, die dazu führen könnten, dass Ehen und Familien kaputt gehen. Ohne ein solides Fundament passiert das leider auch schnell. Wohingegen eine feste Basis, sowohl in Bezug auf die Lehre als auch auf die Familienbeziehungen, in den meisten Fällen hilft, Schwierigkeiten zu lösen bevor sie zu richtigen Problemen werden, von falsch eingeschlagenen Wegen umzukehren und als Voraussetzung dafür die Fehler überhaupt zu bemerken. Aus eigener Erfahrung sowie den Erfahrungen zahlreicher Menschen, die ich sehr gut kenne, kann ich bestätigen, dass das so ist. In meiner Kirche habe ich gelernt, wie man von Fehlern oder Sünden umkehrt und wie man wirklich vergibt und Vergebung erlangt.

Wir sind als Familie für alle Mühen, Sorgen, Trauer, Verzicht, Zeit und Mittel derartig reich belohnt worden, dass sich für uns die Frage überhaupt nicht stellt, ob es richtig war, eine große Familie zu haben. Jetzt haben wir zusätzlich die Perspektive als Großeltern.

Es gibt natürlich auch viele Paare für die sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Für sie sowie auch für die, die allein oder alleinerziehend sind, sind die Gemeinden der Kirche eine Solidargemeinschaft, in der es Platz gibt für ihre Sorgen und Nöte. Es gibt Hilfsorganisationen innerhalb der Kirche deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass niemand sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlt. Der Anspruch ist hoch und hängt immer von den Menschen ab, die ihn umsetzen, aber in meiner kirchlichen Berufung sehe ich, dass sehr viel getan wird. …

Am Schluss muss man noch eine weitere Dimension nennen. Das ist die wichtigste. Wir glauben daran, dass Familien ewig bestehen können, über dieses Leben hinaus. Daraus ergeben sich ganz andere Perspektiven, die jeder Mensch zumindest kennen sollte. Wir schließen dafür in heiligen Tempeln Bündnisse, die uns ständig daran erinnern, dass es ein großes Ganzes gibt, wofür sich jede Mühe lohnt. Wir nennen das den Plan der Erlösung, über den in weiteren Posts noch viel zu schreiben sein wird. Ich messe alles, was ich lese, beobachte und aufnehme an diesem Plan, dessen Urheber unser Vater im Himmel ist. Um es drastisch zu sagen, enorm vieles, das uns der Zeitgeist zu vermitteln versucht, hält diesem Benchmarking in keinster Weise stand. Das Ziel dieses Planes ist, dass wir als seine Kinder, wahre Glückseligkeit erarbeiten können und zwar über dieses Leben hinaus. Wir gehen davon aus, dass Gott, im Gegensatz zu uns, eine 100%ige Erkenntnis darüber hat, was dazu notwendig ist und dass seine Gebote und Offenbarungen genau diesem Ziel dienen. Familien sind dabei ein elementarer Bestandteil.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Das Setup unserer modernen westlichen Gesellschaft stimmt in Bezug auf das angesprochene Problem nicht mehr. Wir sollten aufhören, Probleme zu beklagen, wenn wir nicht entschlossen sind, sie zu ändern und stattdessen damit beginnen, nicht nur die Symptome sondern die Ursachen zu adressieren, weil die Folgen unaufhaltsam sein werden. Die Rezepte dafür sind vorhanden (zum einem gewissen Teil auch in der säkularen Welt, wenn diese auch nicht die gesamte Perspektive erfassen kann) und es bedarf keines Doktortitels um sie zu verstehen. Sie sind aber nicht populär und auch nicht einfach umzusetzen, weil nicht nur Rahmenbedingungen geändert sondern auch die Herzen von Menschen nachhaltig berührt werden müssen, so dass sich ihre Wünsche ändern.“

Einem lieben Freund: Gott sei mit dir, bis wir uns wieder sehen

Letzten Samstag haben wir Abschied genommen von einem besonderen Mann, einem Freund und Vorbild – Sanitätsrat Dr. Heinz-Jürgen Sickel aus Wulfen in Anhalt, ein Mitglied der Gemeinde Köthen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Patriarch des Pfahles Leipzig.

Er war am Ostersonntag, den 16. April 2017, völlig unerwartet im Alter von 76 Jahren verstorben. Ein großer Mann, einer zu dem wir immer aufschauen werden – in allen Bereichen des Lebens – in seiner Familie, als Arzt, Sportsmann und in seinen vielen kirchlichen Berufungen, die er im Laufe seines Lebens erfüllt hat.

Wir trauern um ihn und fühlen uns mit der gesamten Familie eng verbunden.

Jürgen´s Familie hatte mich gebeten, auf seiner Trauerfeier zu sprechen. Ich bin der Bitte sehr gern nachgekommen. Es war eine schwere Aufgabe, da mich sein Tod sehr stark berührt hat. Es war aber auch eine schöne Aufgabe, über und für einen Mann zu sprechen, für den ich Achtung, Bewunderung und Liebe verspüre. Es war mir eine große Ehre, dass zu tun.

Einige Tage vor seinem Tod hatte ich ein interessantes Erlebnis. Meine beruflichen Reisepläne sahen vor, dass ich in der Woche nach Ostern an einer Messe in China teilnehme, dann das Wochenende in China bleibe und anschließend nach Japan weiterreise, um an Kundenmeetings teilzunehmen. Der Plan sah vor, dass ich vom 17.4. bis 27.4. nicht in Deutschland sein würde.

