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Pfahlball Leipzig 2017

Vergangenen Samstag war es wieder soweit – der alljährliche Ball des Pfahles Leipzig in der Muldentalhalle in Wilkau-Hasslau bei Zwickau. Es war ein toller Höhepunkt in unserem Kirchenleben mit rekordverdächtiger Teilnehmerzahl. Als Schirmherr möchte ich mich bei allen bedanken, die mit Einsatz und Leidenschaft zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben. Ich habe nicht von allen Fotos oder Videos machen können, aber wir hatten einen Kameramann, der uns sicher in absehbarer Zeit die Ergebnisse seiner Arbeit präsentieren wird. Herzlichen Dank an Peter Lange aus der Gemeinde Erfurt.

Besonders bedanken möchte ich mich bei unserem Moderatorenpaar, Christina und Frank Heidler aus der Gemeinde Leipzig 2. Ihr wart grandios. Ein großer Dank für eure einfühlsame Art und euren Humor.

Frank sorgte kurz vor dem Ende für die Überraschung und den Höhepunkt des Abends, was den Saal zum Kochen brachte 🙂 – seine Reminiszenz an alte Jugendzeiten zusammen mit der Band unseres Pfahles – die Spezialversion von City´s „Am Fenster“. Frank, wie lange hast du dafür geübt? 🙂

Vorher erlebten wir eine richtige Talenteshow – vor allem von den jungen Leuten unseres Pfahles. Das hat mich sehr gefreut – die vielen musikalischen Talente mit Prisca, Anahi, Pauline, Annika, Cosima, Cäcilia (die Jungs haben hier echt Nachholebedarf), Poetry Slam mit Liv und Samuel und natürlich Break Dance mit Finn und seinen Freunden. Ihr wart alle super.

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Stellvertretend für alle anderen hier ein kurzer Videoclip von Cäcilia Hoffmann (Gemeinde Zwickau) begleitet von Annika Vogel (Gemeinde Jena). Ganz tolle Stimme – mit 15 Jahren.

Sehr schön fand ich auch, dass der Eröffnungswalzer von unserem Pfahlorchester gespielt wurde.  Etwas später gab es einen kleinen aber feinen Flashmob. Den Anfang habe ich leider mit der Kamera verpasst. Der Ton ist zwischendurch manchmal nicht optimal. Ich denke, ich hatte irgendwie amateurhaft den Finger auf dem Mikrofon. 🙂 Aber es ist ein sehr schönes Lied.

Nicht zuletzt möchte ich mich auch besonders bei den Jungs von The Band of Brothers aus den Gemeinden Zwickau und Werdau und den Special Guests, die sie eingeladen haben, bedanken. Ihr werdet immer besser. Super !!!. Es hat großen Spaß gemacht, euch zuzuhören und sich zu eurer Musik zu bewegen. 🙂

Ein herzliches Dankeschön auch an alle, die weniger sichtbar waren und für die Dekoration gesorgt haben, für guten Ton, für die Betreuung der Kinder, für das Catering und vieles mehr. Ein besonderer Dank geht an Jörg Müller aus der Gemeinde Zwickau, der sich im Vorfeld um unzählige Dinge gekümmert hat.

Es war ein toller Abend. Wir freuen uns auf nächstes Jahr.

Sisters & Elders Part 30

Die Pfahlkonferenz am vergangenen Wochenende war ein echter Höhepunkt. Ich war danach etwas geschafft, habe aber sehr viel gelernt und tiefe Eindrücke gewonnen. Vielen Dank an alle, die mich und meine Ratgeber unterstützt haben.

Ein weiteres schönes Ereignis fand am Montag letzte Woche statt. Ich hatte die Ehre, Sister Linda Bauerfeind als Missionarin in die Madrid Spanien Mission zu berufen. Sie wird dort in den nächsten 18 Monaten dienen und lernt jetzt bereits im MTC in Madrid fleißig Spanisch.

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Wir hatten eine gute Zeit im Heim von Asnath und Björn Bauerfeind, den Eltern von Linda. Wir sind seit acht Jahren, in denen Björn als mein Ratgeber mit mir zusammenarbeitet, eng verbunden. Ich liebe das Gemälde hinter uns auf dem Foto.

Linda, wir sind stolz auf dich und wünschen dir alles Gute und den Segen des Himmlischen Vaters.

Am Wochenende ist Pfahlkonferenz

Am kommenden Wochenende findet unsere Herbst-Pfahlkonferenz statt – diesmal aus bekannten Gründen sowohl am Samstag als auch am Sonntag im Kulturhaus in Böhlen.

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Wir freuen uns, dass Elder Joaquim Moreira aus Portugal uns besuchen wird und heißen ihn auch herzlich willkommen.

Im Vorfeld der Konferenz möchte ich an die Frühjahrs-Pfahlkonferenz im April erinnern und alle Leser einladen, sich noch einmal mit den Inhalten vertraut zu machen. Das Motto der Konferenz war wie wir unseren Glauben authentisch leben können. Wir haben interessante Versammlungen erlebt und sehr gute und vielfältige Gedanken gehört.
Der Bericht ist zu finden unter www.pfahl-leipzig.de/links/downloads. Einfach auf „Berichte von der Pfahlkonferenz“ klicken und die letzte Konferenz auswählen oder einfach hier klicken: 2017-04 Frühjahrspfahlkonferenz.

Wir haben ebenfalls einen Brief und eine Präsentation an die Mitglieder unseres Pfahles verteilt und wünschen uns, dass die darin geschilderten Anliegen weiterhin in den Gemeinden beachtet werden.

Es gab dazu von mir einen Post – siehe https://thomashengst.com/2017/05/01/danke/ und wer möchte, kann sich den Brief gleich hier noch einmal ansehen – 2017_04_Brief an die Mitglieder des Pfahles Leipzig.

Ich freue mich, am Wochenende wieder einen großen Teil der Mitglieder des Pfahles Leipzig sehen und begrüßen zu dürfen.

 

Gefühle in Rock Creek Hollow

Wenn man in Wyoming auf dem Highway 28 von Farson nach Lander fährt, kommt irgendwann in the middle of nowhere ein Hinweisschild: Rock Creek Hollow, 11 Meilen. Nach 11 Meilen auf einer unbefestigten, schlammigen Straße kommt man an diesen Ort. Es ist eine öde Schlucht, nur trostloses Gebüsch und ein kleiner Bach. Dennoch handelt es sich um heiligen Boden aufgrund von Ereignissen, die sich dort im späten Oktober 1856 zugetragen haben.
Rock Creek Hollow ist der Ort, an dem sich die Willie Handkarrenkompanie mit fast 500 Mormonen nach der Überquerung der schwierigsten Passage der 1.300 Meilen langen Reise von Iowa City nach Salt Lake City, der 2200 Meter hohen Rocky Ridge sammelte und buchstäblich gerettet wurde. Ich möchte hier nicht die gesamte Geschichte schildern. Dafür gibt es sehr gute Quellen, die sich mit den Umständen der Willie und Martin Handkarrenkompanien beschäftigen. Über einen Besuch in Martin Cove habe ich vor über drei Jahren bereits geschrieben. (Siehe https://thomashengst.com/2014/02/08/martins-cove/)
Es genügt zu sagen, dass Rock Creek Hollow, genauso wie Martin Cove, ein heiliger Ort durch die Menschen wurde, die sich durch die Opfer, die sie gebracht haben, ein immerwährendes Denkmal und einen besonderen Platz in der Geschichte unserer Kirche geschaffen haben.

