Archiv der Kategorie: Familie

Balance 

Es war Generalkonferenz-Wochenende. Esther und ich waren bei unseren Kindern in Graz. Es tat gut, ein paar Tage auszuspannen und die Work-Life-Balance wieder etwas auszugleichen.

In der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag letzter Woche habe ich während eines Fluges von Tokio nach Frankfurt dieses Bild gemacht.

Ich war auf dem Heimweg von meiner 8. Dienstreise nach Asien seit Anfang diesen Jahres. Ich hatte 3 der letzten 4 Nächte in Flugzeugen verbracht und war entsprechend erschöpft. Meine Firma rollt eine neue, innovative Technologie aus und das erfordert besondere Anstrengungen, damit sich Erfolg einstellen kann. Ich empfinde es als einen großen Vertrauensbeweis, dass ich dabei mitwirken kann und liebe meine Arbeit, trotz aller Schwierigkeiten, die sie oft mit sich bringt. So zum Beispiel vorletzte Woche, am Freitagnachmittag, als ich versuchte, von Catania in Italien nach Hause zu reisen und der Flughafen wegen Nebels geschlossen wurde. Mein Flieger war schon auf dem Weg zur Startbahn. Es war frustrierend. Ich war irgendwann am Samstagnachmittag zu Hause und musste Sonntag schon wieder weg.

Ich werde oft gefragt, wie ich meinen Job machen, ein Familienvater und nebenher ein Kirchenführer und Seelsorger mit Verantwortung für 2300 Mormonen in Westsachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt sein kann, ohne die seelische Balance zu verlieren. Meine Antwort ist normalerweise, dass es nur mit Gottes Hilfe möglich ist. Diese Hilfe spüre ich sehr oft, häufig durch die Unterstützung, die ich von anderen erhalte.

Ich habe aber etwas tiefer über die Frage nachgedacht und bin auf viele größere und auch vermeintlich kleinere Dinge gestoßen, die mir helfen, eine vernünftige Balance beizubehalten – wenn es mir gelingt, entsprechend zu handeln.

Ich habe in den letzten Jahren mehr und mehr gelernt, dass mein persönliches Wohlbefinden eine Funktion der Dankbarkeit ist, die ich fähig bin zu empfinden. Ich habe weiterhin gelernt, dass Dankbarkeit dazu führt, sich selbst weniger wichtig zu nehmen und ein größeres Bedürfnis erzeugt, anderen zu dienen, Nächstenliebe zu empfinden und sich für Dinge einzusetzen, die wertvoll für unsere Mitmenschen sind. Präsident Uchtdorf hat in der Priestertumsversammlung am Samstag sehr gut darüber gesprochen.

Sehr wichtig ist für mich meine bewusste Beziehung zu Gott und die Dankbarkeit für seine Segnungen, die so oft spürbar sind. Im Bild oben, höre ich Kirchenmusik (sehr häufig die großartigen Arrangements unserer Kirchenlieder). Nach jeder Generalkonferenz lade ich mir die MP3s von der Konferenz auf mein Smartphone und die Videos auf meinen Laptop. Auf den langen Flügen nutze ich die Zeit, höre zu und versuche mein Herz so weit wie möglich für den Heiligen Geist zu öffnen. Es entspannt mich, gibt mir inneren Frieden und beschert mir viele geistige Erlebnisse. Viele meiner Ansprachen, Themen, Briefe und Gedanken entstehen dabei. Auch das Verständnis für Probleme und die Lehren des Evangeliums erschließen sich dann oft in genialer Weise. Es gelingt nicht immer, aber wenn es gelingt, dann tut es richtig gut.

Entscheidend für meine Balance ist meine liebe Ehefrau Esther. Wir sind bald 32 Jahre verheiratet. Ich bin sehr dankbar für unsere liebevolle Ehe, ihr Verständnis für meine Schwächen und Sorgen, ihre großartige Unterstützung und ihre subtilen als auch deutlichen Signale, die mir eine große Hilfe sind, wenn Dinge drohen aus dem Gleichgewicht zu geraten. Sie hat ein tiefes Verständnis für die wichtigen Dinge im Leben, oft besser als ich. Sie ist genauso wie ich bereit für eine stabile Ehe zu arbeiten und das erspart uns seit vielen Jahren emotionale Achterbahnfahrten, an denen leider viele Beziehungen heutzutage scheitern. Ich liebe sie sehr.

Ebenso wichtig sind mir unsere Kinder und Enkel. Kürzlich habe ich über die Wichtigkeit von Mehrgenerationenfamilien gelesen, die sich guten Werten verpflichtet fühlen und damit, vergleichbar mit einem Wald, kostbaren Nährboden für nachwachsende Bäume bieten und diejenigen auffangen können, die mit Sorgen  und Problemen zu kämpfen haben. Ich bin dankbar für meine Familie. Es ist eine lebenslange Aufgabe, für den Zusammenhalt in der Familie zu arbeiten.

Ein weiterer Punkt, der mir persönlich sehr viel bedeutet, ist das Streben nach Harmonie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das heißt nicht, es jedem recht machen zu wollen oder alles um des lieben Friedens Willen zu akzeptieren. Es heißt aber sehr wohl, kultiviert und liebevoll miteinander umzugehen, mit einem gesunden Maß Demut, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Mir gefällt die goldene Regel im Neuen Testament, Matthäus 7:12: „Behandelt eure Mitmenschen in allem so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt. Das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.“ Leider fällt es mir manchmal schwer, sie umzusetzen. Aber ich versuche es so oft ich kann und das hält viel emotionalen Stress von mir fern.

Zurück zur Dankbarkeit – speziell die Dankbarkeit für viele als selbstverständlich betrachtete Dinge im Leben. Für mich ist das auch die Fähigkeit zu staunen, z.B. über die großartige Schöpfung, aber auch unscheinbare Dinge. Wir sind am Samstag auf den Hausberg von Graz, den Schöckl gewandert. Man kommt einigermaßen ins Schwitzen :-), aber es war die Mühe wert. Ich hätte stundenlang oben sitzen können, um die Aussicht zu genießen und mich zu freuen.

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Ich glaube, dass diese Form von einfacher, in gewisser Weise kindlicher Dankbarkeit einen essentiellen Schutz vor zynischen, sarkastischen und anderen destruktiven Betrachtungsweisen von Herausforderungen im Leben bietet. Das hat nichts mit einem verklärten Bild der Realität zu tun, sondern es ist eine Haltung trotz aller Herausforderungen.

