Schriftstellen zum Nachdenken – Teil 01

Letzte Woche haben mich einige Schriftstellen sehr beschäftigt. Über die erste habe ich am Sonntag mit den jungen Männern in unserer Gemeinde ausführlich gesprochen.

Buch Mormon, 2. Nephi 9:3-8, 10, 13

3 Siehe, meine geliebten Brüder, ich sage euch dies, damit ihr euch freut und immerdar euer Haupt erhebt wegen der Segnungen, die Gott, der Herr, euren Kindern zuteilwerden lassen wird.

4 Denn ich weiß, dass ihr viel geforscht habt, viele von euch, um von Zukünftigem zu wissen; darum weiß ich, dass ihr wisst, dass unser Fleisch dahinschwinden und sterben muss; aber doch werden wir in unserem Leib Gott schauen.

5 Ja, ich weiß, dass ihr wisst, dass er sich im Leib denen zeigen wird, die zu Jerusalem sind, von woher wir gekommen sind; denn es ist ratsam, dass es unter ihnen geschieht; denn für den großen Schöpfer ist es erforderlich, dass er es erduldet, dem Menschen im Fleische untertan zu werden und für alle Menschen zu sterben, auf dass alle Menschen ihm untertan seien.

6 Denn da der Tod über alle Menschen gekommen ist, muss es, um den barmherzigen Plan des großen Schöpfers zu erfüllen, notwendigerweise eine Macht der Auferstehung geben, und die Auferstehung muss dem Menschen notwendigerweise zuteilwerden wegen des Falles; und der Fall kam wegen Übertretung; und weil der Mensch in den gefallenen Zustand geraten war, wurde er von der Gegenwart des Herrn abgeschnitten.

7 Darum muss es notwendigerweise ein unbegrenztes Sühnopfer sein; denn wenn es kein unbegrenztes Sühnopfer wäre, könnte diese Verweslichkeit nicht Unverweslichkeit anziehen. Deshalb hätte das erste Strafgericht, das über den Menschen gekommen ist, notwendigerweise von endloser Dauer sein müssen. Dann aber hätte dieses Fleisch zu seiner Mutter Erde hinsinken müssen, um zu verfaulen und zu zerfallen, um sich nie wieder zu erheben.

8 O die Weisheit Gottes, seine Barmherzigkeit und Gnade! Denn siehe, wenn das Fleisch sich nie wieder erheben würde, müsste unser Geist dem Engel untertan werden, der von der Gegenwart des ewigen Gottes gefallen und zum Teufel geworden ist, um sich nie wieder zu erheben.

10 O wie groß die Güte unseres Gottes, der einen Weg bereitet, damit wir dem Zugriff dieses furchtbaren Ungeheuers entrinnen können, ja, jenes Ungeheuers, Tod und Hölle, womit ich den Tod des Leibes meine und auch den Tod des Geistes.

13 O wie groß der Plan unseres Gottes! Denn andererseits muss das Paradies Gottes die Geister der Rechtschaffenen freigeben und das Grab den Leib der Rechtschaffenen freigeben; und der Geist und der Leib werden einander wiederhergestellt, und alle Menschen werden unverweslich und unsterblich, und sie sind lebendige Seelen und haben vollkommene Erkenntnis gleichwie wir im Fleisch, außer dass unsere Erkenntnis vollkommen sein wird.

Jakob erklärt die Bedeutung und Konsequenzen des Sühnopfers und der Auferstehung Jesu Christi mit großer Klarheit und hervorragend strukturiert. Ausgehend von den messianischen Profezeiungen Jesajas, die er in Kapitel 7 und 8 zitiert, zeigt er uns in Kapitel 9 die gewaltige Dimension des Planes Gottes und die Sinnhaftigkeit, dass wir über die natürlichen Grenzen des irdischen Lebens in beide Richtungen hinausblicken. Wer das ernsthaft tut, wird nicht mehr beliebig und verantwortungslos handeln, weil dadurch die Perspektiven für unsere Entwicklung auf  überwältigende Weise größer, besser werden und im wahrsten Sinn des Wortes unbegrenzt sind. Jeder Mensch, der Entscheidungen von Tragweite (ausdrücklich auch politische) zu treffen hat, sollte sich um diese Lehren kümmern, um zu erkennen, wann uninspirierte Entscheidungen korrigiert werden müssen, die langfristig die eigene Resilienz bzw. die der Gesellschaft und deren moralischen Zusammenhalt schwächen werden.

Als Bestätigung dafür findet sich einige Kapitel vorher dieser Vers:

Buch Mormon, 2. Nephi 2:8

8 Wie wichtig ist es daher, dass dies den Bewohnern der Erde verkündet wird, damit sie erkennen mögen, dass kein Fleisch in der Gegenwart Gottes wohnen kann außer durch die Verdienste und die Barmherzigkeit und Gnade des heiligen Messias, der sein Leben niederlegt gemäß dem Fleische und es wieder nimmt durch die Macht des Geistes, auf dass er die Auferstehung der Toten zustande bringe; denn er wird der Erste sein, der aufersteht.

Das heißt, durch das Sühnopfer und die Auferstehung ändert sich alles. Es hängt alles vom Blickwinkel auf das Leben ab. Viel Stoff zum Nachdenken, wenn es um Prioritäten und Entscheidungen geht.

