Zum Jahresausklang – ein Stück persönliche Geschichte

Die Idee für den letzten Post im Jahr 2018 kam mir heute früh. Ich lese zur Zeit unter anderem die Ansprachen der letzten Generalkonferenz von hinten nach vorn. Heute morgen war ich bei Elder Gerrit W. Gong gelandet. Er sprach über Erfahrungen, die er vor Jahren beim Aquarellieren mit Elder Richard G. Scott machen durfte. Die Begebenheit erinnerte mich an einige Wochen meines Lebens in den Jahren 1996 und 1997.

Irgendwann 1996 wurde anlässlich des 150. Jahrestages der Ankunft der Pioniere im Salzseetal, der 1997 begangen wurde, der 4. Kunstwettbewerb der Kirche ausgeschrieben. Thema waren Szenen aus der internationalen Geschichte der Kirche. Das hat mich so stark beschäftigt, dass ich beschloss, daran teilzunehmen. Es sollte ein großformatiges Ölgemälde werden, inspiriert von meinen Erfahrungen als Ostdeutscher und Thomas S. Monson´s Buch „Faith Rewarded“. Was dann folgte gehört zu den besonderen Erfahrungen, die mich sehr stark geprägt und meine Überzeugungen enorm gefestigt haben.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wo ich das Bild in unserer 70 qm Plattenbauwohnung, in der wir mit unseren drei Kindern lebten, gemalt habe. Irgendwie ging es.

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Zum Stichtag musste man ein Foto mit Kurzbeschreibung einschicken. Nach einigen Wochen kam Post aus Salt Lake City mit der Information, dass mein Bild eines von 150 Werken ist, die aus 600 Einsendungen für eine Ausstellung im Museum of Church History and Art in Salt Lake City ausgewählt wurden.
Ich habe das Bild rahmen lassen und ein Bruder aus der Gemeinde hat geholfen, eine Verpackung zu bauen.

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Im Januar oder Februar 1997 habe ich das Bild mit meinem Sohn Gordon ins Versandzentrum der Kirche in Friedrichsdorf gebracht. Den Tag vergesse ich nie – es gab Blitzeis und die Autofahrt war spannend. In Friedrichsdorf war es so glatt, dass wir uns kaum auf den Beinen halten konnten. 🙂

Kurze Zeit später erhielt ich eine Einladung an der Eröffnung der Ausstellung teilzunehmen. Eigentlich konnten wir uns das nicht leisten, aber irgendwie hat meine Frau Esther unseren ersten Trip nach Amerika organisiert.

Die Vernissage fand Anfang März 1997 in der Assembly Hall auf dem Tempel Square in Salt Lake City unter der Leitung eines Mitgliedes der Präsidentschaft der Siebziger statt – für uns eine Riesenerfahrung.

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Nach der Vernissage wurden wir ins Museum eingeladen, um die Ausstellung zu sehen, bevor sie für das Publikum geöffnet wurde. Wir waren begeistert von dem, was wir sehen durften.

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Zitat vom Poster oben: „For this exhibit contemporary artists worldwide have submitted a broad variety of artwork commemorating the early pioneers and expressing how the spirit of pioneering has been reflected in their own or other Church member’s lives.“

Das war auch mein Anliegen. Die Geschichte der Kirche hinter dem „Eisernen Vorhang“ hat mein Leben und das Leben vieler Menschen, die ich liebe, mit denen ich mich eng verbunden fühle und die mich immer beeindruckt haben, enorm beeinflusst. Als ich das Bild gemalt habe – meistens spät abends – hatte ich so starke Gefühle über unsere spezielle Identität innerhalb der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die besonderen Bedingungen unter denen wahre Pionierarbeit geleistet wurde.

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März 1997 in der Ausstellung in Salt Lake City
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Dezember 2018 in meiner Garage in Hohenstein-Ernstthal – auf der Suche nach einem Platz, wo ich es hinhängen kann.

Das Gemälde enthält sechs Themen:

Links oben: Die Schrecken des 2. Weltkrieges, ausgebombte Städte, Zerstörung, Leid und Tod, entwurzelte Menschen auf der Flucht – darunter auch viele Mitglieder der Kirche. Meine Schwiegermutter hat manchmal von der Festung Breslau und ihrer Vertreibung erzählt. Manche Dinge hat sie nie erzählt.

Oben in der Mitte: Der „eiserne Vorhang“ – die Mauer oder im damaligen Sprachgebrauch die „gesicherte Staatsgrenze der DDR“ – Symbol von Repression, eines der schlimmsten Bauwerke, die je geschaffen wurden. Ich bin ihr nie näher als ein paar hundert Meter Entfernung gekommen. Mein ältester Bruder musste dort Wache halten.

Oben rechts: Das Brandenburger Tor am 9. November 1989, dem Tag, an dem die Mauer fiel und sich alles änderte. Weltgeschichte. Meine Generation gehört zu den Gewinnern dieses Ereignisses. Ich war Mitte Zwanzig, hatte ein paar Monate vorher mein Studium abgeschlossen. Ich fühlte mich so befreit.

Unten links: Dieses Fabrikgebäude war bis Ende der achtziger Jahre die Heimat der Gemeinde Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) in der Schlossstraße. Weshalb habe ich das Gebäude dargestellt? Es war wichtig in meinem Leben. Ich habe dort Konferenzen erlebt, Jugendtagungen, einen großen Teil meiner religiösen Bildung erhalten. Ich habe dort meine ersten Jahre im Seminar verbracht und meinen Patriarchalischen Segen erhalten. Als Teenager habe ich dort viel Zeit verbracht, als ich in einer Kirchenband gespielt und wir dort an vielen Freitagen und Samstagen geprobt haben. Nachts haben wir Stühle zusammengeschoben und darauf geschlafen – heute undenkbar.

Unten rechts: Ein ganz besonderer Ort für Generationen ostdeutscher Heiliger der Letzten Tage – das Gemeindehaus in Dresden in der Dr.-Kurt-Fischer-Allee (heute Stauffenbergallee) – ein ehemaliges Offizierskasino. Bevor ich begonnen habe zu malen, bin ich extra noch einmal hingefahren, um meine Erinnerungen aufzufrischen.
Die Nachbarn waren die Stasi, die Transportpolizei, die sowjetische Armee und was weiß ich wer noch. Die Kirche war dort „wohlbehütet“. Wir fuhren immer dorthin, um an Missionskonferenzen teilzunehmen. Unvergesslich sind die Jugendtagungen jedes Jahr im Sommer und zahllose wichtige Erlebnisse (u.a. einige, die dazu führten, dass Esther und ich geheiratet haben :)), die vielen Begegnungen mit Thomas S. Monson, damals ein Apostel, der Besuch vom Präsidenten der Kirche Spencer W. Kimball im Jahr 1977. Ich habe als 16-jähriger Priester meine erste Taufe dort durchgeführt. Als ich 18 wurde, erhielt ich in den Gemeinderäumen das Melchisedekische Priestertum und wurde zu einem Ältesten ordiniert. Viele könnten sicher noch ganze Bände mit ihren Erlebnissen füllen.

Im Zentrum des Bildes: Das offene Haus des Freiberg Tempels im Juni 1985 mitten im real existierenden Sozialismus. Wenige Wochen nach der Weihung heiratete ich dort meine Frau und wir wurden für Zeit und Ewigkeit gesiegelt. Während des offenen Hauses und danach, halfen wir mit, die 90.000 Besucher zu betreuen, die stundenlang anstanden, um den Tempel zu sehen. Für mich war die Errichtung dieses Tempels in einem System, in dem Religion bekämpft wurde, ein wahres Wunder. Wir durften miterleben, wie der Herr seinen Anteil hinzufügt, nachdem viele Menschen starken Glauben ausgeübt und gelebt haben.

