Lernerfahrung

Vergangenen Freitag war ich in Frankfurt im europäischen Headquarter unserer Kirche und durfte miterleben, wie Elder David A. Bednar vom Rat der Zwölf Apostel zu uns als Workforce der Kirche gesprochen hat.

Zehn Tage vor der Bundestagswahl konnte es keinen größeren Kontrast zu dem an Absurditäten so reichem Theater geben, das wir in Politik und Gesellschaft erleben – in einem Land, in dem es um den moralischen Kompass, Demut, Selbstreflektion und gesundes Urteilsvermögen nicht gut bestellt ist. Es ist bedrückend zu beobachten, dass das Evangelium Jesu Christi in den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen und im Verhalten der Akteure kaum noch wahrnehmbar ist. Das kann man deutlich an den Früchten, die hervorgebracht werden, erkennen. Wahrheit und Irrtum geraten zunehmend durcheinander und es gibt wenig Entschlossenheit, von Fehlentscheidungen umzukehren.

Ich wünschte, sehr viele Menschen hätten Elder Bednar´s Rede hören können. Im folgenden habe ich zusammengefasst, was ich gelernt habe.

Er begann mit der wichtigen Aufforderung, dankbar dafür zu sein, dass wir in dieser Evangeliumsdispensation, der Fülle der Zeiten leben und agieren können. Es gibt für uns keinen Grund, passiv zu sein, sondern vielmehr besser zu verstehen, was der Herr von uns erwartet. Wenn uns das klarer wird, können wir erfahren, was es heißt, „excited beyond measure“ – über alle Maßen begeistert vom Werk des Herrn zu sein.

Verschiedene Kollegen hatten im Vorfeld Fragen gestellt, die sich auf einige Bereiche unserer professionellen Arbeit bezogen. Elder Bednar gab eine Antwort auf alle diese Fragen: „Cleave unto charity, for charity faileth not.“ Haltet an Nächstenliebe fest, denn die Nächstenliebe geht nicht fehl.

Wir waren anfangs von der Antwort erstaunt. Im kirchlichen Umfeld predigen wir diesen Grundsatz ständig, aber im beruflichen oder politischen Kontext erfährt er wenig Beachtung.

Elder Bednar betonte, dass dieses Prinzip der Schlüssel zur Lösung unzähliger, auch professioneller, Probleme ist. Wir erhalten dadurch Zugang zu celestialen Lösungswegen, die unsere oft noch telestiale Denkweise ersetzen sollten.

Er kombinierte in der Folge das Prinzip der Nächstenliebe mit dem Ausharren bis ans Ende. Siehe Lehre und Bündnisse 121:29:

Alle Throne und Königreiche, Fürstentümer und Mächte werden offenbart und all denen anheimgegeben werden, die um des Evangeliums Jesu Christi willen tapfer ausgeharrt haben.

Der telestiale Ansatz basiert häufig auf Transaktionsdenken, wie in einem Selbsthilfebuch oder einer Vending Machine. Ich stecke oben etwas hinein und erwarte, dass die Gegenleistung sofort unten herauskommt. Das ist in der Regel nicht die Art und Weise, wie der Herr mit uns umgeht. Dem Herrn geht es darum, dass wir uns verändern und Ihm ähnlicher werden. Das ist ein ständiger, inkrementeller Prozess, der uns Freude bringt, wenn wir uns darauf einlassen.

Um den Unterschied zwischen der telestialen und celestialen Herangehensweise und den Zusammenhang zwischen Nächstenliebe und Ausharren (nicht als kraftraubende Routine, die es zu vermeiden gilt) zu verstehen, haben wir uns gemeinsam die bekannten Verse im Buch Mormon, Moroni 7, ab Vers 44 angesehen.

Denn sonst sind sein Glaube und seine Hoffnung unnütz, denn niemand ist vor Gott annehmbar als nur die Sanftmütigen und die von Herzen Demütigen; und wenn ein Mensch sanftmütig und von Herzen demütig ist und durch die Macht des Heiligen Geistes bekennt, dass Jesus der Christus ist, muss er notwendigerweise Nächstenliebe haben; denn wenn er keine Nächstenliebe hat, ist er nichts; darum muss er notwendigerweise Nächstenliebe haben.

Das erklärt, warum eine Welt ohne Demut und Jesus Christus enorme Probleme mit Lieblosigkeit hat, mit allen gesellschaftlichen Konsequenzen. Diese Konsequenzen kosten entscheidende Kräfte, die zur Lösung von Problemen gebraucht werden. Weiter mit Vers 45:

Und Nächstenliebe ist langmütig und ist gütig und neidet nicht und ist nicht aufgeblasen, sucht nicht das Ihre, lässt sich nicht leicht zum Zorn reizen, denkt nichts Böses und freut sich nicht am Übeltun, sondern freut sich an der Wahrheit, erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.

Selbsterklärend und sehr klar in der Aussage. Vers 46:

Darum, meine geliebten Brüder, wenn ihr nicht Nächstenliebe habt, seid ihr nichts, denn die Nächstenliebe hört niemals auf. Darum haltet an der Nächstenliebe fest, die von allem das Größte ist, denn alles muss aufhören

Das Festhalten an Nächstenliebe ist dauerhaft, weil daraus nachhaltige Ergebnisse wachsen, die die Motivation zum Ausharren stärken. Im Vers 48 wird erklärt, wie wir dahin kommen können und warum die celestiale Herangehensweise für alles, woran wir glauben und worauf wir hoffen, notwendig ist.

Hier wird der Kontrast zur telestialen Denkweise (also der Welt in der wir jetzt leben) deutlich und deren schlussendliches und unvermeidliches Scheitern. Vers 47:

aber die Nächstenliebe ist die reine Christusliebe, und sie dauert für immer fort; und bei wem am letzten Tag festgestellt wird, dass er sie besitzt, dem wird es wohl ergehen.

Darum, meine geliebten Brüder, betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, dass ihr von dieser Liebe erfüllt werdet, die er all denen zuteilwerden lässt, die wahre Nachfolger seines Sohnes Jesus Christus sind; damit ihr Söhne Gottes werdet; damit wir, wenn er erscheinen wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist; damit wir diese Hoffnung haben; damit wir rein gemacht werden, so wie er rein ist. Amen.

Nächstenliebe ist eine wesentliche Voraussetzung für Resilienz, Weitermachen und das Überwinden von Problemen und Hindernissen.

Elder Bednar ersetzte den Begriff „Ausharren bis zum Ende“ durch den Ausdruck „oder ist erfüllt von der reinen Liebe Christi“. Wer so fühlt, hängt nicht symbolisch gesehen, angestrengt und mit knirschenden Zähnen an einer Reckstange, sondern wird im wahrsten Sinn des Wortes aus diesem Zustand errettet. Es ändert alles und ist eine mächtige geistige Transformation.

In Moroni 8:16 werden am Beispiel der Taufe noch weitere Dinge erklärt – siehe die Hervorhebungen:

Weh sei denen, die die Wege des Herrn auf diese Weise verkehren, denn sie werden zugrunde gehen, wenn sie nicht umkehren. Siehe, ich spreche unerschrocken, denn ich habe Vollmacht von Gott; und ich fürchte nichts, was Menschen tun können; denn vollkommene Liebe vertreibt alle Furcht.

Wenn wir sorgfältig beobachten, was in der Welt geschieht, sehen wir wie zutreffend diese Aussagen sind und wie ihre Relevanz immer größer wird.

Im 13. Glaubensartikel der Kirche Jesu Christi wird der moralische Kompass, der Rechtschaffenheit ausmacht, gut zusammengefasst.

Wir glauben, dass es recht ist, ehrlich, treu, keusch, gütig und tugendhaft zu sein und allen Menschen Gutes zu tun; ja, wir können sagen, dass wir der Ermahnung des Paulus folgen – wir glauben alles, wir hoffen alles, wir haben viel ertragen und hoffen, alles ertragen zu können. Wenn es etwas Tugendhaftes oder Liebenswertes gibt, wenn etwas guten Klang hat oder lobenswert ist, so trachten wir danach.

Das alles basiert auf dem unbegrenzten Sühnopfer, das Jesus Christus vollbracht hat. Wir sollten es nicht als eine Selbstverständlichkeit betrachten. Jesus Christus hat für Schulden bezahlt, die wir nicht bezahlen können. Von uns wird die Einsicht und Umkehr von Fehlern erwartet, die ganz persönliche Anwendung des Sühnopfers in unserem Leben. Das ist ein celestiales Prinzip, das unsere Fähigkeit zu lieben und auszuharren mit allen damit verbundenen Segnungen erweitert. Dadurch lernen wir von Christus wie wir Probleme lösen und Heilung erfahren können.

Counseling together

One of the biggest challenges we face in the church, professional and family environment is achieving unity when people with different opinions, prerequisites, interests and goals come together to discuss and make decisions on a matter.