Wir besuchten Rock Creek Hollow am 24. September, einen Tag nach der Bundestagswahl in Deutschland. Es war ein Erlebnis, das im großen Kontrast steht zu dem Streit in einem der wohlhabendsten Länder der Erde. Es ist schwer, die Gefühle zu beschreiben, die mich dort bewegt haben. Ich habe die Heiligkeit des Ortes gespürt, die Feierlichkeit des Gedenkens, die Dankbarkeit für die Leistungen dieser Menschen, die so viel für ihren Glauben geopfert haben, die Wichtigkeit und Notwendigkeit sich zu erinnern, im Gedächtnis zu behalten und Schlussfolgerungen für sich selbst zu ziehen.
Ich habe mich Gott ziemlich nahe gefühlt. Es war sehr deutlich.

In einem Grab sind 13 der Handkarrenpioniere beerdigt, die in der Nacht nach der Überquerung von Rocky Ridge, nach 27 Stunden größter Anstrengungen bei eisigen Temperaturen und hohem Schnee, hungernd, mit verschlissener Kleidung und Schuhwerk an Entbehrung, Erschöpfung und Erfrierung gestorben sind. Zwei weitere starben am folgenden Tag.

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Grabstätte in Rock Creek Hollow
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Grabstein in Rock Creek Hollow

Stellvertretend für alle Opfer möchte ich kurz die Geschichte der Kirkwood Familie erzählen, die mich jedes Mal enorm mitnimmt. Wir haben Zuhause dieses Bild hängen, das James und Joseph Kirkwood darstellt.

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Margaret Kirkwood war eine Witwe aus Schottland, die zu den frühen Bekehrten der Kirche gehörte. Vor ihrer Emigration in das Salzseetal waren ihr Mann und zwei Töchter bereits gestorben. 1856 entschloss sie sich mit ihren 4 Söhnen Robert (21), Thomas (19), James (11) und Joseph (5) zur Reise. Die Voraussetzungen waren nicht günstig, die Mittel knapp und Thomas seit einem Unfall im Alter von 6 Jahren nicht in der Lage selbst zu gehen. Sie wurden Mitglieder der Willie Handkarrenkompanie.
Die Mutter und ihr Sohn Robert kümmerten sich um den Handkarren, in dem neben ihren Habseligkeiten auch ihr Sohn Thomas saß. James hatte die Aufgabe, sich um den kleinen Joseph zu kümmern. Bei der Überquerung von Rocky Ridge konnte Joseph der Gruppe nicht mehr folgen. Als er nicht mehr gehen konnte, trug ihn sein Bruder James die gesamte verbleibende Strecke bis ins Lager in Rock Creek Hollow. Als die beiden dort ankamen, setzte sich James nieder und verstarb an Erschöpfung. Die Familie kam am 30. November 1856 in Salt Lake City an. Margaret und ihre Söhne Robert und Joseph lebten als angesehene Bürger und treue Heilige der Letzten Tage bis ins hohe Alter. Thomas starb zwei Jahre nach der Ankunft in Utah.

Der Besuch einer solchen Gedenkstätte (und vieler anderer) kann sehr wohl zur Heilung zahlreicher menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen beitragen sowie zur Stärkung von wichtigen Eigenschaften, die für das harmonische Zusammenleben von vernunftbegabten Menschen erforderlich sind (Und das möchte ich sowohl auf das, was innerhalb der Kirche als auch außerhalb der Kirche geschieht, beziehen). Dazu gehört (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Entwicklung von Mitgefühl für andere, die leiden und als Konsequenz daraus ein entsprechendes Verhalten; genauso wichtig: die Entwicklung von Glauben, Ehrfurcht, Achtung und Respekt. Es ist Medizin gegen Jammern, Murren, Groll, Aggressivität und Egoismus. Es stärkt die Bereitschaft, zusammenzuhalten und zusammenzuarbeiten anstatt gegeneinander. Man kann lernen, dass der Lohn nicht vor der Anstrengung kommen sollte. Die Bedeutung von Eigenständigkeit, Eigenverantwortung und Integrität wird klarer. Ganz wichtig: zu lernen, sich erst dann ein Urteil über Dinge oder Menschen zu bilden, wenn man sich die Mühe gemacht hat, genügend Einblick und Verständnis zu erlangen. Ebenso wichtig ist die Immunisierung gegen Hass, Neid, Gier, Verachtung und Gewalt sowie gegen den Drang, Verantwortung für eigene Probleme, ständig auf andere abschieben zu wollen.
Die Erfahrung, rechtschaffene Opfer und Dienst für den Nächsten und/oder eine gute Sache zu bringen, ist enorm wichtig für die Charakterbildung und schützt die Gesellschaft davor, moralisch zu verkommen.
Die wichtigste Frucht ist Nächstenliebe oder wie wir sagen, die reine Christusliebe, von der wir in unseren Gemeinden und unserem Gemeinwesen viel mehr brauchen.

Von all dem habe ich in Medien und im gesellschaftlichen Diskurs vor und nach den Wahlen bei uns und anderswo relativ wenig gehört. Das macht mir in einer Gesellschaft, die eifrig daran arbeitet, sich ernstlich zu spalten, große Sorgen.

Auf dem Weg nach Rock Creek Hollow haben wir im Auto diese Ansprache von Präsident Gordon B. Hinckley aus dem Jahr 1991 angehört. Er war damals 1. Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft der Kirche. Wer bis hierher gelesen hat, sollte sich diese Worte auch noch durchlesen. Sie geben die Chance zu Selbsterkenntnis und die ist bekanntlich der beste Weg, ein besserer Mensch zu werden.