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Esther und ich im Besucherzentrum auf dem Tempel Square in Salt Lake City, März 1997

Heute würde ich alles etwas anders malen, etwas professioneller. aber das tut nichts zur Sache. Das Wichtigste war für mich die Auseinandersetzung mit dem Thema – die vielen Dinge, die ich über unsere Geschichte gelernt und was ich dabei gefühlt habe. Es waren intensive Erfahrungen, von denen ich mir wünschte, dass sie von denjenigen gemacht werden könnten, die in ihren Überzeugungen hin- und herschwanken.

Geschichte, besonders auch die Geschichte der Kirche erschließt sich nicht, in dem man ein paar Artikel im Internet liest und daraus voreilig Schlussfolgerungen zieht, die unter Umständen nicht nur die eigene, sondern auch die Biografien der folgenden Generationen verändern können. Geschichte muss man bewusst erleben und nacherleben. Man muss nicht nur die verschiedenen Quellen hinterfragen, sondern auch sich selbst – die eigenen Motivationen, Schwächen, Stärken, Ausflüchte, Rechtfertigungen und die Beweggründe der Menschen, deren Interpretationen man Glauben schenkt.
Man muss versuchen, sich in den historischen Kontext der Ereignisse und Personen zu vertiefen, mit denen man sich beschäftigt und dem Nacherleben so nahe wie möglich kommen. Außerdem muss man das große Bild im Auge behalten und der Versuchung widerstehen, sich vom Phänomen des (wie ich es nenne) „out-of-context-quote-pickings“ täuschen zu lassen. (Auf gut Deutsch: Der Kontext ist egal, Hauptsache ein Zitat bestätigt meine vorgefasste Meinung.) Diese Art, Ereignisse und Personen zu beurteilen, ist eine große Unsitte unserer Zeit geworden.

Die intensive und sorgfältige Beschäftigung mit unserer Geschichte führt nicht nur dazu, aus ihr zu lernen, was sicherlich sehr gut ist. Sie führt auch dazu, dass man erkennt, welche Entwicklungsprozesse historische Personen in ihrem jeweiligen Umfeld und den herrschenden gesellschaftlichen Umständen durchmachen mussten. Wir würden diese Sorgfalt genauso von Menschen erwarten, die unser Vermächtnis in der Zukunft bewerten mögen.

Am Ende des Jahres möchte ich allen Lesern ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2019 wünschen, viel Erfolg, Beständigkeit im Glauben, Prinzipientreue, Optimismus trotz aller Herausforderungen und vor allem den Segen Gottes.

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Ein neues Projekt für 2019 🙂

Gedanken zu Weihnachten

In der Adventszeit waren wir aufgefordert der Welt ein Licht zu sein, siehe https://www.mormon.org/christmas/deu.
Manche haben gefragt: Wie kann man der Welt ein Licht sein? Ist das nicht etwas vermessen? Ist es nicht, wenn man die Bedeutung des Anliegens versteht. Wir haben es versucht und die Erfahrung gemacht, dass sich im Alltag viele, viele Gelegenheiten ergeben, mehr Licht und Freude in das Leben anderer Menschen zu bringen. Wir haben dabei ein größeres Maß an Zufriedenheit und Glück verspürt.

Kann man es sich heute, in einer wettbewerbsorientierten Welt, überhaupt noch leisten, anderen selbstlos beizustehen, die Ellenbogen einzufahren und zu dienen? Ja, man kann und man sollte.
Ich-Bezogenheit oder drastischer ausgedrückt, Egoismus, gehören zu den Hauptkrankheiten unserer Epoche, die zu vielen weiteren Auswüchsen und Krankheiten in der Gesellschaft und damit zu Streit, Leid, Vereinsamung und Gleichgültigkeit führen. Exzessive Ich-Bezogenheit und die überwiegende Fokusierung auf eigene Bedürfnisse bewirken Konsensunfähigkeit und machen den Einzelnen und die Gesellschaft nicht glücklicher. Viele Menschen wollen oft nur noch Beiträge zu ihren eigenen Bedingungen leisten.  Diese Haltung ist ein gesellschaftlicher Trend geworden und hält leider auch Einzug in unsere Gemeinden. Es ist aber dem, was wir glauben und was wir in der Kirche erreichen wollen, diametral entgegengesetzt.

Elder Uchtdorf vom Rat der Zwölf Apostel hat zur letzten Generalkonferenz folgendes gesagt:

„Kommen Sie, helfen Sie uns, eine Kultur aufzubauen und zu stärken, in der alle Kinder Gottes Heilung, Güte und Barmherzigkeit erfahren. Denn wir alle sind bestrebt, „eine neue Schöpfung“ zu werden, in der „das Alte“ vergangen und „Neues“ geworden ist.  Der Erretter zeigt uns, in welche Richtung wir uns bewegen sollen: vorwärts und aufwärts. Er sagt: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Arbeiten wir doch alle gemeinsam daran, die Art Mensch zu werden, die wir nach Gottes Absicht werden sollen!

Das ist die Art Evangeliumskultur, die wir in der gesamten Kirche Jesu Christi pflegen möchten. Wir wollen die Kirche als einen Ort stärken, wo wir einander vergeben. Wo wir der Versuchung widerstehen, Fehler zu finden, zu tratschen und andere herabzusetzen. Wo wir aufrichten, anstatt Schwachstellen aufzuzeigen, und einander helfen, das Beste zu werden, was aus uns werden kann.

Ich lade Sie nochmals ein: Kommen Sie und sehen Sie. Schließen Sie sich uns an. Wir brauchen Sie.“

Esther und ich haben vor kurzem auf unserer Reise durch das Buch Mormon die Stellen im Buch Mormon gelesen, die in diesem kleinen Video beschrieben werden.

Diese Begebenheit und die nachfolgende Geschichte (siehe Helaman Kapitel 13 bis 3. Nephi Kapitel 9) berichten von einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft, die ihre Probleme nicht mehr dauerhaft und nachhaltig lösen wollte und am Ende auch nicht mehr konnte. Aus der Lektüre können wir sehr viel lernen.

Zu Weihnachten wünsche ich uns allen, dass wir Jesus Christus als Geschenk annehmen und eine besonders große Portion der Bergpredigt (siehe Neues Testament, Matthäus Kapitel 5-7 oder im Buch Mormon, 3. Nephi Kapitel 12 bis 14) auf unserem Gabentisch zulassen.

Sind diese Werte heute noch haltbar? Selbstverständlich. Sie sind elementar wichtig und sollten ständig wiederholt werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sie von vielen als unpopulär oder zu anstrengend empfunden werden. Nachhaltigkeit ist immer anstrengender als der Weg des geringsten Widerstandes. Im Gegensatz zum Minderwertigen, das sich mit großem Erfolg laut plärrend im 24/7 Modus anbiedert, setzt sich Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Lebens nicht von selbst durch. Man muss sie suchen, sich kümmern, seinen Geist und die Sinne arbeiten lassen und sich verändern. Das ist das große Anliegen der Lehren von Jesus Christus.