Newski Cathedral Sofia

Politics is no longer a good role model. The differences of opinion and conflicts of interest seem too great. The so-called culture of debate is repulsive and not very productive. However, it is often forgotten that the behaviors that come to light in disputes are a reflection of society.

When we counsel together in the Church of Jesus Christ, we have different ideals.

Jesus Christus has often emphasized: „and if ye are not one ye are not mine.“ (See John 17:21, Doctrine & Covenants 38:27)

He has also emphatically pointed out that organizations that are at odds with each other cannot be successful, but rather weaken themselves decisively: „And Jesus knew their thoughts, and said unto them, Every kingdom divided against itself is brought to desolation; and every city or house divided against itself shall not stand.“ (Siehe Matthäus 12:25)

He also made it clear who the source of all truth is: „The glory of God is intelligence, or, in other words, light and truth.“ (Doctrine & Covenants 93:36) and how important it is to seek truth and remain in it: „If ye continue in my word, then are ye my disciples indeed; And ye shall know the truth, and the truth shall make you free.“ (John 8:31-32).

Last weekend in Sofia, I was once again able to experience how uplifting, strengthening and successful it is when counsel is held in the Lord’s way. We felt this in a powerful way. We have a common, very ambitious goal. At the beginning, we created a strong spiritual foundation based on the scriptures, listened to each other in an appreciative way, learned from each other and exchanged ideas and information.

During the counseling, the goal became more tangible for us. We felt the influence of the Holy Spirit, which strengthened our faith and opened the door for the further process of gaining knowledge.

Chapel of the Church of Jesu Christ in Sofia

We read in Doctrine & Covenants 88:122:

Appoint among yourselves a teacher, and let not all be spokesmen at once; but let one speak at a time and let all listen unto his sayings, that when all have spoken that all may be edified of all, and that every man may have an equal privilege.

And in verse 125:

And above all things, clothe yourselves with the bond of charity, as with a mantle, which is the bond of perfectness and peace.

Of course, this applies equally to women and men.

Information comes before inspiration. When this is observed, both coexist, and those who counsel together have the humility and desire to subsequently accept counsel or revelation from God, their personal conduct and heart allow the Holy Spirit to work, and are willing to neglect their own personal agenda when necessary, we achieve what is meant in the previous verses.

The „teachers“ in this case are not those with the strongest opinions or those who know everything better. Ideally, the teacher is the Holy Spirit. Those who consult with each other may initially have different opinions and also defend them. But if the principles of God are followed, a process of convergence will occur. Everyone will feel the influence of the Holy Spirit and learn from it.

It can take time for everyone in the council to understand this process. Studying the revealed Word of God together (not some derivative of it) and praying and fasting are essential. The truths that God wants to teach us with the help of the Holy Spirit are not a matter of opinion. They become manifest by following the process and lead to inspired decisions instead of bad compromises that somehow try to please everyone. The latter has been proven to rarely work well, as we can constantly observe in society.

Do we always manage to do this when we counsel with each other in church? Unfortunately not always. But the Lord has given us very good tools for diagnosing problems. One of the best and most comprehensive can also be found in Doctrine & Covenants 121:34-45:

34 Behold, there are many called, but few are chosen. And why are they not chosen? 35 Because their hearts are set so much upon the things of this world, and aspire to the honors of men, that they do not learn this one lesson— 36 That the rights of the priesthood are inseparably connected with the powers of heaven, and that the powers of heaven cannot be controlled nor handled only upon the principles of righteousness. 37 That they may be conferred upon us, it is true; but when we undertake to cover our sins, or to gratify our pride, our vain ambition, or to exercise control or dominion or compulsion upon the souls of the children of men, in any degree of unrighteousness, behold, the heavens withdraw themselves; the Spirit of the Lord is grieved; and when it is withdrawn, Amen to the priesthood or the authority of that man. 38 Behold, ere he is aware, he is left unto himself, to kick against the pricks, to persecute the saints, and to fight against God. 39 We have learned by sad experience that it is the nature and disposition of almost all men, as soon as they get a little authority, as they suppose, they will immediately begin to exercise unrighteous dominion. 40 Hence many are called, but few are chosen. 41 No power or influence can or ought to be maintained by virtue of the priesthood, only by persuasion, by long-suffering, by gentleness and meekness, and by love unfeigned; 42 By kindness, and pure knowledge, which shall greatly enlarge the soul without hypocrisy, and without guile— 43 Reproving betimes with sharpness, when moved upon by the Holy Ghost; and then showing forth afterwards an increase of love toward him whom thou hast reproved, lest he esteem thee to be his enemy; 44 That he may know that thy faithfulness is stronger than the cords of death. 45 Let thy bowels also be full of charity towards all men, and to the household of faith, and let virtue garnish thy thoughts unceasingly; then shall thy confidence wax strong in the presence of God; and the doctrine of the priesthood shall distil upon thy soul as the dews from heaven.

One can imagine how much better off we could be if these principles of God were applied more often.

It doesn’t always work. We are all not perfect. From time to time there may be council meetings that have not edified, where the foundations for receiving inspiration have not been laid well and it has been more about the tense exchange of controversial opinions than about experiencing the will of God. It is in the latter that the greatest power lies.

Should we give up because this process is not easy to implement? Of course not.

The two greatest commandments, to love God and our neighbor, help us to deal with difficulties and to control our own pride.

We can constantly work on making things better and experience how things change for the better, step by step.

Miteinander beraten

Eine der größten Herausforderungen, der wir im kirchlichen, beruflichen und familiären Umfeld begegnen, ist es, Einigkeit zu erzielen, wenn Menschen mit unterschiedlichen Meinungen, Voraussetzungen, Interessen und Zielen, aufeinander treffen, um miteinander zu beraten und Entscheidungen in einer Sache zu treffen.

Newski Kathedrale Sofia

Die Politik ist dabei kein gutes Vorbild mehr. Zu groß scheinen die Meinungsverschiedenheiten und Interessenskonflikte. Die sogenannte Streitkultur wirkt abstoßend und ist wenig produktiv. Allerdings wird dabei oft vergessen, dass die im Streit zutage tretenden Verhaltensweisen, ein Spiegelbild der Gesellschaft sind.

Wenn wir in der Kirche Jesu Christi miteinander Rat halten, haben wir andere Ideale.

Jesus Christus hat oft betont: „Wenn ihr nicht eins seid, so seid ihr nicht mein.“ (Siehe Johannes 17:21, Lehre und Bündnisse 38:27)

Er hat ebenfalls nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Organisationen, die miteinander im Streit liegen, nicht erfolgreich sein können, sondern sich entscheidend schwächen: „Weil Jesus nun ihre Gedanken kannte, sagte er zu ihnen: Jedes Reich, das in sich selbst uneinig ist, wird verwüstet, und keine Stadt, kein Haus, die in sich selbst uneinig sind, können Bestand haben.“ (Siehe Matthäus 12:25)

Weiterhin hat er klar gemacht, wer die Quelle aller Wahrheit ist: „Die Herrlichkeit Gottes ist Intelligenz oder, mit anderen Worten, Licht und Wahrheit.“ (Lehre und Bündnisse 93:36) und wie wichtig es ist, Wahrheit zu suchen und darin zu verbleiben: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8:31-32).

Vergangenes Wochenende habe ich in Sofia wieder erfahren dürfen, wie erbauend, stärkend und erfolgreich es ist, wenn auf die Weise des Herrn Rat gehalten wird. Wir haben das auf machtvolle Weise verspürt. Wir haben ein gemeinsames, sehr ambitioniertes Ziel. Wir haben zu Beginn eine starke geistige Grundlage auf Basis der Schriften geschaffen, einander auf wertschätzende Weise zugehört, voneinander gelernt sowie Ideen und Informationen ausgetauscht.

Während der Beratung ist das Ziel für uns greifbarer geworden. Wir haben den Einfluss des Heiligen Geistes gefühlt, wodurch unser Glaube gestärkt wurde, und wir haben die Tür für den weiteren Erkenntnisprozess geöffnet.

Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi in Sofia

In Lehre und Bündnisse 88:122 lesen wir:

Bestimmt unter euch einen zum Lehrer, und lasst nicht alle auf einmal Wortführer sein; sondern lasst immer nur einen reden, und lasst alle seinen Worten zuhören, damit, wenn alle geredet haben, alle durch alle erbaut worden sein mögen und ein jeder das gleiche Recht habe.

Und weiter im Vers 125:

Und vor allem: Bekleidet euch mit dem Band der Nächstenliebe wie mit einem Mantel, denn es ist dies das Band der Vollkommenheit und des Friedens.

Selbstverständlich gilt das gleichermaßen für Frauen und Männer.

Vor der Inspiration kommt die Information. Wenn dies beachtet wird, beides koexistiert und diejenigen, die miteinander beraten, die Demut und den Wunsch haben, in der Folge Ratschläge oder Offenbarung von Gott anzunehmen, ihr Lebenswandel und ihr Herz das Wirken des Heiligen Geistes ermöglichen und, wenn es erforderlich ist, bereit sind, die eigene persönliche Agenda zu vernachlässigen, erreichen wir, was in den  vorstehenden Versen gemeint ist.

