Archiv der Kategorie: Familie

180 Jahre

Der 28. Juli ist in unserer Familie ein besonderer Tag. Drei wichtige Personen haben an diesem Tag ihren Geburtstag – unsere Tochter, meine Mutter und meine Schwiegermutter.
Meine Mutter hatte dieses Jahr ihren 92. und meine Schwiegermutter ihren 88. Geburtstag – zusammen also 180 Jahre. Ein guter Anlass über einige Dinge nachzudenken. Wie muss das sein, auf ein solch langes Leben zurück zu blicken?

20170729_175946
Das älteste und zur Zeit jüngste Familienmitglied – die Uroma mit einer unserer Enkelinnen

Beide Frauen haben bemerkenswerte Biographien. Beide, geboren zwischen den beiden Weltkriegen und aufgewachsen während der Nazizeit, erlebten die Härten der Nachkriegszeit mit voller Wucht, meine Mutter als junge Mutter in den Hungerjahren, meine Schwiegermutter als Flüchtling aus Breslau.

Beide verbindet ebenfalls, dass sie jeweils im Alter von 8 Jahren als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage getauft wurden. Sie gehören heute zu den wenigen lebenden Zeitzeugen der Kirche vor dem Zweiten Weltkrieg. 84 bzw. 80 Jahre Mitgliedschaft in der Kirche, nicht nur als eingetragene, sondern als überaus aktive Mitglieder, die erhebliche Opfer und Leistungen gebracht haben, sind ein gewaltiges Vermächtnis.

Neben vielen hervorragenden Eigenschaften unserer Mütter, ragt für mich ihre Standhaftigkeit heraus. Es ist die Fähigkeit weder gegenüber politischen, noch gesellschaftlichen Entwicklungen und Weltbildern (sei es in der Nazizeit, dem Kommunismus oder seit dem Fall der Mauer), die nicht mit ihren Überzeugungen und ihrem Glauben kompatibel waren und sind und dem damit einhergehenden Druck, einzuknicken.

Wo wären wir jetzt als gesamte Familie, wenn sie nicht immer standhaft gewesen wären?

Ihre Standhaftigkeit ist das Resultat einer gesunden Symbiose aus Theorie und Praxis und des daraus gewonnenen Verständnisses des Evangeliums Jesu Christi, konsequent gelebten Grundsätzen und den zahllosen und immer wiederkehrenden Erfahrungen, die sie dadurch gemacht haben. Das ist der Weg, wie feste und dauerhafte Überzeugungen entstehen. Ihr Glaube musste sich viele Male bewähren. Er hat sich immer wieder bewährt, denn sie haben nicht den Fehler gemacht, Abkürzungen in der Anwendung von  Grundsätzen und Prinzipien zu suchen, die sie als wahr erkannt haben.

Ich habe zu Hause ein Buch, das ich sehr schätze. „In Harm´s Way – East German Latter-Day Saints in World War II“. Ich bin dem Autor Roger P. Minert und allen, die mitgeholfen haben, dieses Werk zusammenzustellen und zu veröffentlichen, sehr dankbar (Vielen Dank, Judith, für deine Mitarbeit 🙂 ). Es ist ein Andenken an Menschen mit Tugenden, die heute leider an Beachtung und Wert zu verlieren scheinen.

20170729_233051
Ich schätze dieses Buch über die Vorkriegsgeschichte der Kirche sehr. Herzlichen Dank an die Verfasser.

Meine Mutter (wie auch meine Großmutter und Urgroßeltern) gehörte meiner Heimatgemeinde Hohenstein-Ernstthal an. Die folgenden Bilder zeigen einige Seiten aus dem Buch, in dem meine Mutter unter ihrem Mädchenname Ilse Böhme zitiert wird. Auch den anderen zitierten Personen, die ich selbst gut kenne, fühle ich mich mit Liebe und Herzlichkeit verbunden.

20170729_233239

20170729_233329

20170729_233441

20170729_233452

20170729_233503

Meine Schwiegermutter wuchs in der Gemeinde Breslau West auf. Sie wird auf den folgenden Seiten unter ihrem Mädchennamen Ruth Gottwald zitiert.

20170730_222958

20170730_223054

20170730_223057

20170730_223135

Beide Berichte sind ein Zeugnis für sich selbst. Ich bin dankbar für diese beiden starken Frauen, die einen erheblichen Einfluss in meinem Leben haben.

Ich schreibe diesen Post auch für die nachfolgenden Generationen unserer Familien. Es heißt immer, dass in der dritten oder vierten Generation das Gedenken an das Vermächtnis von Vorfahren erheblich nachlässt. Ich denke, da ist etwas dran, aber es ist oft nicht klug. Geschichte ist viel zu wichtig. Aus ihr zu lernen ist noch wichtiger.

 

Alles, was ich heute sagen kann …

Alles, was ich heute sagen kann, ist, dass ich froh und dankbar für die Botschaft „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ bin. (Siehe auch im Hauptmenü oben unter Familie)

Screenshot (3)
Zuhause und Familie

Ich glaube nicht, dass Menschen die Vollmacht haben, die Definition der Ehe und Familie ohne Anweisungen und Auftrag von Gott zu modifizieren. Ich glaube auch nicht, dass diejenigen, die dies tun und in Zukunft möglicherweise noch viel weiter gehend tun werden, die langfristigen Auswirkungen solcher Entscheidungen vollkommen beurteilen können, selbst wenn sie es in gutem Glauben und nach ihrem besten Wissen und Gewissen getan haben. Ich glaube, dass Gott die Ehe zwischen Mann und Frau aus wichtigen Gründen und auf der Grundlage seiner Vollkommenheit eingesetzt hat, dass es aber einer erweiterten Perspektive bedarf, um die Bedeutung von Ehe- und Familienbeziehungen über dieses Leben hinaus zu erfassen. Die oben erwähnte Proklamation erklärt es aus meiner Sicht sehr gut.