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Unsere kleine Lichterwelt zu Hause 🙂

Esther und ich hatten dieses Jahr den Auftrag, die Weihnachtsfeier in unserer Gemeinde zu gestalten. Wir waren uns einig, dass wir den Besuchern etwas geben wollen, dass viele in der Weihnachtszeit paradoxerweise vermissen – Ruhe, Besinnlichkeit, Gemütlichkeit, Freude an einfachen, unspektakulären Dingen, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt, Geschichtenerzählen, Weihnachtsliedersingen und Dankbarkeit für die Geburt des Sohnes Gottes, Jesus Christus.
Esther hat es wunderbar vorbereitet und mich mächtig mit eingespannt. Es hat Freude gemacht.
Nach 15 Jahren, habe ich die Wasserfarben wieder herausgeholt und in der Kürze der Zeit einige Abende damit verbracht, ein paar großformatige Dekorationen zu klecksen. Esther wollte, dass es heimelig wirkt und so habe ich mir ein paar Vorlagen gesucht, die rein künstlerisch nicht meine Sache wären, aber den Zweck voll erfüllt haben. Das Malen empfand ich als sehr entspannend. Es wäre zeitlich nicht möglich gewesen, als ich noch Pfahlpräsident war. 🙂

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Der Bischof unserer Gemeinde hatte mich vor ein paar Wochen gebeten, für den gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst am 23.12. einen gemeinsamen Chor der Gemeinden Hohenstein-Ernstthal und Chemnitz zu bilden – etwas, das ich noch nie in meinem ganzen Leben gemacht habe. Ich hatte damit gerechnet, dass wir 10-12 Sängerinnen und Sänger mobilisieren könnten, da in der Vorweihnachtszeit jeder sehr beschäftigt ist. Zu meiner großen Freude waren wir mehr als 25 und, was ich besonders gut fand – im Prinzip alle haben den Wunsch geäußert, wieder regelmäßig zu singen. Das Weihnachtslied klang sehr schön und mir taten die Arme weh. 🙂
Geistliche Musik ist eine großartige Medizin zur Heilung der Seele.

Am vierten Adventssamstag haben wir unseren traditionellen Trip ins Weihnachtsdorf Seiffen gemacht. Das Wetter war wirklich nicht schön – die meiste Zeit kalter Regen. Dennoch hatten wir eine sehr schöne Zeit, die uns auf die Weihnachtstage eingestimmt hat.

Ich wünsche allen Lesern ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest.

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Besuch in Seiffen

It is well with my soul

Zur letzten Generalkonferenz hat der Tabernacle Choir das Lied „It Is Well with My Soul“ von Horatio Spafford gesungen. Obwohl dieses Kirchenlied nicht als Weihnachtslied gilt, möchte ich es dennoch hier erwähnen, da die Geschichte seiner Entstehung mich stark berührt hat.
Der Frieden, den das Lied ausstrahlt, ist besonders in dieser Weihnachtszeit etwas überaus Erstrebenswertes.

Horatio Spafford war ein religiöser Mensch und prominenter, wohlhabender Anwalt in Chicago in den 1860er Jahren. Er investierte den größten Teil seiner Ersparnisse in Immobilien und verlor fast alles beim großen Brand in Chicago im Oktober 1871, bei dem weite Teile der Stadt zerstört wurden. In dieser Zeit starb sein 4-jähriger Sohn an Scharlach. 1873 litten seine Geschäfte an einer Rezession, so dass er beschloss, mit seiner Familie nach England zu gehen, um einem befreundeten Prediger bei einer Evangelisationstour zu unterstützen. Er wurde durch kurzfristige Geschäfte aufgehalten und schickte seine Frau Anna und seine vier Töchter, 11, 9, 7 und 2 Jahre alt, auf dem Dampfschiff „Ville du Havre“ voraus. Auf dem Atlantik kollidierte das Schiff mit einem eisernen Segelschiff und sank innerhalb kurzer Zeit. Die vier Kinder starben bei dem Unglück und nur Anna wurde gerettet. Als sie schließlich in London ankam, telegrafierte sie ihrem Mann: „Saved alone …“.
Nach dieser schrecklichen Tragödie reiste Horatio Spafford nach England zu seiner Frau und schrieb nach den Überlieferungen seiner später geborenen Tochter den bemerkenswerten Text des Liedes auf der Überfahrt.

„When peace, like a river, attendeth my way,
When sorrows like sea billows roll;
Whatever my lot, Thou hast taught me to say,
It is well, it is well with my soul.

(Refrain:) It is well (it is well),
with my soul (with my soul),
It is well, it is well with my soul.

Though Satan should buffet, though trials should come,
Let this blest assurance control,
That Christ hath regarded my helpless estate,
And hath shed His own blood for my soul.
(Refrain)

My sin, oh the bliss of this glorious thought!
My sin, not in part but the whole,
Is nailed to His cross, and I bear it no more,
Praise the Lord, praise the Lord, O my soul!
(Refrain)

For me, be it Christ, be it Christ hence to live:
If Jordan above me shall roll,
No pain shall be mine, for in death as in life
Thou wilt whisper Thy peace to my soul.
(Refrain)

And Lord haste the day, when the faith shall be sight,
The clouds be rolled back as a scroll;
The trump shall resound, and the Lord shall descend,
Even so, it is well with my soul.
(Refrain)“

Nach der Tragödie entfremdeten sich die Spaffords von ihrer Kirchengemeinde und bildeten eine eigene Gruppe, die sich in ihrem Heim zu Gebetsversammlungen traf. Sie hatten drei weitere Kinder, von denen ein Sohn im Alter von drei Jahren an Scharlach starb.
Im August 1881 zog die Familie mit einigen Gleichgesinnten nach Jerusalem und bildete dort die „American Colony“, die sich gemeinnütziger Arbeit für Menschen unabhängig ihrer Herkunft oder Religion verschrieb. Die Mitglieder der Kolonie erwarben dadurch das Vertrauen und den Respekt von Christen, Juden und Muslimen gleichermaßen.

Horatio Spafford starb kurz vor seinem 60. Geburtstag im Jahr 1888 und wurde auf dem Mount Zion Friedhof in Jerusalem beerdigt.

Möge die Gedanken, die mit diesem Lied verbunden sind, allen Lesern zur Gewissheit verhelfen, dass mit Gottes Hilfe alles Wohl mit unserer Seele sein kann und wird.

Ich wünsche einen frohen zweiten Advent.

Pfahlball Leipzig 2018

Letzten Samstag fand unser jährlicher Pfahlball wieder in der Stadthalle Wilkau-Hasslau statt. Ein herzliches Dankeschön wiederum an alle, die am Gelingen dieser Veranstaltung beteiligt waren und ihre Zeit dafür geopfert haben. Ich denke, alle Gäste werden sich meiner Meinung anschließen. Es war ein schöner und entspannter Abend. Wir hatten eine gute Zeit, und es war schön, viele nette Menschen und Freunde zu treffen und sich gut zu unterhalten.

Die Live-Band des Abends, The Band of Brothers, aus den Gemeinden Zwickau und Werdau war wieder super, sowie auch alle anderen unserer musikalischen Talente. Ganz toll – Sissi, Annika, Ian.

Die Band hatte mich gefragt, ob ich einen Song mitspielen möchte. Also habe ich nach langer Zeit mal wieder meine Gitarre und Mundi rausgeholt. Es ging ganz gut, obwohl wir vorher nicht zusammen üben konnten. Es hat aber riesigen Spaß gemacht.

Wir freuen uns bereits auf den Pfahlball 2019.