Zu retten ist unsere Mission

„Meine lieben Brüder und Schwestern, wie gesegnet sind wir doch, daß wir uns unter solch angenehmen und glücklichen Umständen in Frieden versammeln können! Als ich über diese Herbstkonferenz und die inspirierten Reden nachdachte, die wir gehört haben und noch hören werden, eilten meine Gedanken zu dem Geschehen zurück, das sich vor 135 Jahren an diesem ersten Oktobersonntag ereignete, als hier auf dem Tempelplatz eine ähnliche Versammlung stattfand. Damals hat es dieses herrliche Tabernakel noch nicht gegeben. Die Heiligen trafen sich im Alten Tabernakel, das ein paar Schritte südlich von uns gestanden hat. Es war Sonntag, der 5. Oktober 1856. Tags zuvor, am Samstag, war eine kleine Anzahl Missionare aus England heimgekehrt. Sie hatten die Reise ziemlich schnell hinter sich gebracht, weil die Gespanne kräftig und die Wagen leicht waren. Franklin D. Richards hatte sie geführt. Sie begaben sich sofort zu Präsident Brigham Young und berichteten ihm, daß Hunderte von Männern, Frauen und Kindern von Missouri zum Salzseetal unterwegs waren. Die meisten von ihnen hatten Handkarren zu ziehen; sie waren in zwei Abteilungen eingeteilt, und zwei kleinere Gruppen mit Ochsengespannen und Wagen kamen nach ihnen. Die vorderste Gruppe befand sich gerade wahrscheinlich in der Gegend von Scottsbluff, noch fast 700 Kilometer von ihrem Bestimmungsort entfernt, und die anderen lagen weiter zurück. Es war Oktober, und sie würden eingeschneit werden und zugrunde gehen, wenn ihnen keine Hilfe gesandt wurde.

Brigham Young hatte davon nicht gewußt. Es gab damals natürlich keine schnelle Nachrichtenverbindung – kein Radio, keinen Telegraf, keine schnelle Post. Er war damals fünfundfünfzig Jahre alt. Am nächsten Morgen, am Sabbat, trat er vor die Zuhörer im Tabernakel und sagte:

„Ich werde nun sagen, was ich als den Gegenstand und Text sehe, über den die Ältesten sprechen sollen. … Und zwar ist es dies: Am5. Oktober 1856 befinden sich noch viele unserer Brüder und Schwestern mit Handkarren auf der Prärie, und wahrscheinlich sind viele noch elfhundert Kilometer von hier entfernt, und sie müssen hier hergeholt werden, wir müssen ihnen Hilfe senden. Das Thema für die Ansprachen ist:, Bringt sie her!‘ …

Das ist meine Religion, das ist es, was der Heilige Geist mir ansagt. Wir müssen die Leute retten. …

Ich rufe noch heute die Bischöfe auf. Ich warte nicht bis morgen oder übermorgen, ich brauche 60 gute Maultiergespanne und 12 bis 15 Wagen. Ich möchte keine Ochsen schicken. Ich brauche gute Pferde und Maultiere. Sie sind in dieser Gegend vorhanden, und wir müssen sie bekommen. Ebenso 12 Tonnen Mehl und 40 gute Fuhrleute außer denen, die die Gespanne führen. …

Ich sage euch: All euer Glaube, eure Religion, euer Bekenntnis zur Religion werden auch nicht einen von euch ins celestiale Reich unseres Gottes erretten, wenn ihr nicht die Prinzipien, die ich euch gerade jetzt lehre, in die Tat umsetzt. Geht und holt die Leute her, die jetzt auf der Prärie sind.“ (Handcarts to Zion, Seite 120f.)

Am nächsten Morgen klangen die Hammerschläge auf den Ambossen durch das Tal, als in den Schmieden Pferde beschlagen und Wagen repariert und beladen wurden.

Anderntags, am Dienstag, dem 7. Oktober, „machten sich sechzehn gute Maultier-Vierergespanne mit siebenundzwanzig kühnen jungen Männern mit dem ersten Teil der Lebensmittel auf den Weg nach Osten. Das Beschaffen weiterer Güter wurde kräftig vorangetrieben.“ (A. a. O., Seite 124.)

„Ende Oktober waren zweihundertfünfzig Gespanne zur Hilfeleistung unterwegs.“ (A. a. O. Seite 125.)

Man hat von den Kanzeln auf dem Tempelplatz schon viele beredte Predigten gehört, aber keine davon war beredter als die, die auf jener Herbstkonferenz vor 135 Jahren gehalten wurden.

Nun möchte ich davon ein wenig abschweifen und das Geschehnis von einer anderen Seite her wieder aufgreifen.

Vor ein paar Wochen durfte ich ein Denkmal zum Gedächtnis von Ellen Pucell Unthank enthüllen. Es steht auf dem Universitätsgelände in Cedar City in Südutah und zeigt die Bronzefigur eines reizenden kleinen neunjährigen Mädchens, mit einem Fuß auf Zehenspitzen stehend, die Haare vom Wind nach hinten geweht, ein Lächeln auf dem Gesichtchen, und eifrig nach vorn blickend.

Ellen Pucell, wie sie genannt wurde, kam in einer schönen Gegend in England zur Welt, wo es weite, sanfte Hügel gibt und das Gras zu allen Zeiten grün ist. Ihre Eltern, Margaret und William Pucell, hatten sich zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt. In der Zeit zwischen ihrer Taufe im Jahre 1837 und dem Frühjahr 1856 hatten sie geknausert und gespart, um zu ihrem Volk in die Täler der Rocky Mountains in Amerika ziehen zu können. Das war möglich, wenn sie bereit waren, einen Handkarren 1700 Kilometer durch die Wildnis zu ziehen. Sie nahmen die Herausforderung an, wie es auch Hunderte ihrer neuen Glaubensbrüder taten.

Margaret und William nahmen ihre beiden Töchter mit: die vierzehnjährige Maggie und die neun Jahre alte Ellen. Sie verabschiedeten sich von den geliebten Menschen, die sie ja auf Erden nie mehr sehen sollten. Gegen Ende Mai segelten sie mit 852 anderen neuen Mitgliedern von Liverpool ab. Die Großmutter meiner Frau, die dreizehnjährige Mary Goble, gehörte auch dazu, und ich stelle mir gern vor, wie sie mit den Mädchen an Bord spielte.

Nach sechs Wochen Überfahrt landeten sie in Boston und fuhren mit dem Zug nach lowa City. Sie hatten erwartet, daß die Handkarren und Wagen bereit standen, aber es war nicht so. Es gab eine verhängnisvolle Verzögerung. Erst gegen Ende Juli konnten sie den langen Marsch antreten, zuerst nach Winter Quarters am Missouri, dann weiter in die Rocky Mountains.

Die Pucells wurden der Martin-Handkarren-Abteilung zugeteilt. Die Familie Goble, die Vorfahren meiner Frau, gesellten sich zur Cluff-Wagen-Abteilung, die den Handkarren folgte, um notfalls Hilfe leisten zu können.