Genauso bin ich fest davon überzeugt, dass es für jeden Menschen in Gottes Plan der Erlösung hervorragende Perspektiven gibt, die man entdecken kann, wenn man sich dazu entschließt, sie zu suchen. Diese haben sehr viel mit dem Opfer, das Jesus Christus für alle Menschen gebracht hat, zu tun.

Ich verstehe, dass Menschen, die den Worten Gottes keinen oder keinen großen Wert beimessen oder die weder an einen Gott noch an eine ewige Existenz der Familie glauben, anderer Meinung sein können und dass sie dafür weder gehasst, verspottet, verfolgt oder angegriffen werden dürfen. Das gleiche Recht haben aber auch diejenigen, die die Werte der traditionellen Ehe und Familie vertreten.
Als Christ sehe ich es als meine Pflicht und auch als eine Gelegenheit an, allen Menschen, ganz gleich welcher Nationalität, Herkunft, Kultur oder sexueller Orientierung, mit Nächstenliebe, Toleranz und Verständnis zu begegnen. Das bedeutet nicht, dass ich meine Überzeugungen zur Definition der Ehe, der Familie und zum Geschlecht eines jeden Menschen und verbindlichen Werten aufgeben muss.

Ich vermisse in den Medien, in öffentlichen sowie politischen Diskussionen einen Kurs, der die Stärkung von traditionellen Familien zum Ziel hat – nicht nur den materiellen Teil, sondern ihre geistige und emotionale Stabilität und die Sicherheit und Stärke, die aus solcher Stabilität erwachsen. Das passiert nicht von alleine, aber die Bedingungen werden völlig unterproportional thematisiert.

2014 habe ich einen Post zum demografischen Wandel geschrieben. Ich hänge ihn hier noch einmal an. Er hat an Aktualität eher zugenommen.

Demografischer Wandel

„Einer unserer Söhne kam vor einigen Wochen von der Uni nach Hause und erzählte mir, dass er an dem Tag an einer Vorlesung über den demografischen Wandel teilgenommen hatte.
Die Vorlesung bestand aus der üblichen Bestandsaufnahme mit Zahlen und Fakten und den absehbaren gesellschaftlichen Folgen. Allerdings, so berichtete unser Sohn, hatten weder Dozentin noch Kommilitonen brauchbare Ideen, wie dieses Dilemma überwunden werden kann.
Damit sind sie leider nicht allein. Unsere moderne Gesellschaft möchte auf eine Art und Weise leben, die einer Lösung dieses Problems diametral entgegensteht. Das wird nicht funktionieren. Der sogenannte demografische Wandel ist eine der Folgen, die aus der Lebensweise großer Teile der Gesellschaft zwangsläufig entstehen und ohne grundlegende Veränderungen in den Einstellungen der Menschen nicht abgestellt werden können.
Es gibt keine Lösung des Problems, das ausschließlich durch Subventionen und Regularien von Regierungen, Veränderungen der Arbeitswelt und eine weitere Vergesellschaftung der Kindererziehung bewirkt werden kann. Eine ganze Reihe sinnvoller Maßnahmen würden sicherlich helfen, aber das wird im großen Maßstab nicht reichen. Ohne die Rückbesinnung auf den Wert der Familie und die damit verbundenen Verpflichtungen, entstehen keine Bedingungen, die einer nachhaltigen Lösung dieses Problems förderlich sind.

Es ist schon tragisch, dass man sich heute schon fast für eine intakte, traditionelle Familie rechtfertigen muss, nach dem Motto: „Seid ihr eigentlich noch zeitgemäß?“ Was für ein Unsinn.

Ich habe einfach mal die Übung gemacht und einige Punkte betrachtet, die ich in meiner Kirche und in der Familie, in der ich aufgewachsen bin, gelernt habe. Die Punkte gehören in die öffentliche Diskussion, auch wenn einige davon unliebsam und unbequem sind. Bequemlichkeit oder der Weg des geringsten Widerstandes haben aber noch nie eine Gesellschaft voran gebracht.

Hier einige der Punkte in ungeordneter Reihenfolge, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Ich musste als Kind nie Angst davor haben, dass meine Eltern sich trennen würden. Sie hatten ihre Probleme aber sie sind damit umgegangen und haben zusammen daran gearbeitet, sie zu lösen. Ich habe bei meinen Eltern keinen Egoismus zu Lasten des anderen Ehepartners erlebt.

Sie haben ihre Ehe ernst genommen und keine fadenscheinigen Begründungen oder Rechtfertigungen gesucht.

In Kirche und Familie habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Verpflichtungen einzugehen und sich daran zu halten. Ja, Verpflichtungen sind manchmal unbequem aber sie schaffen Sicherheit, Vertrauen und Verlässlichkeit. Unverbindlichkeit und der Unwille, Verpflichtungen einzugehen und diese zu beständig zu halten, sind Hauptursachen unserer gesellschaftlichen Probleme.

Das Evangelium Jesu Christi lehrt genauso klar über die Verpflichtung zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Das heißt nicht, dass man deren Ideen oder Lebensentwürfe für richtig befinden und seine eigenen Ideale kompromittieren muss. Es lehrt aber klar, was Nächstenliebe bedeutet. Es gibt trotzdem noch richtig und falsch, nachhaltig und unnachhaltig – und das besonders auch in Bezug auf die Rolle der Familie.

Ich habe zu Hause und in der Kirche gelernt, Kinder zu lieben, meine Geschwister zu lieben und daraus hat sich der Wunsch entwickelt, eine Familie mit mehreren Kindern zu haben.