Die „Lehrer“ sind in diesem Fall nicht die Meinungsstärksten oder die, die alles besser wissen. Der Lehrer ist idealerweise der Heilige Geist. Diejenigen, die miteinander beraten, mögen anfangs unterschiedliche Auffassungen haben und diese auch vertreten. Werden aber die Prinzipien Gottes befolgt, wird ein Prozess der Annäherung eintreten. Jeder wird den Einfluss des Heiligen Geistes spüren und davon lernen.

Es kann dauern, bis jeder im Rat diesen Prozess versteht. Gemeinsames Beschäftigen mit dem offenbarten Wort Gottes (nicht irgendwelchen Derivaten davon) und Beten und Fasten sind dabei essentiell. Die Wahrheiten, die Gott uns mit Hilfe des Heiligen Geistes lehren möchte, sind keine Meinungssache. Sie werden durch Befolgung des Prozesses offenkundig und führen zu inspirierten Entscheidungen anstelle von schlechten Kompromissen, die irgendwie jedem gerecht werden sollen. Letzteres funktioniert nachweislich selten gut, wie wir ständig in der Gesellschaft verfolgen können.

Gelingt uns das immer, wenn wir in der Kirche miteinander beraten? Leider nicht immer. Der Herr hat uns aber sehr gute Hinweise zur Problemdiagnose gegeben. Einer der besten und umfassendsten findet sich ebenfalls in Lehre und Bündnisse 121:34-45:

34 Siehe, viele gibt es, die berufen sind, aber wenige werden erwählt. Und warum werden sie nicht erwählt? 35 Weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben, dass sie diese eine Lehre nicht lernen: 36 dass die Rechte des Priestertums untrennbar mit den Mächten des Himmels verbunden sind und dass die Mächte des Himmels nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden können. 37 Dass sie uns übertragen werden können, das ist wahr; aber wenn wir versuchen, unsere Sünden zu verdecken oder unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz zu befriedigen, oder wenn wir auch nur mit dem geringsten Maß von Unrecht irgendwelche Gewalt oder Herrschaft oder Nötigung auf die Seele der Menschenkinder ausüben wollen – siehe, dann ziehen sich die Himmel zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und wenn er sich zurückgezogen hat, dann Amen zum Priestertum oder der Vollmacht jenes Mannes. 38 Siehe, ehe er es gewahr wird, ist er sich selbst überlassen, gegen den Stachel auszuschlagen, die Heiligen zu verfolgen und gegen Gott zu streiten. 39 Traurige Erfahrung hat uns gelehrt: Fast jedermann neigt von Natur aus dazu, sogleich mit dem Ausüben ungerechter Herrschaft anzufangen, sobald er meint, ein wenig Vollmacht erhalten zu haben. 40 Daher sind zwar viele berufen, werden aber wenige erwählt. 41 Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe, 42 mit Wohlwollen und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich die Seele sehr erweitert, ohne Heuchelei und ohne Falschheit – 43 zur rechten Zeit mit aller Deutlichkeit zurechtweisend, wenn vom Heiligen Geist dazu bewogen; und danach demjenigen, den du zurechtgewiesen hast, vermehrte Liebe erweisend, damit er nicht meint, du seiest sein Feind, 44 damit er weiß, dass deine Treue stärker ist als die Fesseln des Todes. 45 Lass dein Inneres auch erfüllt sein von Nächstenliebe zu allen Menschen und zum Haushalt des Glaubens, und lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden, und die Lehre des Priestertums wird dir auf die Seele niederträufeln wie der Tau vom Himmel.

Man mag sich vorstellen, um wieviel es uns besser gehen könnte, wenn diese Prinzipien Gottes häufiger angewandt würden.

Es gelingt nicht immer. Wir sind alle nicht perfekt. Von Zeit zu Zeit mag es Ratsversammlungen geben, die nicht erbaut haben, wo die Grundlagen, um Inspiration zu empfangen, nicht gut gelegt wurden und es mehr um den spannungsgeladenen Austausch kontroverser Meinungen ging als darum, den Willen Gottes zu erfahren. Dabei liegt in letzterem die größte Kraft.

Sollten wir aufgeben, weil dieser Prozess nicht einfach umzusetzen ist? Natürlich nicht.

Die beiden größten Gebote, Gott und unseren Nächsten zu lieben, helfen uns, mit Schwierigkeiten umzugehen und unseren eigenen Stolz zu bremsen.

Wir können beständig daran arbeiten, es besser zu machen und erleben, wie sich Dinge zum positiven verändern, Schritt für Schritt.

Neue Gemeinde Chemnitz

Am 22. Dezember 2024 wurde ich als Bischof der Gemeinde Hohenstein-Ernstthal entlassen. Gleichzeitig wurden die Gemeinden Chemnitz und Hohenstein-Ernstthal vereinigt und gehören jetzt als Gemeinde Chemnitz zum Pfahl Leipzig der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Als Bischofschaften und Gemeinderäte haben wir mehrere Jahre an diesem Schritt gearbeitet. Beide Gemeinden haben sich in der Vergangenheit das Gemeindehaus in der Stelzendorfer Straße in Chemnitz geteilt, regelmäßig gemeinsame Gottesdienste, Aktivitäten und gemeinsame Seminar- und Institutsklassen für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt. Ich bin dankbar für die große Einigkeit, die wir in dieser Zeit verspürt haben.

Durch den Zusammenschluss ist eine starke Gemeinde mit durchschnittlich 150-200 Anwesenden in den Gottesdiensten entstanden. Die Mitglieder beider Gemeinden bringen viele Stärken und Synergien in die neue Gemeinde ein. In der Jugendarbeit, humanitären Hilfe und der Musik haben wir bereits einige Erfahrungen gesammelt. In den nächsten Monaten werden sich die Mitglieder noch besser kennenlernen und auf vielfältige Weise zusammenarbeiten. Eine warme Willkommenskultur für Menschen aus aller Welt und aller Altersgruppen, die mehr über Jesus Christus erfahren möchten, gibt es bereits.

Persönlich bin ich sehr dankbar für den unermüdlichen Einsatz meiner beiden Ratgeber Dustin Meyer und Heiko Hengst in der Bischofschaft Hohenstein-Ernstthal. Nach meiner Berufung als Gebietssiebziger im Gebiet Europe Central im April 2024 und den damit einhergehenden Verantwortungen für die Arbeit der Kirche in diesem Gebiet, war es für mich schwer, beide Berufungen gleichzeitig zu erfüllen. Die beiden waren großartige Stützen für mich und haben der Gemeinde vorbildlich gedient.

Bischofschaft der vorherigen Gemeinde Hohenstein-Ernstthal, vlnr. Heiko Hengst, Thomas Hengst, Dustin Meyer
Bischofschaft der vorherigen Gemeinde Chemnitz, vlnr. Matthias Hammer, Benjamin Wetzel, Marco Sacher
Vlnr. Benjamin Wetzel (Bischof vorherige Gemeinde Chemnitz), Robert Schmaal (Bischof neue Gemeinde Chemnitz), Thomas Hengst (Bischof vorherige Gemeinde Hohenstein-Ernstthal)

Als Bischof der neuen Gemeinde Chemnitz wurde Robert Schmaal berufen, mit Ralf Mehnert und Philipp Rösler als Ratgeber. Sie haben mein vollstes Vertrauen.

Neue Bischofschaft Gemeinde Chemnitz, vlnr. Ralf Mehnert, Robert Schmaal, Philipp Rösler

Ich freue mich sehr, Teil dieser Gemeinde zu sein. Obwohl ich als Gebietssiebziger den größten Teil des Jahres in Pfählen und Gemeinden in ganz Europa, insbesondere in Ungarn und Rumänien unterwegs bin, hoffe ich dennoch Zeit zu finden, meine Erfahrungen und Fähigkeiten weiterhin in die Arbeit der Gemeinde einbringen zu können. Es ist eine Herzensangelegenheit.

Der neuen Bischofschaft und dem Gemeinderat wünsche ich die Einigkeit, die wir verspürt haben und die Führung Gottes in allen wichtigen Entscheidungen und Vorhaben.

Jesus Christus gab den Nephiten unter anderem die folgenden Worte mit auf den Weg:

„Und ihr seht, ich habe geboten, dass keiner von euch weggehen soll, sondern habe vielmehr geboten, dass ihr zu mir kommen sollt, damit ihr fühlen und sehen könnt …“ (Buch Mormon, 3. Nephi 18:25).

Das ist der Zweck einer Gemeinde: alle Menschen einzuladen, zu Christus zu kommen und ihnen eine geistige Heimat zu sein.

2. Advent

Unsere jungen Erwachsenen haben eine sehr schöne Gemeinde-Weihnachtsfeier organisiert. Ich wurde gebeten, einige Worte am Schluss des geistigen Teiles zu sagen.