Beständigkeit und kontinuierliche, kleine Schritte sind viel besser als gelegentliche Hauruck-Aktionen oder exzessive Anstrengungen, die viel Stress verursachen und im Widerspruch zu einer nachhaltigen Lebensweise stehen. Es hat mich einige Zeit gekostet, den gesamtheitlichen Ansatz des Evangeliums besser zu verstehen, weil dadurch viele verschiedene Segnungen „freigeschaltet“ werden und man sich manche nicht jahrelang vorenthält, weil man den Prinzipien, die darauf beruhen, wenig Beachtung schenkt. Das ist nach meiner Erfahrung ein weit verbreitetes Problem – Unausgewogenheit. Ich finde deshalb die Botschaft des Gebietsplanes für Europa sehr richtig.

Eine weitere große Hilfe ist es, wenn ich mich von geistigem und medialem Junk-Food fernhalte. Es ist unglaublich, wie viel Müll uns tagtäglich geradezu aufgedrängt und wie kritiklos er konsumiert wird. Geistiger und medialer Junk tun mir in meiner Balance nicht gut. Das erfahre ich auch von anderen in vielen Gesprächen, die ich als Seelsorger führe. Ich meide ihn inzwischen wo ich nur kann und bin ganz schlecht für Einschaltquoten etc. Es ist unklug, diesen Aspekt zu verharmlosen, von der Zeitverschwendung einmal ganz abgesehen.
Seit vielen Jahren mache ich sehr gute Erfahrungen mit dem täglichen Studium der Heiligen Schriften. Es braucht nicht viel Zeit jeden Tag, um spürbare, positive Ergebnisse zu sehen.

Als Präsident eines Pfahles wird man mit zahllosen Problemen konfrontiert. Warum sollte man sich so eine Aufgabe antun, die gut und gerne mit einem Vollzeitjob vergleichbar ist? Meine Antwort im 8. Jahr in dieser Berufung: Man kann. Aber man muss sich ein paar Einstellungen aneignen. Vor kurzem habe ich im Matthäus Evangelium das Gleichnis vom Schatz auf dem Acker gelesen, siehe Matthäus 13:44: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war und von einem Mann entdeckt wurde. Der Mann freute sich so sehr, dass er, nachdem er den Schatz wieder vergraben hatte, alles verkaufte, was er besaß, und dafür den Acker kaufte.“
Das beschreibt es ganz gut. Es sind die Perspektiven, das Verständnis vom Warum. Warum ich lebe, wo ich hergekommen bin, wo ich nach diesem Leben hingehen werde, warum ich tue, was ich tue. Dieses riesige Feld von Fortschritt, Entwicklung, Erkenntnis und Liebe, das uns ein Vater im Himmel eröffnet – zusammengefasst unter der Bezeichnung Plan der Erlösung oder Plan des Glücklichseins – wenn wir nur bereit sind, Seine Bedingungen zu akzeptieren. Das alles motiviert mich sehr und macht mir viele Lasten leichter.
Kirche geht ohne Einsatz und Arbeit nicht. Wenn keiner etwas tun möchte, wird nichts passieren. Insofern bleibt Arbeit eben Arbeit. Aber es fühlt sich ganz anders an, wenn die Fragen nach dem WARUM geklärt sind. An sehr vielen Tagen liebe ich, was ich tue und brauche dafür keinen Anstoß. Es gibt wenige Tage, an denen es mir schwer fällt. Dann habe ich großartige Menschen in meinem Umfeld, die mich unbewusst und seltener auch bewusst motivieren.
Natürlich können und müssen wir noch viel lernen, wie wir das WIE verbessern und wie wir das WARUM besser erklären, denn es gibt eigentlich nichts genialeres. Es lohnt sich deshalb, seine Kraft für dieses große Werk einzusetzen – nicht mehr als man hat, dafür aber beständig und mit Schritten, die groß genug sind, um das eigene Verständnis zu erweitern.

Das alles (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) war in den letzten Jahren ein wichtiger Antrieb für mich. Der Lohn sind unvergleichliche und unvergessliche Erfahrungen, die auf andere Weise nicht zu machen sind. Ich denke, das ist nicht an eine bestimmte Kirchenberufung gebunden, sondern hat ganz viel mit dem Verständnis von den Perspektiven an die wir glauben zu tun und den Einstellungen, die erforderlich sind, damit Perspektiven lebendig werden können.

 

 

100 Jahre

Heute vor 100 Jahren wurde mein Vater, Martin Hengst, als 11. von 12 Kindern meiner Großeltern in Hohenstein-Ernstthal geboren. Ich verehre ihn und vermisse ihn seit fast 34 Jahren. Er war ein großartiger Mann.

Im Herbst 1983, kurze Zeit nach seinem Tod Anfang September 1983, habe ich diese Aquatinta Radierung angefertigt, die ich immer noch aufbewahre und die mir eine kostbare Erinnerung ist. Ich kann mich gut an die Gefühle erinnern, als ich an der Grafik gearbeitet habe.

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Er wird mir immer ein Vorbild sein, weil er trotz langjähriger schwerer Krankheit als Folge seiner Arbeit im Wismut- und Kohlebergbau unter Tage, ohne viel zu klagen, immer sein bestes gegeben hat. Er war ein authentischer und aufrechter Mormone und die Umstände seiner Bekehrung sind ein wichtiger Bestandteil meiner Überzeugung.

Wie gern hätte ich ihn mehr als 19 Jahre meines Lebens erlebt und um mich gehabt. Die Zeit des Wiedersehens wird eines Tages kommen – nach diesem Leben.

Heute ehre und liebe ich ihn als den Mann, der mich als mein Vater entscheidend geprägt hat. Vielen Dank, Dad.

 

Frohe Weihnachten – Merry Christmas

Ich wünsche allen Freunden und Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest. Ich hoffe, jeder von euch wird etwas Ruhe und Besinnung vom Alltag finden und Freude im Kreis eurer Lieben verspüren.

I wish all friends and readers a merry and blessed Christmas. I hope each of you will find peace and time for reflection from everyday life. May you feel joy with your loved ones.

Ich wünsche auch jedem einige Momente, in denen die Bedeutung der Geburt von Jesus Christus ins Herz dringen möge. Wir hatten solche Momente vorgestern Abend, wo wir uns um das Klavier versammelt und ein bisschen Hausmusik gemacht haben. Es war sehr schön (auch wenn wir alle Laien sind 🙂 ).