Buch Mormon, Ether 12:27-28

27 und wenn Menschen zu mir kommen, so zeige ich ihnen ihre Schwäche. Ich gebe den Menschen Schwäche, damit sie demütig seien; und meine Gnade ist ausreichend für alle Menschen, die sich vor mir demütigen; denn wenn sie sich vor mir demütigen und Glauben an mich haben, dann werde ich Schwaches für sie stark werden lassen.

28 Siehe, ich werde den Anderen ihre Schwäche zeigen, und ich werde ihnen zeigen, dass Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe zu mir führen – der Quelle aller Rechtschaffenheit.

Diese Schriftstelle kam mir am Sonntag auf dem Weg zur Kirche in den Sinn. Demut als Schlüssel zur Selbsterkenntnis mit Gottes Hilfe. Aber nicht nur das – Demut ist auch die Voraussetzung, nicht an erkannten Schwächen zu verzweifeln, sondern die Kraft und Entschlossenheit zu erhalten, Fehler zu korrigieren und in einer verwirrenden Welt nach vorne zu schauen.

Geistige Arbeit leisten

Als ich vor 10 Tagen zur Aufnahme meiner Radiobotschaft in den Sender kam, empfing mich die Redakteurin mit den Worten: „Herr Hengst, Sie gehören doch zu den Vernünftigen. Verstehen Sie noch, was um uns herum geschieht?

Eine sehr berechtigte Frage, die irgendwie zu meinem Text passte und viele Menschen bewegt. Wir hatten dazu eine interessante Unterhaltung. Ich musste daran denken, wie stark das Interesse vieler Menschen in allen Bereichen des Lebens (bis hin zu Personen, die versuchen, einen Staat zu regieren), für wichtige Erkenntnis- und Entscheidungsprozesse neben eigener Klugheit auf inspirierte Quellen zurückzugreifen oder auf eine Weise zu leben, die Inspiration überhaupt erst möglich macht, nachgelassen hat.

Es gibt einen nicht vernachlässigbaren Zusammenhang zwischen dem Gedeihen von Gesellschaften und ihrer Hinwendung zu göttlichen Prinzipien. Hinwendung zu Gott sollte nicht mit religiösen Lippenbekenntnissen oder selbst geschaffenen Gottesbildern verwechselt werden. Darum geht es nicht. Es geht um Wahrheiten, Verhalten, Verstehen von Ursachen und Wirkungen und die Hilfe, die jeder Mensch dabei von Gott erhalten kann.

Jesus Christus hat dazu unter anderem das gelehrt: „Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan werden!“ (Matthäus 7:7)

Jakobus ergänzt dazu: „Wenn es aber jemandem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er Gott, der jedermann gern und ohne Vorwurf gibt; so wird sie ihm gegeben werden.“ (Jakobus 1:5)

Nun zum Beitrag:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/wort-zum-tage-kirche-jesu-christi-der-heiligen-der-letzten-tage-dlf-kultur-ed1b202e-100.html

Hier ist das Manuskript:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

vor einigen Tagen besuchte ich mit meiner Frau ein großartiges Symphoniekonzert. Neben der wunderbaren Musik, war es für mich als Hobbymusiker sehr spannend, das Zusammenwirken des Dirigenten mit dem Orchester zu beobachten. Es war sehr intensiv, von gegenseitigem Respekt, Harmonie und Herzlichkeit geprägt. Der Dirigent verstand es, die hervorragende individuelle Qualität der Orchestermitglieder so zu lenken, dass der gesamte Konzertsaal von großer Freude erfüllt wurde. Ein Gefühl, das überwältigend war. Über dem Orchesterraum waren die Worte „Res Severa Verum Gaudium“ zu lesen – „Wahre Freude ist eine ernste Sache“. Das Klangerlebnis und dieser Satz haben mich etwas nachdenklich gemacht.

Wie schön wäre es, wenn wir in unserer Gesellschaft die gesunde Balance zwischen Zusammenhalt und Individualität wieder finden und Entscheidungen treffen würden, die geeignet sind, unsere Gesellschaft nachhaltig zu stärken.

In vielen Jahren Seelsorge habe ich etliche Menschen getroffen, die glaubten, ihren Weg, ihre Wahrheiten für ihr Leben gefunden zu haben – nur um nach einigen Jahren unglücklich auf einem Scherbenhaufen ihrer Entscheidungen zu stehen. Warum ist das passiert? Unter vielen möglichen Gründen stachen einige immer heraus: eine überhöhte Ichbezogenheit, Beliebigkeit, möglichst schnelle Befriedigung eigener Bedürfnisse und ein eingeschränkter Blick in die Zukunft. Das Tragische daran ist, dass häufig andere Menschen zuerst darunter leiden – Kinder, Ehepartner, Familie, Bekannte. Die Folgen werden dabei oft außer Acht gelassen.

Im Johannesevangelium erklärt Jesus Christus es seinen Freunden so: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14:6)

Unabhängig von einem Glaubensbekenntnis laden uns diese Worte ein, unsere Definitionen von Wahrheit und Lebenszweck und daraus folgende Entscheidungen an Prinzipien und Werten zu orientieren, die aus inspirierten Quellen stammen und sich bewährt haben. Jesus als Dirigent unseres Lebens kennt das große Ganze. Er weiß aus unermesslicher Erfahrung, welche Kräfte die Menschheit zusammenhalten und was getan werden muss, um ihre grundlegenden Probleme zu lösen. Er liebt uns und hat uns mit seinem Sühnopfer Perspektiven eröffnet, deren Dimensionen möglicherweise unser Verständnis übersteigen. Es steht jedem frei, von ihm zu lernen.