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Einen kleinen Kritikpunkt muss ich aber erwähnen. Wenn man sich für so eine Veranstaltung als Teilnehmer anmeldet, wo alles von Ehrenamtlichen gestemmt wird und sich herausstellt, dass man verhindert ist (was ja passieren kann), gebietet es eigentlich der Anstand, den Veranstalter so bald wie möglich zu informieren. Das trifft insbesondere auch dann zu, wenn man, wie in unserem Fall, vorher keine Zahlung zu leisten hat und es dann sogar lediglich eine Kasse des Vertrauens gibt, in die jeder nach seinen Möglichkeiten einzahlt. Ich denke, jeder der damit ein Problem hat, sei es aus Gedankenlosigkeit oder irgendeinem anderen Grund, sollte sich mal in die Lage derer versetzen, die mit einem Budget umgehen und planen müssen.

 

 

Skyfies #1

Wenn ich unterwegs bin und im Flieger am Fenster sitze, bin ich jedes mal fasziniert. Ich gehöre zu den merkwürdigen Menschen, die dann das Smartphone zücken und fotografieren. Meine Familie spottet deshalb gern über mich, was mich aber nicht im geringsten stört.

Vor einigen Monaten habe ich gelernt, dass man solche Bilder Skyfies nennt – daher die Überschrift. 🙂

Das Titelbild habe ich irgendwann im Sommer auf dem Rückflug von China aufgenommen. Ich dachte, dafür musst du unbedingt ein passendes Zitat von Elder Uchtdorf finden. Das war nicht sehr schwierig. 🙂

Hier noch ein paar weitere Impressionen aus den vergangenen Wochen. Die älteren Bilder poste ich vielleicht später mal.

Hier ein Blick auf das wunderbare Zentrum von Dresden.

So sah der Anflug auf Dresden heute morgen aus. Flugzeugfenster war ziemlich zerkratzt.

Hongkong ist immer Glücksache. Hier war mal etwas weniger Dunst kurz vor der Landung.

Genauso in Shanghai. Hier der Blick auf die Wolkenkratzer in Lujiazui am Huangpu auf der Pudong-Seite.

Für Bayern Fans oder einfach alle, die wie ich Fussball in einem tollen Stadion mögen – ohne dumpfe Gefühle 🙂 – die Allianz Arena in München von oben.

Das nächste Bild habe ich über der Schweiz auf einem Flug von Zürich nach Catania geknipst. Muss mir auf Maps nochmal anschauen, wo genau es war.

Und am Schluss noch ein Blick auf Freiberg mit dem Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Viel Freude beim Anschauen.

9 Jahre (years) – 20. September 2009 bis 28. Oktober 2018 – eine Danksagung (a thank you note)

Some people have pushed me to add an English translation to the text below. Here is the updated post. Nevertheless, I think the German original expresses my feelings better. 🙂

Vergangenen Sonntag wurde ich zu unserer Herbst-Pfahlkonferenz in Leipzig und Böhlen nach neun Jahren und einem Monat Dienst als Präsident des Pfahles (Kirchenbezirkes) Leipzig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zusammen mit meinen Ratgebern Björn Bauerfeind und Mark Schütze entlassen.

After nine years and a month of service as President of the Leipzig Germany Stake of The Church of Jesus Christ of Latter Day Saints, my counselors Björn Bauerfeind, Mark Schütze and I were released at our October stake conference in Leipzig and Böhlen last week.

Eine neue Pfahlpräsidentschaft, die meine volle Unterstützung haben wird, wurde berufen, mit Frank Jakobi als Pfahlpräsident, Gunter Jentzsch als 1. Ratgeber und Attila Heller als 2. Ratgeber. Mit allen drei Brüdern sowie ihren Familien fühle ich mich sehr eng und herzlich verbunden. Zwei von ihnen durfte ich in der Vergangenheit als Bischöfe berufen und Präsident Jakobi als Hohen Rat und Ältestenkollegiumspräsident. Am Freitag und Samstag hatte ich das Vorrecht, unseren Gebietspräsidenten Europa, Elder Paul V. Johnson und unseren Gebietssiebziger, Elder Michael Cziesla, die von der Ersten Präsidentschaft der Kirche den Auftrag erhalten hatten, mit der Hilfe Gottes eine neue Pfahlpräsidentschaft zu berufen, auf unterschiedliche Weise dabei zu unterstützen. Es war für mich eine einzigartige und überwältigende Erfahrung. Ich habe eindrucksvolle Bestätigungen durch den Heiligen Geist erhalten, dass die beiden Brüder, den Willen des Herrn gesucht und gefunden haben. Am Sonntag wurden die Mitglieder des Pfahles aufgefordert, für sich diese Bestätigung zu suchen.
Ich bin dankbar für die Art und Weise, wie Berufungen in der Kirche ausgesprochen werden und wünschte, dass jeder einmal so direkten Anteil an diesem Prozess haben könnte. Herzlichen Dank an Elder Johnson und Elder Cziesla für die wundervolle und einfühlsame Art, mit der ihr euren Auftrag erfüllt habt.

A new Stake Presidency was set apart with Frank Jakobi as Stake President, Gunter Jentzsch as first counselor and Attila Heller as second counselor. I feel very close with these brethren and their families. They will have my full support. I had the honor to set apart two of them bishops and one as high councilor and elders quorum president in the past. During the conference, I had the opportunity to assist Elder Paul V. Johnson, President of the Europe Area of the Church and Elder Michael Cziesla, our Area Seventy, who had the assignment from the First Presidency to seek revelation from the Lord, find and call a new stake presidency. It was an unique and overwhelming experience for me. I received a clear confirmation by the Holy Spirit that the two Brethren did exactly this. The members of the stake were encouraged in the Sunday session of the conference to seek the same confirmation.
I´m grateful for the way the Lord calls His servants. I wish everyone could have the opportunity to participate so closely in this process and receive this testimony. Thank you, Elder Johnson and Elder Cziesla for fulfilling your task in this wonderful and empathic way.

Frank, Gunter und Attila, ihr werdet eine großartige Pfahlpräsidentschaft sein.

Frank, Gunter and Attila, you will be a great stake presidency.

Ich möchte diesen Post nutzen, um verschiedenen Menschen, die mich in meiner Berufung in den letzten neun Jahren begleitet und unterstützt haben, herzlich zu danken.

I would like to use this post to thank some special people who worked with and supported me in the last nine years.

Beginnen möchte ich mit meinen beiden Ratgebern, diesen beiden hervorragenden Männern, die mir so treue Gefährten waren. Lieber Szame, lieber Mark, es war mir eine unbeschreiblich große Ehre, mit euch gemeinsam zu dienen, zu beten, zu beraten, zu fühlen, zu weinen, zu lachen und unzählige große und kleine Entscheidungen zu treffen. Wir sind zu einer Form der Einigkeit zusammengewachsen, die ich vorher weder in der Kirche noch im Arbeitsumfeld so intensiv erlebt habe und von der ich wünschte, dass sie überall in der Kirche Einzug halten würde. Nicht alle unsere Entscheidungen waren richtig, aber der weitaus größte Teil war es. Wir haben so oft den machtvollen Einfluss des Heiligen Geistes verspürt – egal, ob es um Berufungen ging oder Inhalte für Konferenzen, Bauprojekte, die Jugend, Seelsorge und Hilfe für einzelne Menschen oder so große Dinge, wie die Reintegration des Distriktes Erfurt in den Pfahl Leipzig.
Durch meinen Beruf konnten wir uns nicht so oft sehen und mussten einen großen Teil der Kommunikation online oder per Telefon durchführen, je nachdem wo ich mich gerade in der Welt aufgehalten habe. Danke für euer Verständnis während der Zeit wo ich mehr als vier Millionen Kilometer während der neun Jahre für meinen Arbeitgeber gereist bin. Ihr habt das wunderbar kompensiert. Wir sind enge Freunde geworden und könnten zu jeder Zeit und unter allen Umständen gemeinsam Dinge bewegen. Herzlichen Dank auch euren Ehefrauen und Familien für ihr Verständnis und die so wichtige Unterstützung, ohne die alles so nicht möglich gewesen wäre.