In der Kirche habe ich grundlegende Dinge darüber gelernt, wie man erfolgreich eine Familie aufbaut, z.B. die Rolle des Familiengebetes, der Familienheimabend, die Bedeutung von Bildung und Erziehung, die Überwindung von Egoismus, Verzicht zu Gunsten der Familie, Werte und Moral, Liebe in der Familie.

Das gleiche gilt für die Rolle von Vater und Mutter. Die Verantwortung, die damit verbunden ist, erstreckt sich viel weiter, als viele von uns denken. Wir sind ultimativ rechenschaftspflichtig vor Gott, wie wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht geworden sind. Wir sind nicht verantwortlich, für das was sie tun, wenn sie für sich selbst verantwortlich sind. Aber wir sind sehr wohl verantwortlich für alles, was wir ihnen vermitteln, vorleben, wie wir sie lieben, erziehen, was wir ihnen erlauben und verbieten und welchen Einflüssen wir sie aussetzen. Dieser Verantwortung können sich Eltern vor Gott nicht entziehen und sie kann auch nicht auf Lehrer oder Erzieher delegiert werden.

Meine Frau und ich haben in unserer Kirche gelernt, dass Bildung (geistige, emotionale und weltliche) essentiell für die Familie ist. Mutter und Vater zu sein sind wichtige Karriereschritte. Es ist für mich völlig unverständlich, weshalb besonders die Rolle der Mutter, wider besseres Wissen, als Karrierebremse stigmatisiert wird. Mutter sein ist eine Berufung, im Prinzip die wichtigste um sicherzustellen, dass eine Gesellschaft nicht verkommt.

In der Kirche habe ich gelernt, wie wichtig die Rolle des Vaters ist. Es ist eine der größten Tragödien unserer Zeit, dass viele Väter sich ihrer Verantwortung entziehen und dabei Notlagen für alleinerziehende Mütter schaffen, die wie eine Kettenreaktion weitere Probleme erzeugen, die nur schwer zu lösen sind und sich auch auf andere auswirken. Zu Hause habe ich einen Vater erlebt, der alles für seine Familie gegeben hat. In meiner kirchlichen Berufung erlebe ich oft, habe ich oft mit den Auswirkungen zerrütteter Familien auf die Beteiligten und die Umgebung zu tun. Oft erstrecken sich die Nebenwirkungen auch auf intakte Familien, weil negative Einflüsse zum Beispiel massiv die Erziehung von Kindern beeinflussen.

Sowohl wir als auch unsere Kinder haben in der Schule und auch durch die Medien so gut wie nichts darüber gelernt, wie man als Ehepaar und als Eltern erfolgreich sein kann. Die öffentliche Diskussion ist stattdessen voll von Beiträgen über alternative Konzepte, die sich dem Zeitgeist anpassen oder lediglich Nothelfer sind, aber deren Nachhaltigkeit stark zu bezweifeln ist. Die grundlegenden Dinge haben wir in Kirche und Familie gelernt.

Ich denke, beinahe jeder von uns macht im Lauf seines Lebens manchmal gravierende Fehler, die dazu führen könnten, dass Ehen und Familien kaputt gehen. Ohne ein solides Fundament passiert das leider auch schnell. Wohingegen eine feste Basis, sowohl in Bezug auf die Lehre als auch auf die Familienbeziehungen, in den meisten Fällen hilft, Schwierigkeiten zu lösen bevor sie zu richtigen Problemen werden, von falsch eingeschlagenen Wegen umzukehren und als Voraussetzung dafür die Fehler überhaupt zu bemerken. Aus eigener Erfahrung sowie den Erfahrungen zahlreicher Menschen, die ich sehr gut kenne, kann ich bestätigen, dass das so ist. In meiner Kirche habe ich gelernt, wie man von Fehlern oder Sünden umkehrt und wie man wirklich vergibt und Vergebung erlangt.

Wir sind als Familie für alle Mühen, Sorgen, Trauer, Verzicht, Zeit und Mittel derartig reich belohnt worden, dass sich für uns die Frage überhaupt nicht stellt, ob es richtig war, eine große Familie zu haben. Jetzt haben wir zusätzlich die Perspektive als Großeltern.

Es gibt natürlich auch viele Paare für die sich der Kinderwunsch nicht erfüllt. Für sie sowie auch für die, die allein oder alleinerziehend sind, sind die Gemeinden der Kirche eine Solidargemeinschaft, in der es Platz gibt für ihre Sorgen und Nöte. Es gibt Hilfsorganisationen innerhalb der Kirche deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass niemand sich ausgegrenzt oder benachteiligt fühlt. Der Anspruch ist hoch und hängt immer von den Menschen ab, die ihn umsetzen, aber in meiner kirchlichen Berufung sehe ich, dass sehr viel getan wird. …

Am Schluss muss man noch eine weitere Dimension nennen. Das ist die wichtigste. Wir glauben daran, dass Familien ewig bestehen können, über dieses Leben hinaus. Daraus ergeben sich ganz andere Perspektiven, die jeder Mensch zumindest kennen sollte. Wir schließen dafür in heiligen Tempeln Bündnisse, die uns ständig daran erinnern, dass es ein großes Ganzes gibt, wofür sich jede Mühe lohnt. Wir nennen das den Plan der Erlösung, über den in weiteren Posts noch viel zu schreiben sein wird. Ich messe alles, was ich lese, beobachte und aufnehme an diesem Plan, dessen Urheber unser Vater im Himmel ist. Um es drastisch zu sagen, enorm vieles, das uns der Zeitgeist zu vermitteln versucht, hält diesem Benchmarking in keinster Weise stand. Das Ziel dieses Planes ist, dass wir als seine Kinder, wahre Glückseligkeit erarbeiten können und zwar über dieses Leben hinaus. Wir gehen davon aus, dass Gott, im Gegensatz zu uns, eine 100%ige Erkenntnis darüber hat, was dazu notwendig ist und dass seine Gebote und Offenbarungen genau diesem Ziel dienen. Familien sind dabei ein elementarer Bestandteil.