Wir können sehr viel vom Wirken eines Orchesters auf unser Leben übertragen, in dem wir geistige Arbeit leisten, die unser Verständnis erweitert und uns zusätzlich Inspiration beschert, die wir in vielen Bereichen so schmerzlich vermissen. Beides braucht es für wahre Freude.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.“

In drei Minuten Sendezeit kann man nur einige Akzente setzen und andeuten, worum es geht. Beliebigkeit und die Abwesenheit von Inspiration führen mit Regelmäßigkeit zu Entscheidungen, die unerwünschte Folgen produzieren – oft nicht unbedingt sofort, aber mit Sicherheit im Laufe der Zeit. Alles hat einen Preis, der irgendwann bezahlt werden muss.

Elder Dieter F. Uchtdorf vom Rat der Zwölf hat zur letzten Herbst-Generalkonferenz diese Zusammenhänge anhand des Gleichnisses vom verlorenen Sohn eindrucksvoll erklärt. Jeder sollte diese Ansprache gründlich studieren. Sie enthält zahllose Parallelen zu unserer Zeit und die richtigen Schlussfolgerungen, um verhängnisvolle Entwicklungen zu korrigieren und Wunden zu heilen. Die wichtigste davon ist, zu Christus zu kommen und Sein Sühnopfer anzunehmen.

Hier sind die Links zum Text und dem Video:

https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2023/10/45uchtdorf?lang=deu

Im Buch Mormon gab es im Buch Helaman eine Situation (eine von vielen), in der die Gesellschaft von Uneinigkeit und Orientierungslosigkeit zerrissen sowie obendrein auch noch von äußeren Feinden und organisiertem Verbrechen bedroht wurde. Offenbarung und Inspiration von Gott waren elementar wichtig, um mit diesen Herausforderungen umzugehen. Die Geschichte lehrt uns ganz klar die Korrelation zwischen Befolgung von Gottes Geboten und geistigem Wohlergehen.

Und im neunundsiebzigsten Jahr fing viel Streit an. Aber es begab sich: Nephi und Lehi und viele ihrer Brüder, die die wahren Punkte der Lehre kannten, weil sie täglich viele Offenbarungen hatten, predigten darum dem Volk, sodass sie dessen Streit in demselben Jahr ein Ende setzten.“ (Buch Mormon, Helaman 11:23)

Wenn wir weiterlesen, sehen wir, dass es schwer war, die Gesellschaft zu stabilisieren. Viele wollten die dafür notwendigen Konsequenzen nicht ziehen und unterstützten lieber die destruktiven Kräfte und erzeugten Elend. Das Aufzeigen dieser Zusammenhänge macht das Buch Mormon so wertvoll für unsere Zeit.

Aus den Heiligen Schriften lernen wir klar, dass wir aufhören müssen, Probleme – egal ob in Bezug auf Umwelt, Politik, zwischenmenschliche Beziehungen oder destruktives Verhalten jeglicher Art – mit Methoden lösen zu wollen, die diese weiter verschärfen werden. Ohne beständigen Zugang zu Offenbarungen von Gott und Inspirationen durch den Heiligen Geist als Ergänzung zu eigenen Anstrengungen wird es schwer, positive, nachhaltige und holistische Veränderungen zu bewirken und unsere ewigen Perspektiven ausreichend zu verstehen.

Präsident Russell M. Nelson hat über den Zugang zu Offenbarung folgendes gesagt:

„Entscheiden Sie sich, die geistige Arbeit zu leisten, die nötig ist, damit Sie sich der Gabe des Heiligen Geistes erfreuen können und die Stimme des Geistes häufiger und klarer vernehmen. …

Ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht. Sie hält viele Gelegenheiten für jeden von uns bereit, Fortschritt zu machen, seinen Anteil beizutragen und das Evangelium an die Enden der Erde zu tragen. Aber ich bin auch nicht naiv, was die vor uns liegende Zeit betrifft. Wir leben in einer komplexen, zunehmend streitbaren Welt. Durch ständig verfügbare soziale Medien und Nachrichten rund um die Uhr werden wir unablässig mit Botschaften bombardiert. Wenn wir die geringste Hoffnung haben wollen, diese Unzahl von Stimmen und menschlichen Philosophien, die die Wahrheit bekämpfen, zu prüfen, müssen wir lernen, Offenbarung zu empfangen.“ (Generalkonferenz April 2018, Russell M. Nelson, Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben)

Mit Absicht

In Vorbereitung der nächsten Radiobotschaft im Deutschlandfunk Kultur am 11. Februar hat mich die Schriftstelle in Johannes 14:6 stark beschäftigt:

Jesus antwortete ihm: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.

Wir erleben, dass das allgemeine Verständnis dieser einfachen Aussage geringer wird. Der aufmerksame Beobachter bemerkt jedoch, dass dies mit einer Zunahme an Klagen über den Zustand der Welt und die Komplexität der Gesellschaft einhergeht. Wir machen uns Sorgen über sehr viele Dinge und vermissen Inspirationen bei Entscheidungsträgern, von denen wir Lösungen zu den drängendsten Probleme erwarten. Gleichzeitig soll alles möglichst beliebig, populär und bequem sein und keine großen persönlichen Veränderungen erfordern. Das wird so nicht funktionieren.

