Herbst-Pfahlkonferenz Leipzig 2014

Am 1. und 2. November findet unsere diesjährige Herbst-Pfahlkonferenz in Leipzig (Samstag) und Böhlen (Sonntag) statt. Jedermann ist herzlich willkommen.

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Für alle, die mit dem Begriff Pfahlkonferenz nichts anfangen können. Ein Pfahl in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage entspricht in etwa einem Kirchenbezirk oder einer Diözese. Der Pfahl Leipzig erstreckt sich von Hof bis nach Magdeburg, mit dem Zentrum in Leipzig.
Pfahlkonferenzen finden zweimal im Jahr statt. Alle Mitglieder und Interessenten des Pfahlgebietes sind dazu eingeladen.

Sisters und Elders – Part 06

Am Montag dieser Woche hatte ich wieder die Ehre, eine junge Schwester aus unserem Pfahl auf Mission zu berufen. Ich war in Bernburg und habe Carolin Gäbler für 18 Monate in die Wellington Neuseeland Mission der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage berufen.

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Es war ein starker, geistiger Moment als ich den Segen ausgesprochen habe. Es gibt dafür bis auf den offiziellen Teil der Berufung keine vorgefassten Formeln, sondern der Segen ist zum großen Teil Inspiration. Es ist schwer zu beschreiben, wie die Gedanken und Gefühle, was man sagen wird, kommen. Ich kam von einem turbulenten Arbeitstag, der mich ziemlich geschafft hatte und habe mir Sorgen gemacht, ob ich die Aufgabe gut ausführen kann. Ich dann habe die Autofahrt genutzt um abzuschalten. Danach habe gespürt, wie allmählich die Ruhe und die Wärme kamen, die wir dem EInfluss des Heiligen Geistes zuschreiben. Ich kann davon einfach nur Zeugnis geben.

Carolin hat sich in exemplarischer Weise auf ihre Mission vorbereitet. Sie ist eine Macherin, eine, die zieht und andere mitnehmen kann.
Ich wünsche ihr eine großartige Missionszeit. Es wird anstrengend und herausfordernd, aber genau deshalb gehen unsere jungen Leute auf Mission. Alles Gute, Carolin.

Zum 3. Oktober

Es kommt nicht oft vor, dass ich einen Artikel in den einschlägigen deutschen Online-Medien richtig gut finde. Aber dieser hier ist gut und lesenswert, nicht nur für uns, die wir alle diese Ereignisse miterlebt haben, sondern besonders auch für die junge Generation und alle, die ein distanziertes Verhältnis zur deutschen Einheit haben.

http://www.sueddeutsche.de/politik/tag-der-deutschen-einheit-der-ostdeutsche-sturm-auf-die-bastille-1.2156692

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edenktafel zwischen Elend und Braunlage im Harz

In dem Zusammenhang erinnere ich mich ein zwei Anekdoten aus meinem Leben.
Neben meinem Studium von 1984-1989 hatte ich einen Full-Time-Job in einem Anlagenbau-Betrieb. Ich habe dort sehr gern gearbeitet. Erstens war die Arbeit interessant und es gab viel Raum zu Kreativität und zweitens war die Atmosphäre für DDR-Verhältnisse sehr liberal. Ich hatte als Mormone und Nicht-FDJler eigentlich so gut wie keine Schwierigkeiten.
Eines Tages kam der SED-Parteisekretär zu mir und bat um ein Gespräch. Ich war etwas erstaunt und fragte mich, was er wohl will. Nach etwas umständlichem Small-Talk kam er zur Sache und sagte in etwas folgendes: „Thomas, wir sind mit deiner Arbeit hochzufrieden und wir verstehen, dass du aus Glaubensgründen niemals der Partei betreten wirst, aber könntest du eventuell drüber nachdenken, Mitglied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft zu werden? Da geht es doch um Freundschaft und dagegen kannst du doch nichts haben.“ Hatte ich eigentlich auch nicht. Deshalb habe ich nach einigem Nachdenken zugestimmt und wurde ein Mitglied der DSF. 🙂
Ungefähr ein halbes Jahr später, kam er wieder zu mir und verkündete, dass die Firma beschlossen hatte, meiner Frau und mir eine Reise mit dem Freundschaftszug nach Moskau und (damals noch) Leningrad zu schenken. Also sind wir im April 1988 dahin gefahren. Es war sehr interessant und wir lernten eine ganze Menge live über Glasnost und Perestroika. Am Ende der Tour schenkte ich unserer Dolmetscherin ein Buch Mormon, worüber sie sich über alle Maßen freute.

Ein zweites Erlebnis hatte ich Anfang 1989. Das einzigste Studienfach, das sich über alle fünf Jahre meines Studiums hinzog, war Marxismus-Leninismus. Unser Dozent war gleichzeitig der SED-Parteisekretär der Hochschule, ein durchaus interessanter Typ, schon etwas älter, den ich schwer einschätzen konnte. Ich hatte vorher in der Schule als Teenager einen Staatsbürgerkundelehrer, der mir Anfang der 9. oder 10. Klasse klipp und klar sagte, dass ich in seinem Fach aufgrund meiner Weltanschauung niemals die Note 1 erhalten könnte. Das hat er auch wahr gemacht. Der Dozent im Studium tickte anders. Das Fach an sich war intellektuell nicht sehr herausfordernd. Die meisten Studenten waren lediglich darauf bedacht, mit dem geringstmöglichen Aufwand durchzukommen. Wie gesagt, Anfang 1989 mussten wir eine Hausarbeit schreiben. Ich glaube, es ging um Weltfrieden. Ich beschloss, den Dozenten zu testen und füllte meine Hausarbeit mit Zitaten aus Bibel, Buch Mormon und dem Buch „Die Lehren des Propheten Joseph Smith“, selbstverständlich mit Quellenangaben. Es kam keine Reaktion, bis zum Tag der Abschlussprüfungen im Mai 1989. Da ich zwischen Note 1 und 2 stand, wurde ich zur mündlichen Prüfung bestellt. Der Dozent war der Prüfer. Nach dem Gespräch sagte er folgendes: „Normalerweise würde Ihre Leistung die Abschlussnote 2 rechtfertigen (er hatte ein paar Fragen gestellt, die tricky waren), aber aufgrund Ihrer Weltanschauung erteile ich Ihnen die Note 1.“ Und so war ich als aktiver Christ einer der wenigen, denen dieses Schicksal zuteil wurde. Nach mir war ein Kommilitone dran, der Mitglied der SED war. Den hat er mit Note 5 voll durchfallen lassen :D.

Wenige Monate danach fiel die Mauer und alles wurde anders. Ich bin unendlich dankbar, dass dies möglich wurde – durch viele mutige Menschen, die unvermeidliche Schwäche eines Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, wichtige Menschen, die zur richtigen Zeit an den richtigen Schalthebeln saßen und – als gläubiger Mensch bin ich davon überzeugt – durch eine gehörige Portion Einfluss von Gott.