Mir kam ein Erlebnis in den Sinn, das ich letzte Woche in Rom hatte. Ich nahm an einem Seminar für Servicemissionsführer im Gebiet Europa Mitte teil, in dessen Rahmen wir unseren Tempel in Rom besuchten und das von wunderbaren Menschen organisiert und gestaltet wurde.

Der Tempel, der Tempelplatz und das Besucherzentrum sind unbedingt eine Reise wert. Sie bilden eine wunderbare Ergänzung zum Programm, das typische Besucher Rom’s haben.

Im Besucherzentrum gibt es neben einer Nachbildung der berühmten Christus-Statue von Bertel Thorvaldsen, umringt von den zwölf Aposteln, auch das Bleiglas-Kunstwerk „Come Unto Me“ von Tom Holdman.

Es stellt mehr als 100 Referenzen zum Leben und Wirken sowie Gleichnissen und Wundern von Jesus Christus dar. Dieses Werk hat mich sehr beeindruckt als ich mich tiefer mit seinem Inhalt beschäftigt habe.

Es finden sich so viele nachdenkenswerte Details darin. Wir sehen Jesus, wie er einen Kranken heilt. Daneben Petrus, mit den Schlüsseln des Priestertums, die er von Christus erhielt, und Johannes. Wir sehen Maria und Marta, letztere mit einem Korb in dem sich fünf Brote und zwei Fische befinden. Wir sehen Lazarus, die Emmausjünger, die Samariterin am Brunnen, die gleichzeitig auch die Frau verkörpert, die durch eine Berührung des Gewandes von Jesus von einem zwölfjährigen Leiden geheilt wurde. Außerdem sind der geheilte Aussätzige, Matthäus, der vom Steuereintreiber zum Apostel wurde und der barmherzige Samariter dargestellt. Wir finden Referenzen zu Seiner Geburt, zum Abendmahl, den zehn Geboten, dem Opfer der armen Witwe, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, den zwölf Stämmen Israels, der Lehre, dass wir belehrbar wie die Kinder werden sollen und vieles mehr.

Es gibt ein Buch, in dem das Kunstwerk umfassend beschrieben wird.

In Summe wird damit ausgedrückt, was Präsident Russell M. Nelson zur Generalkonferenz im April 2023 gesagt hat:

„Welche Fragen oder Probleme Sie auch haben mögen: Die Antwort ist immer im Leben und in den Lehren Jesu Christi zu finden! Lernen Sie mehr über sein Sühnopfer, seine Liebe, seine Barmherzigkeit, seine Lehre und sein wiederhergestelltes Evangelium der Heilung und des Fortschritts. Wenden Sie sich ihm zu! Folgen Sie ihm nach!“

Das gilt tatsächlich für alles. Wieviel Leid, Unklarheit, Streit und Irrtum könnte vermieden oder geheilt werden, würde diesem Prinzip im großen Maßstab gefolgt – im Privaten, den Familien, im öffentlichen Leben, in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Weihnachten ist eine Zeit, sich mit den universellen Dimensionen der Geburt eines besonderen Kindes und Seines Wirkens auseinanderzusetzen.

Als ein berufener Siebziger des Herrn gebe ich Zeugnis von Jesus Christus und Seinem unbegrenzten Sühnopfer für die Menschheit.

Innerer Kompass

Ich bin von verschiedenen Seiten gebeten worden, den Text meines Rundfunkbeitrags im Deutschlandfunk Kultur am 1. Advent zu teilen. Das tue ich gern, möchte aber ein paar Gedanken hinzufügen.

Vorvergangene Woche waren wir mit den Jugendlichen unserer Gemeinde im Paris Tempel. Wir verbrachten dabei einige Zeit im Besucherzentrum und lernten einige wertvolle Dinge zur Symbolik, die in der Architektur und Gestaltung des Tempels verwendet wurde.

Im Besucherzentrum gibt es eine Darstellung von Jesus Christus, umgeben von Lilien als Zeichen von Reinheit und Royalty. Die Lilien weisen Verunreinigungen in verschiedenen Farben auf. Diese Farben sind auch im Gewand von Jesus Christus sichtbar.

Diese Symbolik bezieht sich auf das unbegrenzte und universelle Sühnopfer Jesu Christi, der alle Schmerzen, Ungerechtigkeiten, Sünden, Sorgen und Kummer der Menschen auf sich genommen hat. Er breitet seine Arme aus, um jeden von uns zu empfangen, ganz gleich womit wir beladen sind. Die Lilien und die einladende Geste von Jesus Christus tauchen überall im Tempel auf, unter anderem auch in den Fenstern.

Als ich nach einer Endowment Session im Celestialen Saal des Tempels saß und nachdachte, kamen mir die Gedanken zu meinem Text für die Radiosendung.

Ich musste daran denken, dass die vielschichtigen Probleme unserer Gesellschaft ohne den Einfluss von Jesus Christus nicht gelöst werden können. Es ist so deutlich sichtbar, dass es ohne Ihn nicht  funktionieren wird. Wir erleben die seltsamsten Versuche, es anders hinzubekommen. Der Staat versucht, immer mehr zu regulieren. Es entstehen Behörden und Organisationen, die die Entscheidungsfreiheit des Menschen einschränken. Auf der anderen Seite werden grundlegende Bausteine des gesellschaftlichen Fundaments der Beliebigkeit überlassen, ohne einen nachhaltigen und inspirierten Diskurs über die Folgen dieses Handelns. Der Hass nimmt zu und die Vernunft sowie die Fähigkeit zum Ausgleich nehmen ab. Und obwohl das viele Menschen sehen, wird es irgendwie nicht besser. Das hat viele Gründe, aber einer sticht hervor:

Jesus Christus lehrt, dass Veränderungen zuerst bei jedem selbst beginnen müssen.

„Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, während du den Balken in deinem eigenen Auge nicht wahrnimmst? Oder wie darfst du zu deinem Bruder sagen: ‚Lass mich den Splitter aus deinem Auge ziehen‘? Und dabei steckt der Balken in deinem Auge! Du Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, dann magst du zusehen, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“ (Matthäus 7:3-5).

„Alles nun, was ihr von den Menschen erwartet, das erweist auch ihr ihnen ebenso; denn darin besteht die Erfüllung des Gesetzes und der Propheten. Geht in das Reich Gottes durch die enge Pforte ein; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der ins Verderben führt, und es sind ihrer viele, die auf ihm hineingehen. Eng ist dagegen die Pforte und schmal der Weg, der ins Leben führt! Und nur wenige sind es, die ihn finden.“ (Matthäus 7:10-12)

Wenn diese Prinzipien und die Einladung von Jesus Christus verstanden und angewandt werden, werden sich die Zustände in kleinen Schritten verbessern. Nur so entsteht ein innerer Friede, der unerlässlich ist, die großen Fragen unserer Zeit zu beantworten.

Hier der Text für das Wort zum Tage vom 1. Dezember 2024:

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

als Familie freuen wir uns jedes Jahr über die Weihnachtszeit. Wir haben in unserer Gemeinde eine Tradition, die wir den lebendigen Adventskalender nennen. Sie besteht darin, dass jeden Tag eine andere Familie ihr Zuhause für Gemeindemitglieder, Freunde oder auch Fremde öffnet, um Freude, Besinnlichkeit und Zusammenhalt zu erleben.

Wir leben in einer Zeit wachsender Unruhe und Sorgen mit einem großen Defizit an Dingen, die verbinden. Wenn man einen Blick von außen auf die Menschheit werfen könnte, würde man viele paradox anmutende Phänomene beobachten.

Eines davon ist die fortschreitende Missachtung der Gesetze von Ursache und Wirkung in wichtigen Bereichen unseres Zusammenlebens und die seltsame Verweigerung, den Sinn unseres Lebens, Familie, Umwelt, Frieden, Verantwortung, Glauben und Werte für die Ewigkeit – kurz alles, was es für eine stabile Zukunft braucht, ganzheitlich zu betrachten.

Einige deutliche Zeichen, dass mit dem moralischen Kompass einer Gesellschaft etwas nicht stimmt, sind nachlassende geistige, physische oder mentale Sicherheit, Geborgenheit und Resilienz, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, Unversöhnlichkeit und die Beliebigkeit bei der Bearbeitung dieser wichtigen Themen.

Vor ca. 2700 Jahren hat der Profet Jesaja eine Ermahnung ausgesprochen: „Denn so hat Gott der Herr gesprochen: ´Durch Umkehr und Ruhehalten werdet ihr gerettet werden, im Stillesein und Vertrauen besteht eure Kraft. Aber ihr habt nicht gewollt, sondern habt gesagt: ‘Nein! Vielmehr auf Rossen wollen wir dahinfliegen!’ — nun, so sollt ihr dahinfliehen.“ (Jesaja 30:15-16)

In anderen Worten: Jeder von uns braucht Zeiten und Orte zum innehalten, reflektieren, unabhängig mit welchen Perspektiven wir durch das Leben gehen, ob wir annehmen, dass es endlich oder Zuversicht haben, dass es ewig ist. Wir brauchen einen verlässlichen moralischen Kompass, der uns Antworten und Kraft zu Veränderungen gibt, die Probleme lösen und nicht verschärfen.