Am Mittwoch vor Ostern hatte ich das Gefühl, dass ich meine Flüge umbuchen sollte. Ich rief das Reisebüro an und buchte einen Rückflug von Shanghai nach Hause für den 20.4./21.4. und einen neuen Flug von Deutschland nach Japan für den 23.4. bis 27.4.

Es machte zu diesem Zeitpunkt gar keinen Sinn, bedeutete lediglich zusätzlichen Aufwand und Stress. Ich sagte meinen chinesischen Freunden ab, die mich für das Wochenende nach Wuyishan, einer tollen Sehenswürdigkeit in der Provinz Fujian, eingeladen hatten. Sie waren etwas enttäuscht aber sehr verständnisvoll.

Am Ostersonntag, nachmittags, erreichte mich die traurige Nachricht und die Information, dass die Beerdigung am 22.4. stattfinden wird. Ich wusste jetzt, warum ich alles geändert hatte.

Der Trauergottesdienst am Samstag war eines der bewegendsten Ereignisse, die ich miterlebt habe. Ich war stark beeindruckt, von den Botschaften seiner Kinder und unseres gemeinsamen Freundes Manfred Schütze, ebenso von der schönen Musik und den inspirierten Gebeten. Wir haben alle die Macht des Evangeliums Jesu Christi gespürt und den Einfluss des Heiligen Geistes.
Ich hatte die ganze Woche nachgedacht, was ich der Familie und den Hunderten von Trauergästen sagen könnte. Der Schlüssel kam, als ich ein Lied anhörte, dass in der Schwesternversammlung der Generalkonferenz im Oktober 2015 von einem Chor aller Altersgruppen gesungen wurde. Ich fand die Texte der in diesem Medley verwendeten Lieder so treffend und das Arrangement hat mich sehr berührt. Von da an wusste ich, was sagen werde.

Ich habe mir einige Schwerpunkte ausgesucht:

Was habe ich von Jürgen gelernt? Was nehme ich mit? Was wird sich durch sein Vermächtnis in meinem Leben ändern? Er ist den Dingen auf den Grund gegangen, hat mit Entschlossenheit  und Kompetenz Konsequenzen gezogen und eingefordert. Das hat er mit einer bestimmten, natürlichen und liebevollen Autorität getan. Als ich mich auf seinen Rat hin vor zwei Jahren in die Herzklinik nach Leipzig begeben habe, musste ich eine Entscheidung treffen, einem Eingriff an meinem Herzen zuzustimmen oder nicht. Als ich Jürgen anrief, um mir einen finalen Rat zu holen, war es für mich ausreichend, seine Stimme am Telefon zu hören. Er musste nichts erklären. Ich ließ den Eingriff vornehmen und verspürte während der Zeit in der Klinik einen großen Frieden.

FB_IMG_1492524943742

Jürgen wird weiterhin für seine Familie und alle, deren Leben er berührt hat, ein Segen sein – wie ein alter, mächtiger Baum, der stirbt, aber trotzdem seine Nachkommen und seine Umgebung mit seinen Nährstoffen versorgt. Er macht den Boden fruchtbar, in dem jüngere Bäume und Samen heranwachsen. Mir gefällt dieser Vergleich sehr. Er gibt uns Trost, besonders seiner Familie.

Jürgen hat viele Jahre als Patriarch gedient, eine wichtige Berufung, die vom Rat der Zwölf Apostel erteilt wird. Für diese Berufung benötigt man eine große Nähe zu Gott und starken Glauben. Jeder, der von einem Patriarchen seinen persönlichen Segen erhält, wird für ein tieferes Verständnis von diesem großartigen Plan der Erlösung befähigt. Unser Prozess des Verstehens hat im Vorherdasein begonnen und wird in diesem Leben nicht enden. Er geht über dieses Leben hinaus. Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen, können wir große Schritte vorwärts in diesem Prozess machen.

Jürgen ist am Ostersonntag gestorben. Natürlich erinnern wir uns an die besonderen Ereignisse im Zusammenhang mit der buchstäblichen Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach Seiner Kreuzigung. Ich musste an den Bericht von Maria im Neuen Testament, in Johannes, Kapitel 20 denken. Im Tempel in Freiberg hängt ein Gemälde, das Jesus und Maria in diesem Moment, wo sie Ihn erkennt und begreift, dass die Auferstehung wirklich ist, zeigt.
Ich möchte ab Vers 16 zitieren:
„Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni (das heißt Meister)!
Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria Magdalena kommt und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt.
Am Abend desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.“ (Johannes 20:16-20, Hervorhebungen vom Verfasser)

easter-pictures-resurrection-mary-magdalene-1242543-gallery

Hier werden große Fragen der Menschheit beantwortet. Jürgen hatte nicht die Spur eines Zweifels an diesen Wahrheiten. Es gibt mir Frieden und macht mich froh.