Man begann die Reise mit großen Erwartungen. Durch Sonnenschein und Sturm, durch Staub und Schlamm mühten sie sich den ganzen September und bis weit in den Oktober hinein entlang dem Platte River dahin. Am 19. Oktober kamen sie an der letzten Furt des Platte an, ein wenig westlich von dort, wo heute die Stadt Casper in Wyoming liegt. Der Fluß war breit, er hatte eine starke Strömung, und auf dem Wasser trieben schon Eisschollen. Es gab schon nicht mehr genug zu essen. Tapfer wateten sie durch den eisigen Fluß. Es erhob sich ein schrecklicher Sturm, und der schneidende Wind trieb Sand, Hagel und Schnee vor sich her. Als sie an das andere Ufer kletterten, gefroren ihnen die nassen Kleider am Körper. Erschöpft, durchgefroren und unfähig, weiterzugehen, setzten sich etliche hin und starben dort im Sitzen.

Ellens Mutter wurde krank. Ihr Mann lud sie auf den Karren. Der Weg führte sie jetzt zur kontinentalen Wasserscheide, und es ging nur noch bergauf. Sehen Sie diese Familie vor sich? Die Mutter krank und zu schwach, als daß sie gehen konnte, der Vater dünn und ausgemergelt, wie er den Karren zieht, und die beiden Mädchen, die hinten schieben, vom kalten Wind gepeitscht, und ringsum Hunderte von anderen, die sich in gleicher Weise vorwärtskämpfen. Sie kamen an einen Fluß, der schon vereist war. Beim Übergang rutschte der Vater auf einem Felsbrocken aus und stürzte. Er rappelte sich wieder auf und schleppte sich ans andere Ufer, naß und kalt. Einige Zeit später setzte er sich nieder, um auszuruhen. Er starb ruhig, die Kälte hatte ihn unempfindlich gemacht. Seine Frau starb fünf Tage später. Ich weiß nicht, wo man die gefrorenen Leichen in jener öden, weißen Wildnis begrub. Aber ich weiß, daß der Boden gefroren war und daß sich Schneewehen aufgetürmt hatten und daß die beiden Mädchen jetzt Waisen waren.

Allein von der Martin-Abteilung kamen auf diesem Zug des Leidens und des Sterbens zwischen 135 und 150 Reisende ums Leben. Und in dieser verzweifelten, schrecklichen Lage – hungrig, erschöpft, die Kleider dünn und zerfetzt – wurden sie von der Hilfsmannschaft gefunden. Als die Retter am westlichen Horizont auftauchten und einen Weg durch den Schnee bahnten, erschienen sie wie barmherzige Engel. Und das waren sie ja auch. Die eingeschlossenen Auswanderer schrien vor Freude, das heißt, einige von ihnen. Die anderen waren zu schwach zum Schreien, sie konnten nur weinen und weinen und weinen.

Jetzt gab es zu essen und wärmere Kleider. Aber das Leiden war noch nicht vorüber und nahm auch das ganze Erdenleben kein Ende. Gliedmaßen waren abgefroren, und das brandige Fleisch schälte sich von den Knochen.

Die Karren wurden stehen gelassen, und die Überlebenden wurden in den Wagen der Retter zusammengepfercht. Der lange, beschwerliche Weg von fünf-, sechs-, ja achthundert Kilometern war wegen der Stürme besonders langsam und schwierig. Am 30. November kamen 104 Wagen mit ihrer leidenden menschlichen Fracht im Salzseetal an. Die Nachricht von ihrer bevorstehenden Ankunft war ihnen vorausgeeilt. Es war ein Sonntag, und abermals hatten sich die Heiligen im Tabernakel versammelt. Brigham Young trat vor die Gemeinde und sagte:

„Sofort nach Schluß dieser Versammlung sollen die Brüder und Schwestern nach Hause gehen. …

Die Versammlung am Nachmittag fällt aus, denn ich möchte, daß die Schwestern Vorbereitungen treffen, um den eben Angekommenen etwas zu essen zu geben und sie zu waschen und zu pflegen. …

Ihr werdet sehen, daß einigen die Füße bis zu den Knöcheln abgefroren sind, einigen die Beine bis zu den Knien, und einigen sind die Hände erfroren. … Wir möchten, daß ihr sie wie eure eigenen Kinder aufnehmt und ihnen das entsprechende Gefühl entgegenbringt.“ (Handcarts to Zion, Seite 139.)

Die beiden Waisenmädchen, Maggie und Ellen, gehörten zu denen mit abgefrorenen Gliedmaßen. Mit Ellen stand es sehr schlimm. Der Arzt im Tal tat, was er nur tun konnte. Er nahm ihr beide Beine knapp unter dem Knie ab. Es gab nur grobe Instrumente und keine Narkose. Die Stümpfe heilten nie mehr. Sie wuchs zur Frau heran, heiratete William Unthank und brachte sechs Kinder zur Welt, die sie in einer respektablen Familie auf zog. Sie bewegte sich auf ihren Stümpfen fort; sie diente ihrer Familie, ihren Nachbarn und der Kirche – immer gläubig und mit frohem Mute und ohne zu klagen, obwohl sie nie ohne Schmerzen war. Ihre Nachkommenschaft ist zahlreich, und darunter gibt es gebildete, tüchtige Männer und Frauen, die denselben Herrn lieben, den Ellen geliebt hat, und die die Sache lieben, um derentwillen sie gelitten hat.

Nach Jahren saßen einige Leute in Cedar City beisammen und sprachen über sie und andere, die der unglückseligen Abteilung angehört hatten. Manche Kritik an der Kirche und ihren Führern wurde laut, weil die Bekehrten so spät im Jahr auf den Weg geschickt worden waren. Ich zitiere nun aus einem Manuskript, das ich habe:

„Ein alter Mann saß still in der Ecke und hörte zu, bis er es nicht mehr aushielt. Dann stand er auf und sagte einiges, das keiner der Zuhörer jemals vergessen wird. Sein Gesicht war bleich vor Erregung, und doch sprach er ruhig und gelassen, aber mit großem Ernst und ganz aufrichtig.

Er sagte im wesentlichen, Hören Sie doch mit dieser Kritik auf! Sie reden über etwas, wovon Sie keine Ahnung haben. Kalte historische Tatsachen haben hier keine Bedeutung, weil sie die einschlägigen Fragen nicht richtig ausdeuten können. Ein Fehler, sagen Sie, die Handkarrenabteilungen so spät auf den Weg zu schicken? Gewiß. Aber ich war in der Abteilung und meine Frau auch und Schwester Nellie Unthank, die Sie gerade erwähnt haben, ebenso. Wir haben mehr erlitten, als Sie sich auch nur vorstellen können, und viele sind an Kälte und Hunger gestorben. Aber haben Sie je gehört, daß einer der Überlebenden ein Wort der Kritik geäußert hätte? Kein einziger aus jener Abteilung ist je abgefallen oder hat die Kirche verlassen; denn ein jeder von uns hat am Ende mit absoluter Bestimmtheit gewußt, daß Gott lebt – wir haben ihn in unserer äußersten Not kennengelernt.“ (Das Manuskript ist in meinem Besitz.)