Um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Das Setup unserer modernen westlichen Gesellschaft stimmt in Bezug auf das angesprochene Problem nicht mehr. Wir sollten aufhören, Probleme zu beklagen, wenn wir nicht entschlossen sind, sie zu ändern und stattdessen damit beginnen, nicht nur die Symptome sondern die Ursachen zu adressieren, weil die Folgen unaufhaltsam sein werden. Die Rezepte dafür sind vorhanden (zum einem gewissen Teil auch in der säkularen Welt, wenn diese auch nicht die gesamte Perspektive erfassen kann) und es bedarf keines Doktortitels um sie zu verstehen. Sie sind aber nicht populär und auch nicht einfach umzusetzen, weil nicht nur Rahmenbedingungen geändert sondern auch die Herzen von Menschen nachhaltig berührt werden müssen, so dass sich ihre Wünsche ändern.“

Balance 

Es war Generalkonferenz-Wochenende. Esther und ich waren bei unseren Kindern in Graz. Es tat gut, ein paar Tage auszuspannen und die Work-Life-Balance wieder etwas auszugleichen.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag letzter Woche habe ich während eines Fluges von Tokio nach Frankfurt dieses Bild gemacht.

Ich war auf dem Heimweg von meiner 8. Dienstreise nach Asien seit Anfang diesen Jahres. Ich hatte 3 der letzten 4 Nächte in Flugzeugen verbracht und war entsprechend erschöpft. Meine Firma rollt eine neue, innovative Technologie aus und das erfordert besondere Anstrengungen, damit sich Erfolg einstellen kann. Ich empfinde es als einen großen Vertrauensbeweis, dass ich dabei mitwirken kann und liebe meine Arbeit, trotz aller Schwierigkeiten, die sie oft mit sich bringt. So zum Beispiel vorletzte Woche, am Freitagnachmittag, als ich versuchte, von Catania in Italien nach Hause zu reisen und der Flughafen wegen Nebels geschlossen wurde. Mein Flieger war schon auf dem Weg zur Startbahn. Es war frustrierend. Ich war irgendwann am Samstagnachmittag zu Hause und musste Sonntag schon wieder weg.

Ich werde oft gefragt, wie ich meinen Job machen, ein Familienvater und nebenher ein Kirchenführer und Seelsorger mit Verantwortung für 2300 Mormonen in Westsachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sein kann, ohne die seelische Balance zu verlieren. Meine Antwort ist normalerweise, dass es nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Diese Hilfe spüre ich sehr oft, häufig durch die Unterstützung, die ich von anderen erhalte.

Ich habe aber etwas tiefer über die Frage nachgedacht und bin auf viele größere und auch vermeintlich kleinere Dinge gestoßen, die mir helfen, eine vernünftige Balance beizubehalten – wenn es mir gelingt, entsprechend zu handeln.

Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr gelernt, dass mein persönliches Wohlbefinden eine Funktion der Dankbarkeit ist, die ich fähig bin zu empfinden. Ich habe weiterhin gelernt, dass Dankbarkeit dazu führt, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und ein größeres Bedürfnis erzeugt, anderen zu dienen, Nächstenliebe zu empfinden und sich für Dinge einzusetzen, die wertvoll für unsere Mitmenschen sind. Präsident Uchtdorf hat in der Priestertumsversammlung am Samstag sehr gut darüber gesprochen.

Sehr wichtig ist für mich meine bewusste Beziehung zu Gott und die Dankbarkeit für seine Segnungen, die so oft spürbar sind. Im Bild oben, höre ich Kirchenmusik (sehr häufig die großartigen Arrangements unserer Kirchenlieder). Nach jeder Generalkonferenz lade ich mir die MP3s von der Konferenz auf mein Smartphone und die Videos auf meinen Laptop. Auf den langen Flügen nutze ich die Zeit, höre zu und versuche mein Herz so weit wie möglich für den Heiligen Geist zu öffnen. Es entspannt mich, gibt mir inneren Frieden und beschert mir viele geistige Erlebnisse. Viele meiner Ansprachen, Themen, Briefe und Gedanken entstehen dabei. Auch das Verständnis für Probleme und die Lehren des Evangeliums erschließen sich dann oft in genialer Weise. Es gelingt nicht immer, aber wenn es gelingt, dann tut es richtig gut.

Entscheidend für meine Balance ist meine liebe Ehefrau Esther. Wir sind bald 32 Jahre verheiratet. Ich bin sehr dankbar für unsere liebevolle Ehe, ihr Verständnis für meine Schwächen und Sorgen, ihre großartige Unterstützung und ihre subtilen als auch deutlichen Signale, die mir eine große Hilfe sind, wenn Dinge drohen aus dem Gleichgewicht zu geraten. Sie hat ein tiefes Verständnis für die wichtigen Dinge im Leben, oft besser als ich. Sie ist genauso wie ich bereit für eine stabile Ehe zu arbeiten und das erspart uns seit vielen Jahren emotionale Achterbahnfahrten, an denen leider viele Beziehungen heutzutage scheitern. Ich liebe sie sehr.

Ebenso wichtig sind mir unsere Kinder und Enkel. Kürzlich habe ich über die Wichtigkeit von Mehrgenerationenfamilien gelesen, die sich guten Werten verpflichtet fühlen und damit, vergleichbar mit einem Wald, kostbaren Nährboden für nachwachsende Bäume bieten und diejenigen auffangen können, die mit Sorgen  und Problemen zu kämpfen haben. Ich bin dankbar für meine Familie. Es ist eine lebenslange Aufgabe, für den Zusammenhalt in der Familie zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich sehr viel bedeutet, ist das Streben nach Harmonie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das heißt nicht, es jedem recht machen zu wollen oder alles um des lieben Friedens Willen zu akzeptieren. Es heißt aber sehr wohl, kultiviert und liebevoll miteinander umzugehen, mit einem gesunden Maß Demut, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Mir gefällt die goldene Regel im Neuen Testament, Matthäus 7:12: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Leider fällt es mir manchmal schwer, sie umzusetzen. Aber ich versuche es so oft ich kann und das hält viel emotionalen Stress von mir fern.