Nach einem solchen Erlebnis kann man nicht einfach so wieder zur Tagesordnung übergeben. Da bleiben wichtige Dinge haften, über die man Nachdenken muss und nicht einfach beiseite wischen kann. Die Botschaft der Auferstehung ist viel zu wichtig. Es ist traurig, wie wenig Raum sie in der öffentlichen Wahrnehmung und den Medien einnimmt – und wenn, dann oft mit völlig unklaren Deutungen. Dabei gibt es gar keinen Grund zur Unklarheit. Da jeder Mensch diesen Weg gehen muss, wäre es doch viel vernünftiger, sich angemessen damit zu beschäftigen, den Dingen auf den Grund zu gehen und zu verstehen. Moroni, der letzte Schreiber des Buches Mormon, schließt das Buch mit folgendem Vers:

„Und nun sage ich allen Lebewohl. Ich gehe bald hin, im Paradies Gottes zu ruhen, bis sich mein Geist und Leib wieder vereinigen werden und ich im Triumph durch die Luft hingeführt werde, um euch vor dem angenehmen Gericht des großen Jehova zu treffen, des ewigen Richters der Lebenden und der Toten. Amen.“ (Buch Mormon, Moroni 10:34)

Jürgen hatte nicht die Gelegenheit, Lebewohl zu sagen. Aber er war in diesem Prozess des Verstehens sehr, sehr weit vorangekommen und vorbereitet, auf die andere Seite des Schleiers zu gehen, wo er mit Sicherheit auf die für ihn typische Art weiter wirkt. Wir werden ihn immer in unseren Herzen behalten und freuen uns auf das Wiedersehen.

 

Ostern und der Fürst des Friedens

Mit dem Palmsonntag beginnt die Osterwoche, die letzte Woche im irdischen Lebens von Jesus Christus, die vor fast 2000 Jahren in Jerusalem in seinem Sühnopfer und seiner Auferstehung kulminierte.

Zweifellos war dies das wichtigste Ereignis der Weltgeschichte, mit universeller Bedeutung für alle Menschen, egal ob sie glauben oder nicht.

Unter https://www.mormon.org/deu oder #FÜRSTdesFriedens in den sozialen Medien finden wir mehr über die Ereignisse dieser Woche und die Mission Jesu Christi.

Präsident Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel hat letzte Woche zur Generalkonferenz eine bemerkenswerte Ansprache unter dem Titel „Wie wir die Macht Jesu Christi in unser Leben bringen“, die eine sehr gute Lektüre für die Osterwoche ist. Hier ist der Link.

https://www.lds.org/general-conference/2017/04/drawing-the-power-of-jesus-christ-into-our-lives?lang=deu

Ich möchte aus dem Beginn dieser Ansprache zitieren:

„… Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn sandte, um uns zu helfen. Und sein Sohn, Jesus Christus, gab sein Leben für uns hin. Das alles, damit wir göttliche Macht in Anspruch nehmen können – Macht, die ausreicht, um mit den Lasten, Hindernissen und Versuchungen unserer Zeit fertigzuwerden. Heute möchte ich darüber sprechen, wie wir die Macht unseres Herrn und Meisters Jesus Christus in unser Leben bringen können.

Zunächst einmal müssen wir uns Wissen über ihn aneignen. „Es ist unmöglich, dass man in Unwissenheit errettet werden kann.“ Je mehr wir über das Wirken und die Mission des Erretters wissen, je besser wir seine Lehre verstehen und das, was er für uns getan hat, desto deutlicher ist uns bewusst, dass er uns die Macht verleihen kann, die wir für unser Leben brauchen.

Anfang des Jahres habe ich die jungen Erwachsenen der Kirche aufgefordert, jede Woche einen Teil ihrer Zeit dem Studium aller Worte und Handlungen Jesu zu widmen, die in den heiligen Schriften der Kirche verzeichnet sind. Ich legte ihnen ans Herz, die Schriftstellen, die zu Jesus Christus im Schriftenführer angeführt werden, in den Mittelpunkt ihres persönlichen Studienplans zu stellen.

Ich sprach diese Aufforderung aus, weil ich sie bereits selbst angenommen hatte. Ich las und unterstrich jeden Vers über Jesus Christus, der im Topical Guide unter dem Haupteintrag und den 57 weiteren Stichwörtern zu diesem Begriff angeführt ist. Als ich diese spannende Übung abgeschlossen hatte, fragte mich meine Frau, wie mich das beeinflusst hatte. Ich sagte zu ihr: „Ich bin ein anderer Mensch.“

Ich spürte neue Hingabe an den Erretter, als ich im Buch Mormon erneut las, was er selbst über seine Mission auf der Erde verkündet hatte, nämlich:

„Ich [bin] in die Welt gekommen …, um den Willen meines Vaters zu tun, denn mein Vater hat mich gesandt.

Und mein Vater hat mich gesandt, damit ich auf das Kreuz emporgehoben würde.“

Wir als Heilige der Letzten Tage bezeichnen seine Mission als das Sühnopfer Jesu Christi, das die Auferstehung für alle Wirklichkeit werden ließ und ewiges Leben einem jeden ermöglicht, der von seinen Sünden umkehrt und die notwendigen Verordnungen und Bündnisse annimmt und sich daran hält. …“

Ich habe vor zwei Wochen begonnen, der Aufforderung von Präsident Nelson zu folgen. Bis jetzt war es eine sehr gute Erfahrung und einige Dinge sind mir viel klarer geworden. Ich hoffe, dass es mir helfen wird, ein besserer Mensch zu werden.

Ich bin sehr von dieser Schriftstelle im Buch Mormon, in 2. Nephi 2, Vers 8 und 9 beeindruckt:

„Wie wichtig ist es daher, dass all dies den Bewohnern der Erde verkündet wird, damit sie erkennen mögen, dass kein Fleisch in der Gegenwart Gottes wohnen kann außer durch die Verdienste und die Barmherzigkeit und Gnade des heiligen Messias, der sein Leben niederlegt gemäß dem Fleische und es wieder nimmt durch die Macht des Geistes, auf dass er die Auferstehung der Toten zustande bringe; denn er wird der erste sein, der aufersteht.
Darum ist er die Erstlingsgabe für Gott, so dass er für alle Menschenkinder Fürsprache einlegen wird; und wer an ihn glaubt, der wird errettet werden.“

Ich wünsche allen eine frohe Osterzeit.