I would like to start with my two counselors, these two outstanding men and true companions. Dear Szame and Mark, it was a great honor for me, among many other things, to serve, to pray, to hold counsel, to feel, to wheep and to laugh together with you and make countless important decisions. We have grown together to a level of unity I haven´t experienced before – neither in the Church nor in business. Not all of our decision were correct but by far most of them were right. We have felt powerful promptings of the Holy Ghost very often – no matter if we pondered about callings, topics for conferences, building projects, the youth, ministering the members of the stake or such big things like the reintegration of the Erfurt district into the Leipzig stake.
Due to my job, we could not see each other so often and had to communicate online or by phone depending were I have been traveling in the world. I´m grateful for your understanding in a time I had to travel more than 2.5 million miles for my company. You compensated this in a wonderful way. We have become dear friends and could move things forward at all times and under all circumstances. A great thanks to your families. Many things wouldn´t have been possible without there understanding and support.

Hier sind einige Bilder und Meilensteine 🙂
Here are a few photos and milestones 🙂

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20. September 2009, kurz nach unserer Einsetzung. So richtig entspannt sahen wir nicht aus. Waren wir auch nicht. 🙂 Sep 20th, 2009, shortly after we had been set apart. Didn´t look very relaxed and actually were not. 🙂
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Das Nachher-Bild, 28.10.2018, nach unserer Entlassung. Deutlich entspannter. 🙂 Ich finde, wir haben uns optisch ganz gut gehalten. 🙂 The „After“ photo, Oct. 28th, 2018. Clearly more relaxed. I think we kept in a pretty good shape. 🙂
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Unsere erste Sitzung im rekonstruierten Pfahlzentrum in Leipzig dieses Jahr. Wie immer voll in Action. 🙂 First meeting in the stake center after the reconstruction in 2018.
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Das Bild muss noch einmal sein (Wochenende mit unseren Jugendlichen im Eichsfeld, 2017), da es am Sonntag während der Konferenz erwähnt wurde. 🙂
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Eine unserer denkwürdigsten Sitzungen. Wo waren wir da eigentlich? Ich glaube mit unseren Jugendlichen in der Böhmischen Schweiz. One of our remarkable meetings on a trip with our youth to Bohemian Switzerland.

Genauso herzlich bedanken möchte ich mich bei unseren Sekretären Maik Kalmring und Kenneth Böhm. Ihr wart fantastisch und werdet der neuen Pfahlpräsidentschaft wirkungsvoll zu einem guten Start verhelfen. Maik, der Aufträge schon lange erledigt hat, bevor man sie überhaupt geben kann. Kenneth, der so gut geholfen hat, uns zu organisieren und zu strukturieren. Eure Gedanken waren immer wertvoll und haben uns bei schwierigen Entscheidungen enorm unterstützt.

I would also like to thank our stake clerk Maik Kalmring and executive secretary Kenneth Böhm. You were awesome and will be a great support for the new stake presidency. Maik, who had jobs already done before we could give them to him, Kenneth, who was so great in helping us to get organized and structured. Your thoughts were always valuable and a great support in our decision making.

Ich danke auch unseren früheren Sekretären: Wolfgang Geiler für die großartigen Reports von den Pfahlkonferenzen und der Pfahlgeschichte und unseren früheren Sekretären bzw. Führungssekretären Marco Engelhardt, Michael Tilgner und Lars Heinz für ihren gleichermaßen wertvollen Dienst.

Likewise many thanks to our former clerks and secretaries: Wolfgang Geiler for the wonderful reports from stake conferences and the stake history as well as to Marco Engelhardt, Michael Tilgner and Lars Heinz for their great service.

Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Männer und Frauen, die mit uns auf Pfahl- und Gemeindeebene in Räten zusammengearbeitet haben. Ich kann hier nicht alle Namen aller Hohen Räte, Bischöfe und Zweigpräsidenten, Pfahl-Leitungen der Frauenhilfsorganisation, der Jungen Damen und Jungen Männer und der Primarvereinigung, den Verantwortlichen für Musik und zahlloser anderer Dinge nennen. Es war uns eine große Ehre, mit euch gemeinsam den Mitgliedern des Pfahles zu dienen. Herzlichen Dank.

Not to forget the countless women and men who worked with us on stake and ward level. I can´t list all the names of high councilors, bishops, branch presidents, and stake auxillary leaders here. It was a great honor to serve together with you. Thank you very much.

Das nächste Bild ist mir sehr wichtig. Wir haben es am Sonntag nach dem Konferenzgottesdienst aufgenommen. Links von mir stehen meine drei Vorgänger, wunderbare Vorbilder und Mentoren: (v.l.n.r,) Manfred Schütze (Pfahlpräsident von 1984 – 1991), Siegfried Schmidt (1991 – 2000) und Christian Fischer (2000 – 2009). Rechts neben mir steht mein Nachfolger Frank Jakobi. Alles Gute und Gottes Segen für dich, lieber Frank. Dasselbe natürlich auch für euch – Manfred, Siegfried und Christian.

The next picture is important to me. We took it last Sunday after the conference. On my left are my 3 predecessors, outstanding examples and mentors: (from left to right) Manfred Schütze (stake president 1984 – 1991), Siegfried Schmidt (1991 – 2000), Christian Fischer (2000 – 2009). On my right is my successor Frank Jakobi. All the best and the Lord´s blessing for you, dear Frank. Of course, the same for you – Manfred, Siegfried and Christian.

Als ich letzten Freitagabend nach den ersten Meetings mit Elder Johnson und Elder Cziesla nach Hause gefahren bin, fingen die neun Jahre an, wie ein Film vor mir abzulaufen. Ich musste an die Tausende von Gesprächen denken, die ich geführt und die Gefühle, die ich verspürt habe. Es war ein sehr emotionaler Moment. Am Sonntagmorgen um 5 Uhr bin ich aufgewacht und hatte in meiner Gefühlswelt meine heilige Abschiedsstunde von dieser Berufung. Ich kann es nicht in Worte fassen und muss es auch nicht. Es war etwas besonderes und sehr persönliches.

When I drove home from Leipzig after first meetings with Elder Johnson and Elder Cziesla Friday night, the nine years ran like a movie in front of my eyes. I thought about the Thousands of interviews, talks, and emotions I had felt. It was a very moving moment. Sunday morning 5am, I woke up and had in my feelings a sacred farewell hour from my calling. I can´t put it in words and don´t have to. It was very special and personal.

Ich wurde gefragt, welche Erfahrung aus diesen neun Jahren für mich die wichtigste ist. Neben vielen wichtigen und glaubensstärkenden Erfahrungen, die mich näher zu Christus geführt haben, gibt es eine Sache, die mit mir passiert ist, die mir vor neun Jahren nicht bewusst war. Ich habe gelernt, die Menschen, für die ich verantwortlich war, vorbehaltlos zu lieben. Kein erzeugtes, künstliches Gefühl, sondern tief von innen heraus als ein Bedürfnis, nicht nur zu denen, die mir freundlich gesinnt sind, sondern auch für diejenigen, zu denen ich vorher nie eine innere Beziehung hatte. Das ist mir viel wert, und ich bin dem Herrn dankbar, dass er mich dies verstehen ließ, denn Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, wie es in Moroni 7 im Buch Mormon heißt.

