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Ein Leben voller Licht / A life full of light

Den folgenden Text habe ich für das „Wort zum Tage“ geschrieben, das heute auf Deutschlandfunk Kultur gesendet wurde. Der Link zum Beitrag und die englische Übersetzung befinden sich am Ende dieses Posts.

Vergangenes Wochenende hatte ich den Auftrag, eine Konferenz unserer Kirche in Szombathely in Ungarn zu besuchen. Bevor das Programm begann, hatte ich etwas Zeit, zusammen mit einem örtlichen Mitglied, eine betagte Frau, die zu den ersten Bekehrten unserer Kirche nach dem Ende des Kommunismus gehörte, zu besuchen.

With Sister Agnes Hegedűs and District President Csaba Tóth in Szombathely

Als wir ihre einfache Wohnung betraten, verspürten wir eine wunderbare Güte und Wärme, die diese 80-jährige Schwester ausstrahlte. Während wir im täglichen Leben oft mit Dunkelheit konfrontiert werden, die durch Hass, Streit, Verbitterung und andere negative Eigenheiten der Menschen entsteht und sich leider unfassbarerweise überall auszubreiten scheint, war es in diesem Heim völlig anders. Dort konnte man Licht spüren – ein Licht genährt durch Glauben, Nächstenliebe und Freude, trotz vieler Leiden und Schmerzen, die sich in einem langen Leben ansammeln.

Ich bat sie, aus ihrem Leben zu erzählen und war beeindruckt, von ihrer Hingabe für ihren Glauben, die Liebe für ihre Mitmenschen und ihre Standhaftigkeit, für ihre Überzeugungen einzustehen – nicht mit Lautstärke und Aktionen, die viral gehen, sondern mit einfachem, selbstlosen Dienst für andere Menschen.

An einem Punkt des Gespräches sagte ich, dass es großartig wäre, wenn ihre Erfahrungen und Erinnerungen bewahrt würden. Sie antwortete: „Warten Sie einen Moment.“ Dann ging sie in ein anderes Zimmer und kam mit einer Schachtel voll mit gebundenen Büchern zurück – ihre Lebensgeschichte. Sie las aus einem der Bücher vor, in dem sie über ihre Erfahrungen und Gefühle von einer Mission, die sie im Alter von 70 Jahren für die Kirche erfüllte, geschrieben hatte. Wir waren beeindruckt und bewegt.

Als wir uns verabschiedeten, fühlten wir uns alle auf eine besondere Weise erbaut und gestärkt. Das war ein sehr schöner Moment, der in Erinnerung bleiben wird.

Solche Erlebnisse kommen nicht von allein. Wir können sie aber aktiv suchen und damit unseren moralischen Kompass zum Guten entwickeln. Durch selbstlosen Dienst wird unsere emotionale und geistige Resilienz gestärkt. Wir erfahren Freude und unsere Sicht auf das Leben wird sich aufhellen.

Wir können Dunkelheit nicht durch Licht ersetzen, wenn wir es nicht einschalten. Ich lade Sie alle herzlich ein, in Ihrem Leben nach Erfahrungen zu streben und Zeit für Dinge zu investieren, die zu mehr Licht in unserer Gesellschaft führen.

Hier ist Link zu meinem Beitrag in der Audiothek des Deutschlandfunk Kultur:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ein-leben-voller-licht-kirche-jesu-christi-der-heiligen-der-letzten-tage-100.html

Esther and me in front of our meetinghouse in Szombathely

English translation:

I wrote the following text for the “Thought for the Day,” which was broadcast today on Deutschlandfunk Kultur. The link to the segment and the English translation can be found at the end of this post.

Last weekend I was assigned to attend a conference of our Church in Szombathely, Hungary. Before the program began, I had some time to visit—together with a local member—an elderly woman who was among the first converts to our Church after the end of communism.

As we entered her modest apartment, we felt a remarkable kindness and warmth radiating from this 80‑year‑old sister. While in everyday life we are often confronted with darkness—born of hatred, conflict, bitterness, and other negative human traits—that sadly seems to be spreading everywhere, this home was completely different. There, one could sense light: a light nourished by faith, charity, and joy, despite the many sufferings and pains that accumulate over the course of a long life.

I asked her to share stories from her life and was deeply impressed by her devotion to her faith, her love for her fellow human beings, and her steadfastness in standing up for her convictions—not through loudness or actions that go viral, but through simple, selfless service to others.

At one point in our conversation, I said how wonderful it would be if her experiences and memories could be preserved. She replied, “Just a moment.” She then went into another room and returned with a box full of bound books—her life story. She read aloud from one of the books in which she had written about her experiences and feelings during a mission she completed for the Church at the age of seventy. We were deeply impressed and moved.

As we said our goodbyes, we all felt uplifted and strengthened in a special way. It was a very beautiful moment that will remain in our memories.

Experiences like these do not happen by chance. But we can actively seek them out and, in doing so, help develop our moral compass toward what is good. Through selfless service, our emotional and spiritual resilience is strengthened. We experience joy, and our outlook on life becomes brighter.

We cannot replace darkness with light unless we turn the light on. I warmly invite you all to strive for such experiences in your own lives and to invest time in things that bring more light into our society.