I also wish everyone some moments, in which the significance of the birth of Jesus Christ may fill your hearts. We had those moments Thursday night, when we gathered around the piano and sang Christmas carols and hymns. It was wonderful (even though we aren´t professional 🙂 ). 

Ich habe im Oktober begonnen, wieder das Neue Testament zu lesen. Es war eine gute Erfahrung, während der Adventszeit die Evangelien zu lesen und mehr über Jesus Christus zu lernen. Es gibt viele Stellen, an denen man hängen bleibt. Stellvertretend für viele möchte ich eine erwähnen, die mich besonders berührt hat.

In October, I started reading the New Testament again. It was a good experience to read the four Gospels during the Christmas season and learn more about Jesus Christ. There´re many verses to stop reading and ponder. I would like to mention just one that has touched me a lot.

In Johannes 5 finden wir diese Begebenheit:

„Einige Zeit später war wieder ein jüdisches Fest, und Jesus ging nach Jerusalem hinauf.
In Jerusalem befindet sich in der Nähe des Schaftors eine Teichanlage mit fünf Säulenhallen; sie wird auf hebräisch Betesda genannt.
In diesen Hallen lagen überall kranke Menschen, Blinde, Gelähmte und Verkrüppelte. Sie alle warteten darauf, dass das Wasser in Bewegung geriet.
Denn von Zeit zu Zeit stieg ein Engel des Herrn in den Teich hinunter und brachte das Wasser in Bewegung. Wer als Erster in das Wasser hineinstieg, nachdem es in Bewegung geraten war, der wurde gesund, ganz gleich, an welcher Krankheit er litt.
Unter ihnen war ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war.
Jesus sah ihn dort liegen, und es war im klar, dass er schon lange leidend war.
Willst du gesund werden?, fragte er ihn.
Der Kranke antwortete: Herr, ich habe niemand, der mir hilft, in den Teich zu kommen, wenn das Wasser sich bewegt. Und wenn ich es allein versuche, steigt ein anderer vor mir hinein.
Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Matte und geh!
Im selben Augenblick war der Mann gesund; er nahm seine Matte und ging.“

In John 5 we find the following:

„After this there was a feast of the Jews; and Jesus went up to Jerusalem. 
Now there is at Jerusalem by the sheep market a pool, which is called in the Hebrew tongue Bethesda, having five porches. 
In these lay a great multitude of impotent folk, of blind, halt, withered, waiting for the moving of the water. 
For an angel went down at a certain season into the pool, and troubled the water: whosoever then first after the troubling of the water stepped in was made whole of whatsoever disease he had. 
And a certain man was there, which had an infirmity thirty and eight years. 
When Jesus saw him lie, and knew that he had been now a long time in that case, he saith unto him, Wilt thou be made whole? 
The impotent man answered him, Sir, I have no man, when the water is troubled, to put me into the pool: but while I am coming, another steppeth down before me. 
Jesus saith unto him, Rise, take up thy bed, and walk. 
And immediately the man was made whole, and took up his bed, and walked: and on the same day was the sabbath.

Das Wunder der Heilung ist das eine. Ich habe mir einige andere Fragen gestellt.
Wie konnte es passieren, dass 38 Jahre lang niemand die Barmherzigkeit hatte oder überhaupt daran dachte, diesem Mann ins Wasser zu helfen, wenn es sich bewegte?
Wie oft übersehe oder ignoriere ich das Leiden von Menschen in meiner Umgebung?
Wie oft berührt es mich nicht, vielleicht weil ich glaube, nichts tun zu können oder andere Prioritäten habe?
Ich kann nicht jedem helfen, der Hilfe braucht. Aber ich könnte Empathie zeigen.
Manchmal kann ich der sein, der jemand hilft, zum Wasser zu kommen. Manchmal kann ich machen, dass sich das Wasser bewegt. Und manchmal kann ich das Wasser sein, das heilt.
Jeder kann. Jeder kann barmherzig sein, Mitgefühl entwickeln und damit einen Unterschied schaffen zu Gleichgültigkeit, Gefühlslosigkeit oder gar Hass. Wenn es etwas gibt, um Menschenverachtung entgegen zu treten, dann ist es das.

The miracle of the healing is one thing. I have asked myself some other questions.
How could it happen that nobody had the compassion or even thought of it to help this man into the water for 38 years?
How often do I fail to see or ignore the suffering of people I know?
How often doesn´t it touch me, because I think I can´t do anything or have other priorities?
I can´t help everyone in need. But I could show empathie.
Sometimes I could be the one to help the other to make it into the water. Sometimes I could make the water moving. And sometimes I can be the water that heals.
Everyone can. Everyone can be compassionate, develop empathie and make a difference to indifference, insensitivity or hate. If there´s anything to counter hate, then this is it.

Frohe Weihnachten.
Merry Christmas.

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3. Advent in Seiffen 

Auch dieses Jahr sind Esther und ich unserer Tradition treu geblieben und sind vergangenen Samstag nach Seiffen gefahren.

Der Andrang war wegen der Bergparade sehr groß aber das störte uns nicht so sehr. Wir haben einfach die Zeit im erzgebirgischen Weihnachtsland genossen. Meine Vorfahren väterlicherseits stammen aus der Gegend zwischen Zschopau und Olbernhau. Ich fahre nie den kürzesten Weg sondern biege immer an der Heinzebank links ab, am alten Kalkwerk vorbei, hinunter nach Pockau und dann durch das Flusstal der Flöha Richtung Olbernhau und von dort nach Seiffen.

Mein Vater und viele Vorfahren waren Bergleute. Dadurch weckt die Bergparade immer besondere Assoziationen. Es ist schön, dass diese Traditionen immer noch gepflegt werden. Hoffentlich noch recht lange. 

Jedes Jahr entdecken wir etwas Besonderes. Diesmal war es dieser phantastische Schwibbogen – ein richtiges Kunstwerk. Ich habe lange davor gestanden. Es war sehr schön, inmitten des Trubels inne zu halten und auf diese Weise inspiriert, an Christi Geburt zu denken und zu staunen.