I was asked for the most significant learning in these 9 years. I had many important and faith building experiences that brought me closer to Christ. But one thing happened to me I was not even conscious of 9 years ago. I have learned to deeply love the many people I had responsibility for – not an artificial feeling. It has grown from deep within as a desire, not only for those who have been friendly to me but also to those I never felt any inner relationship before. I´m grateful to the Lord for granting me this blessing for charity is the pure love of Christ as it is described in Moroni 7 in the Book of Mormon.

Ich hoffe, das hilft allen, die damit zu kämpfen haben, schlechte Gefühle und Ressentiments gegenüber anderen zu besiegen. Es ist möglich, aber es passiert nicht automatisch. Man muss viel dafür tun und oft über den eigenen Schatten springen.

I hope this could help those who struggle with negative feelings towards others. It is possible to overcome them but not automatically. It requires significant efforts.

Nun eine weitere wichtige Sache. Herzlichen Dank für die vielen, vielen Danksagungen, Liebesbekundungen, Umarmungen, Briefe, Emails und Textnachrichten als Anerkennung für unsere Arbeit. Meine Ratgeber und ich hatten damit nicht gerechnet und waren vollkommen überwältigt, oder wie es Mark ausgedrückt hat – geflasht. Ich kann nicht jedem angemessen antworten, aber ihr sollt alle wissen, wie dankbar wir dafür sind. Wir haben gestern darüber gescherzt. Vielleicht hätten wir viel mehr öde Schulungen an Samstagen veranstalten sollen und dann wären alle froh gewesen, dass wir endlich entlassen werden. 🙂

Now, an important thing. I´m so grateful for the many, many notes of thanks, expressions of love, hugs, letters, emails, texts etc. as appreciation for our service. My counselors and I didn´t expect this. It was overwhelming. I´m unable to answer everyone properly but you all should know how grateful we are. We made some jokes the other day – maybe we should have scheduled many more boring meetings on Saturday and everyone would have been happy to get rid of us.  🙂

Ein besonderes Anliegen war es uns, mit der Jugend zu arbeiten. Eine großartige Aufgabe. Wir sind stolz auf unsere Jugendlichen. Sie haben sich, stellvertretend für die vielen anderen, für die wir während der neun Jahre versucht haben, da zu sein, mit einem Abschiedsgeschenk revanchiert.

It was a heartfelt thing for us to work with our youth. A great task. We´re so proud of them. They thanked us with a special gift – on behalf of the many young people we tried to care for during our 9 years.

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Ein schönes Andenken von unseren Jugendlichen. Toll. Vielen Dank.

Zum Schluss kommt das wichtigste von allem – der Dank, den ich meiner lieben Ehefrau und ewigen Gefährtin Esther schulde. Ohne das Ja meiner Frau und ihre Unterstützung wäre ich nicht berufen worden und hätte diese Berufung niemals ausüben können. Als Pfahlpräsident habe ich jede Woche 20 bis 30 Stunden Zeit für diese Berufung benötigt, zusätzlich zu einem sehr anspruchsvollen Job als Vorstand und führender Manager in einem an der Börse notierten Unternehmen, durch den ich mehr als die Hälfte jeden Jahres in aller Welt unterwegs war. Als ich berufen wurde, wusste ich nicht, wie das überhaupt gehen kann. Dass es funktioniert hat, war eines Teils ein Wunder (mir ist im Laufe der Zeit klar geworden, worin die Erfüllung des Segens, den ich von Elder Erich Kopischke zu meiner Einsetzung erhielt, bestand) und zum größten Teil Esthers Verdienst. Sie war für mich Rückhalt, Beraterin, Kritikerin, Trösterin, Fürsorgerin, Motivatorin, Ideengeberin, Mutmacherin und vieles mehr. Sie hat auf vieles verzichtet, um mir den Rücken freizuhalten und Verständnis gehabt, wenn ich mich mit zahllosen Problemen beschäftigen musste oder für die Kirche unterwegs war. Sie ist eine starke Frau, in vielen Dingen stärker als ich. Ihre Ansprache am Sonntag war einer der Höhepunkte der Konferenz. Wie dankbar ich für sie bin. Ich liebe dich von ganzem Herzen, Esther.

Finally, the most important thing of all. I want to thank my dear wife and eternal companion Esther. I wouldn´t have been called with her approval and couldn´t have fulfilled this calling. As a stake president I needed 20 to 30 hours every week in parallel to a demanding job as a board member and top manager of a stock listed company with extensive traveling on 200 or more days per year. I didn´t know how this could possibly work when I was called. That it worked was on one hand a miracle and the fulfillment of a blessing I received from Elder Erich Kopischke who set me apart, but to the larger part it was Esther who supported me, gave counsel, criticized in a positive way, comforted me, took care of me, motivated, expressed great ideas and thoughts, encouraged me and did many more things for me. She had to forgo a lot of things to keep my back free, and very often had to wait for me when I had to deal with problems or was traveling. She is a very strong woman, in many things stronger than me. Her talk at the Sunday session was an absolute highlight of the conference. How grateful I am for her. I love you with all my heart, Esther.

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Zur Herbst-Generalkonferenz 2018 in Salt Lake City

Ich habe mich sehr gefreut, dass wir an diesem besonderen Sonntag als Familie zusammen sein konnten. Es hat mir sehr viel bedeutet. Sie alle sind mein Leben und darin das Wertvollste.
Ihr seid in den letzten Jahren nicht zu kurz gekommen, aber doch kürzer als ich selbst gewollt habe. Ich hoffe, ich konnte euch einige wichtige Dinge vorleben und hoffe darauf, dass es etwas mehr Zeit zusammen geben wird.

I was very happy that the whole gathered on this special Sunday. It meant a lot to me. They´re all my life and most precious for me.
I tried to be there for you the last years but it wasn´t always easy to balance everything. I hope I have given you a good example and that we can spend more time together in the future.

Ich freue mich darauf, am Sonntag in meiner Heimatgemeinde in der Abendmahlsversammlung neben meiner Frau und den Enkelinnen zu sitzen.

I´m looking forward to sit next to my wife and granddaughters in sacrament meeting in my home ward next Sunday.

P.S. Vor neun Jahren habe ich zur Pfahlkonferenz von meinem Vater gesprochen, der den größten Teil meiner Kindheit und Jugend schwer an einer durch den Uranbergbau verursachten Lungenkrankheit litt und früh verstorben ist. Ich erzählte von einem Moment, zehn Jahre nach seinem Tod, in dem ich begriff, was er für mich und seine gesamte Familie getan hat. Die Erkenntnis kam 540 Meter unter der Erdoberfläche in einem Uranbergwerk in der Nähe von Aue, in einem Stollen, in dem man unserer Gruppe die Arbeitsbedingungen der Bergleute demonstrierte. In diesem Moment, in Dunkelheit, ohrenbetäubenden Lärm, Staub, Hitze und Radioaktivität, spürte ich wie eine Dankbarkeit für seine Lebensleistung in mir wuchs, die mich bis heute nie wieder verlassen hat. Dankbarkeit für seine Arbeit, seinen Willen, sein Leben grundlegend zu ändern, ein Mitglied der Kirche zu werden und trotz schwerer Krankheit bis kurz vor seinem Tod für uns zu arbeiten.
Ich führe im Geist oft Gespräche mit ihm oder für ihn. Wenn ich mich schwach oder müde fühle, denke ich an seine erstaunliche Willenskraft.