Der Sprecher war Francis Webster, der das als Sechsundzwanzigjähriger mit seiner Frau und einem kleinen Kind mitgemacht hatte. Er wurde später ein Führer in der Kirche und war auch in den Kommunen im südlichen Utah führend tätig.

Nun, meine Brüder und Schwestern, ich habe viel Zeit auf diese Erzählung verwandt, vielleicht zuviel. Wir haben jetzt den Oktober 1991, und diese Episode liegt 135 Jahre hinter uns. Ich habe Ihnen die Geschichte aber erzählt, weil sie wahr ist und weil der Geist davon so zeitgemäß ist wie der heutige Morgen.

Ich möchte alle meine Zuhörer daran erinnern, daß unsere angenehmen Lebensumstände und daß wir Frieden und – was noch wichtiger ist – Glauben und Kenntnis von den Dingen Gottes haben, von unseren Vorgängern um einen schrecklich hohen Preis erkauft worden sind. Opferbereitschaft gehört seit jeher zum Evangelium Jesu Christi. Die Krönung unseres Glaubens ist, daß wir vom lebenden Gott, dem Vater von uns allen, und seinem geliebten Sohn, dem Erlöser der Welt, überzeugt sind. Weil der Erlöser gelebt und sich geopfert hat, sind wir hier. Weil er sein Sühnopfer vollbracht hat, werden wir und alle Söhne und Töchter Gottes an der Errettung durch den Herrn teilhaben. „Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ (l Korinther 15:22.) Weil der Erretter der Welt die Erlösung durch Opfer bewirkt hat, ist uns der große Plan des ewigen Evangeliums zugänglich und werden alle, die im Herrn sterben, den Tod nicht erleiden, sondern zur celestialen und ewigen Herrlichkeit weitergehen.

In unserer Hilflosigkeit wird er zu unserem Retter. Er bewahrt uns vor Verdammnis und führt uns ins ewige Leben.

In Zeiten der Verzweiflung, in Einsamkeit und Angst, taucht er am Horizont auf und bringt Hilfe und Trost, Zuversicht und Glauben mit. Er ist unser König, unser Retter, unser Befreier, unser Herr und Gott.

Die Menschen damals auf der kalten Hochebene von Wyoming haben ihn in ihrer äußersten Not kennengelernt, wie nur wenige ihn kennenlernen. Aber jeder geplagten Seele, jedem Mann und jeder Frau in Not, all denen, die eine schwere Bürde durch die bitteren Stürme des Lebens schleppen, ruft Jesus zu: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11:28-30.)

Ich bin gewiß dankbar, daß heute niemand von uns auf der Hochebene von Wyoming eingeschneit ist. Aber ich weiß auch, daß es rings um uns viele Menschen gibt, die Hilfe brauchen und es verdienen, gerettet zu werden. Unsere Mission im Leben, die wir Nachfolger des Herrn Jesus Christus sind, muß eine Mission des Errettens sein. Es gibt Heimatlose, Hungrige, Mittellose, und man sieht es ihnen an. Wir haben schon viel getan. Wir können noch mehr tun, um denen zu helfen, die sich am Rande des Überlebens befinden.

Wir können die Hand ausstrecken und denen Halt geben, die im Sumpf der Pornographie, der abscheulichen Unmoral und der Drogen unterzugehen drohen. Viele sind so süchtig geworden, daß sie nicht mehr die Kraft haben, ihr Schicksal zu meistern. Sie sind elend und zerbrochen. Aber sie können geborgen und gerettet werden.

Es gibt Ehefrauen, die verlassen worden sind, und Kinder, die weinen, weil sie zu Hause mißhandelt werden. Es gibt Väter, die man vor bösem, zerstörendem Tun bewahren kann, so daß kein Ruin und kein Herzeleid mehr entsteht.

Heute brauchen wir uns um die Menschen auf der Hochebene von Wyoming keine Sorgen mehr zu machen, aber sehr wohl um diejenigen in unserer Umgebung, in unserer Familie, unserer Gemeinde, unserem Pfahl, in unserer Nachbarschaft und in unserem Gemeinwesen.

„Und der Herr nannte sein Volk Zion, weil sie eines Herzens und eines Sinnes waren und in Rechtschaffenheit lebten; und es gab unter ihnen keine Armen.“ (Mose 7:18.)

Wenn wir das Zion errichten wollen, von dem die Propheten gesprochen und der Herr mächtige Verheißungen verkündet hat, müssen wir unsere verzehrende Selbstsucht ablegen. Wir müssen über unsere Liebe zu Bequemlichkeit und Wohlergehen hinauswachsen, und so werden wir gerade dann, wenn wir uns anstrengen und kämpfen müssen, eben in unserer äußersten Not, unseren Gott besser kennenlernen.

Mögen wir nie vergessen, daß wir ein wunderbares Erbe übernommen haben von großartigen, mutigen Leuten, die in der Sache, die sie liebten, unsägliches Leid ertragen und unglaublichen Mut bewiesen haben. Wir alle wissen, was wir zu tun haben. Gott helfe uns, daß wir es tun, wenn es getan werden muß; darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.“

Brigham Young Home in St. George

We went to the Brigham Young Winter Home in St. George yesterday. Took a guided tour which was well done by the missionaries. We can never learn enough from the pioneers who settled this land and the sacrifices they had to bring. It always impresses me a lot.

Gestern waren wir im Winter Home von Brigham Young in St. George. Haben an einer Führung teilgenommen, die von den Missionaren dort gut gemacht wurde. Wir können nie genug von der Geschichte der frühen Pioniere lernen, die das Land besiedelt haben und den Opfern, die sie gebracht haben. Es beeindruckt mich immer wieder.

One of the sister missionaries in the building was Sister Pan from Chengdu in China. I like the concept we have in the Church that young people and senior couples are sent all over the world to share the Gospel. So, this is how it comes that a young woman from China shares important stories about the American Church history in a historic building in Southern Utah to visitors from many countries. We learned that just an hour before we came a group of Chinese people visited the site.

Eine der Missionarinnen im Gebäude war Sister Pan aus Chengdu in China. Ich schätze das Konzept der Kirche sehr, junge Leute und auch ältere Ehepaare in alle Welt zu schicken, um das Evangelium zu teilen. So kommt es, dass eine junge Frau aus China Touristen aus aller Welt bedeutende Geschichten aus der Kirchengeschichte in einem historischen Gebäude im Süden von Utah erzählt. Nur eine Stunde vor uns besuchte eine Reisegruppe aus China den Ort.