Der Welt ein Licht

Die Adventszeit hat wieder begonnen. Es ist eine Zeit, in der wir uns jedes Jahr wieder in einem Zwiespalt befinden – zwischen Konsumstress, beruflichen Belastungen, die häufig am Jahresende besonders groß sind sowie oft nicht nur gefühlt größerer Hektik als im Rest des Jahres auf der einen Seite und auf der anderen Seite mit dem Bedürfnis nach Ruhe, Frieden, Zeit für Familie und Freunde.

Während der Adventszeit richten wir unsere Sinne aber auch besonders auf Jesus Christus, an dessen Geburt wir uns zu Weihnachten erinnern und dessen Vorbild in unserem Leben entscheidende Unterschiede bewirken kann.

Jesus hat während seines irdischen Wirkens das Leben vieler Menschen berührt. Er sagte über sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8:12).
Uns hat er aufgefordert: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Matthäus 5:14)

Dieses Video bringt uns diese Aussagen sehr gut näher.
(https://www.mormon.org/deu/weihnachten)

In Englisch: www.mormon.org

Der Vorschlag, jeden Tag während der Adventszeit (und hoffentlich auch darüber hinaus) das Leben eines Menschen mit Liebe und Güte zu bereichern, gefällt mir sehr gut. Ich werde es versuchen und lade alle Leser ein, trotz aller Geschäftigkeit dem Beispiel von Jesus Christus zu folgen.

Hier sind die Vorschläge für die ersten 5 Tage.

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Hier sind alle Vorschläge:

25 Vorschläge – Der Welt ein Licht

 

Freiberg Tempel – Einladung zum offenen Haus

Nach umfangreichen Erweiterungs- und Rekonstruktionsarbeiten wird der Freiberg Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage am 4. September 2016 wieder geweiht. Vor der Weihung wird der Tempel vom 12. bis 27. August für die Öffentlichkeit zur Besichtigung geöffnet.

Ich möchte alle Leser herzlich einladen, diese Gelegenheit wahrzunehmen und auch die Einladung zu teilen.

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Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste offene Haus des Tempels im Juni 1985. Fast 90.000 Menschen besuchten in zwei Wochen das Gebäude und informierten sich über den Sinn und Zweck von heiligen Tempeln. Dieses historische Foto von damals zeigt einen normalen Tag, an dem die Besucher zum Teil stundenlang ausharrten. Ich hatte die Gelegenheit zu den vielen Helfern zu gehören, die dafür gesorgt haben, dass alles reibungslos verlief. Wir haben hunderte Fragen beantwortetet und als 21-jähriger habe ich unzählige Dinge gelernt, die mir später von großem Nutzen waren.
Wenige Wochen nach der Eröffnung des Freiberg Tempels, schlossen meine Frau Esther und ich am 17. August 1985 unser Ehebündnis für Zeit und Ewigkeit. Dies ist nur in einem Tempel möglich.

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Die beiden folgenden Fotos habe ich dieses Jahr während der Bauphase gemacht, als ich beruflich in Freiberg zu tun hatte.

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Unter dem folgenden Link kann man sich über Tempel informieren und sehen, wo es in der Welt überall Tempel gibt – die nicht zu verwechseln sind, mit normalen Gemeindehäusern, da sie sich in Funktion und Zweck grundlegend unterscheiden.

https://www.lds.org/church/temples?lang=deu

Ich möchte noch einige persönliche Dinge anfügen, weshalb es mir wichtig ist, einer Kirche anzugehören, in der es möglich ist, in einem Tempel Gottes zu dienen.

  • Die Tempelverordnungen haben ultimative Relevanz für jeden Menschen, wenn es tatsächlich neben diesem Leben, ein vorirdisches Dasein gegeben hat und ein Leben nach dem Tod geben wird. Ebenso – wenn wir buchstäblich Kinder Gottes sind, die aus seiner Gegenwart auf die Erde gekommen sind und nach dem Tod wieder zu ihm zurückkehren werden, um Rechenschaft über unser Leben abzulegen und in Seine Ruhe einzugehen. Von diesen Dingen bin ich fest überzeugt.
  • In unseren Tempeln tun wir etwas, das allgemeinen Trends in der Welt diametral entgegensteht: Wir verbinden Menschen, Familien über Generationen hinweg miteinander – über dieses Leben hinaus, anstatt sie zu trennen. Wir schließen Bündnisse und ja, gehen damit Verpflichtungen ein und nehmen Verantwortung auf uns. Damit treten wir Unverbindlichkeit und Verantwortungslosigkeit entgegen.
  • Tempel sind Orte der Besinnung, geistiger Erfahrungen und Offenbarung. Ich habe viele dieser Erfahrungen dort gemacht, die ich nirgendwo anders hätte machen können.
  • Tempel sind ebenfalls Orte des Lernens, der Erkenntnis und des Verstehens, besonders was den Umgang Gottes mit den Menschen betrifft. Besonders aber sind es Orte des selbstlosen Dienens, wodurch die Gelegenheit haben, emotionale Bindungen über Generationen hinweg aufzubauen und Nächstenliebe zu entwickeln.
  • Um in den Tempel gehen zu können, müssen Voraussetzungen erfüllt werden und es erfordert moralische Würdigkeit. Die Segnungen des Tempels sind etwas, das man sich erarbeiten muss. Ich finde dieses Prinzip gut und richtig und bin davon überzeugt, dass es in allen Bereichen des Lebens wichtig ist. Ich finde aber auch das göttliche Prinzip gut und richtig, dass durch das Sühnopfer Christi uns alles das dazu gegeben wird, das wir trotz eigener Anstrengung nicht schaffen können. Beide Prinzipien gehen Hand in Hand und beseitigen die Missverständnisse, die es zum Thema Glaube und Werke, Gnade und Gerechtigkeit gibt.
  • Intelligente Menschen achten die Heiligkeit des Tempels – auch wenn sie den Sinn nicht verstehen oder damit nicht übereinstimmen. Es gibt leider Menschen, die zu Achtung und Respekt gegenüber Orten der Gottesverehrung nicht fähig sind. Sie disqualifizieren sich in Bezug persönliche Integrität selbst. Ich finde das sehr bedauerlich und es tut mir für diejenigen leid, die heilige Dinge in den Schmutz ziehen.
  • Tempel dienen der Familie. Unsere Kinder sind innerhalb unseres Tempelbündnisses geboren und sie haben selbst diese Bündnisse für ihre Ehen geschlossen. Natürlich liegt es an uns, diese Bündnissen zu achten, ihnen treu zu bleiben und alles dafür zu tun, dass wir als Familie glücklich sein können. Ich bin unendlich dankbar für meine Familie, meine liebe Frau, unsere Kinder, Schwiegerkinder und Enkel.