Balance 

Es war Generalkonferenz-Wochenende. Esther und ich waren bei unseren Kindern in Graz. Es tat gut, ein paar Tage auszuspannen und die Work-Life-Balance wieder etwas auszugleichen.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag letzter Woche habe ich während eines Fluges von Tokio nach Frankfurt dieses Bild gemacht.

Ich war auf dem Heimweg von meiner 8. Dienstreise nach Asien seit Anfang diesen Jahres. Ich hatte 3 der letzten 4 Nächte in Flugzeugen verbracht und war entsprechend erschöpft. Meine Firma rollt eine neue, innovative Technologie aus und das erfordert besondere Anstrengungen, damit sich Erfolg einstellen kann. Ich empfinde es als einen großen Vertrauensbeweis, dass ich dabei mitwirken kann und liebe meine Arbeit, trotz aller Schwierigkeiten, die sie oft mit sich bringt. So zum Beispiel vorletzte Woche, am Freitagnachmittag, als ich versuchte, von Catania in Italien nach Hause zu reisen und der Flughafen wegen Nebels geschlossen wurde. Mein Flieger war schon auf dem Weg zur Startbahn. Es war frustrierend. Ich war irgendwann am Samstagnachmittag zu Hause und musste Sonntag schon wieder weg.

Ich werde oft gefragt, wie ich meinen Job machen, ein Familienvater und nebenher ein Kirchenführer und Seelsorger mit Verantwortung für 2300 Mormonen in Westsachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sein kann, ohne die seelische Balance zu verlieren. Meine Antwort ist normalerweise, dass es nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Diese Hilfe spüre ich sehr oft, häufig durch die Unterstützung, die ich von anderen erhalte.

Ich habe aber etwas tiefer über die Frage nachgedacht und bin auf viele größere und auch vermeintlich kleinere Dinge gestoßen, die mir helfen, eine vernünftige Balance beizubehalten – wenn es mir gelingt, entsprechend zu handeln.

Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr gelernt, dass mein persönliches Wohlbefinden eine Funktion der Dankbarkeit ist, die ich fähig bin zu empfinden. Ich habe weiterhin gelernt, dass Dankbarkeit dazu führt, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und ein größeres Bedürfnis erzeugt, anderen zu dienen, Nächstenliebe zu empfinden und sich für Dinge einzusetzen, die wertvoll für unsere Mitmenschen sind. Präsident Uchtdorf hat in der Priestertumsversammlung am Samstag sehr gut darüber gesprochen.

Sehr wichtig ist für mich meine bewusste Beziehung zu Gott und die Dankbarkeit für seine Segnungen, die so oft spürbar sind. Im Bild oben, höre ich Kirchenmusik (sehr häufig die großartigen Arrangements unserer Kirchenlieder). Nach jeder Generalkonferenz lade ich mir die MP3s von der Konferenz auf mein Smartphone und die Videos auf meinen Laptop. Auf den langen Flügen nutze ich die Zeit, höre zu und versuche mein Herz so weit wie möglich für den Heiligen Geist zu öffnen. Es entspannt mich, gibt mir inneren Frieden und beschert mir viele geistige Erlebnisse. Viele meiner Ansprachen, Themen, Briefe und Gedanken entstehen dabei. Auch das Verständnis für Probleme und die Lehren des Evangeliums erschließen sich dann oft in genialer Weise. Es gelingt nicht immer, aber wenn es gelingt, dann tut es richtig gut.

Entscheidend für meine Balance ist meine liebe Ehefrau Esther. Wir sind bald 32 Jahre verheiratet. Ich bin sehr dankbar für unsere liebevolle Ehe, ihr Verständnis für meine Schwächen und Sorgen, ihre großartige Unterstützung und ihre subtilen als auch deutlichen Signale, die mir eine große Hilfe sind, wenn Dinge drohen aus dem Gleichgewicht zu geraten. Sie hat ein tiefes Verständnis für die wichtigen Dinge im Leben, oft besser als ich. Sie ist genauso wie ich bereit für eine stabile Ehe zu arbeiten und das erspart uns seit vielen Jahren emotionale Achterbahnfahrten, an denen leider viele Beziehungen heutzutage scheitern. Ich liebe sie sehr.

Ebenso wichtig sind mir unsere Kinder und Enkel. Kürzlich habe ich über die Wichtigkeit von Mehrgenerationenfamilien gelesen, die sich guten Werten verpflichtet fühlen und damit, vergleichbar mit einem Wald, kostbaren Nährboden für nachwachsende Bäume bieten und diejenigen auffangen können, die mit Sorgen  und Problemen zu kämpfen haben. Ich bin dankbar für meine Familie. Es ist eine lebenslange Aufgabe, für den Zusammenhalt in der Familie zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich sehr viel bedeutet, ist das Streben nach Harmonie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das heißt nicht, es jedem recht machen zu wollen oder alles um des lieben Friedens Willen zu akzeptieren. Es heißt aber sehr wohl, kultiviert und liebevoll miteinander umzugehen, mit einem gesunden Maß Demut, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Mir gefällt die goldene Regel im Neuen Testament, Matthäus 7:12: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Leider fällt es mir manchmal schwer, sie umzusetzen. Aber ich versuche es so oft ich kann und das hält viel emotionalen Stress von mir fern.