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I spoke a little bit Chinese to Sister Pan and asked her how she found the Church. She shared her remarkable conversion story with us. She learned about the Church in her hometown but since there are no missionaries in China she traveled to Hongkong, met the missionaries, got all missionary lessons in one day and was baptized. Now, she´s been a missionary herself for 14 months and her mother in China was baptized during her mission.

Ich habe Sister Pan in Chinesisch angesprochen und sie gefragt, wie sie die Kirche gefunden hat. Sie hörte von der Kirche in ihrer Heimatstadt aber da es in China keine Missionare gibt, reiste sie nach Hongkong. Dort erhielt sie alle Missionarslektionen an einem einzigen Tag und wurde getauft. Nun ist sie selbst schon seit 14 Monaten auf Mission und ihre Mutter in China wurde während dieser Zeit getauft.

Sometimes we take everything in the Church for granted and don´t value our membership as we should. I think we can learn a lot from Sister Pan´s example. Thank you, Sister Pan.

Manchmal betrachten wir alles in der Kirche als selbstverständlich und wertschätzen unsere Mitgliedschaft nicht so wie wir sollten. Ich denke, wir können eine Menge von Sister Pan´s Beispiel lernen. Vielen Dank, Sister Pan.

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Martinfeld

Am ersten Septemberwochenende war es wieder soweit – die diesjährige Fahrt der Pfahlpräsidentschaft mit den Jugendlichen unseres Pfahles führte uns nach Schloß Martinfeld im Eichsfeld – eine sehr schöne und pittoreske Gegend.

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Wir waren an die 90 Teilnehmer, davon mehr als 75 Jugendliche. Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team und stolz auf unsere Jugendlichen, mit denen wir solche Aktivitäten veranstalten können, ohne dass wir uns über das Benehmen in der Herberge und unterwegs als Gruppe Sorgen machen müssen.

Am Samstag sind wir in Lengenfeld unterm Stein auf einer alten Bahnstrecke Draisine gefahren – 13 km bergauf und 13 km wieder runter. Tolles Erlebnis, vor allem die Tunnel 🙂

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Das fanden alle lustig – die Pfahlpräsidentschaft als Bremser
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Boarding 🙂

Samstagabend hatte ich die Gelegenheit, mit unseren jungen Leuten ein Fireside zu machen. Der eine oder andere wird sich anhand der Bilder unten hoffentlich noch erinnern, was wir besprochen haben.

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Herzlichen Dank an alle Betreuer, die wie immer selbstlos ihre Zeit und ihren Schlaf geopfert haben. Wir freuen uns schon sehr auf das nächste Jahr.

Mehr Bilder unter www.pfahl-leipzig.de/links auf Downloads klicken, dann Jugend -> Fahrten mit der PPS -> 2017-09 Martinfeld

Pfahltag in Erfurt

Vergangenen Samstag fand unser jährlicher Pfahltag statt. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann wir die Tradition begonnen haben – vielleicht vor 6 oder 7 Jahren. Dieses Jahr waren wir in Erfurt.
Ein herzlicher Dank an die Gemeinde Erfurt für die tolle Organisation und die vielen Ideen. Es war einfach wieder absolute Klasse. Ebenso ein herzliches Dankeschön an die Schwestern der Pfahl-Primarvereinigungsleitung für die Gestaltung des Treffens der 3 – 7-jährigen Kinder eine Waldlichtung nebenan.

Treffpunkt war am Gemeindehaus in der Hochheimer Straße. Von dort ging es in den Steigerwald, wo uns eine Menge Betätigungsmöglichkeiten erwarteten. Das Wetter war perfekt, die Teilnehmer zahlreich und die Verpflegung lecker. Bruder Werner Kosak aus Werdau und Bruder Siegfried Müller aus Leipzig waren mit 91 bzw. 90 Jahren die ältesten Teilnehmer.

Erstaunlich viele Besucher absolvierten den „modernen“ Fünfkampf – bestehend aus Dreisprung, Gummistiefel-Weitwurf, Strohsackwerfen, Holzpfahl in den Boden hämmern und Nagel einschlagen. Mir tat nach dem Dreisprung die Kniekehle weh :D. Ich hatte das bestimmt über 25 Jahre nicht gemacht. Es hat großen Spaß gemacht. Natürlich gab es eine Urkunde für das Buch der Erinnerung. 🙂

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Nicht zu schlagen im Gummistiefelweitwurf war Elder Vasai aus Samoa, der zur Zeit in Erfurt dient.

Nach dem Mittagessen war es Zeit für Teamwork. Bischof Möller machte die Einweisung :).

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Ich denke, alle die dabei waren, werden mit zustimmen, dass es ein gelungener Tag war – mit Bewegung, Sport, Spiel, Spaß, guten Gesprächen und ebenso gutem Essen. Für alle Altersgruppen war etwas dabei.
Wir werden nächstes Jahr die Tradition ganz bestimmt fortführen.

Ein Projekt

Zur Zeit wird das Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Leipzig in der Oeserstraße rekonstruiert. Das Gebäude ist Heimat von zwei Gemeinden mit mehr als 500 Mitgliedern und dient als Zentrum des Pfahles (Kirchenbezirkes)  Leipzig. Es wurde Anfang der achtziger Jahre errichtet und ist mit den Jahren bei vielen Veranstaltungen an die Grenzen seiner Kapazität gestoßen.

Inzwischen geht es auf der Baustelle sichtbar voran. Ich dachte, dass ich mal kurz erzähle, wie es zu diesem Projekt gekommen ist.
Ende Dezember 2014, zwischen den Feiertagen, schwirrten mir viele Gedanken durch den Kopf, wie wir einige der Probleme im Gemeindehaus Leipzig lösen und das Gebäude für die nächsten 20-30 Jahre fit machen könnten. (Als Teil meiner Kirchenberufung trage ich auch Verantwortung für die Kirchengebäude innerhalb unseres Pfahles.)
Bei den limitierten Rahmenbedingungen fiel mir anfangs nicht wirklich etwas ein. Aber irgendwann kam mir plötzlich der Gedanke: „Baut in Richtung Straße. Kommt näher zu den Leuten.“ Mit diesem Gedanke formten sich plötzlich Bilder und Ideen aneinander und ich machte auf meinem Tablet zwei Skizzen. Nicht sehr professionell 🙂 aber es war ein Anfang. Das sind sie:

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Von da an ließen mich die Ideen und vor allem die Gefühle, die ich dabei hatte, nicht mehr los.

Ziele waren eine Erweiterungsmöglichkeit für die Kapelle, eine völlige Umgestaltung des Eingangsbereiches, neue Sanitäranlagen auf beiden Ebenen, Räume für das Religionsinstitut und die Möglichkeit, dass zwei Gemeinden ihre Versammlungen unter besseren Bedingungen parallel durchführen können und so Kapazitäten für weitere Gemeinden entstehen.