    Wir gehören zusammen.

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Pfahltag Köthen 2016

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Letzten Samstag, am 4.6. fand in Köthen wieder unser Pfahltag statt. Bei strahlendem Sonnenschein hatten wir eine Rekordbeteiligung.

Einen besonderen Dank möchte ich allen Organisatoren und Helfern aussprechen für die geopferte Zeit und Mühe. Es war einfach toll. Der schönste Lohn ist, wenn Teilnehmer fragen, ob der nächste Pfahltag schon recht bald stattfinden wird. 🙂

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Für jeden, egal ob alt oder jung, war etwas dabei – Sport, Spiele, kreativ sein, etwas lernen, gutes Essen und viele, viele Gespräche.

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Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr und laden alle ein, die dieses Jahr verhindert waren oder keine Lust hatten, sich auf den Weg zu machen.

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Blick von oben und ein besonderes Datum

Letzte Woche, auf dem Weg von Dresden nach Zürich, habe ich dieses Foto meiner Heimatstadt Hohenstein-Ernstthal gemacht. Eigentlich sieht man Chemnitz viel besser, also deshalb der rote Pfeil. Hier und in der näheren Umgebung haben meine Vorfahren seit Hunderten von Jahren gelebt.

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Da heute der 5. Mai ist, erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an meine Großmutter Klara Lina Böhme, geborene Vogel, deren Geburtstag sich heute zum 126. Mal jährt. Sie wurde 1890 in Ernstthal geboren. Hohenstein und Ernstthal vereinigten sich erst 8 Jahre später zu einer Stadt.
Leider habe ich keine aktive Erinnerung an sie, denn ich war noch keine 3 Jahre alt, als sie Anfang 1967 starb.
Sie war eine einfache Frau, die von vielen Krankheiten geplagt wurde und mit ihrer Familie nach heutigen Maßstäben in ärmlichen Verhältnissen lebte. Sie hat aber unserer Familie etwas von unschätzbarem Wert hinterlassen, das nicht mit materiellen Werten aufgewogen werden kann.
Durch sie ist das Evangelium Jesu Christi in unsere Familie gekommen, in dem sie den Worten der Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Glauben schenkte und sich am 9. Juni 1925, hochschwanger mit meiner Mutter, taufen ließ.
Wenig später schlossen sich noch mehr Mitglieder ihrer Familie der Kirche an.

Aus dem einfachen Zeugnis meiner Großmutter ist etwas Großartiges gewachsen – in dieser kleinen Stadt mit dem roten Pfeil und mittlerweile an vielen anderen Orten. Aus einer gläubigen Frau sind Viele geworden.

Eine etwas andere Bildergeschichte

In den letzten zwei Wochen hatte ich die Möglichkeit, mit jungen Erwachsenen in der Religionsinstitutsgruppe in Zwickau und  Jugendlichen in der Gemeinde Plauen über ein Thema zu diskutieren, das mich schon eine Weile beschäftigt. In Plauen sah das Tafelbild am Ende der Diskussion dann so aus. 😀

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Was für ein Durcheinander 😀 – scheinbar. Ich glaube, die Jugendlichen könnten es noch erklären.

Ich habe hier mal den Werdegang meiner Gedanken aufgeschrieben und gezeichnet. Die ursprüngliche Idee kam mir eigentlich kürzlich bei einem Workshop in der Firma – wenn auch in einem anderen Zusammenhang.

Irgendwo halten wir alle verschiedene Bälle in der Luft.Das sind unsere Aufgaben, Pflichten, Verantwortung, aber auch Vorlieben, Hobbies, Freizeit. Unser soziales Leben gehört genauso dazu wie unsere Gewohnheiten.

Wenn alles wohl geordnet und überschaubar ist, kann man auch alles wunderbar jonglieren.

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Aber so ist das Leben höchst selten oder nie. Wir haben viel mehr Bälle in der Luft.

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Und auch dieses Bild ist noch viel zu optimistisch, denn die Welt, in der wir leben, steht nicht still. Wir können unseren Bällen ständig neue hinzufügen. Es sind viele dabei, die uns dabei helfen können, mit der ganzen Last sinnvoll umzugehen. Allerdings gibt es auch viele destruktive Bälle, die wir manchmal mehr lieben, als die hilfreichen.

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Was uns nützt und was uns schadet, ist manchmal nicht so leicht ersichtlich. Wir sind ja auch alle verschieden. Leider entpuppen sich manche Dinge recht drastisch, wenn die Welt um uns aus den Fugen gerät, wenn es bebt, stürmt und hagelt.

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Das erinnert etwas an die finalen Worte der Bergpredigt in Matthäus 7 oder 3. Nephi 14 im Buch Mormon:
„Darum: Wer diese meine Worte hört und sie tut, den will ich mit einem weisen Mann vergleichen, der sein Haus auf einem Felsen baute—
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf einem Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, wird einem törichten Mann gleichen, der sein Haus auf dem Sand baute—
und der Regen fiel, und die Fluten kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und groß war sein Fall.“

Ein Fundament haben wir hier noch gar nicht gezeichnet. Davon wird später noch die Rede sein. Fakt ist, dass wir nicht alle Bälle in der Luft halten können, ohne Schaden zu nehmen. Allerdings können uns bei diesen Turbulenzen Bälle weg fliegen, die wir lieber behalten sollten. Andere werfen wir weg, weil sie uns lästig werden oder wir sie schlicht und einfach nicht mehr beherrschen.

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Wir mögen uns ab und zu fragen, ob die Schriftstelle in Matthäus 11:28-30 wirklich Sinn macht:
„Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn das Joch, das ich auferlege drückt nicht, und die Last, die ich zu tragen gebe, ist leicht.“

Viele Bälle, die wir in der Luft halten oder die weg fliegen, sind gegensätzlich: Verantwortung vs. Unverbindlichkeit, Sünde vs. Rechtschaffenheit, Süchte vs. Disziplin, Liebe vs. Hass, guter Job vs. schlechter Job, Fleiß vs. Trägheit, Glaube vs. Unglaube, Hoffnung vs. Hoffnungslosigkeit, Gesundheit vs. Krankheit, Freude vs. Leid, Glücklichsein vs. oberflächliches Vergnügen, Ausgeglichenheit vs. Unrast, Eigenständigkeit vs. Abhängigkeit, Nachhaltigkeit vs. Gedankenlosigkeit, Reinheit vs. Ausschweifung … Jeder kennt seine Bälle und kann die Aufzählung fortsetzen.