Zurück zur Dankbarkeit – speziell die Dankbarkeit für viele als selbstverständlich betrachtete Dinge im Leben. Für mich ist das auch die Fähigkeit zu staunen, z.B. über die großartige Schöpfung, aber auch unscheinbare Dinge. Wir sind am Samstag auf den Hausberg von Graz, den Schöckl gewandert. Man kommt einigermaßen ins Schwitzen :-), aber es war die Mühe wert. Ich hätte stundenlang oben sitzen können, um die Aussicht zu genießen und mich zu freuen.

wp-image-131986390jpg.jpeg

Ich glaube, dass diese Form von einfacher, in gewisser Weise kindlicher Dankbarkeit einen essentiellen Schutz vor zynischen, sarkastischen und anderen destruktiven Betrachtungsweisen von Herausforderungen im Leben bietet. Das hat nichts mit einem verklärten Bild der Realität zu tun, sondern es ist eine Haltung trotz aller Herausforderungen.

Beständigkeit und kontinuierliche, kleine Schritte sind viel besser als gelegentliche Hauruck-Aktionen oder exzessive Anstrengungen, die viel Stress verursachen und im Widerspruch zu einer nachhaltigen Lebensweise stehen. Es hat mich einige Zeit gekostet, den gesamtheitlichen Ansatz des Evangeliums besser zu verstehen, weil dadurch viele verschiedene Segnungen „freigeschaltet“ werden und man sich manche nicht jahrelang vorenthält, weil man den Prinzipien, die darauf beruhen, wenig Beachtung schenkt. Das ist nach meiner Erfahrung ein weit verbreitetes Problem – Unausgewogenheit. Ich finde deshalb die Botschaft des Gebietsplanes für Europa sehr richtig.

Eine weitere große Hilfe ist es, wenn ich mich von geistigem und medialem Junk-Food fernhalte. Es ist unglaublich, wie viel Müll uns tagtäglich geradezu aufgedrängt und wie kritiklos er konsumiert wird. Geistiger und medialer Junk tun mir in meiner Balance nicht gut. Das erfahre ich auch von anderen in vielen Gesprächen, die ich als Seelsorger führe. Ich meide ihn inzwischen wo ich nur kann und bin ganz schlecht für Einschaltquoten etc. Es ist unklug, diesen Aspekt zu verharmlosen, von der Zeitverschwendung einmal ganz abgesehen.
Seit vielen Jahren mache ich sehr gute Erfahrungen mit dem täglichen Studium der Heiligen Schriften. Es braucht nicht viel Zeit jeden Tag, um spürbare, positive Ergebnisse zu sehen.

Als Präsident eines Pfahles wird man mit zahllosen Problemen konfrontiert. Warum sollte man sich so eine Aufgabe antun, die gut und gerne mit einem Vollzeitjob vergleichbar ist? Meine Antwort im 8. Jahr in dieser Berufung: Man kann. Aber man muss sich ein paar Einstellungen aneignen. Vor kurzem habe ich im Matthäus Evangelium das Gleichnis vom Schatz auf dem Acker gelesen, siehe Matthäus 13:44: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte.“
Das beschreibt es ganz gut. Es sind die Perspektiven, das Verständnis vom Warum. Warum ich lebe, wo ich hergekommen bin, wo ich nach diesem Leben hingehen werde, warum ich tue, was ich tue. Dieses riesige Feld von Fortschritt, Entwicklung, Erkenntnis und Liebe, das uns ein Vater im Himmel eröffnet – zusammengefasst unter der Bezeichnung Plan der Erlösung oder Plan des Glücklichseins – wenn wir nur bereit sind, Seine Bedingungen zu akzeptieren. Das alles motiviert mich sehr und macht mir viele Lasten leichter.
Kirche geht ohne Einsatz und Arbeit nicht. Wenn keiner etwas tun möchte, wird nichts passieren. Insofern bleibt Arbeit eben Arbeit. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn die Fragen nach dem WARUM geklärt sind. An sehr vielen Tagen liebe ich, was ich tue und brauche dafür keinen Anstoß. Es gibt wenige Tage, an denen es mir schwer fällt. Dann habe ich großartige Menschen in meinem Umfeld, die mich unbewusst und seltener auch bewusst motivieren.
Natürlich können und müssen wir noch viel lernen, wie wir das WIE verbessern und wie wir das WARUM besser erklären, denn es gibt eigentlich nichts genialeres. Es lohnt sich deshalb, seine Kraft für dieses große Werk einzusetzen – nicht mehr als man hat, dafür aber beständig und mit Schritten, die groß genug sind, um das eigene Verständnis zu erweitern.

Das alles (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) war in den letzten Jahren ein wichtiger Antrieb für mich. Der Lohn sind unvergleichliche und unvergessliche Erfahrungen, die auf andere Weise nicht zu machen sind. Ich denke, das ist nicht an eine bestimmte Kirchenberufung gebunden, sondern hat ganz viel mit dem Verständnis von den Perspektiven an die wir glauben zu tun und den Einstellungen, die erforderlich sind, damit Perspektiven lebendig werden können.

 

 

100 Jahre

Heute vor 100 Jahren wurde mein Vater, Martin Hengst, als 11. von 12 Kindern meiner Großeltern in Hohenstein-Ernstthal geboren. Ich verehre ihn und vermisse ihn seit fast 34 Jahren. Er war ein großartiger Mann.