Zurück zur Dankbarkeit – speziell die Dankbarkeit für viele als selbstverständlich betrachtete Dinge im Leben. Für mich ist das auch die Fähigkeit zu staunen, z.B. über die großartige Schöpfung, aber auch unscheinbare Dinge. Wir sind am Samstag auf den Hausberg von Graz, den Schöckl gewandert. Man kommt einigermaßen ins Schwitzen :-), aber es war die Mühe wert. Ich hätte stundenlang oben sitzen können, um die Aussicht zu genießen und mich zu freuen.

wp-image-131986390jpg.jpeg

Ich glaube, dass diese Form von einfacher, in gewisser Weise kindlicher Dankbarkeit einen essentiellen Schutz vor zynischen, sarkastischen und anderen destruktiven Betrachtungsweisen von Herausforderungen im Leben bietet. Das hat nichts mit einem verklärten Bild der Realität zu tun, sondern es ist eine Haltung trotz aller Herausforderungen.

Beständigkeit und kontinuierliche, kleine Schritte sind viel besser als gelegentliche Hauruck-Aktionen oder exzessive Anstrengungen, die viel Stress verursachen und im Widerspruch zu einer nachhaltigen Lebensweise stehen. Es hat mich einige Zeit gekostet, den gesamtheitlichen Ansatz des Evangeliums besser zu verstehen, weil dadurch viele verschiedene Segnungen „freigeschaltet“ werden und man sich manche nicht jahrelang vorenthält, weil man den Prinzipien, die darauf beruhen, wenig Beachtung schenkt. Das ist nach meiner Erfahrung ein weit verbreitetes Problem – Unausgewogenheit. Ich finde deshalb die Botschaft des Gebietsplanes für Europa sehr richtig.

Eine weitere große Hilfe ist es, wenn ich mich von geistigem und medialem Junk-Food fernhalte. Es ist unglaublich, wie viel Müll uns tagtäglich geradezu aufgedrängt und wie kritiklos er konsumiert wird. Geistiger und medialer Junk tun mir in meiner Balance nicht gut. Das erfahre ich auch von anderen in vielen Gesprächen, die ich als Seelsorger führe. Ich meide ihn inzwischen wo ich nur kann und bin ganz schlecht für Einschaltquoten etc. Es ist unklug, diesen Aspekt zu verharmlosen, von der Zeitverschwendung einmal ganz abgesehen.
Seit vielen Jahren mache ich sehr gute Erfahrungen mit dem täglichen Studium der Heiligen Schriften. Es braucht nicht viel Zeit jeden Tag, um spürbare, positive Ergebnisse zu sehen.

Als Präsident eines Pfahles wird man mit zahllosen Problemen konfrontiert. Warum sollte man sich so eine Aufgabe antun, die gut und gerne mit einem Vollzeitjob vergleichbar ist? Meine Antwort im 8. Jahr in dieser Berufung: Man kann. Aber man muss sich ein paar Einstellungen aneignen. Vor kurzem habe ich im Matthäus Evangelium das Gleichnis vom Schatz auf dem Acker gelesen, siehe Matthäus 13:44: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte.“
Das beschreibt es ganz gut. Es sind die Perspektiven, das Verständnis vom Warum. Warum ich lebe, wo ich hergekommen bin, wo ich nach diesem Leben hingehen werde, warum ich tue, was ich tue. Dieses riesige Feld von Fortschritt, Entwicklung, Erkenntnis und Liebe, das uns ein Vater im Himmel eröffnet – zusammengefasst unter der Bezeichnung Plan der Erlösung oder Plan des Glücklichseins – wenn wir nur bereit sind, Seine Bedingungen zu akzeptieren. Das alles motiviert mich sehr und macht mir viele Lasten leichter.
Kirche geht ohne Einsatz und Arbeit nicht. Wenn keiner etwas tun möchte, wird nichts passieren. Insofern bleibt Arbeit eben Arbeit. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn die Fragen nach dem WARUM geklärt sind. An sehr vielen Tagen liebe ich, was ich tue und brauche dafür keinen Anstoß. Es gibt wenige Tage, an denen es mir schwer fällt. Dann habe ich großartige Menschen in meinem Umfeld, die mich unbewusst und seltener auch bewusst motivieren.
Natürlich können und müssen wir noch viel lernen, wie wir das WIE verbessern und wie wir das WARUM besser erklären, denn es gibt eigentlich nichts genialeres. Es lohnt sich deshalb, seine Kraft für dieses große Werk einzusetzen – nicht mehr als man hat, dafür aber beständig und mit Schritten, die groß genug sind, um das eigene Verständnis zu erweitern.

Das alles (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) war in den letzten Jahren ein wichtiger Antrieb für mich. Der Lohn sind unvergleichliche und unvergessliche Erfahrungen, die auf andere Weise nicht zu machen sind. Ich denke, das ist nicht an eine bestimmte Kirchenberufung gebunden, sondern hat ganz viel mit dem Verständnis von den Perspektiven an die wir glauben zu tun und den Einstellungen, die erforderlich sind, damit Perspektiven lebendig werden können.

 

 

Frohe Weihnachten – Merry Christmas

Ich wünsche allen Freunden und Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Ich hoffe, jeder von euch wird etwas Ruhe und Besinnung vom Alltag finden und Freude im Kreis eurer Lieben verspüren.

I wish all friends and readers a merry and blessed Christmas. I hope each of you will find peace and time for reflection from everyday life. May you feel joy with your loved ones.