Ein Grundproblem unserer Zeit ist die Überbetonung des Ich. Mir muss es gut gehen. Ich muss mich finden. Zuerst komme ich dann alles andere. Diese inzwischen dominante Einstellung hat signifikante Auswirkungen. Wir können uns nicht losgelöst von anderen betrachten, denn unsere Entscheidungen haben sehr wohl Auswirkungen auf andere. Nehmen wir als Beispiel die Familie.

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In einer Familie gibt es eine ganze Menge mehr Dinge zu jonglieren. Wenn man sich allerdings entscheidet, den Fokus auf die richtigen Bälle zu legen, kann eine Familie oder eine Gruppe von Menschen, zwischen denen wertvolle Gefühle herrschen, eine ganze Menge Aufgaben mehr schultern. Leider befindet sich diese Einstellung unter einer ständigen Bedrohung durch das, was um uns herum geschieht oder viele schädliche und unnütze Bälle, die uns zugeworfen werden. Wir glauben daran, dass hinter diesen Bedrohungen ein wirkliches Wesen mit konkreten Absichten steckt – Satan, der Widersacher oder in den Heiligen Schriften auch Luzifer oder der Teufel genannt. Er, dessen Ziel es ist, möglichst viele Menschen genauso elend zu machen, wie er selbst ist. (siehe Buch Mormon, 2. Nephi 9:9 und 2. Nephi 2:27)

Eine der gravierendsten Folgen, die wir wahrnehmen, ist die Abnahme von Liebe und Nächstenliebe in Familien und der Gesellschaft. Zerbrechende Beziehungen belasten immer mehr Menschen körperlich und seelisch. Es scheint, als ob wir eine Gesellschaft errichten, die mental weniger belastbar wird und vereinsamt. In Familien sind die Hauptleidtragenden die Kinder, wenn Keile zwischen den Eltern entstehen. Es gehört zu den großen Irrtümern unserer Zeit, diese Probleme – den Zerfall und die Instabilität von Familien zu verharmlosen.

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Die Familie dient hier als ein Beispiel. Der wichtige Punkt ist aber, welche wichtigen Bälle weggeworfen und für welche destruktiven Bälle mehr Kraft und Energie eingesetzt wurden. Es sind aber nicht nur die Bälle. Es kommen wertvolle Menschen zu Schaden, oft dauerhaft. Wir sehen auch noch kein Fundament, das gemäß der oben zitierten Schriftstelle Regen und Sturm standhalten kann, selbst wenn die Gewalten und Turbulenzen in Zukunft noch viel stärker werden.

Wie baut man nun ein Fundament, das etwas taugt? Noch mehr Bälle? Noch mehr du sollst, du sollst, du sollst? Das ist nicht die Lösung. Woraus sollte dieses Fundament bestehen? Dies ist eine sehr individuelle Frage aber ich glaube, es gibt einige grundlegende Prinzipien. In unser Fundament packen wir nur Dinge, die wir wollen und die uns in Fleisch und Blut übergegangen sind. Was wir nicht wollen, bleibt ein Ball in der Luft, der uns mehr oder weniger Mühe macht. Wir müssen uns möglicherweise oft entscheiden, ob wir ihn überhaupt behalten wollen und so wird er schnell zur Last. Destruktive Dinge, die uns anhaften, schwächen unser Fundament und verringern auch nicht die Turbulenzen. Es liegt auf der Hand, dass es besser wäre, sie loszuwerden. Leider sehe ich oft in meiner Berufung, dass die Auswahlkriterien unklar sind, dass Bequemlichkeit mehr zählt als Nachhaltigkeit.

Ein paar Beispiele: das tägliche persönliche Gebet und das Familiengebet, sowie das regelmäßige Nutzen der Heiligen Schriften – so lange, wie sie Bälle in der Luft sind, die häufig zur Disposition stehen, können wir nur sporadisch oder gar nicht die Segnungen erfahren, die folgen würden, wenn wir eine dauerhafte Gewohnheit daraus machen, weil wir es wollen (nicht sollen) und diese Komponenten als einen starken Block in unser Fundament packen.

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Wenn wir diesem Prinzip folgen, bauen wir Schritt für Schritt ein besseres Fundament, in dem wir lernen und verstehen, was uns und den Menschen um uns herum (ausdrücklich NICHT NUR UNS SELBST) mehr Stabilität und Schutz vor destruktiven Einflüssen verleiht.

In meiner kirchlichen Berufung, aber nicht nur dort, erlebe ich zu häufig, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen Dinge abwählen, die sie eigentlich in ihrem Fundament brauchen – in der Regel, weil sie unbequem und vielleicht auch unpopulär sind oder den Glauben attackieren. Tempel, Zehnter und Fastopfer, Gebote, Bibel, Buch Mormon, regelmäßige Teilnahme am Abendmahl, Umkehr, Nächstenliebe, Selbstlosigkeit, Familie, Joseph Smith, Jesus Christus etc. Wenn diese und andere Dinge, die ins Fundament gehören, immer Bälle in der Luft bleiben, werden sie schwerer und schwerer und dann lassen wir sie irgendwann fallen. Es ist mühsam, Hass zu besiegen, eine Sucht, ein zwanghaftes oder unakzeptables Verhalten, Egoismus, Unverbindlichkeit, etc. etc. Aber diese Dinge und andere haben im Fundament nichts zu suchen, weil sie den Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft nicht standhalten. Sie sollten noch nicht mal Bälle in der Luft sein, für die wir Kraft, Energie und Konzentration aufwenden und damit verschwenden. Wir sollten sorgfältig aussortieren.

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Ein gutes Fundament ist die Basis, um uns selbst, unsere Familie, unsere Gemeinde oder Gemeinwesen vor Turbulenzen und Erschütterungen zu schützen bzw. die Auswirkungen derselben zu minimieren. Gleichzeitig habe ich ein Dach gezeichnet, dass nicht suggerieren soll, dass man Schutz nur durch Abkapselung erhält. Der Schutz besteht darin, sich vorzubereiten und Vorkehrungen zu treffen, einen Ort der Zuflucht zu schaffen, vor allem im geistigen Sinne.