Anfang 2015 habe ich meine Ideen mit meinem alten Freund Michael Lehmann, unserem zuständigen Facility Manager, besprochen. Wir sind zu einem Architekten, der Erfahrung mit modernen Kirchengebäuden hat, gegangen und daraus ist dann in monatelanger Arbeit und vielen Diskussionen ein Projekt entstanden. Es sieht ein wenig anders aus, als meine alte Zeichnung, aber die ursprünglichen Ideen sind enthalten, und es berücksichtigt viele weitere Dinge. Es bietet für die Zukunft einige Erweiterungsmöglichkeiten, die wir jetzt nicht im Budget unterbringen konnten.

Bis zum Baubeginn vergingen noch zwei Jahre, aber jetzt ist alles voll in Aktion. Ich bin dankbar für alle, die auf irgendeine Weise dabei mitgewirkt haben und es immer noch tun.

Die Bauzeit ist für die beiden Gemeinden nicht leicht zu überbrücken. Ich bin froh, dass die Gemeindemitglieder sich darauf sehr gut eingestellt haben und dafür auch beträchtliche Opfer auf sich nehmen.  Ich glaube, dass viele  die Erfahrungen, die sie jetzt unter erschwerten Bedingungen machen, später nicht mehr missen möchten.
Ich freue mich auf die Fertigstellung und bete darum, dass das neue Haus gut angenommen werden wird.

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Danke

Herzlichen Dank an alle, die vergangenen Samstag und Sonntag an unserer Pfahlkonferenz mitgewirkt haben. Es ergäbe eine lange Liste, wenn ich jeden Namen hier nennen würde. Es war eine großartige Zeit mit einer Vielzahl sehr guter Botschaften. Ein großes Dankeschön an alle Sprecher in allen vier Versammlungen einschließlich der Jugendkonferenz. Ich war beeindruckt von der Vielfalt der Gedanken – alle zum gleichen Thema.
Die Musik, sowohl vom Chor als auch vom Orchester war wundervoll und hat uns alle sehr berührt. Ich denke, den Abschluss gestern in Böhlen mit dem Calvary (unter Begleitung der Streicher) und das Jerusalem wird niemand so schnell vergessen. Das war wirklich etwas besonderes.

Vielen Dank ebenfalls an alle, die die weniger sichtbaren Dinge tun, die aber ebenso wichtig sind, damit eine große Konferenz gelingen kann.
Da das Gemeindehaus in Leipzig dieses Jahr umgebaut wird, mussten wir am Samstag nach Dresden ausweichen. Wir sind dem Pfahl Dresden für die unbürokratische Hilfe dankbar und haben uns gefreut, dass viele den längeren Weg in Kauf genommen haben.

Das Thema der Konferenz, wie wir unseren Glauben authentischer leben können und sollten und wie wir damit die Zukunft der Kirche in unserer Umgebung gestalten, liegt uns seit einiger Zeit sehr am Herzen. Das Interesse, dass darüber gesprochen wird, war schon im Vorfeld groß und wir sehen am Feedback, das wir erhalten, wie wichtig das Thema ist.
Wir hoffen, dass die wichtigsten Aussagen verstanden wurden und, was noch viel wichtiger ist, dass sie positive Veränderungen bewirken.

Als Pfahlpräsidentschaft hatten wir das Gefühl, dass wir unseren Mitgliedern einen persönlichen Brief übergeben sollten – nicht einfach nur eine Email, von der höchstens drei Zeilen gelesen werden – sondern ein richtiger Brief im Umschlag. 🙂
Darin haben wir einige der Dinge adressiert, die uns wichtig sind:

Das Evangelium Jesu Christi ist nicht bloß eine Sammlung erwägenswerter Optionen, sondern es ist ganzheitlich und entfaltet seine kompletten Segnungen dann, wenn es in unserem Leben auch den entsprechenden Stellenwert einnimmt.

Gott erwartet nicht von uns Extremleistungen, die uns aus der Balance bringen. Er erwartet aber sehr wohl von uns, dass wir uns kontinuierlich und ganzheitlich bemühen, seine Lehren und Absichten besser zu verstehen und dabei vernünftige Prioritäten zu setzen.

Die Überwindung von Selbstbezogenheit und der Wunsch, anderen zu dienen, sind Schlüssel in diesem Prozess, der schrittweise zu mehr Verständnis, Dankbarkeit, Gewissheit, größere Ausgeglichenheit und Befriedigung sowie mehr Nächstenliebe führt.

Wir laden alle Mitglieder ein, genügend Selbstreflexion zu entwickeln, um an eigenen Schwächen zu arbeiten anstatt diese bei anderen zu kritisieren. Dabei helfen sie mit, sichtbare und unsichtbare Barrieren zwischen Menschen abzubauen.

Es wird immer wichtiger, zu verstehen, was das Festhalten an der eisernen Stange wirklich bedeutet.

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Wir laden auch alle ein, tatkräftig mitzuwirken.

Ich möchte hier noch einmal unseren Brief einfügen:

2017_04_Brief an die Mitglieder des Pfahles Leipzig

Die im Brief erwähnte Präsentation ist nicht neu. Ich habe sie bereits Anfang des Jahres erstellt und gepostet. Hier ist der Link:

https://thomashengst.com/2017/01/10/zum-neuen-jahr/

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Einem lieben Freund: Gott sei mit dir, bis wir uns wieder sehen

Letzten Samstag haben wir Abschied genommen von einem besonderen Mann, einem Freund und Vorbild – Sanitätsrat Dr. Heinz-Jürgen Sickel aus Wulfen in Anhalt, ein Mitglied der Gemeinde Köthen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Patriarch des Pfahles Leipzig.

Er war am Ostersonntag, den 16. April 2017, völlig unerwartet im Alter von 76 Jahren verstorben. Ein großer Mann, einer zu dem wir immer aufschauen werden – in allen Bereichen des Lebens – in seiner Familie, als Arzt, Sportsmann und in seinen vielen kirchlichen Berufungen, die er im Laufe seines Lebens erfüllt hat.

Wir trauern um ihn und fühlen uns mit der gesamten Familie eng verbunden.

Jürgen´s Familie hatte mich gebeten, auf seiner Trauerfeier zu sprechen. Ich bin der Bitte sehr gern nachgekommen. Es war eine schwere Aufgabe, da mich sein Tod sehr stark berührt hat. Es war aber auch eine schöne Aufgabe, über und für einen Mann zu sprechen, für den ich Achtung, Bewunderung und Liebe verspüre. Es war mir eine große Ehre, dass zu tun.