Im Podcast FollowHim.co, eine tolle Ergänzung zum Schriftstudium, ging es in Episode 3 zum Buch Mormon um 1. Nephi, Kapitel 6-10 mit BYU Professorin Dr. Gaye Strathearn. Sie machte u.a. folgende Aussage, die für viele von uns vertraut ist:

„… I still struggle with wanting the approval of the world at times because it can be immediate. Sometimes when you’re thinking about eternity, sometimes the approval of God is a little less immediate. It’s sometimes in a still small voice when I live in a very loud world. In other words, I’ve got to be very intentional to put myself in places where I am welcoming the spirit into my life and I’ve got to be intentional about listening. I’ve got to be intentional about remembering. I’ve got to be intentional about seeking for it. These experiences don’t usually come when I’m passive. These experience come when I’m seeking to be with God and to do His will, not mine. Sometimes the things of the world are in your face, and it’s hard to turn away or walk away and to disassociate from it, but I can’t disassociate into nothingness. The only way I can disassociate is an intentionality to come unto God and to do things His way, not mine. That’s hard sometimes.

Sinngemäß in Deutsch: „… Ich habe immer noch damit zu kämpfen, dass ich manchmal die Anerkennung der Welt haben möchte, weil sie so unmittelbar sein kann. Wenn man über die Ewigkeit nachdenkt, ist die Anerkennung Gottes manchmal etwas weniger unmittelbar. Manchmal ist es eine stille kleine Stimme, während ich in einer sehr lauten Welt lebe. Mit anderen Worten, ich muss mich ganz bewusst an Orte begeben, an denen ich den Heiligen Geist in meinem Leben willkommen heiße, und ich muss bewusst darauf hören. Ich muss mich absichtlich daran erinnern. Ich muss absichtlich danach suchen. Diese Erfahrungen kommen normalerweise nicht, wenn ich passiv bin. Diese Erfahrungen kommen, wenn ich danach strebe, mit Gott zusammen zu sein und seinen Willen zu tun, nicht meinen. Manchmal sind die Dinge der Welt direkt vor unserer Nase, und es ist schwer, sich davon abzuwenden oder wegzugehen und sich davon zu distanzieren, aber ich kann mich nicht ins Nichts distanzieren. Der einzige Weg, wie ich mich davon distanzieren kann, ist die Absicht, zu Gott zu kommen und die Dinge auf seine Weise zu tun, nicht auf meine. Das ist manchmal schwer.

Kompletter Podcast Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=_62ALc3ctFk, Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=SSmffPVkx-Q

Im Buch Mormon lernen wir von Nephi auf eindrucksvolle Weise, wie man Probleme lösen und Inspiration empfangen wird, wenn man sich Gott nähert, so lebt, dass diese Nähe entstehen kann und die Dinge auf seine Weise tut.

Hier nur ein Beispiel aus 1. Nephi, Kapitel 18, als er vor dem extrem komplexen Problem stand, ein Schiff zu bauen und sich dabei gegen die Opposition seiner Brüder behaupten zu müssen:

Und der Herr zeigte mir von Zeit zu Zeit, wie ich die Holzstämme für das Schiff bearbeiten sollte.
Nun bearbeitete ich, Nephi, die Holzstämme nicht auf die Weise, wie die Menschen es lernen, noch baute ich das Schiff auf die Weise der Menschen; sondern ich baute es auf die Weise, die der Herr mir gezeigt hatte; darum war es nicht nach der Weise der Menschen.
Und ich, Nephi, stieg oft auf den Berg, und ich betete oft zum Herrn; darum zeigte der Herr mir Großes.
Und es begab sich: Nachdem ich das Schiff gemäß dem Wort des Herrn vollendet hatte, sahen meine Brüder, dass es gut war und dass dessen Machart überaus sorgfältig war; darum demütigten sie sich abermals vor dem Herrn.

Ich denke, das sollte uns eine Menge Stoff zum Nachdenken über Wege, Wahrheiten, das Leben und wo die Reise hingehen soll, geben.

Zwischen den Feiertagen

Am Sonntag wurde ich gefragt, ob ich meine Gedanken, über die ich in unserem Weihnachtsgottesdienst gesprochen habe, aufschreiben könnte. Ich versuche es mal in abgekürzter Form.

In unserem Pfahl wohnt eine Schwester, die mir seit mehr als 10 Jahren zu jeder Pfahlkonferenz ein Heft gibt, in das sie wertvolle Zitate, aufbauende Gedanken und motivierende Worte schreibt. Das tut sie nicht nur für mich, sondern auch für andere. Es ist außergewöhnlich und Ausdruck einer Herzensgüte, wie wir sie in diesen Zeiten dringend brauchen.

Wie gut wäre es, wenn, symbolisch gesehen, viel mehr solcher Schulhefte verteilt würden, anstatt Textnachrichten oder Emails mit destruktiven Inhalten, die nicht dazu geeignet sind, für Frieden im Großen oder Kleinen zu sorgen. Wir leiden unter einer völligen Übersättigung an negativen Inhalten, sei es in den Medien oder auch in der persönlichen Kommunikation. Wie schnell geht es, dass Unterhaltungen ins Negative abgleiten. Dabei geht es nicht darum, Probleme unter den Tisch zu kehren. Es geht aber um die Art und Weise, wie damit umgegangen wird. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es im familiären Umfeld fünf positiver oder aufbauender Informationen bedarf, um die Wirkung einer negativen oder herabmindernden Information auszugleichen.