Kürzlich las ich eine Kolumne von einem dieser jungen Journalisten, mit sicherlich noch begrenzter Lebenserfahrung, die die Meinungen in unserer Gesellschaft sehr stark prägen. Er meinte, was wir definitiv nicht brauchen, ist eine Rückbesinnung auf christliche Werte. Aha. Junger Mann, dachte ich, du weißt nicht wirklich, wovon du sprichst. Diese fragwürdige Aussage hat mich so beschäftigt, dass ich ihr möglicherweise einen weiteren Post widmen werde.

Uns fehlt nämlich in unserem Bild noch der wichtigste Teil, der wichtigste Bestandteil unseres Fundamentes – Jesus Christus. Man könnte unzählige Schriftstellen zitieren, warum das so ist. Ich habe nur zwei gewählt. Die erste hat Präsident Kearon erwähnt, als wir kürzlich in Offenbach mit der Gebietspräsidentschaft Europa zusammen waren. Sie steht im Buch Mormon in Omni 1:26:

„Und nun, meine geliebten Brüder [und Schwestern], möchte ich, daß ihr zu Christus kommt, der der Heilige Israels ist, und an seiner Errettung und an der Macht seiner Erlösung teilhabt. Ja, kommt zu ihm und opfert ihm eure ganze Seele als Opfer, und fahrt fort mit Fasten und Beten, und harrt aus bis ans Ende; und so wahr der Herr lebt, werdet ihr errettet werden.“

Durch das Sühnopfer Jesu Christi wird uns hinzugefügt, was wir selbst nicht tun können – wenn wir es für uns annehmen. Wichtige Voraussetzungen dafür sind Glaube, Hoffnung und Demut. Demut führt zum Verständnis des Sühnopfers und ebnet den Weg für die Herzensänderungen, die für den oben besprochenen Prozess erforderlich sind. Es lohnt sich auf jeden Fall, mehr darüber zu lernen und selbst zu erfahren, wie Lasten tatsächlich leichter werden können (wie in der Schriftstelle oben) – nicht weil sie notwendigerweise verschwinden, sondern weil sich die Art und Weise, wie wir damit umgehen, ändert. Ich denke, selbst viele Christen haben davon nur ein unvollständiges Verständnis.

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Diese Schriftstelle zum Abschluss ist selbsterklärend.

„Darum müßt ihr mit Beständigkeit in Christus vorwärtsstreben, erfüllt vom vollkommenen Glanz der Hoffnung und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen. Wenn ihr darum vorwärtsstrebt und euch am Wort von Christus weidet und bis ans Ende ausharrt, siehe, so spricht der Vater: Ihr werdet ewiges Leben haben.
Und nun siehe, meine geliebten Brüder, dies ist der Weg; und es ist kein anderer Weg noch Name unter dem Himmel gegeben, wodurch der Mensch im Reich Gottes errettet werden kann. Und nun siehe, dies ist die Lehre von Christus und die einzige und wahre Lehre vom Vater und vom Sohn und vom Heiligen Geist, die ein Gott sind ohne Ende. Amen.“  
Buch Mormon, 2. Nephi 31:20, 21

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Christus Statue im Besucherzentrum auf dem Tempelplatz in Salt Lake City

Zum Jahresende – Report von der Herbst-Pfahlkonferenz

Vielen Dank allen Lesern für das Interesse an meinem Blog und das umfangreiche Feedback. 2015 kamen sie aus folgenden Ländern (nach Häufigkeit): Deutschland, USA, Schweiz, Österreich, United Kingdom, Dänemark, Kanada, Brasilien, Italien, Russland, Tschechien, Indien, Niederlande, Australien, Thailand, Neuseeland, Indonesien, Frankreich, Südafrika, Portugal, Ungarn, Taiwan, Mexiko, Spanien, Malaysia, Norwegen, China, Griechenland, Japan, Argentinien, Finnland, Türkei, Kolumbien, Vereinigte Arabische Emirate, Belgien, Kambodscha, Irland, Venezuela, Schweden, Kroatien, Rumänien, Polen, Litauen, Ecuador, Peru und Mazedonien.

Ich denke, ich werde deshalb in Zukunft etwas mehr ins Englische übersetzen. 🙂

Als Gedanke zum Jahreswechsel möchte ich meine Ansprache zur Priestertums-Führerschaftsversammlung, wie sie Bruder Geiler im Report der Pfahlkonferenz zusammen gefasst hat, verwenden und damit an das darin besprochene, äußerst wichtig Prinzip erinnern.

Den kompletten Report kann man von www.pfahl-leipzig.de unter dem Ordner Berichte von der Pfahlkonferenz herunterladen.

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Orchester des Pfahles Leipzig beim Vorspiel vor der Konferenz

Auszug aus der Versammlung vom 7. November 2015:

Präsident Thomas Hengst ergreift das Wort.

Zu Beginn seiner Ausführungen gibt er seiner Dankbarkeit für die Hingabe, Zeit und Arbeit der Brüder im Pfahl Ausdruck und resümiert, dass Zion in unserem Pfahl in einem guten Zustand ist.

Kürzlich flog er im Rahmen einer Dienstreise von Budapest nach Istanbul. Während des Flugs machte er sich Gedanken, die zu seiner heutigen Ansprache führen. Er bittet alle Anwesenden, während seiner Botschaft darüber nachzudenken, welche Menschen in ihrem Bekannten- und Verantwortungskreis das Evangeliumsprinzip, das Präsident Hengst uns jetzt nahebringen möchte, brauchen.

Vor sechs Jahren wurde Präsident Hengst als Pfahlpräsident berufen. Er verweist auf den damaligen Gebietspräsidenten Elder Kopischke, der in dem Segen, den der Pfahlpräsident bei seiner Einsetzung erhalten hat, sagte: „Nutzen Sie die Zeit, in der Sie Pfahlpräsident sein werden, dazu, so zu werden, wie Sie der Himmlische Vater haben möchte!

Präsident Hengst denkt, dass er einiges im Evangelium bereits verstanden hat in diesen 6 Jahren. Manches hat er noch nicht völlig verstanden. Sein Ziel ist, die bereits identifizierten Schwächen abzulegen. Er sagt: „Ich habe eines gelernt, – und dafür bin ich sehr dankbar, denn dadurch wurde mein Leben bereichert:  Ich habe meine Fähigkeit entwickelt, zu lieben!