P.S. 9 years ago, I spoke at the stake conference about my father who suffered from a terminal lunge disease during my childhood and youth caused by his work in an uranium mine after World War 2. He died early. I spoke about a life changing experience about 10 years after his death. It happend 540 meters below the surface in an uranium mine near Aue, Germany, in a tunnel where our group was demonstrated the working conditions of the miners. In this moment, in the midst of deafening noise, dust, heat, and radioactivity, I felt a gratitude for his work and sufferings growing within me that has continued until today. Gratitude for his achievements, his willpower and ability to change his life to become a member of the Church and to work for his family almost until his death.
I have frequent conversations with him and for him in my soul. I remember his amazing power when I feel weak or tired.

Am vergangenen Samstag habe ich in der Konferenzversammlung über meine Mutter gesprochen, die wir am Montag letzter Woche beerdigt haben. Sie starb im Alter von 93 Jahren, nach 85 Jahren treuer Mitgliedschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Eine einfache Frau mit einer besonderen Lebensleistung. Weder die Nazis, noch die Not nach dem Krieg, noch die Kommunisten, noch die Verirrungen des heutigen Zeitgeistes konnten sie von ihrem Glauben abbringen. Sie war mir ein Vorbild an Selbstlosigkeit, Hingabe, Leidensfähigkeit, Beständigkeit und ihrem Zeugnis vom wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi.

Last Saturday I spoke about my mother who passed away recently. We attended her funeral last week. She was 93 years old, and 85 years a member of The Church of Jesus Christ of Latter Day Saints. An ordinary woman with a great legacy. Neither the Nazis, nor the hardships after the war, nor the communists, nor the modern mainstream could weaken her faith. She was a great example for me in selflessness, devotion, endurance, firmness and her testimony of the restored gospel of Jesus Christ.

Ich bin dankbar, wie Nephi sagen zu können, dass ich von guten Eltern abstamme.

I´m grateful that I can say like Nephi that I have been born of goodly parents.

P.P.S. Der Report von der Frühjahrs-Pfahlkonferenz zum Download:

2018-03 Pfahlkonferenzreport Frühjahr 2018

 

Vorbereitung Pfahlkonferenz #3

Heute möchte ich noch eine Ansprache meines zweiten Ratgebers Mark Schütze von der letzten Pfahlkonferenz posten, die ich ebenfalls sehr wichtig fand. Sehr lesenswert.

Bruder Mark Schütze, 2. Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft

Liebe Geschwister,
zu den angenehmen Teilen oder Aufgaben meiner Berufung, die ich zur Zeit trage, gehört es, fast alle Gemeinden im Pfahl irgendwann einmal zu besuchen oder sie zu erleben, die Mitglieder dort kennen zu lernen und zu sehen, wie dort gearbeitet wird, wie die Gemeinde funktioniert oder wie Themen gegeben werden.

Es ist sehr interessant, wie dies manchmal sehr unterschiedlich passiert und wie die Kultur in einer Gemeinde ist. Es tut mir eigentlich sehr gut zu sehen, wie Menschen auf unterschiedliche Art und Weise miteinander reden und versuchen, gemeinsam zu lernen und Fortschritt zu machen. Ich glaube es ist sehr gesund, dass es verschiedene Varianten gibt.

Zu den weniger schönen Dingen, die Teil der Berufung sind, gehören die Erlebnisse, wenn sich Mitglieder streiten. Das führt oft dazu, dass sich Menschen an die Wand gespielt fühlen, weil sie nicht so eine starke Meinung haben oder weil sie vielleicht nicht verbal miteinander können oder wollen. Sie sind einfach nicht so debattierfähig wie diejenigen, die dies gerne tun. Es ist eigentlich traurig, dies zu sehen, weil diese Mitglieder sich auch traurig fühlen, weil sie manchmal gar nicht mehr wissen, ist das jetzt richtig, was ich glaube oder was ich für mich verstanden habe? Sie fühlen sich deshalb ein wenig so, als wären sie ins Hintertreffen geraten.

Ich habe vor einigen Wochen im Institut eine Matheaufgabe gestellt. Die würde ich Ihnen gerne einmal vorstellen. Sie können dabei versuchen, Ihr Wissen aufzufrischen. Mal sehen, ob sie richtig liegen. 1+0 ist gleich … 1 und 0 ist gleich, manche lachen schon, ist 10. Eins und Null, logisch ist Zehn. Wir hatten eine lebhafte Diskussion, das ist manchmal so das Niveau bei uns im Institut und ich habe mich nicht von meiner Meinung abbringen lassen: 1+0 ist Zehn, das ist logisch. Wer wird sich jetzt durchsetzen bei dieser Diskussion? Der, welcher den längeren Atem hat? Der, der lauter ist? Der, welcher energischer auftritt? Oder vielleicht gibt der nach, der der Klügere ist, wie das Sprichwort es sagt? Geschwister, wenn wir auf so einem Niveau angekommen sind und so in unseren Gemeinden diskutieren, dann haben wir etwas falsch gemacht, dann läuft etwas nicht richtig. Es gibt einen Begriff, den ich vor einiger Zeit gehört habe, Bruder Seidel hat heute in der Priestertumsversammlung schon darüber gesprochen.
Vor einiger Zeit gab es eine Fernsehsendung oder Diskussionsrunde, wo ein Teilnehmer sagte, die Menschen sind heutzutage nur noch empört, nur noch da, um sich aufzuregen, um was nicht richtig zu finden. Genau wie Bruder Seidel hat mich diese Aussage ein wenig gefesselt. Er hat es auf den Punkt gebracht mit diesem Wort, empört zu sein, ein schönes deutsches Wort. Ich fand das eigentlich interessant und ich habe mich auch gefragt, bin ich vielleicht auch manchmal so? Ich bin gerne kritisch, ich diskutiere gerne, es macht Spaß, aber es kann auch gefährlich sein, wenn man auf einmal über Eins plus Null diskutiert und stur und steif behauptet es ist Zehn.
Ich hatte diese Aufgabe auch zu Hause gestellt in unserer Familie und unsere jüngste Tochter sagte spontan „Zehn“. War das wirklich o.k.? Und genau wegen diesen Mathefähigkeiten war ich zu einem Elterngespräch bei ihrer Mathelehrerin gewesen.

Wir wollten eigentlich gemeinsam darüber sprechen, wie man das verbessern kann, wie man helfen kann, dass es besser wird und ordentliche Klassenarbeiten zustande kommen können. Ich musste feststellen, dass die Lehrerin, welche recht patent wirkte und auch bestimmt engagiert war, die ganze Zeit nur selbst geredet hat. Ich habe versucht, ihr zu erklären, was unsere Situation ist und ich kam genau vier oder fünf Worte weit. Sie fing an zu erzählen und redete darüber, wie es bei ihr war, wie sie gelernt hat und was man machen muss. Ich hatte versucht, meine Tochter in das Gespräch einzubringen. Sie ist ein bisschen schüchterner und ist nur bis zu zwei Worten gekommen und dann redete wieder die Lehrerin. Nichts Schlimmes, nichts Schlechtes, eigentlich alles gut, aber nach einer Weile dachte ich, dieses Gespräch ist eigentlich sinnlos. Es konnte ja nicht dazu führen, auf das einzugehen, was uns bewegt, was unsere Probleme sind. Dennoch dauerte das Gespräch über zwanzig Minuten und am Ende erwähnte die Lehrerin, dass sie es schön fand, dass wir da waren und das Elterngespräch gesucht haben, weil wir die Einzigen waren, die nach einem Termin gefragt haben. Ich dachte so: „Ja genau, das nächste Mal wird es vielleicht gar keiner mehr sein, weil es keine Hilfe für uns war.