Ein weiteres Beispiel, das ich kürzlich selbst erlebt habe: Einer meiner Ratgeber in der Bischofschaft sprach mich am Sonntagmorgen vorm Gottesdienst an. Er wollte über ein Problem sprechen, was wir auch taten, aber sein Hauptfokus war sein Eindruck, dass ich in den letzten Wochen stark überlastet war und eine Pause brauche. Obwohl seine Empathie nichts an der Last änderte, hatte sie jedoch eine sehr positive Wirkung darauf, wie ich sie empfinde.

Das ist ein wichtiger Punkt, an dem unsere Gesellschaft krankt – ein dramatisches Defizit an aufbauenden Inhalten, Konversationen, Nachrichten und Verhaltensweisen – mit signifikanten Folgen für die seelische, geistige und körperliche Gesundheit vieler Menschen.

Eine weitere Folge dieses Defizits ist der Verlust von Einigkeit und Zusammenhalt. Diese sind ein fragiles Gut. Es kostet viel geistige Kraft, sie zu fördern und zu bewahren – viel mehr, als sie zu stören.

Jesus Christus gab seinen Jüngern eine kurze, aber prägnante Belehrung, als sie sich mit einer der Hauptursachen für Zwistigkeiten beschäftigten – dem Vergleich:

„In jener Stunde kamen die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist denn im Himmelreich der Größte? Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: Amen, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen. Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.“ (Neues Testament, Matthäus 18:1-5)

Ich denke, uns ist sehr bewusst, was Jesus hier gemeint hat. Im Buch Mormon wird der Gedanke in König Benjamins großartiger Rede weiter mit großer Klarheit ausgeführt.

„… und [der Mensch] durch das Sühnopfer Christi, des Herrn, ein Heiliger wird und so wird wie ein Kind, fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voller Liebe und willig, sich allem zu fügen, was der Herr für richtig hält, ihm aufzuerlegen, so wie ein Kind sich seinem Vater fügt.“ (Buch Mormon, Mosia 3:19)

Es lohnt sich, auch die Verse davor und danach gründlich zu lesen.

Um ein wirksames Gegengewicht zu den Irrtümern und zerstörerischen Trends des Zeitgeistes aufzubauen, wäre es gut, wenn wir uns in Gemeinden und Familien mit den Empfehlungen von Jesus Christus ernsthafter auseinandersetzen. Im Mittelpunkt von Weihnachten steht ein Kind. Elder Jeffrey R. Holland vom Rat der Zwölf hat es einmal so ausgedrückt:

„Remember that baby born in Bethlehem so long ago. Be grateful – for Him, give gifts – because of Him, sing carols – to Him, laugh – with Him, If needed, cry – with Him. Be a child again.“ (Unto us a child is born, Jeffrey R. Holland)

„Doch Jesus sagte: Lasst die Kinder und hindert sie nicht, zu mir zu kommen! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.“ (Neues Testament, Matthäus 19:14)

Wir brauchen positive Ermutigung, Vergebung und inneren Frieden, um gesund zu bleiben und etwas leisten zu können. Unversöhnlichkeit und Nichtstun fördern Uneinigkeit und Dysfunktionalität – mit weitreichenden Folgen, die immer deutlicher absehbar werden. Manche unserer Mitmenschen benötigen professionelle Unterstützung für die Heilung von seelischen Wunden. Für die meisten von uns gilt, dass Resilienz nicht primär von der Menge an Arbeit, die wir leisten, bestimmt wird, sondern vielmehr vom Umgang miteinander. Darauf haben wir sehr wohl einen großen Einfluss.

Meiner Gemeinde und Familie wünsche ich im neuen Jahr, dass wir uns noch mehr gegenseitig mit aufbauenden Inhalten versorgen und uns helfen zusammenzuwachsen, um inneren Frieden in einer turbulenten Welt verspüren zu können.

Weihnachtskonzert Impressionen

Letzten Sonntag fand im Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi in Chemnitz unser Weihnachtskonzert statt. Es war eine wunderbare Erfahrung, unseren Gästen Freude und den Geist der Weihnacht zu bringen.

Vor einigen Monaten sprach ich mit meinem Freund Ingolf über dieses Projekt. Er hatte ein fertiges Konzept mit tollen Arrangements, das mich begeistert hat. Im Nachhinein war es ein großes Stück Arbeit aber ich bin sehr, sehr dankbar für alle, die mitgemacht und sowohl ihre Zeit als auch Kraft gegeben haben.

Am Heiligen Abend lesen wir traditionell den Bericht von der Geburt Jesu im Evangelium des Lukas, Kapitel 2. Liest man in diesem Kapitel weiter, findet man sehr interessante und immer noch zutreffende Verse von der Begegnung Simeons mit dem neugeborenen Kind:

‭‭Lukas‬ ‭2:25‭-‬35‬ ‭HfA
[25] Damals wohnte in Jerusalem ein Mann namens Simeon. Er lebte nach Gottes Willen, hatte Ehrfurcht vor ihm und wartete voller Sehnsucht auf den Retter Israels. Der Heilige Geist ruhte auf Simeon, [26] und durch ihn wusste er, dass er nicht sterben würde, bevor er den Christus, den vom Herrn gesandten Retter, gesehen hätte. [27] Vom Heiligen Geist geführt, war er an diesem Tag in den Tempel gegangen. Als Maria und Josef ihr Kind hereinbrachten, um es – wie im Gesetz vorgeschrieben – Gott zu weihen, [28] nahm Simeon Jesus in seine Arme und lobte Gott: [29] »Herr, du hast dein Wort gehalten, jetzt kann ich, dein Diener, in Frieden sterben. [30] Ich habe es mit eigenen Augen gesehen: Du hast uns Rettung gebracht, [31] die ganze Welt wird es erfahren. [32] Dein Licht erleuchtet alle Völker, und deinem Volk Israel bringt es Größe und Herrlichkeit.« [33] Maria und Josef wunderten sich über seine Worte. [34] Simeon segnete sie und sagte dann zu Maria: »Gott hat dieses Kind dazu bestimmt, die Israeliten vor die Entscheidung zu stellen: ob sie zu Fall kommen oder gerettet werden. Durch ihn setzt Gott ein Zeichen, gegen das sich viele auflehnen werden. [35] So zeigt er, was in ihrem Innern vor sich geht. Der Schmerz darüber wird dir wie ein Schwert durchs Herz dringen.«

Pastorale aus dem Weihnachtskonzert von Arcangelo Corelli

An einem Tiefpunkt seines Lebens schuf Georg Friedrich Händel das großartige Oratorium „Messias“. Er bezeichnete dieses Werk als seine Auferstehung. Seine überwältigenden Emotionen und seine Freude kommen im berühmten Halleluja Chor besonders zum Ausdruck.

Präsident Nelson hat uns anlässlich der Weihnachtsandacht der Ersten Präsidentschaft aufgefordert, den Geist des Halleluja zu leben und unseren Herrn Jesus Christ zu verehren.

Wie können wir das tun? Indem wir innehalten und uns an Ihm orientieren. Er hat genau die Dinge vorgelebt und gelehrt, die leider zu oft in der Welt verloren gehen. Durch diesen Verlust entsteht unermessliches seelisches, geistiges und materielles Elend.

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht so, wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz erschrecke nicht und verzage nicht!“ Johannes 14:27

Wenn wir nach Frieden streben und unser Denken und Handeln davon bestimmen lassen, tun wir uns selbst den größten Gefallen, vermeiden, dass wir eindimensional urteilen und werden ein Segen für andere Menschen.

Das Evangelium Jesu Christi ist die Lehre von der Nächstenliebe, von Achtung, Respekt und Ehrfurcht. Dadurch hat es die Kraft, Hoffnung zu geben, zu heilen und uns von Härten des Lebens zu erlösen. Ohne diese Eigenschaften verliert alles seine Kraft.

Darin besteht der Geist des Halleluja und deshalb verehren wir Ihn – Jesus Christus.

Stille Nacht, Heilige Nacht

Herzlichen Dank noch einmal an den Chor, die Solisten und Instrumentalisten aus den Gemeinden Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz. Ein besonderer Dank gilt meinem Freund Ingolf für seine Leidenschaft und den unermüdlichen Einsatz für dieses Konzert. Er war mit ganzem Herzen dabei und hat uns an seinen besonderen musikalischen Fähigkeiten teilhaben lassen. Wir kennen uns seit mehr als 48 Jahren, als ich mit knapp 12 Jahren lernte, Orgel zu spielen und er dabei mein erstes Vorbild wurde.

Frohe Weihnachten.

Einladung zum Weihnachtskonzert am 17. Dezember 2023

Als Bischof der Gemeinde Hohenstein-Ernstthal der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage möchte ich Sie herzlich zu unserem Weihnachtskonzert am 17. Dezember um 17 Uhr in das Gemeindehaus Stelzendorfer Straße 25 in Chemnitz einladen. Der Eintritt ist kostenlos, Einlass ab 16:30.

Vor einigen Monaten haben wir in der Gemeinde den Entschluss gefasst, uns erstmals an solch ein musikalisches Projekt zu wagen. Wir werden unterstützt von Mitgliedern der Gemeinde Chemnitz, wofür wir sehr dankbar sind. Beide Gemeinden teilen sich seit einigen Jahren das Gemeindehaus, das genügend Raum für eine große Veranstaltung bietet.

Weihnachtliche Musik schafft eine besondere Atmosphäre des Friedens und der Besinnlichkeit. Während der Proben haben wir sowohl im Chor als auch unter den Instrumentalisten diesen Geist bereits oft gespürt.

Daran möchten wir Sie gern teilhaben lassen.

Herzlich willkommen.

Thomas Hengst

Gedanken zum ersten Advent

Letzte Woche haben wir unserer Verstorbenen gedacht. Da wir an das ewige Leben glauben, sind wir dankbar zu wissen, dass die Zeit zwischen Tod und Auferstehung keine Zeit der Untätigkeit ist, sondern eine Zeit der Ruhe, des Lernens, des Lehrens und sicherlich tiefer Selbsterkenntnis mit vielen augenöffnenden Erfahrungen.

Dieses Wochenende beginnt die Adventszeit, in der sich hoffentlich unsere Gedanken und Gefühle vermehrt Jesus Christus zuwenden, der durch Sein Wirken, die Auferstehung und das ewige Leben des Menschen zustande gebracht hat.

Wenn es uns gelingt, von der Hektik und dem Stress, den die Weihnachtszeit häufig mit sich bringt, wenigstens etwas Abstand zu nehmen, können sich uns wunderbare Gelegenheiten erschließen, über Ihn und uns selbst zu lernen.