Die gegenwärtige Zeit stellt Mitgefühl, die Geduld mit anderen Menschen, die Liebe auf die Probe. „Wutbürger“ verbreiten ihre Ansichten auf inakzeptable Weise.

Der Sprecher warnt uns davor, diese „Kultur“, diese Denk- und Verhaltensweise in unsere Räte einziehen zu lassen und verweist auf die Worte des Herrn in Lehre und Bündnisse 121. Über die Anwendung dieser Worte müssen wir alle nachdenken, denn sie sind die Handlungsanweisung für jeden Priestertumsträger.

In jeder Gemeinde gibt es Mitglieder, die eine etwas größere Portion Nächstenliebe brauchen – und die brauchen sie auch von ihren Priestertumsführern! Wir alle haben die richtigen Gedanken, die wir brauchen,  Herzen zu heilen und Menschen zu stärken, die sich in schwierigen Situationen befinden.

Präsident Thomas Hengst zitiert Lehre und Bündnisse 121:34-36: „Siehe, viele gibt es, die berufen sind, aber wenige werden erwählt. Und warum werden sie nicht erwählt? Weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben, dass sie diese eine Lehre nicht lernen wollen, nämlich: Die Rechte des Priestertums sind mit den Himmelskräften untrennbar verbunden, und die Himmelskräfte können nur nach den Grundsätzen der Rechtschaffenheit beherrscht und gebraucht werden.“

Wenn wir als Priestertumsträger wirkungsvoll tätig sein wollen, müssen wir verstehen, dass wir im Namen des Himmlischen Vaters handeln – so, wie der Herr handeln würde.

In Lehre und Bündnisse 121:39 heißt es: „Traurige Erfahrung hat uns gelehrt: Fast jedermann neigt von Natur aus dazu, sogleich mit dem Ausüben ungerechter Herrschaft anzufangen, sobald er meint, ein wenig Vollmacht erhalten zu haben.“

Lassen Sie uns nicht in diese Falle tappen! Wir dürfen nicht eine HERRSCHAFT anstreben, sondern uns bemühen, zu DIENEN! Im Evangelium geht es nie darum, wer BESTIMMT, sondern immer darum, wer DIENT!

In Lehre und Bündnisse 121:40-41 lesen wir weiter: „Daher sind zwar viele berufen, werden aber wenige erwählt. Kraft des Priestertums kann und soll keine Macht und kein Einfluss anders geltend gemacht werden als nur mit überzeugender Rede, mit Langmut, mit Milde und Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe,…“

Manchmal fällt es uns schwer, zu lieben. Manchmal machen es uns auch andere Menschen schwer, sie zu lieben. Präsident Hengst bezeugt, dass Liebe und ungeheuchelte Nächstenliebe starke, ausfüllende Gefühle sind.

Er sagt: „Ich bin oft mit dem Auto in die Gemeinden unterwegs. Wenn ich fahre, erlebe ich  heilige Momente, in denen ich versuche, nichts Weltliches an mich heran zu lassen. Ich denke oft über Menschen in den Gemeinden nach, die ich besuche. Diese Momente sind Momente der Offenbarung, in denen ich fühle und spüre, was Menschen brauchen!“

Der Pfahlpräsident bezeugt uns, dass solche Gefühle so stark sind, dass sie ihm Schauer über den Rücken laufen lassen, dass sie eine alles erfüllende Liebe hervorrufen.

Diese Gefühle können wir alle haben! Präsident Thomas Hengst sagt: „Nächstenliebe ist ein besonderes Merkmal unserer Kirche, darauf ist das Evangelium Jesu Christi aufgebaut! Es gibt nichts Größeres!

Und es ist möglich, alle Gefühle des Unwohlwollens und der Ärgernisse, nichtkonstruktive Kritik, Streit und  Auseinandersetzungen in den Räten zu überwinden!

Manchmal kommt es zu besonderen Herausforderungen in unseren Versammlungen.

„Aber“, fordert uns Präsident Hengst auf, „lassen Sie nie zu, dass eine Atmosphäre entsteht, in der der Heilige Geist nicht empfangen werden kann! DAFÜR IST JEDER EINZELNE VERANTWORTLICH! Manchmal muss man etwas zurücktreten, vielleicht einen Kompromiss akzeptieren.“

Weil wir in einer Welt leben, in der diese Kultur wirkt, und die Gefahr besteht, dass sie in unser Leben, in unsere Räte, in uns eindringt, spricht Präsident Hengst so eindringlich über dieses Prinzip und verweist auf Lehre und Bündnisse 121:42-46: „…mit Wohlwollen und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich die Seele sehr erweitert – ohne Heuchelei und ohne Falschheit. Alsbald mit aller Deutlichkeit zurechtweisend, wenn dich der Heilige Geist dazu bewegt, wirst du danach aber demjenigen, den du zurechtgewiesen hast, vermehrte Liebe erweisen, damit er nicht meint, du seiest sein Feind, damit er weiß, dass deine Treue stärker ist als die Fesseln des Todes. Lass dein Inneres auch erfüllt sein von Nächstenliebe zu allen Menschen und zum Haushalt des Glaubens, und lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen stark werden in der Gegenwart Gottes, und die Lehre des Priestertums wird dir auf die Seele träufeln wie Tau vom Himmel. Der Heilige Geist wird dir ein ständiger Begleiter sein und dein Zepter ein unwandelbares Zepter der Rechtschaffenheit und Wahrheit, und deine Herrschaft wird eine immerwährende Herrschaft sein, und ohne Nötigung wird sie dir zufließen für immer und immer.“

Unser Pfahlpräsident schließt mit seinem Zeugnis: „Ich weiß, dass wir viel mehr Liebe brauchen und dass wir Liebe empfangen können, wenn wir den Wunsch haben, dieses Gefühl zu haben. Ich weiß, dass es ein machtvolles Gefühl ist, dass es so stark ist, dass es alle Differenzen überwinden kann. Ich lade Sie ein, zu versuchen, dieses Prinzip anzuwenden. Es ist so wichtig!

Im Namen Jesu Christi

Amen!“

Den letzten Satz dieses Jahr möchte ich meiner Familie widmen. Ich liebe sie alle von ganzem Herzen. Sie sind die wichtigsten Menschen in meinem Leben.

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Heilig Abend bei uns zu Hause