Wie wäre es, wenn wir die vor uns liegenden Wochen dazu nutzen, Jesaja´s Rat zu befolgen, das Wort Gottes und die großartigen geistigen Leistungen der Menschheit, die in der Regel davon inspiriert wurden, in unsere Überlegungen einbeziehen und dann in uns hineinhören. Was werden wir vorher und nachher vorfinden? Wenn wir nur „Dahinfliegen“, bleiben uns entscheidende Antworten verborgen. Es ist eher so, wie in einem Psalm beschrieben: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46:10)

Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-innere-kompass-kirche-jesu-christi-der-heiligen-der-letzten-tage-dlf-kultur-fb23bec7-100.html

Frankfurter Buchmesse / Frankfurt Book Fair 2024

Vergangenen Samstag und Sonntag hatte ich die Gelegenheit, auf dem Messestand der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bei der Frankfurter Buchmesse 2024 mitzuhelfen. Wir hatten Tausende Besucher und wurden zeitweise buchstäblich belagert.

Last Saturday and Sunday I had the opportunity to help at the booth of the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints at the Frankfurt Book Fair 2024. We had thousands of visitors and were literally besieged at times.

Unser Stand war zweigeteilt. Auf der „grünen“ Seite haben wir FamilySearch vorgestellt und die Besucher eingeladen, eigene Erfahrungen mit Familiengeschichte zu machen. Ich war überrascht, wie groß das Interesse und die Faszination der Besucher war, sobald sie einen kleinen Überblick über die Dimensionen unserer Arbeit erhalten hatten. Viele haben Einblicke erhalten und Gefühle erlebt, die ihnen bisher völlig unbekannt waren.

Our stand was divided into two parts. On the “green” side, we presented FamilySearch and invited visitors to make their own experiences with family history. I was surprised at how much interest and fascination the visitors showed once they had been given a brief overview of the dimensions of our work. Many gained insights and experienced feelings that were previously completely unknown to them.

Die „blaue“ Seite war dem Buch Mormon gewidmet, einem Grundpfeiler unserer Religion. Mehr als 200 Millionen Exemplare des Buches wurden seit seiner ersten Veröffentlichung im März 1830 gedruckt.

The “blue” side was dedicated to the Book of Mormon, a cornerstone of our religion. More than 200 million copies of the book have been printed since its first publication in March 1830.

Besucher hatten die Möglichkeit, zu verweilen und an einem sozialen Experiment teilzunehmen. Dies bestand darin, mindestens eine Seite im Buch Mormon zu lesen und dann mit uns über ihre Eindrücke zu sprechen. Diese Möglichkeit wurde rege genutzt.

Visitors had the opportunity to sit down and take part in a social experiment. This consisted of reading at least one page of the Book of Mormon and then talking to us about their impressions. This opportunity was used by many.

Die häufigste Frage, die mir – neben der Frage, wie wir das alles finanzieren – gestellt wurde, war das Warum. Warum tun Sie das alles?

The most frequent question I was asked – apart from how we finance all this – was why. Why are you doing all this?

Warum ist FamilySearch die größte philantropische Plattform für Familiengeschichte auf der Welt? Nun, darauf gibt es klare Antworten: Weil wir daran glauben, dass das Leben nach dem Tod erst richtig beginnt und ewig währen wird; dass es in diesem ewigen Leben Familienbeziehungen geben wird; dass es heilsam für die Gesellschaft ist, wenn die gegenwärtige und die heranwachsende Generation emotionale Beziehungen und Bindungen zu ihren Vorfahren und Nachfahren aufbaut; dass der Zugang zu den dafür erforderlichen Informationen ein Menschenrecht ist und nach den FAIR Prinzipien, gemäß geltender Datenschutzgesetze möglich sein sollte, unabhängig von Religion oder Weltanschauung, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit oder Orientierung. Genau das versuchen wir vorzuleben.

Why is FamilySearch the largest philanthropic family history platform in the world? Well, there are clear answers to that: Because we believe that life after death only really begins and will last forever; that in this eternal life there will be family relationships; that it is beneficial for society if the current and upcoming generation builds emotional relationships and bonds with their ancestors and descendants; that access to the information required for this is a human right and should be possible according to the FAIR principles, in accordance with applicable data protection laws, regardless of religion or world view, skin color, nationality or orientation. This is exactly what we try to exemplify.

Nebenbei sind wir eine der größten Triebkräfte der digitalen Transformation des kulturellen Erbes der Menschheit und leisten entscheidende Beiträge in allen Teilen der Welt.

We are also one of the biggest driving forces of the digital transformation of humanity’s cultural heritage and make decisive contributions in all parts of the world.

Rein theologisch könnte ich auch den Profeten Maleachi zitieren: „Siehe, ich werde euch den Propheten Elija senden, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt; und er wird das Herz der Väter den Kindern zuwenden und das Herz der Kinder ihren Vätern, damit ich nicht komme und die Erde mit einem Fluch schlage.“ (siehe Buch Mormon, 3. Nephi 25:5-6 oder Altes Testament, Maleachi 3:23-24).

In purely theological terms, I could also quote the prophet Malachi: “Behold, I will send you Elijah the prophet before the coming of the great and dreadful day of the Lord; and he shall turn the heart of the fathers to the children, and the heart of the children to their fathers, lest I come and smite the earth with a curse.” (see Book of Mormon, 3 Nephi 25:5-6 or Old Testament, Malachi 3:23-24).

Das Auseinanderbrechen familiärer Beziehungen, Einsamkeit und Verlustgefühle in Bezug auf die eigene Identität sind solche gesellschaftlichen Probleme, die besser geheilt werden können, wenn sich die Herzen der Generationen wieder einander zuwenden.

The break-up of family relationships, loneliness and feelings of loss of identity are social problems that can be better healed when the hearts of the generations turn towards each other again.

Elder Dieter F. Uchtdorf vom Kollegium der Zwölf Apostel hat zur Herbst-Generalkonferenz 2024 folgendes gesagt:

Elder Dieter F. Uchtdorf of the Quorum of the Twelve Apostles said the following at the October 2024 General Conference:

„Mit das Wichtigste, was wir in diesem Leben lernen können, ist der Unterschied zwischen dem, was ewig ist, und dem, was nicht ewig ist. Sobald wir das verstehen, ändert sich alles: unsere Beziehungen, die Entscheidungen, die wir treffen, die Art und Weise, wie wir mit Menschen umgehen.“

„One of the most important things we can learn in this life is the difference between what is eternal and what is not. Once we understand that, everything changes – our relationships, the choices we make, the way we treat people.“

Daran glauben wir, aber wir erwarten nicht, dass andere genauso denken wie wir.

We believe in this, but we don’t expect others to think the same way as we do.

Warum haben wir Besucher eingeladen, im Buch Mormon zu lesen? Weil es Zeugnis von Jesus Christus und Gottes Plan des Glücklichseins gibt. Weil es unzählige und präzise Antworten auf die Probleme der heutigen Zeit gibt. Diese Probleme und vor allem ihre Ursachen werden darin ausführlich und erstaunlich vollständig besprochen. Wir lernen im Buch Mormon aus den Erfahrungen vergangener Kulturen, was tragischerweise in Gesellschaften geschieht, die sich von Jesus Christus abwenden – bis hin zu ihrem Verfall. Im Gegensatz dazu erfahren wir auch, wie Gesellschaften gedeihen, die sich Jesus Christus zuwenden und ihre Herausforderungen mit Hilfe Seiner Lehren bearbeiten und diese im täglichen Leben anwenden.

Why have we invited visitors to read the Book of Mormon? Because it gives testimony of Jesus Christ and God’s plan of happiness. Because it provides countless and precise answers to the problems of our time. These problems and, above all, their causes are discussed in detail and with astonishing completeness. In the Book of Mormon, we learn from the experiences of past cultures what tragically happens in societies that turn away from Jesus Christ – up to the point of their downfall. In contrast, we also learn how societies that turn to Jesus Christ thrive and work through their challenges with the help of His teachings and apply them in daily life.

Sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Kirche laden wir die Menschen ein, Antworten und Wahrheiten dort zu suchen, wo sie in nachhaltiger Form zu finden sind und dafür ist das Buch Mormon eine der besten Quellen.

Both inside and outside our church, we invite people to seek answers and truths where they can be found in a sustainable form, and the Book of Mormon is one of the best sources for this.