In einer Zeit, in der die möglichst schnelle Befriedigung eigener Bedürfnisse in der öffentlichen Wahrnehmung zu- und die Bereitschaft Eigenverantwortung zu übernehmen abnimmt, wird unsere persönliche Beziehung zu Gott immer wichtiger. Ein Gradmesser für die Qualität und Nachhaltigkeit dieser Beziehung ist unsere Fähigkeit zur Selbstreflexion. Die Aufforderung, uns Gott zu nähern und uns dadurch positiv zu verändern, zieht sich wie ein roter Faden durch die Lehren von Jesus Christus.

Vor kurzem las ich eine interessante Abwandlung des bekannten Serenity Prayers (Gelassenheitsgebet) des Theologen Reinhold Niebuhr („Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“)

Die abgewandelte Version lautet:

„Gott, gib mir die Gelassenheit zu akzeptieren, dass ich andere Menschen nicht ändern kann, den Mut, die Person zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, zu wissen, dass ich es bin.“

Leider gibt es auf der Welt unermessliches Leid, das Menschen unverschuldet trifft. Vielen wird in diesem Leben nicht die verdiente Gerechtigkeit zuteil. Aber als Christen haben wir den festen Glauben und die begründete Hoffnung, dass der Tag der Gerechtigkeit und Heilung für alle kommen wird. Um so wichtiger ist es, dass wir herausfinden, welche Rolle wir in diesem Prozess spielen können und sollten.

Zurück zum Zitat: Im Leben von uns allen gibt es Dinge, die uns nicht glücklich machen, die wir aber selbst ändern könnten, wenn wir denn den Mut haben, uns auf den Weg der Veränderung zu begeben.

Manche Menschen quält ein problematischer Umgang mit negativen Emotionen, wodurch gerechte Ziele nicht erreicht und wohlmeinende Menschen oft vor den Kopf gestoßen werden. Andere konsumieren mehr destruktive Informationen, Medien oder Substanzen, als sie verarbeiten können oder lassen Einflüsse zu, die ihnen schaden, wodurch sie seelisch oder auch körperlich stark belastet werden. Einige überfordern sich durch Selbstüberschätzung, andere unterfordern sich durch Trägheit und Ausreden. Manche sind ein Opfer von unnötigem Perfektionismus, der zu Unzufriedenheit führt, oder vergleichen sich extensiv mit anderen. Sehr viele (und dazu zähle ich unter anderem auch mich) legen zu wenige Pausen ein, um zu regenerieren und Kraft zu schöpfen. Viele der genannten Probleme können zu sozialer Isolierung und Einsamkeit führen und damit die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden, beeinträchtigen.

Man könnte die Aufzählung noch lange fortsetzen. Was immer es auch sei, das einem größeren Glücksgefühl im Weg steht – in den meisten Fällen können wir etwas tun, wenn wir uns bemühen, uns mit Gottes Hilfe selbst besser zu erkennen und dann aktiv zu werden. Jesus Christus hat uns viele Prinzipien an die Hand gegeben und ausführlich erläutert, die bei beständiger Anwendung zu Linderung und Heilung, nicht nur bei uns selbst, sondern auch Menschen, die uns auf irgendeine Art begegnen, führen. Vielleicht ist bei schwerwiegenden Problemen geeignete professionelle Hilfe nötig, die dann auch gesucht und in Anspruch genommen werden sollte.

Es ist nicht unbedingt die Menge an Arbeit, die wir leisten, die unser Glück beeinträchtigt. Ich glaube, zur Zeit sehr populäre Meinungen sind im Irrtum, wenn es um Eigenverantwortung geht. Es sind sehr oft viele andere Faktoren wie zwischenmenschliches Verhalten und andere Rahmenbedingungen, die auf unsere seelische Balance wirken. Einen großen Teil davon können wir selbst beeinflussen. Das ist sicher keine bequeme Lehre. Dafür ist sie nachhaltig. Ist es nicht so, dass die größte Zufriedenheit dann entsteht, wenn man es schafft, seine eigenen inneren Hindernisse zu überwinden und erleben kann, das es im Leben heller wird – durchaus auch unabhängig von den Umständen?

Johannes zitiert in seinem Evangelium Jesus Christus: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.“ (Neues Testament, Johannes 12:46)

Licht spielt in der Adventszeit eine herausragende Rolle. Mögen wir viele Momente haben, in denen wir es spüren.

Vortrag FamilySearch

Vor kurzem habe ich auf Einladung des Ahnenforscher Stammtisches Unna einen Online Vortrag über meine Arbeit für FamilySearch gehalten. Ich mag diese Community sehr. Tolle Leute, die sich für eine gute Sache engagieren. Die Präsentation war recht gut besucht und danach gab es eine längere Fragestunde, die nicht aufgezeichnet wurde.

Im Vortrag berichte ich, wie wir mit Archiven zusammenarbeiten und welche gigantischen Dimensionen FamilySearch hat.

Text

Ich wurde gebeten, den Text meiner letzten Radiobotschaft online zu stellen. Das möchte ich hiermit gern tun.

