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Ein Geburtstag

Heute am 5. Mai 2021 ist der 131. Geburtstag meiner Großmutter Klara Böhme. Ich musste heute aus mehreren Gründen an sie denken.

Da ich erst drei Jahre alt war, als sie verstarb, habe ich keine aktive Erinnerung an sie. Alles, was ich weiß, kommt aus den Erzählungen meiner Eltern, meiner älteren Geschwister und anderer Verwandter. In einem stimmen sie alle überein – niemand hat je in irgendeiner Weise in meiner Gegenwart negativ über sie gesprochen. Alle Berichte und Erinnerungen waren und sind voller Liebe zu einer einfachen, gläubigen Frau, die in ihrem Leben viel durchmachen musste.

Der zweite Grund hat mit der Pandemie, die wir erleben zu tun. Ich habe mal reflektiert, was eine Person wie meine Großmutter, die 1890 geboren wurde, alles erlebt hat: Kaiserreich, 1. Weltkrieg, Spanische Grippe Pandemie, Not und alle anderen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen nach dem Krieg, Inflation, Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Not, Machtergreifung der Nazis und Deutschlands dunkelstes Jahrzehnt, vor allem für Menschen, wie meine Großeltern, die für die Nazis nicht die geringsten Sympathien hegten und sich auch nicht von der Propaganda blenden ließen. Dann kam der 2. Weltkrieg mit all seinen furchtbaren Begleiterscheinungen und Nachwirkungen, Hungersnot, Unterernährung, Kommunismus – von dem sie sich ebenfalls nicht blenden ließ, der 17. Juni 1953, Ungarn 1956, die Errichtung der Mauer 1961. 1967 starb sie nach vielen Krankheiten und Entbehrungen. Man könnte meinen, dass dies kein schönes Leben gewesen sein kann, was mich jedoch zu meinem dritten Grund führt.

1925 traf meine Großmutter Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die Botschaft der Missionare erfüllte ihr Herz und ihren Verstand und so wurde sie am 9. Juni 1925 zusammen mit meiner Urgroßmutter und einigen weiteren Familienmitglieder getauft. Sie war zu dieser Zeit hochschwanger mit meiner Mutter, die einige Wochen später geboren wurde. Aus dieser mutigen und konsequenten Entscheidung ist wunderbares entstanden. Dafür werde ich meiner Großmutter für immer dankbar sein. Ihr Glaube hat sie nicht nur durch alle Härten ihres Lebens getragen, sondern war auch eine solide Basis für viele ihrer Nachkommen.

Von ihrem Vorbild habe ich viel über die Verantwortung gelernt, die ich selbst für meine Familie, meine Kinder und Enkel habe. Ich lerne immer noch von ihr, wie man Sorgen und Probleme erträgt und seinen Überzeugungen und Glauben treu bleibt. Es wird der Tag kommen, an dem ich meiner Großmutter wieder begegnen werde und ihr für alles danken kann. Auf diesen Tag freue ich mich.