Geschwister, in der Vorbereitung auf diese Ansprache musste ich genau an dieses Beispiel denken. Manchmal mögen wir gute Absichten haben, wir mögen vielleicht denken wir haben es besser verstanden oder wie auch immer und wir reden und reden, ich rede auch gerade, doch das ist eben so bei einer Ansprache. Aber lassen wir bei einem Gespräch andere auch nicht zu Wort kommen? Das kann vielleicht manchmal so weit führen, dass sich andere missverstanden fühlen, dass andere vielleicht an sich selbst zweifeln. Dieses Wort „empört“, ich will das nicht zu sehr ausbreiten, finden wir auch manchmal in der Schrift. Ich möchte Ihnen eine Schriftstelle vorlesen aus den Psalmen, wo es heißt:
„Er stellte sein Gesetz auf in Jacob und gab in Israel Weisung. Und gebot den Vätern, ihre Kinder das alles zu lehren, damit sie ihr Vertrauen auf Gott setzen, die Taten Gottes nicht vergessen und seine Gebote wahren und nicht werden wie ihre Väter, jenes Geschlecht voll Trotz und Empörung, das wankelmütige Geschlecht, dessen Geist nicht treu zu Gott hielt.“ (Psalm 78:5-8)

Was ich mit diesem Gleichnis und dieser Matheaufgabe eigentlich sagen möchte, sowie auch mit dem Beispiel aus der Schule: Wann immer wir reden sind wir relativ schlecht darin, zuhören zu können und auch wenig gut dabei, etwas verstehen zu können. Wann immer wir uns missverstehen, ist die Tendenz dabei auch immer: Warum versteht mich denn keiner, ich hab doch Recht! Das mag manchmal gar nicht absichtlich passieren, aber manchmal ist es auch ein wenig wie eine Debatte und das ist eigentlich das, was wir in der Kirche gar nicht wollen. Wir wollen nicht debattieren und nicht darüber diskutieren, wer hat am meisten Recht, wer kann sich durchsetzen, wer hat die besten Argumente, wer spielt den anderen verbal ins Hintertreffen. Das ist nicht das Ziel. Können Sie sich vorstellen, dass Sie in einer Oper sitzen und ich sitze dort auch. Und ich sag es Ihnen ganz ehrlich, Opernmusik ist nicht so mein Ding. Ich könnte zum Beispiel, nur weil mir langweilig ist, so einen großen Ghettoblaster herausholen und meine Musik lautstark anhören. Stellen Sie sich mal vor, das würde tatsächlich jemand machen.

Was glauben Sie, wie lange derjenige in dieser Oper noch sitzen würde? Vielleicht würde dieser, nach der Aufforderung zu gehen, sich aufregen: Warum soll ich denn gehen, ich möchte meine Musik hören, weil mir das andere nicht gefällt. Wenn wir so eine Situation in der Kirche erreichen, dass wir uns aufregen oder dass wir energisch werden, nur weil unsere Meinung sich jetzt nicht durchsetzt, Geschwister, dann stehen wir eigentlich vor dem Problem, keine Einigkeit mehr zu haben. Wir bringen dann den Gedanken von Zion, von dem wir heute schon mehrfach gesprochen haben, in Gefahr. Wir müssen uns selbst immer wieder fragen, an welcher Stelle wir was sagen und wo wir auch besser mal zuhören sollten, um von anderen zu lernen. Es geht eben nicht darum, dass wir einfach nur unsere Meinung durchsetzen. Es geht nicht darum, dass wir solange reden, bis keiner mehr zuhört, weil alle aufgegeben haben, oder bis vielleicht keiner mehr zu uns kommt, wie bei der Mathelehrerin.
Wollen wir, dass vielleicht keine Mitglieder mehr gerne zur Gemeinde kommen, Untersucher erst recht nicht und vielleicht irgendwann der Heilige Geist sich auch nicht mehr müht, uns erreichen zu wollen? Bitte lassen Sie uns einander zuhören. Lassen Sie uns einander die Gedanken, die Meinungen, die andere haben, anhören. Belehren wir aber auch einander. Das ist eine sehr schöne Methode, die wir in diesen Wochen anwenden sollen, um uns miteinander zu beraten. Miteinander beraten heißt: Ich höre und ich lerne. Ich rede nicht, um mich durchzusetzen, sondern um mein Verständnis darzulegen.

Es gibt eine Schriftstelle in LuB 88, die Sie auch alle kennen. In Vers 122 heißt es: „Bestimmt unter euch einen zum Lehrer und lasst nicht alle auf einmal Wortführer sein, sondern lasst immer nur einen reden, und lasst alle seinen Worten zuhören, so dass, wenn alle geredet haben, (wenn alle reden und alle hören der Rede zu, können Sie sich vorstellen, das ist ziemlich viel) alle durch alle erbaut worden sein mögen und ein jeder das gleiche Recht habe“.
Geschwister, sind wir in der Art und Weise, in der wir miteinander reden, mit der wir einander belehren und auch lernen, friedfertig und geduldig. Denken wir nicht, weil wir uns vielleicht ganz sicher sind, dass unsere Meinung wirklich stimmt, dass wir Recht haben. Ich habe vor einiger Zeit ein Beispiel aus einem anderen Pfahl gehört, wo jugendliche Institutsstudenten in der Priesterschaft aus der Klasse heraus gebeten wurden, weil sie das, was in den neuen Kursen gelehrt wird, in der Priestertumsklasse wiedergegeben haben. Im Institut wird mit der Geschichte der Kirche relativ offen umgegangen und Sachen auch ausgesprochen, die bisher vielleicht seltener angesprochen worden sind. Diese jungen Brüder wurden buchstäblich der Klasse verwiesen, weil das was sie sagten, sich keiner anhören wollte oder konnte.
Das sind genau die Worte, die über Christus gesagt wurden als er in Johannes 6:60 davon sprach, dass er das Brot des Lebens sei und viele meinten, sie können seine Rede nicht anhören, weil sie diese eigentlich nicht verstanden. Wir haben immer Gelegenheit, voneinander zu lernen und über das, was gesagt wird nachzudenken. Dann sollen und müssen wir auf den Punkt kommen, dass wir am Beispiel von Jesus Christus festhalten. Es geht nicht darum, welcher Meinung wir sind und nicht darum, Fehler zu finden, sondern es geht darum, was wir tun können, um dem Beispiel von Jesus Christus besser zu folgen und dass wir unserem Ziel, ihm ähnlicher zu werden, näher kommen. Ich möchte uns alle auffordern, dass wir uns Gedanken machen und uns manchmal ein wenig zurücknehmen. Wir mögen vielleicht denken, dass dies kein großes Problem ist, aber für manche Mitglieder stellt es eine Herausforderung dar, dies zu erleben, weil es ihren Glauben manchmal angreift und erschüttert und sie sich dann auch nicht wohlfühlen.

Das ist es, was wir Ihnen heute zu diesem Thema sagen möchten und ich bitte Sie alle, dieser Friedensstifter zu sein, von dem häufiger die Rede ist. Seien sie weniger der, der nicht hört und der streitet, sondern hören sie gut zu, was die anderen zu sagen haben. Dann können wir viel voneinander lernen.
Im Namen Jesu Christi.
Amen.

 

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