Unsere nächste Generation/our next generation

Sonntag vor einer Woche habe ich Zeit mit den 11-jährigen Kindern unserer Gemeinde verbracht. Für einen Bischof ist das eine schöne Aufgabe. Die Frauen in unserer Primarvereinigungs-Präsidentschaft hatten alles wunderbar vorbereitet. Wir haben zusammen gegessen und danach habe ich mit den Kindern über die vielen Dinge, die sich in ihrem Leben mit zum Teil atemberaubender Geschwindigkeit verändern, gesprochen.

Sunday, a week ago, I spent time with the 11-year-old children in our ward. For a bishop, this is a beautiful task. The women in our Primary presidency had prepared everything wonderfully. We ate together and afterwards I talked to the children about the many things that are changing in their lives, sometimes at breathtaking speed.

Nächstes Jahr werden sie den Tempel besuchen können, worauf sie sich sehr freuen. Es wird ihnen helfen, sich besser während der Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen zurechtzufinden.

Next year they will be able to attend the temple, which they are very much looking forward to. This will help them to navigate their way during their development from child to teenager.

Als ich ihnen die Broschüre „Für eine starke Jugend“ vorgestellt habe, gingen meine Gedanken fast 50 Jahre zurück als ich in ihrem Alter war. Ich erinnere mich an Erfahrungen, die schwierig waren und an die Entwicklung von Gewohnheiten und Denkmustern, die mich heute noch begleiten. Ich erinnere mich aber auch an viele schöne Erlebnisse, die meine Vorstellungswelt und mein Verständnis von der Welt erweitert haben. Und ich hatte meine ersten Erfahrungen, den Einfluss des Heiligen Geistes deutlich zu spüren. Das war sehr neu und besonders für mich und passierte, als ich mit 11, 12 Jahren beim Lernen eines Musikinstruments, bewusst Musik begegnet bin, die den Heiligen Geist einlädt. Daraus und auf der Basis der Werte, die mir zu Hause und in der Kirche vermittelt wurden, sowie eines sehr großen Wissensdurstes, entstand mein Zeugnis von Jesus Christus. Es hat mir geholfen, für meinen Glauben auch gegen manchmal massiven Widerstand einzustehen.

When I presented them with the brochure „For the Strength of Youth“, my thoughts went back almost 50 years, when I was their age. I remember experiences that were difficult and the development of habits and thought patterns that are still with me today. But I also remember many wonderful experiences that expanded my imagination and my understanding of the world. And I had my first experiences of clearly feeling the influence of the Holy Spirit. This was very new and special for me and happened when I, at the age of 11 or 12, was learning to play a musical instrument and consciously encountered music that invited the Holy Spirit. From this and on the basis of the values I was taught at home and in church, as well as a very great thirst for knowledge, my testimony of Jesus Christ started to grow. It has helped me to stand up for my faith even in the face of sometimes massive opposition.

Ich habe mit unseren Elfjährigen darüber gesprochen, welche Dinge, ihnen jetzt schon aber noch viel geballter in den nächsten Jahren begegnen könnten: Konflikte mit Eltern, Spannungen, sich verändernde Prioritäten oder Sinn- und Glaubenskrisen in Familien, Freunde, die destruktive Gewohnheiten entwickeln und sich dabei hoffentlich keine lebenslangen Schäden zufügen, Cyber-Mobbing, Versuchungen aller Art, Peer Pressure, Enttäuschungen und Misserfolge, schnell wechselnde Gefühle mit allen einhergehenden Konsequenzen, die Sehnsucht nach Sicherheit und das Bedürfnis geliebt und akzeptiert zu werden und eine Welt der Beliebigkeit, in der Selbstdisziplin und moralische Werte gering geschätzt werden. Glaube und das daraus folgende Verhalten werden herausgefordert und in Frage gestellt werden.

I talked to our eleven-year-olds about the things they might be facing now, but even more so in the coming years: Conflicts with parents, tensions, changing priorities or crises of meaning and faith in families, friends developing destructive habits and hopefully not causing themselves lifelong damage while doing so, cyber bullying, temptations of all kinds, peer pressure, disappointments and failures, rapidly changing emotions with all the consequences coming with it, the longing for security and the need to be loved and accepted and a world of arbitrariness in which self-discipline and moral values are held in low esteem. Faith and the resulting behavior will be challenged and questioned.

Auf der anderen Seite stehen Wahrheiten, die Sicherheit und Stabilität geben. Dort stehen ebenfalls riesige Felder an Wissen und praktischen, intellektuellen, emotionalen und geistigen Erfahrungen, wunderbare Chancen zu wachsen, eine eigene Beziehung zu Gott und dem Sinn des Lebens zu finden, großartige Fähigkeiten zu entwickeln und tiefe Freundschaften fürs Leben aufzubauen. Sie können die Unterschiede zwischen Freude und Spaß entdecken, Nachhaltigkeit und Vergänglichkeit, Wahrheit und Irrtum und wie man gute Entscheidungen trifft, die ewige Perspektiven haben.

On the other side are truths that provide security and stability. There are also vast fields of knowledge and practical, intellectual, emotional and spiritual experiences, wonderful opportunities to grow, to find your own relationship with God and the meaning of life, to develop great skills and to build deep friendships for life. You can discover the differences between joy and fun, sustainability and impermanence, truth and error, and how to make good choices that have eternal prospects.

Vor einiger Zeit las ich in bedeutenden deutschen Publikationen Beiträge von Pädagogen und Kinderpsychologen, die darüber klagten, dass die Empathie- und Resilienzfähigkeit der heranwachsenden Generation besorgniserregend abnimmt und Egoismus und Einsamkeit schon in jungen Jahren zunehmen. Als wichtige Ursachen wurden der frühe Gebrauch sozialer Medien, soziale Unsicherheit und Mängel bei der Bereitstellung von möglichst ganztägiger staatlicher Betreuung von Kindern angeführt. Sehr wenig wurde über die Vermittlung von Werten und emotionale Stabilität in der Familie gesagt, noch weniger über die Verantwortung von Eltern und gar nichts über geistige Bildung oder die Lehren von Jesus Christus. Dies sind aber genau die Themen, auf die es in großem Maße ankommt – die Vermittlung und das Vorleben von Empathie, Nächstenliebe und Selbstlosigkeit, ebenso die Wichtigkeit von Standhaftigkeit, wie es Paulus in Epheser 4:14 beschreibt:

Some time ago, I read articles in major German publications by educators and child psychologists who complained that the empathy and resilience of the growing generation is declining at an alarming rate and that selfishness and loneliness are already on the rise at a young age. The early use of social media, social insecurity and shortcomings in the provision of all-day state care for children were cited as important causes. Very little was said about the teaching of values and emotional stability in the family, even less about the responsibility of parents and nothing at all about spiritual education or the teachings of Jesus Christ. Yet these are precisely the issues that matter most – the teaching and modeling of empathy, charity and selflessness – ideally in the family, as well as the importance of steadfastness as described by Paul in Ephesians 4:14:

„Denn wir sollen keine unmündigen Kinder mehr sein; wir dürfen uns nicht mehr durch jede beliebige Lehre vom Kurs abbringen lassen wie ein Schiff, das von Wind und Wellen hin und her geworfen wird, und dürfen nicht mehr auf die Täuschungsmanöver betrügerischer Menschen hereinfallen, die uns mit ihrem falschen Spiel in die Irre führen wollen.“

„That we henceforth be no more children, tossed to and fro, and carried about with every wind of doctrine, by the sleight of men, and cunning craftiness, whereby they lie in wait to deceive;“

Während der Zeit, die wir zusammen verbracht haben, ist mir noch viel mehr bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass wir sie voller Liebe auf ihrem Weg begleiten, damit sie lernen, Jesus Christus in ihr Leben einzubeziehen und wissen, dass wir für sie da sind, wenn sie verletzt werden oder Fehler machen. Genauso wichtig ist, dass wir uns mit ihnen freuen, ihnen Mut machen und sie stärken, indem wir gute Vorbilder sind.

Jesus Christus lehrt, wie man das höhere Gesetz lebt | 3 Nephi 12-14 https://www.churchofjesuschrist.org/study/video/3-nephi-12-14/2022-07-0300-jesus-christ-teaches-how-to-live-the-higher-law-3-nephi-12-14-deu?lang=deu

During the time we spent together, I realized even more how important it is that we accompany them on their journey full of love, so that they learn to include Jesus Christ in their lives and know that we are there for them when they are hurt or make mistakes. It is just as important that we rejoice with them, encourage them and strengthen them by being good role models.

Gottes Plan des Glücklichseins und der Erlösung, mit der Möglichkeit, dass Familien für immer zusammen sein und Generation miteinander verbunden werden können, bietet Perspektiven, die durch andere Lehren oder Philosophien entweder nur in Fragmenten oder überhaupt nicht vermittelt werden. Entscheidungsfreiheit und Verantwortung für uns selbst und die uns anvertrauten Seelen sind dabei göttliche Grundprinzipien. Entscheidungsfreiheit sollte jedoch nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden, denn die Folgen unserer Entscheidungen können wir nicht bestimmen. Wir haben also die Verantwortung, mit Weitblick die Folgen von dem, was wir tun, zu bedenken und uns vor allem darüber umfassend zu bilden. Dies trifft ganz besonders auch darauf zu, wie wir mit unseren nächsten Generationen umgehen.