Im Herbst 1983, kurze Zeit nach seinem Tod Anfang September 1983, habe ich diese Aquatinta Radierung angefertigt, die ich immer noch aufbewahre und die mir eine kostbare Erinnerung ist. Ich kann mich gut an die Gefühle erinnern, als ich an der Grafik gearbeitet habe.

20170302_170201

Er wird mir immer ein Vorbild sein, weil er trotz langjähriger schwerer Krankheit als Folge seiner Arbeit im Wismut- und Kohlebergbau unter Tage, ohne viel zu klagen, immer sein bestes gegeben hat. Er war ein authentischer und aufrechter Mormone und die Umstände seiner Bekehrung sind ein wichtiger Bestandteil meiner Überzeugung.

Wie gern hätte ich ihn mehr als 19 Jahre meines Lebens erlebt und um mich gehabt. Die Zeit des Wiedersehens wird eines Tages kommen – nach diesem Leben.

Heute ehre und liebe ich ihn als den Mann, der mich als mein Vater entscheidend geprägt hat. Vielen Dank, Dad.

 

Frohe Weihnachten – Merry Christmas

Ich wünsche allen Freunden und Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Ich hoffe, jeder von euch wird etwas Ruhe und Besinnung vom Alltag finden und Freude im Kreis eurer Lieben verspüren.

I wish all friends and readers a merry and blessed Christmas. I hope each of you will find peace and time for reflection from everyday life. May you feel joy with your loved ones.

Ich wünsche auch jedem einige Momente, in denen die Bedeutung der Geburt von Jesus Christus ins Herz dringen möge. Wir hatten solche Momente vorgestern Abend, wo wir uns um das Klavier versammelt und ein bisschen Hausmusik gemacht haben. Es war sehr schön (auch wenn wir alle Laien sind 🙂 ).

I also wish everyone some moments, in which the significance of the birth of Jesus Christ may fill your hearts. We had those moments Thursday night, when we gathered around the piano and sang Christmas carols and hymns. It was wonderful (even though we aren´t professional 🙂 ). 

Ich habe im Oktober begonnen, wieder das Neue Testament zu lesen. Es war eine gute Erfahrung, während der Adventszeit die Evangelien zu lesen und mehr über Jesus Christus zu lernen. Es gibt viele Stellen, an denen man hängen bleibt. Stellvertretend für viele möchte ich eine erwähnen, die mich besonders berührt hat.

In October, I started reading the New Testament again. It was a good experience to read the four Gospels during the Christmas season and learn more about Jesus Christ. There´re many verses to stop reading and ponder. I would like to mention just one that has touched me a lot.

In Johannes 5 finden wir diese Begebenheit:

„Einige Zeit später war wieder ein jüdisches Fest, und Jesus ging nach Jerusalem hinauf.
In Jerusalem befindet sich in der Nähe des Schaftors eine Teichanlage mit fünf Säulenhallen; sie wird auf hebräisch Betesda genannt.
In diesen Hallen lagen überall kranke Menschen, Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte. Sie alle warteten darauf, dass das Wasser in Bewegung geriet.
Denn von Zeit zu Zeit stieg ein Engel des Herrn in den Teich hinunter und brachte das Wasser in Bewegung. Wer als Erster in das Wasser hineinstieg, nachdem es in Bewegung geraten war, der wurde gesund, ganz gleich, an welcher Krankheit er litt.
Unter ihnen war ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war.
Jesus sah ihn dort liegen, und es war im klar, dass er schon lange leidend war.
Willst du gesund werden?, fragte er ihn.
Der Kranke antwortete: Herr, ich habe niemand, der mir hilft, in den Teich zu kommen, wenn das Wasser sich bewegt. Und wenn ich es allein versuche, steigt ein anderer vor mir hinein.
Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Matte und geh!
Im selben Augenblick war der Mann gesund; er nahm seine Matte und ging.“

In John 5 we find the following:

„After this there was a feast of the Jews; and Jesus went up to Jerusalem. 
Now there is at Jerusalem by the sheep market a pool, which is called in the Hebrew tongue Bethesda, having five porches. 
In these lay a great multitude of impotent folk, of blind, halt, withered, waiting for the moving of the water. 
For an angel went down at a certain season into the pool, and troubled the water: whosoever then first after the troubling of the water stepped in was made whole of whatsoever disease he had. 
And a certain man was there, which had an infirmity thirty and eight years. 
When Jesus saw him lie, and knew that he had been now a long time in that case, he saith unto him, Wilt thou be made whole? 
The impotent man answered him, Sir, I have no man, when the water is troubled, to put me into the pool: but while I am coming, another steppeth down before me. 
Jesus saith unto him, Rise, take up thy bed, and walk. 
And immediately the man was made whole, and took up his bed, and walked: and on the same day was the sabbath.

Das Wunder der Heilung ist das eine. Ich habe mir einige andere Fragen gestellt.
Wie konnte es passieren, dass 38 Jahre lang niemand die Barmherzigkeit hatte oder überhaupt daran dachte, diesem Mann ins Wasser zu helfen, wenn es sich bewegte?
Wie oft übersehe oder ignoriere ich das Leiden von Menschen in meiner Umgebung?
Wie oft berührt es mich nicht, vielleicht weil ich glaube, nichts tun zu können oder andere Prioritäten habe?
Ich kann nicht jedem helfen, der Hilfe braucht. Aber ich könnte Empathie zeigen.
Manchmal kann ich der sein, der jemand hilft, zum Wasser zu kommen. Manchmal kann ich machen, dass sich das Wasser bewegt. Und manchmal kann ich das Wasser sein, das heilt.
Jeder kann. Jeder kann barmherzig sein, Mitgefühl entwickeln und damit einen Unterschied schaffen zu Gleichgültigkeit, Gefühlslosigkeit oder gar Hass. Wenn es etwas gibt, um Menschenverachtung entgegen zu treten, dann ist es das.