Wort zum Tag, Deutschlandfunk Kultur, 23.07.2023

Thomas Hengst, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

wir leben in turbulenten Zeiten, die vielen von uns große Sorgen machen. Obwohl wir fast täglich mit neuen Problemen auf allen Ebenen unserer Wahrnehmung konfrontiert werden, scheint es immer komplizierter zu werden, einen Grad von Konsens zu erreichen, der für die Bewältigung all dieser Themen erforderlich wäre. Wir erleben nicht nur, wie sich unsere Umwelt verändert, sondern auch wie wichtige Grundfesten unserer Gesellschaft wanken. Wir werden intensiv mit negativen oder nichtigen Informationen geflutet und müssen nach den positiven mehr oder weniger gezielt suchen.

In solchen Situationen ist es sinnvoll, ab und zu innezuhalten und sich Quellen, aus denen man Kraft schöpfen kann, zu erschließen. Für mich gehören dazu meine Beziehung zu Gott, meine Kommunikation mit ihm, aber auch die bewusste Beschäftigung mit der Lebensleistung von Menschen, die es in schwierigen Zeit vermocht haben, sich an die Spitze zu stellen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Fähigkeiten schöpferisch zu nutzen und damit enorm viel Gutes zu bewirken.

In unserer Kirche ist der Pioneer Day, den wir morgen im Gedächtnis an die Leistungen der Mormonenpioniere bei der Besiedlung des amerikanischen Westens vor über 170 Jahren begehen, ein passender Anlass zur Selbstreflektion, auf welche Weise wir zur Heilung von Wunden in Familien und im Gemeinwesen beitragen. 

Vor über 30 Jahren hatte ich ein Schlüsselerlebnis beim Besuch eines ehemaligen Wismutschachtes im Erzgebirge, in dem mein Vater nach dem Krieg viele Jahre als Bergmann gearbeitet hat. Unsere Gruppe wurde an einen Ort in 500 Metern Tiefe geführt, an dem die katastrophalen Arbeitsbedingungen dieser Zeit simuliert wurden. Es war bedrückend, aber gleichzeitig auch erhellend. Ich wurde von überwältigender Dankbarkeit und Verständnis für meinen Vater, der damals schon verstorben war, erfüllt – für seine Aufopferung für die Familie, sein Durchhaltevermögen, seine Rechtschaffenheit und Güte. Bis heute sind diese Gefühle in mir lebendig und haben mir unzählige Male Optimismus und Motivation gegeben. Mein Vater ist für mich ein Pionier und Vorbild.

Jeder von uns kann sich an ähnlichen Beispielen aufrichten und den Fatalismus unserer Zeit überwinden. Es würde unserer Gesellschaft guttun, wenn es wieder mehr Sorgfalt beim Nachsinnen, mehr Dankbarkeit und daraus folgend mehr Optimismus geben würde. Die Zukunft wird herausfordernd, aber sie schreit förmlich nach Menschen, die bereit sind, Pioniere im wahren Sinn des Wortes zu sein.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

Der Lauf eines Lebens

Am Dienstag dieser Woche hatten Esther und ich die Gelegenheit, beim FSY 2023 einen ganzen Tag mit unseren jungen Leuten zu verbringen.

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Unser Topic war das Big Picture des Planes der Erlösung unseres Himmlischen Vaters und der dringende Bedarf, ihn besser zu verstehen. Dazu gehört im Besonderen das Verständnis vom Wesen Gottes und der Bedeutung des Sühnopfers Jesu Christi. Und das alles im Kontext unseres ewigen Daseins – von der Präexistenz, über die Bedeutung dieses Lebens als Vorbereitung auf das, was danach kommen wird – das ewige Leben.

Es ist seltsam, dass dieses Thema von so überragender Wichtigkeit, in unserer Gesellschaft weitestgehend ignoriert wird, zumindest was die mediale Aufmerksamkeit betrifft.

Es gibt jedoch für jeden den ultimativen Moment, wo es sehr relevant wird, nämlich wenn unser Leben zu Ende geht. Was kommt danach? Nichts?

Gestern hatte ich die Ehre, die Trauerrede für einen wundervollen Mann, ein treues und verdientes Mitglied unserer Gemeinde halten zu dürfen, der letzte Woche hochbetagt verstorben war. Er war ein Mitglied unserer Kirche seit 1945 und hatte ein fundiertes Wissen vom Evangelium, einen starken Glauben an Gott und besaß ein großes Verständnis vom Plan der Erlösung. Ich durfte seine Aufzeichnungen lesen, die er über sein Leben angefertigt hat und war enorm beeindruckt. Wie großartig und tröstend ist die überaus begründete Hoffnung auf ein Wiedersehen jenseits der Grenzen der Sterblichkeit, dank des Sühnopfers von Jesus Christus.

Wir werden die Klarheit und Einfachheit seiner Überzeugung in einer Zeit, in der beinahe alles, das eine Gesellschaft stark macht, relativiert und durch Ideen ersetzt wird, die sich nicht bewähren werden, vermissen. Je weiter sich eine Gesellschaft vom Evangelium Jesu Christi entfernt, umso mehr nimmt sie an Komplexität zu – mit allen Konsequenzen.

Das Erlebnis gestern war scheinbar ein großer Kontrast zu der Zeit, die wir mit den Jugendlichen verbrachten, aber das stimmt so nicht. Alles hat seinen Platz im Plan des Vaters.

Wir haben am Dienstag jede unserer FSY Klassen mit diesem Zitat von Präsident Russell M. Nelson abgeschlossen – mit dem Hinweis, dass die Sammlung Israels nichts anderes ist, als dass der Plan der Erlösung mit allen seinen Bestandteilen, besonders aber der Rolle von Jesus Christus, den Menschen bekannt gemacht wird.