Ich wünsche auch jedem einige Momente, in denen die Bedeutung der Geburt von Jesus Christus ins Herz dringen möge. Wir hatten solche Momente vorgestern Abend, wo wir uns um das Klavier versammelt und ein bisschen Hausmusik gemacht haben. Es war sehr schön (auch wenn wir alle Laien sind 🙂 ).

I also wish everyone some moments, in which the significance of the birth of Jesus Christ may fill your hearts. We had those moments Thursday night, when we gathered around the piano and sang Christmas carols and hymns. It was wonderful (even though we aren´t professional 🙂 ). 

Ich habe im Oktober begonnen, wieder das Neue Testament zu lesen. Es war eine gute Erfahrung, während der Adventszeit die Evangelien zu lesen und mehr über Jesus Christus zu lernen. Es gibt viele Stellen, an denen man hängen bleibt. Stellvertretend für viele möchte ich eine erwähnen, die mich besonders berührt hat.

In October, I started reading the New Testament again. It was a good experience to read the four Gospels during the Christmas season and learn more about Jesus Christ. There´re many verses to stop reading and ponder. I would like to mention just one that has touched me a lot.

In Johannes 5 finden wir diese Begebenheit:

„Einige Zeit später war wieder ein jüdisches Fest, und Jesus ging nach Jerusalem hinauf.
In Jerusalem befindet sich in der Nähe des Schaftors eine Teichanlage mit fünf Säulenhallen; sie wird auf hebräisch Betesda genannt.
In diesen Hallen lagen überall kranke Menschen, Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte. Sie alle warteten darauf, dass das Wasser in Bewegung geriet.
Denn von Zeit zu Zeit stieg ein Engel des Herrn in den Teich hinunter und brachte das Wasser in Bewegung. Wer als Erster in das Wasser hineinstieg, nachdem es in Bewegung geraten war, der wurde gesund, ganz gleich, an welcher Krankheit er litt.
Unter ihnen war ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war.
Jesus sah ihn dort liegen, und es war im klar, dass er schon lange leidend war.
Willst du gesund werden?, fragte er ihn.
Der Kranke antwortete: Herr, ich habe niemand, der mir hilft, in den Teich zu kommen, wenn das Wasser sich bewegt. Und wenn ich es allein versuche, steigt ein anderer vor mir hinein.
Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Matte und geh!
Im selben Augenblick war der Mann gesund; er nahm seine Matte und ging.“

In John 5 we find the following:

„After this there was a feast of the Jews; and Jesus went up to Jerusalem. 
Now there is at Jerusalem by the sheep market a pool, which is called in the Hebrew tongue Bethesda, having five porches. 
In these lay a great multitude of impotent folk, of blind, halt, withered, waiting for the moving of the water. 
For an angel went down at a certain season into the pool, and troubled the water: whosoever then first after the troubling of the water stepped in was made whole of whatsoever disease he had. 
And a certain man was there, which had an infirmity thirty and eight years. 
When Jesus saw him lie, and knew that he had been now a long time in that case, he saith unto him, Wilt thou be made whole? 
The impotent man answered him, Sir, I have no man, when the water is troubled, to put me into the pool: but while I am coming, another steppeth down before me. 
Jesus saith unto him, Rise, take up thy bed, and walk. 
And immediately the man was made whole, and took up his bed, and walked: and on the same day was the sabbath.

Das Wunder der Heilung ist das eine. Ich habe mir einige andere Fragen gestellt.
Wie konnte es passieren, dass 38 Jahre lang niemand die Barmherzigkeit hatte oder überhaupt daran dachte, diesem Mann ins Wasser zu helfen, wenn es sich bewegte?
Wie oft übersehe oder ignoriere ich das Leiden von Menschen in meiner Umgebung?
Wie oft berührt es mich nicht, vielleicht weil ich glaube, nichts tun zu können oder andere Prioritäten habe?
Ich kann nicht jedem helfen, der Hilfe braucht. Aber ich könnte Empathie zeigen.
Manchmal kann ich der sein, der jemand hilft, zum Wasser zu kommen. Manchmal kann ich machen, dass sich das Wasser bewegt. Und manchmal kann ich das Wasser sein, das heilt.
Jeder kann. Jeder kann barmherzig sein, Mitgefühl entwickeln und damit einen Unterschied schaffen zu Gleichgültigkeit, Gefühlslosigkeit oder gar Hass. Wenn es etwas gibt, um Menschenverachtung entgegen zu treten, dann ist es das.

The miracle of the healing is one thing. I have asked myself some other questions.
How could it happen that nobody had the compassion or even thought of it to help this man into the water for 38 years?
How often do I fail to see or ignore the suffering of people I know?
How often doesn´t it touch me, because I think I can´t do anything or have other priorities?
I can´t help everyone in need. But I could show empathie.
Sometimes I could be the one to help the other to make it into the water. Sometimes I could make the water moving. And sometimes I can be the water that heals.
Everyone can. Everyone can be compassionate, develop empathie and make a difference to indifference, insensitivity or hate. If there´s anything to counter hate, then this is it.

Frohe Weihnachten.
Merry Christmas.

20161222_232747

Weihnachtsbotschaft

Weihnachtsbotschaft der Präsidentschaft des Pfahles Leipzig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

20161216_192348

Liebe Schwestern und Brüder,

wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie einen guten Start in das neue Jahr 2017. Wir haben im vergangenen Jahr besondere Dinge erlebt, die uns aufbauten und stärkten, wie zum Beispiel die erneute Weihung des Freiberg Tempels und andere Höhepunkte in den Gemeinden und im Pfahl. Wir möchten Ihnen herzlich für Ihre unermüdliche Arbeit und die Opfer, die Sie dabei bringen, danken.