The miracle of the healing is one thing. I have asked myself some other questions.
How could it happen that nobody had the compassion or even thought of it to help this man into the water for 38 years?
How often do I fail to see or ignore the suffering of people I know?
How often doesn´t it touch me, because I think I can´t do anything or have other priorities?
I can´t help everyone in need. But I could show empathie.
Sometimes I could be the one to help the other to make it into the water. Sometimes I could make the water moving. And sometimes I can be the water that heals.
Everyone can. Everyone can be compassionate, develop empathie and make a difference to indifference, insensitivity or hate. If there´s anything to counter hate, then this is it.

Frohe Weihnachten.
Merry Christmas.

20161222_232747

3. Advent in Seiffen 

Auch dieses Jahr sind Esther und ich unserer Tradition treu geblieben und sind vergangenen Samstag nach Seiffen gefahren.

Der Andrang war wegen der Bergparade sehr groß aber das störte uns nicht so sehr. Wir haben einfach die Zeit im erzgebirgischen Weihnachtsland genossen. Meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus der Gegend zwischen Zschopau und Olbernhau. Ich fahre nie den kürzesten Weg sondern biege immer an der Heinzebank links ab, am alten Kalkwerk vorbei, hinunter nach Pockau und dann durch das Flusstal der Flöha Richtung Olbernhau und von dort nach Seiffen.

Mein Vater und viele Vorfahren waren Bergleute. Dadurch weckt die Bergparade immer besondere Assoziationen. Es ist schön, dass diese Traditionen immer noch gepflegt werden. Hoffentlich noch recht lange. 

Jedes Jahr entdecken wir etwas Besonderes. Diesmal war es dieser phantastische Schwibbogen – ein richtiges Kunstwerk. Ich habe lange davor gestanden. Es war sehr schön, inmitten des Trubels inne zu halten und auf diese Weise inspiriert, an Christi Geburt zu denken und zu staunen.

Der Welt ein Licht

Die Adventszeit hat wieder begonnen. Es ist eine Zeit, in der wir uns jedes Jahr wieder in einem Zwiespalt befinden – zwischen Konsumstress, beruflichen Belastungen, die häufig am Jahresende besonders groß sind sowie oft nicht nur gefühlt größerer Hektik als im Rest des Jahres auf der einen Seite und auf der anderen Seite mit dem Bedürfnis nach Ruhe, Frieden, Zeit für Familie und Freunde.

Während der Adventszeit richten wir unsere Sinne aber auch besonders auf Jesus Christus, an dessen Geburt wir uns zu Weihnachten erinnern und dessen Vorbild in unserem Leben entscheidende Unterschiede bewirken kann.

Jesus hat während seines irdischen Wirkens das Leben vieler Menschen berührt. Er sagte über sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8:12).
Uns hat er aufgefordert: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5:14)

Dieses Video bringt uns diese Aussagen sehr gut näher.
(https://www.mormon.org/deu/weihnachten)

In Englisch: www.mormon.org

Der Vorschlag, jeden Tag während der Adventszeit (und hoffentlich auch darüber hinaus) das Leben eines Menschen mit Liebe und Güte zu bereichern, gefällt mir sehr gut. Ich werde es versuchen und lade alle Leser ein, trotz aller Geschäftigkeit dem Beispiel von Jesus Christus zu folgen.

Hier sind die Vorschläge für die ersten 5 Tage.

derwelteinlicht1
derwelteinlicht2

derwelteinlicht3

Hier sind alle Vorschläge:

25 Vorschläge – Der Welt ein Licht

 

Freiberg Tempel – Einladung zum offenen Haus

Nach umfangreichen Erweiterungs- und Rekonstruktionsarbeiten wird der Freiberg Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage am 4. September 2016 wieder geweiht. Vor der Weihung wird der Tempel vom 12. bis 27. August für die Öffentlichkeit zur Besichtigung geöffnet.

Ich möchte alle Leser herzlich einladen, diese Gelegenheit wahrzunehmen und auch die Einladung zu teilen.

20160801_104953

20160801_104905

20160801_104811

20160801_105029

Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste offene Haus des Tempels im Juni 1985. Fast 90.000 Menschen besuchten in zwei Wochen das Gebäude und informierten sich über den Sinn und Zweck von heiligen Tempeln. Dieses historische Foto von damals zeigt einen normalen Tag, an dem die Besucher zum Teil stundenlang ausharrten. Ich hatte die Gelegenheit zu den vielen Helfern zu gehören, die dafür gesorgt haben, dass alles reibungslos verlief. Wir haben hunderte Fragen beantwortetet und als 21-jähriger habe ich unzählige Dinge gelernt, die mir später von großem Nutzen waren.
Wenige Wochen nach der Eröffnung des Freiberg Tempels, schlossen meine Frau Esther und ich am 17. August 1985 unser Ehebündnis für Zeit und Ewigkeit. Dies ist nur in einem Tempel möglich.

FB_IMG_1447840618183

Die beiden folgenden Fotos habe ich dieses Jahr während der Bauphase gemacht, als ich beruflich in Freiberg zu tun hatte.

20160422_110936

20160323_142506

Unter dem folgenden Link kann man sich über Tempel informieren und sehen, wo es in der Welt überall Tempel gibt – die nicht zu verwechseln sind, mit normalen Gemeindehäusern, da sie sich in Funktion und Zweck grundlegend unterscheiden.

https://www.lds.org/church/temples?lang=deu

Ich möchte noch einige persönliche Dinge anfügen, weshalb es mir wichtig ist, einer Kirche anzugehören, in der es möglich ist, in einem Tempel Gottes zu dienen.