Einige Tage vor seinem Tod hatte ich ein interessantes Erlebnis. Meine beruflichen Reisepläne sahen vor, dass ich in der Woche nach Ostern an einer Messe in China teilnehme, dann das Wochenende in China bleibe und anschließend nach Japan weiterreise, um an Kundenmeetings teilzunehmen. Der Plan sah vor, dass ich vom 17.4. bis 27.4. nicht in Deutschland sein würde.

Am Mittwoch vor Ostern hatte ich das Gefühl, dass ich meine Flüge umbuchen sollte. Ich rief das Reisebüro an und buchte einen Rückflug von Shanghai nach Hause für den 20.4./21.4. und einen neuen Flug von Deutschland nach Japan für den 23.4. bis 27.4.

Es machte zu diesem Zeitpunkt gar keinen Sinn, bedeutete lediglich zusätzlichen Aufwand und Stress. Ich sagte meinen chinesischen Freunden ab, die mich für das Wochenende nach Wuyishan, einer tollen Sehenswürdigkeit in der Provinz Fujian, eingeladen hatten. Sie waren etwas enttäuscht aber sehr verständnisvoll.

Am Ostersonntag, nachmittags, erreichte mich die traurige Nachricht und die Information, dass die Beerdigung am 22.4. stattfinden wird. Ich wusste jetzt, warum ich alles geändert hatte.

Der Trauergottesdienst am Samstag war eines der bewegendsten Ereignisse, die ich miterlebt habe. Ich war stark beeindruckt, von den Botschaften seiner Kinder und unseres gemeinsamen Freundes Manfred Schütze, ebenso von der schönen Musik und den inspirierten Gebeten. Wir haben alle die Macht des Evangeliums Jesu Christi gespürt und den Einfluss des Heiligen Geistes.
Ich hatte die ganze Woche nachgedacht, was ich der Familie und den Hunderten von Trauergästen sagen könnte. Der Schlüssel kam, als ich ein Lied anhörte, dass in der Schwesternversammlung der Generalkonferenz im Oktober 2015 von einem Chor aller Altersgruppen gesungen wurde. Ich fand die Texte der in diesem Medley verwendeten Lieder so treffend und das Arrangement hat mich sehr berührt. Von da an wusste ich, was sagen werde.

Ich habe mir einige Schwerpunkte ausgesucht:

Was habe ich von Jürgen gelernt? Was nehme ich mit? Was wird sich durch sein Vermächtnis in meinem Leben ändern? Er ist den Dingen auf den Grund gegangen, hat mit Entschlossenheit  und Kompetenz Konsequenzen gezogen und eingefordert. Das hat er mit einer bestimmten, natürlichen und liebevollen Autorität getan. Als ich mich auf seinen Rat hin vor zwei Jahren in die Herzklinik nach Leipzig begeben habe, musste ich eine Entscheidung treffen, einem Eingriff an meinem Herzen zuzustimmen oder nicht. Als ich Jürgen anrief, um mir einen finalen Rat zu holen, war es für mich ausreichend, seine Stimme am Telefon zu hören. Er musste nichts erklären. Ich ließ den Eingriff vornehmen und verspürte während der Zeit in der Klinik einen großen Frieden.

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Jürgen wird weiterhin für seine Familie und alle, deren Leben er berührt hat, ein Segen sein – wie ein alter, mächtiger Baum, der stirbt, aber trotzdem seine Nachkommen und seine Umgebung mit seinen Nährstoffen versorgt. Er macht den Boden fruchtbar, in dem jüngere Bäume und Samen heranwachsen. Mir gefällt dieser Vergleich sehr. Er gibt uns Trost, besonders seiner Familie.

Jürgen hat viele Jahre als Patriarch gedient, eine wichtige Berufung, die vom Rat der Zwölf Apostel erteilt wird. Für diese Berufung benötigt man eine große Nähe zu Gott und starken Glauben. Jeder, der von einem Patriarchen seinen persönlichen Segen erhält, wird für ein tieferes Verständnis von diesem großartigen Plan der Erlösung befähigt. Unser Prozess des Verstehens hat im Vorherdasein begonnen und wird in diesem Leben nicht enden. Er geht über dieses Leben hinaus. Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen, können wir große Schritte vorwärts in diesem Prozess machen.

Jürgen ist am Ostersonntag gestorben. Natürlich erinnern wir uns an die besonderen Ereignisse im Zusammenhang mit der buchstäblichen Auferstehung Jesu Christi am dritten Tag nach Seiner Kreuzigung. Ich musste an den Bericht von Maria im Neuen Testament, in Johannes, Kapitel 20 denken. Im Tempel in Freiberg hängt ein Gemälde, das Jesus und Maria in diesem Moment, wo sie Ihn erkennt und begreift, dass die Auferstehung wirklich ist, zeigt.
Ich möchte ab Vers 16 zitieren:
„Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm: Rabbuni (das heißt Meister)!
Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria Magdalena kommt und verkündigt den Jüngern: Ich habe den Herrn gesehen, und solches hat er zu mir gesagt.
Am Abend desselben ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten ein und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!
Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.“ (Johannes 20:16-20, Hervorhebungen vom Verfasser)

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Hier werden große Fragen der Menschheit beantwortet. Jürgen hatte nicht die Spur eines Zweifels an diesen Wahrheiten. Es gibt mir Frieden und macht mich froh.

Nach einem solchen Erlebnis kann man nicht einfach so wieder zur Tagesordnung übergeben. Da bleiben wichtige Dinge haften, über die man Nachdenken muss und nicht einfach beiseite wischen kann. Die Botschaft der Auferstehung ist viel zu wichtig. Es ist traurig, wie wenig Raum sie in der öffentlichen Wahrnehmung und den Medien einnimmt – und wenn, dann oft mit völlig unklaren Deutungen. Dabei gibt es gar keinen Grund zur Unklarheit. Da jeder Mensch diesen Weg gehen muss, wäre es doch viel vernünftiger, sich angemessen damit zu beschäftigen, den Dingen auf den Grund zu gehen und zu verstehen. Moroni, der letzte Schreiber des Buches Mormon, schließt das Buch mit folgendem Vers:

„Und nun sage ich allen Lebewohl. Ich gehe bald hin, im Paradies Gottes zu ruhen, bis sich mein Geist und Leib wieder vereinigen werden und ich im Triumph durch die Luft hingeführt werde, um euch vor dem angenehmen Gericht des großen Jehova zu treffen, des ewigen Richters der Lebenden und der Toten. Amen.“ (Buch Mormon, Moroni 10:34)

Jürgen hatte nicht die Gelegenheit, Lebewohl zu sagen. Aber er war in diesem Prozess des Verstehens sehr, sehr weit vorangekommen und vorbereitet, auf die andere Seite des Schleiers zu gehen, wo er mit Sicherheit auf die für ihn typische Art weiter wirkt. Wir werden ihn immer in unseren Herzen behalten und freuen uns auf das Wiedersehen.