Es gab aber leider auch viele Ereignisse, die uns beunruhigen. Wir leben in einer Zeit, in der es vielen Menschen immer schwerer fällt, Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken und Konflikte einvernehmlich zu lösen. Dies findet sowohl im großen wie auch im kleinen Maßstab statt. Es verursacht Risse und Spaltungen in der Gesellschaft, in Staaten, Gemeinwesen, Arbeitsumgebungen sowie Familien und extrem viel Leid. Es scheint heute viel leichter zu sein, Zusammenhalt zwischen Menschen zu zerstören als ihn zu schaffen.

In der Gesellschaft beschleunigt sich diese Entwicklung und sie scheint, getrieben durch Gier, Egoismus und den Verlust von Nächstenliebe, unaufhaltsam vorzudringen. Wir wissen aus den Schriften, dass dies ein Zeichen der Zeit, in der wir leben, ist und dass sich der Trend nur durch eine Rückbesinnung auf die Prinzipien der Rechtschaffenheit umkehren lässt. (Siehe Neues Testament, 2. Timotheus 3:1-5; Buch Mormon, 3. Nephi 7:2-8)

Es erfüllt uns mit Sorge, dass wir solche Entwicklungen leider auch vereinzelt in unserer Mitte sehen. Wenn auch das Ausmaß, die Intensität und die Geschwindigkeit der Ausbreitung wesentlich geringer sind, als in der Gesellschaft um uns herum, sollten wir nicht zulassen, dass dies unter uns lediglich langsamer geschieht.

Als Mitglieder der Kirche Jesu Christi haben wir einen völlig anderen Auftrag, an den wir uns gemeinsam – besonders in dieser Weihnachtszeit – erinnern wollen. Viele von Ihnen haben sich die Aufforderung der Ersten Präsidentschaft, der Welt durch selbstlosen Dienst ein Licht zu sein, zu Herzen genommen. Wir möchten Sie einladen, damit auch im neuen Jahr fortzufahren oder damit zu beginnen. Wir können einen Unterschied bewirken. Durch Ihr Beispiel werden Sie in den Gemeinden für mehr Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis sorgen. Helfen Sie mit, Gemeinden zu schaffen, denen der Vater im Himmel voll und ganz vertrauen kann.

Wir möchten Sie ebenfalls einladen, regelmäßig am Abendmahl teilzunehmen und mehr über die Bedeutung des Sühnopfers von Jesus Christus in Ihrem Leben zu lernen. Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien alles erdenklich Gute und den Segen unseres Himmlischen Vaters.

In aufrichtiger Verbundenheit,

Thomas Hengst
Pfahlpräsident

Björn Bauerfeind
1. Ratgeber

Mark Schütze
2. Ratgeber

 

3. Advent in Seiffen 

Auch dieses Jahr sind Esther und ich unserer Tradition treu geblieben und sind vergangenen Samstag nach Seiffen gefahren.

Der Andrang war wegen der Bergparade sehr groß aber das störte uns nicht so sehr. Wir haben einfach die Zeit im erzgebirgischen Weihnachtsland genossen. Meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus der Gegend zwischen Zschopau und Olbernhau. Ich fahre nie den kürzesten Weg sondern biege immer an der Heinzebank links ab, am alten Kalkwerk vorbei, hinunter nach Pockau und dann durch das Flusstal der Flöha Richtung Olbernhau und von dort nach Seiffen.

Mein Vater und viele Vorfahren waren Bergleute. Dadurch weckt die Bergparade immer besondere Assoziationen. Es ist schön, dass diese Traditionen immer noch gepflegt werden. Hoffentlich noch recht lange. 

Jedes Jahr entdecken wir etwas Besonderes. Diesmal war es dieser phantastische Schwibbogen – ein richtiges Kunstwerk. Ich habe lange davor gestanden. Es war sehr schön, inmitten des Trubels inne zu halten und auf diese Weise inspiriert, an Christi Geburt zu denken und zu staunen.

Der Welt ein Licht

Die Adventszeit hat wieder begonnen. Es ist eine Zeit, in der wir uns jedes Jahr wieder in einem Zwiespalt befinden – zwischen Konsumstress, beruflichen Belastungen, die häufig am Jahresende besonders groß sind sowie oft nicht nur gefühlt größerer Hektik als im Rest des Jahres auf der einen Seite und auf der anderen Seite mit dem Bedürfnis nach Ruhe, Frieden, Zeit für Familie und Freunde.

Während der Adventszeit richten wir unsere Sinne aber auch besonders auf Jesus Christus, an dessen Geburt wir uns zu Weihnachten erinnern und dessen Vorbild in unserem Leben entscheidende Unterschiede bewirken kann.

Jesus hat während seines irdischen Wirkens das Leben vieler Menschen berührt. Er sagte über sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8:12).
Uns hat er aufgefordert: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5:14)

Dieses Video bringt uns diese Aussagen sehr gut näher.
(https://www.mormon.org/deu/weihnachten)

In Englisch: www.mormon.org

Der Vorschlag, jeden Tag während der Adventszeit (und hoffentlich auch darüber hinaus) das Leben eines Menschen mit Liebe und Güte zu bereichern, gefällt mir sehr gut. Ich werde es versuchen und lade alle Leser ein, trotz aller Geschäftigkeit dem Beispiel von Jesus Christus zu folgen.