  • Die Tempelverordnungen haben ultimative Relevanz für jeden Menschen, wenn es tatsächlich neben diesem Leben, ein vorirdisches Dasein gegeben hat und ein Leben nach dem Tod geben wird. Ebenso – wenn wir buchstäblich Kinder Gottes sind, die aus seiner Gegenwart auf die Erde gekommen sind und nach dem Tod wieder zu ihm zurückkehren werden, um Rechenschaft über unser Leben abzulegen und in Seine Ruhe einzugehen. Von diesen Dingen bin ich fest überzeugt.
  • In unseren Tempeln tun wir etwas, das allgemeinen Trends in der Welt diametral entgegensteht: Wir verbinden Menschen, Familien über Generationen hinweg miteinander – über dieses Leben hinaus, anstatt sie zu trennen. Wir schließen Bündnisse und ja, gehen damit Verpflichtungen ein und nehmen Verantwortung auf uns. Damit treten wir Unverbindlichkeit und Verantwortungslosigkeit entgegen.
  • Tempel sind Orte der Besinnung, geistiger Erfahrungen und Offenbarung. Ich habe viele dieser Erfahrungen dort gemacht, die ich nirgendwo anders hätte machen können.
  • Tempel sind ebenfalls Orte des Lernens, der Erkenntnis und des Verstehens, besonders was den Umgang Gottes mit den Menschen betrifft. Besonders aber sind es Orte des selbstlosen Dienens, wodurch die Gelegenheit haben, emotionale Bindungen über Generationen hinweg aufzubauen und Nächstenliebe zu entwickeln.
  • Um in den Tempel gehen zu können, müssen Voraussetzungen erfüllt werden und es erfordert moralische Würdigkeit. Die Segnungen des Tempels sind etwas, das man sich erarbeiten muss. Ich finde dieses Prinzip gut und richtig und bin davon überzeugt, dass es in allen Bereichen des Lebens wichtig ist. Ich finde aber auch das göttliche Prinzip gut und richtig, dass durch das Sühnopfer Christi uns alles das dazu gegeben wird, das wir trotz eigener Anstrengung nicht schaffen können. Beide Prinzipien gehen Hand in Hand und beseitigen die Missverständnisse, die es zum Thema Glaube und Werke, Gnade und Gerechtigkeit gibt.
  • Intelligente Menschen achten die Heiligkeit des Tempels – auch wenn sie den Sinn nicht verstehen oder damit nicht übereinstimmen. Es gibt leider Menschen, die zu Achtung und Respekt gegenüber Orten der Gottesverehrung nicht fähig sind. Sie disqualifizieren sich in Bezug persönliche Integrität selbst. Ich finde das sehr bedauerlich und es tut mir für diejenigen leid, die heilige Dinge in den Schmutz ziehen.
  • Tempel dienen der Familie. Unsere Kinder sind innerhalb unseres Tempelbündnisses geboren und sie haben selbst diese Bündnisse für ihre Ehen geschlossen. Natürlich liegt es an uns, diese Bündnissen zu achten, ihnen treu zu bleiben und alles dafür zu tun, dass wir als Familie glücklich sein können. Ich bin unendlich dankbar für meine Familie, meine liebe Frau, unsere Kinder, Schwiegerkinder und Enkel.

    Wir gehören zusammen.

20160801_121721

 

 

 

Pfahltag Köthen 2016

20160604_144352

Letzten Samstag, am 4.6. fand in Köthen wieder unser Pfahltag statt. Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir eine Rekordbeteiligung.

Einen besonderen Dank möchte ich allen Organisatoren und Helfern aussprechen für die geopferte Zeit und Mühe. Es war einfach toll. Der schönste Lohn ist, wenn Teilnehmer fragen, ob der nächste Pfahltag schon recht bald stattfinden wird. 🙂

20160604_160703

Für jeden, egal ob alt oder jung, war etwas dabei – Sport, Spiele, kreativ sein, etwas lernen, gutes Essen und viele, viele Gespräche.

20160604_144139

20160604_140628

Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr und laden alle ein, die dieses Jahr verhindert waren oder keine Lust hatten, sich auf den Weg zu machen.

20160604_144410

 

Blick von oben und ein besonderes Datum

Letzte Woche, auf dem Weg von Dresden nach Zürich, habe ich dieses Foto meiner Heimatstadt Hohenstein-Ernstthal gemacht. Eigentlich sieht man Chemnitz viel besser, also deshalb der rote Pfeil. Hier und in der näheren Umgebung haben meine Vorfahren seit Hunderten von Jahren gelebt.

PicsArt_04-30-07.20.54

Da heute der 5. Mai ist, erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an meine Großmutter Klara Lina Böhme, geborene Vogel, deren Geburtstag sich heute zum 126. Mal jährt. Sie wurde 1890 in Ernstthal geboren. Hohenstein und Ernstthal vereinigten sich erst 8 Jahre später zu einer Stadt.
Leider habe ich keine aktive Erinnerung an sie, denn ich war noch keine 3 Jahre alt, als sie Anfang 1967 starb.
Sie war eine einfache Frau, die von vielen Krankheiten geplagt wurde und mit ihrer Familie nach heutigen Maßstäben in ärmlichen Verhältnissen lebte. Sie hat aber unserer Familie etwas von unschätzbarem Wert hinterlassen, das nicht mit materiellen Werten aufgewogen werden kann.
Durch sie ist das Evangelium Jesu Christi in unsere Familie gekommen, in dem sie den Worten der Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Glauben schenkte und sich am 9. Juni 1925, hochschwanger mit meiner Mutter, taufen ließ.
Wenig später schlossen sich noch mehr Mitglieder ihrer Familie der Kirche an.

Aus dem einfachen Zeugnis meiner Großmutter ist etwas Großartiges gewachsen – in dieser kleinen Stadt mit dem roten Pfeil und mittlerweile an vielen anderen Orten. Aus einer gläubigen Frau sind Viele geworden.