God’s plan of happiness and salvation, with the possibility that families can be together forever and generations can be connected to each other, offers perspectives that are either only conveyed in fragments or not at all by other teachings or philosophies. Free agency and responsibility for ourselves and the souls entrusted to us are fundamental divine principles. However, free agency should not be confused with arbitrariness, because we cannot determine the consequences of our decisions. We therefore have a responsibility to consider the consequences of what we do with foresight and, above all, to educate ourselves fully about them. This applies in particular to how we treat our future generations.

Wegweiser „Für eine starke Jugend“ https://www.churchofjesuschrist.org/study/manual/for-the-strength-of-youth?lang=deu

39 Jahre

Kürzlich begingen wir den Start unserer gemeinsamen Lebensreise vor 39 Jahren.

Esther machte den ersten Schritt ca. zwei Jahre vorher. Ich war Sänger und Gitarrist in einer Band. Wir spielten bei einer Kirchentagung für junge Erwachsene in Dresden. Nach dem Tanzabend kam sie zu mir und bat mich, ihr einen Liedtext zu schicken. Der Text war natürlich nur Nebensache. Es begann vielmehr eine außergewöhnliche Briefkorrespondenz, die mit der Zeit immer intensiver wurde. Wir tauschten unzählige wertvolle Gedanken aus, die Bände füllen würden und mit der Zeit wurde uns klar, dass wir füreinander bestimmt sind.

Ich werde oft gefragt, wie man es schafft, 39 Jahre verheiratet zu sein. Nun, die Frage an sich sagt vieles darüber aus, wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt hat. Was einst normal war, ist jetzt außergewöhnlich. Es gibt darauf auch keine Patentantwort, dafür aber eine Vielzahl von großen und kleinen Dingen, Überzeugungen, Einsichten, Erlebnissen und Erfahrungen, die unser Leben begleitet haben.

Einige davon sind von grundlegender Bedeutung:

Wir hatten von Anfang an gemeinsame Ziele und Träume. Dazu gehörte, eine Familie zu bauen, Kinder zu erziehen und die Bereitschaft, diesem Vorhaben einiges an Anspruchsdenken unterzuordnen.

Wir haben den Entschluss gefasst, unserem Leben ewige Perspektiven zu geben und alles dafür zu tun, damit diese Perspektiven Wirklichkeit werden können. Das betrifft vor allem unsere Beziehung mit unserem Himmlischen Vater und Jesus Christus, unser Wirken in diesem genialen Plan der Erlösung und unsere Treue zu den Bündnissen, die wir bei unserer Eheschließung im Tempel in Freiberg und auch schon vorher mit Gott geschlossen haben.

Bevor wir geheiratet haben, haben wir beschlossen, aufeinander acht zu geben und nicht zuzulassen, dass eine ungesunde Ich-Bezogenheit, das Wir gefährden wird.

Diese Konstanten haben uns bisher durch Höhen und Tiefen, Erfolge und Misserfolge, Glück und Leid, Freude und Enttäuschungen begleitet und uns geholfen, immer wieder Lösungen zu finden, unsere Ziele zu verfeinern und unsere Gefühle füreinander zu stärken. Liebe ist in großem Maße eine Funktion der Mühe und Hingabe, die man dafür aufwendet.

Wir sind noch lange nicht am Ende unseres Weges. Wir haben mit unseren Perspektiven erst eine verhältnismäßig kurze Strecke zurückgelegt. Es ist faszinierend darüber nachzusinnen. Wir mögen es, über die Zukunft zu sprechen – die nahe, die ferne und die ganz ferne Zukunft. Wir denken gern nach Vorne.

In den 39 Jahren haben wir viele Situationen erlebt oder durchlebt, die geeignet sind, Ehen zum Scheitern zu bringen.

Da ist zum einen eine gewisse Desillusionierung, die nach einiger Zeit einsetzt, wenn die frische Liebe mit Gewohnheiten und Problemen des Alltags konfrontiert wird und man sich entscheiden muss, ob man gewillt ist, für die Ehe zu arbeiten.

Kinder verändern das Leben radikal. Wir wollten Kinder und haben sie in einer Zeit bekommen, die turbulent und mit vielen Unsicherheiten behaftet war. Wir haben gelernt, erhebliche Opfer zu bringen und Verantwortung zu übernehmen. Hat uns das auf lange Sicht geschadet? Nein! Hat es nicht. Es hat uns entscheidend geprägt und uns Dinge gelehrt, die man nirgendwo anders lernen kann. Wir haben gelernt, vorbehaltlos zu lieben, trotz vieler Schwierigkeiten und Probleme. Unsere drei Kinder und ihre Familien sind von unschätzbarem Wert. Zwei weitere haben wir leider verloren, aber wir freuen uns auf sie nach diesem Leben.

Auch wir hatten Lebensphasen, in denen Wünsche und Ansprüche nicht mit der Realität zusammen gepasst haben. Es kann hart sein, die notwendigen Kurskorrekturen vorzunehmen. Man kann Sklave seiner Ansprüche werden und dafür einen hohen Preis zahlen oder man schafft es, sich an seine höheren oder nachhaltigeren Ziele zu erinnern und sie weiter mit viel Geduld und Beharrlichkeit zu verfolgen.

Eine Lehrerin hat meiner Frau ins Schulzeugnis geschrieben: „Esther beendet mit Beharrlichkeit jede begonnene Aufgabe.“ Damit war sie in unserem Leben der entscheidende Faktor und hat meine Kreativität und meine vielen Ideen in realistische Bahnen gelenkt. Für uns war diese Kongenialität sehr wichtig. Wir mussten sie uns aber erarbeiten.

Als wir Mitte/Ende dreißig waren, begann eine Lebensphase, in der die Belastungen größer wurden. Die Kinder kommen in das Teenageralter, was zu vielen Konfliktsituationen führt. Im Beruf kommt man plötzlich für Führungsaufgaben in Frage und die Verantwortung wächst. Dazu kommen noch viele andere Verpflichtungen. Bei uns war es meine Berufung in den Vorstand eines Unternehmens, weltweite Reisetätigkeit und kurz danach in der Kirche die Berufung als Pfahlpräsident. Für uns stellte sich eine entscheidende Frage: Wollen wir unsere Herausforderungen mit Gott oder ohne Gott bearbeiten? Wir haben uns für Gott entschieden und während dieses extrem anstrengenden Lebensabschnittes, die Hand des Herrn in unserem Leben auf wunderbare Weise sehen und fühlen können. Wir haben Dinge bewerkstelligen können, die vorher unmöglich schienen und sind zusammen gewachsen.

Jeder muss diese Entscheidungen selbst treffen. Es ist aber so, dass in Zeiten von Belastungsspitzen und sich ändernden Herausforderungen (heute nennt man es gern midlife crisis), vieles kaputt gehen kann, wenn man die Orientierung verliert und die Steuerung des Lebens an den Mainstream oder Ratgeber abgibt, die vielleicht bequeme, dafür aber wenig nachhaltige Botschaften haben. Jede Beziehung kommt irgendwie im Leben an solche Punkte. Die Kräfte, die zu Trennungen und allen damit verbundenen Traumata führen, können sehr mächtig sein.

Sie können Abwärtsspiralen in Gang setzen, die Menschen von ihren Lieben und Gott entfernen. Zuerst geht das ganz langsam und allmählich in kleinen Schritten, aber wenn man nichts dagegen unternimmt, wird die Geschwindkeit und Intensität zunehmen, bis sich Empfindungen so stark geändert haben, dass es zum Bruch kommt. Im Gegensatz dazu gibt es auch Aufwärtsspiralen, die uns einander und Gott näher bringen. Sie erweitern unsere Sicht in ebenso kleinen Schritten. Tut man beständig die Dinge, die es für diesen Prozess braucht, werden die Schritte größer und Erkenntnise und Gefühle immer stärker.

Jede Beziehung ist natürlich anders. Die Ziele und viele andere Dinge unterscheiden sich. Probleme und Herausforderungen unterscheiden sich. Aber es gibt Wahrheiten, die immer bestehen bleiben. Sie lassen sich nicht ohne Folgen durch Beliebigkeit ersetzen. Wir haben zwar die Freiheit zur Beliebigkeit, aber die Folgen können wir nicht wählen.

Immer wenn wir bemerken, dass etwas unsere Ehe angreift, versuchen wir innezuhalten, unser Verhalten zu reflektieren und zu schauen, ob wir noch auf dem Weg sind, der uns zu unseren größten Zielen führt. Für uns ist das Gottes Plan der Erlösung und des Glücklichseins. Wir haben dafür nichts ebenbürtiges gefunden und lassen uns davon leiten.