Hier sind die Vorschläge für die ersten 5 Tage.

derwelteinlicht1
derwelteinlicht2

derwelteinlicht3

Hier sind alle Vorschläge:

25 Vorschläge – Der Welt ein Licht

 

Letztes Wochenende und ein Urlaubserlebnis

Letztes Wochenende fand unsere Herbst-Pfahlkonferenz in Leipzig und Böhlen statt. Ich möchte mich, auch im Namen meiner Mitarbeiter, bei allen Mitgliedern unseres Pfahles bedanken, die in irgendeiner Weise zum Gelingen der Konferenz beigetragen haben. Wir hatten eine sehr gute Zeit.

Neben den üblichen Konferenzgottesdiensten fanden weitere Veranstaltungen wie Jugendaktivitäten und eine Jugendkonferenz statt. Dabei waren unsere Jugendlichen kreativ 🙂

20161029_112448.jpg

und betätigten sich sportlich (übrigens ein großer Spaß – Live Tischfußball).

20161029_112257

In allen Versammlungen hatten wir mehr Besucher als jemals zuvor.

Am Samstagabend habe ich über Glauben gesprochen, die wichtigste Grundlage von allem, was wir tun und worauf wir hoffen. Aber nicht nur das, Glaube an Christus und Sein Evangelium ist auch ein Antrieb für die Entwicklung von Charaktereigenschaften, die sich an dem Wirken von Jesus Christus orientieren.
Im Buch Mormon gibt es eine Reihe von sehr guten Erläuterungen wie man z.B. Glauben entwickeln (siehe Alma, Kapitel 32) und was durch Glauben bewirkt werden kann (siehe Ether, Kapitel 12).
Ich werde die Ansprache posten, sobald das Transkript fertig ist.

Im Oktober war ich mit Esther wieder im Zion National Park in Utah. Der Canyon inspiriert mich immer zu bildhaften Vergleichen. Diesmal kletterten wir nicht nach oben, sondern haben die Narrows erkundet. Dabei musste ich an meinen Glauben denken, wie ich ihn gewonnen habe und wie er sich weiterentwickelt.

20161007_130654

Die Narrows beginnen dort wo sich der Zion Canyon verengt und es keinen Fußweg mehr gibt. Man bewegt sich fortan entweder im Virgin River oder auf Sand- und Schotterbänken flussaufwärts. Es ist absolut faszinierend.

20161008_120929

Es ist eine Entdeckungsreise, die ich mit der Entdeckungsreise in die Tiefen des Evangeliums Jesu Christi vergleichen möchte. Je mehr man sich die Mühe macht, weiter vorzudringen, umso mehr gibt es zu entdecken, zu verstehen und zu staunen. Logischerweise ist es nur ein Vergleich, der nicht alle Facetten aus beiden Erfahrungen berühren kann.

20161008_121134

Manchmal geht es leichter voran …

20161008_123927

20161008_124351

… manchmal ist es mühsam (Wasser hatte 13 Grad) und man kommt nur langsam voran.

20161008_124959

20161008_132535

Wir hatten uns ein Zeitlimit gesetzt, denn wir mussten natürlich den Rückweg einplanen und waren nicht auf eine längere Exkursion vorbereitet. Allerdings haben wir unser Zeitlimit mehrmals verlängert, denn an jeder Flussbiegung gab es neue, atemberaubende Eindrücke.

20161008_132913

Je mehr wir sahen und lernten, umso mehr hatten wir Freude an der Wanderung.

20161008_133000.jpg

Wir hatten in den Jahren davor oft darüber gesprochen, dass wir den Trip in die Narrows einmal machen wollten. Als der Wunsch und die Neugier groß genug waren, haben wir es getan. Wir hatten uns vorher gut informiert, aber unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

20161008_133847

Wir sind bis an diesen Punkt gegangen, dann mussten wir leider aufgrund der fortgeschrittenen Zeit umkehren – aber mit dem festen Vorsatz zurückzukommen und weiterzugehen.

20161008_134100

Hat es sich gelohnt? Natürlich. Wissen wir jetzt alles? Natürlich nicht. Es gibt noch viel mehr zu entdecken und zu lernen.
So ist es mit dem Glauben an Jesus Christus und den Plan der Erlösung. Es ist jedem selbst überlassen, wie tief er vordringen möchte. Es braucht aber ein bestimmtes Maß an Mühe, Opfer und Ausdauer, damit man genügend versteht, um Konsequenzen aus dem Gelernten zu ziehen und beständig in Christus vorwärtszustreben. Siehe Buch Mormon, 2. Nephi 31:20:
„Darum müsst ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.“

So mancher lässt sich auch von Schwierigkeiten zum Aufgeben bewegen. Manchmal hält das Fundament nicht, gibt es Irritationen, Zweifel oder andere Gründe. Oft werden dabei wertvolle Dinge weggeworfen, vergessen oder durch etwas anderes überlagert. Das kann sehr bedauerlich sein, aber es sind immer sehr persönliche Entscheidungen und deshalb zu akzeptieren.

Ich möchte jeden Leser einladen, sich auf diese Entdeckungsreise des Glaubens zu begeben. Ich bin in meinem Leben auf dieser Reise mit unzähligen prägenden, schönen und manchmal auch schwierigen Erfahrungen belohnt worden. Und noch immer gibt es unzählige Dinge zu entdecken.