Selbstverständlich haben wir über die Jahre Eigenheiten entwickelt, die dem jeweils anderen manchmal nicht gefallen. Es ist ein Zeichen beständiger Liebe, wenn man damit geduldig und verständnisvoll umgeht, aber auch nicht vergisst, an sich selbst zu arbeiten.

Ich freue mich auf die Zukunft mit Esther, die ich sehr liebe. Wir sind gespannt, was wir gemeinsam noch erleben werden.

Das Abendmahl

Da in den letzten Tagen das Abendmahl in den Fokus der Medien gekommen ist, kam mir gestern auf der Rückfahrt aus dem Urlaub in einer Gegend voller atemberaubender und ehrfurchtgebietender Naturwunder der Gedanke, über dieses Thema etwas zu schreiben.

In den letzten Wochen habe ich im Rahmen meiner neuen Kirchenberufung als ein Gebietssiebziger, die mit der Aufgabe, ein besonderer Zeuge für Jesus Christus zu sein, einhergeht, oft über das Abendmahl und die Bedeutung für uns gesprochen.

Meine Mutter und meine Schwiegermutter, die heute ihren 99. bzw. 95. Geburtstag feiern würden, waren beide für mich hervorragende Vorbilder, wie man mit Ehrfurcht und Andacht am Abendmahl teilnimmt. Sie haben dies ihr gesamtes langes Leben (beide wurden 93 Jahre alt) sehr ernst genommen und dadurch viele Segnungen und Erkenntnisse von den Dingen, die die Welt zusammen halten, erlangt. Für das Beispiel, das diese beiden großartigen und rechtschaffenen Frauen mir und vielen anderen gegeben haben, werde ich für immer dankbar sein.

Wir nehmen jeden Sonntag am Abendmahl teil und sind eingeladen, mit genügend Raum in unserem Geist und Herzen zum Gottesdienst zu kommen, um über unser Leben, unsere Beziehung zu Jesus Christus zu reflektieren, Dankbarkeit für Sein unbegrenztes Opfer zum Ausdruck zu bringen und persönliche Inspirationen durch den Heiligen Geist zu erhalten, die uns zu besseren Menschen machen, wenn wir ihnen folgen.

Das Abendmahl ist eine heilige Verordnung, eine Erinnerung und Erneuerung unserer Bündnisse mit Gott mit der Kraft, uns näher zu Ihm zu bringen – in dieser Zeit eine Sache von großer Notwendigkeit.

Am Vorabend seiner Kreuzigung verbrachte Jesus Christus mit seinen Jüngern eine besondere Zeit, um ihnen die Bedeutung Seines bevorstehenden Sühnopfers klar zu machen. Er teilte mit ihnen Brot als Symbol Seines Leibes, der getötet und Wein als Symbol Seines Blutes, das vergossen werden würde.

In den vier Evangelien im Neuen Testament (siehe Matthäus 26, Markus 14, Lukas 22 und Johannes 13) finden sich Schilderungen des letzten Abendmahls.

Einer der Jünger war ein Verräter. Die anderen waren aufrechte und glaubensstarke Männer, die nach Seinem Tod und Seiner Auferstehung das Werk unter riesigen persönlichen Opfern weiterführten.

Im Buch Mormon gibt es eine detailliertere Schilderung von der Einführung des Abendmahls durch den auferstandenen Christus bei den Nephiten.

Siehe Buch Mormon, 3. Nephi 18:1-14, Hervorhebungen von mir hinzugefügt:

1 Und es begab sich: Jesus gebot seinen Jüngern, ihm etwas Brot und Wein herzubringen. 2 Und während sie um Brot und Wein gingen, gebot er der Menge, sich auf die Erde niederzusetzen. 3 Und als die Jünger mit Brot und Wein gekommen waren, nahm er vom Brot und brach und segnete es; und er gab den Jüngern und gebot ihnen zu essen. 4 Und als sie gegessen hatten und satt waren, gebot er ihnen, der Menge zu geben. 5 Und als die Menge gegessen hatte und satt war, sprach er zu den Jüngern: Siehe, einer unter euch soll ordiniert werden, und ihm werde ich Macht geben, dass er Brot bricht und es segnet und es dem Volk meiner Kirche gibt, all denen, die an meinen Namen glauben und sich in ihm taufen lassen. 6 Und dies sollt ihr immer bedacht sein zu tun, so wie ich es getan habe, ja, wie ich Brot gebrochen und es gesegnet und es euch gegeben habe. 7 Und dies sollt ihr zum Gedächtnis meines Leibes tun, den ich euch gezeigt habe. Und es wird dies dem Vater ein Zeugnis sein, dass ihr immer an mich denkt. Und wenn ihr immer an mich denkt, wird mein Geist mit euch sein. 8 Und es begab sich: Als er diese Worte gesagt hatte, gebot er seinen Jüngern, vom Wein aus dem Kelch zu nehmen und davon zu trinken und auch der Menge zu geben, dass sie davon trinke. 9 Und es begab sich: Sie taten es und tranken davon und wurden satt; und sie gaben der Menge, und sie alle tranken und sie wurden satt. 10 Und als die Jünger dies getan hatten, sprach Jesus zu ihnen: Gesegnet seid ihr, weil ihr dies getan habt, denn dies ist die Erfüllung meiner Gebote, und dies bezeugt dem Vater, dass ihr willens seid, das zu tun, was ich euch geboten habe. 11 Und dies sollt ihr immer für diejenigen tun, die umkehren und sich in meinem Namen taufen lassen; und ihr sollt es zum Gedächtnis meines Blutes tun, das ich für euch vergossen habe, damit ihr dem Vater bezeugt, dass ihr immer an mich denkt. Und wenn ihr immer an mich denkt, wird mein Geist mit euch sein. 12 Und ich gebe euch das Gebot, dass ihr dies tun sollt. Und wenn ihr dies immer tut, seid ihr gesegnet, denn ihr seid auf meinem Felsen gebaut. 13 Wer aber unter euch mehr oder weniger tut als dies, ist nicht auf meinem Felsen gebaut, sondern ist auf sandigem Grund gebaut; und wenn der Regen fällt und die Fluten kommen und die Winde wehen und an ihn schlagen, so wird er fallen, und die Pforten der Hölle sind schon offen, ihn zu empfangen. 14 Darum seid ihr gesegnet, wenn ihr meine Gebote haltet, von denen der Vater mir geboten hat, sie euch zu geben.

Um die Bedeutung des Abendmahls zu erfassen, muss man sich mit dem gesamten Sühnopfer Jesu Christi vertraut machen, mit seiner universellen Dimension für die Entwicklung der Menschheit und seiner zentralen Rolle im Plan der Erlösung, den unser Vater im Himmel für jede und jeden bereitet hat – auch für die, die ihn verunglimpfen, weil sie ihn noch nicht oder nur teilweise verstehen.

Ich habe in früheren Posts schon viel darüber geschrieben und werde es auch in zukünftigen Beiträgen tun, denn es gibt nichts, das in seiner Bedeutung diesem Plan auch nur annähernd nahe kommt.

Da wir alle zu einer bestimmten Zeit unserem Schöpfer begegnen werden, ist es folgerichtig und nachhaltig, so viel wie möglich darüber zu lernen. Die Quellen liegen vollkommen offen vor uns – allerdings nicht oder nur sehr spärlich in den Medien, die uns mit Informationen und viel Meinungen, jedoch wenig Erkenntnis überfluten.

Paulus hat in seinem Brief an die Römer den Profeten Jesaja zitiert:

Römer 14:11-12 Hfa
[11] Denn in der Heiligen Schrift steht: »So wahr ich lebe, spricht der Herr: Vor mir werden alle niederknien, und alle werden bekennen, dass ich der Herr bin!« [12] Jeder von uns wird also für sich selbst Rechenschaft vor Gott ablegen müssen.

Dabei geht es nicht nur um Rechenschaftspflicht für begangene Sünden, sondern um ein grundlegendes Verständnis unserer Identität als Söhne und Töchter Gottes, von Ursachen und Wirkungen, Licht und Finsternis im Denken und Handeln, Heilung und Errettung, ewige Perspektiven und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass Gott uns als Seine Kinder so sehr liebt, dass Er bereit ist, alles mit uns zu teilen, in dem Maße, wie wir seinem Vorbild folgen möchten. Es bedeutet auch, dass es an uns liegt, wie wir unsere Entscheidungsfreiheit und die damit einhergehende Verantwortung nutzen, um uns Ihm zu nähern oder uns von Ihm zu entfernen.

Das ist die Einladung zum Nachdenken, die für jeden Menschen besteht und deren Relevanz unbestreitbar ist.

In unserem Gesangbuch gibt es ein Lied, das ich sehr mag und auch gern auf der Orgel spiele. Es fast diesen Beitrag sehr schön zusammen.

Zusätzlicher Lesestoff:

https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2019/04/28holland?lang=deu

https://www.churchofjesuschrist.org/study/general-conference/2024/04/51christofferson?lang=deu